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Rückblick und Ausblick - Kapitel 10

Themenbereiche

Folgende Themenbereiche haben uns besonders beschäftigt: Körper/Leib, Denken/Fühlen, Alltag/Wirtschaft, Werte/Begehren, Deuten/Umdeuten, Heilmachendes/Krankmachendes, Anknüpfung/Systeme.

Zwei Denktraditionen

Das Kapitel «Körper und Leib» war der Leibphilosophie einer aktuellen, grundsätzlich denkenden Philosophin gewidmet - Annegret Stopczyk. Sie verweist auf zwei Denktraditionen - auf die weisheitliche Tradition der menschlichen Frühzeit sowie auf die spätere Tradition männlicher Logik - wobei sie deren Qualitäten und Grenzen heraus schält und einem dritten Weg das Wort redet, weil beide Wege in eine Sackgasse geführt hätten. Nebst den zwei Denkformen, die von der heutigen neurologischen Wissenschaft in den zwei Hirnhälften lokalisiert sind, verweist die Leibphilosophie auf eine dritte, faszinierende Möglichkeit: Gemeint ist unsere Fähigkeit, mit beiden Gehirnhälften zu denken und dies gleichzeitig zu tun, was jedoch einen Lernprozess bei beiden Geschlechtern erfordere, wobei der Philosophin klar ist, dass Frauen und Männer unterschiedliche rollenbedingte Defizite auszugleichen und bislang vernachlässigte Fähigkeiten zu entwickeln haben. Aus leibphilosophischer Sicht steht es beiden Geschlechtern zu, eine je eigene Identität zu formulieren, und dazu gehört, dass unser leibhaftiges Existieren, unsere Leiblichkeit einbezogen und mitbedacht wird.

Gefühlswelt und Gefühlsarten

Das Kapitel «Denken und Fühlen» machte auf die «Theorie der Gefühle» der Philosophin Agnes Heller aufmerksam, weil deren grosses Verdienst es ist, ohne Hierarchie der Geschlechter - Verhältnisses auszukommen. Das Zentrale an der «Theorie der Gefühle» ist, dass Heller den riesigen Gesamtumfang der Gefühlswelt erkennbar macht und aufzeigt, dass das Fühlen unlösbar mit dem Denken verknüpft ist. Als besonders interessant empfanden wir die Gliederung der Gefühle in sieben Gefühlsarten. Und das Allerwichtigste war für uns, dass das Fühlen wieder ins einzelne Individuum verlegt wird, anstatt es ans Weibliche zu knüpfen und an Frauen zu delegieren. Denn beide Geschlechter sind grundsätzlich in gleicher Weise zum Fühlen und Denken fähig und sollen beide Fähigkeiten entwickeln.

Öffentliche und private Sphäre

Im Kapitel «Alltag und Wirtschaft» ging es um das Zusammenspiel von öffentlicher und privater Sphäre, für das wir wiederum Agnes Hellers grundsätzliches und breit angelegtes Denken favorisierten (ID-Buch 928). Das Fazit der politischen Philosophin ist, dass die Spaltung in eine männlich öffentliche und in eine weibliche private Sphäre aufzuheben ist und der Zugang zu den Sphären beiden Geschlechtern und in paritätischer Weise gewährleistet werden muss, weil ansonsten die Entfaltung der Individualität und des Individuums gefährdet ist. Die Welt sollte zudem nicht von ein oder zwei Systemen der Arbeitsteilung dominiert werden, es könnte grosse und kleine Systeme geben, aber keines sollte so mächtig sein, dass es alle anderen Systeme beeinflussen könnte.

Materialismus der Seele

Die Rede über «Werte und Begehren» ging auf die Begriffe des «Heiligen» und «Numinosen» ein, ebenso auf die herbe und notwendige Kritik an weiblicher Mittäterschaft und Opferrolle. Zu den Werten wurde die neuartige Rede vom «Materialismus der Seele» gezählt, die neue Vorstellungen und Assoziationen in uns weckt und eine Brücke zum Traumleben zu bilden vermag. Es war zudem von Werten und Wertvollem die Rede, die lange vor dem Patriarchat, «vor den Pharaonen» existiert haben sowie von Werten, die sich bereits im Vorsprachlichen und Aussersprachlichen manifestieren.

Intellektuelle Interessen

Das Kapitel «Deuten und Umdeuten» war von Dankbarkeit gegenüber jenen Psychotherapeutinnen intendiert, die schon in Anfängen der Tiefenpsychologie den Versuch unternahmen, psychologische Lehren in einer Art umzudeuten, die sie für uns Frauen akzeptabel machten. Jungianerinnen erklärten, dass Frauen, die Studium und Erwerbsarbeit dem Hausfrauendasein vorziehen, nicht in jedem Fall als «unweiblich» oder «animusbesessen» abgewertet dürften, dass Frauen also nicht von intellektuellen Interessen und Studium abgehalten werden dürften. Dies zu sagen, war für die damalige Zeit sehr mutig, genügt für das Heute allerdings nicht mehr, weil das Umdeuten zu den Strategien der Ohnmacht gehört, die heutige Frauen durch effizientere Strategien ersetzt sehen wollen.

Grundidee der Individuation

Das Kapitel «Heilendes und Krankmachendes» hat aufgezeigt, dass ursprünglich heilsame Konzepte im Hinblick auf Frauen in ihr Gegenteil verkehrt wurden, die sich in der Folge krankmachend auf Frauen auswirken. Die Grundidee der Individuation wurde durch das Jungsche Konzept von «Animus und Anima» ausser Kraft gesetzt, das eine selbstbestimmte weibliche Identität nicht zulässt, sondern das Selbstwertgefühl der Frau verletzt und eine autonome Entwicklung untergräbt. Weil die Theorie von «Animus und Anima» Frauen krank macht, anstatt zu heilen, zählt sie zu den sexistischen psychologischen Theorien, die dringlich einer öffentlich vorzunehmenden Korrektur unterzogen werden muss.

Männlicher Vorrang - Missbrauch der Systemtheorie

Das Kapitel «Anknüpfen und System» kritisierte aktuelle Bestrebungen eines weltweit bekannten und anerkannten Soziologen, den männlichen «Vorrang» im Verhältnis zum weiblichen Geschlecht neu zu grundieren. Es ging dem Soziologen darum, die biblische Emanationsidee (Adam und seine Rippe) in eine moderne Begrifflichkeit zu übersetzen. Dies sei möglich, indem die Theorie unterschieden werde in eine Grundstruktur (statisch) und einen Kommentar (veränderbar), und weil das durch die Unterscheidung Ausgeschlossene (Adams Rippe bzw. Eva), später wieder eingeführt werden können, nun aber nur noch im Rahmen der zuvor eingeschränkten Grundstruktur. - Für die Soziologin Marianne Krüll stellt dieses Vorgehen einen Missbrauch der Systemtheorie dar, wobei sie den von uns kritisierten Theoretiker namentlich erwähnt (N. Luhmann). - Auf der anderen Seite haben sowohl Agnes Heller als auch Marianne Krüll auf die positiven Möglichkeiten der Systemtheorie hingewiesen, die auch der feministischen Theorie nützlich sein können. Für uns stellt die Unterscheidung einer Grundstruktur von einem Kommentar die Möglichkeit dar, ein psychologisches Theoriegebäude schon auf der Ebene der Grundstruktur auf sexistische Elemente zu untersuchen und zu kritisieren. Wir Frauen wären nicht mehr genötigt, uns permanent an den beliebig veränderbaren Kommentaren patriarchaler Gelehrsamkeit abzuarbeiten. Somit könnten wir dem Leiter des Berliner Junginstituts (Hans Dieckmann) nunmehr in einem einzigen Satz sagen, er gehöre zu den Missbrauchern der Systemtheorie: Er gebe im Vorwort zu Ursula Baumgardts Kritik an Jungs Geschlechter-Konzept zwar zu, dass ihre Kritik richtig und notwendig sei, denn C.G.Jung sei tatsächlich bis in sein hohes Alter niemals zu einer wirklich emanzipatorischen Veränderung seines Frauenbildes bereit gewesen, an den Begriffen «Animus und Anima» wolle er (Dieckmann) aber trotzdem festhalten, anstatt sie konsequent fallen zu lassen. Fazit: Sowohl das Bestreben des Chef-Soziologen als auch des Chef-Psychologen ist, das patriarchale, hierarchische Verhältnis der Geschlechter bzw. den männlichen Vorrang aufrecht zu erhalten. - Das heisst, dass wir Frauen unsere Hände noch lange nicht in den Schoss legen können - auch weil deren Bestrebungen bereits in Fachhochschulen Eingang finden.

Symboldeutung - Blick primär auf Objektebene

Frage: Was haben die erwähnten Themen mit der «Symbolik einer Traumserie» zu tun, um die es im vorliegenden Theorieteil ja geht. Und was ist daran feministisch, wie wir wiederholt gefragt wurden. - Antwort: An erster Stelle ist die geschlechtsspezifische Sichtweise zu nennen, die für die Deutung einzelner Traumsymbole als auch für das Verstehen des patriarchalen Symbol-Systems richtunggebend war. Agnes Hellers «Theorie der Gefühle», die unsere menschliche Gefühlswelt in ihrer Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Gefühle in ihre Rechte einsetzt und das in Einzahl gedachte «Gefühl» der Tiefenpsychologie ausser Kraft setzt. Das Prinzip des «Von-sich-selbst-ausgehens» der DIOTIMA-Philosophinnen, das auf Akzeptanz weiblicher Wahrnehmungs- Urteils- und Denkfähigkeit pocht. Die Erinnerung an Mythologien aus der vorpatriarchalen menschlichen Frühzeit, in der Frauen eine hoch geachtete Stellung in der Gesellschaft innehatten und ein starkes Selbstbewusstsein entwickelten, an das heutige Frauen anknüpfen können. Annegret Stopczyks «Leibphilosphie» stellt den menschlichen Leib in seinem ursprünglichen Umfang und Gehalt wieder in die Mitte des philosophischen Denkens und Fühlens. Die Integration der feministische Forderung, bei der Symboldeutung den Blick primär auf die Objektebene zu richten (Welt und Umwelt), ebenso auf schöpferische und intellektuelle Fähigkeiten und Potenziale zu richten sowie auf das berechtigte Bedürfnis der Frauen nach grösserer Einflussnahme auf den Gang der äusseren Welt. Diesen feministischen Zielen ist «Symbolik einer Traumserie» verpflichtet und ist explizit als ein Arbeitsinstrument zugunsten dieser Ziele konzipiert.

Was uns Hoffnung gibt

Wie weiter? Was gibt uns Hoffnung? Wir haben gesagt, dass wir unsere Hände noch lange nicht in den Schoss legen können. Dies stellt auch die Politologin Eva Grundl fest. Ihre Beobachtung ist, dass die «Mechanismen zur Bevorzugung der Männer» heute viel subtiler sind. Die neue Chefin des Online-Magazins «ostschweizerinnen.ch» will sich daher thematisch stärker dem «neuen Feminismus» zuwenden - der ja eigentlich der gute alte Feminismus ist, den sie neu beleben will - und zwar in Zusammenarbeit mit Terre de Femmes, der Frauendatenbank von Louise Pusch, sowie den Magazinen «Emma» und «Fraz». Ferner stellt sie befriedigt fest, dass ostschweizerinnen.ch heute 17000 Besucherinnen monatlich zähle (St.Galler Tagblatt 02.02.07).

Kampf noch keineswegs gewonnen

Die Harvard-Professorin Elisabeth Schüssler-Fiorenza hat kürzlich ebenfalls darauf hingewiesen (2008), dass der Kampf noch keineswegs gewonnen sei. Dass Verlegerinnen ihr sagen, sie solle das Wort «feministisch» mit Vorteil nicht in Buchtitel aufnehmen, ist für sie Zeichen für eine rückschrittliche Tendenz. Die «wichtigste Theologin der Welt» erwähnt ferner, dass die feministische Theologie längst nicht gesichert sei. Ihr Lehrstuhl in Harvard decke die Bereiche Neues Testament sowie Religion und Gesellschaft ab, sei aber nicht explizit feministisch, was ihr typisch erscheine. Das fehlende Frauenpriestertum bedeutet für sie nicht so sehr den Ausschluss der Frau aus der Sakramentenspendung, sondern den Ausschluss vom kirchlichen Lehramt. Dieses fasse weitreichende Beschlüsse über Frauen, etwa über Abtreibung oder Geburtenkontrolle, ohne dass Frauen ein Wort mitreden können. Die katholische Theologie sei geistig unfrei. Sie habe zwar kein Problem damit, dass sich Frauen auf der Donau irregulär zu Priesterinnen weihen liessen. Was ihr Mühe mache, sei, dass diese Frauen über die Ordination die kirchlich-patriarchalen Strukturen reproduzieren, sie aber nicht in Frage stellen und verändern. Wenn schon, müssten Frauen zu Bischöfinnen geweiht werden. Nur wenn es Frauen an der Spitze der Hierarchie gäbe, könnten sie vielleicht etwas ändern. Das Diakonat sei aber die unterste Stufe. - Ferner meint sie, dass nur jene von einer postfeministischen Gesellschaft reden, die sich nicht mit dem Feminismus auseinander setzen wollen. - In Amerika erhalte sie von kirchlichen Institutionen keine Einladungen mehr, dort sei jetzt alles total konservativ. Darum habe es sie überrascht, dass sie zum Katholikinnentag in Osnabrücke eingeladen worden sei. - Den Lehrstuhl an der Universität Harvard hat Schüssler-Fiorenza seit 20 Jahren inne. Sie ist 1928 in einer Bauernfamilie in Rumänien geboren, floh während des Krieges mit ihrer Familie nach Deutschland, studierte in Würzburg Theologie und ging 1970 in die Vereinigten Staaten und heiratete den Theologen Fiorenza (Tages-Anzeiger vom 21.05.2008. Interview von Michael Meier). Elisabeth Schüssler-Fiorenza hat eine feministische Erkenntnislehre begründet, eine «Hermeneutik des Verdachts» . - Es scheint mir angebracht, uns in Dankbarkeit einer solchen eindrücklichen Biographie und Entwicklung zu erinnern.

Verschiedenheit - neue Bündnisse

Die Politologin Antje Schrupp ist - ebenso wie wir - überzeugt, dass die Frauenbewegung und der Feminismus in den nächsten Jahren wieder wichtiger werden. Ferner meint sie, dass Frauen ein Forum bräuchten, in dem sie sich darüber austauschen könnten, nach welchen Massstäben und Kriterien sie die neuen Möglichkeiten nutzen wollten. Die vermeintliche Krise der Emanzipation sei alles andere als eine Krise des Feminismus. Ganz einfach deshalb, weil das Anliegen der Frauenbewegung ja nie einfach die Gleichstellung mit dem Mann gewesen sei, sondern die Freiheit der Frauen, was etwas völlig anderes sei. Wenn wir den Massstab in der Freiheit der Frauen suchen, könnten sich ganz neue Bündnisse schliessen lassen, zum Beispiel mit feministischen Muslimas. Die Freiheit der Frauen sieht Antje Schrupp in den Beziehungen unter Frauen in ihrer Verschiedenheit, dass aber die konkreten Beziehungen zwischen Frauen zu einem politischen Faktor gemacht werden müssten (Antje Schrupp in: FAMA - Feministisch-theologische Zeitschrift, Februar 2007).

Feuer des Feminismus nicht obsolet

In derselben Zeitschrift äussert sich die Theologin Tania Oldenhage zum Begriff «feministisch», den beizubehalten sie für wesentlich hält. Sie erinnert sich mit Grauen an ein Gespräch an einer feministisch -theologischen Fachtagung, als gestandene feministische Theologinnen erwogen: Ob es nicht tatsächlich an der Zeit sei, das Wort «feministisch» in die Geschichtsschreibung zu verabschieden. Auch die Theologin und Pfarrerin Jacueline Sonego Mettner äussert sich im selben Heft überzeugt, dass das Feuer des Feminismus keineswegs obsolet geworden ist. Es sei eine Illusion zu glauben, es gäbe Bewegungsfreiheit von Frauen, es gäbe eine Beteiligung an den gesellschaftlich, politisch und kulturell relevanten Entscheidungen, es gäbe ein unbehindertes, sogar beachtetes und geschätztes Engagement wo immer sie möchten etc. ohne das Feuer des Feminismus.

Psychologische Theorien - dritte Frauenbewegung

Diese und andere Stimmen lassen aufhorchen und machen zugleich hoffnungsvoll. Unsere Hoffnung ist, dass bald eine starke und Länder übergreifende dritte Frauenbewegung an die Öffentlichkeit drängt. Dabei können wir das systemische Strukturmodell als Instrument einsetzen, um psychologische Theorien auf der Ebene der Grundstruktur zu erfassen und sie auf die politische Ebene zu heben, um sie auf dieser Ebene auszuhebeln. Erinnern wir uns, dass schon das Frauenstudium vor hundert Jahren auf politischer Ebene durchgesetzt werden musste, weil die Professoren es mit allen Mitteln bekämpften. Und vergessen wir nicht - Frauen haben keine Lust mehr, sich in endloser Sisyphusarbeit auf der strukturellen Ebene der beliebig veränderbaren «Kommentare» abzumühen und gegen Windmühlen zu kämpfen, während die Grundstruktur der patriarchalen Theorien unverändert bleiben.

Teilhabe auf allen Ebenen - künftiges Gesellschaftsmodell

Für den Kampf um ein nichthierarchisches Geschlechterverhältnis sind Modelle gefragt, die sowohl Frauen als auch Männern eine selbstbestimmte Identität ermöglichen. Weder das Bild der Emanation aus der Grossen Mutter noch die Emanation des Adam und seiner Rippe entsprechen unserer Vision eines gleichrangigen Geschlechterverhältnisses. Ein künftiges Gesellschaftsmodell hat beiden Geschlechtern die Teilhabe an Alltag, Erwerb und an der Gestaltung des Lebens auf allen Ebenen zu ermöglichen. Erfreulicherweise ging auch die 10. Frauenvernetzungs-Werkstatt an der Universität St. Gallen (2007) von der Überzeugung aus, dass eine andere Welt möglich ist und dass «die Frauenbewegung lebt».

Aktuelle Meldung - Mädchen und Mathe

Noch eine erfreuliche aktuelle Meldung zu «Mädchen und Mathe»: Gleichberechtigung verbessert die Leistungen von Mädchen in Mathematik. Das ergeben Daten der Pisa-Studie. Früher schnitten Knaben in den Mathe-Tests weltweit meist besser ab als Mädchen. In Ländern, in denen Frauen gleiche Chancen und Rechte geniessen, verringerte sich dieser Unterschied oder verschwand ganz (St. Galler Tagblatt vom 31.05.2008, S. 32).

Vernetzungs-Werkstatt - Frauen denken seit jeher

Eine weitere hoffnungsvolle und erfreuliche Meldung aus meiner eigenen Stadt. Die 11. Frauenvernetzungs-Werkstatt an der Universität St. Gallen (2008) lief unter der Losung: Frauen denken - seit jeher. Der Kongress, der von über 600 Frauen besucht wurde, ging von der Frage aus, ob Frauen anders und Anderes denken. Und was selbstverantwortlich denken, fühlen und handeln für jüngere und ältere Frauengenerationen bedeute. Die Frauenvernetzungs-Werkstatt stellte die denkerische Potenz von Frauen ins Zentrum - aus philosophischer, juristischer, wirtschaftlicher, politischer und aus ganz praktischer Sicht. Referentinnen sagten, was sie denken, und die Teilnehmerinnen waren aufgefordert, an den offenen Foren teilzunehmen und zu erkennen, was am Arbeitsplatz gespielt wird, wie es sich mit dem Balance-Akt zwischen Familie und Beruf, mit der Befreiung aus der Schönheitsfalle etc. verhält. Es waren Kontakte zu knüpfen, sich an Liedern zu erfreuen, die das Leben schrieb und die Theatergruppe Les Reines Prochaines hatte ebenfalls nachgedacht und erklärte musikalisch und ganz nebenbei die moralischen Strukturen des menschlichen Daseins.

Traumlabor und Magazin
Zum Schluss noch zur Frage, wie und warum sich «Symbolik einer Traumserie» zu einem Internetportal entwickelt hat (www.ffrps.com). - Nach der Vernissage in St. Gallen erwähnte der Jahresbericht des iff-forums, von dem die Vernissage organisiert worden war, das Interesse sei «riesig» gewesen. Ferner wurde von anderer Seite geraten, die Arbeit in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Dies, weil die zugrunde liegende Intention die Ausweitung und Weiterentwicklung des Sinnes für die Bedeutung von Traumsymbolik und Symbolsystemen ist, was mittels eines Schulen übergreifenden und international ausgerichteten Austausches über die Thematik zu verwirklichen wäre. Die «Symbolik einer Traumserie» sollte dabei den Kern des Portals bilden, während eine Art «Magazin» das Bedürfnis nach Orientierung und Diskussion über Alltagsleben, Erwerbsarbeit, Studium und sonstiges Frauenbewegendes abdecken sollte. Ferner wurde erörtert, dass Einflussnahme auf das bestehende männerzentrierte Symbolsystem möglich wäre mittels der Sammlung von zusätzlichen Traumserien mitsamt der Interpretationen von Frauen aus allen Teilen der Welt, unabhängig von biographischem, theoretischem und kulturellem Hintergrund. Dies würde zu einer grossen Ansammlung von Wissen und Erfahrung führen, die in Fachgruppen weiter diskutiert, systematisiert und in Nachschlagewerke umgesetzt und publiziert werden könnte.

Rückblick - Dank

Bedanken möchte ich mich bei allen, die in irgendeiner Form zur «Symbolik einer Traumserie» und zur Entstehung des Internetportals beigetragen haben. Insbesondere danke ich der Psychoanalytikerin Kathrin Knüsel für das Lektorat der Traumsymbolik, ebenso der Journalistin Katharina Barbara Zatti. Auch der FileMaker-Expertin Alexa Lindner möchte ich danken, die mich in die Arbeit mit der Datenbank eingeführt hat. Meinem Sohn danke ich für seine Hilfe bei technischen Computer- und Softwarefragen. Ohne seine Hilfe und Aufmunterung hätte ich noch nicht einmal gewagt, von meiner Schreibmaschine (Hermes-Baby) auf Computer umzusteigen. Die damals 63-Jährige meinte, sie wäre zur Umstellung nicht mehr fähig oder würde dann pausenlos mit technischen Problemen beschäftigt sein anstatt mit Inhalten. - Dem iff-forum danke ich für die Organisation der Vernissage. Grossen Dank schulde ich allen feministisch reflektierenden Autorinnen, die meine Sicht auf die Welt und das Geschlechterverhältnis erweitert und mein Selbstbewusstsein als Frau gestärkt haben. Schliesslich danke ich allen Referentinnen und Kursleiterinnen, die ihr feministisches Wissen und Können in zahlreichen Veranstaltungen und Arbeitstagungen des iff-forums zur Verfügung gestellt haben, das ich vor 20 Jahren initiiert und viele Jahre mitgestaltet habe, daraus letztlich die vorliegende Arbeit hervorgehen konnte. Dank gebührt auch den zwei Männern, die sich der Herausforderung für die Programmierung gestellt haben, nachdem sich herausstellte, dass die verwendete Datenbank - obwohl höchsten Ansprüchen genügend - fürs Internet nicht taugt.