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Fazit zu den Symbolgruppen – alphabetisch sortiert

AndereTiere

Die stärksten Tiere: Elefantin und Elefant, sind zugleich die friedfertigsten und intelligentesten Tiere. Demnach trifft es nicht zu, dass Aggressionsbereitschaft mit Körpergrösse oder Kraft zusammenhängt, wie lange geglaubt wurde.

BehälterGefäss

Die Gruppe BehälterGefäss ist ziemlich gross, umfasst aber keineswegs alle Möglichkeiten (Sarg u.a.). Rucksack, Schränke, Schubladen, Kommoden, Abfallkübel, kleine Schächtelchen und Kästchen, Krug, und auch Kopf und Hände bilden Gefässe, die Unterschiedliches beherbergen. Den Symbolgehalt des Rucksacks habe ich generell als das «Eigene» bezeichnet (sei dies Hilfreiches oder Belastendes) und in einem Fall waren es wertvolle Inhalte, die von aussen kamen. Ein «Schrank» birgt psychologische Theorien und deren Widersprüchlichkeiten (104), ein anderer verweist auf weibliche Erbschaftsdokumente bzw. auf historische Entwicklungen (123). Der Abfallkübel zeigt, dass auch im scheinbar minderwertigsten Behälter noch «Wunder» gefunden werden können, sofern wir ein neues Sehen gelernt und eingeübt haben (150). Kleine Schächtelchen oder Kästchen zeigen, dass im Kleinsten die wichtigsten Dinge verborgen sein können, z.B. die Selbstbestimmung, die Macht über sich selber (152), oder dass es lebensrettend sein kann, sich vorübergehend in ganz kleine Lebensverhältnisse schicken zu können (198). Auch andere «Gefässe» enthalten wertvolle Dinge, wie Prüfungsaufgaben (781), verwertbare Papiere (929). Es kommen aber auch leere Gebinde vor, die entsorgt werden müssten, wie Büchsen und Flaschen.

DienenDienst

Das Symbol «Dienen» hat viele Facetten gezeigt. Es wurde deutlich, dass das Thema für jeden Lebensbereich neu bedacht werden muss, und dass zu fragen ist, ob der verlangte Dienst bzw. die Dienstbarkeit angebracht ist, oder abgelehnt werden muss. Und ebenso wäre zu fragen, ob und inwiefern die höheren Dienste anzustreben und zu erkämpfen seien (Hebammendienst, schulpsychologischer Dienst, diplomatischer Dienst, Kirchendienst etc.). - Der Konflikt zwischen sich ausbeuten lassen und sich abgrenzen lernen, wird in diesem Symbol angesprochen.

EssenTrinken

Nach den vielen Jahren, die in der Symbolik von Hungersnot, schlechten Speisen, Glassplittern im Wein und anderen Mängeln in Sachen geistig/seelischer Nahrung sprachen, geht es ab 343 aufwärts. Nachdem sich die Träumerin den eigenen Quellen zugewendet hat, verfügt sie über eine volle Speisekammer, auf einem Berg werden Brote gebacken, und an einem anderen Ort werden Brote gefunden. Schliesslich gibt es sogar Mahlzeiten, die gehobene Ansprüche befriedigen. Diese Mahlzeiten symbolisieren den Zugang zu qualifiziertem Wissen und zu Erkenntnissen, die aus Quellen stammen, aus denen sich die Träumerin nähren kann.

FäkalienAbort

Dass neben angehäuften menschlichen Exkrementen (Gülle) Goldstücke gefunden werden (802), ist angesichts der tiefenpsychologischen Auffassung von der schöpferischen Bedeutung des Aborts und der analen Produktion nicht verwunderlich. Das anale Produkt wird im Märchen zum eigentlichen «Gold» erklärt, ganz wie die psa Theorie das Schöpferische aus dem Anus entstehen lässt, wenn auch nur aus dem männlichen Anus (der Goldesel im Märchen «scheisst» Gold aus seinem Anus). - In der Symbolik haben Exkremente letztlich mit dem Gegensatz von Individualität und dem Kollektiven zu tun, mit dem Anspruch auf Einzigartigkeit der Person einerseits und der Notwendigkeit, Produktionen nach ihrem Wert für die Allgemeinheit zu beurteilen und allenfalls für öffentliche Darstellung des «Eigenen» auch Grenzen zu setzen. Sadistische Produkte wie «Babyficker» oder jene Performance, bei der Frauen mit Exkrementen übergossen oder sogar real gequält werden (z.B. bei von Mühl), gehören zu jenem «Mist», dem kein klärender Wert zukommt. Jede männliche «Scheisse» wird heute als «Kunst» verkauft mit dem Anspruch auf «Einzigartigkeit», während diese Produkte, weil sie auch noch gegen die Menschenrechte verstossen, nicht toleriert werden dürften. Anderseits gilt es das «Gold» in allen Produktionen, also auch in der Traumproduktion aufzuspüren. - Dass die Symbole: Abort, Fäkalien und Gold in den vorliegenden Sequenzen miteinander in Verbindung stehen, könnte als eine Aufforderung an die Träumerin verstanden werden, diese Zusammenhänge stärker zur Kenntnis zu nehmen und gründlicher zu differenzieren.

Fische

Das Symbol «Fisch» umfasst sieben Traumsequenzen über einen Zeitraum von zehn Jahren (1959-1969). Die Entwicklungslinie verläuft vom Fluchtverhalten der Träumerin (16) über den Kampf gegen einen gefährlichen Fisch (417) bis zur ärztlichen Hilfe an einem verletzten Fisch. Auf der anderen Seite erleidet ein Fisch tödliche Verletzungen von Männerhand (38), und andere Fische werden gefangen. Später kommt es zu einem Fisch, der eine wundersame Metamorphose durchmacht (434), und das abschliessende Bild (562) zeigt eine lebensvolle Szene im kosmischen Raum (ein Meer von Fischen), die ich als Ausdruck einer prospektiven Entwicklung interpretiere.

GeheimVerbergen

Interpretation der Lektorin (kk): Das Verborgene darf nicht ans Licht, d.h. es bekommt auch keinen Lebensraum. Was jetzt gezeigt wird, ist Teil des Ich oder Scheinidentität. - Das Besondere (das Leiden, das Sexuelle, positive Kräfte und Intimes, z.B. in 769) wird geheim gehalten.

HeiratHochzeit

Die ersten vier Sequenzen der Symbolfigur HeiratHochzeit (1958-1963) scheinen mir noch von selbstbestimmten Vorstellungen von «Hochzeit» geprägt. Zwar wird auf die «Lust auf Beischlaf» von männlicher Seite im ersten Fall nicht eingegangen (4), im zweiten und dritten Fall wird ein unpassender Mann abgelehnt (älterer Verehrer in 132, boxender Mann in 145), und im vierten Fall, weil sich ein Mädchen für Heirat noch zu jung fühlt und weil sie noch ausgehen und tanzen wolle (235). - Die nächsten drei Sequenzen (1963-1966) reden von Heiraten, die zwar zustande kommen, aber keineswegs einen glücklichen Eindruck hinterlassen: Im ersten Fall wird das Hochzeitsritual «ohne Andacht» ausgeführt (246), im zweiten wird eine Ablehnung der Heirat deutlich, indem die Braut anstatt in Weiss in altmodischen, abgetragenen Kleidern erscheint (379), und noch mehr Ablehnung wird im Bild vom Hochzeitsbett neben halbtoten Männern sichtbar (447). Fünf Jahre später (1971) erfolgt ein erfreulicheres Bild: eine quasi Hochzeit mit einer Frau, also mit einem lesbischen Motiv (591). - Sehr eigenartig muten die Heiraten mit einem «Bruder» an (475, 608, 651, 704), die sich über zehn Jahre verteilen (1967-1977), und entweder gegen den Willen der Braut stattfinden oder aus anderen Gründen unerfreulich sind. Während des selben Zeitabschnitts erscheinen weitere unerfreuliche Sequenzen über Heirat und Hochzeit (619, 633, 693). Die Träumerin kann die Badewanne nicht mehr benützen, ein Bräutigam ist nur schattenhaft wahrnehmbar, und ein anderer macht die Heirat davon abhängig, dass die Träumerin sich gegen ihren «Sohn», gegen ihre selbstbestimmte Kreativität, entscheidet. Erst die letzte Sequenz bietet ein erfreulicheres Bild. Diese letzte Heirat ereignet sich allerdings nicht zwischen Frau und Mann: Erst die Verbindung mit einer Frau führt zu einer befriedigenden «Heirat», die sogar «Kinder», eine geistig/seelische Fruchtbarkeit möglich macht (997). - Die Symbolfigur HeiratHochzeit lässt erkennen, dass Heirat für die Tiefenschichten der Träumerin nicht eine erstrebenswerte Lebensweise war. Sie berichten immer wieder über die Wahrnehmung der einengenden Struktur dieser (bürgerlichen) Einrichtung, die auf Rollenzwang aufbaut. Obgleich die Symbolfigur HeiratHochzeit schwierige und unerfreuliche heterosexuelle Beziehungsverhältnisse aufzeigt, schliesst sie mit der erfreulichen Botschaft, dass dieses Leben nicht unweigerlich in Resignation enden muss: Die innere Entwicklung kann zu einer anders gearteten Hochzeit führen: Hier findet eine letzte «Hochzeit» zwischen zwei Frauen statt, von der zudem explizit gesagt wird, dass sie fruchtbar wurde (vier gemeinsame Kinder). Diese «Kinder» stellen in ihrer Vierzahl eine mehrspurige Kreativität und Produktivität dar.

KatzeWildkatze

Das Fazit zum Symbol «Katze» muss im Sinne von Individuation vermeintlich widersprüchlich ausfallen. Dies kommt daher, dass die Sachverhalte, für die die «Katze» steht, sehr viel mit jenen Aspekten zu tun haben, die in der Psychoanalyse das «Andere» in uns darstellen. Es kommt auch daher, dass dieses Andere immer wieder mit neuen Situationen und Verhältnissen konfrontiert wird, die es oft schwer machen, diesem Anderen den nötigen Raum zu verschaffen. Es dünkt mich aber, dass trotzdem eine gewisse Entwicklung der Symbolfigur «Katze» ersichtlich sei, und dass diese in einem gewissen Sinn schon aus der Sukzession ablesbar sei: Zitterndes weisses Kätzchen (75), fauchende Wildkatze (1015), schreiendes Kätzchen (134), Träumerin kocht für Tiger oder Panther (203), Kampf gegen angriffige Wildkatze (328), Schäferhund sucht Schutz vor Tiger bei Träumerin (342), Löwe lässt von Angriff ab zufolge Demutsgebärden (436), vermeintlich zahmer Löwe erweist sich als wilder Löwe (491), Bergkatze verteidigt ihre Jungen (652), Katzen rennen im Kreis (811), Wildkatzen zur Überwachung von Politikern (843), Katzenkrallen durchbohren Polsterstuhl der Träumerin (915). - Das zitternde weisse und leidende junge Kätzchen ist der «fauchenden Katze» gewichen und später der ihre Jungen verteidigenden struppigen Katze. Dazwischen stehen wechselnde Auseinandersetzungen mit den eigen Vital- und Triebkräften bis hin zu einer Situation, in der diese Kräfte sich als Ordnungskräfte erweisen, so in Zusammenhang mit politischen Auseinandersetzungen. Den Schluss bildet eine Katze, deren Angriffigkeit sich gegen bürgerlich behagliche Tendenzen der Träumerin wendet (915). Das heisst, dass das Symboltier seinem ursprünglichen Gehalt als «Wildkatze» treu bleibt, indem es über die Erhaltung von Lebendigkeit und Unabhängigkeit wacht.

KlosterKlausur

Klosterfrau kommt in unterschiedlichen Bedeutungen vor. Zwei verhalten sich rigide, eine andere fordert «mitsingen» (86), eine Dritte demütigt einen Jüngling (121). Andere werden von der Träumerin als Persönlichkeiten freudig erwartet (229). Eine beschuldigt die Träumerin, sie liesse Gebäude verfallen, Früchte seien nicht geerntet und Vorräte vergessen worden (663). Klosterfrauen müssen als Kundinnen öffentlicher Verkehrsmittel (Bundesbahn) mit Anhängern ohne Bänke und Wände vorlieb nehmen (728). Bei anderen Klosterfrauen findet die Träumerin Schutz vor Männern, von denen sie für leichte Beute gehalten wird (792). Eine Klosterfrau namens Klarissa wird als aussergewöhnlich frisch beschrieben. Schliesslich wird die Träumerin von einer Klosterfrau als eine Frau höheren Standes gesehen und zugleich in ein tiefer gelegenes Stockwerk begleitet (960), und eine Klosterfrau, die Ärztin ist, will aus dem Kloster austreten (961). Schlussendlich ist von einem Klosterweg die Rede, der nicht ungefährlich sein soll (966). - Die Symbolfigur «Klosterfrau» lässt erkennen, dass ein Rückzug aus dem «Weltlichen» für sich genommen keinerlei Gewähr für ein sinnerfülltes Leben garantiert. Aber auch, dass ein Dasein als symbolische Klosterfrau auch in der heutigen Zeit keineswegs eine überholte Form zu sein braucht.

KrankBehindert

Im Umfeld des C.G.Jung. Jung Instituts ist vor Jahren «Der Hinkende als Symbol» herausgekommen, dessen Autor ich leider nicht sicher erinnere (ev. Hurwitz). In dem Buch wird dargestellt, dass die Heiltätigkeit bzw. die Fähigkeit zum Heilen in der Psychotherapie von unserer eigenen Verwundbarkeit abhänge. Extrem ausgedrückt lautet die Aussage, nur der Hinkende bzw. der Verwundete sei zum Heilen fähig, Psychotherapie auszuüben, vermöge zu heilen. So gesehen verweist die Gruppe «KrankBehindert» auf eine wichtige Voraussetzung für die spätere psychotherapeutische Tätigkeit der Träumerin. Noch bedeutsamer dürfte die Art und Weise des Umgangs mit den eigenen Behinderungen und deren Verarbeitung sein. Es kann nötig sein, Krankes, Behinderndes, Frustrierendes zu ertragen, manchmal kann es nötig sein, aufzubegehren, abzulehnen, für eine bessere Situation zu kämpfen. Und manchmal ist es richtig und nötig, Krankes oder Frustrierendes zu verdrängen oder besser gesagt, in den Hintergrund zu schieben, um überhaupt leben und Widerstand entwickeln zu können, um dem eigenen Leiden oder dem Leiden anderer Menschen abzuhelfen. - Fazit von Kathrin K: Mir scheint, dass die Träume mittels des Symbols «KrankBehindert» ein schmerzliches Manko immer wieder aufgreifen, indem die Träumerin Pflege und Fürsorge für andere übernommen hat, für sich selber aber wenig Unterstützung bekommt, resp. eingefordert hat.

Mädchen

Die Gruppe «Mädchen» beginnt mit verschlossenen, wie tot wirkenden Mädchen (84), geht weiter mit einem Mädchen, das sich arge Scherze erlaubt mit der Träumerin (104), einem anderen, das ohne väterliche Anerkennung im Heustadel aufwächst (149) und einem, das sexuelle Übergriffe erleidet (168). Dann ist noch von einem verlassenen Mädchen die Rede (250), worauf dann positivere Bilder folgen: Ein verunglücktes Mädchen arbeitet sich selber zum Weg hinauf (271), die Geburt eines Mädchens findet statt (306) und die Gesichtszüge eines kränklichen Mädchens werden klar (226). Das nächste Bild zeigt zwei Mädchen, die Hilfe bekommen von der Träumerin (Rettung aus Sumpfgebiet (337), und ein kleines Mädchen darf an einer Aktivität teilnehmen: zu Hochgebirge fliegen (624). Ein nächstes Bild zeigt ein grösseres Mädchen, das selber in Aktion ist, denn sie zeigt ihr Können im Kunstturnen (679). Auch das nächste Bild berichtet von einer Entwicklung der Mädchenfigur: Ein Mädchen wagt die Verweigerung einer Unterweisung (Religionsunterricht), die ihr weibliches Selbstbewusstsein und Selbstbild zu zerstören droht (691). Die letzten zwei Bilder verbinden das Symbol «Mädchen» und das Symbol «Mutter» erneut in einem positiven Traumkontext, indem die Träumerin als Mutter aufscheint, die ein Mädchen gebiert, und zudem als eine Frau, die es wagt, dies ohne patriarchale Legitimation und ausserehelich zu tun (762). Den Abschluss bildet das sehr schöne Bild eines neugeborenen und dunkelhäutigen Mädchens, das die Träumerin anlächelt (922). Das heisst, dass das traurige erste Bild von den verschlossenen und wie tot wirkenden Mädchen nach weiteren Bildern der Verlassenheit schliesslich zu Bildern von Entwicklung führt bis zu dem aufgeschlossenen und lächelnden Mädchen, das sich in guter Verbindung zur Träumerin fühlt.

Mund

In der Sukzession verweist das Symbol «Mund» auf eine deutliche Entwicklung. Die eine Frau im Traum Nr. 62 vermochte noch nicht einmal zu erkennen, was die Männer, die ihr den Mund zuhalten, mit ihr im Sinn haben. Die Schlange, die im Traum Nr. 530 aus dem Mund einer anderen Schlange herauskommt, bildet eine erste Bewegung in Richtung sprachlicher «Mündigkeit», eine zweite Befreiung erfolgt im Traum Nr. 862 mit der «Geburt» aus dem Mund einer Frau. Aus dem Bild des Traumes Nr. 994 ist zu schliessen, wie hartnäckig sich das Sprechverbot für Frauen hält, bzw. wie sich die Definitionsmacht von Männern ausgewirkt hat. Das eigene Gespür der Frau (Hund) wurde gewissermassen mumifiziert, und erst nach 40 Jahren erwachen weitere Teile zum Leben.

MutterMütter

Das Fazit des Symbols «Mutter» fällt ziemlich reichhaltig aus, und die Veränderungen, die sich am Schluss ergeben, sind erfreulich. In der ersten Sequenz «erwacht» eine Mutter aus der Verwirrung (27), ein andere schreit verzweifelt und tobt (71), eine weitere hindert ihre Tochter am Fliegen (82) und hält sie davon ab, eine Frau zu retten (103). Eine Mutter sitzt am Lenkrad des Familienautos (120), eine andere Mutter gibt der Tochter, anstatt Brot, einen Stein zum Hineinbeissen (209). Eine verstorbene Mutter überlässt ihrer Tochter kleine Kinder zur «Versorgung» und bezeugt damit eigentlich ein gewachsenes Vertrauen in Jüngere (245). Aber handkehrum gibt eine Mutter vorwurfsvolle Blicke zur Tochter, weil sie nicht das Erwartete tut (270). Schliesslich kommt es zu Kritik an einer Mutter wegen hinterlassenen inhaltlosen Behältern (369). Eine ganz anders geartete Mutter oder Situation bildet die Nachtschicht arbeitende, zuvor krank gewesene Mutter, die auf Verständnis der Tochter hofft (607). Danach kommt es zu einem Sprung bei den Mutterfiguren: Es beginnt mit der im Sterben liegenden Mutter, die sich verdoppelt, wobei die eine gesund aufsteht, während die andere stirbt (741). Sehr lebendig präsentiert sich danach eine Mutter, deren Psyche und Blick durch die Jahre streift, von jung zu alt und umgekehrt (860). Schliesslich will eine Mutter nun auch malen, sich also auf Dinge des Gefühlsbereiches näher einlassen und sich kreativ betätigen (874). Eine spätere Mutter steht in Kontakt mit einer Bibliothek und also mit geistigen Interessen und zugleich in Kontakt mit der alltäglichen Welt draussen (898). Ganz eigenartig und faszinierend ist jene Mutter, die in einem Grasbüschel verborgen ist und von der Tochter gerettet wird, was im Grunde heisst, dass das Verhältnis von Mutter und Tochter sich umgekehrt hat und zwar in einem positiven Sinn: Die Tochter verhält sich mütterlich zu jener Frau, der sie ihr Leben verdankt, von der sie geboren wurde (920). Dieser Sachverhalt wird bestätigt durch die Mutter, die der Tochter als eine Frau voller Spannkraft begegnet, was zudem bedeutet, dass Mutter und Tochter sich nunmehr auf gleicher Ebene begegnen (989). Dass eine Mutter schliesslich der Tochter schöne Teppiche in ihre Wohnung legt, zeigt nochmals eine erfreuliche Entwicklung der Mutterfigur im Verhältnis zur Tochterfigur (992).

PflanzenBlumen

Fazit der Lektorin: Wo Pflanzen auftauchten, gewinnen die Träume etwas Leichtes, Frohes, Unverpflichtendes. Pflanzen werden gebraucht in Abgrenzung von Gefangenschaft (283), von Institutionen (561), von Lehrbüchern (687). Sie verweisen auf Naturverbundenheit, auf die Notwendigkeit, sorgsam damit umzugehen und die Saat zu pflegen.

Schlangen

Die vielfachen Möglichkeiten der Deutung eines Symbols, hier der «Schlange», zeigt in aller Deutlichkeit, dass Symboldeutungen in erster Linie Versuche darstellen, zu ergründen, was die Tiefenschichten uns mitteilen möchten. Sei dies über Ereignisse, die in der Aussenwelt beobachtet oder erfahren wurden, oder Ereignisse der Innenwelt, also Gedanken, Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen oder Urteile.

SeeleSeelisch

Die Gruppe «SeeleSeelisch» begann mit dem Bild einer «flüssigen» Seele, mit der Gefahr von «Seelenverlust». In einer Welt, in der eine Frau der Unterschicht einem unaufhörlichen «Fluss» an Erwartungen und Forderungen ausgesetzt ist, läuft die Seele Gefahr, aufgesogen und verschluckt zu werden. Eine Frau, die sich ganz in privaten und beruflichen Pflichten verausgaben muss, ist die Gefahr gross, ihrer Eigenwelt, ihres «Eigenen» verlustig zu gehen. Damit ginge schliesslich ein Verlust der «Orientierungsgefühle» einher, nämlich die Fähigkeit, sich in einer immer unübersehbareren und komplexer werdenden Welt zu orientieren und zurechtzufinden. Es käme ferner zum Verlust von Lebensfreude und Lebensinteresse hinzu, mit dem Gefühl von Leere, Depression oder - wie religiöse Menschen früher sagten - zu einem Zustand von «Dürre». - Die Symbolfigur «Seele» lässt einerseits Entwicklungen erkennen, anderseits, dass sie nie abgeschlossen sind.

SpäteEssenzen

Zum Fazit «SpäteEssenzen» vermerkt die Lektorin, dass fast alle Sequenzen in irgendwelchen Bildern Hinweise auf den derzeitigen Arbeitsprozess geben. Und es freue sie natürlich, dass einige Träume ähnliche Hinweise geben, wie sie gegeben habe: Zum Beispiel den «Mund» zu öffnen, «Früchte» zu zeigen, Kinder lebendig werden zu lassen. Anhand dieser Träume lasse sich «sehr schön zeigen, wie Träume sich ins aktuelle Geschehen einmischen und wertvolle Aspekte aufzeigen» und dies in grosser Beharrlichkeit.

VaterVäter

Eigentlich sehe ich die neuen Männer und Väter ebenso vielseitig und stark wie Frauen und Mütter: Libidinös kraftvoll und trotzdem sensibel, kooperativ und abgegrenzt, genuss- und verzichtfähig, bindungsfähig und selbständig, wohlwollend und liebevoll schützend, aber auch fähig, Pranken und Zähne zu zeigen, zum Beispiel gegenüber dem Aggressor Patriarchat und seinen Epigonen. Ich sehe Männer, die nicht mehr am Rockzipfel ihrer Partnerin hängen, sich nicht mehr einseitig wie ein Kind von ihr häuslich versorgen lassen wollen. Männer also, die nicht immer die Frau zur Mutter machen und in der Folge Angst vor ihr bekommen und davonlaufen wollen. Ich sehe Männer, die fähig sind, emotionale Wärme zu geben und eine häuslich sorgende Hand zu entwickeln, damit auch die Frau einen Ort hat, wo sie auftanken kann. Ich sehe Männer, die sich nicht zimperlich schon «kastriert» fühlen, wenn die Frau sich daran macht, eine vollmenschliche Person zu werden. Die neuen Männer, die das Land braucht, sind weder Machos noch Softies, sondern Männer, die aufhören, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten, und ihre Aggression an den Ort richten, wo sie ausgelöst wird, nämlich beim Patriarchat, anstatt sie auf die Frauen umzuleiten, nur weil diese leichter und gefahrloser zu erreichen sind. Tatsächlich kenne ich Männer, die heute schon von der Kraft der Libido erfüllt sind. Sie haben es nicht nötig, ihre Mütter, Schwestern, Partnerinnen, Töchter abzuwerten oder auszubeuten. Dass solche neuen Männer bereits existieren, beweist, dass sie nicht von Natur aus so aggressiv sind, wie die patriarchale Ideologie vorgibt.

Werkzeuge

Fazit von Kathrin K.: Es fällt auf, dass «Werkzeuge» fast immer Waffen sind oder als Waffen eingesetzt werden. Ferner fällt auf, dass Waffen am häufigsten in den Händen von Männern sind und gegen Frauen verwendet werden - Sicher werden mit diesen Träumen Ängste ausgedrückt, die die patriarchalen Strukturen aus der Sicht der Frau spiegeln. - Die Aggressionen sind gerichtet gegen Frauen, gegen schwache Männer, gegen Kinder. - Die Waffenträger sind die (vermeintlich) «richtigen» Männer.

ZahlZwei

Zur Zahl Zwei wurde eine bestechende Idee von einer Chinesin formuliert. Die Pianistin, Malerin, Leiterin eines taoistischen Studienzentrums, ist von Fürsten abstammend und durch Heirat Französin geworden. Diese bedeutende Frau habe 1981 für die französische Präsidentschaft kandidiert (und tue es dieses Jahr, 1988, wieder). Ihrer Meinung nach braucht Frankreich «sowohl eine Frau als auch einen Mann zur Staatspräsidentschaft». Sie begründet dies mit «Yin und Yang, zweierlei Geschlechter, zweierlei Erfahrungen, zweierlei Herkunft, zweierlei politisches Credo». Sie schlägt vor, die eine Residenz solle im Süden sein, die andere im Norden. Der Kommentar der Zeitung lautete: «Sie wurde nicht gewählt, das Volk war offenbar noch nicht reif genug für eine Yin-Yang - Präsidentschaft". Nun ist Madam Tschen Gi-vane nach sieben Jahren zum Schluss gekommen, dann brauche es halt neben der Zweier-Präsidentschaft als Staatspräsidentin und Staatspräsident, zwei Vize-Präsidentschaften für die am dritt- und am viertbesten platzierten KandidatInnen. Auf diese Weise werde wirklich die Mehrheit der Bevölkerung vertreten und die vier Gewählten könnten so ihr Amt ohne weiteres als Halbtagsstelle ausüben und hätten genügend Freizeit, um sich auch anderen wichtigen Dingen, wie zum Beispiel den schönen Künsten, zu widmen. Das bedeute mehr Lebensqualität auch für Staatspräsidenten (Bericht Dr. Doris Morf in «Brückenbauer» Nr.17, 1988). - Wirklich eine weise und gescheite Frau, mit einer zukunftsträchtigen Idee. Je eine eigene Residenz für Frauen und Männer für die Amtsgeschäfte auf Regierungsebene wäre ein Symbol für die gleichgewichtige Partnerschaft der Geschlechter, bzw. für die paritätische Vertretung bei allen Regierungsgeschäften. Als Untergeordnete könnten Frauen unmöglich für jene «Ergänzung» auf gleichrangiger Stufe sorgen, die von der feministischen Bewegung gefordert wird, sondern würden von patriarchalen Strukturen lediglich als «Gehilfinnen» und Galionsfiguren vereinnahmt. In den untergeordneten Positionen gerät die Frau, ungeachtet ihrer persönlichen Fähigkeiten und Bemühungen, zur Stütze des mächtigen Mannes, anstatt die Mächtigen kontrollieren zu können. Die fürstliche Chinesin tut uns westlichen Frauen die Augen auf für die Dinge, die noch zu tun wären. Bravo und vielen Dank! für Madam Tschen Gi-vane. - Wie wäre es, wenn Frauen eine Briefmarke «Pro Femina» oder «Pro Sophia» beantragten (und nicht nur «Pro Helvetia» oder «Pro Juventute» etc.) und mit dieser Gestaltung eine Künstlerin beauftragen würden? Dies ergäbe für die so notwendige Frauenforschung endlich eine Einnahmequelle. Aber wie vorgehen? (Tagebucheintrag 143)