traum-symbolika.com

Körper und Leib - Kapitel 3

Allgemeines zu Körper und Leib

In diesem Kapitel gehe ich ausführlicher auf die «Leibphilosophie» von Annegret Stopczyk ein, weil es darin explizit um unsere Leiblichkeit geht. Die ausgebildete Philosophin geht von der Philosophiegeschichte aus, in der sie nach Traditionen sucht, die den Leib und das Erleben in den Denkprozess einbeziehen. Stopczyks Anliegen ist die Entwicklung einer Philosophie, die besser imstande wäre, «wenigstens argumentativ unseren Leib und unser Leben zu schützen, als die bisherige Philosophie». Aufgrund der Ergebnisse ihrer Forschungen unterscheidet die Philosophin zwischen den Begriffen: Körper und Leib, weil sich mit dem Begriff «Leib» ein anderes Erleben verbinde als mit dem Begriff «Körper». - Ihr Buch trägt den schönen und sprechenden Titel «Sophias Leib - Entfesselung der Weisheit» (ID-Buch 710).

Argumentativ Leib und Leben schützen

Ihre Suche nach leibnäheren Traditionen - sagt Stopczyk - habe sich immer mehr zu einer Suche nach der «Sophia» entwickelt. Um dies zu erklären, geht sie auf die Antike zurück: Die griechischen Worte «Sophia» und «Logos» seien Ausdruck für zwei verschiedene, miteinander konkurrierende Erkenntniswege (gemeint die Vernunft-Philosophie und die Sophia-Philosophie), die traditionell als Gegensatz von Denken und Fühlen, Theorie und Erfahrung oder von Kopf und «Bauch» aufgefasst wurden, wobei sie einen dritten Erkenntnisweg vorschlägt.

Ein Denken - zwischen Gefühl und Verstand

Diesen dritten Weg sieht sie in einem Denken, das sich absichtlich zwischen Sophia und Logos bewegt, zwischen Weisheit und Vernunft, zwischen linker und rechter Gehirnseite, zwischen Gefühlen und Verstand. Zwischen Weisheit und Vernunft zu denken bedeute, in beiden Formen zu denken, die Freiheit zu haben, verschiedene Sichtweisen einnehmen zu können, je nach den Erfordernissen der aktuellen Situation. Es handle sich um ein lösungsorientiertes, auf die Komplexität der Lebenssituation bezogenes Denken.

Liebe zur Weisheit

Annegret Stopczyk versteht ihre philosophische Arbeit als Liebe zu «Sophia», zur Weisheit. Weisheitsliebe habe es in der Philosophie im Abendland noch nicht gegeben. Logos meine ein Suchen nach Wahrheit lediglich in Begriffen, die nach einer bestimmten Logik geordnet werden. Es sei ein geregeltes und reglementiertes Denken, das auch den Namen «Vernunft» erhielt. Ein Philosophieren nur in gelernten Begriffen bleibe aber immer mangelhaft gegenüber der Erfahrung, die Weisheit eines Lebensproblems vorbegrifflich zu erfassen. Die Alternative zu Vernunft heisse Weisheit, nicht Irrationalität und Unvernunft (13).

Bikamerales Denken

Die Leibphilosophie geht nicht von einem naturhaft weiblichen Denken aus, weil dieses ebenso ein konstruiertes Denken sei, wie das männliche Denken. Frauen könnten zwar genauso denken wie Männer, müssten dies aber nicht, denn sie könnten auch anders. Der Vorschlag der Philosophin ist, ein «utopisch weibliches» Denken zu konzipieren, als eine Utopie, als eine Orientierung, auch für Männer (84). Den kritischen Einwänden gegen diese Begrifflichkeit hält sie entgegen, Frauen seien im jetzigen historischen Zeitpunkt tatsächlich besser in der Lage, mit beiden Gehirnhälften zu denken, als Logos trainierte Männer, die sich auch noch mit ihrer Rationalität emotional identifizierten. Das Denken mit beiden Gehirnhälften wird von Stopczyk als ein «bikamerales» Denken bezeichnet.

Erkenntnis-Traditionen: Weisheit und Vernunft

Dieses bikamerale Denken möchte die Philosophin aber leibnäher gedacht wissen. Es nehme eine Zwischenstellung zwischen den beiden Erkenntnistraditionen, Weisheit und Vernunft, ein. Bildlich gesehen drehe sich das einseitig rationale Denken der linken Gehirnhälfte in einem kleinen Kreis, während das bikamerale, kreative Denken beide Gehirnhälften umfasse. Der grosse Kreis würde beide Gehirnhälften verknüpfen, wäre wie eine Hochzeit zwischen Sophia und Logos (99).

Schöpfungs-Vorstellung

«Logos» heisse im Griechischen das Wort, die Rede, das Gesetz, das Aufgeschriebene, die Regel, die Lehre. In mythischen, älteren Zusammenhängen bezeichne dieses Wort eine Schöpfungsvorstellung, nach der die Welt durch das Wort entstanden sei oder durch einen rein geistigen Gedankenakt. «Logos» habe als eine göttliche Essenz gegolten, die männlich war (84-85). - Für uns ist es ganz wichtig, an derlei historische Sachverhalte erinnert zu werden.

Alternative zur Vernunft

Denn noch heute lebe die Philosophie in der Tradition des Aristoteles, für den der Mensch (gemeint der Mann) ein «rationales Tier» sei, der sich durch seine spekulierende und vernünftige Seele von den Pflanzen und Tieren unterscheidet. Das «Vernunfttier» Mann könne wegen seiner Denkfähigkeit die höchste Naturentwicklung vorweisen und daher auch mit Recht beanspruchen, über alles andere zu herrschen und die gesamte Natur für sich zu nutzen. Das körperliche Erleben galt als Störung des Denkens und Erkennens. - Im Unterschied dazu stellt sich die Philosophin ein neues, sich öffnendes Selbstverständnis von Weisheit vor, das noch unentdeckt jenseits der ausgetretenen Heerstrassen der Vernunft auf uns wartet und befreit werden möchte.

Klugheit, Einsicht Lebenserfahrung

Das Wort «Sophia», das im Griechischen soviel wie Klugheit, Einsicht, bewusste Kunst, Weisheit, Lebenserfahrung bedeutet, werde mythologisch als weibliche Gottheit vorgestellt und komme mit verschiedenen Namen in fast allen älteren Religionen der Erde vor. Die Sophia gelte als Weltgebärerin, die aus sich selbst erschafft. Die gnostische Sophia erschuf die Welt wie ein Logos aus ihrer Gedankenkraft heraus und war so ebenfalls ein Logos (85). Jene Philosophen, die der Sophia zugetan blieben - wie Ludwig Feuerbach - seien von den anderen Philosophen verdrängt worden. Feuerbach wollte, dass das «zu Verstand gebrachte Herz» zum Leben kommt: «Ich bin ein wirkliches, ein sinnliches Wesen. Der Leib gehört zu meinem Wesen.» Ich bin nicht «ein abstraktes, ein nur denkendes Wesen» (18). - Damit will Stopczyk zeigen, dass es auch immer Männer gab, die sich gegen falsche Einteilungen und Zuschreibungen zur Wehr gesetzt haben, und dass diese Männer die Gedankenkraft des Weiblichen - des weiblichen Logos - gekannt und hoch eingestuft haben.

Differenzierteres Welterkennen

Die Philosophin strebt eine bewusstere Suche nach einer weisheitlicheren Erkenntnisweise an, von der sie sich die «Freiwerdung eines Weges für ein differenzierteres Welterkennen» verspricht. Vor allem auch Frauen könnten beginnen «ihre Welterfahrung sensibler zu beobachten und in Worte zu bringen». Nicht alle Frauen seien in der Lage, ihre Welterfahrung ausreichend zu beobachten und zu beschreiben. Auch Frauen hätten einen Sensibilisierungsprozess zu durchlaufen. Erkennen habe etwas damit zu tun, wie wir in der Welt das Leben erfahren. Auf die Frage, warum ihre Philosophie «Leibphilosophie» heissen müsse, antwortet die Philosophin: «Ich bin ein leiblich-körperliches Wesen und will meine Vernunft mit dem Herzen verbinden. Ich will lebensliebend auf Erden sein und dafür denken, fühlen, erfahren und Wissen erwerben. Ich will die Weisheit im Lebensalltag der Menschen wieder entdecken, und ich will Liebesfähigkeit» (20). - Diese Erklärung finde ich sehr schön und richtig, sie genügt aber nicht. Denn wir müssen nicht nur das Lieben und Verstehen lernen, sondern auch das Neinsagen, Abgrenzen, Zurückweisen, Distanzieren. Dass dem so ist, wird Stopczyk später bei der «Philosophin der Liebe», Helene Stöcker, klar erkennen und gutheissen (ID-Buch 1376, S. 204). Helene Stöcker sei imstande gewesen, sich von einem geliebten Mann radikal zu trennen, wenn er von ihr nur die übliche Hausfrauenrolle erwartete und nicht imstande war, ihre Lebensaufgabe zu unterstützen.

Zusammenspiel unserer Gehirnhälften

Zum utopisch «weiblichen Denken» führt Stopczyk weiter aus, es sei offen für die Probleme, die anstehen und wende sich der Lebensgestaltung zu. Dieses Denken könne sozusagen zwischen den Gehirnkammern hin und her eilen, um zu sehen, was zu tun wäre. Im Glücksfall könne es sogar gleichzeitig in beiden Zimmern des Gehirns sein und die Situation von da aus mehrperspektivisch begreifen. Dem utopischen Denken gehe es nicht um die Erhaltung einer einzigen «grossen Wahrheit», sondern um den Zusammenhalt vieler Prinzipien. - Wahrheiten, Prinzipien, Traditionen, Gewohnheiten und Wirklichkeiten seien dazu da, ein gedeihliches Zusammenleben zu ermöglichen, andernfalls taugten sie nichts. Diese pragmatische Orientierung sei hauptsächlich beziehungsorientiert und weniger nur wissensorientiert. Dieses Denken könne durch Gefühlsqualitäten getragen sein wie Liebe, Gemeinsinn, Verständnis, Toleranz, Solidarität, Freundschaft. - Das «Pragmatische» an diesem Denken wäre der Blick sowie die Art und Weise, wie das Leben in einem vielgestaltigen Sinne verwirklicht werden könnte. So habe es immer auch eine politische Dimension. Utopisch bedeute, dass es ein Ideal sei, für das es keine vollständige Verwirklichung gebe. Aber dieses Ideal habe Weisungskraft und könne eine Richtung anzeigen (102).

Quelle der Erfahrung

Die Leibphilosophin kreiert den Begriff «Leibsinn», der zu entwickeln sei. Gemeint ist, den eigenen Leib als «sensible Quelle der Erfahrung und Erkenntnis» bewusst zu sensibilisieren, die eigenleibliche Differenzierungsgabe unserer Erkenntnis zu entwickeln. Dies setze bei den eigenleiblichen Spürnissen ein, was eine differenzierte Wahrnehmung und Identifikationsfähigkeit benötige. Um in das Wissen der Naturgeheimnisse eingeweiht zu werden, müsse der eigene Leib nicht weggedacht oder abstrahiert werden, wie griechische Philosophen meinten und behaupteten, sondern der eigene Leib müsse eine eigene Sensibilisierungs-Schulung erhalten (173). Gefühle seien «Qualitäten unseres entwickelten Leibsinnes» (173). - Faszinierend ist für mich, dass Stopczyk die Erfahrungen, die von Frauen immer wieder beschrieben werden, in einen philosophischen Kontext stellt und die patriarchalen Zuordnungen und Begründungen entkräftet.

«Felt Sense»

Im Begriff «Felt Sense» des Philosophen und Psychotherapeuten E.T. Gendlin, den Stopczyk als «spürendes Denken» übersetzt, sieht sie etwas von dem, was sie meint. Beim spürenden Denken handle es sich um jene innere «Instanz», die beim Dichten eines Gedichtes genau weiss, was das richtige Wort wäre, und zwar gerade dann, wenn es noch gar nicht gefunden sei. Diese Instanz scheine zu wissen - in einem nichtsprachlichen, genaueren Sinn als die normale konzeptionelle Intelligenz - was zum Erlebten und Gemeinten als Ausdruck passt (72). - Zu diesem Sachverhalt hat sich auch die Psychotherapeutin Carola Meier-Seethaler in ihrem Buch «Gefühl und Urteilskraft» geäussert, das sie auch als ein Plädoyer für die emotionale Vernunft verstanden wissen will (ID-Buch 877).

Leiblichkeit und Vernunftkritik

Bei aller Wertschätzung der feministischen Theoretikerinnen stellt Stopczyk trotzdem fest, dass keine sich der Leiblichkeit derart genähert habe, dass sich daraus eine Vernunftkritik ergeben hätte, die für eine Philosophie des Leibes ertragreich wäre. Dies gelte sowohl für die Theoretikerinnen der Gleichberechtigung (sie nennt Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer) als auch für Theoretikerinnen der Differenz (sie nennt Mary Daly, Carol Gilligan, Luce Irigaray, die Philosophinnen-Gruppe Diotima, Heide Göttner-Abendroth, Christa Mulack, Gerda Weiler).

differenzierenderes Denken erforderlich

Sehr erfreulich ist, dass sich die Leibphilosophin ganz klar für das analytische Denken stark macht. Sie zeigt zwar Verständnis für Frauen, die Wissenschaft und Zivilisation als «männlich» kritisieren, weil dort die zerstückelnde Erkenntnisweise favorisiert werde, ohne «das Zusammenbringen» zu beherrschen. Analytisches Denken werde vor diesem Hintergrund als männlich-zerstörerisches Denken wahrgenommen und verständlicherweise abgelehnt. Es wäre jedoch falsch, das analytische Denken durch das «synthetische Denken» oder «ganzheitliche», «holistische», «systemische» Denken oder die «Identifikation» ersetzen zu wollen. Zu Unrecht würden die letzteren als fraglos bessere Denkmethoden gesehen, während die Gefahr eines globalisierenden und verallgemeinernden Denkens nicht gesehen werde. Dieses Denken neige dazu, Einzelheiten und Minderheiten zu vernachlässigen. Vielmehr sei ein differenzierenderes Denken erforderlich, das die Vorteile beider Denkarten in sich vereinige.

Utopisches und pragmatisches Denken

Ein utopisch weibliches Denken will die Philosophin weder biologistisch noch nur rein soziologisch konstruiert verstanden wissen, es sei an die historische Situation gebunden. Das bikamerale Denken sei beiden Geschlechtern angeboren, die beiden Denkmöglichkeiten seien beiden Geschlechtern genetisch offen geblieben. Wenngleich die Utopie des weiblichen «Zwischendenkens» leiblich hergeleitet sei, dürfe dies nicht mit «biologisch» übersetzt werden, weil die gegenwärtige körperliche Erfahrungssituation und die daraus entstandene Denkbewegung beachtet werde.

Mythische Geschichten und Gleichnisse

Die Leibphilosophie stellt auch einen Bezug zur Bilderwelt der Träume her: Die weisheitlichere Denkweise werde bildlich vermittelt, in mythische Geschichten gekleidet oder in beispielhafte Gleichnisse. In Träumen werde die weisheitlichere Denkweise durch Tiervergleiche und Analogien zwischen Dingen vermittelt, die nach dem gewöhnlichen logischen Verständnis wenig miteinander zu tun haben. Immer gehe es in der Weisheitsphilosophie um konkrete Ratschläge und Lebenserfahrungen, die gedeutet werden. Oder es gehe um Geschichten, die etwas Unerklärliches zu fassen versuchen. Auch die sogenannte «Intuition» habe mit dieser bildhaften Denkungsart zu tun. - Das heisst, dass die Grundlage der Bilderwelt und der Weisheitsphilosophie durch einen geglückten Austausch von rechter und linker Gehirnhälfte entsteht.

Komplexere Logik

In der Leibphilosophie wird eine komplexe von einer einfachen Logik unterschieden: Dass intuitivere Denken werde in der patriarchalen Vernunfttradition üblicherweise dem kindlichen und auch weiblichen Denken zugeordnet und vom vernünftigen maskulinen Denken des Erwachsenen abgetrennt. Frauen erlebten immer wieder, dass sie als unlogisch Denkende von Männern belächelt werden, weil ihnen anderes wichtiger ist als dem Mann. Was er nicht verstehe, komme ihm unlogisch vor oder zu konkret, zu assoziativ, zu intuitiv, unwissenschaftlich oder mystisch. Selten komme er auf die Idee, dass hier vielleicht eine komplexere Logik im Spiel sein könnte, die nicht nur mit definierten Wörtern jongliert, sondern die auch mit Bildern arbeitet, die sich aus den Wahrnehmungen gelebten Lebens ergeben haben (106). - Anstatt nur mit Wörtern zu jonglieren, arbeitet die Leibphilosophie also auch mit Bildern und Traumbildern.

Worte, Töne, Bedeutung

Was Stopczyk weiter über das Bilderdenken aussagt, ist besonders für die Deutung von Traumsymbolen bedeutsam. Das Bilderdenken könne auch über Sprache und Worte vermittelt werden. Worte seien nicht nur willkürliche, rein begriffliche Setzungen, sondern Laute, die Gefühle, Empfindungen, Erinnerungen, Gedanken, Assoziationen, Vorstellungen, Bilder und Wissen aufnehmen und auch erzeugen können (39). Worte «tun» auch etwas mit uns; sie wirken durch unsere Auffassungsgabe und Einbildungskraft direkt auch körperlich ein. Worte können den Prozess der selbstdenkerischen Erfahrung festigen und nach aussen verkörpern. Dies könne auch als befriedigender Selbstausdruck erlebt werden. Wer einmal ein Gedicht geschrieben hat, wisse worum es hierbei geht (43). - Tatsächlich geht die Tiefenpsychologie davon aus, dass das Bilderdenken auch über Sprache und Worte vermittelt wird. Im therapeutischen Verfahren werden Traumbilder erzählt und also in Worte gefasst und das Deuten geht von der Erfahrung aus, dass deutende Worte tatsächlich körperlich auf uns einwirken. Ob sich diese Worte schliesslich heilend oder schädigend auswirken, hängt von der Botschaft ab, die sie vermitteln. Wenn die deutenden Worte Bilder aus der menschlichen Frühzeit erinnern, als Frauen eine hohe, geachtete Stellung innehatten und ein selbstbestimmtes Leben führten, wird sich dies auf Leib und Seele einer Frau anders auswirken, als wenn ihr gesagt wird, sie habe sich als das dem Manne untergeordnete und dienende zweite Geschlecht zu verstehen.

Kontemplations-Übungen

Aber schon der suchende, stotternde, tastende Formulierungsprozess könne eine höchst beglückende kreative Bemühung sein, in der «Worte finden» zu einer Anstrengung werde, die jenseits des üblichen routinierten Sprechens stattfinde. Bezüglich Kontemplationsübungen könne ein «Denken» bemerkbar werden als ein eigenes inneres Tun, in welchem Empfinden, Wollen, Wahrnehmen und leises Sprechen gleichzeitig beteiligt seien. Es sei also eine gleichzeitig mehrdimensionale innere Tätigkeit spürbar (42). Die Methode einer wortunterscheidenden Kontemplation erhöhe die Aufmerksamkeitsintensität für das, was jemand zu verspüren imstande sei. Das «aufmerksame Verspüren» könne zwar durch Worte initiiert werden, aber es passiere jenseits der Worte als Eigenerleben. Diese «eigenleibliche» Erfahrung könne, wenn sie nach aussen gleichsam «übersetzt» werde, ziemlich frei in Formen gebracht werden. Manche Menschen könnten leichter ein Bild malen, eine Tanzbewegung machen oder ein Musikstück komponieren (43).