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711 – Mythologie – mythologische Bezugnahmen zu den Traumsymbolen

30.05.1962

Schlangen

Schlange als weiblicher Logos: Hyppolytos betrachtete die Schlange als einen weiblichen Logos, als «das weise Wort der Eva». Das sei das Mysterium von Eden. - Nach Barbara Walker ist die augenblickliche Form der biblischen Geschichte offensichtlich eine oft revidierte Version der ursprünglichen Erzählungen von der Grossen Mutter und ihrer Schlange. Babylonische Tempelbilder zeigen, wie die Göttin, begleitet von ihrer Schlange, sich den Menschen zuwende und ihnen «die Nahrung der Unsterblichkeit» reiche. Die Pyramidentexte besagten, die Schlange habe die Nahrung des ewigen Lebens gespendet (BN 1300, 973) - Für die Riesenschlange, die im Jung‘schen System ein Archetypus darstellt, dürfte dasselbe gelten, was Marie-Louise von Franz über Archetypen sagt: Jeder Archetyp sei kraftgeladen, «eine explosive Dynamitladung, und darum weitgehend unkontrollierbar» (BM 1369, 17).

189

01.01.1966

Schlangen

Die «erhobene» Kobraschlange: Von südamerikanischen Schlangenbeschwörern werden zusammengerollte Schlangen benutzt. Wenn die «zusammengerollte Kundalini» der Yogatradition, von ihrem Geheimplatz an der Basis der Wirbelsäule erwacht, bewege sie sich durch die Chakras oder Energiezentren zum Kopf hin und aktiviere das spirituelle Leben. In Ägypten sei das früheste Zeichen der Göttin das gleiche wie für Schlange, die «erhobene Kobra» (Vicki Noble, BN 1316, 94).

378

10.09.1967

Schlangen

In vielen gnostischen Schriften wird die Schlange des Paradieses dafür gepriesen, dass sie der Menschheit gegen den Willen eines tyrannischen Gottes, der die Menschen in Unwissenheit halten wollte, das «Licht» des Wissens gebracht hat (ID-Buch 1300, 969-976). Bei den indischen Nagas bewachte eine Schlange das wunderbare Buch Thot, das in einem Unterwasser-Palast verborgen war (970). Ferner schreibt Walker: «Das weibliche Prinzip der Spiritualität kam von der Schlange, der Unterweiserin, und sie lehrte sie und sprach: Und dann verfluchte (Gott) die Schlange und die Frau. Einige gnostische Sekten verehrten sowohl Eva als auch die Schlange wegen ihrer Bemühungen um die Menschheit.» - Die augenblickliche Form der biblischen Geschichte ist nach Walker offensichtlich eine oft revidierte Version der ursprünglichen Erzählungen von der Grossen Mutter und ihrer Schlange. Babylonische Tempelbilder zeigen, wie die Göttin, begleitet von ihrer Schlange, sich dem Menschen zuwendet und ihm die Nahrung der Unsterblichkeit reicht. Die Pyramidentexte besagen, die Schlange habe die Nahrung des ewigen Lebens gespendet. Von Hyppolytos weiss Walker, dass er die Schlange als einen weiblichen Logos betrachtete, als das «weise Wort der Eva».

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04.01.1968

Schlangen

Carola Meier-Seethaler schreibt über zweiköpfige Tiere auf griechischen Vasenbildern, bekannt vor allem als zweiköpfiger, manchmal auch dreiköpfiger Höllenhund, dass sie «eine Besonderheit der Leben-Tod-Symbolik» darstellen. Die Mehrköpfigkeit korrespondiere mit den Mondphasen und zugleich mit dem Lebenszyklus, wobei der Hund ursprünglich nicht nur ein Totenbegleiter, sondern ein Seelentier für den ganzen Lebenszyklus war. In der vorasiatischen und früheuropäischen Kunst begegnen uns auch zweiköpfige Adler, Enten, Böcke und Pferde (BN 1294, 50). - In ihrer gegenständlichen Anordnung erinnern die zweiköpfigen Tiere an die Darstellung des Gottes Janus, dessen Gesichtshälften dem zunehmenden und abnehmenden Mond nachgebildet sind (BN 1294, Bild S. 51). Meier-Seethaler spricht daher von janusköpfigen Tieren, die tatsächlich, wie Janus auf Ende und Neubeginn, auf Tod und Leben hinweisen. Dies gelte besonders für die beiden «endköpfigen» Schlangen, die ein weltweites Motiv darstellen (BN 1294, 50).

513

20.01.1968

Schlangen

Farbe Schwarz: Etwas schwarz in schwarz malen oder in den schwärzesten Farben sehen, alles durch die schwarze Brille sehen. «Schwarz» steht in diesen Wendungen für eine pessimistische Grundhaltung oder Sichtweise. - Die Farbe Grün wurde in der mittelalterlichen Dichtung und später dann im Volksmund als Inbegriff der Frische und des Frühlingshaften gepriesen. Metapher zu Grün: «über den grünen Klee loben» im Sinne von «jemanden oder etwas übermässig loben». Die Theaterkritiker lobten die Aufführung über den grünen Klee (Brockhaus 2004).

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13.08.1968

Schlangen

Analyse: «Auflösung: Zergliederung, Untersuchung»: Der in dieser Form seit dem 18. Jh. bezeugte wissenschaftliche Terminus geht zurück auf griech.mtlat. analysis «Auflösung; Zergliederung (BN 1313, 34).

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26.11.1973

Schlangen

Klapperschlange: Barbara Walker verweist auf ein Klapperschlangen-Swastika von einem indianischen Grabhügel, die an die Verehrung erinnert, die giftigen Schlangen gezollt wurde. Vier Klapperschlangen-Geister liegen um ein Sonnenkreuz, die eine Verbindung zu den geflügelten oder gefiederten Schlangen-Gottheiten von Mexiko und Mittelamerika herstellen. An deren Körper befinden sich seltsame Hundegesichter, Mauseohren, Menschenzähne und stilisierte Flügel (BN 801, 85). - Klapperschlangen gehören zur Gattung amerikanischer Grubenottern, die bei Erregung mit Hornringen am Schwanzende ein rasselndes Geräusch erzeugen; bei jeder Häutung entsteht ein neues Segment der Klapper. Das hochwirksame Gift der Klapperschlangen enthält vorwiegend zytotoxische und hämotoxische, aber auch neurotoxische Komponenten (Brockhaus 2004).

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15.01.1959

Fische

Wal und Walfisch: Jonas Wal ist in der Bibel ein Fisch, weil die Autoren dieser Periode nicht wussten, dass Wale Säugetiere sind. Der Wal der Jonasgeschichte war die babylonische Meeresgöttin Derketo oder «Wal von Der»; sie verschlang den Gott Oannes und gab ihn in einer Neugeburt wieder dem Tageslicht zurück. In dieser Geschichte und anderen antiken Schriften erscheint der Wal als Symbol «der Welt, des Körpers und des Grabes». - Vom Wal verschlungen zu werden weise auf einen Einweihungsritus hin, der zur Wiedergeburt führe (ID-Buch 801, 525).

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23.06.1959

Fische

Fisch und Baumstamm: Die Geschlechtssymbolik spielt im Denken und Brauchtum mancher Primitivstämme eine grosse Rolle. Dabei wäre es völlig falsch, die sexuellen Anspielungen jeweils und immer für bare Münze zu nehmen. Auch Unsexuelles werde häufig durch Genitalsymbolik dargestellt («länglich» für das Maskulinum und «rund» für das Femininum). Dies hätten sich die jüngeren Schulen der Psychologie (Tiefenpsychologie, C.G.Jung) vielfach zunutze gemacht. - Für das Wachbewusstsein peinliche, meist dem Sexualleben entstammende Vorstellungen werden häufig in Bildsymbole übertragen, wie «Schrank», «Schloss» und «Zimmer» für das weibliche Genitale, «Speer», «Schlüssel», «Regenschirm» für das männliche (BN 1353, 302-305).

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26.11.1963

Fische

Aal: Das Bild «vom eigenen Schwanz» durchbohrten Aal erinnert an die mythologische, sich in den Schwanz beissende Schlange, die von den mittelalterlichen Hermetiker, als Ouroboros (König der Magie) verehrt wurde, der eine Mischung aus dem Christus Ophion der Ophiten, dem griechischen Hermes, der phönikischen Taaut, der ägyptischen Tuat und anderen alten schlangenschwänzigen Gottheiten wie dem Unterweltorakel Python gewesen sei. - Zwei Schlangen, die einander in den Schwanz beissen, verbanden das Mandala Yin und Yang mit dem Caduceus und drückten die zweigeschlechtliche Natur des Hermes sowie jeden zyklischen Wechsel aus: Geburt/Tod, Sommer/Winter, Licht/Dunkelheit usw. Der Ouroboros sei in bestimmten Teilen Europas immer noch als unterirdische Macht empfunden worden. (Barbara Walker, BN 1300, 969-976, siehe auch BN 801, 519)- Aale sind nach dem Universal-Lexikon Knochenfische. Deren Eigenart ist, dass sie für das Laichgeschäft zur Geburtsstätte zurückkehren und mittels gewaltiger Sprünge die hohen Fluss-Klippen erklimmen. Zur Symbolik des Brunnens: Das Ausheben und die Verehrung von Brunnen gehörte nach Barbara Walker zu jenen heidnischen Bräuchen, die die Geistlichen während des gesamten Mittelalters sehr verärgerten, denn dabei handelte es sich um eine offen sexuelle Art, das weibliche Prinzip zu feiern. Die Kirche diffamierte viele der früher heiligen Brunnen als cunnus diaboli, oder als «teuflische Fotze» (BN 801, 174). - Der Aal erinnert an die Metapher: «schlüpfriger als ein Aal», die Martin Luther dem geistig breit gefächerten Erasmus von Rotterdam übergestülpt hat, weil man ihn nicht fassen könne, der alles nach der blossen Vernunft entscheide und keine höheren Normen kenne, obschon doch Gottes Werk viel anders gehe denn Vernunft und Menschending. Walter Nigg schreibt, noch viel später habe Luther den Humanisten einen Feind aller Religionen gescholten, mit dem er nichts zu tun haben wollte. «Während die Glutvollen den Erasmus der Halbheit bezichtigten, priesen ihn die ruhigen Gemüter als Vorbild. Das vermittelnde Element, das Konziliante und die Kompromissbereitschaft von Erasmus' Wesen übte auf die Menschen eine starke Anziehung aus.» Es sei unangebracht, über die entgegenkommende Einstellung als eine schwächliche Haltung geringschätzend die Achseln zu zucken. Denn Erasmus wollte «die Freiheit des Geistes bringen, Klarheit der Sitten, Sauberkeit der Einsichten und Erkenntnisse und vor allem Harmonie eines gesunden, vernünftigen und guten Lebens». Er habe eine Abscheu gegen die hohle Feierlichkeit scheinbar gelehrter Personen, gegen die inhaltlose Würde, gegen das Unbillige, gegen das rein Formale, gegen die subalterne Gemeinheit. - Im Meinungsstreit zwischen Protestantismus und Katholizismus habe Erasmus geklagt, es sei nun mal sein Schicksal, «von beiden Teilen gesteinigt zu werden», während er bemüht sei, für beide besorgt zu sein (BN 1159, 115-117).

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29.11.1966

Fische

Zum Fischlein «Remora»: C.G.Jung deutet das winzige Fischlein Remora als ein Symbol des Selbst, das hier als ein winzig Kleines erscheint im ungeheuren Meer des Unbewussten, wie der Mensch im pelagus mundi. Die Symbolisierung als Fisch charakterisiere «das Selbst in diesem Zustand als unbewussten Inhalt. Ferner meint er, es bestünde wohl keinerlei Hoffnung, dieses unscheinbare Lebewesen je zu fangen, wenn nicht ein «magnes sapientum» im bewussten Subjekt vorhanden wäre, das Jung dann dem männlichen Geschlecht zuschreibt. Dieser Magnet sei «offenkundig das, was ein Meister dem Schüler mitteilen» könne, nämlich die «theoria», «welche das einzige, wirkliche Besitztum» darstelle, «von dem der Adept ausgehen» könne. Die «prima materia» sei nämlich immer erst zu finden, wozu ihm das «artificiosum», eben «die mitteilbare Theorie» diene (BN 1202, 206-209). - Mit dieser einengenden jungschen Einstellung zum Verhältnis von theoretischen Vorgaben und Lebenswirklichkeit, wird allerdings weder ein «Meister» noch sein «Adept» je fähig sein zur unvoreingenommenen Wahrnehmung der seelischen Tiefenschichten, die hier durch das Fischlein Remora symbolisiert sind.

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01.08.1969

Fische

Himmel und Weltseele: Das Wort «Weltseele» bezeichnet die sich selbst bewegende, alles durchdringende und ordnende weibliche Lebenskraft, die noch über der Vernunft steht, so zuerst bei Platon (Timaios), dann v.a. bei Plotin und im Neuplatonismus, Agrippa von Nettesheim und im Vitalismus des 17.Jahrhunderts. - Die Lehre von der Weltseele brachte dem italienischen Philosophen und Dominikaner Giordano Bruno eine Anklage wegen Ketzerei ein, der er sich 1576 durch Flucht entzog. Er fiel 1592 in Italien in die Hände der Inquisition und wurde nach siebenjähriger Gefangenschaft verbrannt (Brockhaus 2004). - Das «grandiose Erleben der Weltseele» hat sich nach Walter Nigg in der Gestalt von Jesus wieder gespiegelt. Die frohe Botschaft vom kommenden Gottesreich sei eine überirdische Wirklichkeit. Sie sei aus einer übergeschichtlichen Welt hervorgegangen und sei nur von da her zu verstehen. - Die metaphysische Wirklichkeit erscheine von aussen her betrachtet phantastisch, von innen gesehen sei sie realer als alle bloss äusserlich wahrnehmbare Wirklichkeit. Mit dem materialistischen Wirklichkeitsbegriff könne nur ein Bruchteil der realen Wirklichkeit verstanden werden; mit ihm würden alle anderen auch noch vorhandenen Dimensionen übersehen (ID-Buch 1145, 27-37). - Das "grandiose Erleben der Weltseele" ist allerdings ein sehr altes Erleben. Barbara Walker verweist auf die Göttin Sige (Stille), die am Anfang aller Dinge existierte. Sie gebar Sophia (Weisheit), die gnostische Grosse Mutter, die sowohl die Braut wie die Mutter Gottes war. Einige Gnostiker übernahmen die Vorstellung von der Weltseele, die sie mit Sophia gleichsetzten und die sie sich manchmal in androgyner Vereinigung mit Gott dachten. Diese Ansicht vertrat der Kirchenvater Origenes, der zu seiner Zeit verehrt, drei Jahrhunderte später jedoch wegen seiner häretischen Ansichten exkommuniziert wurde (ID-Buch 1300, 317).

562

01.08.1969

Pferde

Wolkenpferde: Geisterhafte graue Wolkenpferde waren Reittiere von Odins Wilder Jagd, was die Seelen der Toten sein sollten, die über die Baumwipfel galoppierten. - Das Pferd war auch ein Symbol der Apotheose, der Vergöttlichung (BN 801, 513-515).

562

23.03.1982

Pferde

Pferdetraining und Bewunderung: Der männliche Anspruch, von Frauen beachtet und bewundert zu werden, lässt sich auch in psychologischen Theorien bzw. Mythologien erkennen. Jahrzehntelang rieten (und raten) männliche Eheberater, Frauen sollten ihre Freunde und Ehemänner bewundern (zu ihnen aufschauen), als Voraussetzung für deren Liebesfähigkeit und Potenz. Der Psychotherapeut und Kinderpsychologe Winnicott hat in zahlreichen Büchern seine Meinung kundgetan, für das Selbstwertgefühl von Kindern (Knaben) sei es unabdingbar, dass sie von ihren Müttern bewundert würden. Im Gegensatz dazu weisen Pädagoginnen, Psychologinnen und andere Fachfrauen immer stärker auf die schädigende Wirkung hin, die aus der Überidealisierung von Knaben und Männern resultieren. Das überdimensionierte männliche Selbstwertgefühl sei eine Folge dieser Überidealisierung (BN 1241).

801

15.07.1959

HündinHund

Schäferhunde wurden ursprünglich nur als Hütehunde eingesetzt, später auch als Schutz- und Begleithunde, z.B. Deutscher Schäferhund (Brockhaus 2004).

48

04.10.1967

HündinHund

Der «Boxerhund» ist ein körperlich vitales und starkes Tier. Gleichzeitig ist er ein Familienhund mit einem ausgeprägt friedfertigen und kinderlieben Charakter, der alle Familienmitglieder annimmt. Die Träumerin hielt real eine Boxerhündin. Diese stammten von Eltern, die beide als Lawinenhunde ausgebildet und prämiert worden waren. Bei der Boxerhündin, von der in dieser Sentenz die Rede ist, ist also tatsächlich ein «edles» Tier im Sinn von Abstammung, Charakter und Gesundheit. Lawinenhunde müssen gesund und stark sein: sie müssen der Kälte trotzen können und bei der Suche nach verschütteten Menschen Ausdauer zeigen.

486

01.11.1968

HündinHund

Bauer, Bauernhund: Der Brockhaus 2004 erwähnt zum Symbol «Bauer», er sei Landwirt, Eigentümer oder Pächter eines landwirtschaftlichen Betriebes, der in der Regel von den Familienmitgliedern und heute ohne fremde Arbeitskräfte bewirtschaftet wird und aus dem der überwiegende Teil des Familieneinkommens stammt. - Geschichte: Die Anfänge der bäuerlichen Kultur lassen sich in Vorderasien bis ins 7. Jahrtausend v.Chr. zurückverfolgen; aus den voll ausgebildeten Ackerbauern und Viehzüchterkulturen (8. Jahrhundert v.Chr.) entwickelten sich die ersten Hochkulturen (Alter Orient). Die griechische und römische Kultur hatte bäuerliche Wurzeln, doch wurde das römische Bauerntum durch Grossbetriebe mit Sklavenarbeit zurückgedrängt und später zum schollengebundenen Kleinpächtertum (Kolonat). Das freie Bauerntum der Germanen (mit Privateigentum) wurde im Frühmittelalter im Raum des fränkischen Reiches und später in England weitgehend in die Organisationsform der Grundherrschaft einbezogen; so entwickelten sich die meisten Bauern im 8./9.Jahrhundert zu halbfreien (hörigen) Pächtern oder Unfreien, von denen viele aber später erbliche Besitztitel erhalten konnten. Im Hochmittelalter wurden mit dem Übergang der Grundherrschaft an das aufkommende Rittertum auch die meisten freien Bauern deren Abhängige und galten bald (im 12. Jahrhundert) als eigener Stand (rustici). Wirtschaftlich selbstständiges Freibauerntum konnte sich v.a. in Schweden, in Tirol und in der Kernschweiz halten.

542

12.07.1980

HündinHund

Barbara Walker verweist auf den biblischen Gott, der die Menschen aus Lehm schuf, wobei dieses Bild auf die Magie viel älterer mesopotamischer Göttinnen zurück führe, wie Aramaiti, Mutter der Menschen, die aus Lehm geschaffen seien. Lehm sei ein geläufiger Ausdruck für Fleisch gewesen. Fleisch, das von einer Gottheit geformt wird, durchlief viele Zyklen der Mythologie, bevor es in der jüdisch-christlichen Bibel anlangte. Lehm war nach Barbara Walker immer ein «weiblicher» Werkstoff, er war den Frauen heilig, weil es der Grundstoff der Erde war. Aufgrund dieses althergebrachten Ideenzusammenhangs war die Töpferei eine weibliche Kunst (BN 801, 463).

780

04.03.2002

HündinHund

Nach Barbara Walker stammt das Wort «Mumie» von mumiya, Konservierungsteer, der zum Bestreichen der Leichen benutzt wurde. Vielleicht bedeute es auch, dass sie der Göttin der Wiedergeburt geweiht waren, die von den Wotjaken noch heute Mumi oder Muzem-Mumi, Erdmutter, genannt werden (ID-Buch 1300, 747).

994

05.08.1962

KatzeWildkatze

Grosskatzen: Die Tierbeobachtung der frühen Menschen zeigte, dass die Löwinnen, Tigerinnen und Leopardinnen die grossen Jägerinnen sind, die Beutetiere für ihre Jungen reissen, während die männlichen Tiere der gleichen Art ungeachtet ihrer imposanteren Erscheinung weniger gefährlich sind. «Beide Eigenschaften, die mütterliche Fürsorge einerseits und die unerbittliche Tötungsbereitschaft anderseits prädestinieren das Raubtierweibchen dazu, den majestätischen Aspekt der Göttin als Herrin über Leben und Tod zu verkörpern» (Carola Meier-Seethaler, BN 7, 48-49).

203

17.10.1967

KatzeWildkatze

Löwin/Löwe: In den meisten Fällen gilt der Löwe als Symbol der Sonne. - Die Symbolik des Löwen spielte auch in der Verehrung der Göttin eine Rolle. Hator als Sphinx war eine Löwin oder trug ein Löwenhaupt. Die grosse Göttin Kybele fuhr auf einem Wagen, der von einem Löwenpaar gezogen wurde. In mittelalterlichen medizinischen Texten wurde den Bildern von Löwen Heilungsmagie zugeschrieben. - Eine Geschichte über Löwen sei bei patriarchalen Klerikern besonders beliebt gewesen. Darin werde der männliche Löwe anstelle der Löwenmutter zum eigentlichen Lebensspender für «seine» Jungen. Die Löwenjunge seien tot geboren worden und drei Tage lang bewegungslos dagelegen, bis Vater Löwe einschritt, sie anhauchte und dadurch zum Leben erweckte. - Einen Löwen zu überwältigen galt als wichtigstes Symbol der Stärke seit den Mythen des Herakles und seiner hebräischen Entsprechung Samson. Er kehrte auf der traditionellen Tarotkarte der «Kraft» in Gestalt einer Frau wieder, und nicht eines Mannes, die die Kiefer des Löwen aufzwingt. - Eine archaische Verbindung zwischen Löwen und dem weiblichen Prinzip war für patriarchale Gelehrte besonders provozierend und wurde darum bis zum heutigen Tag vertuscht. Dies war die traditionelle Hochzeit zwischen dem jüdisch-christlichen Jahwe und der Löwengattin Palästina im 5. Jahrhundert, als sie als göttliches Paar verehrt wurden (BN 801, 509-511).

491

31.10.1973

KatzeWildkatze

Raubkatzen: In der menschlichen Frühzeit fehlt die spezifische Zuordnung bestimmter Symboltiere zu weiblichen oder männlichen Gottheiten. Die Kriterien dieser Zuordnung sind jedoch völlig verschieden von patriarchalen Werturteilen. Ein durchgehendes Werturteil ist nach Carola Meier-Seethaler, dass unter der bestehenden Fauna eines Landes die gefährlichsten Tiere ursprünglich immer der weiblichen Gottheit zugeordnet sind. Das gelte für die Raubvögel ebenso wie für die grossen Raubkatzen, für die Raubfische wie die Krokodile. «In Catal Hüyük begegnet uns die Göttin in Gestalt des Geiers und des Leoparden, in Ägypten als Löwin und Krokodil/Nilpferd, In Nigeria als Wels, dem grossen Raubfisch der Flüsse», wobei die Symbolik der Raubkatzen am meisten von patriarchalen Vorstellungen überlagert seien. Dieser Sachverhalt hängt nach Meier-Seethaler wohl mit der Tierbeobachtung der frühen Menschen zusammen, dass die Löwinnen, Tigerinnen und Leopardinnen die grossen Jägerinnen sind, die Beutetiere für ihre Jungen reissen, während die männlichen Tiere der gleichen Art ungeachtet ihrer imposanteren Erscheinung weniger gefährlich sind. «Beide Eigenschaften, die mütterliche Fürsorge einerseits und die unerbittliche Tötungsbereitschaft anderseits prädestinieren das Raubtierweibchen dazu, den majestätischen Aspekt der Göttin als Herrin über Leben und Tod zu verkörpern.» Ferner erwähnt sie die grossen gehörnten Tiere, die seit der Eiszeitkunst als männlich-göttliches Prinzip erscheinen. Zum einen sind dies Wildstiere, Büffel und Urhirsch Tiere von ausserordentlicher vitaler Kraft, zum anderen zeichnen sie sich durch ihr Gehörn weithin sichtbar als männliche Tiere aus. Dazu komme, dass Horn und Stosszahn von Stier, Eber und Elefant durch ihre phallische Form den Männlichkeitscharakter betonen: «Dennoch sind alle diese Tiere Pflanzenfresser und von daher den Menschen weniger gefährlich und weniger unheimlich als die Raubkatzen» (BN 7, 48-49).

652

11.08.1979

RattenMäuse

Ratten: Alice Herdan Zuckmayer beschreibt den Rattenbefall ihrer Farm, und wie sie mit der ersten Ratte Aug in Aug stand, «die mich mit ruhiger Gefährlichkeit betrachtete». Die Ratten seien ihr durch ihre bewusste Intelligenz und berechnende Gefährlichkeit aufgefallen. In den Rattenaugen habe sie einen Grad von Bewusstsein, ein Wissen um ihre Unternehmungen und Taten gelesen, die sie aus dem Stand des Ungeziefers in den eines richtigen Feindes versetzt hätten (Alice Herdan-Zuckmayer: Die Farm in den grünen Bergen, BN 607, 97).

753

26.11.1979

RattenMäuse

Mäuschen/Troll: Der Troll war ein skandinavischer Berggeist mit einem Körper aus Fels wie die Klippen und Höhlen, in den sie der Sage nach wohnten (BN 801, 375).

761

21.12.1958

WeitereTiere

Hermelin heisst das Wiesel im Winter, wenn sich sein Pelz weiss färbt - bis einen schwarzen Punkt am Schwanz. Dieser schöne weisse Wintermantel war das Unglück des Wiesels: Menschen, die glaubten, sie hätten mehr Recht darauf als der ursprüngliche Eigentümer, waren richtig begierig auf dieses Fell. Noch ungünstiger war es für dieses Tier, dass der Hermelinpelz zum christlichen Symbol der Reinheit wurde. Die Hermelinpelze waren so teuer, dass nur die Reichsten sie tragen konnten: Und so wurde der Hermelinpelz zum Statussymbol für die Aristokratie (ID-Buch 801, 496).

12

20.09.1959

WeitereTiere

Drache: Nach Carola Meier-Seethaler gehört der Drache zur vorpatriarchalen Gruppe der sogenannten Mischwesen, die den Charakter der matrizentrierten Weltsicht am besten wiedergeben. In den Drachen sieht sie geflügelte Schlangen, die für die Einheit des Kosmos stehen. Dieser Kosmos lasse sich nicht in höhere und niedere Welten teilen. Denn diese «Wesen umfassen Himmel und Erde, indem sie dank ihrer Flügel in den Lüften ebenso zu Hause sind wie kraft ihrer Beine auf Erden oder aufgrund ihrer reptilen Eigenschaften im Wasser.» In der Alchemie verkörpere der Drache ohne Flügel die Erde oder die festen Elemente, der geflügelte Drache die flüchtigen Elemente. Dazu komme, dass viele Drachen neben ihren Tierkörpern auch Menschenköpfe tragen und damit demonstrieren, dass die Grenze zwischen Tier und Mensch, Körper und Geist fliessend sei (ID-Buch 1382).

80

20.09.1959

WeitereTiere

Schildkröte: Ingrid Riedel schreibt: Die Schildkröte ist nach der Mythologie und alter Völker das Lebewesen, auf dem die Erde, die Schöpfung ruht, ja, die Schöpfung darstellt. Im alten China fand die Schildkröte besonderes Interesse als stabilisierendes Wesen. Die vier Pole oder Himmelsrichtungen wurden durch die Füsse der Schildkröte gesetzt bzw. ersetzt. Durch ihre Langlebigkeit scheint sie an der Dauerhaftigkeit des Weltalls teilzuhaben. Die Schildkröte ist auch in einem indischen Schöpfungsmythos Symbol für eine innere Stabilisierung: Vischnu (der Schöpfergott), der die Form einer Schildkröte angenommen hat, ist jetzt inmitten und sogar auf dem Grund des Ozeans und bildet die feste Basis, auf der sich die Achse der Welt, der Berg Mandara erhebt. - In der balinesischen Fassung sind es zwei legendäre Tierwesen, die die Grundlagen der Welt schafften: die kosmische Schlange (Antaboga) und die die Welt tragende Schildkröte (Bedawang). Die Schildkröte ist allen indianischen Stämmen heilig. Sie hat nach dem Glauben der Indianer mehr Dimensionen als die anderen Tiere. - In der Entwicklungsgeschichte des Lebens gehört die Schildkröte in eine sehr frühe, bewusstseinsferne Zeit: so lebt sie im Wasser, im Sumpf und darüber hinaus in feuchten Wäldern, sogar in Steppen. Zum Winterschlaf gräbt sie sich in die Erde ein. Ihre Eier werden in Sand und Erde von der Sonne ausgebrütet, nachdem sie das Weibchen mit ungeheurer Anstrengung so tief wie möglich eingegraben hat. Die ausschlüpfenden Jungen kriechen nachts aus der Erde hervor - Merkmale eines dem Erdhaften nahen Leben (Ingrid Riedel: BN 765, 80-85).

80

11.05.1961

WeitereTiere

Schwarze Wolke alias Mythus vom «Schatten»: Vor einem Arztpublikum in London soll Jung im Jahre 1935 begeistert über den Nationalsozialismus gesprochen haben: «Hätten Sie geglaubt, dass eine ganze Nation intelligenter und gebildeter Menschen von der faszinierenden Macht des Archetyps ergriffen werden könnte?» Er habe es kommen sehen und könne es verstehen. Sogar seine persönlichen Freunde stünden «unter dieser Faszination, und wenn ich in Deutschland bin, glaube ich es selbst, ich verstehe alles, ich weiss, es muss so sein, wie es ist». Er kenne «hochgebildete Deutsche, die ebenso vernünftig waren, wie ich es von mir oder wie Sie es von sich annehmen. Aber eine Welle hat sie überrollt und ihre Vernunft weggespült, und wenn man mit ihnen spricht, muss man zugeben, dass sie nicht anders konnten. Ein unverständliches Schicksal hat sie ergriffen, und davon kann man nicht sagen, es sei richtig oder falsch». Der Gott der Deutschen sei eben nicht der universale (liebe) Christengott, sondern Wotan, der germanische «Sturm- und Brausegott, der Entfesseler der Leidenschaften und der Kampfbegier». Hitler müsse so schreien, weil er mit «tausend Stimmen» rede und Hitlers «Blick» sei der Blick eines «Sehers» und «Führers» und ein «Führer» sei immer auch ein «Geführter» (Urs Aeschbacher in INTRA/26, Seite 33, mit Hinweis auf Jungs «Über Grundlagen der analytischen Psychologie», 1935 in Gesammelte Werke, Bd.18, Olten 1981). - Nach dem Krieg (1945) schrieb Jung allerdings das Gegenteil: Er beschrieb Hitlers «pathologische Merkmale», seine «völlige Blindheit für den eigenen Charakter, die autoerotische Selbstbewunderung und Selbstbeschönigung, die Heruntersetzung und Terrorisierung der Mitmenschen (wie verächtlich spricht Hitler vom eigenen Volke!), die Projektionen des eigenen Schattens, die lügenhafte Verfälschung der Wirklichkeit, das Eindruckschinden und Imponierenwollen, das Bluffen und Betrügen». Hitler sei als Hysteriker klinisch festgestellt worden. Ihm scheine, die Geschichte der letzten zwölf Jahre sei die Krankengeschichte eines Hysterischen (in: W. Zimmermann: BN 684, 115-117). - Seine eigene Kehrtwendung beschönigt Jung mit dem Hinweis auf den «Schatten» und auf die Schuld aller Männer, die «zu grossen Dingen» erwählt seien. Auch die biblischen «Apostel» seien gefallen, nicht einer bleibe, der nicht gefallen sei, alle seien sie «Todsünder» gewesen (ID-Buch 684, 115-117).

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02.11.1963

WeitereTiere

Huhn/Ei: Dem ägyptischen Ritual zufolge ist das ganze Universum «das Ei, das in der Stunde des Grossen Einen empfangen wurde». Es war eine durchaus gängige Vorstellung, dass das ursprüngliche Universum oder die Grosse Mutter, die es erschaffen hatte, Eiform hatte. Dies wird in vielen Mythen deutlich (ID-Buch 801, 24 ). - Das Ei ist ein mystisches Symbol der Schöpferin, deren Weltei den Embryo des Universums enthält. Den Orphikern zufolge gebar die Grosse Göttin der Finsternis, die Mutter der Nacht zuerst das Weltei, das mit dem Mond gleichgesetzt wurde. Aus den beiden Hälften der Eierschale schuf sie Himmel und Erde (ID-Buch 1300, 201-202).

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23.09.1964

WeitereTiere

Gorilla: Die Gattung Gorilla gehört wie Schimpanse und Orang-Utan zu den Menschenaffen, den nächsten Verwandten des Menschen. Entgegen lang gehegter Vorurteile sind sie wesentlich friedfertiger als ihre Verwandten Schimpanse und Mensch; sie kennen weder Revierkämpfe noch sexuelle Eifersucht. Konflikte zwischen Gorillas werden durch ein reichhaltiges Repertoire an Droh-, Unterwerfungs- und Beschwichtigungsgebärden und -lauten im Allgemeinen gewaltfrei gelöst. - Diana Fossey hat mit ihren Feldforschungen zur Lebensweise der Berggorillas im Gebiet der Virungavulkane (Dreiländereck Kongo-Ruanda-Uganda) beeindruckende Ergebnisse zusammengetragen. Sie konnte zeigen, dass das Bild vom menschenbedrohenden oder sogar menschenfressenden Monster à la King falsch ist. Um die Rangfolge gebe es normalerweise kaum Auseinandersetzungen, und wenn, dann seien sie fast immer gewaltlos. Dies liegt daran, dass die Gorillas ein reiches Repertoire an Gesten und Lauten haben, mit denen solche Streitigkeiten geführt und beigelegt werden können, ohne dass es zu Handgreiflichkeiten kommen müsse. Es gebe allerdings Ausnahmen vom grundsätzlich sehr friedlichen Miteinander: Wie bei Menschen müsse auch bei Gorillas soziale Kompetenz erst gelernt und geübt werden. Innerhalb der Weibchengruppe hänge die Rangfolge auch davon ab, ob einzelne Tiere gerade empfängnisbereit sind oder Säuglinge pflegen.

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24.12.1964

WeitereTiere

Die Schildkröte ist nach der Mythologie und alter Völker das Lebewesen, auf dem die Erde, die Schöpfung ruht, ja, die Schöpfung darstellt. Im alten China fand die Schildkröte besonderes Interesse als stabilisierendes Wesen. Die vier Pole oder Himmelsrichtungen wurden durch die Füsse der Schildkröte gesetzt bzw. ersetzt. Durch ihre Langlebigkeit scheint sie an der Dauerhaftigkeit des Weltalls teilzuhaben. Die Schildkröte ist auch in einem indischen Schöpfungsmythos Symbol für eine innere Stabilisierung: Vischnu (der Schöpfergott), der die Form einer Schildkröte angenommen hat, ist jetzt inmitten und sogar auf dem Grund des Ozeans und bildet die feste Basis, auf der sich die Achse der Welt, der Berg Mandara erhebt. - In der balinesischen Fassung sind es zwei legendäre Tierwesen, die die Grundlagen der Welt schafften: die kosmische Schlange (Antaboga) und die die Welt tragende Schildkröte (Bedawang). In der Entwicklungsgeschichte des Lebens gehört die Schildkröte in eine sehr frühe, bewusstseinsferne Zeit: so lebt sie im Wasser, im Sumpf und darüber hinaus in feuchten Wäldern, sogar in Steppen. Zum Winterschlaf gräbt sie sich in die Erde ein. Ihre Eier werden in Sand und Erde von der Sonne ausgebrütet, nachdem sie das Weibchen mit ungeheurer Anstrengung so tief wie möglich eingegraben hat. Die ausschlüpfenden Jungen kriechen nachts aus der Erde hervor - Merkmale eines dem Erdhaften nahen Leben (Ingrid Riedel: BN 765, 80-85). - Die Schildkröte ist allen indianischen Stämmen heilig. Sie hat nach dem Glauben der Indianer mehr Dimensionen als die anderen Tiere.

313

20.02.1965

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Das Krokodil symbolisierte in Ägypten den Verstand, denn es könne klar sehen, obwohl es so aussieht, als ob seine Augen durch eine Membran verhüllt seien. Krokodile wurden in Ägypten ganz besonders verehrt: Man fand Tausende von sorgfältig mumifizierten Tieren dieser Gattung. Der wichtigste Krokodilgott (Sebek) wurde manchmal als reptilische Verkörperung des Gottes Set oder Thyphon bezeichnet. Man glaubte, dass er den Tod des Osiris verursachte, bevor dieser wieder auferstehen konnte (Walker, BN 801, 506). - Nach Brockhaus: Krokodile (Panzerechsen): Echte Krokodile, Alligatoren und Gaviale. Krokodile sind Fleischfresser. Die Weibchen legen bis 100 hartschalige, gänseeigroße Eier in Nesthügel aus Laub und Ästen oder in Sandgruben und bewachen danach das Gelege. Das westafrikanische Stumpfkrokodil, bis 1,7m lang (Brockhaus 2004).

339

23.11.1965

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Wildschwein: Nach Jutta Voss symbolisiert die Wildsau die weibliche Potenz. In ihrem Buch «Das Schwarzmondtabu» geht sie der Frage nach, warum aus der ursprünglich heiligen Wildsau eine verfluchte wurde. Ihr Anliegen ist die Wiedergewinnung weiblicher Identität und Vollmacht, wobei sie aber das rational-kausale Denken für erforderlich hält, um nicht der Willkür zu verfallen (ID-Buch 80,19-22). Jutta Voss verweist auf die «grosse Schweinegöttin» Nut, die als Mutterschwein beschrieben wird, «das alle Götter gebiert» (184). «Nut ist die Urgöttin der Sterne, die sie im Westen verschlingt und im Osten wieder gebiert. Sie ist die , die ihre Ferkel frisst und die «Re täglich gebiert» und «die, die die Götter gebar». Die Sonne Re ist eines ihrer Sternenkinder. Das Wissen um die nächtliche Sternengeburt und die tägliche Sonnensterngeburt liess den gläubigen Ägypter hoffen, dass er im Tod auch eine Unterweltsreise antritt und am Ende durch die Göttin Nut wiedergeboren wird. Später erfolgte eine entscheidende patriarchale Entwertung, indem die Wiedergeburtshoffnung sich vom Mutterschwein Nut auf den Sonnengott Osiris verschiebt (ID-Buch 80,186-187). - In Syrien und Ägypten waren Schweine der Göttin heilig und wurden nur bei zeremoniellen Gelegenheiten verzehrt. Das Schwein war «unrein» im Sinne von «enthoben» oder «geheiligt»; es war ein primitives jüdisches Totemtier. Auch in der germanischen und irischen Mythologie waren Schweine heilig. - Eine weitere wenig bekannte Verbindung zwischen früherer Heiligkeit und dem «Schweinischen» war der klassische griechische Ausdruck für weibliche Genitalien choiros, der gleichzeitig auch «Schwein» bedeutete. Die griechischen Theaterautoren ersannen viele Wortspiele und Zweideutigkeiten, die auf der austauschbaren Bedeutung von «Schwein» und «Vagina» beruhten (ID-Buch 801, 522).

366

26.03.1966

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Vögel wurden bei vielen Kulturen zu Symbolen der verstorbenen Seele, zu Botschaftern des Himmels oder Trägern von tiefen Geheimnissen. Die Sprache der Vögel zu erlernen war eine wichtige Metapher für die mystische Erleuchtung. Im Zustand der Trance wie ein Vogel emporzufliegen galt manchmal als Voraussetzung der Einweihung. Von Vögeln glaubte man im allgemeinen Zeichen und Erleuchtungen zu erhalten, ebenso wie das auch bei den Geistern der Ahnen der Fall war. Engel waren immer vogelähnlich und auch Göttinnen und Götter traten in Vogelgestalt auf (Walker BN 801, 532).

399

13.12.1966

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Vögel sind lungenatmende, warmblütige Wirbeltiere mit Federn und Flügeln. Augen und Gehör sind sehr leistungsfähig. Der Tastsinn ist besonders in der Schnabelregion hoch entwickelt. Das ausserordentlich leistungsfähige Herz gleicht dem der Säugetiere (Brockhaus 2004).

441

13.08.1968

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Kaninchen: Nach indianischer Weisheit sind alle Sinne des Kaninchens darauf ausgerichtet, irgendwelche Gefahren aufzuspüren. Der leiseste Anflug von Unbekanntem oder Unerwartetem, vermittelt durch eine leichte Brise, erreiche sofort seine Ohren. Das Kaninchen laufe immer weg und stelle sich nie dem Feind. - Ein Kaninchen könne bedeuten, dass Vorsicht und Weichheit ihre Berechtigung haben und dass es manchmal besser sei wegzulaufen, anstatt sich von einer Person oder Situation überwältigen zu lassen. Der indianische Rat an die Menschen sei, die Fähigkeit des «Kaninchens» zu nutzen, um Schwierigkeiten zu erspüren, bevor sie tatsächlich da sind. Das Kaninchen zeige aber auch, wie unsinnig es sei, in unangemessenen Ängsten stecken zu bleiben: «Finde den Mut, und stelle dich den Ängsten, anstatt vor ihnen wegzurennen, was sowieso keine Lösung ist.» Die indianische «Medizin» sage ferner: «Benutze die Medizin des Kaninchens: Begreife deine Ängste. Sie sind manchmal nicht deine eigenen, da sie von Einstellungen herrühren, die deine Eltern oder andere Menschen in dich eingepflanzt haben». Ein weiterer Rat ist, dass es vielleicht wichtig wäre «in den Schutz und die Ruhe» des eigenen «Baus» zurückzukehren, um das «angeschlagene Nervenkostüm nach einem grossen Schrecken oder einer ernsten Krise wiederherzustellen. Da das Kaninchen Beute von vielen Lebewesen sei, habe ihm die Natur eine grosse Fruchtbarkeit geschenkt. Die Lehre daraus sei, dass wir unser Vertrauen wieder herstellen können, indem wir «neuen, fruchtbaren Ideen nachgehen» (Harvey Eliane: Medizin-Rad. Indianische Weisheit als Lebensweg (ID-Buch 1343, 32).

530

12.10.1968

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Stute: Im Britannien der Eiszeit wurde die Göttin Epona als weisse Stute verehrt, noch heute kann man sie auf dem berühmten über hundert Meter langen, in Kalkstein gehauenen Bild sehen, das einem Berghang in Uffington angebracht wurde. Sie entsprach der griechisch-kretischen Leukippe oder der «weissen Stute», die den Tagesaspekt der stutenförmigen Demeter verkörperte. Ihr zerstörerischer Aspekt hiess Melanippe oder «schwarze Stute» und war auch die Rächerin Demeter (Erinnys) in Form einer Nacht-Stute, die die Sünder bestrafte. Dieselbe Anrede wurde auch auf die Königin der Amazonen angewendet, die im griechischen Mythos als Antiope oder Hippolyta oder «angreifende Stute» in Erscheinung tritt. - Von skandinavischen Hexen hiess es, dass sie sich in Stuten verwandeln konnten, vielleicht auf die Art antiker Priesterinnen, die möglicherweise wie Leukippes stutenförmige Priesterinnen Pferdemasken trugen. Der Kult der göttlichen Stute hielt sich in Irland bis zum 12. Jahrhundert (BN 801, 524-525). - Das Pferd hatte in vielen, besonders den indoeuropäischen Religionen grosse Bedeutung. Es galt als Amme des Menschen, man trank Stutenmilch und daraus hergestellten Kumys (Brockhaus 2004).

538

01.09.1974

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Bärin: Marie-Louise von Franz schreibt: In Griechenland habe es den Kult der Artemis von Rauron gegeben; die Göttin war eine Bärin. Junge Mädchen zwischen Zwölf und Sechszehn aus guten Familien wurden in den Dienst der Göttin gegeben. Die Mädchen benahmen sich «wie die Wilden», sie wuschen sich nicht und pflegten sich überhaupt nicht und führten eine derbe Sprache; man nannte sie die kleinen Bärinnen. Von Franz erklärt, in diesem Alter seien die Mädchen ebenso schwer im Haus zu halten wie die Buben, daher sie der Göttin übergeben worden seien. Der Sinn sei gewesen, die «jungen Bärinnen» bzw. das Weibliche unter dem schützenden Schleier der Unansehnlichkeit zu stärken. Unter dem hässlichen Bärenfell habe sich die weibliche Persönlichkeit ungeschädigt durch die Probleme der Sexualität entwickeln und dann mit einer gewissen Reife, die sie im Schutz des Bärenfells erworben habe, ins Leben hinaus gehen zu können. Sie fügt an, dass sich besonders Mädchen mit einer im Grunde zarten, weiblichen Natur gern hinter solchem bärenhaften Verhalten verbergen (BN 1369, 55-56).

1031

09.04.1977

WeitereTiere

Insekten galten nach Barbara Walker in der Antike als geheimnisvoll und als Träger magischer Energien und Geheimnisse. Fluginsekten wurden oft als Seelenträger oder Zwischenstationen einer menschlichen Seelenreise betrachtet (BN 801, 556).

695

31.12.1987

WeitereTiere

Bison, Stier: Barbara Walker: «Die biblische Bezeichnung, die mit «Gott» übersetzt wird, ist El, ursprünglich der Titel des phönizischen Stiergottes, der als Vater der Menschen bezeichnet wurde. Als die höchste Gottheit des Pantheons wurde El in ganz Syrien neben den lokalen Gottheiten oder Ba'als verehrt. Einer seiner Titel war tatsächlich «der Stier». Wie Zeus als Stier der Gefährte der weissen Mondkuh Hera-Europa-Io war, heiratete El die Göttin Schera, die semitische Form der heiligen Kuh. Er wurde mit Elias oder Helios, dem Sonnengott , gleichgesetzt. Er war noch zur Zeit Jesu der semitische Vater der Menschen, und Jesus rief nach ihm. - Der stiertötende Erlöser Mithras war eine späte maskulinisierte Form der Göttin. Wie die meisten patriarchalischen Symbole waren auch die des Mithraskultes von den Mythen der asiatischen Grossen Göttin übernommen worden. - Die athenischen Legenden der Moiren (Schicksalsgöttinnen) verglichen alle Menschen mit dem Opferstier, dem von der Hand des Schicksals früher oder später der Tod bestimmt ist. (ID-Buch 1300, 1036-1037).

914

02.09.1988

WeitereTiere

Frosch: Die Frösche der ägyptischen Götterhebamme, der göttlichen Greisin Heket, der Vorläuferin der griechischen Hekate, waren heilig. Der Frosch stellt wahrscheinlich den menschlichen Fötus dar, dem er irgendwie ähnlich sieht. Weil kleine Frösche zusammen mit den ersten Zeichen der alljährlichen Nilüberflutung auftauchten und deshalb die lebensspendende Fruchtbarkeit Ägyptens ankündigte, wurden Mumien mit Froschamuletten versehen, die den Toten zur Wiedergeburt verhelfen sollten. Der Froschprinz im Märchen deutet ebenfalls auf eine Erinnerung an die wohltätigen Fortpflanzungskräfte des Frosches hin. In Zauberbüchern wurde behauptet, dass eine Froschzunge, die man unter das Kissen eines Menschen legte, ihn zwinge, all seine Geheimnisse im Schlaf auszuplaudern (ID-Buch 801, 494). - Carola Meier-Seethaler erwähnt das analogische Denken der Frühkulturen, für die eine morphologische Ähnlichkeit zwischen der natürlichen Beinstellung von Fröschen und der Gebärstellung der Frau besteht. Diese analogische Sicht der Körperhaltungen machte die Kröte bis weit ins Mittelalter zum Symboltier der Geburt (ID-Buch 7, 89).

919

11.10.2003

WeitereTiere

Elefant: In der Bibel heisst der Gott Jahwe auch «Herr der Heerscharen», und diese Anrede leitete sich mythologisch vom Elefantengott Ganescha ab, dessen Name genau dasselbe bedeutete. - Im alten China betrachtete man die Elefanten als Symbole einer machtvollen Sexualenergie. Der Gott Shiva nahm manchmal die Gestalt eines Elefanten an oder wurde zum Vater eines elefantenköpfigen göttlichen Kindes. In gleicher Weise konnte sich Krishna in einen Elefanten verwandeln und trat dann zusammen mit seiner sexuell höchst erregbaren Begleiterin Radha auf, deren Name «Elefantenkuh» bedeutet. Der elefantenköpfige Ganescha wurde in der Gestalt des elefantkköpfigen Dämons Behemoth christianisiert und symbolisiert noch immer sexuelle Energie (BN 801, 490-491).

1058

02.09.1965

BäumeHolz

Wurzeln bezeichnen jene Teile der Bäume, die tief in den Erdboden hinein wachsen und zum grössten Teil unsichtbar sind, obgleich sie die grösste Bedeutung für das Gedeihen und die Standkraft eines Baumes haben. Ohne das nährende und bergende Erdreich können Bäume nicht leben. Wurzeln holen ihre Nahrung aus dem Erdboden. Je grösser die Pflanze oder der Baum ist, um so tiefer verzweigen sich die Wurzeln. Wer "Wurzeln hat oder «Wurzeln schlagen" kann, ist «verwurzelt», was heisst, sie oder er sei bleibend an einem Ort beheimatet und dort als Persönlichkeit anerkannt. Die Philosophin Simone Weil war der Meinung, dass die von ihren (christlichen) Wurzeln abgetrennte abendländische Oberschicht sich neu «einwurzeln» müsste.

354

26.11.1979

BäumeHolz

Troll [altnordisch Unhold] der, im skandinavischen Volksglauben Dämon oder Kobold in Riesen- oder Zwergengestalt; kann gut oder böse sein; von der Fantasieliteratur übernommen (Brockhaus 2004).

761

31.12.1987

BäumeHolz

Alleinstehende Bäume werden von Dichtern öfters als ein Symbol für männliche Identität aufgefasst. Hermann Hesse zum Beispiel setzt den Einzelbaum mit dem vermeintlich «grossen männlichen Einsamen» ineins, was zwiespältig anmutet, weil diese «Einsamen» sich meistens über andere Menschen erhaben fühlen. Er schreibt: «Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum».

914

02.01.1961

BäumeHolz

Weltenbaum: Barbara Walker verweist auf die «erste Heilige Dreifaltigkeit», die eine weibliche war, welche die Phasen von Jungfrau, Mutter und Greisin bezeichneten und im umfassenderen Sinne die «Göttin mit den tausend Namen» darstellte. Diese weibliche Heilige Dreifaltigkeit habe das Vorbild für die sehr viel spätere männliche «Dreifaltigkeit» abgegeben (BN 1284, 27). - In vielen Mythen ist die Rede vom Lebensbaum oder Weltenbaum, der auf irgendeine Weise an der Schöpfung des Universums, am Ursprung der Menschheit und den göttlichen Geschenken der Nahrung und den Techniken der Zivilisation beteiligt waren. Die Mayas bezeichneten ihn als «ersten Baum der Welt» oder als grünen Baum der Fülle. Was bei diesem Weltenbaum oftmals nicht auffällt, ist die Tatsache, dass man ihm weibliches Geschlecht zuordnete und ihn als allnährende und allgewährende Mutter betrachtete. Ganz allgemein beinhaltet die Vorstellung des Paradieses bei den Indoeuropäern einen heiligen Baum mit einer Quelle an seiner Wurzel (BN 801, 624-626).

1020

02.10.1964

Holz

Holzbrett in der Vagina: Das «typische Symbol für die Vereinigung der männlichen und weiblichen Genitalien» war der tantrische Altarstein, der plastische Lingam-Yoni. Der Phallus oder das Lingam steckt in der Yoni (BN 801, 429). - In den Tempeln Indiens gab es kleinere Lingams in menschlicher Proportion. Ihr Zweck bestand darin, Bräute vor der Hochzeitsnacht zu deflorieren. Dieser Vorgang wurde in der biblischen Terminologie als «Öffnung des Schosses» bezeichnet (Lingam: BN 801, 46-47).

290

31.01.1965

Holz

Holzkreuz: Sogenannte Kreuzidole treten nach Carola Meier-Seethaler schon im 3. Jahrtausend v.Chr. auf, bei denen wir im Kreuz das «schematisierte Bild der Grossen Göttin» vor uns haben. Das Zeichen des Kreuzes als bildliche Kurzformel für die Göttin begegnen wir an vielen Orten der sumerisch-babylonischen und in der ägyptische Sakralkunst (BN 876, 67). - Anderseits erwähnt Barbara Walker folgendes: Lange vor dem Christentum symbolisierten Kreuze - die Schnittpunkte zweier Linien - die männlichen Götter. Sie standen sogar für das männliche Opfer, denn dieses erfolgte, wie man allgemein glaubte, im Mittelpunkt aller Dinge, dort also, wo alle Kräfte zusammenflossen. Die Teilung des Universums in Kreuze und andere rechtwinklige Muster sind allem Anschein nach mit dem allmählichen Aufstieg der patriarchalen Zivilisation verbunden. Das runde Dorf der menschlichen Frühzeit wurde durch die quadratisch angelegte Stadt ersetzt (BN 801, 76).

335

05.07.1959

PflanzenBlumen

Weizenkörner alias Cerealien: Ceres war ein römischer Name für die Grosse Göttin als Mutter der Ernte und Herrin über alle Getreide, die man noch immer als «Cerealien» bezeichnet - in Anlehnung an ihr wichtigstes Fest im Frühsommer, die Cerealia. Bis zum 19. Jahrhundert gab es in Teilen der britischen Inseln den Brauch, dass «Bauern» zum Andenken an die Cerealia mit brennenden Fackeln um ihr Getreide ziehen. Ceres trug auch den Beinamen Ceris Legifera - «Ceres, die Gesetzgeberin» (ID-Buch 801, 275-276).

44

31.05.1976

PflanzenBlumen

Baum/Blätter: In Südostasien wird der Baum als «Buch des Lebens» aufgefasst. Auf jedem Blatt steht ein «Wort des Schicksals» geschrieben. Dieses Bild vom Baum als dem «Buch des Lebens» zeigt, warum wir noch immer die Seiten eines Buches als «Blätter» bezeichnen (ID-Buch 801, 626).

687

16.07.1975

Wasser

Wassertaufe: Nach den Lehren der alten miletischen Philosophen war das Wasser das erste Element, das arché, die Mutter aller Dinge. Das Wasser gebar den «Geist», der offenbar als männliches Prinzip aufgefasst wurde; daher umfasste der von den Christen aus dem Heidentum übernommene Gedanke von der Wiedergeburt durch die Taufe beide Elemente: das (weibliche) Wasser und der (männliche) Geist. Das Taufbecken wurde als «Schoss» bezeichnet - vornehmlich als Schoss der Maria, deren Name der aller alten Meeres-Göttinnen war (BN 1300, 1154-1155).

678

12.07.1980

Wasser

Lebenswasser und Lebensquellen: Vicki Noble verweist Bezug nehmend auf Jungs «Archetypen», auf die «Tradition der Göttinreligion», in der der Sohn «einen leichten, spielerischen Wesenszug, ein Schlüsselelement des positiven «männlichen Archetypus» verkörpere (BN 1316, 195). Somit stelle er für die Frau, ebenso wie das Wasser, eine Lebensquelle dar. - Eine weitere «Quelle» stelle die «Allverbundenheit» dar. Dazu schreibt Carola Meier-Seethaler, dass wir in den mystischen Strömungen aller Religionen die Erfahrung der Allverbundenheit antreffen, bei gleichzeitiger Unbestimmtheit des alles umgreifenden Seinsprinzips. Alle Religionswissenschaftler seien sich darin einig, dass Mystik eine Ausdrucksform der menschlichen Sehnsucht nach Aufgehobensein und Einssein sei, und dass diese Sehnsucht in der vom menschlichen Bewusstsein geschaffenen Spaltung von Ich und Umwelt wurzle (BN 1294, 211-212).

779

23.02.1960

Gewässer

Friedhof: Das griechische koimeteria (das Stammwort für das englische cemetery für Friedhof) war der Platz der Mutter, wo die Toten so nahe wie möglich beim Tempel der Göttin ruhen konnten. Dieser Brauch hielt sich auch im christlichen Europa (BN 1300, 284).

127

13.10.1967

Gewässer

Lebenswasser Sexualität: Amerikanische Evangelikale sagen bezüglich ihrer Ziele, das Sexuelle werde in der Ehe «Pflicht» sein und also eine Pflichtleistung. Mit dieser Auffassung erweisen sich diese Evangelikalen als Männer mit einer partikularen Lebenseinstellung. Zu den Menschen mit einer partikularen Einstellung zur Sexualität gehörte letztlich auch C.G.Jung, indem er die sexuelle Libido mit einer aggressiven, kriegerischen Libido gleichsetzte. Er behauptete nämlich, ohne Kriege würde die Menschheit aussterben: «Die Welt ist ein Schlachtfeld» und werde es immer sein, "und wäre dies nicht der Fall, so würde das Dasein bald ein Ende nehmen». Jung machte also das Männervolk glauben, ohne Kriege würde die (männliche) Libido Schaden leiden, die sexuelle Fruchtbarkeit würde verkümmern. Jung stellte seine Impulse, seien dies sexuelle Bedürfnisse, Affekte oder Ehrgeiz über Ethik und Vernunft. Aber ein wirkliches «Individuum» mit ethischen Grundsätzen, wie Agnes Heller ein solches sieht, wird abwägen, welche Naturenergien wo und in welcher Art ins Leben eingelassen werden können, ohne anderen Lebewesen, beispielsweise den Frauen, Schaden zuzufügen.

488

11.10.2003

Gewässer

Mütterliches Meer: Ein ägyptischer Name für die mütterliche Tiefe oder den gebärmutterartigen Abgrund, aus dem das Universum geboren war, lautete Temu. Das mütterliche Meer war ein universelles Emblem für Geburt und Wiedergeburt. Das Taufbecken in Salomons Tempel, das «Meer» genannt wurde (1, Könige 7,23), war ähnlichen grossen Becken in den Tempeln Babyloniens und Ägyptens nachempfunden (BN 801, 465)

1060

07.11.1963

SchlammLehm

Schlamm des Alltagslebens: Walter Nigg schreibt über die Nonne und spätere Kirchenlehrerin Theresia von Avila: "Bei diesem genial veranlagten Menschen drohte alles im Schlamm des Alltagslebens unterzugehen". Das Symbol «Sumpf» interpretiert Nigg auch als «Leerlauf der geschwätzigen Unterhaltung», und begründet diese, weil dies die Menschen seelisch nur auslauge (BN 1151, 238 und 247). Erst im Alter von 40 Jahren und nach einer schweren Krankheit sei es der Theresia von Avila vergönnt gewesen, ein Lebensziel zu finden. «Schlamm» bedeutet im Hinblick auf die begabte Frau also, ein geistloses Leben im Alltag führen zu müssen. Für die begabte bürgerliche Ehefrau bedeutet dies, im Alltagstrott häuslicher Pflichten unterzugehen, während ihr Mann sich von diesem «Sumpf» fern hält. - Für C.G.Jung bestand der "Sumpf" im "Persönlichen». Das «Material» aus der Erfahrung mit seiner ehemaligen Patientin, Geliebten und Ärztin (Sabina Spielrein) habe wie «Kletten oder Sumpfpflanzen» an ihm gehaftet, und er habe sich aus dem Chaos herauswinden müssen. Seine "Wissenschaft" sei die einzige Möglichkeit" gewesen, sich aus diesem Chaos herauszuwinden. Renate Höfer vermerkt dazu, Jung schreibe dies so, als wäre «er sonst in (s)einem Sumpf untergegangen und umgekommen (BN 723, 238-240).

253

01.09.1965

SchlammLehm

Schlamm ist auch fruchtbare Erde: Seit der Nil, seit der Errichtung des Nildammes das Nildelta nicht mehr regelmässig überschwemmt und mit Schlamm bedeckt wird, sei die früher fruchtbare Gegend teilweise unfruchtbar oder gar zu Wüstenei geworden.

352

12.07.1980

SchlammLehm

Lehm ist der Grundstoff der Erde, aus dem auch die Pflanzen, Tiere und Menschen geschaffen sind. Der biblische Gott, der Menschen aus Lehm schuf, imitierte die Magie viel älterer mesopotamischer Göttinnen wie Aramaiti, Mutter der Menschen, die aus Lehm geschaffen sind (BN 801, 463).

780

11.09.1980

SchlammLehm

Spezielle Lehmart: Die grünliche Knetmasse scheint die Eigenschaften jenes Lehms zu besitzen, aus dem Göttinnen, wie die mesopotamische Göttin Aramaiti, Menschen schufen «aus ihrem eigenen Lehm und Blut», was später auch dem biblischen Gott zugeschrieben wurde. In dieser Sentenz geschieht etwas ähnliches und doch ganz anderes:

783

07.02.1959

FäkalienAbort

Anale Produktion: Während Jahrtausenden war das Gebären, die genitale weibliche Produktion Ausdruck des Schöpferischen ganz allgemein, während in der Tiefenpsychologie nunmehr als Symbol des Schöpferischen die anale «Produktion» (Fäkalien/Kot) gilt. Es wäre zu fragen, was dieser Bedeutungswandel für das Bewusstsein der Menschen im Allgemeinen bedeutet und worin der Unterschied besteht zwischen den beiden Symbol-Formen von Kreativität (genital und anal).

19

23.07.1959

FäkalienAbort

Ausdünstung: Für den Jungianer Erich Neumann, ist «alles, was aus dem Körper austritt», schöpferisch. Nicht nur der Same sei schöpferisch, «sondern auch der Urin und der Speichel, der Schweiss ebenso wie der Kot und der Atem, und das Wort ebenso wie der Flatus (Blähung)» seien schöpfungsträchtig. Aus all diesem entstehe «Welt», all dies Nachaussentreten sei «Geburt». Dazu vermerkt Gerda Weiler kritisch: «Das ist nicht wahr. Mag der Mann all dies Nachaussentreten als Zeugung empfinden», so sei Zeugung noch immer nicht gleichbedeutend mit Geburt. Selbstverständlich könne der Mann die Empfindungen besser nachvollziehen, die mit dem Ausfliessen der Samenflüssigkeit verbunden seien. Und mit Bezug auf den Milchfluss der weiblichen Brust sagt sie: «Der Mann vermag nicht wirklich nachzuerleben, was die Frau beim Stillen empfindet. Er hat keinen unmittelbaren Zugang zu den Gefühlen, die mit dem Ausfliessen der Milch verbunden sind». Da Neumann auch nicht neugierig sei zu erfahren, was eine Frau erlebt, liege es nahe, dass er seine eigenen Körperwahrnehmungen auf die Frau projiziere. - Urbildcharakter habe die Geburt eines Kindes und sei von öffentlichem Interesse. Sie gehöre zu den Grunderfahrungen des Menschseins, und der Mann begegne in jeder Geburt dem sichtbaren Beweis, dass der schöpferische Akt nicht männlich, sondern weiblich sei. Während in matriarchalen Gesellschaften die «Heiligkeit der Geburt» gelte, gelte sie in patriarchalen Religionen als «unrein», wobei Erich Neumann in der «Bauch- und Schosspartie» sogar das Un-Menschliche und Unheimliche» zu erkennen meine (BN 77, 81-83).

57

12.07.1965

FäkalienAbort

Über das Zwei-Schwestern-Motiv schreibt Carola Meier-Seethaler: Auf «einem australischen Rindenbild sind es zwei Schwestern, die das Menschengeschlecht hervorbringen, und zu den Schwestern zählen im alten Sippenverständnis auch Cousinen mütterlicherseits. Die gemeinsame Sorge für das künftige Leben und die Kontinuität der weiblichen Tradition sei nicht nur an das Mutter-Tochter-Verhältnis gebunden (BN 7, 157-158). (Theorie 243)

346

06.04.1982

FäkalienAbort

Jauche und natürlich unmittelbarer Ausdruck: Nicht alles, was «unmittelbarer» Ausdruck oder «natürlich» ist, ist zugleich wunderbar: Weder kann der Behauptung mancher Feministinnen, dass «Gefühle nicht lügen» könnten, noch der patriarchalen Meinung, dass auf die Gefühlswelt insgesamt kein Verlass sei, zugestimmt werden. Die Unmittelbarkeit der Gefühle betrifft, wie der «Theorie der Gefühle» von Agnes Heller zu entnehmen ist, nur die Gefühlsarten:Triebgefühle (Drive) und Affekte. Alle weiteren Gefühlsarten (Emotionen, Orientierungsgefühle etc.) sind eine Sache des Lernens und auch eine Sache der Wahl bzw. der Lebenseinstellung. Wir können bestimmte Gefühle begünstigen und andere in den Hintergrund schieben (BN 931).

802

03.11.1962

WildWildnis

Affen sind meist Baumtiere, nur einige, wie die Paviane, leben in Felslandschaften. Das Gehirn (besonders die Grosshirnrinde) ist sehr stark entwickelt, daher beachtliche geistige Fähigkeiten (grosses Lernvermögen), lebhaftes Mienenspiel und hohe stimmliche Äusserungskraft (Brockhaus 2004).

220

23.11.1965

WildWildnis

Wildschwein: Nach Jutta Voss muss das matriarchale (kraftvolle) Wesen der Frau, von der patriarchal deformierten Anima des Mannes unterschieden werden, da er das Wesen der Frau mit seiner eigenen magersüchtigen Anima verwechsle, letztere aber ständig auf Frauen projiziere. Am Beispiel der «Heiligen Hochzeit» kritisiert Voss, dass diese als «Raub-Todes-Hochzeit» umgedeutet werde. Nicht nur die Jungsche Psychologie gebe völlig unkritisch den «Archetyp der Raub-Todes-Hochzeit» von einer Therapeuten-Generation an die andere weiter, dieser «Archetyp» bestimme vielmehr auch den heutigen Zeitgeist, der die konkrete Situation von Frauen präge. Erich Neumanns Deutung der Eleunisischen Mysterien als «Raub, Vergewaltigung und Todeshochzeit» sei ganz eindeutig eine totale Verkehrung des echten Mythos der Heiligen Hochzeit, die aus Sexualphantasien des Mannes und Todeswünschen für die Frauen resultiere (BN 80, 80).

366

21.08.1959

BergGebirge

Heilige Orte bezeichnen «heile» und heilende Orte in Bezug auf Weltbilder und Auffassungen. Dies im Gegensatz zum antiken Weltbild, das die Ursache aller guten Dinge in «Kampf und Krieg» zu finden glaubt. Diesem kriegerischen Weltbild entspringen kriegerische Taten und die Verfolgung anders gearteter Auffassungen übers menschliche Zusammenleben. Dies gilt auch für die heutige Zeit: Eine rechtslastige Partei (SVP) redet heute, 2002, von den «Gutmenschen», die lächerlich gemacht werden.

73

28.08.1962

SteinGestein

Männerkopf: In der menschlichen Frühzeit stand weder ein Manngott noch eine männliche Dreifaltigkeit im religiösen Zentrum. Die erste Heilige Dreifaltigkeit war die Göttin mit den vielen Namen. Ihre drei umfassenderen Aspekte wurden als Jungfrau, Mutter und Greisin bezeichnet. Dieses dreifaltige Muster kann bei den Göttinnengestalten Indiens, Arabiens, Ägyptens, des mittleren Ostens, der ägäischen und Mittelmeerkulturen und der keltischen und teutonischen Völkern des nördlichen Europa gefunden werden (BN 1284, 27).

204

09.06.1966

SteinGestein

Stein/Harte Nüsse versetzen die Menschen in Staunen, weil sie wie das Getreide gleichzeitig Nahrungsmittel und Samen für neue Früchte sind. Ausserdem konzentrieren sie mächtige Fruchtbarkeitsmagie auf kleinem Raum (aus kleinen Nüssen wachsen grosse Bäume). In einigen Gegenden Europas hat es sich eingebürgert, eine Mahlzeit immer mit Nüssen zu beginnen, als Symbol für ununterbrochene Fruchtbarkeit, um die verzehrten Nahrungsvorräte wieder zu regenerieren. Ein gängiger Ausdruck für die geburtsbringende Nuss lautet «Schoss der Welt» (BN 801, 655).

407

29.10.1959

Feuer

Feuer und Wasser: In der Mythologie stehen beide Symbole für Formen der Energie und Lebensenergie: Feuer wird als «das lodernde Feuer der Intuition» - die «Lebenskraft» - aufgefasst, die «weise Voraussage der Zukunft» und den «göttlichen Schock der Erkenntnis» ausdrückt, und auch ein Ausdruck von (männlicher) Sexualität darstellt. Das Wasser ist als «Wasser des Lebens» ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Kraft von körperlicher, seelischer und geistiger Erneuerung.

97

25.02.1967

Feuer

Feuer: Im griechischen Mythos von Prometheus erscheint das Feuer als heilig und Eigentum der Götter. Über die Entdeckung des Feuers berichten zahlreiche Sagen, in denen fast immer das Motiv des Feuerraubes wiederkehrt. Das deutet darauf hin, dass der Gebrauch des Feuers nicht von allen Völkern selbstständig entdeckt, sondern auch übertragen wurde. In Europa ist der Besitz des Feuers seit der Altsteinzeit bekannt. Auch die Verehrung des Feuers ist seit frühester Zeit bekannt (Feuerkult).

455

10.01.1983

Feuer

Feuer: Gebranntes Kind scheut das Feuer: Das Sprichwort besagt, dass jemand, der schlechte Erfahrungen gemacht hat, ähnliche Risiken in Zukunft vermeidet. - Bei jemandem ist gleich Feuer unterm Dach: Mit der Redewendung wird das Benehmen einer Person bezeichnet, die sehr jähzornig ist und leicht in Wut gerät: - Als «ein Spiel mit dem Feuer» bezeichnet man zum einen «ein gewagtes, gefährliches Tun», zum andern «ein [vermeintlich] unverbindliches Flirten»: Sie war kokett und liebte das Spiel mit dem Feuer. Was ihr vorhabt, ist ein Spiel mit dem Feuer seid vorsichtig. Wenn kleinere Staaten sich eine der Grossmächte als Verbündeten suchen, ist das oft ein Spiel mit dem Feuer: Man gewinnt Sicherheit nur um den Preis der geringeren Eigenständigkeit. - Feuer und Flamme sein: für eine Person oder Sache hellauf begeistert sein: Die Schüler waren Feuer und Flamme für die Aktion.

824

10.08.1958

SeeleSeelisch

Zerfliessende Seele: Walter Nigg erwähnt die Klage des biblischen Psalmisten: «Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennet; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzen Wachs». Für Nigg stellt der Psalmist den Prototyp des «geprüften Menschen» dar: (BN 1154, 283). - Die Klage des Psalmisten stellt den seelischen Zustand einer «flüssigen Seele» sehr eindrücklich dar.

1

19.04.1971

SeeleSeelisch

Mythus von der Männlichkeit der Seele: C.G.Jung grenzt die männliche Seele ganz klar von der weiblichen Seele ab: sie sei nur ein «Aspekt»: Es scheine, «als ob der Anima die Gesamtheit des unbewussten Seelenlebens» zukäme, so sei sie doch «nur ein Archetypus unter vielen». Darum sei sie «nicht schlechthin charakteristisch für das Unbewusste, sie sei nur ein Aspekt desselben, dies zeige sich schon «in der Tatsache ihrer Weiblichkeit». Was nicht «Ich, nämlich männlich» sei, sei «höchst wahrscheinlich weiblich, und weil das Nicht-Ich als dem Ich nicht zugehörig und darum als ausserhalb empfunden» werde, sei «das Animabild in der Regel auf Frauen projiziert» (Jung: Bewusstes und Unbewusstes, BN 1206, 36-37).

599

01.11.1977

SeeleSeelisch

Seele als Daimon und Weltseele: Chiara Zamboni beschreibt die Seele bzw. «das Andere in uns» in folgender Weise: «Wer ich bin, ist für mich selbst nicht sichtbar, sondern erscheint den anderen, wenn ich handle und spreche.» - Ich weiss nicht, «wer meine Seele ist. Ich sehe sie niemals. Wenn ich spreche und handle, gibt es etwas von mir, das meiner Kontrolle entzogen ist. So ist der «Daimon» - oder auch die Aura, der Engel, die Seele einer Person - dem Blick der anderen passiv anvertraut. Er ist nur für sie sichtbar». Die Seele sei nach Zamboni «ironischerweise genau das, was sich der Herrschaft des Ich entzieht». - Die Seele könne sich jedoch in Träumen und Visionen mitteilen. Träume können gewissermassen als ein «Spiegel» der Seele aufgefasst werden. - Nach Zamboni ist die Seele «einfach im Blick der anderen». Deshalb seien «die Reaktionen, die ich an anderen wahrnehme, wesentlich, um zu verstehen, welche Richtung meine Seele einschlägt, die mir über die Schulter blickt». Die anderen reagieren auf das, «was ich unfreiwilligerweise von mir zeige und was ich selbst nicht sehen kann». Das sei so, «weil die anderen, ohne sich dessen bewusst zu sein, niemals zwischen dem Inhalt unseres Sprechens und der Art und Weise, wie wir uns äussern, unterscheiden». Sie nähmen den Blick wahr «die Haltung, die Intonation, eine bestimmte Art, sich zu kleiden, die Wahl bestimmter Ausdrücke und rhetorischer Figuren» (ID-Buch 721,162-163). - Weltseele: Das Lexikon der Philosophie beschreibt die Weltseele als eine seelische Kraft, gedacht als Prinzip alles Lebens. Der Gedanke komme von Platon (Timaios: Die Weltseele ist die Bewegerin der Welt. Sie enthält alles Körperliche und seine Elemente. Sie erkennt alles). Der Schwerpunkt liegt in der Bewegung als einem übermechanisch Wirkenden, Organisierenden. Die Stoa (pneuma als alles durchdringende Weltkraft) und die Neuplatoniker (Plotin) nahmen den Gedanken einer Weltseele auf. Bei Herder und Goethe ist Weltseele gleichbedeutend mit Weltgeist. In der Romantik wird die Weltseele als das Prinzip gefasst, welches unbewusst schaffend die ganze Natur zu einem allgemeinen Organismus verknüpft (ID-Buch 1346, 705). - Barbara Walker erwähnt, dass einige Gnostiker die Vorstellung von der Weltseele übernahmen, die sie mit Sophia gleichsetzten und die sie sich manchmal in androgyner Vereinigung mit Gott dachten. Diese Ansicht vertrat der Kirchenvater Origenes, der zu seiner Zeit verehrt, drei Jahrhunderte später jedoch wegen seiner häretischen Ansichten exkommuniziert wurde. Er schrieb: «So wie unser Körper aus vielen menschlichen Gliedern besteht, doch von einer Seele zusammengehalten wird, so muss das Universum als ein riesengrosses Lebewesen gedacht werden, das eine Seele zusammenhält.» Die Christen taten sich mit der Vorstellung einer Weltseele deswegen schwer, weil in ihr die Seligen und Verdammtem in einem einzigen göttlichen Geist vereinigt sein sollten (ID-Buch 1300, 317).

708

22.03.1978

SeeleSeelisch

Seelenglauben: Das Lexikon der Religionen fasst den Seelenglauben in dem ganz allgemeinen Sinn des Glaubens an ein «gewisses Etwas» im Menschen auf, das ihn darüber erhebt, nur der in Erscheinung tretende äussere Leib zu sein. Der Entdeckung einer derartigen Seele liegt ein numinoses Erleben zugrunde, das Erleben eines rätselvollen «ganz Andern» in sich, mag es dynamistisch oder personalistisch als ein zweites Ich, eine Art menschliches Doppelgängers aufgefasst werden. - Der an personhafte Vorstellungen geknüpfte Seelenglaube sei herausgewachsen aus überwältigenden Traumerlebnissen, wie sie etwa Homer beschreibt. - Ein ganz besonders wichtiger Zusammenhang sei der von Seele und Atem, die «Hauchseele», die sich noch im Begriff des indischen Atman findet. Sie wurzle u.a. in Beobachtungen am Schlaf und am Tode (letzter Atemzug). Weitere Seelengestaltungen bilden die «Seelentiere», deren wichtigsten Seelenvogel, Schlange, Maus und Schmetterlinge sind. Der Glaube an sie beruhe auf der Voraussetzung der Lösbarkeit der Seele vom Körper, die auch der Vorstellung von der «Aussenseele» oder (wie die Afrikaforscherin Mary Kingsley sie bezeichnete), der «Buschseele», zugrundeliegt. - Der in diesen Vorstellungen sich bekundende Glaube an die Lösbarkeit der Seele vom Körper findet eine Hauptstütze in den Erlebnissen des Traumes, der Ekstase, Visionen einerseits, des Todes anderseits (BN 1345, 534-535).

717

12.05.1978

SeeleSeelisch

Seele und Selbstfindung: Selbstfindung bedeutet nach den DIOTIMA-Philosophinnen, zur Praxis des «Von-sich-selbst-Ausgehen» zu finden, und beim Sprechen von der eigenen Erfahrung auszugehen. Dasselbe meint Alice Miller, wenn sie rät, von der «Echtheit der Gefühle» auszugehen (Miller: BN 113).

720

12.07.1980

SeeleSeelisch

Barbara Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau, BN 903.

778

02.06.1959

Kopf

Mythus von der Denkunfähigkeit der Frauen: Zu dieser Zeit (Februar 1959) wurde über die Denkfähigkeit der Frauen im Zusammenhang mit dem Frauenstimmrecht in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Die öffentlich geführte Debatte fiel zu Ungunsten der Frauen aus und wurde als Argument gegen das Frauenstimmrecht genutzt.

30

19.12.1966

Kopf

Beissende Schlange: In jeder Mythologie kommt in irgendeiner Form die Weltenschlange bzw. der Schlangendrache vor. Gleich der hermetischen oder gnostischen Schlange, die das Weltenei umschliesst, war er ein entscheidendes Symbol indoeuropäischer Religionen. In altnordischen Mythen umgürtet er als Midgard-Wurm das ganze Rund der bewohnten Erde (Midgard), wobei er sich selber in den Schwanz beisst (BN 1300, 974)

445

10.12.1963

Augen

Blindheit: Zum Thema «Alt und Blind» und trotzdem Sehkraft haben, ein Seher sein zu können wie «Der Alte Weise», den C.G.Jung als ein Archetypus auffasst, ist auf Barbara Walkern zu verweisen, die eine «Weise Alte» in der weiblichen Psyche ausmacht. Sie schreibt: «Die Weise Alte», die keinen Herrn anerkennt», könnte unsere beste Führerin sein auf der «langen, dunklen, labyrinthischen spirituellen Reise», wobei diese «Weise Alte» mit dem «Göttinnen-Archetypus» in Zusammenhang bringt Die wirkliche Macht, die Frauen mittels psychologischer Archetypen ausüben könnten, könne aus den vorchristlichen Symbolsystemen gewonnen werden. Sie warnt jedoch: «Wenn wir den Göttinnen-Archetypus wieder auferstehen lassen wollen, müssen wir uns des Problems bewusst sein, dass er so eng mit unwissenschaftlichen und untauglichen Erklärungen der physikalischen Welt verbunden» sei, dass diese sorgfältig aussortiert werden müssten, damit die gültigen Kernvorstellungen zum Vorschein kommen können (BN 1284, 17-19).

261

03.02.1962

Haare

Haare: Frauen mit roten Haaren wurden von der Inquisition als «Hexen» eingestuft und getötet. In Wirklichkeit handelte es sich bei den meisten Hexen um selbständige, autonome und nicht selten sexuell attraktive Frauen (siehe BN 1300, 381, sowie Evelyne Hasler: Anna Göldin, letzte Hexe, BN 332). - Die Bibelstelle, auf die sich die Hexenverfolgung stützte, ist nach Barbara Walker falsch übersetzt worden. Das hebräische Wort kasepha sei mit «Zauberin» übersetzt worden, obgleich es «Seherin» oder «Wahrsagerin» bedeute. Jede ungewöhnliche Begabung habe zur Anklage der Hexerei geführt. Manchmal wurde die Anklage der Hexerei als eine Art Bestrafung gegen Frauen angewandt, die ihrer Enttäuschung von Männern zu deutlich Ausdruck verliehen oder es vorzogen, allein zu leben. In alten Quellen fänden sich viele Belege «für die Freude, mit der verwitwete Frauen ihren eigenen Haushalt führten und für die Kraft, mit denen sie den amourösen Annäherungsversuchen von Witwern widerstanden» (ID-Buch 1300, 381-386).

173

03.01.1964

Haare

Eine Opferung der Haare ist von den Vestalinnen bekannt. Vestalinnen waren Priesterinnen der Vesta, der ältesten römischen Göttin-Matriarchin, die mit der griechischen Hestia identisch war. Als Nachkommen eines uralten Ordens heiliger Frauen, die die öffentliche Feuerstelle und den Altar hüteten, waren die Vestalinnen damit betraut, das ewige Feuer zu versorgen, welches das mystische Herz des römischen Reiches darstellte. Die Vestalinnen waren virgines (lat. Jungfrauen); dies bedeutet, dass sie Frauen waren, die als Bräute des «römischen Geistes» gelobt hatten, niemals zu heiraten; im gleichen Sinne verstanden sich christliche Nonnen als Bräute Christi. - In körperlicher Hinsicht waren die Vestalinnen allerdings niemals vollkommene Jungfrauen. Ihre leibliche Hochzeit mit der phallischen Gottheit des Palladiums wurde unter strenger Geheimhaltung im Tempel der Vesta vollzogen (BN 1300, 1142-1143).

266

30.07.1959

Mund

Mundtot: Das seit dem 17. Jahrhundert bezeugte Adjektiv enthält als Bestimmungswort das unter Vormund behandelte Substantiv nhd. Mund «Schutz, Vormundschaft». Es war zunächst ein Rechtsausdruck und bedeutet «unfähig, Rechtshandlungen vorzunehmen», dann wurde es volksetymologisch nach der Körperbezeichnung «Mund» umgedeutet und im Sinne von «zum Schweigen gebracht» (Duden, Herkunftswörterbuch, BN 1313, 473).

62

13.08.1968

Mund

Analyse: «Auflösung: Zergliederung, Untersuchung»: Der in dieser Form seit dem 18. Jh. bezeugte wissenschaftliche Terminus geht zurück auf griech.mtlat. analysis «Auflösung; Zergliederung (BN 1313, 34)

530

19.12.1985

Mund

Vagina, Uterus: Das griechische Wort Delphi bezieht sich auf den Uterus (Gebärmutter) und setzt Frauen mit der Prophetie und dem Orakel in Verbindung. Nach den Worten von Monica Sjöö «waren Frauen überall auf der Welt die ersten Menschen mit prophetischen Gaben - Schamaninnen, Seherinnen, visionäre Dichterinnen. Die Kunst der Wahr- und Weissagung, der Prophezeiung steht mit psychisch-biologischer Energie in Zusammenhang, die vom Mond empfangen und in menschliche Bahnen gelenkt wird» (BN 1316)

862

11.05.1961

Blut

Blutige Kämpfe: «Zwischen den einander zum Teil heftig befehdenden Schulrichtungen der Psychoanalyse, der Individualpsychologie, der komplexen Psychologie und anderen bestehen drei Gemeinsamkeiten, die ihre Zusammenfassung unter einem Gruppennamen rechtfertigen (Tiefenpsychologie): Weil sie 1. ihre wesentlichen Anregungen dem Lebenswerk Freuds verdanken, 2. den Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewussten Seelenlebens in der Region des Unbewusstseins (C.G.Carus) suchen, 3. sich um die Behebung konfliktbedingter Fehleinstellungen des Empfindens und Verhaltens (Neurose) mittels Psychotherapie bemühten. Die Zusammenschau dieser Richtungen empfehle sich auch darum, weil jede von ihnen in ihrer Art einseitig sei und daher der anderen, mit ihr konkurrierenden Ansätzen zur Vervollständigung bedürfe. Eine echte Verschmelzung der Richtungen sei wünschenswert, aber bisher noch nicht erfolgt (Lexikon der Psychologie, BN 1353, 294).

151

19.09.1965

Blut

Blutender Körper. Barbara Walker erwähnt die Göttin Isis, die den Erlöser Osiris verschlungen und ihm danach das Leben wieder geschenkt habe. Dieser habe als Horusknabe reinkarniert oder auch in die Gestalt des ithyphallischen Mondgottes Min (bzw. Menu),

440

24.01.1971

StimmeStimmen

Name als Schöpfung schaffende Stimme: Für Barbara Walker ist die Muttergöttin die Grosse Mutter, die «die Göttin mit den tausend Namen» war, deren Bilder in den Kulturen der eurasischen Landmasse verwurzelt waren (BN 801, 279). Die Grosse Mutter «war» die Erde, wie auch das Meer, der Mond, die Milchstrasse, die Elemente, Berge, Flüsse, Steine, Vegetation, Frauen, Zeit, Schicksal, Intelligenz, Geburt, Liebe und Tod». Ihr sei die uranfängliche Schöpfung des Universums mit allem, was es enthält, zugeschrieben worden, wie auch die sich weiter entfaltende Schöpfung und die temporäre Erhaltung jedes individuellen Geschöpfs. Und sie war auch die zerstörende Alte, die jedem Leben ein Ende setzte und am Jüngsten Tag selbst das Universum vernichten würde, um eine neue Schöpfung in ihrem nächsten Zyklus vorzubereiten. Diese Göttin mit den vielen Namen sei die erste Heilige Dreifaltigkeit gewesen. Ihre umfassenderen Aspekte wurden als Jungfrau, Mutter und Greisin bezeichnet (BN 1284, 27). - Im Unterschied dazu stellt die Muttergöttin für Marie-Louise für Franz ein Negativbild dar: «Sie war grenzenlose Fruchtbarkeit und Freigebigkeit, schrankenlose Barmherzigkeit, unendliche Eifersucht und Eitelkeit, kurz ungebändigte Emotionalität». Daraus zieht sie den fatalen Schluss, es sei «vielleicht für die Entwicklung der westlichen Kultur nötig» gewesen, dass «der abendländische Geist die Muttergöttin eine gewisse Zeit hindurch übersehen und allen Nachdruck auf die männliche Entwicklung des Geistes legen musste» (BN 1321, 100).

592

09.06.1990

StimmeStimmen

Warnende Stimmen: Die mythologischen «Sybillen» gehörten zu den mächtigsten Orakelpriesterinnen von Cumae in Rom, und galten als «Höhlenbewohner». Die Höhlen wurden als Eingänge zur Unterwelt betrachtet, aus der die Priesterinnen die Geister der Toten beschwören konnten, um sie um Rat zu fragen. Die mythologischen Sybillen kritisierten gesellschaftliche Zustände, warnten vor schlimmen Entwicklungen und riefen zur Umkehr auf.

928

27.04.2003

StimmeStimmen

Philosophische Stimme: Agnes Heller hatte den Mut, das rein formal-akademische Philosophieren zu verlassen zugunsten grösserer Lebensnähe und zugunsten einer Ethik, die ins praktische Handeln und Verhalten hinein reicht, anstatt beim philosophischen Rätselraten über «den Menschen» zu verbleiben. Sie geht von real existierenden Menschen aus, von real existierenden «anständigen» Menschen, wobei sich ihr Interesse auf die Frage richtet, in welcher Weise sich diese Art von Menschen entwickeln könne. Ihre Antwort ist, dies erfolge nicht nur durch umweltliche Prägung, sondern ganz wesentlich durch die Wahl von bestimmten Gefühlswerten sowie durch Selbsterziehung (Selbsterschaffung) im Sinne dieser Wahl. Die zu wählenden Gefühlswerte sieht sie in den «Gipfelpunkten» der Gefühle, die sie in den «emotionalen Dispositionen - «Liebe, Zuneigung und Freundschaft» ausmacht. - Edith Piaf steht ebenfalls für Echtheit und Leidenschaftlichkeit bei gleichzeitiger Sensibilität und in ihrem Mut zu sich selber bei gleichzeitiger Offenheit zur Welt. Als ausgebeutetes Mädchen aus der Unterschicht, und später als junge Frau und Strassensängerin, hätte sie leicht in Prostitution fallen und untergehen können. Aber ihr Mut zum Echten und Eigenen, ihre Widerstandskraft und ihr Bestreben, Liebes- und Leides-Erfahrungen produktiv umzusetzen, haben sie schliesslich in ihrer Persönlichkeit gerettet. Eines ihrer eindrücklichsten Lieder ist «Je ne regrette rien».

1008

31.05.1959

WeitereKörperteile

Schnur, Nabelschnur: Die mythischen Verbindungen der Schnur beziehen sich auf die Nabelschnur. Die Rückkehr zum mütterlichen Schoss vor der symbolischen Wiedergeburt der Taufe, die in allen Mysterienreligionen inszeniert wurde, war in gewisser Weise gedacht als sich an der Schnur entlang tasten, um den Rückweg zu finden. Ariadnes Faden stellte die Reise der Wiedergeburt dar. - In der ägyptischen Unterwelt symbolisierten Schnüre mit oder ohne Knoten die Bindekraft des matriarchalen Gesetzes. - Ariadnes Faden stellte die Reise der Wiedergeburt dar. Schnüre führten Eingeweihte durch künstliche Unterweltreisen in die Finsternis von Höhlen oder unterirdischen Tempeln, den «Fegfeuern» des keltischen Heidentums. - In Babylon wurden Schnüre als Heilamulette verwendet, und zwar aufgrund der Wiedergeburt oder Erneuerung, die an diese symbolische Nabelschnur «geknüpft» war. - In der ägyptischen Unterwelt symbolisierten Schnüre mit oder ohne Knoten die Bindekraft des matriarchalen Gesetzes. Einige Engel trugen «Gesetzesschnüre», die ihren Gehorsam gegenüber der Mutter Maat ausdrückten. Der Gott Ra sagte: «Ihr Gesetz ist die Schnur in Amentet». - Auch Hexen gebrauchten Schnüre mit Knoten, um das Wetter oder sonst irgend etwas, das sie magisch «binden» wollten, zu fesseln. Mit Schnüren legten sie mythische Figuren auf den Boden: Magische Schutzkreise, rituelle Flechtmuster usw. Oftmals hiess es, und auch heute hört man es noch, dass jede Hexe ihre eigene heilige Schnur besitzen müsse (BN 801, 211-212).

29

25.03.1966

WeitereKörperteile

Brust: Gerda Weiler kritisiert die biologistische Argumentation von Jung und seines Schülers Erich Neumann, die die weiblichen Brüste als «Nährendes» bestimmen, um «das Weib auf seine Bestimmung» festzulegen. Die «übergreifende, sinnvoll-weise Potenz der matriarchalen Göttin» verkomme «zu sentimental gütiger Mütterlichkeit, die ständig schlichtet und ausgleicht, die verschenkt, ohne zurückzufordern, die verschwenderisch liebt, immer abrufbar und eingreifbereit zur Verfügung steht, um mit ihrer Beziehungsfähigkeit zu heilen, was durch die Unbezogenheit des männlichen Logis in Scherben zerbrochen ist». Sie kritisiert weiter Neumanns patriarchales Bewusstsein, für den das Weibliche auch in seinem geistigen Aspekt eine «unversiegbare Quelle» bleibe, die «als geistige Macht liebend und rettend» sei, und ihr «strömendes Herz» zugleich «Weisheit und Nahrung» sei. Gerda Weiler schliesst: «Eine solche Gute Mutter gibt es nicht. Sie existiert nur in den Wunschträumen des patriarchalen Bewusstseins. Neumann suggeriere den Frauen, dass sie sich den Aufgaben ja nicht entziehen mögen, die das patriarchale System der Guten Mutter zugewiesen hat. Die «dauernd eingreifbereite Gute Mutter» geistere durch die Lesebücher der Grundschulklassen, durch Romane, Theaterstücke und Filme. Sie werde in Gedichten und von Kirchenkanzeln herab hochgelobt. «Daher wird es niemanden wundern, wenn patriarchale Männer von ihren Müttern und Ehefrauen die Eigenschaften der sich verausgabenden Guten Mutter wie die Einlösung eines Versprechens erwarten» (Gerda Weiler: Der enteignete Mythos. Eine notwendige Revision der Archetypenlehre C.G.Jungs und Erich Neumanns, BN 77, 104-105).

398

08.08.1974

WeitereKörperteile

Bauch, Schoss: Die heiligsten Symbole der paläolithischen und neolithischen Menschheit waren Symbole des Schosses als Urquelle des Lebens, aus der alle schöpferischen Prozesse hervorsprudelten. Das Sanskritwort für «Tempel» hatte auch die Bedeutung des «Schosses». Das sumerische Wort für die Unterwelt, die heilige Höhle, und den Schoss lautete matu, was aus der universellen Wortwurzel für «Mutter» abgeleitet ist. Bei den afrikanischen Pygmäen bedeutete dasselbe Wort die grosse Höhle, die die «Mutter des Gottes» symbolisierte. Und für Simon Magus war das Paradies als «Mutterschoss» definiert. - Das am meisten verehrte Orakel-Heiligtum Griechenlands hiess Delphi, und das bedeutet «Schoss». Ursprünglich war dieser Ort der Grossen Göttin geweiht, die die Namen Themis, Gaia oder Phoebe trug, Die sagenhafte Priesterin Delphyne wurde von Apollo ermordet, als er das Heiligtum eroberte. - In der ganzen Welt stellen Männer bei Ritualen der Initiation, der Taufe und der Weihe Abbilder des Schosses auf, um die Wiedergeburt in eine neue Lebensphase symbolisch darzustellen (BN 801, 435-436).

666

12.01.1975

WeitereKörperteile

Zähne, goldene Zähne: Das alchemistische Zeichen für Gold ist mit dem Symbol für die Sonne identisch. Wegen seiner Farbe und seines Glanzes wurde Gold immer mit der Sonne assoziiert, und weil es chemisch äusserst stabil ist, wurde es auch mit der Idee der Unsterblichkeit in Verbindung gebracht (BN 801, 681).

1032

21.01.1991

WeitereKörperteile

Hals: Ein «im Hals stecken gebliebener Bissen» stellt der Mythus vom humanistisch gesinnten russischen Dichter Maxim Gorkis dar. Sein Buch «Meine Universitäten» (BN 586) hatte ich mit weiteren Büchern in meiner Praxis aufgelegt, um zu demonstrieren, dass es einige akzeptable Männerbücher gibt. Aber ich habe es weit fort gelegt, nachdem ich nochmals darin gelesen habe. Kaum zu glauben, wie frauenfeindlich das Buch angelegt ist und dass ich dies früher nicht gemerkt habe. Offenbar habe ich verdrängt, um nicht an der permanenten männlichen Feindlichkeit zugrunde zu gehen. Bei Gorki kommen Frauen vor allem als «Weiber» ohne Persönlichkeit vor. Die Sängerinnen sind «Singmädels», eine andere ist ein blinzelndes «Riesenweib», dem grünlich trübe Tränen entquollen», eine Köchin hat ein «Vollmondgesicht und Äuglein, die an Grünspan erinnern», eine andere ist ein «kurzbeiniges Mädel» die aussieht, «als wäre sie aus Halbkugeln» zusammengesetzt, fast könnte man sie für einen Sack voll Wassermelonen halten», eine Frau schildert er als «spitznasiges Vogelgesicht» mit Händen, klein wie eines halbwüchsigen Mädchens. Eine Witwe bezeichnet er als ein «dürres Weib», obgleich sie nicht gerade hässlich zu nennen» sei, «aber es war eine Spannung in ihr, die sie hässlich machte, eine Zimmerwirtin beschreibt er als «eine Frau mit Riesenbrüsten und einem Hintern, der auf keinem Stuhl Platz fand», an einer anderen sieht er etwas «was mich auf eine neue Art feindlich und zornig erregte». Schliesslich haben zwei Schwestern seiner Meinung nach «eine auffallende Ähnlichkeit mit Fledermäusen» die ihre «flügelartigen Umhänge fester an sich ziehen, als fürchteten sie, die Worte des Philosophen könnten ihre Körper entblössen». In einem anderen Fall sind Weiber «lüstern» und eine Köchin ist einem Mann «hündisch ergeben». Sogar bei der von ihm geliebten und geachteten Grossmutter bricht seine Frauenfeindlichkeit durch, denn er macht sie zur «Alten», hebt ihre «wabbeligen Wangen» hervor und nennt ihre verhaltenen Tränen beim Abschied ein paar kümmerliche Tränen», obgleich wir an anderer Stelle erfahren, dass sie «herzensgut und klug» und «mütterlich gegen alle Menschen» war. Im Unterschied dazu sieht Gorki bei Männern gelegentlich den tieferen Kern, deren noch so unerträgliche Eigenheiten er mit erbarmender Liebe zu schildern vermag. Ein Verrückter in der Psychiatrie, der an Grössenwahn litt, habe «etwas Erhabenes» an sich, der Psychiater plaudere «ehrerbietig» mit ihm und habe auf ihn ein Gedicht geschrieben, in dem er den Verrückten als «Herrn aller Herren, den Freund und Berater Gottes» bezeichnet habe. Von einem anderen Mann sagt er, dass dieser Mensch unglaublich viel schlafen konnte, und zwar in jeder beliebigen Stellung, sogar im Stehen. Über einen Dritten schreibt Gorki: «Ich höre ihm aufmerksam zu und glaube ihm. Mir gefallen seine Ruhe und seine gleichmässige, schlichte, gemessene Redeweise. Man merkt es, dieser Mann weiss viel und legt seinen eigenen Massstab an die Menschen.» Ein weiterer war «bildschön und sichtlich stark», und wieder ein anderer ist «ein kluger Kopf! Der versteht sein Geschäft» und noch ein anderer ist «ein ganzer Kerl». Einer «hatte nichts übrig für die schwere Wirrnis des Lebens, sein ganzes Sinnen und Trachten war auf die Vernichtung Gottes und die Verhöhnung der Geistlichkeit gerichtet, und einer ist anmutig schön und stellt seine Partnerin in den Schatten: «Er tanzt bezaubernd schön», seine Partnerin umkreist ihn flink, verführerisch, leise kreischend, aber Stepachin «stellt sie doch in den Schatten durch die unbeschreibliche Anmut der rhythmischen Bewegungen seines starken Körpers. Sein Tanz versetzt alle anderen in Entzücken, in einen tollen Rausch». Ein Mann «fällt Stepachim um den Hals, küsst ihn ab und murmelt, nach Atem ringend: «Ein Herrscher bist du! Ein Talent!» Auch für zerlumpte und lügenhafte Kreaturen hat Gorki etwas übrig, sofern sie Männer sind: «Er war unansehnlich, zerlumpt und abgerissen, aber sein Gesicht mit dem krausen, vergnügten Bart war beinahe schön zu nennen; in seien blauen Augen leuchtet ein kindliches Lächeln» Fein «kann der flunkern. Das macht Spass!» - Gorki vermochte offensichtlich rein nichts Faszinierendes an Frauen zu entdecken, daher er in meiner Praxis nichts zu suchen hat (Tagebucheintrag 206).

930

21.12.1958

Strasse

Nächtliche Strasse: Schon eine bekleidete Frau muss gewärtigen, von Männern als Freiwild betrachtet zu werden, wenn sie nachts allein unterwegs ist. Dies hatte beispielsweise die Autorin von «Frauen im Laufgitter» (ID-Buch 2), Iris von Roten erfahren müssen, als sie beim nächtlichen Nachhauseweg von der Polizei angesprochen und der Prostitution verdächtigt wurde (ID-Buch 393, 86-87). Eine Frau auf nächtlicher Strasse konnte nach männlicher Meinung nur eine Frau sein, die «die Strasse macht». - Die Strasse ist auch heute noch kein Raum für Frauen, der ihr ebenso selbstverständlich zustünde, wie den Männern. Iris von Rotens provokatives Buch war im Jahre 1958 herausgekommen, als die Frauen aus dem politischen Raum ausgeschlossen waren (Yvonne-D.Köchli: Eine Frau kommt zu früh. Das Leben der Iris von Roten, Autorin von «Frauen im Laufgitter», BN 393).

11

07.02.1959

Strasse

Im Tageslicht belebte Strasse und lesbisches Begehren: Das Lesbische galt zu dieser Zeit (1959) in der Tiefenpsychologie als eine kranke oder gar als eine kriminelle Abnormität, ebenso wie das Homosexuelle. Später wird die feministische Psychotherapeutin Barbara Gissrau ein Buch schreiben mit dem Titel: «Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Das Lesbische in der weiblichen Psyche». Dieses Lesbische in der Frau beinhaltet sehr viel mehr und anderes als ein blosses sexuelles Begehren (BN 903).

20

04.11.1959

Weg

Weg: Der Archetyp des «Weges» tauchte in der Urgeschichte zum ersten Mal bei den Eiszeitmenschen auf. Diese Frühmenschen hätten, wie Erich Neumann ausführt, in einem weitgehend noch unbewussten Ritual den Weg in Höhlen von Bergen angelegt, in deren verborgenen und schwer erreichbaren Innern Heiligtümer mit Tierbildern gestaltet wurden, von deren Erlegung ihre Existenz abhing. Die magisch-sakrale Bedeutung dieser Bilder wie der Berghöhle stehe heute ausser Zweifel. Ebenso klar sei, dass der «schwere und gefährliche Weg», auf dem diese Heiligtümer sehr oft nur erreichbar waren, mit zu der rituellen Wirklichkeit der Bergtempel gehört, als die wir heute diese Höhlen verstehen. Auf späterer Kulturstufe und bei entwickelterem Bewusstsein werde dieser Archetypus des Weges zum bewussten Ritual-Weg, der zum Beispiel in der Anlage der Tempel , von den Tempeln Ägyptens bis zum Boro Budur Ceylons, der Verehrenden zwinge, einen rituellen Weg von der Peripherie bis zum Zentrum, dem Heiligtum, zu gehen und so das Weg-Ritual zu vollziehen. Die Prozessionen der Frommen aller Völker gingen auch heute noch diesen Kollektivweg des Rituals zum Heiligtum. Der Leidens-Weg Christi sei eine weitere und andere Form dieses Archetyps, in ihm werde der Schicksalsweg zu dem der Erlösung, und mit seinem bewussten Anspruch «Ich bin der Weg» erreiche dieser Archetyp des Weges eine neue, nun schon ganz innerliche und symbolische Stufe (BN 500, 23).

98

15.09.1960

Weg

Scheiterhaufen und Anima: Dass Frauen sich selbständig machen, das heisst unabhängig von einem Mann oder von Männern überhaupt machen wollten, war der aufkommenden Männerzunft (Ärzte) ein Dorn im Auge. Solche Frauen wurden als Hexen gebrandmarkt, verfolgt und schlimmstenfalls auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ohne Mann lebende und selbständig erwerbende Frauen wurde unausgesprochen dem Vorwurf ausgesetzt, sie würden den Mann symbolisch töten. - Der Begriff «Anima» (weibliche Seele) ist nach Barbara Walker abgeleitet von den Wurzeln an «Himmel», und ma, «Mutter». Das Wort erinnere an eine Zeit, als die Menschen glaubten, alle Seelen stammten von der Himmlischen Mutter (BN 1300, 39). Im 16. Jh. habe ein G. Postel gelehrt, dass jede Seele eine männliche und eine weibliche Hälfte besitze, Animus und Anima. Die männliche Seite sei nach Postel bereits durch Christus erlöst, aber die weibliche Hälfte sei noch unerlöst und erwarte einen weiblichen Heiland. Dies sei eine neue Entwicklung der alten christlichen Ansicht gewesen, dass überhaupt nur Männer Seelen besitzen. Der dritte Lehrsatz des Konzils von Nantes (660 n. Chr.) besagte, alle Frauen seien «seelenlose Tiere» (BN 1300, 39). - Die Alchimisten verwandten das Wort anima für alle Geister, die sie für weiblich hielten: Anima Mercuri, Anima Mundi etc. Der Weltgeist war mit den Elementen Erde und Wasser verbunden, ähnlich wie die eleusinische Demeter, die «Herrin von Land und Meer». Ein Grund, warum die Alchimisten der Häresie verdächtigt wurden, war ihre Vorstellung, die Weltseele sei eine weibliche Anima (BN 1300, 39). - Barbara Walker weist ferner darauf hin, dass C.G.Jung die Ausdrücke Animus und Anima neu belebt habe, «um die vernunftbetonten und die intuitiven Teile des Geistes (also die linke und die rechte Hemisphäre des Gehirns) zu beschreiben». Die Anima eines jeden Menschen sei nach Jung «häufig symbolisch sowohl mit Erde als auch mit Wasser verbunden». Sie werde «als zeitlos und tiefgründig weise» vorgestellt (BN 1300, 39).

139

21.09.1968

Weg

Weg des Labyrinths: Mit seinen symbolisch gewundenen Wegen des Labyrinths und dem Ausgang, der die Wiedergeburt «aus den Eingeweiden» symbolisierte, waren wahrscheinlich die Eingeweide das ursprüngliche Modell. In der Bibel wird Geburt - so Barbara Walker - als Trennung von den Gedärmen beschrieben. Mesopotamische Weissagepriester untersuchten die Gedärme von Opfertieren und traten in den sogenannten Palast der inneren Organe ein, um Einblick in die Zukunft zu gewinnen. In Assyrien gab es sogar einen Gott der Eingeweide, der die Weissagekunst aufgrund von Gedärmen symbolisierte. Er hiess Humbaba. Sein Gesicht bestand aus gewundenen Darmschleifen (BN 801, 414-415).

536

25.03.1980

Weg

Karriereweg: Für eine Frau ist der «Weg über die Leiter», verstanden als sozialer oder gesellschaftlicher Aufstieg, nicht dasselbe wie für einen Mann. Auch «Karriereziele» von Frauen sind vielfach andere als bei Männern. Die Ziele der Frauen gelten weniger materiellen oder ehrgeizigen Zielen. Zu dieser Zeit (1980) sind feministische Frauen damit beschäftigt, den Status als gleichberechtigte Menschen und Bürgerinnen in weltlichen und kirchlichen Strukturen zu erreichen und zu festigen. Feministische Philosophinnen sagen, dass es insbesondere um die «Arbeit am Symbolischen» gehe. Denn viele Symbole, die in der Frühzeit als weibliche galten, seien vom Patriarchat einvernahmt und umgedeutet worden, um die männliche Vorherrschaft zu rechtfertigen (siehe Carola Meier-Seethaler, BN 7).

771

06.01.1960

Küche

«Seid klug wie die Schlangen», lautet ein jesuanischer Rat. Nach Barbara Walker kannte Jesus noch die ursprüngliche Bedeutung der Schlange als Symbol für Weisheit. Zur Paradieszeit machte die Schlange der ersten Eva Mut, vom «Baum der Erkenntnis» zu essen. Bis heute ist die Schlange Wahrzeichen für die ärztliche Heilkunst. Die Schlange symbolisiert also das heilende und heilsame Wissen. Barbara Walker widmet in ihrem Buch über Symbolik mehr als sieben Seiten der Schlange: Die Schlange sei ursprünglich mit der Grossen Göttin selbst gleichgesetzt. Sie war auch Kundalini, die innere weibliche Seele der Menschen, die sich schlangenhaft zusammengerollt im Becken befindet und sich durch Yoga entrollt, durch die Chakren zum Kopf aufsteigt und Erleuchtung bringt. In vielen gnostischen Schriften werde die Schlange des Paradieses dafür gepriesen, dass sie der Menschheit gegen den Willen eines tyrannischen Gottes, der die Menschen in Unwissenheit halten wollte, das «Licht» des Wissens gebracht habe. Bei den indischen Nagas bewachte eine Schlange das wunderbare Buch Thot, das in einem Unterwasser-Palast verborgen war (BN 1300, 969-976). - Marie Luise von Franz erwähnt die «Märchenweisheit»: Wer im Märchen «Die weisse Schlange» ein Stücklein von der Schlange isst, könne die Sprache der Tiere verstehen. - Anmerkung Patricia Ertl: Schlange im Korb = Kundalini-Schlange im Schoss.

115

05.08.1962

Küche

Kochen: Bei Frauen sind die Wendepunkte des Lebens mit Kochen und Bereiten von Festmahlen verbunden. Das Kochen, die Verwandlung der Nahrungsmittel, ist sozusagen der Ritus, der die Lebenswende symbolisch begleitet (Lucie Stapenhorst, BN 1321, 88).

203

19.09.1965

Küche

Küche und zerstückelter Körper: - Der Gott Cernunnus wurde zerstückelt und in einem Kessel gekocht, um wieder von den Toten auferstehen zu können. - Sibirische Schamanen behaupten, dass sie erst dann praktizieren können, wenn sie Visionen empfangen haben, in denen sie von Ahnengeistern zerstückelt und in magischen Kesseln gekocht worden seien. Manchmal werden die Drei Mütter des Schicksals identifiziert, die den Morien des heidnischen Griechenland, den Nornen Skandinaviens und der Dreifaltigen Göttin Ward der Angelsachsen entsprechen (BN 801, 191).

358

14.01.1993

Küche

Herd: Mit dem Wort «Herd» (focus) war im Lateinischen der Familienherd gemeint. Er stand im Zentrum des Clan- und Stammeslebens, war der antiken Göttin Vesta (griechisch «Hestia») geweiht, wurde von der herrschenden Matriarchin überwacht und durch das Feuer des lebendigen Familiengeistes erleuchtet. Die Herdgrube mit dem Feuer galt als Zugang zu den Geistern der Ahnen, die jetzt in der Unterwelt weilten . Als sich das römische Imperium immer mehr ausdehnte, wurde der zentrale Herd der ganzen Stadt als politische und soziale Einheit in den focus des Vesta-Tempels verlagert. Dort bewachten heilige Frauen das Herdfeuer, das niemals erlöschen durfte (BN 801, 184). -Die Juristin Lotti Ruckstuhl kritisiert C.G.Jungs Meinung, die Frau verweile noch «im kosmogonischen Urnebel» und dass er sie eigentlich dort festlegen wollte (Ruckstuhl: Frauen sprengen Fesseln, BN 4, 72-73). - Zur Farbe Rot, die mit dem Herdfeuer untrennbar verbunden ist, lassen sich nach der Astropsychologin Patricia Ertl mannigfaltige Assoziationen verbinden. Am spontansten fielen ihr dabei ein: Blut, Leben, Erotik, Sexualität, Intensität, Kraft. Auf der naheliegendsten Ebene sei die Küche ja einfach der Ort, wo Frauen Lebensmittel zubereiten, die unserer Nahrung, unserer Gesundheit, unserem Wachstum und unserer Stärkung sowie unserer (Gaumen-)Lust dienen sollen (zumindest früher war das so, wo's noch keine chemische Fastfood für die Mikrowelle gab). Die Küche sei somit ein Ort der Produktion lebensschöpferischer Energien. - Im übertragenen Sinn halte sie das Zentrum der Küche, den Herd, für ein weibliches Schoss-Symbol. Es gebe ja auch Märchen und Mythen, wo das heilige Feuer aus dem Schoss der Frau/Göttin herkomme. Der Schoss wurde vor dem Patriarchat als der magischste Ort der Transformation überhaupt verehrt, wo Unsichtbares sich in Sichtbares kleidet und wo nach altem Glauben das sichtbar Materiell-Körperliche auch wieder einkehre und zurückgehe ins Reich des Unsichtbaren und der AhnInnen. Frauen seien «seit Urzeiten die Hüterinnen dieses geheimnisvollen Prozesses, der sich sowohl verborgen im Innern ihres eigenen Leibes wie auch im Schoss der Erde und anderen der äusseren Sicht verborgenen Innenräumen vollzog».

942

08.01.1967

WohnRäume

Zimmer, Frauenzimmer, Anima: Viele Männer, die vorgeben oder glauben, ganz für die Gleichberechtigung der Frau zu sein, bestehen gleichwohl auf der Vorstellung, die Frau sollte seiner Person liebend als «Anima» im Sinne einer «Dienstmagd am Männlichen" hilfreich und tätig sein. Männern wurde von der Analytischen Psychologie eingeredet, der Magddienst der «Anima» stehe ihnen rechtmässig zu, während den Frauen die «Anima» als ein «höchster Wert» innerhalb einer heterosexuellen Beziehung schmackhaft gemacht wurde.

452

01.08.1976

Fenster

Roboter: Vicki Noble verbindet das Robotertum mit dem Symbol des Teufels: Der Teufel symbolisiere die Unterdrückung des freien Geistes durch Kirche und Staat, deren Ordnung und Autorität sie bedroht sehen. Jedoch lebe in uns allen ein unsichtbarer, ungezähmter Geist, der nach Ausdruck und Ausdruck verlange. Ergebnis der Unterdrückung unserer inneren Wildheit sei das Robotertum, nämlich langweilige, mechanistische, monotone Lebensweisen. Die extreme Reaktion auf solche Knechtschaft und Bedeutungsleere liege in Gewalt und Aggression, die oft «unerwartet» auftreten und immer missverstanden würden. Wenn der freie Geist sich selbst in einem normalen anständigen Individuum ausdrücke, scheine es, «als ob mich der Teufel geritten hätte». In der Beziehung der Geschlechter nehme das Robotertum oft die Form von Herrschaft und Unterdrückung an. Noble verweist auf die sado-masochistische Pornographie, die das Sexuelle verdrehe und entstelle und der Anbetung des Göttlichen beraube. Sobald sexueller Ausdruck nicht mehr das Leben und die universale Liebe der Mutter respektiere, werde sie negativ und übernehme die Machtkämpfe des weltlichen Lebens (BN 1316, 116-117).

689

23.03.1961

Bett

Bett: Ein weiterer Fingerzeig zur symbolischen Bedeutung des Wortes «Bett» liesse sich beim Bachbett, beim Flussbett oder Strombett finden. Diese Betten bezeichnen eine «Rinne» oder einen Graben, das durch ein Gewässer geschaffen wurde und nun in seinem Lauf festgelegt ist und in seinem «Bett» festgehalten wird. - Auch in der Tiefenpsychologie gibt es nämlich symbolische «Betten», die geschaffen wurden, um den Lauf der Dinge zwischen den Menschen und den Geschlechtern festzulegen. Diesen Sachverhalt konnte die Träumerin während ihres Psychologiestudiums, das zu dieser Zeit (1961) noch lief, zweifellos feststellen oder beobachten, wenn auch noch nicht klar benennen. Dass manche dieser scheinbar unveränderlichen psychologischen «Bettrinnen» die Frauen und das weibliche Geschlecht insgesamt betreffen und einengen, konnte sie sicher wahrnehmen und spüren.

147

06.09.1960

UntereRäume

Höhle: Bevor es Tempel gab, fanden alle religiösen Riten in Höhlen statt. Die Höhle wurde überall auf der Welt mit dem Leib der Mutter Erde gleichgesetzt und war damit der natürliche Ort für eine symbolische Geburt und Erneuerung. In etruskischen und römischen Tempeln befand sich ein mundus, was sowohl «Erde» als auch «Schoss» bedeuten konnte. Auch das Sanskritwort für ein Heiligtum, garbhagrha bedeutete «Schoss» (Walker, BN 1300, 403).

137

14.06.1964

UntereRäume

Die Erde war die universelle Muttergöttin, die am Ursprung aller Mythologien steht. Herodot erklärte, dass alle bekannten Namen der Erde weiblich seien. Niemals habe es einen «Vater Erde» gegeben. Die Zigeuner sagten: «Die Erde ist unsere Mutter ... Das Geheimnis des Lebens kommt aus dem Boden.» Die Apachen sagten, dass alle Geschöpfe am Anfang von der Erde geboren worden seien, «ebenso wie ein Kind aus seiner Mutter geboren wird. Der Ort, aus dem sie hervorkommen, ist der Schoss der Erde.» Klassische Schriftsteller sagten, dass die Erde alle Dinge hervorbringe und sie dann wieder in sich aufnehme. «Auf diese Weise enthält die Erdgöttin das Geheimnis einer jeden Frau in sich; die Göttin ist der Anfang und das Ende allen Lebens auf der Erde» (BN 801, 454). In Wirklichkeit enthält die Erde natürlich sowohl das Weibliche als auch das Männliche.

276

02.09.1965

UntereRäume

Erde: Nach Tacitus betrachteten Europas Stämme die Mutter Erde als «die alles beherrschende Gottheit, der alles untertan und ergeben ist». Die Mutter Erde wurde auf der ganzen Welt verehrt, weil sie der Anfang aller Dinge war. - Die Stätte alles Entstehens ist der Schoss der Erde. - Heimat und Mutter waren für viele Menschen, deren Vorstellung von der Erdgöttin beide Begriffe umfasste, identisch. - Neben dem Bild der Mutter als Gebärerin hat vielleicht die Vorstellung von der Mutter als Empfängerin der Toten die tiefsten emotionalen Reaktionen hervorgerufen. Der Tod schien weniger schrecklich, wenn er als eine Rückkehr in den Schoss der Mutter angesehen wurde. Im Rigveda heisst es: «Krieche zu deiner Mutter Erde. Sie wird dich vor der Leere retten». - Im mittelalterlichen Balladen verkörpert manchmal die Geliebte des Helden die Mutter Erde, wenn sie ihren Geliebten, um ihn «zu verstecken» mit ihrem grünen Mantel bedeckt, so als ob sie ihn begräbt (BN 1300, 219-223).

354

25.07.1975

UntereRäume

Untere Grube und Unbewusste: Über die «Grube» schreibt Barbara Walker: Fast jeder antike Tempel hatte im inneren Heiligtum eine Grube, den «mundus» oder «Schoss» für Einweihungsriten der Wiedergeburt. Nach Art der antiken Tempel besassen auch alte europäische Kirchen eine Grube im Kirchenschiff, das «Loch des Heiligen Geistes» hiess (BN 801, 182). - Die Jungianerin Ursula Baumgardt kritisiert Jungs Vorstellung über das weibliche Unbewusste. Im «unbewussten Logos-Prinzip» der Frau (im Animus) lokalisiere Jung «die Bildung und Entstehung von Meinungen, Prinzipien, Urteilen und Vorurteilen, die die Frau seiner Meinung nach entstellen». Jung werde nicht müde zu betonen, «dass der Logos männlichen Charakters» sei und somit das Bewusstsein des Mannes charakterisiere. In späteren Werken rede Jung vom Animus gerne als von einem «Meinungsteufel». Nach Jungscher Meinung müsse der Animus «als eine Funktion nach innen» eingesetzt werden, und wo dies einer Frau nicht gelinge, bestehe die Gefahr, dass sie ihre «Weiblichkeit» verliere (Ursula Baumgardt, BN 921, 48).

681

07.11.1977

UntereRäume

Festungsanlage Kirche und Mythus christliche «Taufe»: Jutta Voss schreibt, der berüchtigte Arierparagraph vom 7. April 1933 habe bestimmt, dass Beamte, die nicht arisch sind, in den Ruhestand zu versetzen seien. Dies habe jedoch zu keinem Protest der Kirchen geführt, sondern zu Bestimmungen, die es ihr ermöglichte, sich von ihren nichtarischen Pfarrern zu trennen. Die Kirche argumentierte, dass «durch die christliche Taufe an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert werde», und habe mit dem Kirchengesetz vom 28. Dezember 1941 die «rassejüdischen Christen von jeder kirchlichen Gemeinschaft» ausgeschlossen. Die Deutsche Evangelische Kirchenkanzlei und der Geistliche Vertrauensrat hätten die Bischöfe der Landeskirchen gebeten, «die getauften Nichtarier dem kirchlichen Leben der deutschen Gemeinden fernzuhalten». Jutta Voss stellt richtig fest, die Kirche habe mit diesen Bestimmungen das Sakrament der Taufe buchstäblich ausser Kraft gesetzt (BN 1028, 109). - Das heisst, die Institution «Kirche» hatte sich als eine «Festungsanlage» gegen Juden etabliert.

709

05.07.1961

WeitereOrte

Weltraum: Der Begriff «Weltraum» ist ein Synonym für das Weltall: In dieses Weltall «geschleudert» zu werden deute ich als «Ausschluss» aus der menschlichen Gemeinschaft und dass dieses in grösste Einsamkeit führt. Die Einsamkeit ist hier keine freiwillige, sondern eine aufgezwungene, der gegenüber die Träumerin den Standpunkt einnimmt, dass sie sich daran «gewöhnen» müsse, vermutlich in der Vorstellung, dass «Autonomie» nicht anders zu haben sei.

155

02.05.1966

WeitereOrte

Ein Gegenbild zum Mythus «Mann»: Vom Mönch Albert, der später als Albertus magnus in die Geschichte einging, erzählt Walter Nigg, dass er sich zeit seines Lebens als Angehöriger seines Bettelordens verstand und dessen spartanische Lebensweise beibehalten wollte. Albert habe nach den Ursachen der Naturerscheinungen gefragt, und er habe sich auch für das interessiert, was die alten Griechen über die Natur aussagten. Die Resultate seiner Schriften über Botanik und Zoologie seien zwar überholt, wichtiger sei Alberts Blick und seine Erkenntnis, dass es im Leben auf die eigene Erfahrung und Feststellung ankomme. Natur sei «Offenbarung», führe daher zu Gott. Natur sei «Organismus», nicht «Mechanismus». Natur habe Schönheiten, gebe aber auch schwere Rätsel auf. Albert habe den Blick für die Natur gehab. Dies im Unterschied zu seinem Zeitgenossen Friedrich II, der sich von schrecklichen Experimenten an Menschen habe leiten lassen. Albertus, der von Rom entgegen seines Wunsches zum Bischof befördert worden war und nun die Klöster visitieren musste, sei zu Fuss gegangen und habe sich weiterhin als Bettelmönch verstanden, der seinen Unterhalt durch Betteln und Gelegenheitsarbeiten verdient. Die päpstliche Berufung zum Bischof (als Reichsfürst in Regensburg) habe ihm Sorgen bereitet. Er habe dem päpstlichen Befehl zwar gehorcht, er sei aber unbemerkt in Regensburg eingezogen und habe unter dem Bischofsgewand das Mönchsgewand getragen. Nach einem Jahr habe Albertus den Papst inständig gebeten, ihn vom Amt zu entbinden. Albert sei ein Freund des Friedens gewesen. Er habe oft zwischen der Bürgerschaft Kölns und dem ehrgeizigen Erzbischof Konrad von Hochstalden vermittelt. Albertus sei als «Doctor universalis» in die Geschichte eingegangen, als «grosser Lehrer mit universalem Geist, Weite und Offenheit» (ID-Buch 1160). - Walter Nigg zeichnet hier ein Männerbild, das dem patriarchalen Mythus «Mann» eine Absage erteilt. Dieses Männerbild ist zudem dem Frauenbild der DIOTIMA-Philosophinnen und anderen feministisch orientierten Frauen zum Verwechseln ähnlich, Dies, weil die Philosophinnen raten, Frauen sollten von der eigenen Erfahrung und vom Selberdenken ausgehen, während Walter Nigg beeindruckt ist vom Mönch Albert, weil er sein Leben ebenfalls auf der eigenen Erfahrung aufgebaut hat und dass er zudem patriarchatshörigen Männern und deren Lehren in gewaltloser Weise die Stirn geboten hat.

403

20.12.1970

WeitereOrte

Orient: aus lateinisch (sol) oriens «aufgehende Sonne»), der «Osten», das Morgenland, im Unterschied zum Okzident (Abendland); im Sprachgebrauch nicht einheitlich abgegrenzt. Im Allgemeinen versteht man unter Orient die Länder Vorderasiens (auch: Vorderer Orient) mit Ägypten, im weiteren Sinn das Gebiet der islamischen Kultur (BN 1448).

585

20.07.1975

WeitereOrte

Insel, Paradiesinsel: Die alten Völker glaubten an eine «Paradiesinsel der verehrten Toten», die auch «Apfelinsel» hiess. Die Apfelinsel hiess auch glückliche Insel, weil die gesamte Vegetation dort von Natur aus wuchs, ohne dass man Ackerbau betreiben musste. - In den «Gesta Regum Britanniae» hiess es, dass es eine Insel in der Mitte des Ozeans sei, wo Menschen immer jung seien, wo es keine Krankheit, kein Verbrechen, keinen Krieg oder unangenehmes Wetter gebe. Eine königliche Jungfrau, schöner als die schönsten, herrsche über diese Insel. Die keltischen Inselparadiese wurden immer von Frauen regiert. - Im Hinduismus hiess das mütterliche Paradies «Insel der Edelsteine». Dort sass die Grosse Mutter auf ihrem Thron in einem juwelengeschmückten Palast. Dieser Palast hatte die Form einer Yoni, und in ihrer Mitte war (wie eine Klitoris) der «Diamantthron» aufgestellt. - In der keltischen Überlieferung suchte der Gott Bran oder Maelduin auf einem «Apfel-Paradies» nach dem «Kessel der Wiedergeburt». Er begab sich auf eine Reise zum westlichen Land der Unsterblichkeit, das auch «Land der Frauen» hiess. - Während die früheren Helden noch das «Land der Frauen» suchte, verlangte es den heiligen Brenda nach dem Paradies. Und daran zeigt sich nach J. Markale, dass das «Land der Frauen» die keltische Vorstellung des Himmels ist. Barbara Walker schliesst daraus, dass Sexualität demnach als regenerative, göttliche Kraft wahrgenommen wurde, die durch Frauen kanalisiert wurde (BN 801, 459-461).

680

29.11.1959

Haus

Flüchtlingslager: Zu dieser Zeit (1959) wurde der Frau von der Tiefenpsychologie her keine eigene Denk- und Urteilsfähigkeit zugestanden. Sie wurde als ein gefühlvolles und hilfreiches Weibliches zwecks «Ergänzung» des Mannes definiert. Inzwischen ist klar, dass diese Theorie männlichen bzw. patriarchalen Wünschen und Mythenbildung entstammt. Dass Frauen diese Mythen verlassen mussten, aber lediglich Flüchtlingslager bzw. kleine Nischen vorfanden, um geistig/seelisch zu überleben, ist heute bekannt. Dank feministischer Historikerinnen und anderer Denkarbeiterinnen steht uns heute eine breite Palette von Wissen und Erkenntnissen über weibliche Lebenszusammenhänge und Identität zur Verfügung.

111

22.06.1959

KircheKapelle

Alte Kirchen: «Viele ganz alte Kirchen haben diese Ausstrahlung, dieses gewisse Etwas. Komme ich in ihre Nähe, meine ich eine Stimme zu hören: Und jedesmal, wenn mir dies passiert, vermute ich, dass ich einen Ort betrete, an dem ein älteres Heiligtum gestanden hat, in dem das Göttliche auf andere Art erfahren und verehrt wurde als in der Gestalt von Vater und Sohn». Stapenhorst erinnert sich an ein weissgetünchtes Kirchlein in Schleswig-Holstein, an die Bank an der Seitenwand, an den Blick auf das weite holsteinische Land, an den leichten, warmen Wind, die Ruhe, die sie langsam anfüllt, ein Gefühl von es ist gut so, wie es ist obwohl, kritisch betrachtet, nichts, was ist, gut sei. Ihre Zuversicht speise sich nicht aus menschlichen Taten, sondern «aus dem Flattern des Schmetterlings und dem Duft der Blumen». Sie weiss, dass dies als «Naturschwärmerei» abgetan werden könnte, sie weiss aber ebenso, dass es mehr ist als dies. «Es ist ein Erleben des Einsseins mit allem, was da ist.» (Carola Meier-Seethaler bezeichnet dieses Gefühl «Allverbundenheit"). Dieses Kirchlein stehe genau am rechten Fleck: an einem heiligen Ort. «Ihre Anfänge reichen bis ins 12. Jahrhundert, bis in die Zeit, in der die Menschen noch einen anderen Glauben hatten als den alleinseligmachenden; und da, wie die Chronik berichtet, es unter Todesstrafe verboten war, die alten Kultstätten aufzusuchen - was lag da näher, als die neuen an die Stelle der alten zu bauen!» - Von innen seien solche Kirchlein grausam, da wehe ein anderer Wind, «da schlägt der neue Glaube zu» und da werde ihr (der Betrachterin) «Gewalt angetan». Stapenhorst schildert das Innere des Kirchleins: «An der linken Wand stehen aufgereiht 18 Propheten, an der rechten die zwölf Apostel zuzüglich Johannes der Täufer, Stephanus und Paulus. Judas Iskarios verbirgt sich hinter der Kanzeltreppe. Er ist der letzte, den der Pastor wahrnimmt,bevor er die Kanzel betritt. Den Altar haben die vier Evangelisten im Griff. Alle diese Kunstwerke sind, wie uns das Kirchenblatt erzählt, Zeugnisse des Glaubens an unserer Väter. Der Väter allemal, davon bin ich überzeugt. Nur hinsichtlich der Propheten frage ich mich, ob die jüdischen oder christlichen Väter gemeint sind oder alle beide.» Stapenhorst schreibt weiter, dass das Lachen, dass sie überkam, im Halse stecken blieb, weil sie nur zu gut wisse, dass es nicht Zufall oder Gedankenlosigkeit und Vergesslichkeit ist, dass keine Frau in der Männerriege vertreten ist. «Es ist Gewalt, die mir noch heute gilt und mich noch heute trifft.» Einen Mann habe sie vergessen zu erwähnen. Er sei im Mittelpunkt des Altarbildes. Neben den kernigen, grimmigen Männern rechts und links wirke er hilflos. Er hänge am Kreuz, und darunter «o Wunder! eine Frau. diesen Platz scheint ihr niemand streitig zu machen. Auf einem weiteren Bild essen die Männer miteinander. Die Frauen werden sich derweil in der Küche getummelt haben». (Lucie Stapenhorst, BN 1321,10-12).

35

06.02.1960

KircheKapelle

Die katholische Kirche versteht sich als "Braut" Christi, sie betreibt Brautmystik. Priester treten in Frauenkleidern auf. Der Papst will den Zusammenhang mit "heidnischen" Mutter Religionen nicht wahrhaben, will nichts zu tun haben mit der Göttin und ihrer "heiligen Hochzeit" im Tempel. Die kath. Kirche erklärt, Frauen könnten zum Priesteramt nicht zugelassen werden, weil der Priester anstelle von Jesus-Christus - der männlichen Geschlechts sei - am Altar stehe - daher das Amt ans männliche Geschlecht gebunden sei.

125

07.09.1962

KircheKapelle

Hauskapelle/Tempel: Im antiken Memphis wurde das gesamte Tempelgebäude nach dem Titel der Göttin benannt, es hiess «Herrin des Lebens» (BN 801, 142).

206

10.07.1966

KircheKapelle

Altar der Gottesmutter: Lucie Stapenhorst erinnert an Maria, die «Maienkönigin» in der katholischen Kirche und fragt sich, was sich junge Frauen denken, «wenn sie in den Maiandachten vor dem Altar der Gottesmutter, auf dem diese inmitten einem Meer von Flieder, Pfingstrosen, Vergissmeinnicht und Margeriten thront und singen: «Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüssen / oh, segne mich mit holdem Sinn und uns zu deinen Füssen / Maria, dir befehlen wir, was grünt und blüht auf Erden"? Und sie kritisiert, dass die evangelischen Kirchenmänner diesem Blütenzauber, der ihnen zu sehr nach Heidentum duftete, ein Ende bereitet haben. In ihrer Familie hätten sie sogar einen Maialtar gehabt, und sie sei «damit aufgewachsen, für Maria Sträusse von Frühlingsblumen zu pflücken und ihr meine Nöte und Freuden anzuvertrauen». Ferner schreibt Stapenhorst, Maria sei für sie die Göttin. Was Theologen ihr angetan haben, habe sie erst sehr viel später erfahren. (BN 1321, 91) Das schmale Bändchen von Stapenhorst über «Die Märchenhexe» ist überaus lesenswert, darin sie mehrere Märchen ganz neu und anders interpretiert, als wir von Jungianerinnen gewohnt sind.

416

23.01.1973

KircheKapelle

Kathedrale: Gotische Kathedralen hiessen allgemein «Paläste der Himmelskönigin» oder «Notre Dame», weil sie fast ausschliesslich der Jungfrau Maria geweiht waren, die frühere Bilder der grossen Göttin ersetzte. Oftmals wurden die Kathedralen auf denselben Orten erbaut, wo früher Heiligtümer der Göttin standen. Einer von Marias Beinamen lautete «Ecclesia» («die Kirche»), und damit war nicht nur die Organisation gemeint, sondern auch das Gebäude selbst, das im Gegensatz zu dem phallisch-maskulinen Kirchturm oder Glockenturm stand. Tempel und die dazugehörigen Pfeiler betrachtete man schon im alten Ägypten als weiblich und männlich. Im antiken Memphis wurde das gesamte Tempelgebäude nach dem Titel der Göttin benannt, es hiess «Herrin des Lebens». - Als offizieller Name einer jeden Kirche verwies das Wort ecclesia ursprünglich auf eine weibliche politische Versammlung oder ein Frauenparlament, wie während des alljährlichen Skira-Festes in Athen. - Kathedralen wurden meist auf den heiligen Plätzen heidnischer Gottheiten erbaut, und das begann schon in der frühchristlichen Zeit, als die Tempel der Isis, Juno, Diana oder Minerva ganz einfach usurpiert und zu Marias Ehren neu benannt wurden (BN 801, 141).

625

12.06.1977

KircheKapelle

Die Kapelle ist ein kleines, meist nur für eine Andacht und nicht für regelmässige Gottesdienste einer Gemeinde bestimmtes Gotteshaus, ein abgeteilter Raum für Gottesdienste in einer Kirche oder einem grösseren profanen Gebäude. Das Wort beruht auf dem mlat. cap(p)ella "kleines Gotteshaus". Die eigentliche Bedeutung des Wortes ist "kleiner Mantel", eine Verkleinerungsform zu spätlat, cappa, "eine Art Kopfbedeckung; Mantel mit Kapuze" (vgl. Kappe). Der Bedeutungsübergang von "kleiner Mantel" zu "Kapelle" stammt aus der Zeit der fränkischen Könige. Diese bewahrten den "Mantel" des heiligen Martin von Tours als Reliquie in einem privaten Heiligtum auf, das danach seinen Namen (capella) erhielt. Seit dem 17. Jh. ging dann die Bezeichnung ,capelle' auf jedes kleinere Gotteshaus (ohne eigene Geistlichkeit) über. - Das Substantiv "Kapelle" mit der Bedeutung "Instrumentalorchester", das seit dem 16.Jh. belegt ist, ist dem Ursprung nach mit "Kapelle" identisch. Es beruht jedoch auf unmittelbarer Entlehnung aus it. capella "Musikergesellschaft", das ursprünglich den von einem Fürsten in seiner "Schlosskapelle" bei festlichen Anlässen versammelten Sänger- und Musikerchor bezeichnete und das danach in seiner Bedeutung verweltlicht wurde (BN 1313, 326).

701

03.04.2003

KircheKapelle

Gnosis: Über die ganz anders geartete Praxis von führenden gnostischen Sekten berichtet Barbara Walker, dass sie auch Frauen für geistliche Ämter zuliessen, dass sie also lehren und auch die Taufe spenden und also das Amt eines Bischofs innehaben konnten. Ferner berichtet sie, dass christliche GnostikerInnen "die Grosse Mutter und ihren sterbenden Gott in den Mittelpunkt ihrer Kulte stellten , so wie z.B. in den «Eleusinis, Orphischen und Osirischen Mysterien". Nach Angus sei die Gnosis "für über ein halbes Jahrtausend der Weg" gewesen, "auf dem sich nachdenkliche Geister der Religion näherten". Gnostische Christen hätten die Vereinigung mit ihrer Göttin Sige (Stille) besucht, die am Anfang aller Dinge existierte. Sige "gebar Sophia (Weisheit), die gnostische Grosse Mutter, die sowohl die Braut wie die Mutter Gottes war". Ferner verweist Walker auf die Gleichberechtigung der Geschlechter in der christlichen Gnosis. Die Kirchenväter hätten besonderen Anstoss daran genommen, dass die GnostikerInnen auch Frauen für geistliche Ämter zuliessen: "Alle Initiierten, Männer wie Frauen, nahmen gleichberechtigt an der Verlosung teil; auf jeden konnte die Wahl fallen, als Priester, Bischof oder Prophet zu amtieren" (Hinweis auf Pagels Elaine: Versuchung durch Erkenntnis. Die gnostischen Evangelien, 1987, 84/85). Tertullian berichtet nach Pagels mit Entsetzen von gnostischen Frauen, "die lehren, disputieren, den Exorzismus vornehmen und Heilungen versprechen". Sie hätten sogar die Taufe vollzogen und damit bewiesen, dass sie den Status eines Bischofs innehatten. Tertullian schreibt: "sie treten miteinander ein, sie hören miteinander zu, sie beten miteinander; auch wenn Heiden dazu kommen ... Sie tauschen auch den Friedenskuss unterschiedslos mit allen". Das heisst, dass die Frauen in der christliche Gnosis weder als das zweite (minderwertige) Geschlecht aufgefasst wurde und erst recht nicht als ein Teil des Mannes, sondern als eine Person für sich und Ebenbild der Gottheit, die in vorpatriarchaler Zeit eine Göttin, also weiblich war. (BN 1300, 316-319)

1006

26.11.1958

KlosterKlausur

Kloster, weiblicher Heiland und Anima: Barbara Walker schreibt: Anima, weibliche Seele, sei abgeleitet von den Wurzeln an «Himmel», und ma, «Mutter». Das Wort erinnere an eine Zeit, als die Menschen glaubten, alle Seelen stammten von der Himmlischen Mutter. Im 16. Jh. habe ein G. Postel gelehrt, dass jede Seele eine männliche und eine weibliche Hälfte besitzt, animus und anima. Die männliche Seite sei (nach Posten) bereits durch Christus erlöst, aber die weibliche Hälfte sei noch unerlöst und erwarte einen weiblichen Heiland. Das sei eine neue Entwicklung der alten christlichen Ansicht gewesen, dass überhaupt nur Männer Seelen besitzen. Der dritte Lehrsatz des Konzils von Nantes (660 n. Chr.) besagte, alle Frauen seien «seelenlose Tiere». - Die Alchimisten verwandten das Wort anima für alle Geister, die sie für weiblich hielten: Anima Mercuri, Anima Mundi etc. Der Weltgeist war mit den Elementen Erde und Wasser verbunden, ähnlich wie die eleusinische Demeter, die «Herrin von Land und Meer». Ein Grund, warum die Alchimisten der Häresie verdächtigt wurden, war ihre Vorstellung, die Weltseele sei eine weibliche anima. - Barbara Walker weist ferner darauf hin, dass C.G.Jung die Ausdrücke animus und anima neu belebt habe, «um die vernunftbetonten und die intuitiven Teile des Geistes (also die linke und die rechte Hemisphäre des Gehirns) zu beschreiben. Die anima eines jeden Menschen sei nach Jung «häufig symbolisch sowohl mit Erde als auch mit Wasser verbunden». Sie werde «als zeitlos und tiefgründig weise» vorgestellt: «Die erste und prägende Erfahrung der anima» erlebe nach Jung «jeder Mensch mit seiner Mutter.» Ihre wahre Aufgabe innerhalb des Geistes sei nach Jung «Kreativität» (BN 1300, 39). - Bezüglich Jungs Animus/Anima Theorie ist Barbara Walker allerdings zu blauäugig. Jung spricht der Anima die ursprünglich umfassend gedachten Geistqualitäten (Weltgeist und Weltseele) ganz ab, denn er reduziert die Anima auf einen psychischen «Aspekt» des Weiblichen. Er schreibt, es scheine, "als ob der Anima die Gesamtheit des unbewussten Seelenlebens zukäme», so sei sie doch nur ein Archetypus unter vielen. Sie sei nur ein Aspekt des Unbewussten, das zeige sich schon in der Tatsache ihrer Weiblichkeit (Bewusstes und Unbewusstes: BN 1206, 37). Mit anderen Worten: Für Jung ist die Tatsache, dass das Geistige des «Weltgeistes» ursprünglich mit «Weiblichkeit» verknüpft war, absolut undenkbar. Alles Wunderbare, das Jung in seinem Buch «Bewusstes und Unbewusstes» zunächst über die Anima schreibt, hat keine Gültigkeit für sein Animus/Anima-Konzept. Dieser Sachverhalt wird nicht nur von Barbara Walker, sondern auch von den meisten JungianerInnen geflissentlich übersehen oder umgedeutet.

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22.06.1959

KlosterKlausur

Kloster/Einsiedelei: Ursprung des Wortes «Kloster» ist vlat. clostrum, kirchenlateinisch claustrum «Verschluss, Klausur, Wohnraum und Wohngebäude für die in Abgeschiedenheit lebenden Nonnen oder Mönche (Duden, Herkunftswörterbuch). Die Bedeutung von Kloster als Klausur und Verschluss, geht in die Richtung, wie ich Kloster verstehe. Verschluss verweist auch auf Schliessen und Schlüssel, der in der Traumserie eine grosse Rolle spielt. Mit dem Schlüssel können wir Räume zuschliessen, zumachen, absperren vor unerwünschtem Zugriffen (und die Räume auch wieder öffnen können, wenn uns danach zumute ist).

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29.07.1974

KlosterKlausur

Nonne: Im frühen Mittelalter wurde den Menschen gesagt, das Seelenheil könne nur durch den Eintritt ins Kloster gesichert werden. Die Heilige Katharina von Siena wurde durch Träume, also durch Mitteilungen aus ihren Tiefenschichten, eines Anderen und Besseren belehrt. Katharinas Brüder hatten ihr den Wunsch, ins Kloster zu gehen verweigert. Sie sollte heiraten, auch wenn sie daran sterben sollte, wie sie explizit meinten. In dieser prekären Situation vernahm Katharina eine Stimme, sie solle "in ihrem Geiste eine stille Kammer einrichten, die sie niemals wegen einer äusseren Arbeit verlassen sollte". Das heisst soviel, dass sie eine klösterliche Klausur in ihrem eigenen Inneren schaffen könnte und sollte. Das heisst, dass sie an ihren Anspruch auf innere Autonomie erinnert wurde. Unter einer "Kammer" im eigenen Innern ist zu verstehen, was wir heute als Weg der "Verinnerlichung" bezeichnen (Walter Nigg (Hg): Die heilige Katharina von Siena, BN 1119). Die Nonne in der vorliegenden Sentenz könnte auf die Möglichkeit hinweisen, im eigenen Inneren einen Raum zu schaffen, um sich jederzeit in einen Raum der Stille und Autonomie zurückziehen zu können.

663

12.01.1986

KlosterKlausur

Mythus vom Geist: In der Feministischen Theologie und in der «Frauenkirche» weht ein neuer «Geist». Die Anrede «Gott» als ein männlicher «Herr» wird nicht mehr unwidersprochen hingenommen. In Gebetstexten für hohe Feiertage (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) wird in der «Frauenkirche» nunmehr die Kraft des Lebens, der Weisheit und der Liebe angerufen. Gebete werden im Kreis gesprochen, und die Inhalte dieser Gebete betreffen entscheidende Situationen in einem konkreten Leben. In Asien und Afrika sind es vor allem Frauen, die eine lebensvolle Religiosität entwickeln und praktizieren und dabei an uralte Traditionen anknüpfen (BN 1294, 224-225).

868

26.11.1958

WeitereGebäude

Wirtschaftliches Glaubensbekenntnis als Mythus: Zu dieser Zeit (1958) gehörte es zum wirtschaftlichen Glaubensbekenntnis, dass Menschen, die wenig Interesse an materiellem Reichtum zeigten, Schmarotzer an der Wirtschaft seien. Die Begründung war: Der Konsum, die Teilnahme am Wirtschaftskreislauf sei eine Notwendigkeit für das Blühen der Wirtschaft. Metaphorisch musste der Franken «rollen». Männer sollten Karriere machen und Frauen sich mit Mode befassen, sich mit Schönheitsutensilien, Haushaltmaschinen und -gegenständen eindecken. Das ideologische Gefängnis der Tiefenpsychologie bestand in der Behauptung, Frauen könnten nur in der Ergänzungs-Beziehung zu einem Mann zu ihrem «Eigentlichen» der Selbstwerdung finden, sei dies als Ehefrau oder als «Anima». Aber beide Rollen führten letztlich in ein «Gefängnis». Ziel der Psychotherapie sollte sein, Frauen zur Akzeptanz der weiblichen Rolle zu bewegen sowie die Liebe von Frau zu Frau als abnorm zu betrachten (und ebenso männliche Homosexualität). - Diese Vorstellungen wurden insbesondere von feministischen Wissenschaftlerinnen attackiert und schliesslich als patriarchale Mythen entlarvt.

9

19.07.1959

WeitereGebäude

Wasserkraftwerk: Wasser spielt in allen grossen Religionen eine elementare kultische Rolle. Es ist in vielen frühen Texten als Wandlungssymbol anzutreffen und wurde auch im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist und dem ewigen Leben gesehen. Aus der Symbolgeschichte des Wassers geht hervor, dass Wasser ein Symbol für die Welt echter Gefühle darstellt, aber auch die der Natur innewohnende Geistigkeit ausdrückt. Psychologisch gesprochen stellt es jene Seelenbereiche dar, aus denen ein tiefes gefühlsmässiges Wissen kommt, dessen Ursprung wir nicht kennen. Es symbolisiert ein Wissen, das nicht geschaffen und gelernt wird, sondern immer schon vorhanden ist und nur noch ins Bewusstsein treten muss (BN 1300, 1154-1155).

56

14.11.1959

WeitereGebäude

Psychiatrie: Müssen Frauen Psychotherapeuten oder Psychiater in Anspruch nehmen, werden sie mit einem Doppelstandard seelischer Gesundheit konfrontiert: «Gesunde Weiblichkeit» beinhalte Eigenschaften, die bei Männern als schwach und krankhaft angesehen werden, aber Frauen erst zu einer «wirklichen Frau» machen. Selbstbewusstsein, Aktivität, Aggressivität, Abenteuerlust, Mut, Objektivität, also alles, was bei Männern als Zeichen seelischer Gesundheit» gelte, würde bei Frauen als «unweiblich, krankhaft und behandlungsbedürftig» eingestuft. Traditionelle Psychotherapeuten und Psychiater versuchten «in den meisten Fällen, ihre Klientinnen durch Gespräche oder Psychopharmaka wieder in ein Klischee der Weiblichkeit zurückzudrängen, das ausschliesslich Männern nützt.» (Roswitha Burgard: Wie Frauen verrückt gemacht werden, BN 43, Buchumschlag)

102

10.08.1960

WeitereGebäude

Abort/Urin: Das Wort Urin ist abgeleitet von Uranus, «Vater Himmel», dessen magischer Urin, Samen oder magisches Blut als Regen auf die Mutter Erde fiel, um sie zu befruchten. Archaische Mythen verstehen alle drei Körpersäfte als die Quellen der Fruchtbarkeit. - Das Regenmachen galt in vielen Religionen als eine der Hauptaufgaben der himmlischen Väter. - Das Urinieren blieb ein weit verbreiteter Regenzauber (BN 1300, 1117-1118.)

1016

26.06.1978

WeitereGebäude

Die Bibel, das geschriebene Wort war immer von einer Aura des Geheimnisvollen umgeben und flösste vor allem den Schriftunkundigen ein Gefühl von Ehrfurcht ein. «Es steht geschrieben» hiess nichts anderes als «So ist es!» Bücher sind die wichtigsten Träger von abstrakten Ideen. Die Priesterschaft zivilisierter Völker wusste immer ganz genau, wie sehr die Existenz ihrer Gottheiten vom geschriebenen Wort abhing, sofern die religiösen Laien des Lesens kundig waren. Deshalb war es den religiösen Autoritäten immer ein wichtiges Anliegen, die Literatur zu kontrollieren und das Recht auf Vernichtung von Büchern zu haben, die ihren eigenen Lehren widersprachen (ID-Buch 801, 175)

723

19.12.1985

WeitereGebäude

«Gebärklinik» und die Unklarheit, ob eine Frau oder ein Tier schwanger ist, redet von der Gemeinsamkeit jener Wesen, die schwanger werden und gebären können: Es sind dies weibliche Menschen und weibliche Tiere, die sich in dieser schöpferischen Tätigkeit zugunsten des Lebens verbinden. Die «Gebärklinik» dagegen symbolisiert menschlicher Raum bzw. öffentlicher Raum sowie menschliche Identität, die Menschenwesen von Tierwesen unterscheidet. Es scheint mir, die Sentenz rufe dazu auf, sich gründlicher und anders mit diesen Unterschieden zu befassen, als dies in der Psychologie u.a. getan wird.

865

25.04.1997

WeitereGebäude

Museum: In Alexandria wurde ein grosser Musentempel «Museum» genannt. Im Gegensatz zu einem modernen Museum war dies hauptsächlich eine Kunstschule, die dann in der frühen christlichen Zeit zerstört wurde, weil das heidnische Wissen verabscheut wurde. Troubadoure und romantische Dichter sprachen recht häufig von ihren persönlichen Musen, die sich oftmals in sterblichen Frauen verkörperten: Es waren Gattinnen oder Geliebte, die die kreativen Energien des männlichen Dichters zum Leben erweckten. Es galt die Vorstellung, dass die Frau inspiriert und der Mann schöpferisch arbeitet. Dies war eine sexistische Theorie, die den Frauen im Prinzip den wirklichen inneren Geist, künstlerischer Schöpferkraft absprach. Aber in ihrer ursprünglichen Form war die Muse eine Göttin, deren Feuer das Bewusstsein beider Geschlechter erleuchten konnte. - In der ältesten Tradition der Musen erscheinen sie in dreifacher Gestalt und symbolisierten auf diese Weise die Dreifache Göttin. - Wie die drei Grazien verliehen die drei Musen überdurchschnittliche Fähigkeiten in manchen künstlerischen Disziplinen (ID-Buch 801, 355-356).

987

11.09.1959

Werkzeuge

Photoapparat alias Pistole: Während die Pistole für die Psychoanalyse sexuellen Symbolcharakter hat, verweist der Blick von Luisa Muraro auf andere Zusammenhänge. Ihrer Meinung nach werden Frauen über "Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lang mit Denkgeschossen bombardiert, die die Definitionen sind" (BN 721, 22). Wenn wir die Anstrengung nicht auf uns nehmen, die Begriffe unserer Beziehung zur Welt zu festigen, "fallen die Definitionen auf uns herab und dringen auf eine sehr zufällige und mörderische Weise in uns ein." - Die Pistole kann also auch als "Denkgeschoss" verstanden werden, das mittels Definitionen und Begriffen in unsere Person eindringt in mörderischer Weise, mit tödlichen Folgen.

78

28.12.1963

Werkzeuge

Messer: Wie das Athame der Hexen, so waren auch Messer im allgemeinen mit Magie oder Weissagung assoziiert. Messer dienten Frauen sowohl als Werkzeuge wie auch als Waffen. Keltische Frauen trugen üblicherweise ein Messer am Gürtel, bis christliche Gesetzesreformen in Irland den Frauen das Tragen jeglicher Waffen verboten. Trotzdem blieb das traditionelle Messer am Gürtel bis zum 17. Jahrhundert ein integraler Bestandteil des Brautkleides (BN 801, 199)

263

30.10.1965

Werkzeuge

Mythus «Anima»: Das Weibliche hat laut des Jungschen Mythus von «Animus und Anima» eine zudienende Funktion. Der Mythus fordert zu einer «Weiblichkeit» auf, die sich als «Magd» gegenüber dem Männlichen des Mannes und seiner «Werke» versteht und betätigt. In seiner Höchstform sei dieses «Weibliche» imstande, Ideen zu liefern. Dieser Mythus hat auf Frauen zerstörerische und selbst zerstörerische Auswirkungen, während Männer sich in ihrer Anspruchshaltung und Selbstüberschätzung gestützt fühlen.

361

15.07.1980

Werkzeuge

Besen: Im Mittelalter nannte man Hexen oftmals «Besen-Amazonen». Schon seit den Zeiten der alten Römer war der Besen mit der weiblichen Magie und den gesellschaftlichen Beiträgen der Zauberinnen assoziiert. Dort kehrten als sakral verehrte Hebammen mit besonderen Besen die Schwelle eines Hauses nach der Geburt. Auf diese Weise sollten böse Einflüsse von der Mutter und ihrem Säugling abgehalten werden. Der Besen war auch mit der von Priesterinnen vollzogenen Hochzeitszeremonie assoziiert. Unter den Zigeunern, deren Hochzeiten noch lange von Hebammen vollzogen wurden, war der Sprung über den Besen ein wichtiger Teil des Ritus. - Die Hebammen waren symbolisch so eng mit den Besen Verbunden, dass die mittelalterlichen Behörden argwöhnten, er könne als magischer Stab fungieren, der die Hexen zu ihrem Sabbat trage. (ID-Buch 801,172 sowie BN 1300, 101)

781

21.12.1958

SchlüsselSchloss

Geistmensch: Walter Niggs Aussage über die Heilige Hedwig, sie sei ein Geistmensch gewesen, bedeutet, sie habe geistige Interessen gehabt, ein Bedürfnis nach Wissen und Erkenntnis. Dies heisst ferner, dass Hedwig nicht ins patriarchale Weiblichkeits-Schema hineinpasste (BN 1162,108).

11

16.01.1962

SchlüsselSchloss

Schloss: Die ersten Schlösser wurden schon vor 4000 Jahren in Ägypten entwickelt. Sie waren zwar ganz aus Holz, hatten aber bereits mehrere senkrechte Zuhaltungen. Das Sicherheitsschloss des Amerikaners Linus Yale, gebaut im Jahre 1848, ist im Grunde eine verbesserte Version dieses alten Prinzips. Dabei wird ein drehbarer Zylinder mit einer Öffnung für den Schlüssel versehen. In diese ragen unterschiedlich lange Stifte. Schiebt man nun einen passenden Schlüssel hinein, so hebt er mit den Vertiefungen zwischen den Zacken die Stifte so weit an, dass sie den Zylinder freigeben und das Schloss sich drehen lässt. - Auch heute noch gehorchen die meisten Schlösser diesem Prinzip. Erst in jüngerer Zeit hat man elektronische Schlösser entwickelt, die auf körperliche Merkmale autorisierter Personen reagieren, also beispielsweise auf Fingerabdrücke. Solche Schlösser geben die Tür nur dann frei, wenn ein Detektor die definierten Merkmale analysiert und mit den abgespeicherten zweifelsfrei zur Deckung gebracht hat. - (Brockhaus, 2004)

169

28.02.1962

SchlüsselSchloss

Therapie-Schlüssel: Die feministische Psychotherapeutin Sabine Scheffler wird später sagen, in der Psychotherapie sei die Klientin die «Expertin» ihres eigenen Lebens, während die Therapeutin eine Expertin in Sachen Vorschläge sei, wobei die Klientin diese Vorschläge annehmen könne, aber nicht annehmen müsse

177

11.10.1959

Kleider

Kleid als Symbol von Identität: Eine befreundete Indonesierin besitzt eine doppelte Identität: Ihr Vater ist Schweizer, ihre Mutter Indonesierin. Als junge Frau flüchtete sie auf gefährlichen Pfaden in die Schweiz vor dem dortigen Krieg. Die deutsche Sprache und den Schweizerdialekt beherrscht sie perfekt. Später liess sie ihre Mutter in die Schweiz nachkommen.

89

11.09.1960

Kleider

Das Wort «archaisch» gehört zu griech. archaios «ursprünglich; altertümlich; alt» und griech. logos «Wort, Rede; Kunde, Wissenschaft usw. (vgl. Logik) - BN 1313, 43

138

05.12.1963

Kleider

Silbrig glänzendes Abendkleid und ein patriarchaler Mythos: Nach dem Buch «Amor und Psyche» des Jungianers Erich Neumann muss nicht Eros (der Mann) die Liebe von Psyche gewinnen, wie das von der Natur eigentlich vorgesehen ist, sondern umgekehrt. Psyche soll den davongelaufenen Amor suchen, erobern, entwickeln und hinüberretten, also gewissermassen ein Werbe- und Erziehungsprogramm auf privater Basis entwickeln. Eine paradoxe Situation! An dieser Stelle kommt Neumann auf das Opfermotiv zu sprechen, das er wie selbstverständlich als Opfer der Frau versteht: «Die Liebestat Psyches, in der sie sich selber der Liebe, dem Eros, freiwillig» hingebe, sei «zugleich ein Opfer und Verlust». Das «Erkennen, Leiden und Opfern» seien «in dieser Liebessituation der in der Begegnung bewusst werdenden Weiblichkeit miteinander identisch». Wir sollten nicht vergessen, meint Neumann, dass Eros selbst «eine solche, bewusst werdende» Psyche nicht gewünscht habe, denn er habe sie ausdrücklich gewarnt: Eros «warnte sie, er beschwor sie inständig, im Paradies-Dunkel zu bleiben, und er drohte ihr, sie würde ihn durch die Tat endgültig verlieren». Der Verlust des Geliebten in diesem Augenblick «gehöre zu den tiefsten Wahrheiten dieses Mythos». Ihm, «dem Männlichen und Göttlichen» sei «die Geliebte köstlich genug, als sie im Dunkel war und er sie im Dunkel besass» (BN 517).

260

25.03.1966

Kleider

Zu enges Kleid um die Brust herum: Eine Steininschrift in der Kunst des dynastischen Ägypten besagt: «Ich habe Brüste, daher bin ich.» - Die Brüste sind das Symbol der Mutterliebe und enthalten das Geheimnis der Verwandlung von Körpersäften in Milch. In der Höhle von Pech-Merle gibt es eine «natürliche Erhebung» in Form einer weiblichen Brust. Im innersten Heiligtum der gleichen Höhle, nahe den kopflosen Frauenfiguren an der Decke, bilden natürliche Stalaktiten einen Kranz weiblicher Brüste mit schwarz angemalten Brustspitzen. (BN 1316, 43) siehe auch BN 801, 409

398

22.03.1978

Kleider

Richter und Gericht: In der Tarot-Tradition repräsentiert die Karte des Gerichts den «Tag des Jüngsten Gerichts». Während diese Szene in der christlichen Tradition zur Bestrafung der Bösen und himmlische Belohnung für die Guten steht, zeigt Vicki Noble in ihrem Motherpease-Tarot einen liebevolleren und umfassenderen «Augenblick der Wahrheit», bei der wir uns selber klar und in unseren menschlichen Schwächen akzeptierend sehen lernen (BN 1316, 141). - Die Karte des Gerichts verdeutliche das Ende des Leids und den Beginn der spirituellen Auferstehung. Jetzt sollten vergangene Fehler vergeben werden. Wenn sie mit jemandem ehrlich sein sollte, solle sie es jetzt sein. Gebe es unverheilte Wunden zwischen ihr und anderen, solle sie sie jetzt heilen. «Lass Negativmuster sich im Regenbogen heiliger Magie aus dem Herzen der Göttin auflösen. Wisse, dass die positiven Kräfte des Universums jetzt durch dich wirken. - Du magst vielleicht auf deine Weise an der Vision des Neuen Zeitalters mitarbeiten. Lass die Visionen durch dich hindurch fliessen und sich so manifestieren, dass auch die anderen sie erkennen können. Teile deine Vision» (BN 1316, 144).

715

 

Schuhe

Schuhe: In den Religionen Ägyptens und Griechenlands kannte man einen Schuhfetischismus als archaischen Fruchtbarkeitsritus. Man steckte phallische Objekte in einen Frauenschuh. Einem frisch verheirateten Paar Schuhe nachzuwerfen hiess, ihm gute sexuelle Beziehungen und viele Kinder zu wünschen. - Extrem kleine Schuhe, wie sie im Aschenputtel-Märchen betont werden, symbolisierten offenbar den Zustand von Jungfräulichkeit. Jahrhundertelang wurden die winzigen Schuhe, die für die verkürzten und verstümmelten Füsse von Frauen gefertigt wurden, von männlichen Dichtern als höchst erotische Fetische gefeiert. Es entspricht demselben Prinzip, dass europäische Frauen ihre Füsse ebenfalls in enge, spitz zulaufende, hochhackige Schuhe zwangen, weil sie glaubten, dass sie dadurch sexuell attraktiver würden (BN 801, 212).

0

21.12.1958

Spiegel

Spiegel als Spiegelbild der Seele: Die Menschen des Altertums sprachen jeder reflektierenden Oberfläche geheimnisvolle Kräfte zu, denn sie hielten das Spiegelbild für einen Teil der Seele, und die Zerstörung des Spiegelbildes bedeutete Gefahr für die Seele. Von daher stamme auch das Tabu für das Zerbrechen eines Spiegels. Nach Walkers Auffassung war die «Beschädigung der Spiegelbild-Seele» die eigentliche Grundlage für den Narziss-Mythos, der normalerweise als eine Fabel für übertriebene Eigenliebe missverstanden werde (BN 801, 214-215 ).

11

03.10.1961

Spiegel

Mythus vom «Narzissmus" in der Spiegelung: Die selbstgefällige Betrachtung einer Frau im Spiegel vermochte Sigmund Freud nur abwertend zu deuten. Die Neigung der Frauen, sich übertrieben mit ihrer Schönheit zu beschäftigen, sei Ausdruck eines narzisstischen Wesens, das gefallen wolle. Ich selber deute dies als Kompensation für die fehlende «Spiegelung» der Frauen in ihrer seelisch geistigen Persönlichkeit und des «Gesamt» ihrer Qualitäten. Beachte Esther Fischer-Homberger: Krankheit Frau (BN 74), sowie in ihrem Buch: Hunger - Herz - Schmerz - Geschlecht (BN 927).

161

01.11.1977

Spiegel

Spiegel als Hoheitszeichen: Carola Meier-Seethaler weist darauf hin, dass der Spiegel das «spezifische Hoheitszeichen der Priesterinnen ist. «Einen ersten Hinweis für seine magische Bedeutung gibt der Spiegel in der Hand der sibirischen und vieler anderer Schamanen, die ihn als Hilfsmittel für ihre seherische und weissagend Tätigkeit benutzten. Zudem ist im Volksaberglauben die Verwendung des Spiegels zur Weissagung universell, wobei hier auffällt, dass sich vor allem Frauen dieses Mittels bedienen». Bekanntlich «befragt die böse Königin im Märchen von Schneewittchen einen Zauberspiegel über fernliegende Dinge, wenn es ihr auch scheinbar nur darum geht, wer die Schönste im Lande sei. Freilich wäre zu sagen, dass auch Schönheit ursprünglich mehr bedeutet hat als ästhetischen oder erotischen Reiz: nämlich Charismay, Faszination und damit auch Macht». Es könne «kein Zufall sein, dass der Spiegel in allen frühen Hochkulturen zu den gehört. Man denke an die Spiegel der ägyptischen Pharaoninnen oder an die etruskischen Spiegel, die für die Nachwelt zu einzigartigen Zeugen für die Mythengeschichte der Etrusker geworden sind (Meier-Seethaler: BN 876, S. 72-73).

708

26.01.1962

Geld

Vagabund: «Landstreicher, Herumtreiber». Vagabundieren: «herumstrolchen, ohne festen Wohnsitz sein, als Landstreicher leben». (BN 1313, 775)

170

28.06.1966

Geld

Geld/Archaisch: Nach dem Psychologischen Wörterbuch (Dorsch 1982) ist archaisch abgeleitet aus gr. arche = Anfang. Es bedeutet altertümlich, ursprünglich, auch infantil, im Sinne der psa. Vorstellungen und Denkweisen des vorgeschichtlichen und antiken Menschen früher Kulturen, aber auch heutiger Menschen in Clan, Sippe oder Stamm von primitiven Naturvölkern. Im Ausdruck sei kein Werturteil enthalten, sondern weise nur darauf hin, dass sich betr. Vorstellungen bereits in früheren Stadien, bes. auch in alten Mythen finde. Hinweis auf Jung, der von «archaischen Bildern» und Archetyp spreche. Archaisches Denken bedeutet urtümliches Denken, z.B. Glaube an Dämonen, Geister, Vorzeichen usw. Auch in den Wahnideen Geisteskranker seien archaische Denkinhalte erkennbar. - Archetyp nach Jung bedeutet Urbild, urtümliches Bild. Von der Struktur der analytischen. Psychologie die «Dominanten des Kollektiven Unbewussten» (Jung l916) oder des Objektiv Psychischen. Der Archetyp sei ein a priori vorhandener unanschaulicher typischer Anordner formaler Natur, der inhaltlich von den archetypischen Bildern einer bestimmten Kultur und des Einzelmenschen angefüllt werde. Das Archetypische werde aus dem Effekt erkannt. Die Formen der a. Vorstellungen seien vererbbar. Nach der Jungianerin Jolanda Jacobi (1957) können Archetypen spontan und während eines psychotherapeutischen Prozesses auftreten. Sie haben heilende Wirkung, weil sie infolge ihrer Gegensatzstruktur die Einseitigkeit der bewussten Einstellung ergänzen können, mit Verweis auf Jung 1954 (BN 1356, 52). - Das Interessanteste habe ich unter dem Stichwort «Arche» gefunden. Arche, aus lat. arca bedeutet «Kasten, Lade, Geldkasten (zu lat. arcanus «verschlossen, geheim» und arcere «verschliessen, in Schranken halten»; exerzieren, Exerzitien). Die Bedeutung «Geldkasten» lebte in Nhd nur in der biblischen Bedeutung (Arche Noah) fort, die aus der Vulgata in die Lutherische Bibel überging. In den Mundarten hat sich das Wort in verschiedener Schreibweise und Bedeutung erhalten, als «Truhe, Fischkasten, Mühlengerinne», auch als «Haufen» (BN 1313, 43).

413

01.08.1959

Wertsachen

Erbschaft: Die Beschreibung meiner Beziehung zur Welt stellt nach Chiara Zamboni «ein Wissen über die Welt» dar, «das ich anderen zur Verfügung stelle, und nicht ein Wissen, das nur mich selbst betrifft» (BN 721, 156-157). - Weibliche Erbfolge: Das mütterliche Verwandtschaftssystem und die Regeln des Mutterrechts herrschten während der Jungsteinzeit fast überall. Frühe ägyptische Schriften schildern die Frau als im vollen Besitz der Macht über sich selbst und ihr Heim; Besitz fiel von der Mutter an die Tochter. Die bedeutsamste Umwälzung in Griechenland war der Übergang von der weiblichen zur männlichen Erbfolge und daraus habe sich die Zerstörung der Familienloyalitäten ergeben. In vielen anderen Gegenden habe das Mutterrecht noch lange weiter existiert. Die mütterliche Erbfolge sei unter den britischen Stämmen bis zum Vordringen des Christentums die Regel gewesen. Die PiktInnen vererbten allen Reichtum, selbst «Königreiche» über die weibliche Linie. Aber die alten Gesetze des Mutterrechts begannen mit dem Aufkommen des Christentums zu verfallen. In England gab es im 6. Jahrhundert Gesetze gleichberechtigter Erbfolge, und eine Frau, die sich zum Verlassen des Ehemannes entschloss, konnte die Hälfte des Besitzes sowie alle Kinder mitnehmen. Aber im weiteren Verlauf der christlichen Ära wurde der Frau alles genommen. Das englische Wort heir («Erbe») entstand aus heres, einem mit der griechischen Bezeichnung für eine Landbesitzerin, here oder «Hera», verwandten Wort. Die Magna Charta bezog sich auf eine here als eine Person unbestimmten Geschlechts. In späteren Kirchengesetzen wurden heres als ausschliesslich männlich aufgeführt. - In Afrika gehörte den Frauen das Land und anderer Besitz im Zusammenhang mit dem Haus, und sie übertrugen das Eigentum auf ihre Töchter oder die Töchter ihrer Brüder. Gegen die mutterrechtlichen Bräuche unter den Einheimischen führten europäische Regierungen und Missionen in Afrika einen Propagandafeldzug durch. Landreformen europäischen Stils führten in den meisten afrikanischen Nationen dazu, dass den Frauen das Land weggenommen und ihren Ehemännern übergeben wurde. Die Frauen sollten damit zu Almosenempfängerinnen gemacht und ihre Selbstachtung zerstört werden, denn bei ihren Stämmen war eine Frau, die ihre Kinder nicht ernähren konnte, nicht gut angesehen. Religiöse patriarchale Autoritäten veränderten überall die alten Systeme der weiblichen Erbfolge. - Die Bibel enthalte noch Spuren der mütterlichen Erbfolge und matrilokalen Ehen früherer Zeiten; ein Mann sollte zum Beispiel «seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an seine Frau binden» (Genesis 2,24). Naomi sagte zu ihren Schwiegertöchtern, dass «eine jede in das Haus ihrer Mutter zurückkehren» solle (Rut 1,8), denn den Müttern gehörten die Häuser (BN 1300, 1156-1161).

65

27.04.1961

Wertsachen

Wunder: Einen Sinn für das «Wunder» macht Walter Nigg beim Dichter Novalis aus, den er zu den religiösen Dichtern zählt. Novalis sei eine "Johannes-Figur" und seine tiefsinnige Gnosis sei der Mystik verpflichtet. Mit dieser johanneischen Bestimmung sei Novalis bei der "magischen Lebensauffassung" angelangt, die im tiefsten Gegensatz zu dem rationalistischen Weltverständnis stehe. Was Novalis mit der Bezeichnung "magische Weltanschauung" verbinde, sei nichts anderes als der "Sinn für das Wunder". Für ihn sei das Dasein wieder ein einziges Wunder, "das er mit weit geöffneten Kinderaugen anschaute" (ID-Buch 1164, 419-420). Die Tätigkeit von Novalis sei ein fast vestalischer Priesterdienst, weil ausschliesslich mit «der Erhaltung einer heiligen und geheimnisvollen Flamme beschäftigt" (mit Hinweis auf K. Barth: Die protestantische Theologie im 19. Jahrhundert, 1952, S. 301). Über die Richtung seines Lebensweges habe Novalis selbst keinen Zweifel gelassen: "Wir träumen von Reisen durch das Weltall; ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft" (ibid., II, 13). Mit dieser berühmten Formulierung vom geheimnisvollen Weg nach innen sei Novalis wieder in das Reich der Mystik des biblischen Johannes eingedrungen. "Darin und in nichts anderem besteht das mystische Anliegen" (420). Die Johanneische Welt habe es "mit den wiedergeborenen Kindern zu tun. Das Kind, das wahre, unvergleichliche Kind" mit dem natürlich "im tiefsten Sinne das Christuskind in Bethlehems Stall gemeint" sei, und Novalis sei "sein Johannes, der davon kündet und darauf hinweise" (419). - An diesen Passagen interessiert mich die Verbindung zu den magischen und vestalischen Vorstellungen. - Barbara Walker schreibt über die Vestalinnen, dass sie "Priesterinnen der Vesta, der ältesten römischen Göttin-Matriarchin" waren, die identisch sei mit der griechischen Hestia. Als Nachkommen eines uralten Ordens heiliger Frauen, die die öffentlichen Feuerstellen und den Altar hüteten, waren die Vestalinnen damit betraut, das ewige Feuer zu versorgen, welches das mystische Herz des römischen Reiches darstellte". Vestalinnen waren Jungfrauen (virgines), was bedeutet, "dass sie Frauen waren, die als Bräute des ,römischen Geistes' gelobt hatten, niemals zu heiraten; im gleichen Sinne verstanden sich christliche Nonnen als Bräute Christi". Zur "Begrenzung ihrer weiblichen Kräfte" hätten sich die Vestalinnen der gleichen Zeremonie unterzogen, die später den Nonnen auferlegt wurde: Sie mussten sich das Haupthaar scheren lassen (mit Hinweis auf Graves). Ursprünglich seien sie allerdings nicht derart eingeengt gewesen: " Wie alle anderen Priesterinnen der alten Zeit regierten sie vermöge ihrer magischen Ausstrahlung und Mutterschaft und bildeten so die herrschende Schwesternschaft Latiums" (ID-Buch 1300, 142-1143. - Zur Mystik siehe auch in Lexikon der Religionen, BN 1345, 400).

150

20.11.1963

Wertsachen

Silber: Silber galt als Metall des Mondes. Frauen sollten mit Hilfe eines Silberstückes zu ihrer eigenen Gottheit, dem Mond, beten. Silber war ein Weissagungsmetall - selbst in der Bibel. Der Traumdeuter und Seher Joseph hatte als Instrument der Weissagung eine silberne Schale, die den Mond als Quelle der «Wasser der Erleuchtung» symbolisierte (BN 801, 699).

257

21.12.1965

Wertsachen

Wertsache «Kunst»: Bei Albert Camus (Literatur-Nobelpreisträger 1957) habe ich eindrückliche Aussagen über Bedeutung und Wert von Kunst gefunden: Eine authentische Kunst verlange vom Künstler eine «hohe Sensibilität für das Ungerechte und das Leid» der eigenen Zeit. Er befinde sich nicht bloss auf den Zuschauerrängen, sondern in der «Barke» (gemeint: er lebe mit den Leidenden und Unterdrückten im selben Boot) und es stehe «nicht in seiner freien oder gar beliebigen Wahl, ob er seine Verantwortung wahrnehme, vielmehr sei diese eine Sache der Identität des Künstlers. Er kritisiert Kunstauffassungen, die den Anspruch des «embarqué» nicht erfüllten. Er redet von «zwei Weisen von Lüge» im Kunstbetrieb, die er in Leichtfertigkeit (frivolité) und in der Propaganda ausmacht. Beiden Positionen wirft er «mit scharfen gesellschaftskritischen und sonstigen Anspielungen» Verantwortungslosigkeit vor, die er als L'art pour l'art versteht. Nach H.R.Schlette bezieht Camus diesen Titel in weitem Sinne auf jene Ansicht, für die Kunst letztlich etwas Unernstes sei, etwas Verspieltes, ein «belangloser Zeitvertreib» für Spassmacher und Formtüftler, also für eine Kunst, die von der Realität abgeschnitten sei. Eine solche «Salonkunst» oder «rein formale Kunst, die sich von Preziosität und Abstraktion nähre, ende mit der Zerstörung jeder Wirklichkeit. - In gewissem Sinne sei Kunst «eine Auflehnung gegen das Flüchtige und Unvollendete der Welt». Der echte Künstler wolle «der Wirklichkeit eine veränderte Gestalt geben», während er gleichzeitig gezwungen sei, diese Wirklichkeit beizubehalten, weil sie «die Quelle seines Empfindens» darstelle. - Der freie Künstler sei der Mensch, der mühselig seine Ordnung selber schaffe. Je wirrer das sei, was er ordnen müsse, desto nachdrücklicher die Bekräftigung seiner Freiheit». Die Kunst lebe jedoch nur vom Zwang, den sie sich selber auferlege, an fremdem Zwang sterbe sie (H.R.Schlette in Zeitschrift ORIENTIERUNG 21/2003, 228-230).

373

11.02.1966

Wertsachen

Gold: Als unveränderliches, immer glänzendes «unsterbliches Metall» symbolisierte Gold vor allem in Ägypten und dem Orient die menschlichen Hoffnungen auf ewiges Leben: Dort wurden verehrte Tote in Goldkassetten eingeschlossen, damit das Metall seine dauerhaften Qualitäten auf sie übertrage. - Gold ist das bevorzugte Material von Eheringen, weil es eine vom Lauf der Zeit ungetrübte Heiterkeit und Helligkeit verspricht (BN 801, 681).

390

31.05.1959

BehälterGefäss

Weinglas, Kelch: Die Symbolik des Kelches beginnt bei den matriarchalen Bildern vom Gefäss des Schosses und schreitet zu ihrer patriarchalen Ersatzform weiter, dem blutgefüllten Kelch der Auferstehung. Der Kelch blieb, aber das Blut sei vermännlicht worden. Das Leben spendende Mondblut des Schosses sei zum Blut eines männlichen Wesens umdefiniert worden, das natürlich sterben musste, um dieses Blut zu erzeugen. Denn Männer hätten einfach nie gelernt, wie Frauen ohne Verletzung bluten konnten - und dabei hätten sie es so sehr versucht. Beim Tod sei das Opfer zu einem «Erlöser» geworden, dessen Blut die Wiedergeburt spenden sollte, wie man dies vom Mutterblut erhoffte. Man war der Meinung, dass dieses kostbare Blut eine Speise für Götter uns spirituelle Nahrung für Menschen sei. Später habe sich der Gottes Blutkelch in einen Weinkelch verwandelt, weil das Menschenopfer ekelhaft und das Tieropfer teuer wurde. Wein war das Blut der Erde, es gehörte dem Opfergott des Weines, u.a. dem Dionysos und Bacchus. Die rituelle Geste, mit der der Kelch emporgehoben wird, wurde schliesslich bei jedem Weinausschank zur Gewohnheit, da man den eifersüchtigen Göttern ihren Anteil anbieten musste, damit sie nicht ärgerlich oder rachsüchtig wurden (BN 801, 186-187).

29

18.07.1966

BehälterGefäss

Der Kessel war das wichtigste weibliche Symbol der vorchristlichen Zeit, und deshalb assoziieren ihn die Christen ganz allgemein mit Hexerei. Die ägyptische Hieroglyphe für die grosse Tiefe des Weiblichen, den Schoss, der das Universum und die Götter hervorgebracht hatte, bestand aus der Darstellung von drei Kesseln. - Bei den Kelten bewahrten die drei Matriarchinnen den magischen Kessel der Wiedergeburt auf dem Grunde eines Sees (oder auch des Meeres). - Es gibt keinen Zweifel, dass der Kessel den Schoss der Grossen Göttin darstellte, die oftmals als Trinität auftrat. Und mit Sicherheit glaubten die Menschen auch, dass ihre Reinkarnation und Wiedergeburt nur durch den Eintritt in ein solches gebärmutterartiges Gefäss möglich sei, dessen Magie sie wieder neuschaffen würde. (Walker: BN 801, 190-191)

1027

24.02.1977

BehälterGefäss

Sibirische Schamanen behaupten, dass sie erst dann praktizieren können, wenn sie Visionen empfangen haben, in denen sie von Ahnengeistern zerstückelt und in magischen Kesseln gekocht worden seien. Manchmal werden die Drei Mütter des Schicksals identifiziert, die den Morien des heidnischen Griechenland, den Nornen Skandinaviens und der Dreifaltigen Göttin Ward der Angelsachsen entsprechen (BN 801, 191)

1043

23.08.1974

Fahrzeuge

Die Kosmologie hat ihren Ursprung im magischen Denken der alten Kulturen; sie tritt zuerst in der Form mythischer Weltentstehungsentwürfe auf. - Die Kosmologie war von Anfang an mit philosophischen und theologischen Problemkomplexen verbunden. Die Auseinandersetzung zwischen naturwissenschaftlicher Kosmologie und Theologie wirkte sich in der griechischen Zeit weniger stark aus, da die naturwissenschaftliche Erfassung der Welt im Ganzen keiner institutionalisierten Dogmatik gegenüberstand. Die Konfrontation trat im abendländischen Bereich bereits zur Zeit der Kirchenväter auf, die die heidnische Naturwissenschaft mit den kanonischen Schriften des Christentums in Einklang zu bringen suchten. Thomas von Aquino musste die aristotelische Kosmologie, die ein räumlich begrenztes, aber zeitlich in beiden Richtungen offenes Universum vorsah, abändern, um Einklang mit dem Schöpfungsbericht und den eschatologischen Vorstellungen herzustellen. - Durch Kant 1755 wurde erstmals ein kosmogonischer Ansatz vorgelegt, bei dem die gesamte Weltverfassung als spontane Selbstorganisation durch physikalische Kräfte (Attraktion und Repulsion sowie turbulente Wirbelbewegung) verstanden werden kann.

667

22.06.1984

Fahrzeuge

Planet: Mysterienreligionen einschliesslich des frühen Christentums lehrten, dass jede Seele sieben aufeinanderfolgende Planetensphären durchquert, wenn sie vom Himmel herabkommt, um auf der Erde wiedergeboren zu werden. - Das griechische Wort planetes bedeutet «Wanderer», weil es so aussieht, als wanderten die Planeten auf unlogischen Bahnen gegen den Hintergrund der Fixsterne über den Himmel (BN 801, 471).

840

08.04.1992

Fahrzeuge

Boot: Wie andere Fahrzeuge wurde auch das Boot oftmals als Symbol für «die wiederentdeckte Wiege und den Mutterschoss» verwendet. Die alten Norweger verwendeten ein und dasselbe Wort für Boot, Wiege und Sarg, sie schickten ihre Toten in den Mutterschoss des Meeres hinaus, aus dem sie dann wiedergeboren werden sollten. die Mondsichel wurde als Boot verstanden, das die Seelen zum Himmel trug (Barbara Walker, BN 801, 173).

936

02.09.1965

Auto

Fahrrad: Die Symbolik des Rades war in den antiken Religionen allgegenwärtig. Das ganze Universum stellte man sich als ein riesiges Rad vor, dessen Rollen man am Kreisen der Himmelskörper und im Voranschreiten der Jahreszeiten sehen konnte. Als Modelle des Kosmos begleiteten kleine Räder die Toten zu ihren Gräbern. Altäre und Gräber wurden mit Rädern verziert. Einer der keltischen Namen für die Göttin Arianrhod war «Göttin des Silberrades» (der Sterne), die Nabe dieses Rades lag in Caer Sidi, jenem Schloss, das sich um die eigene Achse drehte und im unterirdischen Geisterland Annwn verborgen lag. - In Indien herrschte Mutter Kali über das Rad der Zeit auf dem alles, was auf der Welt atmet, befestigt ist - «genauso wie die Speichen eines Rades in der Nabe befestigt sind». - Die Etrusker nannten die Radgottheit Vortumna ("sie, die das Jahr dreht"), und die Römer machten daraus den Namen Fortuna - jene Göttingestalt, die ohne Unterlass das Rad des Himmels dreht, auf dem die Jahreszeiten und Schicksale der Menschen eingezeichnet sind. Manchmal sah man sie als Dreiheit: Die Fortunae oder Schicksals-Göttinnen, die die Griechen Nemesis oder Moirai nannten. Die Nemesis beherrschte den kylos geneseon ("Kreis der Entstehungen"), das Rad von Wiedergeburt und Verwandlung im Laufe der Zeit. - Die hebräischen Schriften nannten die Engel gel oder «Räder», deren Umdrehungen gleichzeitig auch Offenbarungen waren (BN 801, 27, 28)

354

31.08.1967

Auto

Libido alias «Benzin»: - Nach der jüngeren Frauenforschung stellt das geltende Geschlechterverhältnis ein ausbeuterisches Verhältnis dar. Vom französischen Philosophen J. J. Rousseau wurde dieses Verhältnis in folgende Worte gekleidet: Die junge Frau solle für den Mann sexuelle Gespielin sein, später die Mutter seiner Kinder (Haushälterin) und im Alter die Pflegerin des Mannes. Diese ausbeuterische Einstellung wiederholt sich in Jungs Mythus von Animus und Anima, in der er das Weibliche als «Dienstmagd» am Männlichen bezeichnet. Mittels dieses tiefenpsychologischen Mythus wird der Frau das «Benzin», die Lebenskraft, die Libido, die Lust und Kraft zum Eigenleben gestohlen.

477

01.11.1967

WeitereFahrzeuge

Der Einbaum ist ein aus einem einzigen Baumstamm durch Aushöhlen oder Ausbrennen gefertigtes Boot, zum Teil von beträchtlichem Ausmass. - Der Urtyp des Schiffes ist der Einbaum. Sehr alt sind auch Boote aus Rinde, Häuten, Binsen und Ähnlichem. Aus dem Einbaum entstanden das Doppel- und Auslegerboot (Katamaran, ursprünglich in Ozeanien, heute auch als Sportboot) und schliesslich das Kielschiff mit Planken (Brockhaus 2004)

496

01.08.1974

WeitereFahrzeuge

Boot: Die alten Norweger verwendeten ein und dasselbe Wort für Boot, Wiege und Sarg, sie schickten ihre Toten in den Mutterschoss des Meeres hinaus, aus dem sie dann wieder geboren werden sollten. Selbst jene, die im Landesinneren wohnten, begruben ihre Toten in Särgen, die Booten nachgebildet waren, und sie opferten der Wassergöttin in in bootsförmigem Schalen. Die Mondsichel wurde als Boot verstanden, das die Seelen zum Himmel trug; sie war gleichzeitig das mütterliche Symbol der Fruchtbarkeit, die argha oder die Arche, die sie «Behältnis des Keimes von allem, was lebt» nannten. Die Babylonier nannten den Mond «Licht-Boot». In Ägypten wurde der Sonnengott, der täglich stirbt und wiedergeboren wird (gemeint die Sonne, die täglich auf- und untergeht, EC), in einem Boot dargestellt, das seine Mutter Isis symbolisierte. In ihren Tempeln waren Boote über den Toren in Stein gehauen. Eines von Isis> Mondbooten ist erhalten geblieben, und zwar vor der römischen (katholischen, EC) Kirche Santa Maria delle Navicella ("Heilige Maria vom Boot"), wo früher ein Isis-Heiligtum stand. Isis nahm aber auch eine Gestalt an, die den christlichen Abscheu vor ihrer Religion ausdrückte: Sie wurde zur Hexe im Steinboot, die im Volksmärchen vorkommt (BN 801, 173)

665

09.02.1976

WeitereFahrzeuge

Steinboot: Nach Barbara Walker kommt das Steinboot in Volksmärchen öfters vor. Ferner, dass über den Toren der Tempel der Göttin Isis, Boote in Stein gehauen waren, die die Göttin symbolisierten (BN 801, 173)

685

18.10.1978

WeitereFahrzeuge

Bahn = öffentliches Fahrzeug, schlecht ausgerüstet, Frauen müssen gewissermassen mit einem Viehwagen vorlieb nehmen, ihre Bedürfnisse werden in vielen gesellschaftlichen Bereichen übergangen.

728

06.05.1959

WeitereSachen

Mond/Mondin: In der Tarot-Tradition repräsentiert der Mond unbewusste Sehnsüchte und Ängste, die mit dem Verlust der Kontrolle einhergehen oder die unbewussten Schlaf- und Traumphasen begleiten können. - Der Mond regiere alle Flüssigkeiten, auch die des Körpers und Gehirns, und habe einen so mächtigen Einfluss auf uns, wie er in den Gezeitenströmungen der Ozeane sichtbar wird. Der Mond ziehe uns in die Tiefe, und wenn wir Angst bekommen, würden wir kämpfen, hysterisch werden, uns verfolgt fühlen, «mondsüchtig» werden und wahrscheinlich die Offenbarungserfahrung verpassen. - Es bleibe nichts anderes zu tun, als sich den Gefühlen zu ergeben. Versuche die Träumerin sich in intellektuellem Verstehen, werde sie versagen. Wenn sie die Dunkelheit mutig und ernsthaft betrete, wenn sie den höheren Kräften vertrauen könne, die sie intuitiv bei der Reise durch die Dunkelheit und zum Unbekannten führen -, so werde sie aus dieser Reise etwas lernen und Bewusstsein als Initiationsgeschenk mitbringen (BN 1316, 130-133). - Nach Plutarch bezeichnen die ägyptischen Priester den Mond als Mutter des Universums, denn der Mond besitze das Licht, das feucht und schwanger macht und die Zeugung lebender Wesen und die Befruchtung von Pflanzen fördert. Viele Naturvölker verehrten den Mond mehr als die Sonne, weil die Mondmutter ihnen nachts Licht gebe, also dann, wenn es gebraucht wird, während die Sonne nur am Tag scheine. Bei den GriechInnen bedeutete menos sowohl «Mond» als auch «Macht». Für die RömerInnen wogen die Grundsätze der Mondgöttin schwerer als die des Sonnengottes. Die Mondgöttin und die Schöpferin waren in vielen Kulturen identisch (BN 1300, 733-734). - Aus Brauchtum und Volksliedern geht hervor, dass Frauen aufgefordert wurden, bei besonderen Wünschen nicht zu Gott, sondern zu ihrer eigenen Gottheit, der Mondmutter zu beten, bei der sie auch ihre Eide schwörten (BN 801, 469-470).

27

04.11.1963

WeitereSachen

Stern am Sternenhimmel: Aus astrologischer Sicht bereitet der Stern auf die Initiation vor. Im Motherpeace-Tarot bedeutet das Auftreten des Sterns, «dass du eine neue Ebene erreicht hast. Etwas in dir hat sich der Göttin geöffnet. Du bist bereit, um Hilfe zu bitten, und wirst sie erhalten. Du vertraust auf die Fähigkeit des Universums, dich zu heilen, und du bist bereit, mit der Veränderung zu beginnen. Eine Gnade überkommt dich, die dir ein Vorwärtsschauen in die Zukunft ermöglicht» (BN 1316, 128-129). Die Astropsychologin Patricia E. meint zum Sternenhimmel: Die Astrologie sage, wie aussen so innen, wie oben so unten. Der Sternenhimmel und seine Weite seien auch in uns drinnen. Gerade in der dunklen Winterzeit will uns der Nachthimmel seine Sternenpracht besonders strahlend eröffnen. In diesen grossen Räumen gebe es noch unendlich viel zu entdecken, so viele Geheimnisse warten noch darauf, sich uns in stillen Stunden zu offenbaren. Möge es die Liebe sein, die sich uns in neuer Tiefe zeigt, das wünsche sie uns allen in diesen Wintermonaten! (mit Verweis auf das Heft «OneSpirit» - Ausgabe Nov.04-Jan.05: «Liebe in dunkler Jahreszeit")

252

12.05.1967

WeitereSachen

Leiter: Die Initianden der Mithras-Mysterien bestiegen eine heilige Leiter mit sieben Sprossen, von denen jede aus einem anderen Metall gegossen war. Frühere Religionen hatten eine ganze Menge von «Leitern zum Himmel», die dann von einem anonymen Bibelschreiber kopiert wurden, die dem Jakob zugeschrieben wird. Auf den ägyptischen Leitern des Horus oder den Leitern der Set sassen hilfreiche Engel, die den Pharaonen bei ihrem Aufstieg zum Himmel halfen. - Mohammed und Buddha kletterten ebenfalls auf Leitern in die himmlischen Regionen. Auf einer Leiter zum Himmel aufzusteigen und wieder zurückzukehren war ein charakteristisches Merkmal der schamanistischen Einweihungen in Zentralasien, China und den Ländern rund um das Schwarze Meer (BN 801,45-46).

463

29.04.1973

BilderGemälde

Ikonen sind nach Ingrid Riedels Auffassung letztlich «Heiligenbilder», Bilder des Heiligen», wie wir sie vor allem aus der Ostkirche kennen. «Es sind Bilder, die auch uns Heutige in ihrer besonderen Ausstrahlung berühren (). Leuchten sie doch alle wie aus einem zeit- und raumlosen Goldgrund herauf, der sie - Gold ist ja nicht Farbe, sondern Glanz als solcher - wie aus dem transzendenten Licht der Ewigkeit heraus in Erscheinung treten lässt (9-10). Gold war zur Zeit der Ikonenmalerei die Farbe des Heiligen (BN 765, 96). - Riedel erwähnt die Bildgestaltung einer Frau, die aufgrund eines Traumes erfolgte, den sie als eine «Geburt nach innen - ins Innere der Erde» bezeichnete. Die Frau stand in den 50er Jahren und «auf der Suche nach äusseren und inneren Quellorten, um ihr Leben, gerade auch ihr Leben als Frau (jenseits der Wechseljahre) neu zu begründen und mit den tieferen Quellen der Weiblichkeit, symbolisch der «Mutter «Erde» zu verbinden» (41). - Auch Walter Nigg erwähnt, dass eine Ikone «das sakrale gemalte Bild in der griechischen Kirche seit dem Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeit seien. Ikonen sind Leitbilder. Im echten Leitbild seien «wegweisende Kräfte beschlossen». Die Heiligenviten der westlichen Christenheit versteht Nigg als «Ikonen einer christlichen Seele» (106-109). Heilige seien «Menschen, die etwas riskieren, sie waren auch oft für ihre Umgebung recht unbequeme Gestalten, zumal sie Gehorsam nicht mit Gefügigkeit verwechselten». Die Heiligen hätten zum Unrecht «nie geschwiegen. «Ihr christliches Gewissen blieb allezeit wach und war durch keinen faulen Kompromiss zu beschwichtigen». Heilige seien «Pilger des Absoluten und Abenteurer auf höherer Ebene» (Nigg: Der exemplarische Mensch, BN 1156,115). - Ikone: Walter Nigg verweist auf Michelangelo, der seine Ausführungen mit der «solennen Erklärung» geschlossen habe: «die edelste Kunst gehört keinem Land, sondern stammt vom Himmel». Mit dieser Erklärung habe der Künstler, der legitimiert war in dieser Frage mitzureden, das alles tragende Fundament namhaft gemacht (ID-Buch 1141, 22).

635

22.04.1984

BilderGemälde

Attentat, Mordanschlag: Das Fremdwort wurde zunächst ganz allgemein im Sinne von «versuchtes Verbrechen» verwendet. Seit dem 19. Jh. hat das Fremdwort nur noch die Bedeutung «Mordanschlag auf einen politischen Gegenspieler» (BN 1313, 50).

838

06.09.1969

Musikinstrument

Musik, Musenkunst: Das Wort für «Tonkunst» ist gleichbedeutend lat. «musica» entlehnt, das seinerzeit aus griech. mousike, eigentlich «Musenkunst», übernommen ist. Dies gehört zu griechisch: mousa: «Muse; Kunst; Wissenschaft, feine Bildung. - Muse: Das seit dem 17. Jahrhundert in deutschen Texten begegnende Fremdwort, das zunächst wie das zugrundeliegende lat. «musa» eine der altgriechischen Schutzgöttinnen der Künste bezeichnet, wird übertragen auch im Sinne von (den Dichter beflügelnde) Inspiration; künstlerische Begeisterung» verwendet. (BN 1313, 474-475)

565

17.09.1973

Musikinstrument

Der Alligator ist gewissermassen ein kleines Krokodil. Das Krokodil symbolisiert den Verstand, denn es kann klar sehen, obwohl es so aussieht, als ob seine Augen durch eine Membran verhüllt sind. - In Ägypten wurden Krokodile ganz besonders verehrt: Man fand Tausende von sorgfältig mumifizierten Tieren dieser Gattung (BN 801, 506)

645

15.01.1979

Musikinstrument

Die Orgel geht ihrer Entstehung nach zurück ins Altertum, das sowohl die Wasserorgel als die pneumatische Orgel kennt. Sie hat sich, nachdem Kaiser Konstantin Kopronymus 757 König Pippin eine Orgel schenkte, ihre Stellung als Hauptinstrument im Kult (der katholischen Kirche) erobert, während die orientalische Kirche sie von ihm ausschloss (BN 1345, 431).

735

18.03.1995

Musikinstrument

Singstimmen/Resonanz: «Widerhall; Mitschwingen, Mittönen», beachte besonders die Zusammensetzung «Resonanzboden». - Der übertragene Gebrauch von im Sinne von «Anklang, Verständnis, Wirkung» erfolgte im 17. Jahrhundert (BN 1313, 589)

963

11.08.1965

SchreibenPapier

Schreiben, Tagebuch schreiben, düstere Gedanken aufschreiben und somit die Gedanken "bannen" (Gertrud Hess, BN 944, 52) oder "freie Phantasietätigkeit ausbauen und entwickeln in dramatischer, dialektischer, zeichnerischer oder plastischer Form (Hess, S.50. Hess schildert eine Reihe von Träumen mit Übergangsmotiven wie Fluss und Brücke, 52-56). Tagebuch schreiben wird von ihr also positiv konotiert. - Die Psychoanalytikerin Shirley Sugermann verweist auf die Notwendigkeit, dass wir uns Zeit nehmen "zum Anhalten und Reflektieren und Anschauen der vielen Gefühle, Erinnerungen, Wünsche, Phantasien, Begierden und Ängste, die nichts anderes sind als die Substanz, aus der die Seele gemacht ist". Dieses Reflektieren fehle beim neurotischen Narzissmus (Sugermann: Narzissmus als Selbstzerstörung, 32).

349

02.02.1969

SchreibenPapier

Frauenprofil Sabina Spielrein (BN 914 ): In den Schriften und Tagebüchern von Sabina Spielrein ist mir ihre Sehnsucht nach der überpersönlichen Liebe aufgegangen. Jungs Verhalten gegenüber Sabina Spielrein lediglich unter dem Aspekt des Missbrauchs innerhalb der Psychotherapie zu betrachten, wie Aldo Carotenuto und Johannes Cremerius dies tun (BN 913), halte ich für eine zu enge Perspektive. Jungs Verhalten ist keineswegs nur ein persönliches Versagen aus Egoismus, sondern muss als Ausdruck des patriarchalen (asymmetrischen) Liebeskonzepts gesehen werden, dem Jung ebenso wie Erich Neumann verhaftet war. Dass Jung diesem asymmetrischen Konzept verhaftet blieb, zeigt seine Theorie von «Animus und Anima». - An dieser Stelle ist für mich besonders bedeutsam, dass Spielrein die asymmetrische Struktur des Jungschen Liebeskonzepts nicht nur erkannt hat, sondern auf intellektueller denkerischer Ebene darauf reagiert hat, nämlich in ihrer Doktorarbeit. Sie schreibt, es sei auffallend, «wie die leidenschaftlichen Dichter so gern in ihren Werken sterben». Sie erinnert an die heftig liebenden Helden bei Shakespeare, die sich nicht mit der Aktivierung eines kleinen Teiles der Libido begnügten, «welcher zu einer gewöhnlichen Liebesvereinigung notwendig wäre». Und es sind Männer, die sich aus Liebe aufopfern, nicht Frauen. Die Doktorarbeit entstand in folgendem Kontext: Die neugebackene Medizinerin Sabina Spielrein bekam im Jahre 1908 von Jung die Einladung zur «freien Liebe» bzw. zur Polygamie. Sie sei für die freie Liebe geschaffen, nicht für Ehe und Mutterschaft. Er seinerseits könne das Glück der Liebe, der stürmischen, ewig wechselnden Liebe nicht entbehren. Er suche den Menschen, der zu lieben verstehe, ohne damit den anderen zu strafen, einzusperren und auszusaugen. Er liebe sie (Spielrein) für ihren grossartigen und stolzen Charakter und für die Grösse ihrer Leidenschaft. Wenn die Liebe zu einer Frau in ihm erwache, dann sei sein erstes Gefühl ein Gefühl des Mitleides mit dem armen Weibe, das von ewiger Treue und anderen Unmöglichkeiten träume und für ein schmerzliches Erwachen bestimmt sei. Seine Arbeit erscheine ihm aber wichtiger als die momentanen Probleme und Leiden der Gegenwart. - Trotz dieses fragwürdigen Ausgangspunktes reagiert Spielrein zunächst mit Begeisterung. Hat Jung doch eine Form der Liebe beschworen, die Bekanntes in ihr anklingen lässt, nämlich eine Liebe, die mit seelisch/geistiger Entwicklung in Verbindung steht. - Jung befand sich zu dieser Zeit in einer Lebenskrise und meinte, dass die Lebensenergie auf der ganzen Linie absterben würde, wenn man (er) auf den erotisch/ sexuellen Wunsch verzichte. - Aber Spielrein zögert plötzlich. Sie hat das Gefühl, es sei etwas Zerstörerisches in Gang, während Jung ihr Zögern als Zögern «des Neurotischen» deutet, das lebendige Leben zu wagen, oder als Mangel an weiblicher Grossmut. Sie sieht die Sache anders. Beim Individuum sei sowohl ein «Werdetrieb» als auch ein Zerstörungstrieb vorhanden, wobei der mehr aktiv veranlagte Mann mehr sadistische Phantasien habe und die Geliebte zerstören wolle. Der Zerstörungswille könne jedoch ausgeschaltet werden, wenn zur Sexualität «Treue» hinzukomme. Das Zögern der Frau deutet sie als Angst vor der eigenen Liebesglut, die zu einer Situation führen könnte, in die sie nicht geraten will. - Jung aber schreibt ihr, das Leben verlange «der Opfer und der Selbstverleugnung, der Unterordnung des Trotzes und des Stolzes unter die Gesetze der hingebenden Liebe. Nur wenn sie das Glück des Andern (seines) suche, werde ihr das eigene Glück zuteil. - Spielrein meint aber, beide Liebende müssten sich der Opferidee unterstellen und nicht nur die Frau. Sie verweist auf ein mythisches Beispiel: In «Senta und der Holländer» seien beide bereit, sich total «destruieren» zu lassen. Gemeinsam tauchten sie ins kalte Wasser, um gemeinsam in verschönerter Gestalt wieder zu erstehen. - Dass in Jungs Konzept von «freier Liebe» der Wurm steckt, vermochte Spielrein dank ihrer mythologischen Kenntnisse zu erkennen. Sie erkannte, dass von ihr eine Form von Selbstopfer verlangt wurde, die den Selbstverlust nach sich zieht. Es ist aber nicht das Fehlen von «Treue» auf männlicher Seite, wie Spielrein meinte, das zum Persönlichkeitsverlust der Frau führt, sondern die einseitige Zuweisung von Verzicht und Opfer an sie.

556

18.09.1983

SchreibenPapier

Bruder: Das griechische Wort für Bruder, adelphos, «einer aus demselben Leib» stammt noch aus den matrilinearen Familien, wo nur die mütterliche Erbschaft anerkannt wurde. Das deutsche «Bruder» stammt von dem Sanskritwort bhratr, «Hilfe, Unterstützung». Im prävedischen Indien war es die Pflicht des Bruders, nicht des Ehemannes, der Frau und ihren Kindern beizustehen. Ehemänner kamen und gingen, aber die matrilineare Sippe blieb stabil. Ein altes arabisches Sprichwort drückte es so aus: «Ein Ehemann kann gefunden werden, ein Sohn kann geboren werden, aber ein Bruder kann nicht ersetzt werden.» - Das Band unter Kindern derselben Mutter war in den alten Gesellschaften so viel stärker als das Band zwischen Eheleuten, dass die innigste Zärtlichkeit unter Verliebten und Verlobten darin bestand, einander «Schwester» und «Bruder» zu nennen. König Salomo nannte seine Geliebte «meine Schwester Braut» (Hoheslied, 4,10), mit «Schwester» an der ersten und wichtigeren Position. Eine ägyptische Ehefrau redete ihren Mann liebevoll als «Bruder, Gatte, Freund» an, in dieser Reihenfolge (BN 1300, 128).

831

17.08.1960

Verwandlung

Der Bärenkult ist seit der mittleren Altsteinzeit nachweisbar (Höhlenbilder) und war von den Lappen über die sibirischen Volksstämme und Ainu bis zu den Indianern Nordamerikas verbreitet; die Vorstellung von der Abstammung des Menschen oder einzelner Helden von Bären ist als Märchenmotiv erhalten; Zähne und Krallen von Bären wurden als Amulett getragen und sollten «Bärenkräfte» verleihen (Brockhaus 2004).

135

16.02.1965

Verwandlung

Opium: Nach Barbara Walker steht Opium, das wie Morphium und Heroin aus der Mohnpflanze extrahiert wird, in Zusammenhang mit Schlaf, Trägheit, Betäubung und Tod. Als Todesgöttin wurde Demeter oft mit Mohnblumen dargestellt. Anderseits gehörte der Mohn aufgrund seiner zahlreichen Samen auch zu den Fruchtbarkeitssymbolen. Mohnblätter, die der Mutter Hera geweiht waren, wurden zum Weissagen verwendet (Walker: BN 801, 576) - Nach Auffassung von Karl Marx bedeutet Religion «Opium» fürs Volk.

338

10.03.1965

Verwandlung

Grosse Bärin: Das Sternbild des «Grossen Wagens» heisst offiziell «Ursa Mayor», Grosse Bärin. Vor langer Zeit war sie die tierische Inkarnation der Göttin Artemis Calliste. Obwohl Artemis ihre Gestalt oft wechselte und viele verschiedene Tierformen annahm, scheint die Bärin eine ihrer häufigsten Inkarnationen gewesen zu sein. In der Schweiz trat sie als Artio, die heilige Bärin von Bern, in Erscheinung, und wurde in alten Zeiten von den Schweizern verehrt. Noch immer stelle sie das totemistische Emblem dieser Stadt dar. Im Norden war sie die Göttin der «ber sark» - das war ein Hemd aus Bärenhaut, das Kriegern angeblich bärenhafte Kraft und Mut verlieh und sie zu «Berserkern» machte, die im Kampf ebenso furchtlos, ungestüm und unbesiegbar waren wie eine Bärin, die ihre Jungen verteidigt. Zwei solche Bärenjungen wurden von kindlichen Priesterinnen dargestellt, die beim Fest der brauronischen Artemis in Attika als Bärinnen verkleidet waren. Vielleicht wollte man damit an die mütterlichen Gefühle der Göttin für ihr Volk appellieren (BN 801, 488).

343

 

05.07.1959

GrossMutter

Die Grosse Mutter «war» die Erde, wie auch das Meer, der Mond, die Milchstrasse, die Elemente, Berge, Flüsse, Steine, Vegetation, Frauen, Zeit, Schicksal, Intelligenz, Geburt, Liebe und Tod. Ihr wurde die uranfängliche Schöpfung des Universums mit allem, was es enthält, zugeschrieben, wie auch die sich weiter entfaltende Schöpfung und die temporäre Erhaltung jedes individuellen Geschöpfs. Und sie war auch die zerstörende Alte, die dem Leben ein Ende setzte und am Jüngsten Tag selbst das Universum vernichten würde, um eine neue Schöpfung in ihrem nächsten Zyklus vorzubereiten.

42

05.02.1960

GrossMutter

Mutter - Mutterrecht: Das mütterliche Verwandtschafts-system und die Regeln des Mutterrechts herrschten während der Jungsteinzeit fast überall. Frühe ägyptische Schriften schildern die Frau als im vollen Besitz der Macht über sich selbst und ihr Heim; Besitz fiel von der Mutter an die Tochter. Die bedeutsamste Umwälzung in Griechenland war der Übergang von der weiblichen zur männlichen Erbfolge und die sich daraus ergebende Zerstörung der Familienloyalitäten. In vielen anderen Gegenden existierte das Mutterrecht noch lange weiter. Im Werk des Beda Venerabilis werden Regeln mütterlicher Erbfolge erwähnt, die in Teilen der britischen Inseln noch bis zum 9. Jahrhundert galten. - Die mütterliche Erbfolge war unter den britischen Stämmen bis zum Vordringen des Christentums die Regel. Die PiktInnen vererbten allen Reichtum, selbst «Königreiche» über die weibliche Linie. Aber die alten Gesetze des Mutterrechts begannen mit dem Aufkommen des Christentums zu verfallen. In England gab es im 6. Jahrhundert Gesetze gleichberechtigter Erbfolge, und eine Frau, die sich zum Verlassen des Ehemannes entschloss, konnte die Hälfte des Besitzes sowie alle Kinder mitnehmen. Aber im weiteren Verlauf der christlichen Ära wurde der Frau alles genommen. Das englische Wort heir ( «Erbe») entstand aus heres, einem mit der griechischen Bezeichnung für eine Landbesitzerin, here oder «Hera», verwandten Wort. Die Magna Charta bezog sich auf eine here als eine Person unbestimmten Geschlechts. In späteren Kirchengesetzen wurden heres als ausschliesslich männlich aufgeführt. - In Afrika gehörte den Frauen das Land und anderer Besitz im Zusammenhang mit dem Haus, und sie übertrugen das Eigentum auf ihre Töchter oder die Töchter ihrer Brüder. Gegen die mutterrechtlichen Bräuche unter den Einheimischen führten europäische Regierungen und Missionen in Afrika einen Propagandafeldzug durch. Landreformen europäischen Stils führten in den meisten afrikanischen Nationen dazu, dass den Frauen das Land weggenommen und ihren Ehemännern übergeben wurde (BN 1300, 1156-1161).

123

22.03.1984

GrossMutter

Nach Barbara Walker sollten wir uns daran erinnern, dass in der alten matriarchalen Anschauung, wie wir es aus Mythen und Legenden filtern können, die Göttin der einzige Ursprung des planmässigen und logischen Denkens war. Aus ihren intellektuellen Gaben an Frauen entstanden solche Disziplinen wie Mathematik (was ursprünglich Mutter Weisheit bedeutete), Kalender (ursprünglich in Zusammenhang mit Mond und Menstruation), Methoden des Messens, musikalische und poetische Formen, Bautechniken und viele andere Verfahren im Umgang mit Kunst und Natur. Das alte griechische Wort diakosmos, das eine Ableitung nach ein Ordnungssystem bedeutet, das von der Göttin (Dia) dem ursprünglichen Chaos auferlegt wurde, bezeugt den Glauben prähistorischer Menschen, dass sich Rationalität in der ersten Lehrerin eines jeden Kindes verkörpert, einer Mutter. In der Tat weist ein indischer Mythos auf den Glauben früher Menschen hin, die beneidenswerte Fähigkeiten der Frauen zu gebären sei Resultat ihrer überlegenen Fähigkeit, zu kalkulieren und Messsysteme zu erfinden (BN 1184, 11-12).

837

23.08.1987

GrossMutter

Mediale Vorgänge: Im Kapitel «a-theistische» Mystik schreibt Carola Meier-Seethaler: Alle Religionswissenschaftler sind sich darin einig, dass Mystik eine Ausdrucksform der menschlichen Sehnsucht nach Aufgehobensein und Einssein ist, und dass diese Sehnsucht in der vom menschlichen Bewusstsein geschaffenen Spaltung von Ich und Umwelt wurzelt. Von daher ist Mystik das Verlangen nach Wiedervereinigung, das umso intensiver wird, je schmerzlicher sich die Kluft zwischen den eigenen Lebensidealen und einer abweisenden Natur oder einer ungerechten Kultur auftut.» - «Tatsächlich finden wir in den mystischen Strömungen aller Religionen die Erfahrung der Allverbundenheit bei gleichzeitiger Unbestimmtheit des alles umgreifenden Seinsprinzips.» (BN 1294, 211-212)

899

26.09.1959

MutterMütter

Mutter: Die Mutter stellt in der Regel die erste Bezugsperson des Kindes dar; vor allem die frühe Mutter-Kind-Beziehung bildet aus psychologischer Sicht die Grundlage für die Ausbildung eines «Urvertrauens», der emotionalen Lebenssicherheit, der Beziehungs- und Liebesfähigkeit und der Sozialisation des Menschen. Eine emotional sichere, ungestörte Mutter-Kind-Bindung, die von der Mutter oder auch anderen zuverlässig verfügbaren Bezugspersonen getragen wird (z.B. dem Vater), ist von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Kindes (Eltern-Kind-Beziehung). Dabei ist das liebevolle Umsorgen des Säuglings und Kleinkinds nicht in Form eines Mutterinstinktes einfach angeboren: Die vergleichende Verhaltensforschung legt nahe, dass es (wie bei unseren nächsten Verwandten, den Affen) inhaltlich während der Kindheit gelernt werden muss; z.B. ahmt das kleine Mädchen beim Spielen mit Puppen und Stofftieren oft die Mutter nach. Daneben haben auch gesellschaftliche Vorstellungen und das eigene Selbstverständnis der Mutter und Frau Einfluss auf das mütterliche Verhalten (Brockhaus 2004).

82

20.01.1960

MutterMütter

Auto, Wagen: Für Vicki Noble symbolisiert der Wagen «den eigenen Weg», der zu gewinnen sei. Der Wagen stehe für unabhängige Gedanken und Handlungen der Jungfrau, derjenigen, die aus der Beziehung heraustreten könne und zur Arbeit gehe. Der Wagen zeige das Gleichgewicht und die Kontrolle eines Energiesystems. Nach Noble scheinen die Amazonen Kämpferinnen gewesen zu sein, die Waffen trugen . Oft wurden sie als Bogenschützinnen portraitiert und Kriegerinnen, die abseits von Männern in reinen Frauenstämmen lebten. Phyllis Chesler sehe in deren Existenz eine Rebellion sowohl gegen matriarchale als auch patriarchale Macht. In Anbetracht der Mutter-Tochter-Bindung als Herzstück der matriarchalen Gesellschaft nenne sie die Töchter der Amazonen. Die Tochter habe Schwangerschaft wie Mutterschaft und die damit verbundenen Einschränkungen zurück gewiesen und habe sich zugleich gegen die Herrschaft der Männer aufgelehnt. - Die Wagenlenkerin sei die griechische Göttin der Weisheit, Athene, die nach Robert Graves vom See Triton in Libyen kam. Ursprünglich, «vor ihrer monströsen Wiedergeburt aus Vater Zeus> Kopf», war sie die libysche Dreifachgöttin Neith. Neith, die nach einigen Gelehrten die älteste Göttin der Welt ist, war die Göttin der oberen Himmel. Sie ist die gleiche, wie die ägyptische Himmelsgöttin Nut. Christine Downing sieht Athene als Prototyp der künstlerisch tätigen Frau, die «die wechselseitige Spannung zwischen Arbeit und Beziehung, Freundschaft und Einsamkeit, Ego und Seele, Weiblichkeit und Kreativität» in Frage stellt. Im Gegensatz zur traditionellen Ansicht über Athene (sie sei losgelöst vom eigenen weiblichen Selbst wie von anderen Frauen) findet Downing in ihr einen tieferen Charakter, androgyn, leicht im Umgang mit Männern wie auch Frauen und jungfräulich mit beiden. Sie sei die aktive Anima, die der Arbeit Seele einhauche und die in sich selbst die Eigenschaften des Geists verkörpere. Sie sei die von «Zeus» inspirierte Tochter, doch existierte sie, wie Downing betont, zeitlich lange vor ihm. Downing wie Chesler weisen darauf hin, dass Athene nicht Mutter ist, sondern Tochter «nicht die Göttin der Fortpflanzung, sondern der Schöpfung ... die Arbeiterin, die Macherin» und so sei sie der Seelenarbeit verbunden. Athene möchte ihre Seele nach aussen ausdrücken. So sei sie die Göttin, die am engsten mit der Zivilisation identifiziert werde, «mit dem, was uns zu Menschen macht». Ihr Tochtersein, ihre Jungfräulichkeit, sei anders als das der wilden Artemis. Athene sei «nicht Jungfrau, um allein zu sein, sondern um mit anderen ohne Verwicklungen sein zu können». Sie repräsentiere das «Beisammensein», das Kreativität entfaltet, das auf Seele und Geist gründet und weniger auf Instinkt und Leidenschaft. Nach Walker ist die Zahl des Wagens die Sieben, «eine mystische Zahl, die Vollendung und Erfüllung» verkörpere. Sie komme zum Ausdruck in den sieben magischen Planeten des Altertums und den sieben Noten in der Musik. «Für die Pythagoräer war nach Graves sieben und gehörte zu Athene. Im hinduistischen System gibt es sieben Chakras Das Wagen zeige das Gleichgewicht und die Kontrolle eines Energiesystems. Die Sieben werde von Saturn beherrscht, dem Planeten der Vorsicht und Prüfung, Eingrenzung und Disziplin. Nach Sybil Leek führe er «die Bremse in unser Leben ein», so dass wir die Situationen einschätzen lernen. - Ferner schreibt Walker, der Wagen stehe für Erdung und die Fähigkeit, Aufgaben in der Welt zu erfüllen. Traditionell repräsentiere er den Sieg der Selbstdisziplin. Wenn der Wagen im Tarot erscheine, werde der Geist der Befragerin vielleicht grössere Kontrolle über die unbewussten Anteile ihres Selbst erlangt haben. Diese Kontrolle sei weder steif noch verbietend wie die des Herrschers, sondern bringe «die unbewussten Inhalte ins Bewusstsein, damit sie zur Vollendung beitragen». Auch wenn sie in einer Beziehung stehe, sei sie autonom und werde in keiner Weise bevormundet. Sie verliere sich nicht an andere, noch trete sie ihre Macht an andere ab. Sie handle aus einer Position der Stärke und Unabhängigkeit heraus (BN 1316, 70-74. - Siehe auch BN 801, 226-229).

120

09.10.1963

MutterMütter

Mit Carola Meier-Seethaler bin ich der Auffassung, dass es unumgänglich ist, am Begriff «Göttin» festzuhalten. Ein Abschied von der Göttin sei nicht möglich, bevor unser gesellschaftliches Bewusstsein die Möglichkeit einer weiblichen Transzendenz akzeptiert und die einseitige Konnotation von Männlichkeit, Geist und Gott verabschiedet habe. Meier-Seethaler hält die Beschäftigung mit matrizentrischen Kulturen und die kritische Analyse patriarchaler Gottes- und Gesellschaftsstrukturen für eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Befreiung aus einem verengten Gottesbegriff (BN 1294, 192).

245

23.02.1964

MutterMütter

Das Wort «Kommunion» bedeutet in der katholischen Kirche, die geweihte «Hostie», in dem «Gott» real anwesend sein soll, zu empfangen und zu essen. Die «Hostie» (vom lateinischen Wort hostia) für «Opfertier», ersetzte die üppigen Feste heidnischer Zeiten, als das Opfertier des Gottes-Geistes ein ganzer Stier oder ein anderes Tier war, dessen Fleisch unter den Gläubigen verteilt wurde. Aber die Heiden sagten nicht, dass ihr Mahl buchstäblich aus dem Fleisch des Gottes bestand. Porphyrius sagte, der symbolische Kannibalismus der Christen sei «über alle Absurdität hinaus absurd und über alle Art von Bestialität bestialisch: Wie kann ein Mensch Menschenfleisch schmecken und das Blut eines Menschen seiner eigenen Gattung trinken, um das ewige Leben zu erringen (BN 801, 138).

270

23.08.1987

MutterMütter

Zur mythologischen Bedeutung der Nacht: Die «Mutter Nacht» hat Heriod zufolge alle Götter geboren. Sie stand für die Dunkelheit des Schosses, in dem alles erzeugt wird, für die Schwärze des Abgrundes wie auch für den unendlichen Raum, die Quelle der Sterne und anderer Himmelskörper. Sie ging der Schöpfung voraus. In den Begriffen der psychologischen Archetypen stellt die Mutter Nacht das Unbewusste dar (BN 801, 470).

898

27.11.2001

MutterMütter

Mutter/Teppich: Meier-Seethaler verweist auf die sakrale Bedeutung der Teppichkunst und des Schmuckes (BN 7, 13). Das Textilhandwerk habe in seinen «Mustern» die Mythengeschichte über Jahrtausende hinweg konserviert. Die Teppichkunst, die im Orient fast ausschliesslich von Frauen ausgeführt wurde, was besonders für die Kelim gelte, wurde von Frauen ein grossartiger Musterschatz entwickelt, die von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurde. Meier Seethaler zeigt das Motiv der Gebärhaltung auf einem anatolischen Kelim aus dem 18. Jh. Dasselbe Motiv konnte Meier-Seethaler im Webmuster eines indonesischen Frauensarongs entdecken (BN 7, 132-134)

992

07.08.1976

Mädchen

Religionsunterricht: Karl Marx bezeichnete die Religion abwertend als ein «Opium» fürs Volk, während das Christentum von anderer Seite auch als eine «Sklavenreligion» verächtlich gemacht wurde. Sigmund Freud wiederum hielt die Entstehung und das Weiterbestehen von Religion für den Ausdruck von verdrängten Sexualbedürfnissen und Sexualtrieben. Das Lexikon der Religionen verweist diesbezüglich lobend auf C.G.Jung, in dessen «Tiefenpsychologie» eine besonders fruchtbare Verwertung religionsgeschichtlicher Tatbestände vorliege. Mit der Fortentwicklung des psychoanalytischen Grundbegriffs «Symbol» und mit der Neueinführung des Begriffs «Archetypus» greife Jung bewusst auf die Entfaltung religiöser Urstrukturen im Individuum zurück, ohne zur aussermenschlichen Wirklichkeit religiöser Erlebnisse Stellung zu nehmen (BN 1345, 475). - Hier irrt sich allerdings das Lexikon der Religionen. Jung schwankte nämlich zwischen der Auffassung, Religion sei ein Produkt des «objektiven kollektiven Unbewussten» (wie die Träume) und der Meinung, der Glaube an ein Jenseits entspreche einer objektiven Wirklichkeit. In seinem Erinnerungsbuch berichtet Jung nämlich, seine verstorbene Frau habe ihm aus dem Jenseits ein «Bild» zukommen lassen, von sich und ihrem Zustand, das sie dort eigens für ihn erstellt habe, und er sei sprachlos gewesen angesichts einer solchen «Ganzheit» (BN 1208).

691

29.11.1979

Mädchen

Mädchen/Knabe: Zum Stichwort «Knabe» führt der Brockhaus Goethes Ballade «der Erlkönig» und dessen Anerbieten an einen Knaben an, das wir heute als ein pädokriminelles erkennen und kritisieren müssten. Die Einladung: «Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?» wird vom Brockhaus zunächst verharmlost, indem er sie als eine scherzhaft gebrauchte Einladung, sich an etwas zu beteiligen deutet, während das unmittelbar angefügte Zitat ganz klar die Verführungsabsicht deutlich macht . In der 5. Strophe erneuere der Erlkönig sein verführerisches Anerbieten gegenüber dem Knaben, gemeint die homosexuelle und pädosexuelle Einladung. Den Mädchen und seinen Töchtern gegenüber lässt der Erlkönig ein anderes missbräuchliches Verhalten erkennen: «Meine Töchter sollen dich warten schön; meine Töchter führen den nächtlichen Reihn und wiegen und tanzen und singen dich ein.» Der Erlkönig missbraucht also seine Töchter als Lockvögel für seine pädokriminellen homosexuellen Wünsche, die er gegenüber dem Knaben äussert. - Ein Männerbild und Vorbild wie der «Erlkönig» von Seiten eines berühmten Dichters wie Goethe, lässt aufhorchen und verstehen, warum eine Mutter ihren neugeborenen Knaben selber aufziehen bzw. ihm zu einer anders gearteten männlichen Identität verhelfen will (Brockhaus 2004).

762

21.06.1979

VaterVäter

Vaterschaft: Im Tarot stellt der «Schamane der Stäbe» positive männliche Macht dar, der für die alten matriarchalen Traditionen steht. Vicki Noble meint, er sei vielleicht der Bruder oder der Onkel, ein Verbindungsglied zwischen der weiblich orientierten Kultur und der neuen Monarchie. Inmitten des Chaos und der Verwirrung des neuen Patriarchats oder «Herrschaft des Vaters» war ein solcher Vertreter der Männlichkeit den Anhängerinnen und Anhängern der Göttin sehr hilfreich, und seine Nachfahren sind es noch heute. Er stellt eine Persönlichkeit dar, die Frauen und das weibliche Prinzip achtet und es doch aufgrund seines Geschlechts und seiner Fähigkeiten zu einer gewissen persönlichen Macht in dieser Welt gebracht hat. Sally Gearhart nenne ihn einen «feministischen Freund». Er versinnbildliche positive, nährende Vaterschaft. (BN 1316, 212-213)

750

25.05.1962

AlteMenschen

Alte Frau: Die Alte repräsentiert bei Vicki Noble die Geistfreundin, die den Weg zu geistigen Reichen kennt. Die Alte halte das innere Feuer am Brennen. - Wie Schamanen und Weise Frauen sei die Alte sowohl weiblich und männlich, aktiv und empfänglich, Sonne und Mond. Sie habe gelernt, die Kraft der Energie zu erhalten und zu verwandeln, sie entscheide, ob und wie sie ihre Energien nutzt und bewahrt. Nach Hall sei «Introversion die Hinwendung psychischer Energie zur eigenen Tiefe, das Versinken der Libido darin». - Die Alte sei die Spinnerin, die schöpferische Spinne, die die Welt aus der eigenen Substanz webt. «Einen Kokon aus der eigenen Lebenssubstanz zu weben, sei die notwendige Voraussetzung zum Hervorbringen der Psyche: «Indem wir uns nach innen wenden, bereiten wir den Weg nach aussen vor.» Ein Teil des Prozesses der Zukunftsweberei bestehe darin, herauszufinden, was die Zukunft birgt, aber auch was die Vergangenheit war (Vicki Noble, BN 1316, 81). Mary Daly liefert nach Noble eine sehr feinsinnige, energiegeladene Beschreibung von Alten, Hexen, Spinnerinnen und Spinnen. Nach ihrem reichen Wortschatz repräsentiert die Alte «die Separate», die «alles vom Selbst wegschneidet, was entfremdend und einengend ist». Die Alte höre mit dem inneren Ohr. «Wir lernen, unsere eigene Lage und Bewegung zu spüren, wir lernen ein empfindliches Gleichgewicht zu halten». Wir reisen vom «Eingang des Labyrinths immer tiefer zur Mitte des Heimatlandes, des Selbst».

186

21.12.1965

ÄrztinArzt

Ärztin/Giftige Arzneien: Zu den «Giften», die Körper und Seele von Frauen vergiften, gehören nicht zuletzt Ideologien bzw. Mythen über «Weibliches und Männliches», die zu dieser Zeit in Umlauf waren und vorgaben, eine kosmische «Weisheit» zu verkünden. Solche Bücher wurden den Frauen von Ehemännern und Freunden empfohlen. Beispielsweise das Buch von einem W. Zimmermann: Ich bin ein Kind des Lichtes (BN 684, 32-44). Darin war zu lesen, Geist sei männlich, wie der Himmel, Stoff sei weiblich, wie die Erde. Und beide seien gleichwertig, seien nichts ohne den Gefährten. Nur zusammen gelinge ihnen die Schöpfung. Der Stoff sei die Erdenmutter, der Geist sei der Himmelvater. All-Geist (Atma, Vater) und All-Seele (Buddhi, Mutter) bilden Licht und Wärme, eine untrennbare Einheit, die Monade. - Dann jedoch folgt das Gegenteil von «gleichwertig» in krassester Form: «Jede Gestaltung und Form erfordern zwei Dinge: Baumeister und Baustoff. Ohne Baumeister, ohne planende und lenkende Intelligenz, ohne Geist» könne kein Stoff sich zu Form fügen. Und ohne Stoff könne kein Baumeister etwas Sichtbares und Greifbares gestalten und verwirklichen. Die Erdenmutter biete den Stoff, der Himmelvater den Geist. Geist sei Licht, Stoff sei dunkel. Geist sei das tätig Gestaltende, Zeugende; Stoff sei das empfangend Gestaltete, Gebärende, Geborene. Das Elektron sei Stoff in umfassendster Form. Wer sei nun der Baumeister? Er könne nicht Stoff sein, er könne nur Geist sein. Und reiner Geist sei jenseits auch des Elektrons. Er habe keine Spur von Stofflichkeit, von Gewicht. - Bausteine könnten von sich aus sich nicht zu bestimmten Formen zusammenfügen. Sie seien Diener, nicht Schöpfer. Sie hätten keinen eigenen Willen. Ohne Vorbehalt stellten sie sich jedem schaffenden Geiste zur Verfügung. Sie fragten nicht, ob es ein guter oder böser Geist sei, ob er den Aufbau oder die Zerstörung erstrebe. Sie seien die gewaltigen selbstlosen Helfer eines jeden Geistes, jenseits von Gut und Böse. - Der Maurer sei etwas anderes als der Baustein, den er benütze. - Der Mensch sei der Denkende, seit Geist. Und Geist sei Schöpfer, nicht Geschöpf. Er sei da vor dem Geschaffenen, vor dem Leibe. - Der einzelne Mensch als bestimmte geistige Wesenheit sei da vor seiner Zeugung und Geburt. Freilich lebe er da in einer feinerstofflichen Sphäre und sei in den Oktaven unserer erdhaften Sinne nicht sichtbar. - Das heisst nichts anderes, als dass das Männliche und der Mann in der Hierarchie ganz oben rangiert, während das Weibliche und die Frau die Rolle einer zu Beherrschenden und Dienenden einnimmt. - Diese Vorstellungen leben weiter in C.G.Jungs Theorie von Animus-Anima und sind bis heute (2004) nicht öffentlich korrigiert worden. - Nach der Psychoanalytikerin Roswitha Burgard sind psychische Krankheiten von Frauen zum überwiegenden Teil durch die patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft verursacht (Buch: Wie Frauen verrückt gemacht werden, BN 43, 16). Dazu gehört u.a. das Hausfrauensein, das zu dieser Zeit (1965) in der Schweiz noch gesetzlich verankert war (es hiess: «die Frau führt den Haushalt»). - Dass Frauen aufgrund von derlei «Arzneien» bzw. unterdrückenden Mythen krank werden konnten, ist nicht verwunderlich.

374

02.07.1967

ÄrztinArzt

Zahn: Das altgermanische Substantiv geht auf ein idg. Substantiv «Zahn» zurück, das eine Partizipationsbildung zu der unter «essen» entwickelten idg. Wurzel «ed- «kauen, essen» ist. - Zahn bedeutet demnach eigentlich «der Kauende» (BN 1313, 823).

466

20.06.1979

ÄrztinArzt

Ärztin, Heilerin, Schamanin, Priesterin: Schamaninnen und Schamanen des Motherpeace-Tarot stehen für Macht und Erfahrung. Herkömmlicherweise wären sie die «Könige» mit all der Autorität und dem Status, der damit verbunden ist. Eine Schamanin oder ein Schamane arbeitet mit ungeheuren Mächten, ohne dabei Macht über andere erlangen zu wollen. In erster Linie stellen sie Macht über das Selbst, die Überwindung von Furcht und Zweifel und die Beherrschung des spirituellen Bereichs. Sie alle treibt die Kraft des Feuers. SchamanInnen tun ihre Arbeit im Universum, sie fliegen, heilen projizieren ihre Energien aus sich hinaus. Sie stellen sich der Gefahr und heilen Krankheiten, sie treiben das Böse auch und vermitteln zwischen der menschlichen Gemeinschaft und den heiligen Bereichen. Priesterinnen gehen bei ihrer Arbeit hauptsächlich vom Herzen aus, SchamanInnen vom Kopf. - Schamanentum bedeutet Kompetenz und Fähigkeit, authentisches Knowhow. Häufig sind sie spirituelle Lehrerinnen und Lehrer, die alten Weisen. Von SchamanInnen wird erwartet, dass sie androgyn werden, die weiblichen und männlichen Elemente ausbalancieren. Das kann je nach Kultur bedeuten, dass sie die Kleidung des anderen Geschlechts anlegen, homosexuell oder zölibatär leben, von ihren «spirituellen Geliebten» abgesehen (Vicki Noble: BN 1616, 209-216).

746

19.12.1985

ÄrztinArzt

Hebamme und Baubo: Der griechische Philosoph Sokrates, dessen Mutter den Beruf der Hebamme ausübte, verstand sich in seiner Tätigkeit als Philosoph ebenfalls als «Hebamme». Ebenso wie seine Mutter als Hebamme geburtshelferisch tätig war, verstand Sokrates seine Arbeit als geburtshelferische, indem er sich als Helfender bei der «Geburt» des Subjekts verstand, also beim Prozess der Selbstwerdung. Es ging Sokrates um die Förderung der Fähigkeit zum «Selberdenken» (und Selberfühlen). Er vermittelte keine «Lehren», sondern regte die Jugendlichen durch hartnäckige Fragen zu immer weiterführenden denkerischen Anstrengungen und zu einer präziseren Unterscheidungsfähigkeit an, anstelle bisheriger Obrigkeitsgläubigkeit. Dies gefiel allerdings den Herrschenden von Athen nicht. Sokrates wurde bekanntlich als «Jugendverführer» gebrandmarkt und zum Trinken des Schierlingsbecher verurteilt. - Baubo: In den Mysterien von Eleusis, die in einem der ältesten Tempel von Griechenland vollzogen wurden, war Baubo ein weiblicher Clown, dem es gelang, die Göttin Demeter zum Lachen zu bringen, als sie sich in tiefem Kummer verbarg und der Welt die Gabe der Fruchtbarkeit vorenthielt. - Die hellenischen Autoren beschrieben Baubo als alte Hebamme. Zusammen mit der Jungfrau Jambe und der Mutter der Demeter vollendete sie als Weise Alte Frau die traditionelle weibliche Dreiheit. - Auch in der japanischen Mythologie gibt es eine Baubo-Figur, die der Sonnengöttin Amaterasu ein Lachen entlockte, als sie ihr Licht in einer Höhle verbarg, und brachte sie dazu, aus der Höhle hervorzukommen und der Welt wieder ihr Licht zu spenden. In beiden mythologischen Traditionen scheint die Vorstellung darin zu liegen, dass das Wohlergehen der Welt davon abhängt, dass die weibliche Traurigkeit oder Angst geheilt und die weibliche Sexualität, Heiterkeit und Freude wieder hergestellt wird (BN 801, 318-319). - Das mittelalterliche Christentum verabscheute die Hebamme wegen ihrer Verbindung mit dem heidnischen Matriarchat und ihrer Verehrung der Grossen Göttin. Die Geistlichen sahen in ihnen unversöhnliche Feindinnen des katholischen Glaubens. In den Handbüchern der Inquisition wurde festgestellt, dass niemand dem katholischen Glauben mehr schade als die Hebammen. Der wirkliche Grund der Feindseligkeit der Kirche war offenbar die Tatsache, dass Hebammen den Frauen helfen konnten, selbst über ihr Schicksal zu bestimmen, die Geheimnisse der Sexualität und Geburtenkontrolle zu erfahren oder Abtreibungen vorzunehmen. - Gegen Ende des 19. Jahrhunderts drangen männliche Ärzte in den letzten verbliebenen Bereich ausschliesslich weiblicher Medizin ein und entfernten die Geburtshilfe aus dem Zuständigkeitsbereich der Frauen. Der US-Kongress schloss auf Veranlassung der American Medical Association die Hebammen von der Ausübung der Geburtshilfe aus. An ihre Stelle traten die neuen männlichen «Geburtshelfer». Ältere Hebammen fanden sich häufig aus ihrer Arbeit vertrieben oder sogar wegen illegaler Praxis im Gefängnis wieder. - Der männerdominierte Berufstand der Mediziner erdreistete sich sogar, Frauen zu belehren, wie sie ihre Kinder «bemuttern» sollten. Das führte oft zu so schrecklichen Fehlern wie der Theorie einer minimalen Pflege, die um die Jahrhundertwende aktuell war. Die Theorie ging davon aus, dass schreiende Kinder nicht durch Verhätscheln «verwöhnt», sondern nur in vorbestimmten Abständen hochgenommen werden sollten (BN 1300, 306-308).

863

16.03.2003

ÄrztinArzt

Ärztin, Magierin: Das grosse Geheimnis der Magierin sei die Alchimie des Feuers. Ihre aktivierende Kraft verwandelt ein Ding in das andere. Sie ist Werkzeugmacherin und Schamanin. Von allen frühen Techniken war das Feuer das wirkungsvollste und vielseitigste (Vicki Noble, BN 1316, 36-40).

1005

06.11.1959

PriesterinPriester

Sterne an Priesterkleid: Die Menschen der Antike betrachteten Sterne im allgemeinen als lebende Wesen - als himmlische Engel, sagenhafte Helden oder als Seelen der Ungeborenen oder der Toten, die nun mit neuen «astralen» Körpern (Sternenkörpern) ausgestattet waren. Manche Traditionen lokalisierten mit grosser Selbstverständlichkeit die Seele eines jeden Menschen in einem Stern. - In jüdischen Schriften werde behauptet, dass jede Angelegenheit , mit der ein Mensch hier auf der Erde befasst sei, zuerst beim Engel seines Sterns angedeutet werde. Darin sieht Barbara Walker ein Beispiel für die allgegenwärtige Theorie des «Wie oben, so unten», die sowohl der Astrologie wie auch der Eschatologie zugrunde liege (BN 801, 114-115).

99

18.09.1964

PriesterinPriester

Das Gebet ist nach dem Lexikon der Religionen «die innerlichste Bewährung allen religiösen Lebens, die unmittelbare Form des Umgangs mit Gott». Gebet sei nicht blosses Denken an Gott, sondern das sich unterwerfen des menschlichen Willens unter den göttlichen Willen. Es werde zum Prüfstein für die Höhe, Lebendigkeit und Besonderheit des religiösen Lebens. Es zeige die grösste Verschiedenheit des Ausdrucks, von der Drohung bis zur Demut, von der Bitte bis zum Vertrauen und werde wesenhaft zur Zwiesprache, zum Dialog, zur Anrufung. Bei Kulturvölkern könne es zu Hymnen, Klage- und Bussliedern werden, während in der indischen Mystik anstelle des Gebets die Versenkung, das wortlose Schweigen trete (BN 1345,192).

286

16.02.1965

PriesterinPriester

Sirup: «eingedickter brauner Zuckerrübenauszug; dickflüssiger Fruchtsaft»: Das seit mhd. Zeit belegte Substantiv galt zuerst im Bereich der Medizin und Pharmazie als Bezeichnung für einen schwerflüssigen, süssen Heiltrank (BN 1313, 676)

338

14.02.1966

PriesterinPriester

«Priesterlichkeit» und Spiritualität: Die Theologin Verena Jegher, Mutter von vier erwachsenen Kindern erinnert, dass Spiritualität genau übersetzt «Geistigkeit» bedeute. Konkret und dynamisch verstanden bedeute es, «spirituell leben», d.h. durchdrungen vom göttlichen Geist, vom göttlichen Hauch geatmet leben, indem ich mir bewusst sei, dass in allen Wesen und damit in jedem Menschen derselbe göttliche Hauch atme und ich durch ihn mit jedem Wesen verbunden sei. Ferner spricht Jegher von einer «Spiritualität des Durchhaltens», was bedeute, dieses Geatmet-werden aushalten, es in allen Situationen halten und mit ihm durchhalten. Spirituell leben heisse, mit Gott und Mitmenschen aus dem Dialog oder besser aus dem Trialog heraus Leben zu gestalten. Diese Arbeit setze primär Ehrlichkeit gegenüber mir selbst und den anderen voraus. Damit sei gemeint, dass fühlen, denken und reden und handeln eins seien. Mit Bezug auf ihre Arbeit im Kosovo sagt sie, seit 1994 habe sie immer deutlicher gespürt, wie schwierig dies gerade für die Menschen dort sei, weil ihr grösstes Bedürfnis sei, möglichst mit allen gut auszukommen. Konflikte würden daher verharmlost oder gar nicht erst wahrgenommen und die ihnen zugrunde liegenden Gefühle nur selektiv wahrgenommen oder gar verdrängt. Das bedeute Gewalt gegen sich selbst und schaffe eine gefährliches, weil unbewusstes Gewaltpotential im Innern. - Diese Überlebensstrategie sei aus der historischen Tatsache erwachsen, dass sich die Menschen dort stets neuen Herren und deren Ideologien anpassen mussten und eigenständig Denken ein gefährliches Risiko bedeute. Ausserdem hätten sie wiederholt erklärt, sie seien über Jahre dazu erzogen worden, ein sog. «WIR-Denken und -Fühlen» zu entwickeln, das eines jeden Menschen Bedürfnis nach Autonomie ein- und auffangen sollte (FAMA - Feministisch theologische Zeitschrift, September 1999, Seite 9). - Für Verena Jegher beinhaltet Spiritualität also wesentlich das Heilen und Helfen, das jedoch nicht mit «Gewalt gegen sich selbst» verbunden sein dürfe, sondern das Recht auf eigenes Fühlen, eigene Wünsche, eigenes Denken und Handeln voraussetzt.

393

09.07.1964

EngelAdel

Edelmut, Adel: Zu viel «Edelmut» wirkt auf manche Menschen wie ein Vorwurf für ihr eigenes, egoistisches Verhalten. Edelmut gilt ihnen als langweiliger Mythus und wird gehasst und verfolgt. Zum jetzigen Zeitpunkt (Jahr 2000) werden edelmütig gesinnte Menschen als «Gutmenschen» lächerlich gemacht und ins politische Abseits gedrängt. Der Arzt Hans Carossa erwähnt, dass das Wort «Humanität» zur Zeit des Nationalsozialismus zu einem Schimpfwort umgeprägt worden sei und humanistisch eingestellte Menschen der «Humanitätsduselei» angeklagt wurden. Es sei eine «Rebarbarisierung» der Jugend angestrebt worden (Hans Carossa: Ungleiche Welten, BN 843, 34).

280

03.03.1980

EngelAdel

Kapelle: Viele ganz alte Kirchen haben diese Ausstrahlung, dieses gewisse Etwas. Komme ich in ihre Nähe, meine ich eine Stimme zu hören: Und jedesmal, wenn mir dies passiert, vermute ich, dass ich einen Ort betrete, an dem ein älteres Heiligtum gestanden hat, in dem das Göttliche auf andere Art erfahren und verehrt wurde als in der Gestalt von Vater und Sohn». Stapenhorst erinnert sich an ein weissgetünchtes Kirchlein in Schleswig-Holstein, an die Bank an der Seitenwand, an den Blick auf das weite holsteinische Land, an den leichten, warmen Wind, die Ruhe, die sie langsam anfüllt, ein Gefühl von es ist gut so, wie es ist obwohl, kritisch betrachtet, nichts, was ist, gut sei. Ihre Zuversicht speise sich nicht aus menschlichen Taten, sondern «aus dem Flattern des Schmetterlings und dem Duft der Blumen». Sie weiss, dass dies als «Naturschwärmerei» abgetan werden könnte, sie weiss aber ebenso, dass es mehr ist als dies. «Es ist ein Erleben des Einsseins mit allem, was da ist» (Lucie Stapenhorst, BN 1321, 10). - Carola Meier-Seethaler bezeichnet dieses Gefühl als «Allverbundenheit».

770

15.11.1958

WeitereMenschen

Mythus Mann: Von einer Neubestimmung des Geschlechterverhältnisses kann nach Renate Höfer bei C.G.Jung keine Rede sein (BN 723, 240, mit Hinweis auf Gerda Weilers «Der enteignete Mythos». - In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich, in welcher Art das Herkunftswörterbuch noch 1989 die Herkunft der Wörter «Mann» und «Weib» dreht und wendet, um dem Manne das Denken und der Frau das «Fühlen» bzw. die Hausarbeit zuzuweisen. Das Wort «Mann» verweise auf die Wörter man, manna, manu oder monu «Mensch, Mann» , Manus, «Stammvater der Menschheit». Vielleicht handle es sich bei dem Wort um eine Bildung zu der unter mahnen dargestellten idg. Verbalwurzel men, «überlegen, denken». Dann wäre der Mensch als «Denkender» benannt worden (BN 1313, 438). Das Wort «Weib» gehöre vielleicht zum idg. uei-b, uei-p, «drehen, umwinden, umhüllen, sich drehend, schwingend bewegen», mit Verweis u.a. auf das Wort aind, «regt sich, zittert» sowie auf vibrieren. Ferner auf das lettische Wort viepe «Decke, Umschlagtuch der Frauen, lett viept «sich drehen», und über weitere Zusammenhänge den Artikel «Weide» . Weiblich würde demnach eigentlich «die sich hin und her bewegende, geschäftige Hausfrau bedeuten. Ferner wird auf das Wort weibön «Feldwebel» hingewiesen, das «schwanken, unstet sein, sich hin und her bewegen» bedeute. Es wäre auch möglich, dass «Weib» ursprünglich die «umhüllte Braut» bezeichnete. Zur selben Wurzelform gehörten auch die Artikel Wimpel, Wipfel, wippen. Ferner verweist das Lexikon auch noch auf die Ableitung «weibisch» «feminin, nicht männlich» (BN 1313, 804).

6

02.06.1959

WeitereMenschen

Barbar: nach Herkunft usw. "ungesitteter Rohling" ist aus lat. barbarus, griechisch barbaros entlehnt, bezeichnet ursprünglich den fremden Ausländer, der mit der einheimischen Sprache und Gesittung nicht vertraut war und darum als roh und ungesittet galt (BN 1313).

30

12.10.1964

WeitereMenschen

Name «Kundelett»: Ähnlich lautende Namen bezeichnen die mythologische Schlange Kundalini und das biblische Buch Kohelet. Die vier Anfangsbuchstaben von Kundalini (Kund-) ergeben zusammen mit den sechs Endbuchstaben von Kohelett (-elett) den Namen Kund/elett. Die weibliche Schlange Kundalini wohnt im tantrischen Yoga eingerollt im untersten Chakra des menschlichen Körpers im Becken. Kohelet ist, wie bereits erwähnt, der Name eines Teils der Bibel, nämlich das «Buch Kohelet». - Verständlicher wird die Sache unter dem «Stiftungsaspekt der Frühromantik», bei dem es um die Fähigkeit und um den Willen zur «Selbstgestaltung» ging. «Sich in diesem Sinne als «Stifter» zu identifizieren meinte, sich «selberdenkend und erfindend mit der menschlichen Existenz auseinanderzusetzen und sich gegenüber der Tradition als unabhängig zu setzen» (BN 1376,92). - Kundelette/Schechina: Die Kundalini ist das tantrische Bild der weiblichen Schlange, eingerollt im untersten Chakra des menschlichen Körpers im Becken. Ein Ziel des tantrischen Yogas war es, «die Kundalini zu wecken», und zwar durch Übungen und Meditationen wie zum Beispiel yoni-mudra, die Kontraktion der Darmmuskulatur zur Unterdrückung der Ejakulation. Wer es erreichen konnte, dass die Kundalini sich entrollte und durch die Chakren des Rückgrates zum Gehirn aufstieg, machte die ekstatische Erfahrung, dass die Kundalini in Form eines «tausendblättrigen Lotos» aus dem Scheitel auftauchte; dies bedeutete die Vereinigung mit dem Unendlichen (BN 1300, 591). - Zum Namen Kundelett bin ich bei Barbara Walker auf weitere ähnlichlautenden Namen gestossen. Walker verweist auf die grosse orientalische Göttin «Kunda» oder «Cunti», der «Yoni des Universums». Die indischen «Kundas» hätten sich als «die natürlichen Kinder der Göttin verstanden», die «als Geschenk der Göttin unehelich geboren» worden seien. Seit alters her s seien Mädchen als «Kundas» bezeichnet worden, zum Beispiel in China, wo Mädchen nur als Kinder ihrer Mutter angesehen wurden, die keine natürliche Verbindung zu Vätern hatten» (BN 1300, 146-147). - Ferner verweist Walker auf das ähnlich klingende Wort «Cunnus». Cunnus sei das lateinische Wort für die weiblichen Geschlechtsorgane oder speziell für die Vagina. Es leite sich von der orientalischen Grossen Göttin Cunti oder Kunda ab, der «Yoni des Universums». Aus derselben Wurzel komme das gotische Wort kuni, «Geschlecht, Stamm, Gattung», das zu den englischen Worten kin und kind geführt habe. Weitere verwandte Worte seien das lateinische cunabula, «Wiege»; Cunina, eine römische Göttin, die die Kinder in der Wiege beschützte; das englische cuntipotent, allmächtig (das heisse, die Cunnus-Magie besitzend); lateinisch cuniculum, Loch oder Höhle; engl. cuniculate, mit einem Durchgang versehen, cundy, ein überdachter Kanal; daneben das englische cunning, Schläue, Gerissenheit; und die deutschen Worte kennen und Kenntnis. - Das englische Wort «kind» bedeute nicht nur «Blutsverwandtschaft» sondern auch «Spalt», die genitale Öffnung der Grossen Göttin. Der in der Saharah lebende Stamm der Kunthas, habe seinen Ursprung auf diesen heiligen Ort zurückgeführt. - In alten Schriften sei das Wort cunnus synonym mit «Frau» verwendet worden, allerdings nicht in dem beleidigenden Sinn, den wir heute kennen. - Heilige Plätze, die mit dem «Welt-Cunnus» gleichgesetzt wurden und «Cunnus-Heiligtümer» verwirrten manchmal die viktorianischen Gelehrten, welche die frühere Bedeutung der «weiblich-genitalen Heiligtümer der Heiden, heilige Höhlen, Brunnen und Haine» nicht verstanden (BN 1300, 146-147). - Zu Kundelette alias Schechina: Die Schechina war für den hebräischen Gott, was Kali-Shakti für Shiva war: Seine weibliche Seele, sein Bewusstsein, seine Energie, seine Kreativität und seine eigentliche Gattin. In der rabbinischen Literatur heisst es, dass der Glanz der Schechina die Engel ernährte; sie kann Gott für seine Rachsucht bestrafen. Sie war «eine grosse himmlische Wirklichkeit, deren strahlende Erscheinung die theoretischen Lehren von der Einheit Gottes in den Hintergrund drängte». Gikatilla zufolge trat sie in den Tagen von Abraham als Sarah in Erscheinung, in den Tagen von Isaak als Rebekka, in den Tagen Jakobs als Rachel. Sie war auch Matronit ("Mutter"), Malkuth ("Königreich"), ein «blossliegender Eckstein», eine «Perle», der «Mond», die «Erde», die «Nacht», der «Garten», die «Quelle», das «Meer» und die «Höchste Frau». - Die Schechina wurde oftmals als Gottes «Ruhm» definiert, eine Bezeichnung, die ebenso wie die des «Heiligen Geistes» die ursprüngliche Beziehung zur Göttin versteckte, durch die Jahwe seine Macht erlangte. Manchmal wurde ihr Name einfach aus den Schriften weggelassen, und ein anderer Name wurde stattdessen eingesetzt. - Bei den jüdischen Gnostikern nahm die Schechina dieselbe Position ein wie Sophia-Sapientia. Bei den Christen wurde der Heilige Geist vermännlicht. Bei den Juden wurde die Schechina fast vollständig vergessen, bis einige kabbalistische Sekten sie im 13. Jahrhundert wieder auferstehen liessen (BN 801, 300-301).

294

03.05.1967

WeitereMenschen

Sklavin, Sklaverei: Nach Brockhaus bedeutet Sklaverei die völlige rechtliche und wirtschaftliche Abhängigkeit eines Menschen als Eigentum eines anderen. Die Sklaverei bildete v.a. im Altertum eine entscheidende Wirtschaftsgrundlage, behielt aber auch später ausserhalb Europas, wo die Leibeigenschaft grundsätzlich von Sklaverei zu unterscheiden sei. Sklaven wurden als Arbeitskräfte in den verschiedensten Bereichen (Landwirtschaft, Gewerbe, Bergbau, Hausdienst) eingesetzt. Ein Teil von ihnen erlangte Vertrauensstellungen (Ärzte, Lehrer) und vereinzelt sogar hohe Ämter (Brockhaus 2004). - Der Vergleich einer heterosexuellen Beziehung mit Sklaverei ist ein starkes Bild, um deren Asymmetrie bzw. Ausbeutungsgefahr darzustellen, die der Frau dort droht.

462

10.01.1983

WeitereMenschen

Schafhirt: Fast alle heidnischen Erlöser nahmen die Rolle des guten (Schafhirten ein. Dass die Christen den Titel des guten (Schaf-)Hirten für ihre Version des Erlösergottes übernommen haben, war ein bewusster Diebstahl eines der ältesten Bilder dieses Gottes. Heidnische Erlöser kümmerten sich um die Seelen in den «grünen Weiden» des Jenseits, wobei diese Seelen ihre Schafe darstellten. Der babylonische Tammuz (sumerisch Dumuzi) wurde «Hirte der Sterne» genannt, denn zu dieser Zeit glaubte man, dass Sterne die sichtbaren Seelen von gesegneten Menschen seien. Auch Osiris trug denn Krummstab des Hirten, der in Ägypten dann sogar zum Zeichen der Göttlichkeit wurde, auch er wurde als «guter Schafhirt» bezeichnet. Der griechisch-römische Gott Hermes (lateinisch Merkur) erschien ebenfalls als guter Schafhirte, der ein Schaf auf seinen Schultern trug. Dieses Bild existierte vor der Entstehung der griechischen und römischen Kultur unt trat bereits in den frühesten vorhellenisch-ägäischen Kulturen auf. Er wurde als Kriophoros ("Schafträger") angerufen, aber diese Anrede wurde von den Frühchristen ignoriert: Sie gaben einfach allen Statuen des heidnischen Gottes den Namen «Christus». (BN 801, 281-282)

822

20.11.1986

AltAltes

Kupfer: Das alchemistische Zeichen für Kupfer ist mit dem Zeichen für die Göttin Venus (Aphrodite) identisch, da die reichsten Kupfervorräte der Alten Welt auf der Insel Zypern (von kyros für «Kupfer») lagern, die der Göttin geweiht waren. Wunderheilungen, die Kupferstücken zugeschrieben werden, könnten mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die archaische Verehrung der Göttin zurückgeführt werden (BN 801, 688).

878

28.06.1966

ArchaischAlt

Archaisch: Das Wort archaisch kommt im Herkunftswörterbuch nicht vor, wohl aber das abgeleitete Wort Archäologie - Altertumskunde. Das Wort sei eine gelehrte Entlehnung des 18. Jh.s aus griech. archaiologia "Erzählungen aus der alten Geschichte". Dies gehört zu griech. archaios "ursprünglich; altertümlich; alt" und griech. logos "Wort, Rede, Kunde, Wissenschaft, Logik (BN 1313, 43). -

413

18.10.1982

KrankBehindert

Böse Geister, Dämonen: Dämon: Das Wort Dämon kommt von der patriarchalischen Diabolisierung früherer Völker, die der Meinung waren, dass ihnen ihre Seele von ihren Müttern gegeben worden seien. Der daimon, der «innewohnende Geist» der Griechen - jener Teil, der nach dem Tode zum Himmel gehen konnte -, war ein umeteros daimon oder eine «von der Mutter gegebene Seele», wie Epiktet sagte. Schon die Idee, dass die Seele eines Menschen eine Emanation der Mutter sein könne, war für das westliche Patriarchat ein Gräuel, denn die offizielle Meinung wollte es, dass Seelen nur durch den väterlichen «Samen» übermittelt werden, um dann im passiven mütterlichen «Boden» zu wachsen (BN 801,322)

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31.12.1977

Nacktheit

Nackt und frierend: Nach der Philosophin Margarete Susmann stehen Frauen «frierend im Leeren», weil alles zerfallen sei, was ihr Heimat war. Das Dach sei ihr über dem Kopf fortgezogen (BN 398, 163).

712

19.07.1959

SchwarzWeiss

Sarg: Nach Lucie Stapenhorst symbolisiert der Sarg die Begegnung mit der schwarzen Todesgöttin. Er ist ihr Schoss, in den sie alles Leben aufnimmt, um es verwandelt wieder zu entlassen. Sie verweist auf Monica Sjöö: «Einweihung-Erfahrende mussten zuerst den Weg durch die Unterwelt, den Schoss der Mutter, finden und symbolischen Tod erleben, um auf einer höheren Bewusstseinsstufe durch Sie wiedergeboren werden zu können» (Lucie Stapenhorst, BN 1321, 79).

54

10.08.1967

SchwarzWeiss

Schwarzhäutig: Vicki Noble verweist auf die Schwarze Göttin Isis: In alten Zeiten, bevor das Patriarchat die Ideologie von hell-über-dunkel, männlich-über-weiblich verbreitete, führte die Schwarze Isis in die Geheimnisse des Todes und Auferstehung ein. Der schwarze Ritus der Isis war die Hauptmysterienfeier. Isis war ganz sicher keine böse Figur, sondern eine Heilige, ebenso sicherlich wie ihre mexikanische Entsprechung, die Schwarze Madonna (BN 1316, 42).

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20.02.1973

SchwarzWeiss

Schwarzes Brett: Ursprünglich bezog sich die Bezeichnung «schwarzes Brett» auf eine Tafel in Wirtshäusern, an der angekreidet wurde, was der einzelne Gast zu zahlen hatte (Brockhaus 2004).

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11.09.1962

FarbeRot

Rotes Tuch auf Brust: Die Psychosomatikerin Ingrid Olbricht erwähnt, dass es im Lateinischen ein Wort gibt, das gleichzeitig Brust und Macht bedeutet. Das Wort «sinus» heisst auch Busen, Brust, Schoss. «Es gibt im Lateinischen also ein Wort, das gleichzeitig Brust und Macht heisst. Wir kennen in unserer Sprache das Wort «Sinus» nur noch als mathematische Funktion. Diese sprachlichen Zusammenhänge zeigen Entwicklungen und Bedeutungsverluste auf, die für das Verständnis der Frau wichtig sind. Wenn es einmal ein Wort gegeben hat, das gleichzeitig Brust und Macht bedeutet, also beides verknüpft, dann muss es auch irgendwann einmal entsprechende innere Zusammenhänge gegeben haben, die uns inzwischen verloren gegangen sind (Ingrid Olbricht: Verborgene Quellen der Weiblichkeit. Die Brust - das enteignete Organ, BN 709, 45). - Dass die Brust in der Psychoanalyse als "phallische" Brust beschrieben wird, weist darauf hin, dass Freud die ursprünglich Bedeutung der Brust als potentes und aktives Organ durchaus noch gekannt hat.

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07.02.1959

Bewegung

Tanzen: Tanz war immer ein wichtiger Bestandteil aller religiösen Rituale. Sich wiederholende rhythmische Bewegung galt als notwendig, um den Augenblick der ekstatischen Vereinigung mit der Gottheit aufzubauen, ebenso wie rhythmische Bewegungen den Orgasmus aufbauen. Die antiken AnhängerInnen der Göttin schrieben die Urschöpfung des Universums ihrem magischen Tanz über den Wassern der «Grossen Tiefe» zu. Mit rhythmischen Bewegungen organisierte die Göttin die noch ungeformten Elemente und schuf geordnete Muster, die die Griechen als «Ordnung der Göttin» bezeichneten. Selbst in der Bibel tritt die Göttin in Erscheinung: als Geist, der sich auf der Oberfläche der Tiefe «bewegte» (tanzte), bevor Gott das Universum durch «Worte» entstehen liess (BN 801, 258-259).

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10.09.1967

Bewegung

Rhythmische Bewegung: Mythologisch erinnert das Bild an das «Tarot», bzw. an die Figur «Ausgewogenheit» der «Grossen Arkana». Der Fähigkeit, sich im eigenen Rhythmus zu bewegen, liege eine innere Balance zugrunde bzw. die Fähigkeit, kosmische Energie im Körper zu erden. Komme man mit diesem Strom in Einklang, könne das Gefühl von Stärke und Vitalität beinahe übermenschlich sein. Jede Zelle könne vibrieren, als ob sie elektrische geladen wäre, voll unbeschreiblicher Glückseligkeit. In den meisten Eingeborenen-Kulte gebe es Möglichkeiten, einen solchen erstaunlichen Ausbruch kosmischer Energien zu erden. Fehle aber eine solche Struktur, würden Menschen, die sich psychischen Kräften öffnen, manchmal «verrückt». Weil niemand weiss, wie ihnen zu helfen ist, würden sie in Nervenheilanstalten landen. Die Lösung wäre in Wahrheit sehr einfach - die Energie müsse wie ein Blitz geerdet werden. Der erste Schritt bestehe darin, die Psyche in Verbindung mit der Physis zu halten. Tanzen, rennen, schwimmen oder irgendeine andere körperliche Betätigung tue gut. Ausdrucksvolle sexuelle Aktivitäten wären wunderbar, den sie «erden» Energie und erheben zugleich die Emotionen. - Etwas mit dem Geist und den Händen zu schaffen, sei eine vollkommene Verbindung der spirituellen und physischen Energien. In Kulturen, wo das Göttliche zum Alltag gehöre, gelte die Kunst als Gebet und sei in das Leben integriert. In Ritualen, in der Musik oder bildenden Kunst fänden sich oft Teile des Heilens, das sich im Tanz ausdrücke (BN 1316, 110-111).

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07.11.1967

Bewegung

Körperkraft, Lebenskraft, Libido: C.G.Jung erweiterte 1914 den Begriff «Libido» zu einer «allgemeinen Lebenskraft», etwa im Sinne des «Elan vital» von H. Bergson.

497

04.03.1960

EssenTrinken

Wein: Wein war immer auf die eine oder andere Weise ein Symbol für das Blut des Lebens und wurde vor langer Zeit in Indien mit dem lebenspendenden Menstruationsblut der Frauen verglichen, das ohne Opfertötung sanft fliesst. In den Schriften heisst es: «Wein ist Tara selbst in flüssiger Form, die Erlöserin der Lebewesen, die Mutter des Genusses und der Befreiung.» Vielleicht hat auch die Göttin Libera, die als Gefährtin des Bacchus nach Rom importiert wurde, ähnliche Gefühle hervorgerufen. Jedenfalls wurde bei ihren Festen viel Wein getrunken. - Im Gilgamesch-Epos wird die Göttin des heiligen Blutes in die Gestalt der Siduri Sabitut («Weinträgerin») gekleidet. Sie rät dem Helden, ruhig im Kreis seiner liebenden Familie zu leben und den Tod zu akzeptieren, wenn er kommt, anstatt sich und die Seinen durch eine hoffnungslose Suche nach Unsterblichkeit unglücklich zu machen. - Im südlichen Mesopotamien hiess die Weingöttin «Herrin der Weinrebe», und bei den nördlichen Stämmen wurde sie «Herrin von Eden» genannt. Spätere Sufi-Philosophen gaben ihr den Namen Saki («Enthüllte Wirklichkeit»). Ähnlich wie die Römer sagen: In vino veritas («Im Wein ist Wahrheit»). Anhänger des Dionysos-Bacchus-Kults glaubten, dass das heilige Blut ihres Gottes der Win sei, der bei seinem Opfertod aus seinem Körper rann, ebenso wie der Saft aus den Reben troff. Noch vor der christlichen Lehre von der Transsubstantiation gab es in den heidnischen Erlöserkulten Wein, der auch Blut war und denen, die ihn tranken, Reinigung, spirituelle Erneuerung und die Verheissung der Unsterblichkeit bringen sollte. Euripides sagte, dass die heilige Trunkenheit oder Besessenheit durch den Geist des Weingottes, den Trinker befähige, die Zukunft vorherzusagen (BN 801, 662).

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15.12.1961

EssenTrinken

Apfel: In den meisten indoeuropäischen Mythologien gibt es die magischen Äpfel der Unsterblichkeit, die Tod und Wiedergeburt symbolisieren. Meistens sei es die Göttin, die diese Äpfel einem Mann, Helden, Ahnen oder Gott verleihe. Die norwegische Göttin Iduna habe alle Götter mit ihren magischen Äpfeln am Leben erhalten. Von dieser Vorstellung beeinflusst, gaben die alten Norweger ihren Toten Äpfel mit ins Grab. - Dass der Apfel so sehr verehrt wurde, liege nicht nur an seinem Ernährungswert, sondern auch an den geheimen sakralen Zeichen in seinem Inneren: dem Pentagramm, das dann zutage tritt, wenn man den Apfel quer durchschneidet. Dass im Paradiesmythos Eva ihrem Mann einen Apfel reicht, geht nach Barbara Walker auf ältere Hochzeitsbräuche zurück. Bei Zigeunern war es Brauch, dass Braut und Bräutigam einen Apfel quer durchschnitten, auf diese Weise das Pentagramm enthüllten und dann jeweils eine Hälfte davon assen. - In der christlichen Überlieferung wurde der Apfel jedoch zum Symbol der Erbsünde (BN 801,640-642). - Auch die Rede vom Teilen des «Apfel des Lebens» zwischen Frau und Mann verweist auf die erotische Symbolik des Apfels.

162

01.01.1966

EssenTrinken

Brot: Die Bitte um das tägliche Brot, die im «Vater unser» geäussert wird, richtete sich in früheren Zeiten wahrscheinlich an die Göttin: Denn sie war ja immer die Spenderin von Brot, die Kornmutter, die Patronin der Bäcker, Mühlen und Herde. - Seit langer Zeit gilt Brot als das wichtigste Nahrungsmittel. Die kärgliche Minimaldiät, die man Verbrechern oder Büssern auferlegte, war Brot und Wasser. - Brotmagie tauchte in vielerlei Formen auf: So wurde Brot in allen möglichen figürlichen Formen gebacken, oder man äusserte Zaubersprüche und Segenssprüche über dem Brot, das man gerade essen wollte. Das Brot, dem man allgemein geradezu unglaubliche magische Kräfte zuschrieb, war die Hostie, die von der katholischen Kirche buchstäblich als Fleisch Jesu Christi ausgegeben wurde (BN 801, 643-644)

377

13.12.1963

DienenDienst

Dienen/Dienstmagd: C.G.Jung formulierte dies tatsächlich ganz krass und nach patriarchalem Muster: Das Weibliche sei die «Dienstmagd am Männlichen» (BN 121, 18).

262

03.07.1968

DienenDienst

Hebammendienst: Der griechische Philosoph Sokrates, dessen Mutter den Beruf der Hebamme ausübte, verstand sich selber ebenfalls als «Hebamme». Er verstand seine Arbeit als geburtshelferische Tätigkeit, als Helfender bei der «Geburt» des Subjekts, beim Prozess der Selbstwerdung. Es ging Sokrates um die Förderung der Fähigkeit zum «Selberdenken» (und Selberfühlen). Er vermittelte keine «Lehren», sondern regte die jungen Menschen und Studierenden durch hartnäckige Fragen zu immer weiterführenden denkerischen Anstrengungen und zu einer präziseren Unterscheidung der Dinge an, anstelle bisheriger Obrigkeitsgläubigkeit. Dies gefiel allerdings den Herrschenden von Athen nicht. Sokrates wurde bekanntlich als «Jugendverführer» gebrandmarkt und zum Trinken des Schierlingsbechers verurteilt.

527

26.10.1962

GottesDienst

Gottesdienst und Spiritualität: Für die Theologin Vreni Schneider ist der Spiritualitätsboom von 1999 nicht nur erfreulich. Sie schreibt, sie feiere gerne mit Frauen Gottesdienste, aber je länger je mehr langweilten sie die immer gleichen Kerzen, die bunten Tücher, das ausgegossene Wasser, die schweren Steine. Wo bleibe die Fantasie, die Vielfalt in der Sprache der Gesten? - Das Gewöhnliche, das Alltägliche sei für sie der Ort und die Sprache des Spirituellen. Dabei meine sie nicht das Banale, sondern das Einfache; nicht das Kitschige, sondern das Schöne; nicht das Zufällige, sondern das Gesuchte; nicht das Lieblose, sondern das Gepflegte. - Spiritualität, die für sich allein, als Haltung des Rückzugs von andern gepflegt werde, mache sie zutiefst misstrauisch. Ausdrücke wie «meine innere Mitte suchen», erweckten bei ihr die Lust auf sarkastische Überlegungen. Spiritualität habe für sie mit Suche zu tun, mit Bewegung, aber nicht in mir selber, sondern mit der Suche nach Gerechtigkeit, mit der Bewegung zur Welt und den Menschen hin. Dafür brauche sie die Ruach, den Geist und die Weisheit, die in ihr Zorn und Wut, Sehnsucht und Leidenschaft weckten. - Eine der tiefsten spirituellen Erfahrungen im liturgischen Rahmen seien für sie die «Gedenken» an widerständige Gruppen oder an einzelne Menschen, die im Kampf um Gerechtigkeit gestorben seien oder an solche, die noch kämpfen, leiden und hoffen. Das möge dann heissen: «Ich denke an..., die... gesagt, getan, bedeutet hat.» Die Fürbitte in verschiedenen Formen und in so profaner Sprache wie möglich sei eine grosse Hilfe gegen die Verzweiflung, die Mutlosigkeit, die Resignation, die alle bedrohe; sie setze sich mit den Mächten der Ungerechtigkeit auseinander. - Eine Spiritualität, die sprachlos mache oder gar Sprachlosigkeit als höhere Form der Vergeistigung anpreise, stehe in Gefahr, lieb-los zu werden. Sprachverweigerung sei die intensivste Liebesverweigerung (FAMA - Feministisch theologische Zeitschrift, September 1999, BN 1453, Seite 13-14). - Diese Art des Gedenkens finde ich sehr schön, und auch ich misstraue einer Spiritualität, die sprachlos macht.

217

23.02.1964

GottesDienst

Göttin/Gott: Die Theologin Elga Sorge schreibt, die Göttin werde von allen Theologen als eine Zumutung empfunden. Die Göttinfrage sei ein theologisches Politikum in einer männerbündischen Religion, Kultur und Gesellschaft. Dieser Zumutung werde auf unterschiedliche begegnet. Die häufigste sei die, das Problem der mangelnden «Weiblichkeit Gottes» nicht zur Kenntnis zu nehmen. Dies sei die vorzügliche Lösung der jüdisch-christlichen Theologie seit 3000 Jahren. Bei denjenigen, die sich diesem Problem stellen (was revolutionär sei), sei die häufigste Reaktion die, weibliche und männliche Seiten des Göttlichen in einer «harmonischen Einheit» zu sehen, ohne allerdings die Dominanz des männlichen Gottes anzuzweifeln. So etwa sprach Papst Johannes Paul I. davon, «Gott sei auch unsere Mutter» und Jürgen Moltmann meint, Gott sei unser «mütterlicher Vater». Das klinge schön, doch beide Formeln seien unumkehrbar: Der Papst würde sicher niemals sagen, die Göttin sei unser Vater, und nach Moltmann könne Gott wohl eher nicht unsere «väterliche Muttergöttin» sein. - Elga Sorge stellt fest, dass auch die meisten Theologinnen die Göttinfrage ähnlich beantworten wie diese Theologen. Sie erwähnt Catharina Halkes und Elisabeth Moltmann, die beide herbe Kritik am einseitig männlichen Gottesbild, welches das Weiblich ausschliesse und zu eng und eindimensional sei, sich beide dennoch begnügten mit dem männlichen Theos und seinem Logos. Beide «identifizieren Gott; Mensch und ihr eigenes Nachdenken über beide mit dem positiven Männlichen, das sie offenbar erfahren». - Dies gelte sogar für Dorothea Sölle, obgleich sie auch sprachlich einen Schritt weitergehe, indem sie «die Gott» zugleich als «der Gott» verstanden wissen möchte, doch auch sie vermeide es «die Gott» als «Göttin» zu bezeichnen. - Um dem männlichen Gott das fehlende Weibliche beizufügen, werde stets das Weibliche ins Gottesbild integriert, aber niemals umgekehrt, Gott ein eigenes Göttinbild vorgehalten, durch das dieser sich kritisieren und verwandeln lassen könnte (Elga Sorge: Religion und Frau, BN 1029, 47-49)

270

29.10.1958

HeiratHochzeit

Geschlechtsorgane: Beinahe von Anbeginn unseres Lebens wird uns allen beigebracht, das primäre weibliche Geschlechtsorgan sei die Vagina und das primäre männliche Geschlechtsorgan sei der Penis. Und über diese Organe definiert sich angeblich das Geschlecht, sie bilden den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. «Wenn die Menschen in Betracht zögen, dass der Zweck der weiblichen Geschlechtsorgane ist, Frauen Vergnügen zu bereiten, dann würde das weibliche Geschlecht durch ein anderes Organ definiert und diesem würde auch die Hauptaufmerksamkeit gelten. Jede und jeder würde von Kindheit an lernen, dass das primäre männliche Geschlechtsorgan der Penis ist und das primäre weibliche Geschlechtsorgan die Klitoris.» - Klitoris leitet sich vom Griechischen kleitoris ab, «göttlich berühmt, wie die Göttin». Der griechische Mythos personifizierte den Phallus als Priapos und die Klitoris als eine Königin der Amazonen mit Namen Kleite, Urahnin der Kleita, eines Stammes kriegerischer Frauen, die eine Stadt in Italien gegründet hatten. In Korinth war Kleite eine Prinzessin, «die Artemins lang und schlank wachsen liess», eine Allegorie ihrer Erektion. - Die spätere patriarchale Gesellschaft ignorierte die Klitoris. Die christliche Kirche lehrte, Frauen dürften keine sexuellen Freuden erfahren, sondern müssten den Geschlechtsverkehr lediglich aus Gründen der Fortpflanzung über sich ergehen lassen. Deshalb wurden die heranwachsenden Mädchen und Jungen in bezug auf die weibliche Sexualität soweit irgend möglich in Unwissenheit belassen. Selbst Ärzte kamen zur Ansicht, dass bei einer tugendhaften Frau keine Klitoris vorhanden sei. Mädchen, die durch Masturbation gelernt hatten, ihre orgasmische Kapazität zu entwickeln, wie es ja auch die Jungen lernten, wurden als medizinisches Problem betrachtet. Sie wurden oft durch eine Amputation oder ein Ausbrennen der Klitoris «behandelt». Es gibt aber keine Hinweise in der medizinischen Literatur auf eine chirurgische Entfernung der Hoden oder eine Amputation des Penis, um die Masturbation bei Jungen zu unterbinden. Ärzte und Priester der viktorianischen Epoche stellten fest, «die totale Unterdrückung der weiblichen Sexualität» sei «von entscheidender Wichtigkeit, um die Unterordnung der Frauen zu sichern» (BN 1300, 549-550).

4

09.10.1963

HeiratHochzeit

Hochzeitsritual: In der tieferen esoterischen Bedeutung weist die heilige Hochzeit (hieros gamos) auf Initiationsmysterien hin: die Vereinigung gegensätzlicher Energien in einer Wesenheit, die zur Ganzheit führt. In der indischen Praxis des Tantra wird die Verbindung (von weiblich und männlich) rituell an geeigneten Orten vollzogen. Die einer «alchimistischen Heirat» zugrunde liegende Bedeutung ist stets die Vereinigung mit dem Göttlichen in uns und im Universum. Das Bild der Liebenden wird dem astrologischen Zeichen Zwillinge zugeordnet und steht für das Paar oder Dinge, die paarweise auftreten. Im okkulten Wissen finden wir dazu die Lehre vom Seelengefährten, was die Idee vielleicht am deutlichsten verkörpere. Auf der physischen Ebene habe jedes Menschenwesen zumindest ein Gegenüber oder einen «Zwillings-Aspekt irgendwo auf dieser Erde, mit dem unsere Seele sich zu vereinigen wünsche. Wenn diese Menschen sich begegnen, wüssten sie dies und verbänden sich. Vertikal betrachtet besage diese Lehre von den Seelengefährten, dass die Menschenseele bereits vor ihrer Herabkunft auf die Erde existiert. Im Prozess physischer Inkarnation werde die Körper-Person von ihrem geistigen Selbst getrennt und schaffe so das Bedürfnis nach einer Vereinigung mit dem Geistkörper durch Yoga oder Meditation. - Tantra lehre, dass das Verschmelzen zweier Menschen im «sexuellen Akt» die Ego-Grenzen auflöst und die Erfahrung der Ekstase ermöglicht. Die indischen Shiva-Shakti-Figuren im Geschlechtsakt oder die tibetischen Yab-Yum-Paare bezeugen auf der menschlichen Ebene eine göttliche Vereinigung. Im I Ging heisst es dazu: «Zwischen den beiden Urkräften entsteht immer wieder Spannung, das hält die Kräfte in Bewegung und bring sie zur Vereinigung, wodurch sie sich beständig erneuern." - Im Gegensatz dazu ist in den modernen Kulturen die Verbindung von Liebenden mit patriarchalen Rollenstereotypien behaftet. So lange unser Zusammenkommen durch patriarchale Ideologien bestimmt wird und durch die Vorstellungen von Liebe und wie wir uns damit zu fühlen haben, so lange werden wir grosse Schwierigkeiten haben, die kosmische Freude zu fühlen. - Wenn zwei Seelen sich einander in ihrer Verletzlichkeit und getragen von Vertrauen zeigen, kann das zweite Stadium der Liebe beginnen. «Liebe machen ist wie das Probespiel für die höchste Vereinigung des eigenen Selbst mit dem universellen Selbst.» - Verhaltensweisen, die Gewalt anwenden oder Opferhaltung fordern, verletzen das Herz. Vergewaltigungs- oder Herrschaftsphantasien töten die Fähigkeit wirklichen Fühlens (BN 1316, 65-69).

246

16.01.1971

HeiratHochzeit

Gleichgeschlechtliche Liebe: Bis unlängst galten gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Psychiatrie als Ausdruck von Abnormität und Krankheit. Auch für die Tiefenpsychologie war eine solche Neigung unnatürlich, pervers, krankhaft und sie meinte sogar, sie mittels Operation oder Psychotherapie «heilen» zu können oder zu müssen. Die Psychologie behauptete zudem, Frauenbeziehungen seien «uneigentliche Beziehungen» und eine Frau könne sich nur in Verbindung mit einem Mann zu einer richtigen Frau entwickeln. - Roswitha Burgard wird später raten: «Wir müssen uns darin bestärken und Mut machen: dass wir auch ohne Ehe, Mann und Kinder vollwertige Menschen sind; dass wir unser Kinderwunsch auch ohne Ehe verwirklichen können; dass wir unsere aufgezwungene «weibliche» Hilflosigkeit ablegen und nicht mehr auf unsere Töchter übertragen; dass wir eine Sexualität anstreben, die nicht mehr auf dem Zwang zur Heterosexualität beruht (); dass Frauen nicht mehr in heterosexuelle und lesbische Frauen gespalten werden» (BN 43, 170).

591

23.03.1972

HeiratHochzeit

Ehemann: Das englische Wort husband (Ehemann, «ein an das Haus Gebundener», erinnert noch an die Funktion, die der Ehemann im alten angelsächsischen Matriarchat hatte. Damals, als Besitzrechte noch matrialinear vererbt wurden, wählte sich die Frau einen Haushalter oder Majordomus aus, der ihren Besitz zu versorgen hatte. Der husband Ehemann war kein integres Mitglied der mütterlichen Sippe, sondern blieb «ein Fremder» im Haus, so wie im frühen Griechenland der Männergott Zeus als der «Gott der Fremden» galt. - Im Südosten Indiens galt ein Ehemann mehr oder weniger als Dauergast im Heim der Frau. Er musste sich, um dort bleiben zu dürfen, durch ein gutes Benehmen gemäss den Gesetzen des Gastrechts bewähren. Im archaischen Japan waren Ehemänner überhaupt keine Mitbewohner im Haus der Frau, sondern Gäste. Das alte Wort für Hochzeit bedeutete wörtlich übertragen «bei Nacht in das Haus schlüpfen». Die patriarchale Hochzeit war in Japan bis ins 15. Jahrhundert unbekannt (BN 1300, 199-201).

619

21.10.1959

GeheimVerbergen

Passion: Leidenschaft, Passion für etwas, was man sich immer wieder zu verschaffen, was man zu besitzen sucht, für eine bestimmte Tätigkeit, der man sich mit Hingabe widmet (Brockhaus 2004)

93

26.04.1961

GeheimVerbergen

Heustadel: Der Heustadel gehört - wie der Stall - zum Bereich der Tiere. Nach Barbara Walker werden Tiere - von primitiven Menschen - auf der ganzen Welt als höchst spirituelle Geschöpfe, sogar als Gottheiten betrachtet. Die ägyptischen Götter und Göttinnen mit ihren menschlichen Körpern und ihren Tierköpfen waren offensichtlich Priester und Priesterinnen, die als Tiergeister verkleidet waren (BN 801, 485). - In dieser Tradition wird auch verständlich, warum das göttliche Kind der Christenheit in einem Stall geboren wurde. Das im Stall geborene Kind symbolisiert Nähe zum spirituellen Bereich und auch Nähe zum Bereich des Körpers bzw. der Instinkte. - Im Heustadel aufwachsen bedeutet, nahe am körperlich Lebendigen aufzuwachsen sowie in Einfachheit und Anspruchslosigkeit. Im Stall findet "der natürliche Mensch" seine Entsprechung. Es scheint, dass die Entwicklung eines spirituellen Seins das lebendig kreatürliche Sein in einfacher Umgebung begünstigt oder sogar voraussetzt. - Der einfache Stall steht in Gegensatz zum reich ausgestatteten Schloss, wobei der Stall im Verhältnis zum gesellschaftlichen "Oben", das gesellschaftlich ausgegrenzte "Unten" und Verachtete symbolisiert. - Das Leben im Stall symbolisiert das innere, introversive Leben, das Leben des Geistes - des Subjekts - im Unterschied zum Leben in der äusseren extravertierten Welt. - "Die Anpassung an die innere Welt. () Die Rettung der Welt besteht in der Rettung der menschlichen Seele. () Die Dissoziation der Persönlichkeit ist der heutigen Spaltung der Welt analog. () Unsere Zeit ist durch die Herrschaft des Wortes belastet. () Unser Verhängnis sind Ideologien."

149

03.03.1980

GeheimVerbergen

Tagebuch-Aufzeichnungen können Resultat von Erinnerungsarbeit sein - bspw. im sog. Tagebuch. Ohne Erinnerung gibt es keine Geschichte, keine Religion, keine Persönlichkeitsentwicklung. Auch Geschichtsschreibung ist Erinnerungsarbeit.

769

16.01.1975

Zügeln

Zügeln/Männliche Herrschaft/Stalin: Die Herrscherin versinnbildlicht im Tarot die Verbindung von Geist und Materie, die Göttin im Körper (BN 1316, 49). Der Herrscher im Tarot ist traditionell das Symbol des Patriarchats. Er repräsentiert den König, den Patriarchen, den Boss. - Er kann auch ein Vater sein, doch ist er immer eine autoritäre Figur, die kontrollieren und dominieren will. Zeitgeschichtlich repräsentiert er die indoarischen Invasoren im astrologischen Zeitalter des Widders (erstes und zweites Jahrtausend vor Christus), die in die Alte Welt einfielen und die Religion und Kultur der Mutter zerstörten. Die patriarchale Kultur nimmt den Frauen die Selbstbestimmung über Geburt und Sexualität. Die Frau wird zum Besitz des Patriarchen, und die Kinder tragen fortan des Vaters Namen (BN 1316, 53). - Der Name
Stalin symbolisiert einen Herrschaftsanspruch: Zum patriarchalen Symbolsystem gehört die Bezeichnung «Herr» für alle Männer, während das Wort «Herrin» seit der Französischen Revolution aus dem Sprachschatz verschwunden ist. Aus emanzipatorischer Sicht müssten entweder beide Geschlechter als «Herrin» und «Herr» angesprochen werden in dem Sinne, dass beiden das Recht auf Selbstbestimmung, auf autonome Gestaltung des eigenen Lebens zugestanden wird. Die Anrede «Herr» ist keineswegs nur eine unbedeutende Höflichkeitsfloskel, sondern führt permanent dazu, dass Männer sich weiterhin als «Herren» fühlen können, insbesondere auch über Frauen. Ich plädiere dafür, entweder die Anrede «Herr» als Höflichkeitsfloskel abzuschaffen oder sie auf das weibliche Geschlecht, auf die Herrin, auszudehnen.

1033

17.08.1959

KugelKreis

Ball: Nach Gerda Weiler symbolisiert das Runde den «Weltenschoss", der Ursprung der Schöpfung (BN 77, 246). - Im Herkunftswörterbuch ist der Ball ein kugelförmiger, meist mit Luft aufgeblasener Gegenstand, englisch ballock ,Hoden', eigentlich Bällchen zu der idg. Wurzel ,bhel- ,schwellen, strotzen, aufblasen, quellen, sprudeln; es bedeutet also eigentlich ,Geschwollenes, Aufgeblasenes. Balken, dickes langes Vierkantholz', Bulle, der nach seinem Zeugungsorgan benannt ist, phallos ,männliches Glied', auf dem Bedeutungsübergang zu ,knospen, spriessen' beruht die Wortgruppe um blühen mit Blume, Blüte und Blatt (eigentlich Aufgeblühtes) sowie lat. flos ,Blume' - eigentlich Zustand des Blühens.

70

19.11.1959

KugelKreis

Ringe: Im angelsächsischen Britannien waren Ringe die Symbole des Bündnisses zwischen Häuptlingen und ihren Kriegern. Die Oberherren im «Beowulf» werden als «Ringgeber» bezeichnet. - Die hebräische Tradition spricht viel über magische Ringe. Salomon verwendete einen magischen Ring, um den Dämon Asmodeh zu unterwerfen. (BN 801, 30).

108

02.11.1962

KugelKreis

Gebären: Die Wurzel von Gebären, Erzeugen ist nach dem Duden vielleicht identisch mit genu (Knie), weil es in alter Zeit üblich war, in Kniestellung zu gebären (BN 1313, 343). - Vor einigen Tagen (Herbst 2006) erwähnte eine junge Krankenschwester, dass es wieder üblich geworden sei, in der Kniestellung zu gebären. Zu meiner Zeit (1957) war dies ganz und gar verpönt: Nachdem bei mir die Wehen begonnen und ich mich (die Ellenbogen auf die Matratze meines Bettes gestützt) intuitiv auf die Knie niedergelassen hatte und der Geburtsausgang sich mittels Bewegungen des Beckens bereits geöffnet hatte, ordnete die Hebamme nach ihrem Eintreffen Rückenlage im Bett und Hächeln an, was zu stundenlangem kräfteraubendem Hächeln sowie zu einem Verschliessen der Öffnung führte.

219

24.01.1971

KugelKreis

Die Kugel galt als Modell der Erde, bevor der Anti-Intellektualismus des finsteren Mittelalters die früheren Entdeckungen der klassischen Zeit verdunkelte. Und dennoch verkörperte der Reichsapfel - eine Kugel in der linken (weiblichen) Hand - den Anspruch eines Monarchen auf Herrschaft über die ganze Erde. Das Gegenstück zum Reichsapfel war das phallische Zepter in der rechten (männlichen) Hand. Auf diese Weise verkörperte der Monarch in seiner eigenen Person die heilige Hochzeit zwischen König und Land, die jedoch in früheren Zeiten als wirklicher Akt durch eine echte Heirat zwischen dem König und der Hohepriesterin vollzogen wurde, Dabei verkörperte die Priesterin den Geist der Mutter Erde (BN 801, 26).

593

29.10.1991

KugelKreis

Arena: Die Bezeichnung für «Kampfbahn, Sportplatz, Manege» wurde im 18. Jh. aus lat. (h)arena «Sand, Sandbahn; Kampfplatz im Amphitheater entlehnt. Die Deutung des lat. Wortes sei unsicher (ID-Buch 1313, 43).

933

29.11.1959

Zwei

Zu Name Heidi, Heidentum und Heide: «unbebautes, wildgrünendes Land, Waldgegend». Das Wort «Heide» steckt in einigen Zusammensetzungen z.B. «Heidenangst, Heidengeld, Heidenkrach (BN 1313, 275): Der Begriff «Heide» stammt nach Barbara Walker eventuell aus dem germanischen Word heiden, das Verborgene, denn die Kirche verbot die Riten der alten Gottheiten, und die Ungläubigen hielten insgeheim an diesen Riten fest. «Heide» könne aber auch analog zum paganus mit der Bezeichnung «Heide» für öde, spärlich besiedelte Gegenden in Zusammenhang stehen. Das lateinische Wort pagani bedeute Dorfbewohner; später bezeichnete es die ländliche Bevölkerung, die aufgrund ihrer religiös konservativen Haltung an den alten Göttern und Göttinnen noch festhielt, als das Christentum in Städten und Adelshäusern bereits Fuss gefasst hatte. «Im ersten Jahrtausend der christlichen Ära war das Heidentum eine unverhüllte und mehr oder weniger akzeptierte Haltung. Christentum und Heidentum lebten lange in einem unbehaglichen Nebeneinander, bis die ChristInnen so viele heidnische Götter, geheiligte Stätten, Gebräuche und Feiertage wie nur möglich übernahmen. Papst Gregor I. erkannte, dass die Menschen das Christentum erst dann akzeptieren würden, wenn sie es als Erweiterung ihres Heidentums sehen könnten. Er verfügte daher, die christlichen Reliquien in die Heiligtümer heidnischer Tempel zu bringen, und allmählich gingen die Menschen zu der Vorstellung über, ihre Gottheiten seien Heilige und keine unchristlichen DämonInnen.» Heidnische Festtage waren zu christianisieren. So sollte es den Menschen zum Beispiel erlaubt sein, zu Weihnachten zahlreiche Ochsen zum Ruhme Gottes zu opfern und zu essen, wie sie es zuvor für den Teufel getan hatten. Vor allem die Frauen, die in der neuen Kirche nicht willkommen waren, bewahrten die alten Gebräuche und bevorzugten das Heidentum, da es ihnen eine gewisse geistige Autorität bewahrte. Ein kirchlicher Kanon des 10. Jahrhundert appellierte an die Väter (nicht an die Mütter), die Kinder christlich zu erziehen... «Und wir machen es zur Pflicht, dass jeder Mann seine Kinder mit Eifer dem Christentum vertraut macht und sie das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis lehrt. Und wir machen es zur Pflicht, dass sie sich an Feiertagen heidnischer Gesänge und teuflischer Spiele enthalten» (BN 1300, 349-354).

110

29.01.1966

Zwei

Riesen: M.L. von Franz verweist auf ein norwegisches Märchen von einem Riesen und zwar als Beispiel für «völlige Herzlosigkeit und unaufhörliche humorlose Mordlust». Der Riese sei «deshalb unbesiegbar, weil er sein Herz nicht bei sich habe. Dieser herzlose Riese sei in anderen Erzählungen variiert durch einen mordlustigen «Schwarzkünstler Zar» oder durch den Teufel selber. Das heisse, er sei ein «an sich böser Naturgeist, dem das Zerstören und Morden Freude» bereite, «um seiner selbst willen». Sie interpretiert dies mit dem Hinweis, dass es «so etwas in der unbewussten menschlichen Psyche» gebe, sei unheimlich, «aber nach Aussage der Mythen und Märchen einfach als Tatsache hingestellt» (von Franz in: Das Böse, BN 482, 106-107).

385

03.12.1967

Zwei

Erinnerung und Identität: Ingeborg Bachmann entdeckte in sich nach der «Katastrophe» eine neue Fähigkeit: die Fähigkeit sich zu erinnern. Ihre Identifikationsfigur in «Das dreissigste Jahr» (BN 343) erinnert sich nicht wie bisher, unverhofft oder weil er es wünschte, an dies und jenes, sondern mit einem schmerzhaften Zwang an alle seine Jahre, flächige und tiefe, und an alle Orte, die er eingenommen hat in den Jahren. Er wirft das Netz der Erinnerung aus, wirft es über sich und zieht sich selbst, Erbeuter und Beute in einem, über die Zeitschwelle, die Ortschwelle, um zu sehen, wer er war und wer er geworden war» (Ingeborg Bachmann, in Sigrid Weigel: BN 691, 366).

504

10.05.1975

Zwei

Maske oder Persona: Die Jungianerin Jolanda Jacobi interpretiert die Persona bei angepassten Menschen positiv: Bei den «der Aussenwelt ebenso wie seiner inneren Welt gut angepassten Menschen» sei die Persona «sozusagen ein notwendiger, aber elastischer Schutzwall», der «eine relativ natürliche, gleichmässige und leichte Verkehrsform mit der Umwelt» sichere (BN 1216, 38-43).

672

01.06.1962

Drei

Mythus «Brüder» und «Brüderlichkeit»: Die Metapher «drei Brüder» könnte auf das «Volk der Brüder» hinweisen: In der Folge der Französischen Revolution wurden Männer im Namen von «Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit» als ein Volk von Brüdern und Männern verstanden, und es wurden unzählige Bruderschaften gegründet. Aus den Bruderschaften waren Frauen bekanntlich ausgeschlossen, da sie ja wirklich keine Brüder sein konnten, sondern als Schwestern anzusprechen gewesen wären. Eine andere bekannte Metapher betrifft die «Brüder in christo» innerhalb der katholischen und reformierten Kirche, wobei Frauen sich neuerdings eingeschlossen fühlen sollten. Auch im Wort «Brüderlichkeit» seien Frauen nunmehr eingeschlossen, was mittlerweile aber zunehmend zu Revolten und Widerstand führt. Frauen wollen nicht nur mitgemeint sein, sondern explizit als Schwestern bezeichnet und als voll zugehörige Personen akzeptiert werden. Frauen wollen - wie ich oft sage - als ein mit Vollmacht ausgestattetes Volk von Schwestern dem Volk von Brüdern selbstbestimmt gegenüber treten, um miteinander die Rechte und Pflichten, die Frauen und Männer einander gegenüber sowie den Kindern und der Gesellschaft gegenüber haben, auf hoher Ebene besprechen und aushandeln zu können.

190

09.10.1964

Zwölf

Zwölf Bäume alias Apfelbäume: Die drei Mütter der Welt, die in der frühgriechischen und keltischen Mythologie auftauchten, waren immer eng mit Apfelbäumen assoziiert. - Dass der Apfel so sehr verehrt wurde, liegt nicht nur an seinem Ernährungswert, sondern auch an den geheimen sakralen Zeichen in seinem Inneren: dem Pentagramm, das dann zutage tritt, wenn man den Apfel quer durchschneidet. So und nicht anders muss ein Apfel nach Ansicht der Zigeuner geschnitten werden, und zwar besonders dann, wenn er von Liebenden vor und nach dem Sexualverkehr das Pentagramm enthüllen bzw. die Weissagung über die Entwicklung ihrer Verbindung (BN 801, 640-641).

293

17.10.2004

SpäteEssenzen

Hörner: Da die Menschen der Antike Hörner und gehörnte Gottheiten verehrten, könnte aus ihrer ursprünglichen Assoziation mit den Hörnern des Mondes entstanden sein. Keroessa oder Gehörnte war ein archaischer Beiname der Muttergöttin Hera oder Io als göttlicher Mondkuh (BN 801, 185).

1092

06.10.2005

SpäteEssenzen

Ins Wasser fallen: Diese umgangssprachliche Wendung bedeutet, dass etwas Bestimmtes nicht stattfindet, nicht durchgeführt werden kann: Wegen des schlechten Wetters fiel das Gartenfest ins Wasser. Sie hatten zu spät gebucht und so fiel die geplante Reise ins Wasser (Brockhaus 2004).

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26.08.1968

WeitereOrte

Barbara Walker (BN 801, BN 467-468) vermutet, dass kein anderes Naturobjekt seit frühester Zeit so sehr verehrt wurde wie der Mond. - Aufgrund seiner offensichtlichen Beziehung zu den weiblichen Zyklen des «Mondblutes», das , wie man glaubte, jedem menschlichen Wesen im Schoss Leben spendete, wurde der Mond zum wichtigsten Symbol der Muttergöttin, und zwar überall auf der Erde. - Die Römer verehrten die Urmutter Mond entweder als «Luna» oder «Mana», deren Verehrung die Christen als «Wahninns» verdammten. «Mana» kam von dem Sanskritwort manas für «Bewusstsein», einer Eigenschaft der Urmutter Ma. Es war auch mit dem lateinischen Wort mens verwandt,das sowohl «Bewusstsein» wie auch «Mond» bedeutet, darüber hinaus aber auch die geheimnisvolle Qualität spiritueller Macht (nu-men).

 

 

Zwölf

Zahl Zwölf und Dreizehn: Im Märchen «Der Froschkönig» deutet Lucie Stapenhorst: «Der Siegeszug der männlichen Wissenschaft hat die weisen Frauen nicht vergessen machen können. Es sind Dreizehn. - Und wieder wird ein Mangel in diesem Königreich deutlich: ein Teller fehlt, der Teller für die dreizehnte der weisen Frauen. Der König ist auf die Zahl Zwölf programmiert, die sozusagen der kleinste Nenner im Patriarchat ist: das Judentum ging aus 12 Stämmen Israels hervor, das Christentum ruht auf den 12 Aposteln, und der Lauf der Sonne, Symbol des männlichen Geistes, teilt das Jahr in 12 Monate und den Tag in 12 Stunden. Die Dreizehnte sprengt diese Ordnung; deshalb ist sie im Patriarchat auch als böse, als Unglück bringend verschrien. Sie ist die Zahl der Frauen: sie bluten dreizehnmal im Jahr. Sie weckt Erinnerungen an eine ältere Zeit, die sich nach diesem Rhythmus in 13 Monate teilte, und zugleich lässt sie hoffen auf eine Zeitenwende, da sie das Patriarchatsmass überschreitet. - Der König kaschiert seinen Mangel, indem er die Dreizehnte nicht einlädt, eine im Patriarchat übliche Methode, die Unbequemen einfach nicht zuzulassen, sie auszugrenzen.» Er macht sich und sein Reich dicht. Aber, den Willen des Königs missachtend, erscheinen alle dreizehn Frauen und verkünden mit lauter Stimme für diese Tochter ihre Werte, beschenkten das Kind mit ihren Wundergaben, nehmen es sozusagen in ihre Obhut und versprechen der Königstochter für die Zeit ihrer Reife, in ihrem fünfzehnten Jahr, wenn sie von der Spindel gestochen wird, eine Metapher für die erste Monatsblutung, ihren ganz besonderen Schutz: die Wohltat eines hundertjährigen tiefen Schlafes. Der König will ihren Einfluss zunichte machen. - Dennoch spricht ein heimlicher Triumph aus diesem Märchen: «An dem Mädchen aber wurden die Gaben der weisen Frauen sämtlich erfüllt» (BN 1321, 51-53).