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712 - Allgemeines zu den SymbolGruppen – alphabetisch geordnet

ÄrztinArzt

Die Ärztin oder der Arzt symbolisieren eine Person, die sich beruflich der Heilung von Krankem und Verletztem verpflichtet weiss. Der Ursprung des ärztlichen Berufes ist sehr alt. Schon in der matrizentrische Frühzeit gab es Heilerinnen, die als Schamaninnen oder Priesterinnen arbeiteten und magische Praktiken kannten. Später gab es auch männliche Magier und Priester, wobei sich dann in der christlichen Theologie der Heilsgedanke auf das Seelenheil konzentrierte. Entsprechend gehören die Heilpraktiken zu den ersten und ursprünglichsten menschlichen Verhaltensweisen, gehören Schamanin (und Schamane), Heilerin (und Heiler) zu den Erscheinungen, deren Spuren bis in die vorhistorische Frühzeit hinein gefunden werden können. Obwohl ich das Bedürfnis nach Unversehrtsein und Heilsein wie auch das Bedürfnis, das Verletzte oder Kranke wieder «heil» zu machen und zu heilen, für ganz urtümliche Bedürfnisse halte, erachte ich es keineswegs für angebracht, die Heiltätigkeit als eine «archetypische» zu vereinnahmen. Auch die heutige Ärztin symbolisiert das Bedürfnis nach aktivem Heilen des Verletzten und Krankgewordenen.

AltAltes

Das Wort «alt» hat in unserer Gesellschaft eine schlechte Ausstrahlung: Es assoziiert, dass etwas verbraucht, überholt, nutzlos, reif für den Abfall geworden ist. Im Gegensatz dazu ist das Wort «jung» positiv besetzt: neu, unverbraucht, nützlich. - In Verbindung mit anderen Worten kann alt aber auch auf Wertvolles und Geschätztes hinweisen (Altertum). Auch in der Bezeichnung «alter Jahrgang» für einen guten Wein klingt Wertvolles mit und ebenso in «alte Münzen». - Das Adjektiv alt (gotisch) bedeutet nach Brockhaus eigentlich «aufgewachsen» und habe auch die Bedeutung «wachsen, wachsen machen, aufziehen, ernähren".

AlteMenschen

Die «alte Frau» war im Symbolsystem der menschlichen Frühzeit ein Aspekt der Grossen Mutter, die wichtige gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen hatte. Im vorchristlichen Europa waren religiöse Riten Sache der älteren Frauen. Im mittleren Osten und in Ägypten verrichteten sie in den Tempeln der Göttin zahlreiche Dienste; sie waren Ärztinnen, Hebammen, Chirurginnen, Beraterinnen in Fragen der Gesundheit, Kindererziehung und Sexualität, wie auch der seelischen Betreuung. Sie führten die Bücher für Tempel und Palast, schrieben Geschichten auf, verwahrten wichtige Aufzeichnungen sowie die offiziellen Listen der Masse und Gewichte. Sie erstellten Kalender für die Einhaltung jahreszeitlicher religiöser Feiern, übertrugen und bearbeiteten Schriftgut und leiteten die Bibliotheken (ID-Buch 1284, 38). Im Unterschied dazu kennt die Tiefenpsychologie weder machtvolle und geistig kompetente Frauen noch die «weise Alte» aus der menschlichen Frühzeit. In der Jungschen Schule ist lediglich vom männlichen «weisen Alten» die Rede, während die weise alte Frau aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis verschwunden ist (Barbara Walker: Die Weise Alte, BN 1284). - Den beeindruckenden öffentlichen Tätigkeits- und Zuständigkeitskatalog in matrizentrierten Gesellschaften lernten Frauen sehr spät kennen und viele unter uns fühlten sogar eine unbestimmte Furcht vor vermeintlich machthungrigen alten Frauen. Das oben erwähnte Buch über die «Weise Alte» war in deutscher Sprache erst im Jahre 2002 erhältlich.

ArchaischAlt

Nach dem Psychologischen Wörterbuch ist archaisch abgeleitet aus griechisch arche = Anfang. Dies bedeute altertümlich, ursprünglich, auch «infantil» im Sinne der psychoanalytischen Vorstellungen und Denkweisen der vorgeschichtlichen und antiken Menschen früher Kulturen, aber auch heutiger Menschen in Clan, Sippe oder Stamm von primitiven Naturvölkern. - Das Wort «Arche» aus dem lateinischen arca bedeute: Kasten, Lade, Geldkasten sowie (zu lat. arcanus) «verschlossen, geheim» und (zu arcere) «verschliessen, in Schranken halten, exerzieren, Exerzitien». Die Bedeutung «Geldkasten» lebte in der biblischen Bedeutung (Arche Noah) fort, wie sie aus der Vulgata in die Lutherische Bibel überging. - In den Mundarten habe sich das Wort in verschiedener Schreibweise und Bedeutung erhalten, z. B. in «Truhe». - Mit anderen Worten: Das Archaische kann keineswegs nur als «infantile» Denkweisen und Inhalte gedeutet werden, im Archaischen sind vielmehr auch wertvolle Ressourcen, Kräfte und Erbschaften aufzufinden (Arche Noah).

Augen

Das Auge ist unser Sehorgan. Es symbolisiert das «Sehen» im Sinn von Erkennen, Wahrnehmen, Sich-orientieren, Beobachten, Beurteilen, Intuition. Augen stehen für das Erkennen mittels des «Gespürs», der differenzierenden «Spürnisse», wie die Philosophin Annegret Stopczyk sagt. - Nach Barbara Walker besass die ägyptische Göttin Maat, die Göttin der Wahrheit und des Rechts, das «alles sehende Auge». Die Muttersilbe Maa bedeutete «sehen», das entsprechende Hieroglyphenzeichen war ein Auge (ID-Buch 1300, 80). Es sind die Augen, die das «Licht» der Erkenntnis bringen, das Auge sei die «Lichtbringerin». Frühere Göttinnengestalten hatten Titel inne, die auf sie als Lichtbringerinnen verweisen, so die Mater Matuta, «Mutter der ersten Dämmerung». Unter ihrem römischen Titel der Juno Lucina, «Lichtbringerin», sei sie nicht nur die Mutter des Lichts auf der Welt, sondern sie «öffnete auch die Augen des neugeborenen Kindes mit ihrer Gabe des Augenlichtes». Im Unterschied dazu schreibe die Bibel dieses «fiat lux» (es werde Licht) dem männlichen Gott zu (ID-Buch 1284, 34). - Carola Meier-Seethaler erwähnt eine esoterische Sicht, die drei Formen des Sehens kenne: das Auge der Kontemplation (spirituelle Erfahrung), die sinnlich-empirische Erkenntnis (Auge des Fleisches), die abstrakt-mathematische Erkenntnis (Auge des Geistes).

Auto

Das Auto symbolisiert das Selbst, die Antriebskraft, den Motor. - Die Symbolik des Wagens (Auto) bedeutet nach Vicki Noble «den eigenen Weg gewinnen», der Wagen sei das «Seelengefährt». - Auto ist eine Kurzform für den Ende des 19.Jahrhunderts aufgekommene Begriff Automobil. Sie bedeutet wörtlich ,Selbstbeweger' und gehört zu griechisch autos, 'selbst' und lateinisch mobilis, beweglich' (ID-Buch 1313, 55).

BachFluss

Bach und Fluss gehören zu den fliessenden Gewässern. Als solche haben sie mit dem seelischen «Fliessen» und «Influss-Kommen» zu tun bzw. mit der geistig-seelischen und emotionalen Lebendigkeit.

BäumeHolz

Bäume wurden immer als das schönste Geschenk der Natur für die Menschheit betrachtet. Bäume liefern Nahrung, Heilmittel, Baustoff für Werkzeuge, Häuser, Boote, Gefässe, einige Arten von Kleidung (Viskose). Im Sommer gewähren Bäume Schatten, im Winter spendet ihr Holz Wärme und das ganze Jahr über,  geben sie Schönheit. Den Bäumen musste man sich immer mit Ehrfurcht und Vorsicht nähern, denn sie waren offensichtlich riesige lebende Wesen, denen naturnahe Menschen einen bewussten Geist zugeschrieben haben (Walker: BN 801, 612). - Der bekannteste der Bäume ist der mythische Lebensbaum oder Weltenbaum.

BäumeHolz

Das Wort «Holz» bezeichnet das gefällte und getrocknete Baumholz und nicht das Holz von lebenden Bäumen (ausser umgangssprachlich bei den Bauern: sie gehen ins «Holz», wenn sie in den Wald gehen). Als Material dient getrocknetes Holz der Erstellung von Häusern, Mobiliar und Gerätschaften aller Art. Auch Musikinstrumente werden aufgrund der Klang- und Resonanzqualität des Holzes hergestellt (Geige, Klavier, Gitarre, Harfe etc.). Dem «toten» Holz wird mythologisch derselbe Charakter von Heiligkeit zugesprochen, wie dem lebenden Baum. Die traditionelle «Heiligkeit» des Holzes hat sich in gewisser Weise in dem modernen Brauch erhalten, «auf Holz zu klopfen», um Unglück zu verhindern oder abzuwenden (ID-Buch 801, 623-624).

BautenBauwerke

Gebäude: Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Gebäuden. Sie unterscheiden sich insbesondere durch ihre Zweckbestimmung und daher auch in ihrer Symbolik: Gebärklinik, Psychiatrie, Maschinenfabrik, Bibliothek, Hochhaus, Wolkenkratzer, Militärgebäude, Gerichtsgebäude, Bundeshaus etc.

BehälterGefäss

Die Funktion von Behältern und Gefässen ist das Sammeln und Zusammenhalten von Elementen und Dingen, die sonst auseinanderfallen, abfliessen und verloren gehen würden. Barbara Walker bringt die Behältnisse mit dem Wort «Arche» zusammen. Das Wort Arche komme vom dem lateinischen Wort arca für «Truhe» oder «Schachtel». Gemeint waren alle Behältnisse, in denen man geheime religiöse Gegenstände verstecken und transportieren konnte.

BeineFüsse

Beine und Füsse sind jene Organe bzw. Gliedmassen, die uns den Zugang zur Welt sichern. Beine und Füsse symbolisieren die Art, wie wir in der Welt «stehen». So können wir zum Beispiel mit «beiden Beinen» in der Welt stehen, was bedeutet, sich in jeder Lage zurecht zu finden. Weiblichen Beinen kommt in der Symbolik eine weitere, nämlich sexuelle Bedeutung zu. Dies wird in den heutigen Werbestrategien besonders deutlich, in der Frauenbeine (nebst Brüsten und Po) eine permanente sexuelle Zugänglichkeit suggerieren. Der Zusammenhang von weiblichen Beinen und Sexualität findet sich bei Barbara Walker unter dem Symbol «Sirene» und über «Sheila-na-gig», allerdings ohne den heute üblichen sexistischen Beigeschmack. - Die symbolische Bedeutung der Füsse zeigt sich in der Behandlung des Fussabdrucks. Der Fussabdruck war ein so wichtiger Teil eines Menschen, dass Hexengläubige fast immer der Meinung waren, dass man Menschen beschädigen könnte, wenn man absichtlich ihren Fussabdruck verwische. - Die Ägypter, die Babylonier und andere Völker der Antike glaubten, dass man barfuss auf heiligen Boden treten müsse, um die heilige Einwirkung von der Mutter Erde oder von dem Boden des Tempels, der über ihrem Heiligtum war, in sich aufzunehmen (ID-Buch 801, 417).

BergGebirge

Der Berg symbolisiert, ähnlich wie der Wald, einen Ort des Schutzes in einer Situation von Verfolgung. - Der Berg symbolisiert auch geistig seelischen «Aufstieg» und Überblick, aber auch Macht. Monika Sjöö schreibt: «Der das Land überragende Berg verkörpert die gewaltige Stärke der Göttin.» In matriarchaler Zeit war die Göttin der Thron. Die Königin war mächtig, weil sie auf dem Schoss der Göttin sass und so eins mit ihr wurde. Der «ursprüngliche Thron-Schoss war der Berg». In ihm seien «die Symbole Erde, Höhle, Fülle, Grösse und Unsterblichkeit vereint» (in Lucie Stapenhorst, BN 1321, 79).

Bett

Vom Bett erwarten wir Erholung von der Tagesmühe, Ruhe, Wohlbefinden, Erfrischung, und wir erwarten nicht zuletzt auch Liebesfreuden. Nicht zu vergessen ist, dass das Bett der Ort von Geburt und Tod ist, und öfters auch der Ort von Krankheit und Regression. Das Bett, verstanden als Ort des Schlafes steht auch für die Welt des «Unbewussten» und der Tiefenschichten, aus denen unsere Träume entstehen, die nicht selten tiefere Einsichten enthalten als das «Bewusstsein», das wir in der Helle des Tages entwickeln. Das Bett ist also auch der Ort von Geborgenheit und unserer nächtlichen Träume, die von unseren Hoffnungen, Wünschen oder Ängsten sprechen sowie von den Hintergründen, die diesen Emotionen und Affekten zugrunde liegen.

Bewegung

Die symbolische Bedeutung von Tanzen, Springen, Schwimmen, Tauchen, Rudern, Klettern, Gehen, Rutschen liegt zum Teil weit auseinander: Das Tanzen halte ich für einen Ausdruck von Lebensfreude und Lebenskraft, während das Springen im einen Fall Lebensfreude, im anderen Fall für Eile bis Gehetztheit stehen kann. Schwimmen und Tauchen können auf der einen Seite Lebenslust ausdrücken, können aber auch Zeichen von Mutproben oder Verzweiflung sein (sich ins Wasser stürzen, oder in einer schwierigen Situation «schwimmen» und nicht herauskommen).

BilderGemälde

Interpretation von Kathrin K: Allgemeines zu «Bild»: sich ein Bild machen von jemand = sich zu orientieren versuchen, aber auch: etwas Bewegtes einengen, in ein Bild bringen, wodurch es statisch wird, da im Bild keine Entwicklung möglich ist (ausser in Träumen!)

Blut

Blut ist ein besonderer Saft. Die Bibel betrachtet Blut als wichtigstes Symbol der Lebenskraft. Denn die Menschen der Antike waren prinzipiell davon überzeugt, dass lebende Menschen buchstäblich aus dem Gebärmutterblut ihrer Mütter geschaffen, verdichtet und zur Form eines Säuglings «koaguliert» bzw. gestaltet würden. In den meisten primitiven Mythen erschuf die Muttergöttin auf genau diese Weise die ganze Welt, sie presste die Welt aus ihrer Urtiefe, ihrem kosmischen Schoss hervor. Manche afrikanischen Stämme betonen noch immer, dass Abstammung gleichbedeutend mit Blut ist und dass nur Frauen die Stammesblutsverwandtschaft auf ihre Nachfahren übertragen könnten. Im alten Indien wohnte der «Geist des Stammes» im Menstruationsblut, das man als Kula-Blüte bezeichnete. Jedes Mädchen «trug die Blume» bei ihrer ersten Menstruation, und diese Blume ging der «Frucht des Schosses» voraus.

DienenDienst

In diese Gruppe habe ich mit Absicht unterschiedliche Arten von Dienstleistungen aufgenommen, weil auf diese Weise die verschiedenen Voraussetzungen und Bewertungen besonders deutlich zum Ausdruck kommen (Hausdienst, Dienstbotendienst Landdienst, Hebammendienst, Staatsdienst, diplomatischer Dienst, Kirchendienst, priesterlicher Dienst, etc.) Diese Dienste unterstehen einer Hierarchie sowohl bezüglich ihrer Wertschätzung als auch der Honorierung. Zum Thema «Dienen» und «Dienst» assoziiere ich u.a. die christliche Vorgabe, wer im christlichen Sinn «gross» sein wolle, der sei der «Diener aller Menschen». Dieser christliche Dienst galt als jener Dienst, der allein imstande sei, uns Menschen wirklich zu «adeln» im geistig-seelischen Sinn, das heisst uns «edel» zu machen. Ein solcher «Adel» sieht die politische Philosophin Agnes Heller auch ausserhalb christlicher Vorstellungen. Ihr Menschenbild, bei dem sie von real existierenden Menschen ausgeht, gipfelt in der Vorstellung, dass unter einem wirklichen «Individuum» ein «anständiger Mensch», eine anständige Person zu verstehen sei. Ein solches Individuum bevorzuge, wähle und begünstige gezielt jene Gefühle, die Heller als «Gipfelpunkte der Gefühle» bezeichnet: Liebe, Zuneigung, Freundschaft (ID-Buch 931, 325).

Drei

Auch im christlichen Europa glaubte man, dass alles, was dreimal wiederholt wird, von magischer Natur ist. Märchen und Volkstraditionen zeigen fast alles in dreifacher Form. Die Symbole der Dreiheit beruhen nach Barbara Walker in den meisten Fällen auf dem heidnischen Glauben an die Göttin, deren drei Personen meistens als Jungfrau, Mutter und Alte (Greisin) erscheinen. Das Dreieck stelle seit den ersten Kritzeleien der Urmenschen die Dreieinigkeit dieser Göttin dar. In Ägypten symbolisierte das Dreieck das weibliche Prinzip, die Mutterschaft und den Mond, in Arabien die drei Mondgöttinnen Al-Uzza, Manat und Al-Lat, wobei die letztere die frühere weibliche Form des moslemischen Gottes Allah gewesen sei. In Griechenland und Rom gab es viele Versionen weiblich-göttlicher Dreifaltigkeit, die in vielerlei Symbolen dargestellt wurden. Später sei die ältere Symbolik verdrängt und diskreditiert worden und in den Bereich des Okkultismus und der Magie geraten. Im christlichen Europa seien oft auch genau die drei Farben aufgetaucht, die im «heidnischen Glauben» zur Dreiheit der Jungfrau-Mutter-Greisin assoziiert wurden: Weiss, Rot und Schwarz. Fast alle Dreiermotive seien von der westlichen Tradition an die christliche Dreifaltigkeit angeglichen. Dies gelte selbst für das heilige Kleeblatt der Kelten, das einst Sinnbild der Drei Göttlichen Mütter gewesen sei (ID-Buch 801, 60). - Die Zahl Drei verbindet nach Vicki Noble das aktiv und passiv Wirksame. Sie symbolisiere die Synthese und sei stabiler als die Zahl Zwei. Ein Dreieck bezeichne Harmonie und Fluss. Die Dreien würden gewöhnlich auf eine Form der Gruppenaktivität, ein Zusammenkommen von mehr als zwei hindeuten (ID-Buch 1316, 165).

EngelAdel

Das Wort «Adel» bedeutet nach dem Herkunftswörterbuch «vornehmes Geschlecht, edler Stand; edles Wesen». Unter «edel» vermerkt das Synonymenlexikon (ID-Buch 1357, 151) «wertvoll, kostbar, erlesen exquisit, teuer, erstklassig, viel wert, ausgesucht, hochwertig, qualitätsvoll, von bester Qualität, exzellent, vorzüglich» sowie im übertragenen Sinn «nobel, hochherzig, gut, grossmütig, ritterlich, vortrefflich, selbstlos, von hoher Gesinnung, altruistisch, uneigennützig» und in einem erweiterten Sinn «schön geformt, gestaltet, klassisch». - Eine weitere Eigenschaft des seelisch verstandenen «Adels» ist nach Walter Nigg, dass ein Mensch des echten Adels nicht zur Schau gestellt werden wolle (Buch-Nr., 1162, 78). - Nigg meint also, eine wesentliche Eigenschaft des christlich verstandenen «Adels» bestehe darin, dass er sich im Verborgenen abspiele und entfalte. Eine altruistische, uneigennützige Handlungsweise und Gesinnung solle also unauffällig und bescheiden daherkommen.

EssenTrinken

Essen und Trinken gehören zu den Grundbedürfnissen und Lebensnotwendigkeiten von Menschen und Tieren. Hunger und Durst im symbolischen Sinn können verschiedene Dinge betreffen. Wir können Hunger haben nach geistig/seelischer Nahrung, nach Wissen, Bildung, Information, Spiritualität und natürlich auch nach Sonne, Wasser, Zärtlichkeit, Sexualität und menschlichem Kontakt. Im urchristlichen Sinn können wir nach «Gerechtigkeit und Liebe» dürsten oder nach «Sinn» hungern und nicht zuletzt nach Frieden in der Welt.

Essenzen

Die Traumsequenzen dieser Gruppe betreffen den Zeitpunkt des Alterns und nicht wie die vorhergehenden eine einzelne Symbolfigur. Sie folgen also einer anderen Logik. Zunächst hatte ich sie als «Schluss-Träume» bezeichnet. Die Lektorin meinte jedoch, dies klinge zu sehr nach Schluss im Sinne von Lebensende, ich müsste ein anderes Wort finden. In der Folge kam ich auf Bilanz, Quint-Essenz, Quint-Essenzen (Mehrzahl, weil das Leben und die Träume nicht auf ein einzelnes Resultat hinauslaufen). Später kam ich auf Traum-Essenzen und schliesslich auf SpäteEssenzen. Diese Bezeichnung scheint mir etwas von dem zu enthalten, was den Zeitpunkt des Alterns (72 bis 74-jährig) charakterisiert. Eine weit verbreitete Erfahrung alternder Menschen ist, dass sich Erinnerungen aus Kindheit und Jugend einstellen, die längst vergessen geglaubt waren. Oft besteht auch ein Bedürfnis, sich Rechenschaft zu geben, was das Leben gebracht hat oder noch bringen könnte und was für unser Leben im Alter noch wichtig und wesentlich wäre.

EstrichKeller

Keller und Estrich symbolisieren einerseits Orte, in denen nicht benötigte, unbrauchbare oder abgelehnte Sachen deponiert werden. Anderseits werden an diesen Orten auch Dinge aufbewahrt, für die im Moment kein Bedarf ist und die für den späteren Gebrauch aufbewahrt werden. Der Estrich steht zudem in der Symbolik des Hauses, da er sich «oben» befindet, für den Geistbereich, für das Denken, Beobachten, Reflektieren und Beurteilen. Bezüglich der Bedeutung des Symbols «Keller» kommt hinzu, dass in Naturkellern Lebensmittel, also Werte gelagert werden, wie Obst, Gemüse, Nüsse, Brot etc. Der Keller kann daher jene seelischen Tiefenschichten darstellen, die Wertvolles, Lebendiges, Nährendes und Vitales in verschiedensten Formen enthalten.

FäkalienAbort

Der «Abort» steht für «Ausscheidung» und Entleerung in jeder Form. Im Abort gibt der Körper «Produkte» ab, die er nicht mehr verwerten kann. Das heisst aber nicht, dass diese Stoffe an sich wertlos wären. Exkremente dienen als Nahrung und Dünger für das pflanzliche Wachstum auf Feld und im Garten. In bäuerlichen Verhältnissen stand ein grosser «Miststock» für Reichtum und Wohlstand. Jauche und Mist aus einem grossen Viehbestand ermöglichten es dem Bauernstand, ihre Felder immer wieder fruchtbar werden zu lassen. Allerdings durfte die Jauche, da sie ätzend wirkt und ihre Dämpfe hochgiftig sind, nicht sofort auf die Felder gebracht werden, sie muss zuvor einen längeren Gärungsprozess durchlaufen. Nach Jungscher Auffassung ist der Abort daher ein «schöpferischer Ort». In diesem Zusammenhang erwähnt er seine kleine Tochter, die auf seine Frage, was sie so lange im Abort «mache», antwortete, sie mache ein Pferdchen und ein Wägelchen. - Nach tiefenpsychologischer Auffassung steht die anale «Produktion» sowie das anale «Produkt» für das schöpferische «Machen», für den schöpferischen Ausdruck in Schrift und Kunst. Der Prozess der Gärung hat im übertragenen Sinn mit Reflexion und Verantwortung zu tun. Andernfalls würde das an die Öffentlichkeit gebrachte «Produkt» vergiftend und zerstörerisch anstatt fruchtbar wirken. Das heisst, dass das spontan erzeugte Naturprodukt, das hier als «Kot» und «Mist» erscheint, mittels eines Reflexionsprozesses aus dem Gärungsbereich in den Erkenntnisbereich gehoben werden muss.

Fahruntersätze

In die Gruppe «Fahruntersätze» habe ich insbesondere jene Fahrzeuge eingefügt, die keine «Selbstbeweger» sind, die also über keine eigene Motorkraft verfügen.

Fahrzeuge

Während vom Auto gesagt wird, es stelle das autonome Selbst dar, obwohl es eigentlich von äusseren Kräften gespiesen wird (Benzinkraft), können Fahrzeuge wie Velo, Heuwagen oder Rollstuhl entweder durch körperliche Eigenkraft und Anstrengung oder durch äussere Benzinkraft in Bewegung gesetzt werden. Rollstühle können mit eigenen Armen und Händen in Gang gesetzt oder von anderen Menschen gestossen werden. Schlitten können dank der Schwerkraft an steilen Abhängen in Fahrt gebracht werden.

Fenster

Die Fenster eines Hauses sind dazu da, Licht und Luft einzulassen, sowie den Blick nach aussen zu eröffnen. Fenster stehen für die Möglichkeit, unseren «Blick» nach aussen zu wenden, den Lauf der Welt zu beobachten, andere Menschen wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen. Fenster können nach Bedarf geöffnet und geschlossen werden. Auf der einen Seite können Fenster als ein Schutz gegenüber dem Aussen verstanden werden, auf der anderen Seite bilden sie den verletzlichsten Teil eines Gebäudes (Einbruchgefahr).

Feuer

Das «Feuer» gehört nebst Wasser, Erde und Luft zu den vier «Elementen». Feuer kann als wohltuende Wärme, sengende Hitze, tödliche Blitze und Vulkanausbrüche erfahren werden. Feuer steht für seelische Wärme, körperliche und geistige Intensität, Leidenschaft, brennendes Interesse, Begeisterung, Enthusiasmus, aber auch für Jähzorn und Wut. Mythologisch symbolisiert das Feuer «Geist, Intuition, Energie», das «Feuer der Sexualität wie auch die Erleuchtung», «expansive Aktivität und Willenskraft für alles, was die Ziele erfordern», sowie die schneidende Schärfe der Wahrheit (ID-Buch 1316, 120).

Fische

Fische sind Wassertiere. Als Kaltblütler fühlen sie sich kalt und glitschig an. Fische haben bei uns ausschliesslich eine Funktion als wertvolle Nahrungsspender oder ausnahmsweise als Zierfische in Aquarien. Kleine Fische ernähren sich von Plankton, grössere «Raubfische» dagegen von anderen Fischen. - Die Metapher, jemand sei «kalt wie ein Fisch» weist auf eine Negativbesetzung des Symbols für den Gefühlsbereich. Dagegen finden sich in der Mythologie eine Reihe positiver Bedeutungen, wenn auch nicht ausschliesslich. Den Menschen, die im Tierkreiszeichen «Fische» geboren sind, werden folgende Eigenschaften zugeschrieben: Häuslichkeit, Sensibilität, Empfänglichkeit, Phantasie, Heimatliebe, aber auch «Fehler», wie Verträumtheit, Realitätsferne, Faulheit und intellektuelle Unehrlichkeit. Von den Fischgeborenen heisst es, sie seien freundlich und zuverlässig inbezug auf geliebte Menschen und sie entwickelten oft spirituelle Neigungen. - Der Fisch (vesica pistis) ist nach Barbara Walker ein über die ganze Welt verbreitetes Symbol für die Grosse Mutter. Das Fischzeichen entspricht nach Walker dem der Yoni oder der Himmelspforte der Grossen Göttin: Zwei Halbmonde, die eine vesica piscis formen (BN 1300, 258-259).

FliegenFlügel

Das Fliegen stellt geistige und seelische Flüge und Höhenflüge dar. «Höhenflüge» bezeichnen ekstatische Gefühle sowie phantastische oder utopische Sehnsüchte und Vorstellungen. Die Sehnsucht, fliegen zu können, ist dank der Entwicklung von Flugzeugen auf der materiellen Ebene zwar verwirklicht worden, und wir können heute sehen, was sich über den Wolken abspielt. Aber wir können nach wie vor nicht wie die Vögel mit dem eigenen Körper fliegen, ausser symbolisch im Sinn von körperlich seelischer Ekstase, geistigen Höhenflügen und einem grossen Freiheitsgefühl.

GeheimVerbergen

Es gibt verschiedene Arten von Geheimhaltung und Verbergen. Heute bringt man schon Kindern bei, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt, und dass diese Unterscheidung ganz wichtig sei. Auf diese Weise versucht man Kinder vor pädosexuellen Tätern zu schützen. Auch in unserem Zusammenhang ist genau nachzufragen, von welcher Art die Geheimnisse sind, die in der Verborgenheit bleiben wollen. Dies ist darum besonders zu betonen, weil der Zeitgeist nach Offenheit und Transparenz verlangt, was aber zu einer blossen Modeerscheinung ausarten kann. Die oberflächliche Frage, was sie oder er zu verbergen habe, gerät allzu leicht zu einem Verhör, wie wenn nur Schlimmes hinter dem Verbergen stecken könnte. Es ist also genau hinzuschauen, was und warum etwas geheim und verborgen bleiben will. Frauen hatten bspw. allen Grund, ihre geistigen Interessen und Kräfte nicht zu offensichtlich zu zeigen und ihre kämpferischen Seiten im Hintergrund zu lassen, um nicht als unweiblich bezeichnet zu werden.

Geld

Geld zu haben, bedeutet Unabhängigkeit, Autonomie, Ansehen, Macht. Wer kein Geld hat, ist in unserer Gesellschaft total verloren. Obdach und Essen, auch Bildung und Kultur kosten Geld. Entsprechend heisst es lapidar: «Geld regiert die Welt». Geld ist Tauschmittel für fast alles. - Im übertragenen Sinn bedeutet Geld ein «Vermögen» im geistig/seelischen Sinn: Begabungen, Fähigkeiten, Talente, aber ebenso Kräfte und Ressourcen von lebensnaher und praktischer Art. Laut der Bibel sollen wir mit unseren «Talenten» wuchern, unsere geistig/seelischen Möglichkeiten also entfalten, entwickeln und ausschöpfen.

Gewässer

Das Wort «Gewässer» wird für alle Ansammlungen von Wasser auf der Erdoberfläche und unter der festen Erdoberfläche verwendet. Ein Gewässer kann ein «stehendes Gewässer» sein (Tümpel, Weiher, Teich, See u.a.) oder ein fliessendes Gewässer (Quelle, Rinnsal, Bach, Fluss, Strom), auch ein unterirdisches Gewässer (Grund-, Karst-, Höhlenwasser). Beim Gewässer denken wir nicht in erster Linie an seine Wasser-Qualität, sondern an den Ort und die Art, wie es daherkommt.

GottesDienst

Der kirchliche Gottesdienst unterscheidet sich von anderen Diensten durch seine rituelle Form, den hohen Allgemeinwert und nicht zuletzt durch den hohen Prestigewert, der diesem Dienst zukommt. In der menschlichen Frühzeit waren es Göttinnen, denen der Dienst im Tempel galt, im Patriarchat sind es männliche Götter.

GrossMutter

Die Grossmutter, das ist die Grosse Mutter, über die Barbara Walker schreibt, dass sie «die Göttin mit den tausend Namen» war, deren Bilder in den Kulturen der eurasischen Landmasse verwurzelt waren. Die Grosse Mutter sei die Erde gewesen, «wie auch das Meer, der Mond, die Milchstrasse, die Elemente, Berge, Flüsse, Steine, Vegetation, Frauen, Zeit, Schicksal, Intelligenz, Geburt, Liebe und Tod». Ihr sei die uranfängliche Schöpfung des Universums mit allem, was es enthält, zugeschrieben worden, wie auch die sich weiter entfaltende Schöpfung und die temporäre Erhaltung jedes individuellen Geschöpfs. Und sie sei auch die zerstörende Alte, die jedem Leben ein Ende setzte und am Jüngsten Tag selbst das Universum vernichten würde, um eine neue Schöpfung in ihrem nächsten Zyklus vorzubereiten. Diese Göttin mit den vielen Namen sei die erste Heilige Dreifaltigkeit gewesen. Ihre umfassenderen Aspekte wurden als Jungfrau, Mutter und Greisin bezeichnet (ID-Buch 1284, 27). - Im Unterschied dazu wird die Muttergöttin im Sinne von C.G.Jung. Jung und Erich Neumann von Marie-Louise von Franz total abgewertet, als «eine völlig unreflektierte Weiblichkeit».

Haare

Haare weisen nach Marie-Louise von Franz auf «Erkenntnis, Wissen, Gedanken». In den östlichen Religionen besass das Haar eine tiefe symbolische und spirituelle Bedeutung. - Barbara Walker schreibt über das Haar, dass es gewöhnlich als Träger oder Sitz zumindest eines Teils der Seele angesehen wurde. Im Altertum besassen Frauen ohne langes Haar keine Zauberkraft, weswegen Frauen mit abgeschnittenem Haar als ungefährlich galten. Aus diesem Grund seien christliche Nonnen und jüdische Ehefrauen gezwungen worden, ihre Köpfe zu scheren. - Zigeunerinnen und Zigeuner behaupteten, Hexen seien an ihrem Haar erkennbar (ID-Buch 1300, 336-339). - Die tantrischen Weisen verkündeten, dass das Binden oder Lösen von Frauenhaar die kosmischen Kräfte der Schöpfung und Zerstörung entfesseln konnten. Das Haar der Göttin Isis barg magische Kräfte des Schutzes, der Auferstehung und der Inkarnation: Sie erweckte Osiris-Horus zu einem neuen Leben, indem sie «ihr Haar über ihm ausschüttelte». Im Bayern des 8. Jahrhunderts dagegen wurde in einem Gesetz das «geile Lösen des Haares» mit dem Verbrechen des Ehebruchs gleichgesetzt (ID-Buch 801, 420-421). - Bei männlichen Göttern und Helden wie Shiva oder Apollo-Herakles, zeigte dichtes Haar Männlichkeit und Lebenskraft. Der heilige Paulus dagegen sagte, wenn ein Mann langes Haar habe, so sei dies eine Schande für ihn (1. Korinther 11, 14). - Das heisst, dass die ursprünglich positive «heidnische» Bedeutung des Haares durch das Christentum ins Gegenteil verkehrt wurde.

Haus

Häuser haben mit Behausung und Wohlbefinden zu tun. Obdachlos zu sein ist ein schlimmes Los. Im Symbolverständnis der Tiefenpsychologie wird das Haus als das «Selbst» der Person gedeutet. Als ein «Haus mit mehreren Stockwerken» beschrieb Teresia von Avila ihren psychischen Innenraum, ihre «Seele». Für Christa Mulack gehört das Haus zur Symbolwelt des Weiblichen, es sei das Weiblich-Bergende wie Gefäss, Höhle und Grab. In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit sei es ein «Symbol der existentiellen Mitte für die sesshaft werdenden Menschen». In Verbindung mit der Erfindung des Ackerbaus werde das Haus so zur Grundlage jeglicher Kultur. - Häuser haben unterschiedliche Eigenschaften. Es gibt einfache Häuser, luxuriöse Häuser, Hochhäuser, weit abgelegene Häuser oder Häuser ohne Treppen. Es gibt aber auch Krankenhäuser, Gerichtsgebäude, Institutionen und sogar «Gedankengebäude», die allesamt der öffentlichen Sphäre zugehören. Art und Umfeld eines Gebäudes können auf unterschiedlichste Situationen und Vorkommnisse hinweisen und sowohl auf der Subjektebene als auch auf der Objektebene interpretiert werden.

HeimatOrt

Der Heimatort symbolisiert den Ort, wo wir uns daheim fühlen. Oder den Ort, von dem wir uns Heimat erhoffen. Zur seelischen Heimat gehört nicht zuletzt eine eigene Identität, wobei eine solche eine Verankerung im historischen und metaphysischen Raum voraussetzt. «Je gründlicher die Kenntnis der Geschichte ist, desto stärker wird das Gefühl von Heimat». Für Frauen würde dies heissen, dass sie erst dann eine wirkliche «Heimat» finden und haben werden, wenn sie eine «gründlichere Kenntnis» ihrer eigenen Geschichte haben, und dies heisst Kenntnis zu haben von ihrer vorpatriarchalen Geschichte. Christliche Frauen mussten ihre Identität und ihr Heimatgefühl wesentlich aus kirchlichen Vorstellungen und Lehren beziehen. Meine Mutter meinte, das Christentum habe «die Würde der Frau wiederhergestellt», und ihm deswegen anhänge. Die Kirche vermittelte jedoch doppelte Botschaften: Die Altarbilder zeigten eine grosse und mächtige Königin als «Mutter Maria», andererseits wurde den Frauen gesagt, Maria habe als «Magd» des Herrn Jesus demütig gedient. Daher gehöre nicht der Dienst als Priesterin am Altar zu den Aufgaben der Frauen, sondern das mitmenschliche Dienen im häuslichen Alltag und im kirchlichen Hintergrund (siehe Elisabeth Camenzind: Die Heimatlosigkeit der Frau und die Angst vor dem Verlassenwerden, BN 70, 13-43). Aus zahlreichen archäologischen Funden geht hervor, dass schon immer ein grosses und primäres Bedürfnis bestand, die Frau und das Weibliche als machtvoll zu sehen und im metaphysischen Raum beheimatet zu wissen. Sich als ein Abbild einer Grossen Göttin zu verstehen, bedeutet, sich als Frau in einem grösseren kosmischen Raum verankert und beheimatet zu wissen.

HeiratHochzeit

Bei der Feier der «Hochzeit» in einer katholischen Kirche wird den Brautleuten gesagt, dass sie diesen «Bund» eingehen, um sich in guten und schlechten Tagen beizustehen. Das kirchliche Ritual rückt also nicht die Sexualität und die Zeugung von Kindern in den Vordergrund, sondern denn sozialen Bund, die soziale Beziehung von zwei heiratswilligen Menschen zweierlei Geschlechts. Meine Anfrage bei einer kirchlich versierten Verwandten hat noch folgende Ergänzung ergeben: Nach tieferem katholischen Verständnis bedeute das Eheversprechen die gegenseitige Hingabe in einem umfassenden Sinn: geistig, gemüthaft, körperlich. Es bedeute, sich freiwillig einander hinzugeben, sich freiwillig zu verpflichten; das geistliche Moment sei wichtig, nicht nur das «Soziale» im Sinn von Suche nach Versorgung in der Ehe oder gegenseitiger Vereinnahmung. Es gehe darum, einander Heimat zu geben, Geborgenheit zu geben und aneinander zu reifen. - Diese Beschreibung entspricht ungefähr dem, was auch die Sozialistin Helene Stöcker, die von Annegret Stopczyk als «Philosophin der Liebe» bezeichnet wird, unter einer symmetrischen Beziehung zwischen den Geschlechtern versteht (ID-Buch 1376). - Nach der Theologin Anne Jensen ist die Hochzeit eine «Metapher für das Glück der Endzeit, des Reiches Gottes». Die «Himmlische Hochzeit» erschien als Erfüllung und Steigerung menschlicher Glückserfahrung auf Erden (ID-Buch 757, 249-250). - Barbara Walker schreibt, dass Hieros Gamos der griechische Ausdruck für «heilige Hochzeit» sei. In der gesamten Welt der Antike sei dies die wichtigste Zeremonie bei der Ernennung eines Königs. Kein Mann habe die Königsherrschaft ausüben können, wenn er nicht als Gemahl der Göttin (die die Erde symbolisierte) anerkannt worden sei, was durch ihre sterbliche Inkarnation, die Königin geschehen sei. Bei den irischen und walisischen Kelten hätten die Könige die Göttin des Landes geheiratet: «Die leitenden Männer, aus denen der Ältestenrat eines Stammes bestand, dienten einer Göttlichen Frau oder Königin als verwaltende Körperschaft, während sie die Grosse Mutter personifizierte und den Vorsitz über eine matrilineare Gesellschaft führte. Der frühe König herrschte in solchen Kulturen nicht durch eigene Kraft, sondern als Begleiter der Göttlichen Frau.» In Afrika sei bei der Inauguration eines Bahima-Stammeshäuptling die rituelle Vereinigung mit der Göttin Imama vollzogen worden. - Noch bis in die Anfangszeit des Christentums habe die soziale Stellung der Ehefrau in Europa eine sakramentale Bedeutung bewahrt, die im Orient noch fast bis in die Gegenwart andauerte (ID-Buch 801, 245).

HündinHund

Hunde zeichnen sich durch ihre Sinnesschärfe aus (Geruchssinn) und insbesondere durch ihre ausgeprägte Rapportfähigkeit, durch die sie zu den vertrautesten Gefährten aus der Tierwelt für die Menschen wurden. Von den Wölfen abstammend, die ja zur Gattung «Raubtier» gehören, ist diese Vertrautheit zwischen Hunden und Menschen eigentlich etwas Erstaunliches. Wir können ein solches «Raubtier» getrost neben unserem Bett schlafen lassen, obgleich es uns mit Leichtigkeit die Gurgel durchbeissen könnte. Aber wir sind so sicher, dass dies nicht geschehen wird, dass wir keinen Gedanken daran verschwenden. Vorausgesetzt natürlich, dass den Bedürfnissen von Hündin oder Hund von Anfang an Rechnung getragen wird. Trotz der Vertrautheit zwischen diesen beiden Lebewesen darf nie vergessen werden, dass deren Bedürfnisse keineswegs identisch sind. Denn immer haben die Menschen dafür zu sorgen, dass sich die Tiergefährten wohl und zufrieden fühlen (und dies oft unter Hintanstellung eigener Bedürfnisse). - Mythologisch wurde der Hund mit der Religion der Göttin assoziiert. Oftmals wurde die Grosse Göttin selbst «Grosse Hündin» genannt. In den Mythen wurden ausschliesslich die Göttinnen von Hunden begleitet. Hunde bewachten die Tore der Jenseitswelt und halfen, die Toten in Empfang zu nehmen. Für die Berber ist jemand, der einen Hund getötet hat, heute noch rituell unrein für den Rest seines Lebens, so als hätte er einen Menschen ermordet (siehe Mythologie).

KatzeWildkatze

Katzen werden in der Regel dem Weiblichen zugeordnet. Sie werden mal als weich und anschmiegsam, mal als kratzbürstig und wilde Tiere beschrieben, die gezähmt werden müssten. Ein Löwenbändiger erklärte unlängst dem St. Galler Tagblatt, Katzen seien letztlich unbezähmbare Tiere, und je kleiner die Katze sei, desto weniger lasse sie sich bändigen. Katzen sind im Unterschied zu Hunden keine Herdentiere, sondern Einzelgängerinnen. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich, dass unsere Katzen am Morgen das Haus verliessen, den Tag draussen verbrachten - vermutlich auf Mäusejagd - sie ernährten sich selbst, sie erhielten lediglich etwas verdünnte Milch und gelegentlich etwas Brot. Ich habe unsere Hauskatzen (weibliche und männliche) in diesem Sinn als selbständige und eigenwillige Tiere erlebt. Auf der anderen Seite werden Katzen in der heutigen Zeit vorwiegend als Streicheltiere gehandelt, die es sich «hinterm Ofen» gut gehen lassen, gestreichelt und verwöhnen werden. Dennoch lassen Katzen nicht alles mit sich machen (zum Glück). Insbesondere binden sie sich nicht an eine einzelne Person, das bedeutet, dass sie sich nicht total vereinnahmen lassen. Vielmehr binden sie sich an eine Umgebung (sofern sie überhaupt aus dem Haus gelassen werden). Dies im Unterschied zum Hund, der zufolge seiner Bindung an eine einzelne Person total abhängig werden kann. Die Boxerhündin, die ich seinerzeit auf Wunsch meines 9-jährigen Sohnes erworben hatte, liess sich zwar intensiv und lustvoll auf die Spiele des Knaben und anderer Kinder ein, zeigte aber deutlich eine Bindung zur Person, die sie als zuständig für ihr Wohlbefinden erlebte. Sie nahm den Knaben als Spielkameraden, zeigte überschwängliche Freude bei seinem Heimkommen, aber bezüglich seiner gelegentlichen Erziehungsversuchen nahm sie ihn nicht ernst (wodurch der Knabe sich übrigens ziemlich beleidigt fühlte). - In unserer Gesellschaft steht die Katze für eine sexuell attraktive Frau (tolle Katze), wobei die «Gefährlichkeit» ihrer Krallen als erotische Gefahr für Männer gedeutet wird.

KindKinder

Das Kindsein im christlichen Sinn versteht Walter Nigg als Offenheit, Einfachheit, Vertrauen und Staunen. Aus meiner Sicht bedeutet das Kindsein: Resonanzfähig und somit auch verletzlich und verwundbar zu sein. Kinder fallen dadurch auf, dass sie auf ihren eigenen Wünschen, auf spontanem Ausdruck ihrer Impulse und Spielfreude beharren. Die feministische Empfehlung an Frauen lautet, sie sollen auf das «kleine Mädchen» in sich achten, seine Gefühle, Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen, damit es sich entfalten kann. Diese Entfaltung wird in der Tiefenpsychologie als Individuation oder Selbstwerdung verstanden, was allerdings auch zu extremen Missverständnissen führen kann. Der Wunsch, dem Egoismus zu frönen, Herrschaft auszuüben, unterdrücken und auszubeuten zu wollen ist keineswegs entfaltungs- oder förderungswürdig. Nicht alle Wünsche haben Anspruch auf «Verwirklichung» und seien sie noch so «kindlich» oder «spontan». Das Kindsein ist keineswegs ein Unschuldsland. Dem Kindsein, verstanden als ein Offensein gegenüber eigenen Wünschen und Bedürfnissen, muss das Offensein für die Bedürfnisse anderer Menschen und der Umwelt gegenübergestellt, so dass dadurch Grenzen gesetzt werden können. In einer Zweierbeziehung bedeutet dies das Offensein nicht nur für die eigenen seelischen Tiefenschichten, sondern auch für die Bedürfnisse unseres Gegenübers.

KircheKapelle

Das Wort «Kirche» bezeichnet das christliche Gotteshaus. Die katholische Kirche versteht sich als «Leib Christi», den Christus als Geist erfüllt oder als Haupt krönt, während die Einzelnen seine Glieder sind (Lexikon der Religionen, BN 1345, 305). Bei der Religion gehe es im allgemeinen um eine Verhältnisbeziehung des Menschen zu einem von ihm «ganz anders» Empfundenen, obgleich sich dieses «ganz Andere» in den Religionen sehr verschieden darstelle. Das Lexikon der Religionen empfiehlt, Religion als eine «Auseinandersetzung des Menschen mit einer geheimnisvollen Macht» zu bezeichnen, wobei diese Macht, wo sie «personhaft» gedacht werde, sich zum lebendigen «Verkehr» des Menschen mit einem übermenschlichen Partner entwickle. Individuelles Erleben ziehe kraft der Verbundenheit des Individuums mit dem Kollektivum, dem es angehöre, weitere Kreise, und zwar umso grössere, je stärker die Potenz dieses Individuums oder der Überzeugungsgehalt des von ihm Erlebten sei, und schliesslich sei es «kollektive Übereinstimmung», was eine Religion unterhalte (Lexikon der Religionen, BN 1345, 489-490). - Ich selber verstehe das Religiöse als Ausdruck des allgemein menschlichen Bedürfnisses, einen unmittelbaren und individuellen Zugang zum «Transzendenten» zu haben, fähig zu sein zu einem vertiefteren Erleben, Verstehen und Erkennen im Bereich des Übersinnlichen (Metaphysischen). Das heisst für mich, sich Inhalten und einem Erleben zuwenden zu können und zu dürfen, die über die fünf Sinne und den Alltag hinausgehen und aufgrund des eigenen Denkens und Fühlens ein Weltbild entwerfen zu dürfen, ohne der Unweiblichkeit bezichtigt zu werden. Denken zu dürfen über menschliche Existenz, Werden und Vergehen, Natur, Lebenskraft, Freiheit, Seele, Materie, Geistigkeit, Identität und andere Menschheits-Themen. Das bedeutet auch, ein unmittelbares Verhältnis zum geheimnisvollen «Anderen» in sich selber, zum «Selbst», zum «Unbewussten», zum «Göttlichen in uns» aufzubauen, und das heisst, ohne Vermittlung durch kirchliche Institutionen. Die Kirche ist nach Jutta Voss leider «zur Zeit für Frauen ein psychisch vergewaltigender Übervater-Komplex». Jede Institution wolle allenfalls unterlegene, gehorsame, schweigsame, dienstbereite, unterwürfige Magd-Töchter haben, aber keine vollmächtigen Frauen. Das Symbol der kraftvollen «Wildsau» hat Jutta Voss in zahlreichen Ausgrabungen und Mythen gefunden, als Ausdruck von starken, selbstbestimmten und machtvollen Frauen (ID-Buch 80, S.130).

Kleider

Zum Symbol «Kleider» habe ich spontan drei Assoziationen: Das Märchen «Des Kaisers neue Kleider», die Metapher «Kleider machen Leute», und drittens das katholische Taufritual, in dem es heisst: «Nimm hin das weisse Kleid und bewahre es .» - Die Assoziationen zeigen, dass Kleider nicht einfach Kleider sind. Nebst der primären Schutzfunktion (Kleider schützen vor Kälte, Verletzungen u. a. anderen Beeinträchtigungen) haben Kleider eine wichtige identitätsbildende Funktion. Der Kaiser lässt sich prunkvolle Kleider anfertigen, um sich weitere wundersame Zuschreibungen zuzulegen, die seine hohe Stellung in der Welt rechtfertigen und erhöhen. Mittels Kleidern und Kleidervorschriften werden Identitäten geschaffen: Kleider machen Leute. Dabei macht es einen gewaltigen Unterschied, ob es sich um selbst gewählte oder vorgeschriebene Kleider und Identitäten handelt. Mittels Kleidervorschriften können ganzen Personengruppen Identitäten überstülpt und aufgezwungen werden, dies, um sie zu hohen oder niederen Personen zu stempeln. Eine zentrale Vorschrift betraf die unterschiedliche Bekleidung von Frauen und Männern: Frauenkleider verhinderten meistens die freie Bewegung. Mittels Kleidern werden Status und Zugehörigkeiten ausgedrückt bzw. geschaffen. Würdenträger tragen spezielle und kostbare Kleider (Uniformen, Richter-Robe, Priester-, Bischof-, Papstrobe) Im Militär wird der Status jedes einzelnen Mannes durch Zeichen an der Uniform erkennbar, so ist zu sehen, ob einer Soldat oder Offizier ist. Der Offiziersstand unterscheidet die Männer nochmals mittels schmalen und breiten Goldstreifen an den Mützen, Angehörige des Generalstabes mittels vergoldeten Kranzstreifen. Auch Polizisten tragen Uniformen, die Ärzteschaft macht sich mittels wallenden weissen Mänteln kenntlich. Das heisst, dass auch durch der Farbe von Kleidern (weiss oder gold) Identität ausgedrückt wird (Ärzteschaft und Papst treten in Weiss auf). Bezüglich Statusunterschied zwischen Ärzten und Krankenschwestern wird zurzeit diskutiert, Schwestern in rosarote Stoffe zu kleiden. Dass mittels Kleidern auch sakrale Inhalte ausgedrückt werden, lässt sich anhand von Taufkleid, Hochzeitskleid, Sterbekleid, Ordenskleid erkennen. - Die katholische Identität wird durch vier Symbole hergestellt: durch das Taufkleid, durch die weisse Farbe des Kleides, durch eine Handlung (das Taufkleid wird über das Taufkind gelegt) sowie durch die Begleitung der Handlung durch symbolträchtige Worte («Nimm hin das weisse Kleid und bewahre es.». Die Bedeutung der Taufhandlung ist die folgende: Die Identität des Kindes, die vor der Taufe eine vermeintlich «heidnische» ist, soll durch eine christliche ersetzt werden. Ein weisses Kleid wird dem Kinde überstülpt, durch die weisse Farbe soll alles natürlich Heidnische ausgelöscht und die Person soll eine unbeschriebenes weisses Blatt werden, auf das nun die neue christliche Identität eingeschrieben werden kann. In diesem Ritual kommt das Kleid als Symbol von Identität sehr direkt zum Ausdruck. Das Ritual lässt zugleich den Vorgang der Fremdbestimmung erkennen. Die Psychotherapeutin Angela Bausch-Hug fordert, eine feministische Psychotherapie habe immer auch «Religionstherapie» zu sein, was «die Aufarbeitung und Aussondierung christlicher Inhalte» bedeutet. Durch das Taufkleid wird dem Taufkind der christliche bzw. katholische Glaube überstülpt, diese Fremdbestimmung muss erkannt werden, damit sie später durch eigene Einsichten vertieft, ergänzt oder ersetzt werden kann. Kleider bilden zusammen mit dem Körper das «Haus» für die «Seele». Die Seele wohnt in unserem Körper und ist bekleidet mit unserem Körper.
- In den vorliegenden Träumen sind Kleider sehr differenziert durch zahlreiche Eigenschaften dargestellt. Es kommen anfänglich abgenutzte, zu enge, zu wenig wetterfeste, graue, unfertige, abhanden gekommene Kleider vor. Manchmal müssen Kleider gesucht werden, und andere Kleider sind goldbestickt, mit Sternen besetzt, silbrig glänzend oder sonst irgendwie reich geschmückt, oder sie haben eine bestimmte Farbe: weiss, schwarz, rot etc. Andere Kleider werden in ihrer Funktion beschrieben: Abendkleider, Sportbekleidung, Hochzeitskleider, Kinderkleider, Babykleider, Qualitäts- und Modellkleider, Überkleider, Festtagskleider, Hautkleid, Theaterkleider, Puppenkleider, Hauskleider, Kinderkleider und es kommen sogar Blumenkleider vor.

KlosterKlausur

Kloster und Klausur können sowohl als Gebäude als auch als eine «klösterliche» Lebenseinstellung oder Lebensweise aufgefasst werden. Von meiner eigenen gegenwärtigen Lebensweise sage ich beispielsweise, dass ich in Klausur lebe und meine damit, jenseits von Hektik im Abseits zu leben und zu arbeiten. Zu Kloster und Klausur assoziiere ich Stille, Meditation, Introspektion, Denkraum und Eigenraum, Erkenntnis-Suche und Sinnsuche, Vertiefung der Einsichten, Sammeln und Ordnen der Eindrücke und Beobachtungen, Vergleiche anstellen, Bejahen und Verneinen, Wählen und Verwerfen, kein vom Wind verwehtes Blatt sein wollen, kein «Haus» sein wollen, das von aussen schaukelbar, verschaukelbar, manipulierbar wäre. Zu «Kloster» assoziiere ich ferner den Wunsch, Grund und Boden unter die Füsse zu bekommen sowie Kontinuität im Wechsel der Zeit nach dem Motto: «Dauer ist Aufstieg». Ferner assoziiere ich zu «Klausur» den Wunsch nach Ursprung, Identität und einem eigenen Platz in der Welt. Ferner das Bedürfnis nach Meditation über Werden und Vergehen, Verbundenheit mit dem grösseren Urgrund und Allgrund des Seins, mit dem Göttlichen. Gott oder Göttin bedeutet, so meinte jemand, «dass alles möglich ist". Die Bedeutung von Kloster als Klausur geht auf das Wort «Verschluss» zurück, was in jene Richtung weist, wie ich selber «Kloster» verstehe. Der Verschluss verweist auf Schliessen und Schlüssel, der in der vorliegenden Traumserie eine grosse Rolle spielt. Mit dem Schlüssel können wir Räume erschliessen, aber auch zuschliessen und absperren vor unerwünschtem Zugriff und Eindringen.

Körperteile

Körperteile: Im symbolischen Denken steht ein Teil oft für das Ganze. Dies gilt auch für die Körperteile, wenn auch nicht immer. Ferner unterscheiden sich die Körperteile in ihren Funktionen und in ihrem Verhältnis zum Ganzen sehr stark: Beine und Füsse haben eine ganz andere Funktion als Kopf, Hand, Bauch, Mund oder die Geschlechtsorgane.

Kopf

Der Kopf ist der Ort des Denkens und Reflektierens. Die Metapher, man sei «nicht auf den Kopf gefallen» besagt, dass die Person auf ihre geistigen bzw. intellektuellen Fähigkeiten zählen kann. Die alten Indioeuropäer vermuteten, dass sich der Sitz der menschlichen Person oder «Seele» im Kopf befinde. Deshalb verehrten sie Köpfe, die manchmal vom Körper toter Helden oder vergötterter Ahnen abgeschnitten und als Orakel-Spender aufbewahrt wurden. Die Ynglinga-Saga erzählt, wie sich der Gott Odin selbst an den mumifizierten Kopf der viel älteren Gottheit Mimir wandte, um von ihr die geflüsterten Geheimnisse zu erfahren. Mimir war einst ein «Wesen von höchster Kraft», er wurde «mit den Nornen gleichgestellt, und war ursprünglich jemand, über den Odin keine Macht hatte, und vor dem selbst der Allvater als Bittsteller erscheinen musste» (ID-Buch 801, 427). - Aber auch Organisationen können einen «Kopf» haben, man redet vom «Kopf» einer Organisation oder Firma, wobei in der Politik und in Firmen auch «Köpfe rollen» können, sie können ihrer Macht entledigt und aus dem Einflussbereich ausgeschaltet werden. Es gibt natürlich auch unspektakulärere Möglichkeiten, Menschen aus wichtigen Einflussbereichen zu entfernen. Beispielsweise wurden (und werden) Frauen mittels psychologischer Theorien, die ihnen einen denkfähigen «Kopf» absprechen, von öffentlichen Einflussbereichen fern gehalten.

KrankBehindert

Interpretation von Kathrin K: Über das Symbol «KrankBehindert» werden elementare und existentielle Themen aufgegriffen. Krankheit ist ja immer die Schnittstelle, an welcher die Frage sich ins Bewusstsein drängt, ob wir uns dem Leben oder dem Tod zuwenden wollen/ können/ müssen. - Krankheit ist auch der Zustand, in dem man auf Pflege und Fürsorge von andern angewiesen ist, unabhängig davon, ob es sich um körperliche oder seelische Krankheit handelt.

Küche

Die Küche ist der Ort, um Lebensmittel aus ihrem Rohzustand in bekömmliche und schmackhafte Mahlzeiten umzuwandeln. Mythologisch ist die Küche der Ort, wo «Hexen» ihre zauberischen und angeblich giftigen Tränke herstellten und mischten. Mit Küchen hatten auch die Alchimisten zu tun: Auch die Alchimisten versuchten in ihren Küchen wertloses Metall durch «Kochen» in Gold zu verwandeln und lebensverlängernde Elixiere zu finden. Für C.G.Jung war die alchimistische Küche ein Symbol für die Wandlungen und Veränderungen, die in der Psyche der Menschen stattfinden. Für ihn stellt die Küche ein Symbol für die psychotherapeutische Praxis dar, da diese ebenfalls auf Veränderung und Erneuerung zielt. In der Psychotherapie geht es um Bewusstmachung und Umgestaltung bisheriger Auffassungen und Lebensmuster. Ganz allgemein steht die Küche für einen Ort, in dem grosse Veränderungen und Verwandlungen stattfinden. Dies gilt auch für die heutigen politischen «Küchen», in denen die Parteien ihre «Süppchen» kochen und mehr oder weniger bekömmliche Menüs für gesellschaftliche Veränderungen oder für die Zementierung bestehender Verhältnisse produzieren.

KugelKreis

Der Kreis war nach Barbara Walker immer eines der wichtigsten weiblichen Zeichen. Die frühen matrifokalen Dörfer hatten runde Herde, runde Häuser, runde Zäune und runde Verteidigungsanlagen. Der Kreis wurde mit der Vorstellung eines geschützten oder geheiligten Raumes assoziiert. Geschlossene Kreise wurden immer als Schutz betrachtet, vor allem von Personen, die mit Magie arbeiteten. Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeit nannte man Zauberer auch «Kreiszeichner». Als Analogie erinnerte der Kreis an das volle Gesicht des Mondes, an die Pupille des Auges, das alles sieht, an den Kreis des sichtbaren Horizontes und an Tausende von anderen Naturformen. - Die Kugel galt in der klassischen Frühzeit als Modell der Erde, bis das «finstere Mittelalter» diesen Zusammenhang verdunkelte. Dennoch verkörperte der Reichsapfel, eine Kugel in der linken Hand eines Monarchen, seinen Anspruch auf die Herrschaft über die ganze Erde. Während des christlichen Zeitalters erhielt der Reichsapfel ein Kreuz als Krönung; das sollte die Herrschaft der Kirche über die Erde andeuten und die Könige daran erinnern, dass sie von Gottes Gnaden regierten (Barbara Walker, BN 801, 25-26).

LachenWeinen

Das Weinen ist in der Regel von Tränen begleitet. Christa Mulack verweist auf den symbolischen Zusammenhang von Tränen und Wasser. Im Märchen «Das Mädchen ohne Hände» treten die Tränen an die Stelle des Wassers und besitzen dieselbe rettende Kraft. In einer Reihe von Mythen und Märchen werde den Tränen sogar die Macht der Erlösung zugesprochen. Beispiele: Im griechischen Mythos fallen die Tränen der Göttin der Morgenröte auf die Erde, seit sie ihren Sohn im Trojanischen Krieg verlor. Das Märchen «Die Gänsehirtin am Brunnen» erzählt von den Tränen der jüngsten Königstochter, die zu Perlen werden und sie schliesslich aus ihrem Dasein als Gänsehirtin erlösen. In der altchinesischen Symbolsprache galt die Perle wiederum als eines der «acht Kleinodien» und bedeutete Kostbarkeit und Reinheit (Reinheit im Sinn eines Lebens aus den eigenen authentischen Tiefenschichten). - Das heisst, dass dem Weinen und den Tränen eine kathartische und erlösende Kraft zugeschrieben wird. - Eine erlösende oder lösende Kraft dürfte auch dem Lachen zukommen: Dem Lachen wird eine krampflösende Wirkung im körperlichen und seelischen Bereich zugeschrieben.

Lähmung

Das Wort «gelähmt» wird im Lexikon der Synonyme mit folgenden Bezeichnungen übersetzt: lahm, gebrechlich, hinfällig, nicht gehfähig und im übertragenen Sinn als ohnmächtig, blockiert, handlungsunfähig, paralysiert. Es könnte auch noch das Wort «depressiv» angefügt werden. Zu einer «Lähmung» können verschiedenartige Verletzungen führen, wie den Traumsequenzen zu entnehmen ist.

Mädchen

Das Wort Mädchen bezeichnet einerseits weibliche Kinder, anderseits junge Frauen bzw. Jungfrauen. Seit der Abschaffung des Wortes «Jungfrau», das früher eine sexuell voll entwickelte weibliche Person bezeichnete, wurde für diese Jugendliche weiblichen Geschlechts kein neues Wort kreiert. In der matrizentrischen Frühzeit bezeichnete das Wort «Jungfrau» eine autonome, selbstbestimmte junge Frau, auch im Sexualbereich, und keineswegs ein sexuell abstinentes oder asexuelles Wesen, wie patriarchale Gesellschaften später den Begriff definierten.

Mund

Primär ist der Mund das Organ der Nahrungsaufnahme und sekundär das Organ des Sprechens und der Kommunikation. «Mündig» zu werden bedeutet gesellschaftlich erwachsen zu werden und für sich selber sprechen zu können. Wer einen Vormund hat, ist nicht selber handlungsfähig. Dies gilt auch für die Geschlechtsvormundschaft, die auch in der Schweiz noch keinesfalls in allen Teilen durchbrochen werden konnte. Beispielsweise ist die Anima/Animus-Theorie der Jungschen Schule nichts anderes als eine Neuauflage der Geschlechts-Vormundschaft, wenn auch nicht in unmittelbar als solche erkennbar. Die Vormundschaft über die Frau erscheint nämlich nicht in der Grundlage des Lehrgebäudes, sondern wird durch die Anima/Animus-Theorie eingefügt. Grundlage und Ziel der Jungschen Psychotherapie ist nämlich die Individuation. Jung definiert: «Die Individuation ist allgemein der Vorgang der Bildung und Besonderung von Einzelwesen, speziell die Entwicklung des psychologischen Individuums als eines vom Allgemeinen, von der Kollektivpsychologie unterschiedenen Wesens. Die Individuation ist daher ein Differenzierungsprozess, der die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit zum Ziele hat» (ID-Buch 1196, 477). Im Unterschied dazu stellt die Theorie von Anima und Animus eine Vorschrift fürs «richtige» Frausein dar und steht in Gegensatz zur Idee der Individuation und Entwicklung zu einer individuellen Persönlichkeit. In einer Jungschen Psychotherapie wird eine Frau durch die Anima/Animus-Theorie belehrt, was «Weiblichkeit» beinhaltet und was sie zu tun und zu lassen hat, um die Therapie schliesslich als eine «richtige» Frau beenden zu können. Auf Frauen wird somit eine neue Geschlechts-Vormundschaft ausgeübt. - Aus psychoanalytischer Sicht steht der «Mund» für das weibliche Sexualorgan, die Vagina.

Musikinstrumente

Musikinstrumente symbolisieren das Schöne, Musische, Inspirierende, Leidenschaftliche und ebenso das Religiöse und Metaphysische. Alles was Freude macht, was Leib und Seele beflügelt, kann als «Musik» oder «Poesie» empfunden und durch Musik ausgedrückt werden. In einem Traum wird das Geigenspiel mit einer Schreibmaschine «begleitet», das an die Stelle eines Musikinstrumentes tritt (Traum 526). So kann auch das «Schreiben» als «Musik», als eine beglückende Betätigung und Erfahrung empfunden werden.

MutterMütter

Aufgrund eigener Träume und der Träume von Klientinnen bin ich zur Einsicht gekommen, dass die «Mutter» keineswegs immer die physische Mutter darstellt. Meine eigene Mutterkonzeption unterscheidet sich erheblich von der tiefenpsychologischen Sicht. Ich habe weder eine gefährlich «überliebende» noch eine gefährlich «verschlingende» Mutter erlebt, vor der ein «Vater» mich hätte losreissen müssen. Als Kind einer Grossfamilie waren mir jene emotionalen Verwicklungen und «Krämpfe» fremd, mit denen sich bürgerliche Kleinfamilien herumschlagen. - Meine Mutter war im Sinne der Philosophin Agnes Heller ein «Individuum», das sich durch bewusste «Wahl» von Werten und Gefühlswerten auszeichnet. Für das frühe Christentum bestand der höchste Gefühlswert im Liebesgefühl der «Nächstenliebe», während Agnes Heller von den Gefühlen: Liebe, Zuneigung und Freundschaft redet, die sie als «Gipfelpunkte» der Gefühle bezeichnet. Meine Mutter orientierte sich innerhalb ihrer Ehe und Familie an den Gefühlswerten von Liebe, Zuverlässigkeit, Selbstüberwindung, Wiederherstellung der weiblichen Würde durch «Sühne» der vermeintlichen «Sünde» der biblischen Eva im Paradies. Frauen sollten diese Sühne leisten durch eine vorbildlich gelebte Mutterschaft und Pflichterfüllung in der «Nachfolge Christi». - Wenn diese ideellen und ideologischen Sachverhalte bei der Beurteilung mütterlichen Verhaltens mitbedacht werden, kommen wir zu ganz anderen Resultaten als die traditionelle Tiefenpsychologie. - Menschheitsgeschichtlich stellt die Mutter die früheste und erste Lehrerin ihrer Kinder dar, indem sie Wissen und Erfahrung vermittelt, unter anderem über Ernährung und Kleidung sowie den Umgang mit Pflanzen, Tieren, Menschen und mit der Umwelt insgesamt. Mütter waren Lehrerinnen fürs Säen und Ernten, für die Zubereitung und Aufbewahrung der Nahrungsmittel. Trotzdem wäre es naiv zu glauben, jede Mutter habe dem Ideal entsprochen, die das spätere Patriarchat dem Muttersein generell unterstellte. Tiermütter können in einer Situation von Stress ihre Jungen verlassen oder sogar auffressen. Menschliche Mütter haben schon in der Frühzeit begonnen, unerwünschte Schwangerschaften zu verhindern oder Kinder nicht aufzuziehen, wenn sie sich in einer Notsituation befanden.

Nacktheit

Nacktheit und Nacktsein bedeutet unbekleidet sein und daher schutzlos und verletzlich. Jedes Tier ist mit einem Fell bekleidet. Kein Tier ist derart verletzlich und allem Ungemach ausgeliefert wie ein nackter Mensch. Angenehm und lustvoll ist Nacktheit nur in einer geschützten Situation. Sich «nackt» dem Leben auszusetzen, bedeutet, sich dem «Leben» zu stellen, das sowohl lustvolle als auch schmerzliche Bereiche umfasst. Sich ungeschützt dem Leben aussetzen zu wollen, kann bedeuten, durch eigene Erfahrung - die auch den erotischen Bereich betrifft - verstehen zu wollen, was das Leben mit uns meint und ob es sich zu leben lohnt.

PersonPersönlichkeit

In der Symbolgruppe «PersonPersönlichkeit» wurden Personen bzw. Persönlichkeiten zusammengefasst, die sich in der aktuellen Traumserie in folgenden Bezeichnungen manifestieren: Mann, Barbaren, Kriegsmacht, Stifterin, Ketzerin, Pfarrer, Tyrann, Lastwagenführer, Detektiv, Sklavin, Picasso, Hexe, Schafhirt, Dickwanst, Männer in Kriegsrüstung.

Pferde

Das Pferd ist ein überaus schnelles, kräftiges und zugleich sanftes Tier, das sich von Pflanzen ernährt. Seine besondere Qualität besteht in seiner Fähigkeit, Menschen auf seinem Rücken zu tragen. Pferde stehen für die Qualitäten Stärke, Energie und Bewegung. Nicht umsonst wird die Leistung von Automotoren noch immer in Pferdestärken gemessen. Das Pferd ist grammatikalisch sächlich, das Geschlecht der Pferde wird in den Bezeichnungen «Stute und Hengst» sichtbar. In ihrem Erscheinungsbild und in ihren Fähigkeiten sind sie jedoch kaum zu unterscheiden, denn sowohl Stute wie Hengst sind sanft, können Menschen tragen und in Pferderennen mithalten. - In der Indianischen Weisheitslehre heisst es, Pferde seien wie der Wind, ihre «Medizin» sei Schnelligkeit, Ausdauer, Stärke und Freiheit des Geistes (ID-Buch 1343, 24-25). - Selber habe ich keine Erfahrung mit Pferden, beobachte jedoch den vertrauten Umgang der Pferdenarren mit ihren Tieren und das Pferdereiten als eine Form von Therapie. Von meinem Küchenfenster aus bekomme ich täglich Reiterinnen (und wenige Reiter) zu Gesicht. Umso erschreckender drängt sich die Erinnerung auf, dass diese sanften Tiere für Kriegsschlachten missbraucht wurden. Das wirklich Besondere und Faszinierende an Pferden ist für mich die Verbindung von Schnelligkeit, Kraft und Sanftmut, also die Verbindung von vermeintlichen Gegensätzen. Pferde widerlegen die psychologische Theorie vom Gegensatzcharakter von weiblich und männlich. Die Erfahrung mit Pferden ermöglicht es, Kraft und Schnelligkeit auch zum Weiblichen gehörend und Sanftmut auch zum Männlichen gehörend aufzufassen. Diese Doppelstruktur von Stute und Hengst könnte erklären, warum so viele junge Frauen sich für Pferde und fürs Reiten begeistern.

PflanzenBlumen

Menschen und Tiere benötigen Pflanzen, um Leben zu können. Dies gilt auch für Menschen, die viel Fleisch essen, weil ihre Nahrungstiere Pflanzenfresser sind. So sind alle Lebewesen von Pflanzen und Kräutern abhängig, die von Mutter Erde hervorgebracht werden und uns zur Verfügung stehen. Nebst den Nahrungspflanzen haben die Menschen durch Ausprobieren und Experimentieren Heilmittel, Gifte und Genussmittel entdeckt sowie eine komplexe Kräuterkunde entwickelt. In vorpatriarchalen Gesellschaften waren es meistens die Clanmütter, die als kräuterkundige Heilerinnen fungierten. Das Heilen stellte sozusagen eine Erweiterung ihrer Funktion als Mutter dar (ID-Buch 801, 585).

PriesterinPriester

Vicki Noble verbindet die Priesterin mit den Begriffen «Heiles und Heiliges». Die Funktion der Priesterin sieht sie im Wesentlichen darin, ein «Kanal» für Energien und Kräfte zu werden, ein Gefäss, in das Macht einströmen kann. In der Priesterin sieht sie eine Frau, die sich für eine bestimmte Zeit öffnet «für die göttliche weibliche Präsenz in ihren Körper». Die Priesterinnen in ihrem Tarot, entsprechen den Königinnen im traditionellen Tarot. Sie verweisen auf administrative Fähigkeiten, Sinn für das Heilige und die Autorität einer Mutter. - In der Priesterin der Schwerter sieht Noble den «arbeitenden Geist, ein Kanalisieren der Weisheit» . Sie verrichte ihre Arbeit in der strengen Umgebung von Schnee und Eis. Als Repräsentantin des kritischen Verstandes sei sie unparteiisch und unnachgiebig, vernünftig, sie habe einen klaren Kopf. - In der Tradition werde sie als Witwe oder getrennt lebende Frau gedeutet. - Die mit der Priesterin der Schwerter verbundene Eule deutet Noble als eine Veranschaulichung des Gedankenflugs. Als Nachtvogel verweise sie auf die Weisheit der Traumwelt und des kollektiven Unbewussten. Sie versinnbildliche zudem Heilkraft wie auch die Fähigkeit, notfalls um das eigene Leben zu kämpfen (ID-Buch 1316, 204). - Zum Thema «Priester» vermittelt der «Brockhaus»: Innerhalb des priesterlichen Handelns komme dem Vollzug von Opfern eine zentrale Bedeutung zu. Innerhalb der sozialen Gemeinschaft nähmen Priester eine Sonderstellung ein, charakterisiert durch eine besondere Lebensweise (z.B. Tragen besonderer Kleidung) und zahlreiche Vorrechte (Befreiung von Erwerbsarbeit, Unterhaltung durch die Gemeinschaft). Der Zugang zum Priestertum könne erblich sein (z.B. bei den Brahmanen im Hinduismus, bei den Nachkommen Aarons im Judentum) oder durch Weihe erfolgen. Die durch Priester wahrgenommenen Aufgaben sein: Krankenheilung, Rechtsprechung, Organisation der Wirtschaft, politische Führung. - Das Christentum sehe in Jesus Christus den einen und ewigen Hohen Priester (Hebräer 49). Die katholische und orthodoxe Theologie verstehe ihr Priesteramt als Stellvertretung dieser Priesterschaft Jesu Christi durch einen eigenen hierarchisch gegliederten Priesterstand. Die evangelische Theologie sehe alle Getauften zum priesterlichen Dienst berufen (Brockhaus 2004).

RasereiSturm

Die Worte Raserei und Sturm stehen für besonders intensive und erregende Vorgänge und Gefühle, die uns gefährlich werden, aus dem Gleichgewicht oder aus der Bahn werfen könnten.

RattenMäuse

Ratten und Mäuse sind Nage- und Wühltiere. Sie legen ganze Netze unterirdischer Gänge an, in denen sie leben, wobei Ratten sich zudem in Abwasserkanälen und Abfalldeponien aufhalten, um Essbares zu finden, zu benagen und zu verwerten. Ratten sollen sich sogar an Autopneus vergreifen. Weil Ratten in Abwasserkanälen und Abfalldeponien wühlen, werden sie für eine «kulturlose» Tiergattung gehalten und entsprechend verachtet, auch weil man sie als Krankheitsüberträger betrachtete (Pest). Während ich diese Sequenz überarbeite, stosse ich im Tagblatt (27.4.2005) genau auf diese verachtende Sicht. Unter dem Titel «Die Ratte, die Stadt, das Gift» wird gesagt, die Ratte symbolisiere «Dinge, die wir nicht lieben: Schmutz, Krankheit, Tod». Dagegen fänden wir das Eichhörnchen, das der Ratte biologisch sehr ähnlich sei, putzig und lustig. Eine unscheinbare Frau wird in unserer Gesellschaft als «graue Maus» bezeichnet, was sagen will, sie sei für Männer uninteressant. Weil das Erbgut von Mäusen viel Ähnlichkeit mit dem menschlichen Erbgut haben soll, mussten diese armen Tiere während Jahrzehnten für Vivisektion herhalten, damit an ihnen geforscht und Medikamente für die Menschen ausprobiert werden konnten. Ratten müssen über eine unglaubliche Zähigkeit und Lebenskraft verfügen, um ein Leben in Abwasserkanälen und Abfallbergen überhaupt auszuhalten, ohne krank zu werden oder zu verkrüppeln. Den Ratten wird aber auch nachgesagt, sie seien überaus intelligente Tiere. Alice Herdan-Zuckmayer unterstellt einer bestimmten Rattenart sogar eine «bewusste Intelligenz und berechnende Gefährlichkeit», nachdem ihre Hühnerfarm von eben solchen Ratten überfallen worden war. Dieser «Angriff» sei «in Form eines Blitzkrieges» erfolgt. Eine Armee von Norwegischen Wanderratten sei in organisierter Formation durchs Land gezogen, und sie hätten einen Hof belagert, wenn er ihnen gefiel (ID-Buch 607, 95-97). Andere Ratten werden neuerdings als Streicheltiere gehalten. Ich weiss von einem zirka 15-jährigen Mädchen, das eine solche Ratte unter ihrem Pullover direkt auf ihrem Körper trug, um das Kitzeln von dem trippelnden und krabbelnden Tierchen auf ihrer Haut zu spüren. - Mäuse und Ratten könnten, da sich ihr Leben in der «Unterwelt» abspielt, als Symbole für Introversion verstanden werden. Das Graben und Wühlen im «Abfall» könnte als ein Aufspüren von Verwertbarem oder Wertvollem aufgefasst werden, somit als eine Form von «Detektivarbeit». Eine solche Arbeit im «Untergrund» könnte bedeuten, dass eine Person auf der Suche nach «Nahrung» für ein Überleben im geistig/seelischen Bereich sei. Die kleine, unscheinbare, graue und ungemein flinke Hausmaus, die in Estrich und Kellern Vorräte anknabbert, könnte anzeigen, dass sie Zugang hat sowohl zu den «oberen» (geistig/seelischen) als auch «unteren» (triebhaften) Bereichen des menschlichen Lebens. Mythologisch gehört die Maus zu den «Seelentieren» (in Indien ist die Maus das «Reittier» der Elefantenköpfigen Gottheit Ganesha).

Rot

Für Gerda Weiler ist das leuchtende Rot das elementarste Symbol matriarchaler Energie. Rot bedeutet Wärme und strömende Lebenskraft. Rot geht die Sonne unter am westlichen Horizont. Am Morgen färbt sich der Osthimmel rot, wenn sie wiedergeboren wird. Rot ist das Blut, der Saft des pulsierenden Lebens. Rot ist Lebensenergie. Rot ist die Kultfarbe der orientalischen Göttinnen. Ihre Priesterinnen tragen Purpurgewänder. - Rot ist die Farbe aller Früchte, die der Göttin heilig sind: Der rotbackige Apfel, der Granatapfel, die Tomate und die kleinen roten Früchte der Mandragora. Den Most von Granatäpfeln mischt die Priesterin mit dem berauschenden Saft der Mandragora zum kultischen Liebestrank für sich und ihren Geliebten, wenn sie ihn zur Heiligen Hochzeit empfängt. Rot wird zum Sinnbild für das höchste Lebensgefühl, die äusserste Spannung der Seele, wenn die Menschen in der Ekstase aus sich heraustreten und das Wesen der Göttin annehmen. Rot ist die energiegeladene Spannung, durch die soziale Ordnung spontan entsteht. - Energie strahlt überall leuchtend rot: Rot ist die Liebe, diese alles umgreifende kosmische Kraft, an der Frauen und Männer teilhaben dürfen. Rot ist der Zorn, die Empörung, die Wut, die die Menschen voneinander trennt. Wer sich aggressiv gegen andere abgrenzt, sieht «rot». Rot ist die Kraft, die ebenso notwendig ist, um einen Zustand zu verändern, wie auch, ihn aufrecht zu erhalten. - Rot ist die Farbe der Venus von Willensdorf, der Grossen Göttin der Eiszeit, die vor 25'000 Jahren von einem Stamm im Donautal verehrt worden ist. Nur ihre Nachbildung aus grauem Stein wird heute im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt. Das Original, das sich im Tresor befindet, ist rot bemalt (ID-Buch 77, 85-86)

Sachen

In die Symbolgruppe «Sachen» können die unterschiedlichsten Gegenstände integriert werden, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben. Aktuell sind dies: Mond, Schriftstück, Sternenhimmel, handgehäkelte Decke, Leiter, Schreibtisch.

SchlammLehm

Der Schlamm besteht im Grunde aus höchst fruchtbarer Erde. Nachdem das Nildelta nicht mehr regelmässig überschwemmt und mit Schlamm bedeckt wurde, ist die früher fruchtbare Gegend zum Teil unfruchtbar oder sogar Wüste geworden (wegen der Errichtung des Nildammes). Anderseits kann eine von Schlamm überschwemmte Gegend für Menschen und Tiere zum sicheren Grab werden. Es ist nämlich kaum möglich, sich selber aus einem solchen Schlamm heraus zu befreien. Dagegen können wir, wenn wir ins Wasser gefallen sind, uns selber helfen, sofern wir das Schwimmen erlernt haben. Das Symbol «Schlamm» wird in der Psychologie oft mit dem Symbol «Sumpf» identifiziert, weil man auch in einem seelischen oder realen «Sumpf» ertrinken kann.

Schlangen

Phänomenologisch gesehen ist die Schlange ein Kriechtier. Als solches steht es in hautnaher Verbindung zum Erdboden. Sie vermag trotzdem Bäume und Äste zu erklimmen. Die biblische Schlange sass auf dem «Baum der Erkenntnis», als sie zu Eva sprach, sie solle von dessen Früchten essen, sie werde dann «Gut und Böse» erkennen und unterscheiden können. In früheren Mythologien ist oft die Rede von einem Lebensbaum oder «Baum des Wissens», der von einer Schlange bewacht wird, wobei diese Schlange der Göttin heilig ist. In der minoischen Kultur Kretas spielten Schlangen eine wichtige Rolle. Die Schlange ist nach Barbara Walker eines der ältesten Symbole weiblicher Macht. Die Gnostiker ehrten Eva und die Schlange dafür, dass sie das Wissen zur Verfügung stellte, welches Menschen zu Menschen macht. In etlichen Mythologien wurde der Lebensbaum oder «Baum des Wissens» von einer Schlange bewacht (siehe Mythologie). - Die Schlange symbolisiert das heilende und heilsame Wissen. Im Märchen «Die weisse Schlange» heisst es, wer ein Stücklein von der Schlange esse, könne die Sprache der Tiere verstehen, was die Jungianerin Marie Louise von Franz als «Märchenweisheit» bezeichnet. Ferner sagt sie, die Schlange symbolisiere äusserste Gegensätze: den Geist und die Erde, Leben und Tod, Gutes und Böses. Sie sei eine «Veranschaulichung der tiefsten Schicht des kollektiven Unbewussten (man spricht ja auch vom Reptiliengehirn), von der Sphäre, wo unsere Psyche mit den physiologischen Funktionen des sympathischen Nervensystems in Berührung» stehen (ID-Buch 1369, 200). - Die Schlange gehört zu den «Kaltblütlern», zu denen wir keinerlei Rapport herstellen können. In der traditionellen Tiefenpsychologie wird die Schlange aufgrund ihrer länglichen Form als Symbol für das männliche Geschlechtsorgan gedeutet. Die Angst vor Schlangen wird von der Psychoanalyse in allzu einseitiger Weise als Sexualangst interpretiert.

SchlüsselSchloss

Die Funktion des Schlüssels ist das Verschliessen und Öffnen von Zugängen zu verschiedenen Orten und Gegenständen. Im Bereich der Psychologie symbolisiert der Schlüssel den Zugang zu den seelischen Tiefenschichten, zum sogenannten «Unbewussten». Der erklärte «Stolz» eines Jungianers, eine seiner Patientinnen «geöffnet» zu haben, geht von der Vorstellung aus, den «Schlüssel» zum Unbewussten einer Frau gefunden, eine weiblichen Psyche «aufgeschlossen» zu haben. - Im Unterschied dazu bestand der «Schlüssel» für die Jungianerin Gertrud Hess im therapeutischen Vorgehen und der Wirkung von Psychotherapie, indem «dem vernachlässigten Innenleben Interesse und Liebe entgegengebracht wird, wodurch dann der Gesundungsprozess» in Gang kommen könne (ID-Buch 944, 45). - Nach Barbara Walker war der Schlüssel ein mystisches Symbol des Wissens über das Leben nach dem Tode. Der Schlüssel symbolisierte oft auch die «Erschliessung» okkulter Mysterien. Nach der Philosophin Chiara Zamboni ist «der eigene Standort in einem Ereignis» der «Schlüssel für den Zugang zur Wirklichkeit dieses Ereignisses, auch für die anderen»(ID-Buch 721, 156).

SchreibenPapier

Zur Gruppe «SchreibenPapier» assoziiere ich in erster Linie das Tagebuchschreiben, da dies für Frauen, die in einen arbeitsintensiven Alltag eingebunden sind oder sich sonst in einer beengten Situation befinden, eine Möglichkeit darstellt, ihre Beobachtungen und Erfahrungen, Hoffnungen und Wünsche zu erinnern und zu reflektieren. So verstanden könnte das Tagebuchschreiben als «Erinnerungsarbeit» bezeichnet werden, das sich übrigens durchaus auch auf geschichtliche Fakten und Hintergründe oder auf Ideen und Theorien der Gegenwart beziehen kann, wie das Schreiben ganz allgemein. Nicht umsonst heisst es, dass es ohne Erinnerung keine Geschichte, keine Religion, keine Persönlichkeitsentwicklung und also auch keine Identitätsentwicklung gebe.

Schuhe

Ein Schuh ist nicht einfach ein Schuh: Bergschuhe symbolisieren etwas anderes als Stöckelschuhe. Keine Schuhe zu besitzen, bedeutet etwas anderes, als freiwillig ohne Schuhe oder «barfuss» zu gehen. Auf der Subjektebene bedeuten Bergschuhe, dass wir sogar in einem unwirtlichen Gelände gehen, in einer schwierigen Situation bestehen können. Viele alte Quellen setzen Schuhe mit dem weiblichen Geschlechtsorgan gleich.

SchuleStudium

Die Symbolgruppe «SchuleStudium» beinhaltet das ursprünglichste Thema und die erste Forderung der Frauenbewegung bzw. der feministischen Psychologie: Die Forderung nach Zugang zu Studium und Beruf. Dies kommt auch in den aktuellen Traumsequenzen zu den Symbolen: Schulbücher, Schulfreundin, Schülerin, Student zum Ausdruck.

SchwangerGebären

Die Philosophin Chiara Zamboni erwähnt den Traum von Lia Cigarini in «La politica del desiderio», in dem sie ein Kind zur Welt brachte. Die Psychoanalytikerin, mit der Lia Cigarini damals in Beziehung stand, deutete den Traum als Ausdruck des Wunsches nach einem leiblichen Kind. Cigarini selber verstand ihn als ein Zeichen dafür, dass die Frauenbewegung, an der sie massgeblich beteiligt war, im Begriff stand, ein reiches und sichtbares Ergebnis hervorzubringen, als einen Schatz, der in der Gesellschaft in Umlauf gebracht werden konnte (ID-Buch 721, 41). - Das ist eine sehr schöne und kreative Deutung und deckt sich grundsätzlich mit meiner eigenen Erfahrung. Träume von Schwangerschaft und Geburt können zwar im einen Fall den Wunsch nach einem realen Kind bedeuten, in einem anderen Fall jedoch die Gestaltwerdung eines geistigen «Kindes», sei dies in Form einer inneren oder äusseren kreativen Tätigkeit, im Denk- oder Handlungsbereich.

SchwarzWeiss

Die Farben Schwarz und Weiss symbolisieren traditionell die Polarität zwischen «Gut und Böse», und sie sind stark mit Vorstellungen über Schuld und Unschuld verknüpft. Nach Walter Nigg gibt es in der menschlichen Geschichte nur zwei Möglichkeiten: Schuldig zu werden oder sich zu opfern. Ein dritter Weg existiert seiner Meinung nach nicht (ID-Buch 1162, 83). Anderseits steht die Farbe Schwarz auch für eine positive Beziehung zur «Mutter Erde», die u.a. im Bild vom «schwarzen Afrika» enthalten und mit allen Vorzeichen des «Heidnischen» und Faszinierenden behaftet ist, allerdings auch zugleich mit dem vermeintlich «Kulturlosen». Das «Heidnische» ist darum faszinierend, weil es die Welt des Natürlichen, Vitalen, des «Paradieses» verkörpert, aus dem die Menschen während des Übergangs zum Patriarchat durch «Mord, Raub und Vergewaltigung» vertrieben wurden (Carola Meier-Seethaler, BN 876). - Die reformierte Theologin und Pfarrerin Angela Römer-Gerner ist von der Schwarzen Madonna fasziniert. Keiner wisse, warum sie schwarz sei, und dies lasse viele Möglichkeiten der Deutung, der Projektionen zu: «Schwarz, die Farbe der Wandlung; schwarz, die Farbe der Weisheit, nicht der Buchweisheit, sondern als gelebte, ja erlittene Weisheit. Und schwarz als Farbe des Alters (Schritte ins Offene, 2/2006, S.12). - Die Farbe Weiss steht im christlichen Umfeld für «Jungfräulichkeit» bzw. sexuelle Unberührtheit. Physikalisch gesehen besteht die Farbe Weiss aus der Summe aller Farben.

SeeleSeelisch

Theresa von Avila vergleicht die Seele mit einer Burg, in der sich viele Räume befinden (Seelenburg). - Aus psychologischer Sicht steht der Begriff «Seele» für das Subjektive, das Subjekt, für Persönlichkeits- und Selbstwerdung. In einer Frauengruppe wurde die Seele als Resonanzboden für die äussere Weltwirklichkeit bezeichnet. - Die Philosophin Agnes Heller beschreibt die Seele (Psyche) als ein Wahrnehmungs-, Erlebens- und Orientierungssystem. - Für die Veroneser Philosophin Chiara Zamboni hat die Seele mit Begehren und Orientierung zu tun. Die Seele (auch Daimon genannt) orientiert uns darüber, was für unsere eigene Person begehrenswert und wichtig ist. Wenn die Menschen «gezwungenermassen oder aus Bequemlichkeit ihrem Begehren» nicht folgen, dann langweile sich die Seele und gehe weg. Die psychologische Sprache nennt diesen Zustand «Selbstentfremdung», ich selber spreche zudem von «Seelenverlust». Für das Begehren der Seele bringt Zamboni folgendes Beispiel: Beim Zubereiten einer Mahlzeit spielt nicht nur die Befriedigung notwendiger Bedürfnisse eine Rolle, sondern «die Treue zum Begehren», ein über die Notwendigkeit hinausgehender Sinn. Das Begehren bilde sozusagen die «Funken in der Materie», die uns zeigen, in welche Richtung wir auf dem «experimentellen Weg» unseres Lebens weitergehen sollen, da unsere Seele von diesen Funken angezogen werde. Ihrer Meinung nach macht das Begehren unsere Einzigartigkeit aus, durch das wir letztlich zu einem «Geschenk» für die Welt werden könnten, da im Begehren unsere Fähigkeit begründet sei, etwas Neues anzufangen. Zambonis Text bietet nach Auffassung von Dorothee Markert einen Ausweg aus dem Gefangensein in der falschen Alternative zwischen Subjektivität und Objektivität, indem gezeigt werde, «dass ich immer, wenn ich über meine Erfahrungen, meine Gefühle und Phantasien spreche, auch über die Welt spreche, da ich ein Teil der Welt bin». So könne aus meinem Von-mir-selbst-Ausgehen zusammen mit dem der anderen ein Wissen über die Welt entstehen, das uns helfe, sinnvoll politisch zu arbeiten (ID-Buch 721, 153-154). - Was die Veroneser Philosophinnen als «Langeweile der Seele» bezeichnen, haben Katharina von Siena und andere Mystikerinnen als einen Zustand von seelischer «Ausdörrung» und «Dürre» beschrieben, die aber durch Akzeptanz des Leidens überwunden werden könnten. Das Leiden führe zum tieferen Erleben und sei der direkte Weg zu Gott, der in der tiefsten Seelenschicht direkt zu uns spreche. - Der Kirchenhistoriker und Hagiograph Walter Nigg bezeichnet die Seele als das «göttliche Geheimnis». Sie sei das «Unergründliche» in den Menschen, dessen Tiefen so wenig auszuloten seien wie die Tiefen des Meeres. Bei Sokrates sei die menschliche Seele «auf ganz unbegreifliche Art erwacht». Sie habe sich ihm «auf solch eindringliche, nicht mehr übersehbare Weise ins Bewusstsein geschoben, dass alles andere, Kunst und Wissenschaft, Schönheit und Eros dagegen ins Unwesentliche» versunken sei (ID-Buch 1154, S.173).

SohnSöhne

Als «Kind» einer Frau, einer weiblichen Person und Mutter, stellen Söhne auf der Subjektebene (ebenso wie die Töchter) Aspekte, Begabungen und Fähigkeiten dar, die der Frau selber angeboren sind und auf Entfaltung und Entwicklung drängen. Das heisst, dass «Söhne» jene Potentiale und Kräfte darstellen, die in unserer patriarchalen Gesellschaft und auch in der Tiefenpsychologie als «männliche» deklariert und vereinnahmt werden, während sie, wie aus der Mythologie hervorgeht, in der menschlichen Frühzeit ursächlich zum Weiblichen gehörend aufgefasst wurden. - Dieser Sachverhalt gibt allerdings für die Deutung des Sohnes auf der Objektebene einige Probleme auf. Dies, weil die Interpretation auf dem Hintergrund matriarchaler Mythologie leicht dazu verführt, die Söhne in Umkehrung der patriarchalen Bedeutung total zu entleeren oder als Anhängsel der Frau und Mutter zu einem Nichts zu machen. Mein eigenes Männerbild kommt im Symbol «VaterVäter» zum Ausdruck: Die neuen Männer sehe ich ähnlich vielseitig und stark wie die Frauen, libidinös kraftvoll und trotzdem einfühlsam sensibel, kooperativ und abgegrenzt, genussfähig und verzichtfähig, bindungsfähig und selbständig, wohlwollend und liebevoll schützend, aber auch fähig, Pranken und Zähne zu zeigen, beispielsweise gegenüber dem Aggressor Patriarchat und seinen Epigonen.

Spiegel

Vicki Noble schreibt, die traditionelle Archäologie interpretiere das Vorkommen von Handspiegeln in den frühen Kulturen als Beweis für die Eitelkeit der Frauen. Sie selber sieht dies anders: Spiegel tragen einen weit älteren und heiligen Sinn, der auch heute noch von den Ureinwohnern Amerikas oder den japanischen Sintogläubigen verstanden werde, indem sie in ihren Schreinen einen Spiegel aufbewahren, der ihnen das menschliche Herz spiegelt. Im Tarot sei der Spiegel mit den Hauptinitiationsriten verbunden, deren wichtigstes Anliegen das «Erkenne dich selbst» sei (ID-Buch 1316, 50). - Aus der Sicht der «Objektbeziehungstheorie» ist die «Spiegelung» durch die Mutter lebenswichtig für das Existenzgefühl eines Kindes. Spiegelung meint hier das Wahrnehmen und Reagieren auf die Lebensäusserungen des Kindes, ohne das sich kein Wirklichkeitsgefühl entwickeln könne. Männer werden von Frauen gespiegelt: Von Müttern, Ehefrauen, Geliebten, Musen, Mitarbeiterinnen, während eine gleichwertige Spiegelung der Frauen durch Männer aufgrund des geltenden Rollenverständnisses nicht vorgesehen ist. - Im psychologischen Sinne hat der Spiegel und die Spiegelung mit Identität zu tun. Sich im Spiegel zu betrachten bedeutet Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis. In Psychologie und Religion wird der Frau leider ein «zerbrochener» Spiegel vorgehalten, darin die Frau sich nicht wieder erkennen kann. Die sich selbst wahrnehmende Frau nimmt sich anders wahr, als patriarchale Männer sie sehen und beschreiben. Es ist für eine Frau verletzend, sich im Spiegel patriarchaler Männerblicke betrachten zu müssen. - Im Unterschied dazu hiess es von den Hexen, dass sie geschickt darin seien, mit Hilfe magischer Spiegel zu übersinnlichen Erkenntnissen zu kommen (ID-Buch 1300, 214). - Eine Ahnung von der ursprünglichen Bedeutung des Spiegels lebt noch in den Rokokofiguren, indem der Spiegel in der Hand weiblicher Heiligen nicht 'Vanitas' (Eitelkeit) heisst, sondern ausdrücklich 'Prudentia', also Weisheit symbolisiert. Auf diesem Hintergrund werde klar, warum den Priesterinnen von Catal Hüyük der Obsidianspiegel ins Grab folgte. Er sei Zeichen ihrer Funktion als Seherin und möglicherweise als Orakelpriesterin - Funktionen, die uns von den priesterlichen Frauen der späteren Hochkulturen durchaus vertraut» seien (Carola Meier-Seethaler: BN 876,72-73).

SpielenSpiel

Nach Auffassung von Gustav Bally ist «der Mensch» erst da «ganz Mensch, wo er spielt». Das heisst, wo Menschen sich bewegen und tätig sind, frei von Absichten und Zwecken. Diese Beschreibung des Spiels und des Spielens finde ich sehr schön.

StädteDörfer

Die Symbolgruppe «StädteDörfer» umfasst mehrere grössere Städte, die in ihrer Bedeutung sehr unterschiedlich sein können. Daher kann auch das «Reisen» in diese Städte Unterschiedliches symbolisieren. Zur Metaphorik des Reisens, meinte der Psychoanalytiker Herbert Silberer, diese beginne «vermeintlich mit Odysseus». Die «Reise» meine jedoch den Individuationsprozess, der in die Unterwelt zurück führe, «den Helden mit allen Ungeheuern seiner Phantasie und jener Welt» konfrontiere, «um endlich - im glücklichen Fall - zu sich selbst, zu seiner Liebe, zu 'Penelope' zu befreien». Mythologisch gehe der Individuationsprozess dann gut aus, wenn der Held den Drachen erledige (Nitzschke: BN 1341, 35). - Ich erwähne diese psychoanalytische Deutung, weil sie den Individuationsprozess aus männlicher Perspektive darstellt und zudem lediglich auf das männliche Individuum bezogen ist. Vor allem erwähne ich sie, um unseren Blick zu schärfen für den Unterschied des Individuationsprozesses von Frauen, die mit ganz anderen Bewährungsproben zu rechnen haben, als die patriarchalen männlichen «Helden».

SteinGestein

Zu den Steinen zählen mächtige Felsen, winzige Sandsteine, harte Edelsteine, Mineralien, tragende Ecksteine, feste Prüfsteine, Mühlsteine. Besonders symbolträchtige Steine sind die Lochsteine oder der «Stein der Weisen» (ID-Buch 801, 664-706). Der Mühlstein war immer ein Symbol der Göttin des Getreides, ein Symbol der Ernte, des Mahlens und Backens (ID-Buch 801, 691). Der Prüfstein wurde und wird benützt, um den Reinheitsgrad wertvoller Metalle zu bestimmen. Der «Stein der Weisen» ist seit der Spätantike die Bezeichnung für die wichtigste Substanz der Alchimie. Ihm wurde die Kraft zugeschrieben, unedle Metalle in Gold oder Silber zu verwandeln oder als Lebenselixier verjüngend zu wirken (Brockhaus 2004). - Philosophen sprachen über den «schmerzhaften Gegensatz» zwischen der Vergänglichkeit des Menschen und der vergleichsweise unzerstörbaren Dauer von Edelsteinen, Felsen oder Fossilien. Steine dienten von alters her als Hilfsmittel der Meditation.

StimmeStimmen

Zu «Stimme» assoziiere ich die «innere Stimme», Stimmrecht, die Stimme der «inneren Göttin» (oder Gottes) sowie «die Stimme der emanzipierten Frau», die (nach Brockhaus) Mystifikationen vertreibe und die Wahrheit sage. Mit diesem Ziel habe sich Simone de Beauvoir, eine der grossen intellektuellen Frauengestalten des 20.Jahrhunderts, mit einer Rigorosität und Kompromisslosigkeit verschrieben, die Bewunderung wie Kritik hervorriefen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre gehörte sie zu den bedeutendsten ExponentInnen des französischen Existenzialismus. Ihr umfangreiches literarisches, essayistisches und philosophisches Werk zeuge von der unerschöpflichen Energie einer Aufklärerin und Moralistin, die bis zuletzt an ihrem Lebensprojekt «Erkennen und Schreiben» festhielt. Ihr essayistisches Hauptwerk «Das andere Geschlecht» machte sie zur Vordenkerin des modernen Feminismus. Ihr grosses Memoirenwerk sei zugleich Geschichte eines individuellen Lebens und Chronik einer Epoche. - Da ich gerade Irmtraud Morgners «Amanda» lese, assoziiere ich Morgners Bemerkung über die «Stimme der Sirenen». Heutige Sirenen hätten die wesentliche Aufgabe, die «Menschwerdung der Frau» und den «Eintritt der Frauen in die Historie» zu befördern. Wichtiger als die Klage sei der Einspruch, die Korrektur, die Revision. Die Trobadore Beatrice warte nicht mehr, sie habe sich selber aufs hohe Ross gesetzt und sich die Kunst des Reimens im Selbststudium beigebracht. Der schlimmste weibliche Mangel sei, so die Trobadore, der Mangel an Grössenwahn. - Wenn die Frauen sich befreien wollten, so müssten sie sich in einem grossen Zusammenhang begreifen, und die Spannung - die darin bestehe - dass sie das Kleine, das Gewöhnliche des Alltags anfassen und gleichzeitig einen grossen utopischen Bogen schlagen, einen grösseren als ein Mann schlagen müsse (ID-Buch 973, 29).

Strasse

Strassen symbolisieren öffentlichen Raum, der zugleich der dem männlichen Geschlecht zugeordnet ist. In politischen Kreisen meint die Rede vom «Mann auf der Strasse» den Durchschnittsbürger, den vom gesellschaftlichen «Sagen» ausgeschlossenen Mann, um dessen Interessen sich die Parteigenossen kümmern müssen. Im Unterschied dazu bezeichnet die Rede von der «Frau auf der Strasse» keine politische Dimension, sondern eine Frau, die «die Strasse macht», also eine Prostituierte, die sich auf der Strasse «anbietet». - Strassen und Wege sind Objekte ausserhalb des «Hauses» und der «Hausfrau». Der Zweck von Strassen und Wegen ist die Verbindung zwischen Häusern, Orten und Ländern. Strassen eröffnen den Zugang zu einer grösseren Welt. Sie sind meistens breiter als blosse Wege und asphaltiert. Strassen und Schnellstrassen stehen für ein rasches Vorwärtskommen in der Welt. Auf Strassen dominieren die Motorfahrzeuge: Auto, Töff, Lastwagen. Auf Schnellstrassen soll rasch verkehrt werden, es darf nicht im «Schneckentempo» gefahren werden, denn das würde die Schnellfahrt behindern. Velos, Kleinmotorräder und Fussgänger sind nicht zugelassen. Strassen können in Berggebieten gefährliche Kurven aufweisen, an steilen Abhängen entlang führen oder vereist sein.

TierArten

Tiere sind in Art und Gestalt sehr unterschiedlich und entsprechend unterscheiden sie sich auch in ihrem symbolischen Gehalt. Innerhalb der vielen Tiergattungen besteht der grösste Unterschied vielleicht im Fressverhalten der Tiere. Die einen sind Pflanzenfresser, andere sind Fleisch- und Aasfresser, die einen gehören zu den «Raubtieren», die anderen gehören zu den Beutetieren. Es macht auch einen Unterschied, ob im Traum ein domestiziertes Tier oder ein Wildtier in Erscheinung tritt und zudem, ob es sich um ein weibliches oder männliches Tier handelt. Im vorliegenden Traummaterial kommen folgende Einzeltiere vor: Affe, Bärin, Bär, Elefant, Frosch, Hase, Hermelin, Krokodil, Löwe, Ochse, Pferd, Sau, Schaf, Schwein, Stier, Stute, Wal, Drache, Bison (Büffel). - In urtümlichen Gesellschaften wurden sehr viele Tiere als höchst spirituelle Geschöpfe angesehen. Barbara Walker weist darauf hin, dass sich die Welt der Menschen und die Welt der Tiere überall überschneidet. An allen Überschneidungspunkten haben Menschen ihre nichtmenschlichen Freunde (oder Feinde) zu allen Zeiten symbolisch abgebildet. Der Affe soll bspw. im Mittelalter ein geläufiges Symbol für das Heidentum gewesen sein (ID-Buch 801, 485-487).

TochterTöchter

Die Töchter symbolisieren nach Vicki Noble den jüngeren Teil einer Person, voller Leben und Enthusiasmus, dem zunehmendem Mond vergleichbar. Sie spiegeln vor allem das Element der Erde. Die Tochter ist das, was Starhawk das «Kindliche Selbst» nennt, sie symbolisiert den unbewussten Teil des Wesens, das innere Kind, das die Welt unmittelbar über die ganzheitliche Wahrnehmung der rechten Hirnhälfte erlebt. Deren Funktionen sind nach Starhawk «Empfindungen, Gefühle, elementarer Antrieb, Bildgedächtnis, Intuition und diffuse Wahrnehmung». - Diese Beschreibung lässt jedoch die Töchter ausser Acht, die in den Träumen und auf der Objektebene als erwachsene Personen auftreten.

TotLebendig

Anders als im realen Leben können in den Träumen Tote wieder lebendig werden (auferstehen). Auch können schwerst verletzte oder verkrüppelte Menschen ganz oder teilweise wieder hergestellt und heil werden.

Treppe

Treppen sind Objekte, die den Menschen das Auf- und Absteigen in Häusern oder an steilen Wegen ermöglichen. Der Symbolgehalt ist naheliegend. Das Aufsteigen und Absteigen kennen wir sowohl im geistig/seelischen Bereich als auch in Gesellschaft und Beruf. Es ist von Karriereleitern die Rede: Im Sportbetrieb steigen die Siegenden auf einer kleinen Treppe aufs Siegerpodest, und SportlerInnen, die verloren haben, sind «abgestiegen». Treppen symbolisieren auf der Karriereleiter Aufstieg und Abstieg, Erfolg und Misserfolg. Im Traum werden Treppen oft näher bezeichnet, z.B. als Steintreppe, Orgeltreppe etc. Menschen gehen Treppen hinauf oder hinunter oder schlafen sogar auf Treppen. Man sagt auch, jemand habe sich «verstiegen», und Jung meinte in selbstherrlicher Manier, man müsse Frauen mit kaltem Wasser «herunterholen», wenn sie sich in Phantasien von «Weltverbesserung» verstiegen hätten.

Türe

Türen symbolisieren Öffnungen (Türen gehen auf) sowie Grenzen im innerweltlichen und ausserweltlichen Bereich. Wir kennen Haustüren, Gartentüren, Küchentüren, Schranktüren, WC-Türen, Lifttüren, Autotüren und andere Türen. Es kommen auch geöffnete, sich schliessende oder beschädigte Türen vor.

UntereRäume

Das Symbol «Untere Räume» bezeichnet unterirdische Orte und Räume, ungeachtet ob sie sich innerhalb oder ausserhalb von Häusern oder Gebäuden befinden. In der Symbolbedeutung des «Oben und Unten» steht das «Unten» für das sogenannte «Unbewusste», aber ebenso für die Tiefenschichten und tiefsten Quellen des Lebens und für «Allverbundenheit» überhaupt. Das «Unten» kann auf der Objektebene für Situationen und Zustände stehen, die sich unbemerkt im Verborgenen abspielen. So gesehen können «untere Räume» auf unbewusste und verborgene gesellschaftliche Faktoren und Prozesse hinweisen, die so selbstverständlich in der Gesellschaft verankert sind, dass sie nicht erkannt, nicht angesprochen und nicht gesehen werden dürfen. Diese unbewussten Faktoren im gesellschaftlichen Raum beinhalten das, was ich als das «gesellschaftliche Unbewusste» bezeichne (nicht zu verwechseln mit dem Jungschen «Kollektiven Unbewussten», das auf seiner Archetypenlehre gründet).

VaterVäter

Vater, Vaterschaft: Alle Mythen zeigen, dass die Männer, nachdem sie ihre Rolle bei der Zeugung erkannt hatten, viele Kinder haben wollten, denn das Zeugen sei der beste Weg gewesen, ein Gott zu werden. Zuvor waren seit unzähligen Generationen die Urmütter von ihrer Nachkommenschaft zu Göttinnen erhoben worden. Die Männer übertrugen ihre Ergebenheit von der Grossen Mutter, der ursprünglich vergötterten Stammmutter, auf die Götter wie Jahwe, weil er den Männern versprach, er werde sie zu einem grossen Volk machen, sie segnen und ihren Namen gross machen. - Im matriarchalen Arabien war die biologische Vaterschaft bedeutungslos. Nach dem Aufkommen des Islam besass sie unter den Männern dann aber einen sehr hohen Stellenwert (ID-Buch 1300, 1129-1132).

Verwandlung

In der aktuellen Traumserie stellt die Symbolgruppe «Verwandlung» ganz unterschiedliche Arten der Verwandlung zur Diskussion: Verwandlung in Mann, Kind, Hund, Bären, Bärin, Löwen, Tiger, Soldat. Und Krankes oder Bissiges verwandelt sich in Gesundes oder «Normales» und Opium verwandelt sich in Säugling etc.

WaldUrwald

Wald und Urwald symbolisieren die Natur in ihrem Urzustand. Das Leben im Wald bedeutet einerseits Autonomie und Freisein von Bevormundung, anderseits das völlige auf sich selbst gestellt sein, was Nahrung, Kleidung, etc. betrifft. - Für Lucie Stapenhorst ist der Wald der «mystische Ort der Selbstbegegnung in den Tiefen der eigenen Seele» (ID-Buch 1321, 73). - Nach Christa Mulack steht der Wald für jene Bereiche der Welt und des Lebens, die noch nicht der patriarchalen Aneignung, Verwaltung, Ausbeutung und Dressur anheim gefallen sind. Der Wald gehört zu den Aspekten der Grossen Göttin. Für Mulack ist es «kein Wunder», dass der Wald in der Tiefenpsychologie auch als Ort der Desorientierung gilt und symbolisch für das Unbewusste steht, das wiederum mit dem Weiblichen identifiziert wird: «So steht der Wald auch für jenen Bereich, den der Mensch nicht freiwillig und gern betritt, da ihn die patriarchale Kultur gezwungen hat, sich gegen jene andere Welt abzuschotten.» Dies gelte für die individuelle Psyche ebenso wie für das kollektive Bewusstsein, «das die Menschheitsgeschichte aufteilt in eine 'primitive' Vorgeschichte, in der die Menschen steinzeitliche Wilde waren, und eine geschichtliche Zeit, die patriarchale Strukturen» kennt, mit der «angeblich die Zivilisation begann». - Anderseits war «der Wald seit jeher, ähnlich wie im Orient die Wüste, ein Ort des Schutzes, an den Menschen sich zurückzogen, wenn sie ihrer Kultur den Rücken kehren wollten. So zogen christliche Eremiten sich zu ihrer geistigen Vervollkommnung ebenso in den Wald zurück wie die Hexen und wilden Frauen, die ihre eigenen Vorstellungen hatten von Weiblichkeit und Religion» (ID-Buch 1271, 88-89).

WaschenWäsche

Die Symbolfigur «WaschenWäsche» assoziiert in erster Linie eine Tätigkeit, die traditionell mit dem Frauenbild und mit dem Privaten eng verknüpft ist. Frauen sind zuständig für die private «Wäsche», für die Entfernung von Schmutz in der Familienwäsche sowie für die Wiederherstellung für den Gebrauch ganz allgemein. Sie haben dies für den Mann ebenso zu tun wie für die Kinder. Im übertragenen Sinn sind Frauen auch für die «Seelenwäsche» zuständig: Das pflegliche «Waschen» und Wiederherstellen gilt auch für die emotionale Befindlichkeit der Menschen in Familie, Freundschaften, beruflichen Zusammenhängen und anderen Körperschaften - und wird den Frauen übertragen. Innerhalb der tiefenpsychologischen Psychotherapie steht der Vorgang des «Waschens» für die Traumbearbeitung, für die Aufarbeitung der Probleme des Unbewussten bzw. des «Schattens». Dies allerdings mit dem Unterschied, dass es finanziell abgegolten wird und mehr Prestige einbringt als das Waschen im Privatbereich.

Wasser

Wasser ist die Grundlage allen Lebens, denn ein Leben und Wachsen in der Pflanzenwelt hängt vom Vorhandensein von Wasser ab. Ohne Wasser bliebe die Erde «wüst und leer». Erst nach den Pflanzen kommen die Tiere, deren Leben erst möglich wird, wenn es auf der Erde grünt und blüht und reift. Kein Wunder, dass Wasser in allen grossen Religionen eine elementare kultische Rolle spielt. Es ist in vielen frühen Texten als Wandlungssymbol anzutreffen und wurde auch im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist und dem ewigen Leben gesehen. Aus der Symbolgeschichte des Wassers geht hervor, dass Wasser ein Symbol sowohl für die Welt echter Gefühle darstellt, als auch für den in der Natur inne wohnenden Geist. Psychologisch gesprochen stellt es jene Seelenbereiche dar, aus denen ein tiefes intuitives Wissen kommt, dessen Ursprung wir nicht kennen. Wasser symbolisiert ein Wissen, das nicht geschaffen und gelernt wird, sondern immer schon vorhanden ist und nur noch ins Bewusstsein treten muss. - Christa Mulack verweist auf einen alten buddhistischen Text, in dem von einem «Ozean des wahren und universellen Wissens aller Buddhas» die Rede sei, der «seine Quelle» im eigenen Inneren habe (Mulack, BN 1271, 45 ). Barbara Walker verweist auf das «Wasser des Lebens», das einst mit dem kosmischen Schoss gleichgesetzt wurde, mit der «Tiefe» vieler Schöpfungsmythen. Die Taufe im Wasser sei ein so gebräuchlicher magischer Ritus gewesen, dass die Christen ihn von den «Heiden» übernommen hätten (ID-Buch 801, 479-480).

Weg

Zum Symbol «Weg» assoziieren wir weder schnelle Autos noch weit entfernte Ziele, sondern kleinräumige Gebiete, die zu Fuss erreichbar sind. Es gibt Wanderwege, Bergwege, Naturwege, Waldwege, Fusspfade. Wir kennen schmale, steile, glitschige, unsichere Wege oder Pilgerwege und auch Umwege. Auch ein «Umweg» ist ein Weg. Auf Wegen können auch Gefahren lauern wie auf grossen Strassen und Autostrassen, aber es sind andere. Dies gilt sowohl für die Interpretation auf der Objektebene als auch auf der Subjektebene.

Werkzeuge

«Werkzeuge» sind Gegenstände, die menschliche Handlungsmöglichkeiten erweitern, leider auch im destruktiven Sinn. Zahlreiche Werkzeuge in dieser Symbolgruppe werden zum Zwecke der Verletzung benützt (Revolver, Messer, Speer, Axt, Gewehr, Hammer, Kugelschreiber). Dabei geht es zentral um die Frage, wer als Täter und wer als Opfer dargestellt ist, und zu welchem Geschlecht diese gehören.

Wertsachen

Zu den «Wertsachen» können sehr unterschiedliche Dinge gehören: In Nr. 65 ist es eine «Erbschaft», in 150 sind es harte Nüsse, in 257 Silberschmuck, in 373 Kunstgegenstände. Das heisst, dass Wertsachen unterschiedliche Arten von «Werten» symbolisieren können.

WildWildnis

Die Wildnis steht für die «Natur» in ihrem Urzustand. In der Wildnis zu leben bedeutet einerseits, geistige Freiheit und Autonomie zu besitzen oder zu beanspruchen, frei zu sein von menschlicher Bevormundung. Anderseits bedeutet das Leben in einer Wildnis das totale Verwiesensein auf sich selbst bezüglich Nahrung, Kleidung, Obdach. Es bedeutet auch die Fähigkeit, sich selber in allem Ungemach bei Laune zu halten, das psychische Gleichgewicht aufrecht erhalten zu können. In der Wildnis fehlt der geistig/seelische Austausch mit anderen Menschen und somit die Möglichkeit, von anderen Menschen zu lernen. Wildnis besagt, dass wir nur auf eigene Erfahrungen bauen (können). Wildnis bedeutet aber nicht nur, einer gewaltigen bis gefahrvollen Urnatur ausgeliefert zu sein, sondern auch die Erfahrung, die schon die Menschen der Urzeit als die «Gute Mutter» beschrieben haben: Denn «Mutter Erde» beschenkt uns mit Sonnenwärme und allen Früchten der Erde. Sie schenkt uns das Blühen und Ernten, Kraft und Lust des eigenen Körpers, vitale Lebenskraft und Freude überhaupt. Lebenskraft und Freude gehören zum Erleben der Urnatur, die sowohl in «wilder» als auch in sanfter und zärtlicher Form daher kommen und erfahren werden kann. - Im übertragenen Sinn könnte die Wildnis auch auf das soziale Universum hinweisen, das auch eine Art «Wildnis» oder Dschungel darstellt, in dem wir Menschen uns zurecht finden müssen.

WohnRäume

WohnRäume stehen für Inhalte, Strukturen und Personen, die der Psyche in einem näheren Sinn Heimatgefühl und Resonanz geben. Ingeborg Bachmann sagt in einer Novelle, sie habe nie gelernt, wie man im Leben eines anderen Menschen «Platz» bzw. «Wohnung» nehme. Das ist keineswegs verwunderlich, denn die Sozialisation der Frau zielt auf das Umgekehrte: Sie wird angehalten, sich zu einer Heim- und Wohnstatt für Mann und Kind zu entwickeln.

Zügeln

Das Zügeln verweist auf eine äussere oder innere Trennung. Auf der Objektebene kann dies eine Person, eine Situation oder eine gesellschaftliche Auffassung betreffen, auf der Subjektebene auf die Ablösung von einem Lebensmuster, von Denkweisen oder Gewohnheiten verweisen. Aber nicht in jedem Fall kann das «Zügeln» als eine progressive Entwicklung gedeutet werden. Das häufige Zügeln kann auch Fluchtcharakter haben, kann eine Unfähigkeit zeigen, bei einer Sache zu bleiben, an einem Wert, einem Gefühlswert festzuhalten. Erst durch Einbezug des Kontexts kann beurteilt werden, ob es um das eine oder andere geht. Zudem ist zu ermitteln, ob das Zügeln aus eigenem Antrieb, innerer Notwendigkeit oder äusserem Zwang erfolgt. Das Zügeln kann auch eine Art von Trennung bedeuten, die heute als «innere Emigration» bezeichnet wird.

Zwei

Zur Bedeutung der Zweiheit schreibt Karl Jaspers: «Was ich in der Besinnung für mich allein gewinne, das ist, als wäre es nicht gewonnen. Die Wahrheit beginnt zu zweien». Ferner: «Ich bin nur mit dem anderen (etwas), allein bin ich nichts»(ID-Buch 1191,128). - Gemeint ist, dass wir Menschen der «Spiegelung» unserer Gedanken und Gefühle durch andere Menschen bedürfen (Winnicott).

Zwölf

Die Zahl Zwölf steht für unser patriarchales Zeit- und Wertesystem, das sein Daseinsrecht auf das Sonnenjahr gründet, das in zwölf Monate gegliedert ist. Für die Tiefenpsychologie symbolisiert die Zahl Zwölf die seelische «Ganzheit», was heisst, dass ihre Theorie ebenfalls auf dem patriarchalen Wertesystem gründet. Im Unterschied dazu ging die Zeitrechnung der menschlichen Frühzeit von den dreizehn Mondphasen aus. Die Zahl Dreizehn wurde später zur Unglückszahl gestempelt.