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Symbolkategorie Körper und Leib

09.01.1959

Augen

Ich frage eine Bürokollegin, ob sie mich wirklich real sehen könne. Ich war unsicher, ob ich im Büro wirklich anwesend sei, 14

09.01.1959

Augen

Hier geht es um das Thema: Sehen und gesehen werden, wobei das «Gesehenwerden» für die «Spiegelung» durch andere Menschen steht, für das Wahrgenommen- und Bestätigtwerden. Aus psychologischer Sicht ist eine solche «Spiegelung» bzw. Resonanz nötig, um ein Wirklichkeitsgefühl für die eigene Existenz entwickeln zu können wie auch für die «Wirklichkeit» anderer Menschen. In dieser Sequenz ist es eine Frau, von der die Träumerin wahrgenommen wird und Bestätigung bekommt, dass sie «wirklich» existiert. Es ist nicht die umgebende Weltwirklichkeit, die sie als nichtexistent empfindet, sondern ihre eigene Welt versinkt ins Unwirkliche. Das heisst, für ihre Eigenexistenz ist in ihrer Arbeitswelt (Büro) kein bisschen Platz vorhanden. Die drohende Selbstentfremdung wird jedoch unterbrochen durch die Wahrnehmung einer «Kollegin», sei diese eine reale Kollegin oder eine innere Instanz der Träumerin.

27.04.1959

Augen

Ein Mann mit roten Augen sagt, er würde mich auf der Stelle töten, wenn ich nicht mit ihm gehe, 25

27.04.1959

Augen

Zu «rote Augen» assoziiere ich spontan die Metapher, dass jemand «rot» sieht. «Rot sehen» bedeutet, dass eine Person, hier ist es ein Mann, nicht mehr in der Lage ist, eine Situation vorurteilslos zu betrachten, sondern in blinde Wut gerät. Zu dieser (1959) Zeit ging es um die Diskussion des Frauenstimmrechts, das beim Grossteil der Männer eine unerklärliche Wut auslöste. In dieser Sequenz ist davon die Rede, dass der Mann mit «roten Augen» sogar mit dem Töten droht. Männer interpretierten die Forderung der Frauen nach Stimmrecht als eine Attacke auf Alleinbesitz der Frauen, während Frauen nicht mehr ausschliesslich mit Männern «gehen» wollen, sondern auch mit Frauen.

24.10.1959

Augen

Die Augen eines vermissten toten Pioniers werden lebendig. Plötzlich sind die Augen ausdrucksvoll und gehören zum Bild einer jungen Frau. Die Augen bewegen sich in meine Richtung, 95

24.10.1959

Augen

Hier geht es um «lebendige» und «tote» Augen. Augen werden als «tot» bezeichnet, wenn sie nicht zu sehen vermögen, was sie eigentlich sehen könnten, wäre die innere Bereitschaft zum Sehen vorhanden. Im übertragenen Sinn ist hier von der «Sicht» auf die Dinge die Rede, von der Perspektive oder der «Brille», mit der wir die Welt sehen. So wird verständlich, warum darauf aufmerksam gemacht wird, dass hier eine Verwandlung von männlichen zu weiblichen «Augen» stattfindet. In dieser Sequenz wird die Träumerin auf die Notwendigkeit der geschlechterperspektivischen Sicht aufmerksam gemacht. Dass der vermeintliche «Pionier» in Wirklichkeit eine «Pionierin» ist, die zudem ihren Blick auf die Träumerin richtet, könnte als ein Aufruf an die Träumerin verstanden werden, sich selber in dieser Richtung zu bewegen. Das heisst mitzuhelfen an der Verbesserung der Situation der Frauen in dieser Welt.

11.11.1959

Augen

Ein missgestalteter Jüngling liegt mit verbundenen Augen und gekrümmtem Körper im Bett. Er versucht die Augenbinde loszuwerden, 101

11.11.1959

Augen

Verbundene Augen sagen aus, dass die Dinge nicht gesehen werden dürfen, wie sie sind, dass die Ereignisse in Welt und Umwelt nicht mit den eigenen Augen betrachtet und beurteilt werden dürfen. Es ist kaum anzunehmen, dass der arme und missgestaltete Jüngling sich selber die Augen verbunden hat. Also muss der Zwang ausserhalb gesucht werden, auf der Objektebene. - Die Sequenz sagt, der Jüngling merke, was mit ihm los sei und was ihm angetan worden sei, und versuche nun, sich selber zu helfen. Die Sequenz redet von der Möglichkeit, sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation von äusseren Fesseln zu befreien durch eigene Bewusstwerdung und durch eigene Tat.

06.02.1960

Augen

Ein junger Mann mit lachenden Augen steigt aus einem Bergsee. Ich gehe dann mit ihm, 126

06.02.1960

Augen

Das «Lachen» der Augen in dieser Sequenz gehört zu jener Sorte, die unwiderstehlich anzieht. Und da dieses Lachen in Verbindung mit dem «Bergsee» auftritt, die ich als jene Lauterkeit verstehe, die der Tiefenschicht entstammt, dünkt es mich, die junge Frau bringe diesem Lachen zu Recht Vertrauen entgegen. Soll sie also mit dem jungen Mann «gehen», was auch immer diese Symbolik konkret beinhaltet. Ob es sich um eine Liebesbeziehung handelt, oder um eine innerpsychische Verbindung mit jenen eigenen Tiefenschichten, die zu dieser Zeit (1960) als männliche Aspekte galten, in beiden Fällen verstehe ich die lachenden Augen als eine wichtige und positive Botschaft an die Träumerin, sich diesem «Männlichen» zuwenden zu dürfen.

10.12.1963

Augen

Ein blinder alter Mann klopft an meine Höhle. Ich weiss, dass er mich trotz erblindeter Augen auf irgend eine Weise sehen kann, 261

10.12.1963

Augen

Blinde Augen bedeuten, dass sie das Sehen nicht ausüben können. Diese Sequenz behauptet jedoch, dass ein Mensch, ein alter Mann trotzdem sehen könne. Dieser Umstand könnte auf das «innere Sehen» hinweisen, das bekanntlich ohne äussere Augen ins Innere einer menschlichen Psyche sieht. Der «Kleine Prinz» von Saint-Exupéry sagt, man sehe nur mit dem Herzen gut.

27.01.1965

Augen

Ein vermeintlich totes einjähriges Kind öffnet seine Augen, und ich merke, dass seine Augen klarer sind als früher, 331

27.01.1965

Augen

Das Bild von den Augen eines Kindes, die sich wieder öffnen, nachdem es tot geglaubt war, ist ein sehr schönes Bild. Umso mehr als diese Augen auch noch «klarer» sind als zuvor und daher auch klarer «sehen» können. Der vermeintliche Tod war nur ein Tiefschlaf gewesen, und weil wir während eines solchen Schlafes in besonderer Weise mit unseren Tiefenschichten verbunden sind, können mit solchen Augen auch besonders tiefe Einsichten gewonnen werden.

26.12.1971

Augen

Um einen aparten Seidenstoff vor fremden Augen zu schützen, decke ich ihn mit einer Wolldecke zu, 610

26.12.1971

Augen

Thema sind hier «fremde Augen», also Augen von Dritten, die nicht immer einen wohlwollenden Blick aufweisen. Die Augen von Dritten geraten in dieser Sequenz in den Verdacht, sich das Gesehene aneignen zu wollen. Einen schönen Seidenstoff mit einer Wolldecke zuzudecken, um ihn vor fremden Augen zu schützen, könnte auf die Erfahrung hinweisen, dass «schöne» Sachen und Eigenschaften leicht Neid erwecken und der Abwertung durch andere Menschen verfallen. - Aus der Sequenz geht nicht hervor, ob die Befürchtung der Träumerin konkrete Ursachen hat oder ob sie allzu vorsichtig oder misstrauisch sei. Immerhin soll sie darüber nachdenken.

31.07.1975

Augen

Mein rechtes Auge ist herausgefallen oder in die Augenhöhle hinein gerutscht, 683

31.07.1975

Augen

Das Bild vom «herausgefallenen Auge» ist ein erschreckendes Bild. Es wird etwas gemildert durch den Hinweis, vielleicht sei es nur in die Augenhöhle hineingerutscht, das Sehorgan also nicht verloren. Der explizite Hinweis auf das «rechte» Auge könnte bedeuten, dass es hier um die Frage nach der «richtigen» Sichtweise geht. Zu dieser Zeit (1975) wurde die patriarchale und logoszentrierte Weltsicht heftig kritisiert, auch aus feministischen Kreisen. - So gesehen könnte die Träumerin auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht werden, sich gründlicher und intensiver mit der für sie «richtigen» Sehweise zu befassen.

27.08.1982

Augen

Das Kind Elisabeth sieht etwas, was nicht für ihre Augen bestimmt ist. Dieses Etwas spielt sich hinter den Kulissen ab, 1048

27.08.1982

Augen

Das Symbol «Kinderaugen» stellt ein ursprüngliches unverbildetes Sehen dar. Im Märchen «des Kaisers neue Kleider» vermag nur ein Kind zu sehen und zu sagen, dass der Kaiser keineswegs die prunkvollen Kleider trägt, für die ihn alle Lakaien und Würdenträger rühmen, dass er vielmehr ganz und gar nackt ist. Die Kinderaugen in dieser Sequenz sehen etwas, was nicht für ihre Augen bestimmt ist. Das Mädchen sieht also etwas, was es nicht sehen soll, wobei nicht gesagt wird, was es ist. Die Metapher, etwas sei nicht für die Augen von jemand bestimmt, besagt, dass es um Dinge geht, die vor dieser Person geheim und versteckt gehalten werden wollen. Das «Kind» dagegen steht für jenen Teil einer Person, das den klaren Blick bewahrt hat und «hinter die Kulissen» sieht, wie das Kind im Märchen «des Kaisers neue Kleider», das sieht, dass der Kaiser ganz nackt ist. - Die Sequenz besagt, dass die Träumerin die Sicht der «Augen» des «Kindes» in ihr ernst nehmen soll, dann gehe ihr vielleicht auf, was zurzeit in ihrem Umfeld und in ihrer Psyche hintergründig abläuft.

10.08.1960

BeineFüsse

Ich hänge wie über einem Abgrund, spüre dann aber Boden unter den Füssen und kann Schritt um Schritt absteigen, 1017

10.08.1960

BeineFüsse

«Boden unter die Füsse» zu bekommen bedeutet, einen Platz oder Standort in der Umgebung gefunden oder erhalten zu haben. Das Gegenteil davon zeigte eine frühere Sequenz in einem krassen Bild: Die Träumerin hing über einem Abgrund, es gab nichts, auf das sie ihre Füsse setzen konnte, keinen festen Grund, auf den sie sich hätte verlassen können. - Die aktuelle Sequenz hat eine hoffnungsvolle und tröstliche Note: Obgleich die Gefahr des Absturzes nicht gänzlich gebannt ist, scheint die Chance gross zu sein, sicheren Boden zu erreichen, wobei dies allerdings mit einem «Abstieg» verbunden ist. Die Träumerin scheint diesen Abstieg jedoch, der möglicherweise mit einem Verzicht auf gewisse Hoffnungen oder Wünschen zu tun hat, mit grosser Selbstverständlichkeit zu unternehmen.

02.02.1961

BeineFüsse

Ein Mann packt Frauen an den Fussknöcheln und schmettert sie mit verzerrtem Blick auf den Boden. Er tut dies, als handle er nach einem «höheren» Auftrag, 146

02.02.1961

BeineFüsse

An Beinen oder Füssen gepackt und zu Boden geschleudert werden symbolisiert die Enteignung der Möglichkeit, «auf eigenen Beinen» in der Welt zu stehen, eine selbständige und autonome Person zu sein und zu bleiben. Auffallend ist, dass die Frauen in dieser Sequenz über ganz gesunde Beine verfügen, also an sich die Fähigkeit zu Selbständigkeit und Autonomie zu besitzen. Dies wird jedoch namens eines «höheren Auftrags» verhindert, wobei es ein Mann ist, der den fürchterlichen Auftrag ausführt, die Frauen zu Boden zu «schmettern». Nach patriarchaler, kirchlicher und tiefenpsychologischer Auffassung steht es Frauen nicht zu, auf eigenen Beinen zu stehen, sie soll sich vielmehr als untergeordnete «Gehilfin» des Mannes verstehen. - Die Sequenz beinhaltet eine Warnung und Aufforderung an die Träumerin. Sie soll wahrnehmen, dass sie von einem Mann «unten» gehalten wird, dass dies aber nicht unbedingt aus Bösartigkeit geschieht, sondern aus «Hörigkeit» einer vermeintlich berechtigten «höheren» Instanz gegenüber, und dass sie sich gegen diese Behandlung zur Wehr setzen soll.

11.09.1962

BeineFüsse

Ein zirka 10-jähriger Knabe wird von gleichaltrigen Kollegen eines Colleges an Händen und Füssen angebunden und im Lift misshandelt, 207

11.09.1962

BeineFüsse

Zusammengebundene Füsse und Hände weisen auf eine doppelte Unterdrückung hin: Sowohl die aktive Fähigkeit zum Handeln in der Welt (Hände), als auch die Fähigkeit zum selbständigen «auf den Füssen stehen» sind gebunden und der Betroffene ist zu Bewegungs- und Handlungslosigkeit verurteilt. Die Aussage, dass sich das Geschehen in einem Lift abspielt, könnte auf eine Unterdrückung von Aufstiegs-Chancen durch äussere Umstände hinweisen. Indem diese Umstände in einer öffentlichen Bildungs-Institution angesiedelt sind (College), könnte die Sequenz von «quälenden» Vorgängen im Bildungsbereich reden.

01.02.1964

BeineFüsse

Eine junge blonde Frau sitzt mit verbrannten Beinen in einer Bratpfanne und nimmt dies klaglos hin, wie ein unausweichliches Schicksal, 267

01.02.1964

BeineFüsse

Das Bild mit den «verbrannten Beinen» erinnert an Opferaltar und Opferung. Und das Opfer ist eine Frau, die sozusagen «verbraten» wird und sich verbraten lässt, als ob dies ein unabwendbares Schicksal wäre. - Es stellt sich die Frage, wer oder was von der Träumerin verlangt, dass sie sich klaglos einem Schicksal oder einem Ansinnen fügt, das eigentlich unzumutbar und unerträglich ist.

09.12.1964

BeineFüsse

Ein zirka 10-jähriges Mädchen mit verkrüppelten Beinen soll allein auf eine Schiffsreise gehen, 309

09.12.1964

BeineFüsse

In den vorhergehenden Sequenzen ging es immer um gesunde weibliche Beine, deren Bewegungsfreiheit von jemand unterdrückt oder beschädigt wurden. Nunmehr geht es um verkrüppelte, also beschädigte Beine. Dieses Bild macht unmittelbar deutlich, dass man einer Person mit solchen Beinen kaum zumuten kann, eine grosse Reise ohne Hilfe zu unternehmen. Aufgrund der Sukzession könnte gesagt werden, dass einem noch nicht voll entwickelten weiblichen Wesen, dessen Gehwerkzeuge zudem beschädigt sind, etwas zugemutet wird, das kaum zu bewältigen sei. - Die Sequenz scheint die Träumerin auf diese Umstände aufmerksam machen zu wollen, sei es, um sie zu unterstützen in der Zurückweisung von unzumutbaren Forderungen oder ihr nahe zu legen, dass sie eigentlich einen legitimen Anspruch auf Hilfen von aussen hätte.

08.12.1966

BeineFüsse

Der Löwe, den ich mit einem starkem Wasserstrahl wegzuschwemmen und zu ertränken versuche, steht sicher auf seinen Beinen. Er hatte mein Hundekind beschnuppert und dieses hatte mit Demutsgebärde reagiert, 436

08.12.1966

BeineFüsse

Hier wird sichtbar, wer sicher «auf seinen Beinen» steht und stehen darf: Es ist ein Löwe, ein männlicher Löwe. Im patriarchalen Kontext ist der männliche Löwe ein Symbol für männliche Kraft und Autonomie und ganz besonders für männliche Herrschaft. Für die Symboldeutung ist es nicht gleichgültig, ob das Symboltier weiblich oder männlich ist. Durch diese Präzisierung würde verständlich, dass eine tatsächliche Gefährdung für das Hundekind vorhanden sein könnte. Auf der Subjektebene könnte das Hundekind einen Aspekt oder Blickwinkel der Träumerin darstellen, der sich im Entwicklungsstadium befindet und daher geschützt werden muss.

01.11.1968

BeineFüsse

In meinem Fuss steckt das Sägeblatt einer Laubsäge. Der Motor der Säge beginnt zu laufen und das Sägeblatt im Fuss zu rotieren. Ich rufe wie hysterisch vor Schmerz, man solle die Sicherung herausnehmen, 540

01.11.1968

BeineFüsse

Das Absägen eines Fusses zeichnet ein drastisches und schmerzliches Bild für die Unterdrückung der Stehkraft einer Person. Mit einem einzigen Fuss könnte es nicht gelingen, mit «beiden Beinen» auf der Erde zu stehen, und es wäre auch kaum möglich, irgendwo wirklich «Fuss zu fassen» und sich in der Welt zu behaupten. - Die Sequenz weist auf eine gefahrvolle Entwicklung hin, und dies vermutlich auf der Objektebene. Es besteht dringlicher Handlungsbedarf von Seiten der Träumerin.

03.11.1968

BeineFüsse

Es wird erzählt, ein Vater habe seiner Tochter ein Bein abgeschlagen. In der Folge habe ein Knabe gleichzeitig sein rechtes Bein verloren, 544

03.11.1968

BeineFüsse

Bereits drei Tage nach der Sequenz 540, wird hier ein weiterer schrecklicher Vorgang bezüglich Beine erzählt, diesmal jedoch als ein bereits vollzogener Akt. Dazu werden weitere Details erzählt. Das Bein einer «Tochter» wurde mit einer Axt von einem «Vater» abgeschlagen. Aber was ist das Motiv? - Die Sequenz schildert weiter, der Gewaltakt gegen das Mädchen habe zugleich einen Knaben in gleicher Weise beschädigt. Auf der Subjektebene verstanden würde die Sequenz besagen, eine Vaterfigur habe eine Tochterfigur in ihrer Entwicklung unterdrückt und sie dabei sowohl in ihrer «Weiblichkeit» als auch in ihrer «Männlichkeit» beschädigt. Mit nur einem Bein bleibt sie an die Vaterfigur gebunden. - Die Sequenz könnte ein Aufruf zum Nachforschen schmerzlicher Ereignisse bedeuten.

05.11.1969

BeineFüsse

Die tüchtige Sekretärin des Kinderdörflis (Frau L. in Lütisburg) sagt weinend, sie habe ein Holzbein. Bisher hatte sie dies verborgen gehalten, 567

05.11.1969

BeineFüsse

Das «Holzbein» verweist auf eine derart massive Verletzung, dass sie zum Verlust des einen Beines geführt hat. Ein Holzbein kann ein eigenes Bein natürlich nur ungenügend ersetzen. Diese Sequenz ist wie eine Weitererzählung der Geschichte von 540 und 544, die vom Beschädigungsakt eines Fusses und Verlust eines Beines berichten. Hier geht es nun darum, wie mit diesen Beschädigungen umgegangen wurde: Es wurde ein Beinersatz beschafft (Holzbein). Die «Tüchtigkeit» der Sekretärin, die ein «Holzbein» bekommen hat, weist auf einen gelungenen kompensatorischen Akt. Sie hat sich auf einem Gebiet kundig gemacht, bei dem es nicht darauf ankommt, ob beide Beine funktionstüchtig sind. Die Sequenz wirkt ebenso traurig wie tröstlich.

29.11.1970

BeineFüsse

Weil mit den Beinen eines 10-12-jährigen Knaben etwas nicht in Ordnung ist, soll er die Todesspritze bekommen. Dies in der Meinung, ihm ein schweres Leben zu ersparen, 577

29.11.1970

BeineFüsse

Die Beine, die «nicht in Ordnung» sind, besagen, dass sie nicht genug taugen, dass sich die Person mit «richtiger» Arbeit ernähren könnte. Die drohende «Todesspritze» wird daher als ein Akt des Mitleids vorgegeben. - Die Sequenz könnte auf der Objektebene eine Kritik am geltenden Arbeitsbegriff enthalten, und auf der Subjektebene eine Angst ausdrücken, den Erfordernissen des Arbeitsmarktes nicht (mehr) gewachsen zu sein. Die drohende «Todesspritze» könnte auf Suizidgedanken, im Sinne der einfachsten Lösung, hinweisen.

24.12.1977

BeineFüsse

Meine Beine werden von kleinen Splittern verletzt, die wie Kugelschreiber und kleine Geschosse aus einer Windmaschine daher fliegen, 711

24.12.1977

BeineFüsse

Hier ist die Rede von einer «Verletzung» der «Beine», die durch «Kugelschreiber», also durch ein Schreibwerkzeug verursacht werden. Schriftliche Erzeugnisse können verletzende Inhalte haben. Die Bezeichnung «Windmaschine» ist wie ein Urteil über gewisse Erzeugnisse des Kugelschreibers: Sie seien bedeutungslos, sie erzeugten lediglich nichts sagenden «Wind». Dennoch seien sie imstande, den Organen, die uns ermöglichen, den Anforderungen der Welt gerecht zu werden, Schaden zuzufügen. - Auf der Objektebene wäre zu ergründen, wer diese verletzende «Windmaschine» betätigt und warum.

21.04.1979

BeineFüsse

Die Beine eines verstorbenen und wieder lebendig gewordenen 8-10-jährigen Mädchens seien invalid, aber der Verstand sei normal, 744

21.04.1979

BeineFüsse

Die invalid verbleibenden Beine besagen, dass es Verletzungen gibt, die irreversibel sind. Es ist ja schon sehr viel, wenn eine tot geglaubte Psyche wieder lebendig wird und der Verstand normal funktioniert. Die Sequenz besagt, dass der Zugang zur Welt und das «Stehen in der Welt» erschwert bleibt, aber dank intakter geistiger und eventuell auch intellektueller Fähigkeiten trotzdem wieder möglich sein könne.

21.08.1992

BeineFüsse

Meine Mutter ist positiv verändert. Nur ein Bein tue nicht richtig, 939

21.08.1992

BeineFüsse

Von einem «Bein» zu sagen, es tue nicht ganz richtig, während sich eine Person insgesamt positiv verändert hat, bedeutet, dass eine Behinderung durch die Entwicklung anderer Fähigkeiten kompensiert werden kann.

26.02.1994

BeineFüsse

Eine Gastprofessorin aus den USA sitzt mit übergeschlagenen Beinen in einer Wiese und hält ihre Vorlesung, 946

26.02.1994

BeineFüsse

Die «übergeschlagenen Beine» weisen auf gesunde «Beine» sowie eine Art des «Stehens in der Welt» von selbstverständlicher, problemloser und autonomer Art.

19.04.1994

BeineFüsse

Ein Mann schlingt drohend seine Beine um meine Hüfte, weil ich eine Asiatin vor ihm geschützt habe, 948

19.04.1994

BeineFüsse

Die um die Hüfte einer Frau geschlungenen «Beine» assoziieren eine Art von Nähe, die an den Geschlechtsakt erinnert. Hier jedoch wird eine solche Nähe zu Einschüchterungszwecken missbraucht.

03.07.1959

Blut

Nach einer Sturzgeburt bekomme ich eine starke Blutung. Ich fürchte zu verbluten, 40

03.07.1959

Blut

Diese Sequenz redet von «Blutverlust», also vom Verlust an Lebenskraft. Und dies in Zusammenhang mit einer «Sturzgeburt», während eines Prozesses also, bei dem Neues auf die Welt kommt, wenn auch etwas überstürzt. Es scheint, dass bei dieser «Geburt» etwas nicht richtig gelaufen ist, denn eine normale Geburt braucht keineswegs mit Blutverlust verbunden zu sein und auch nicht mit Verblutungsgefahr (die Geburt meines Sohnes ist beispielsweise ganz unblutig verlaufen im Rahmen einer «sanften» Hausgeburt). - Die «Geburt» von etwas Neuem hat bereits stattgefunden und das «Kind» scheint nicht gefährdet. - Der grosse Blutverlust betrifft die «Mutter» des geborenen bzw. von der Träumerin gestalteten «Kindes», was ich als einen Hinweis betrachte, dass diese eine Pflege benötigt.

11.05.1961

Blut

Im Gespräch mit einem Dozenten vom IAP beobachte ich, dass die Leittiere von Tierherden beginnen, sich anzugreifen. Ich befürchte blutige Kämpfe, 151

11.05.1961

Blut

Das Vergiessen des wertvollen Saftes «Blut» in «blutigen Kämpfen» ist ein typisch männliches Verhalten, im realen wie im übertragenen Sinn. Die Sequenz bezeichnet die Täter, es sind Führungsfiguren (Leittiere). Da diese «Leittiere» im Zusammenhang mit dem Psychologischen Institut IAP (Dozenten) auftreten, könnte die Sequenz von der Wahrnehmung eines Kampf zwischen psychologischen Schulrichtungen sprechen, da diese allesamt den Anspruch erheben, ihre Theorie sei die Richtige und habe Anspruch auf die Führungsrolle.

03.06.1962

Blut

Es scheint mir, ein Mann trinke Blut aus dem Kopf eines Stieres, Elefanten oder Ochsen. Oder er trinke etwas Wertvolles aus einem Gefäss, 191

03.06.1962

Blut

Blut, das zentralste Symbol für Lebenskraft, einem lebenden Tier abzuzapfen, wäre ein vampyrisches Verhalten, das auf ein Ausbeutungsverhältnis zwischen Mensch und Tier hinweist. Auf der anderen Seite verweist die Traumsequenz jedoch auf die Alternative, dass «etwas Wertvolles aus einem Gefäss» getrunken wird. Da Tiere in der Symbolik der «Natur» bzw. dem Weiblichen zugeordnet sind, könnte die Sequenz auf ein Ausbeutungsverhältnis zwischen einem Mann und einer Frau hinweisen. Diese Interpretation ergibt sich auch, wenn das «Wertvolle» aus einem «Gefäss» getrunken wird, denn auch Gefässe stehen in der Symbolik für das Weibliche bzw. für die Frau.

30.11.1962

Blut

Ich speie Blut, habe eine grosse Wunde und laufe Gefahr zu verbluten. Mein Bruder K. war über den Strassenrand hinaus gefahren und der Wagen war gestürzt, 226

30.11.1962

Blut

Das Verbluten hat hier mit einer Verletzung zu tun, die sowohl innere Organe betrifft als auch eine äussere Verwundung. Der Unfall wurde von einem Mann verursacht. Über den Strassenrand hinaus zu fahren bedeutet, «übers Ziel hinaus zu schiessen» oder dass jemand übertrieben reagiert. Dies kann auch die verbale Ebene betreffen: Worte können stark verletzend sein, tiefe Wunden schlagen, sogar tödlich sein. Die «tödliche» Wirkung von Worten bedeutet, dass sie die Lebensfreude und den Lebenswillen lähmen oder ganz zerstören. Auch diese Sequenz scheint zu sagen, die Träumerin sei stark «verletzt» und bedürfe dringend einer Pflege.

19.09.1965

Blut

Auf Küchengestellen liegen, in Zellophanhüllen verpackt, zerschnittene und blutende Teile eines männlichen Körpers. Ich soll ein Ritual ausführen, aber ich weiss noch nicht wie, 358

19.09.1965

Blut

Ein zerschnittener und blutender Körper ist eine grausige Vorstellung. Die Zerstückelung eines männlichen Körpers ist allerdings ein bekanntes mythologisches Motiv. Der Gott Osiris hatte seinen Bruder zerstückelt und übers Land verstreut, die Körperteile seien aber von der ägyptischen Göttin Isis nach langem Suchen gefunden und wieder zum Leben gebracht worden. - Entsprechend dieser Symbolik würde die Sequenz das zum Verschwinden gebrachte sogenannten «Männliche» in der Träumerin aufzeigen. Dabei wird die Träumerin von ihren Tiefenschichten oder der «Grossen Mutter» an Möglichkeiten erinnert, wie sie das «getötete» und «verstreute» Männliche wieder gewinnen könnte. Sie soll ein «Ritual» ausführen, weiss aber noch nicht, wie ein solches zu bewerkstelligen wäre oder worin ein solches Ritual überhaupt bestehen könnte. Die Träumerin empfindet sich als «zerstückelt und blutend» und von sich entfremdet. Aber, indem die Sequenz an die Geschichte von Osiris erinnert, wird ihr aus den Tiefenschichten die Zuversicht vermittelt, dass sich ein Weg finden lässt, ihre umfassende (doppelgeschlechtliche) Gestalt wieder herzustellen. Nach langem Suchen könnte sie ihre zerstückelten Teile wieder finden und diese könnten zusammengebracht werden und wieder zum Leben finden (ID-Buch 1345, 433-434).

13.12.1966

Blut

Blut spritzt aus Mandelkernen, in die ein Mann hinein sticht. Er meint, diese Methode sei einfacher als jene, die den Leuten zum Spielen rate, um sich zu heilen, 440

13.12.1966

Blut

Die Vorstellung, dass «Blut» aus Mandelkernen spritzen könnte, wirkt im ersten Moment absurd. Was dies bedeuten könnte, geht mythologisch aus der «Mandorla» hervor. Mandorla bedeutet «Mandel» - und war ein eher geheimes Synonym für die Yoni. Schon in uralten Zeiten waren Mandeln weiblich-genitale Symbole und dienten als Fruchtbarkeitszauber, während längliche und stechende Gegenstände als männlich gedeutet wurden. In der vorliegenden Sequenz geht es um Vorstellungen über «Heilung», die aus geschlechtlicher Vereinigung hervorgehen kann und um Methoden dieser Heilung. Auffallend ist, dass die eine Methode auf «Spielerisches» setzt, die andere auf Aggression (stechen). Selbst der Dichter und Humanist Goethe beschrieb in seinem Gedicht «sah ein Knab ein Röslein stehn», den Akt als etwas, das weiblicherseits ein Erleiden beinhalte (der Knabe «bricht» das «Röslein» anstatt es zu erfreuen). - Diese Sequenz könnte auf der Objektebene auf eine Beziehung hinweisen, bei welcher der Träumerin nicht klar ist, in welche Richtung die Sexualität des Partners tendiert: ob aggressiv oder freundlich/spielerisch oder spielerisch/ausbeuterisch. Sicher ist, dass hier Warnlichter aufleuchten und dass die Träumerin aufgefordert wird, die Begegnungen mit grosser Aufmerksamkeit wahrzunehmen.

15.08.1969

Blut

Anlässlich meiner Menstruation fliesst Blut in grossen Mengen und dickflüssig. Zuerst bekomme ich von Mutter Vorwürfe, später Mitleid und Hilfe, 564

15.08.1969

Blut

Das Menstruationsblut ist das einzige Blut ist, das nicht einer Verletzung oder Wunde entstammt. In der vorliegenden Traumsequenz fliesst das Menstrualblut in grossen Mengen. Diese überstarke Blutung der «weisen Wunde Menstruation», wie ein Buchtitel lautet (ID-Buch 949), könnte auf eine Verletzung von Bedürfnissen hinweisen, die den Bereich des Wissens (Weisheit) betreffen. Immerhin ist erfreulich, dass die Träumerin schliesslich von einer Mutterfigur Hilfe bekommt.

03.02.1962

Haare

Ich bin ein rothaariges Mädchen, das in Wirklichkeit der Mann sein soll, der von der Polizei gesucht wird, 173

03.02.1962

Haare

Dass ein «rothaariges Mädchen» in Wirklichkeit ein Mann sein soll, mutet eigenartig an. Eigentlich sagt die Sequenz aus, es sehe nur so aus, dass die Träumerin ein rothaariges Mädchen sei, Schein und Sein würden auseinanderfallen. Oder anders gesagt, es sehe nur so aus, als würde sie als eine Rothaarige zu sexueller Ausschweifung neigen, in Wirklichkeit sei sie an einem selbständigen und autonomen Leben interessiert, was für Frauen nicht erlaubt war (ID-Buch 332). So gesehen wäre auch verständlich, dass die Träumerin von der «Polizei» gesucht wird, nämlich von Vertretern der Weiblichkeitsideologie. Es könnte aber auch sein, dass die Sequenz die Beobachtung zum Ausdruck bringt, dass autonome Frauen als sexuell attraktiv empfunden werden können, im Gegensatz zu anders lautenden psychologischen Behauptungen. - Der Rat an die Träumerin könnte sein, sie solle nicht allzu selbständig wirken wollen, und sie dürfe zudem darauf vertrauen, dass sie auch als eine vermeintlich «männliche» Frau eine spezielle Art von sexueller Attraktivität besitze.

03.01.1964

Haare

Frauen fordern die Opferung meines Kopfhaares, wie zur Sühne, aber ich weiss nicht wofür ich sühnen soll, 266

03.01.1964

Haare

Kopfhaare, die als solche für vitale Kräfte stehen, «opfern» zu müssen - seien diese Kräfte körperlicher, geistiger oder seelischer Art - könnte den Versuch anzeigen, die Träumerin auf eine reduzierte «Weiblichkeit» festzulegen. Es könnte aber auch sein, dass sie selber glaubt, sie habe der einschränkenden Rolle als Frau oder als «Anima» gerecht zu werden. So gesehen würde die freiwillige Opferung des Kopfhaares eine Selbstzensur der Träumerin darstellen.

23.12.1965

Haare

Aus einem Miststock ragen üppige schwarze Haare heraus. Die Haare gehören zu einer weiblichen Leiche, 375

23.12.1965

Haare

Die üppigen schwarzen Haare stehen für eine autonome weibliche Sexualität. In Verbindung mit dem Symbol «Miststock», in dem eine weibliche «Leiche» liegt, könnte die Sequenz daran erinnern, dass das Weibliche in der Analytischen Psychologie als «Nährboden» für das Männliche» gesehen wird. Dies in Analogie zum Dunghaufen neben einem bäuerlichen Anwesen, der ebenfalls zur Nahrung und Fruchtbarkeit des Erdbodens bestimmt ist. - Es könnte sein, dass die Sequenz die Träumerin auf diesen Sachverhalt aufmerksam macht, im Sinne einer Warnung im Hinblick auf einen konkreten Mann.

21.06.1979

Haare

Die Barthaare eines stattlichen Grossvaters sind wie gestrickt oder gehäkelt, 750

21.06.1979

Haare

Die Vorstellung, dass Haare und somit die Kraft von Haaren «gestrickt» oder «gehäkelt» sein könnten, also mit gekonnter weiblicher Handarbeit und Tätigkeit zu tun haben könnte, erregt ein erstauntes Lächeln der Freude in mir. Beim «Grossvater», dem diese Handarbeit und Gestaltung gilt, könnte es sich um die Gestaltung eines neuen Vaterbildes handeln, das sich wesentlich unterscheidet vom patriarchalen Vaterbild. - Was immer diese Traumsequenz konkret mitteilen möchte: Ich halte sie für ein prospektives Zeichen.

02.06.1959

Kopf

Ein Mann schlägt mich auf eine empfindliche Stelle des Kopfes, während ich in einem Dämmerzustand bin und in einem Fluss liege, 30

02.06.1959

Kopf

Die «empfindliche Stelle eines Kopfes» betrifft hier den Ort des Denkens und Reflektierens einer Frau. Die Schläge gelten demnach Inhalten, die eine Frau besonders «empfindlich treffen» können. Zudem werden die Schläge gezielt und von einem Mann ausgeführt. - Auf der Objektebene ist zu eruieren, wer der Mann ist, der den Kopf- und Denkbereich der Träumerin «schlägt» und schädigt, oder ihr Selbstverständnis als Frau empfindlich trifft und treffen will. Die gängigste Art derartiger «Schläge» bestand zu dieser Zeit (1959) im Vorwurf, die Frau wolle ihre «Weiblichkeit» nicht annehmen, was bedeutete, dass sie ihre angeblich inferiore Denkfähigkeit nicht akzeptieren wolle.

23.06.1959

Kopf

Ein Mann sticht in eine empfindliche Stelle des Kopfes eines Riesenfisches, weil er den schönsten Baumstamm wegschleppen wolle. Das Tier schlägt wild um sich und bleibt dann tot liegen, 38

23.06.1959

Kopf

Die «empfindliche Stelle eines Kopfes» ist diesmal jene eines Tieres. Und da Fische mythologisch seit Urzeiten mit Weiblichkeit assoziiert werden, dürfte auch dieser Kopf einen weiblichen Kopf bezeichnen. In Verbindung mit dem Symbol «Riesenfisch» geht es hier sogar um den weiblichen Kopf im Allgemeinen, auf den ein tödlicher Angriff stattfindet.

05.12.1963

Kopf

Nach einem Unglück ist der Kopf eines Mannes von seinem Leibe getrennt. Dennoch schreit der Mann entsetzlich, 260

05.12.1963

Kopf

Das entsetzliche Schicksal der Trennung von «Kopf» und Körper haben zu dieser Zeit (1963) eigentlich Frauen erlitten, indem ihnen das Denken abgesprochen und sozusagen verboten wurde. Dass Frauen deswegen buchstäblich mit ihren Körpern «schreien» (zum Beispiel hysterische Frauen), wurde später von der Feministischen Psychotherapie festgestellt (Roswitha Burgard: Wie Frauen verrückt gemacht werden (ID-Buch 43) und Ingrid Olbricht: Was Frauen krank macht (ID-Buch 73).

14.12.1966

Kopf

Mein Bruder K. soll den ausgehöhlten Schädel des Vaters, den er vor fünf Jahren getötet habe, auf den Kopf gestülpt und im Walde getanzt haben, 442

14.12.1966

Kopf

Der «ausgehöhlte Schädel» könnte für eine radikale «Vateraustreibung» stehen, für die Zurückweisung vereinnahmender Tendenzen einer «Vaterfigur». Entsprechend könnte der danach folgende «Tanz» eine intensive Freude ausdrücken über die dadurch erreichte Autonomie. Allerdings sind auch noch andere Möglichkeiten für die Deutung von «Schädel» und «Tanz» zu erwägen: Die «Kopfjäger» glaubten, mit dem Schädel könnten sie sich auf eine magische Art die Eigenschaften dieser Person aneignen. Auf die heutige Zeit übertragen könnte dies heissen, dass eine partielle Integration väterlicher Auffassungen und Leitbilder möglich wäre; dass sich Teilbereiche dessen mit dem «Eigenen» vertragen könnten und die eigene Autonomie nicht unbedingt gefährden müssten, sondern sogar stärken könnten. - Eine weitere Möglichkeit der Interpretation ist, sofern der «Bruder» eine männliche Person auf der Objektebene darstellt, dass dieser von den Tiefenschichten der Träumerin als ein gefährlicher «Kopfjäger» diagnostiziert werde und zwar in Bezug auf ihre geistigen Qualitäten. Die Sequenz ist also in mehreren Richtungen zu reflektieren unter Einbezug der äusseren und inneren Verhältnisse der Träumerin.

19.12.1966

Kopf

Ich drücke den Kopf einer Schlange weit nach hinten, den sie wie zu einem Biss auf meinen Sohn gebeugt hat. Sie hat enorme Kräfte, und ich halte sie ziemlich lange so fest, befürchte aber, meine Kraft würde nicht ausreichen, 445

19.12.1966

Kopf

Zum «Kopf» einer «Schlange», die beissen will, assoziiere ich die Metapher von der «falschen Schlange», die als solche für eine «falsche Weisheit» steht. Vor einer solchen Schlange gilt es sich in acht zu nehmen; sie könnte auch ganz unvermutet zubeissen. - Die Träumerin muss sich fragen, wer oder was sich hinter einer vorgeblichen «Weisheit» verbirgt, und worin die Aggression besteht, die gegen den «Sohn» der Träumerin und letztlich gegen sie selber gerichtet ist. Wer oder was will den «Sohn», der von der Träumerin «geboren» worden ist angreifen, ihm Schaden zufügen? Und warum?

30.01.1967

Kopf

Ein Totenschädel rollt aus einem tiefen Keller vor meine Füsse und weiter vor die Türe, hinter der sich ein gestohlenes Königskind befinden soll, 454

30.01.1967

Kopf

Der «Totenschädel», der vor die Füsse der Träumerin rollt, könnte, weil er aus einem «tiefen Keller» bzw. aus den «Tiefenschichten» herauf kommt, mit wesentlichen Inhalten dieser Seelentiefen zu tun zu haben. Es treten Inhalte und Befähigungen auf, die ungebraucht und wie tot im «Keller» lagerten und nun an die Oberfläche treten, obwohl die Sequenz nichts Konkretes über die Inhalte aussagt.

12.01.1975

Kopf

Der schön geschnitzte Mädchenkopf eines Totempfahls soll begraben werden. Aber der Kopf besteht plötzlich aus Fleisch und Blut, 1032

12.01.1975

Kopf

Der «schön geschnitzte Mädchenkopf» symbolisiert eine profilierende und differenzierende Auffassung und Gestaltung einer weiblichen Person, die sich noch in Entwicklung befindet. Die spezielle Betonung von «Kopf» verweist auf den Ort dieser Entwicklung, auf eine Entwicklung im geistig/intellektuellen Bereich. Diese Interpretation wird verstärkt durch den Hinweis, dass der geschnitzte Kopf plötzlich lebendig wird und nunmehr aus «Fleisch und Blut» besteht. Warum der Mädchenkopf - obgleich «schön gestaltet» und aus beständigem Material (Holz), hätte begraben werden sollen, sagt die Sequenz nicht. - So oder so besagt die Sequenz, dass etwas Geistiges und Schönes lebendig und vital geworden ist.

 

Mund

In der Sukzession verweist das Symbol «Mund» auf eine deutliche Entwicklung. Die eine Frau im Traum Nr. 62 vermochte noch nicht einmal zu erkennen, was die Männer, die ihr den Mund zuhalten, mit ihr im Sinn haben. Die Schlange, die im Traum Nr. 530 aus dem Mund einer anderen Schlange herauskommt, bildet eine erste Bewegung in Richtung sprachlicher «Mündigkeit», eine zweite Befreiung erfolgt im Traum Nr. 862 mit der «Geburt» aus dem Mund einer Frau. Aus dem Bild des Traumes Nr. 994 ist zu schliessen, wie hartnäckig sich das Sprechverbot für Frauen hält, bzw. wie sich die Definitionsmacht von Männern ausgewirkt hat. Das eigene Gespür der Frau (Hund) wurde gewissermassen mumifiziert, und erst nach 40 Jahren erwachen weitere Teile zum Leben.

30.07.1959

Mund

Ein Mann hält einer jungen Frau den Mund zu, während ein zweiter Mann sie zu ertränken versucht, 62

30.07.1959

Mund

Einer Frau den Mund zuzuhalten bedeutet, sie vom Sprechen und sprachlichen Ausdruck abzuhalten. Auf der Objektebene ginge es hier darum, ausfindig zu machen, für wen oder was die zwei Männer stehen, die die Träumerin am Sprechen und Formulieren ihrer Gedanken und Gefühle hindern und ein eigenständiges Handeln unterdrücken. Die vorliegende Sequenz berichtet in krassen Bildern, was der Träumerin geschieht: Es wird ihr ein Sprechverbot auferlegt und somit auch ein Denkverbot. Ihr Denkanspruch wird unterdrückt (ertränkt), und dies soll sie zur Kenntnis nehmen und wenn immer möglich etwas dagegen unternehmen. - Zu dieser Zeit (1959) war das Frauenstimmrecht vom schweizerischen Männervolk abgelehnt worden. Das heisst, dass allen Schweizer Frauen ein Maulkorb umgehängt wurde, indem ihnen das politische Mitspracherecht verweigert wurde.

13.08.1968

Mund

Aus dem Mund einer Schlange kommt eine grössere Schlange heraus, während ich sie zerschneide, 530

13.08.1968

Mund

Hier ist die Rede vom «Mund» einer Schlange. Und insofern als der Mund dieser Schlange gedankliche «Weisheiten» hervorbringt, die dann zerschnitten werden, besagt die Sequenz, dass diese «Weisheiten» einer genauen «Analyse», also einer Prüfung und Untersuchung unterzogen werden. - Es könnte sein, dass die Träumerin von ihren Tiefenschichten dazu aufgefordert wird, die Weisheiten, die ihr von anderen Frauen angeboten werden, einer genauen Prüfung zu unterziehen.

19.12.1985

Mund

Eine Geburt steht bevor. Anstelle der Vagina bildet plötzlich der Mund den Geburtsausgang, 862

19.12.1985

Mund

Hier wird die traditionelle Parallelisierung von Mund und Vagina in ungewohnter Weise dargestellt und zugleich durchbrochen. Die Vagina (alias Mund) bildet hier nicht Eingangstor für das männliche Sexualorgan, sondern Ausgangstor für Inhalte, die aus dem «Schoss» der Frau geboren und durch ihren «Mund» in die Welt hinaustreten wollen. Es geht um sprachliche Vermittlung von Erfahrungen und Erkenntnissen einer weiblichen Person. Diese Vermittlung kann sowohl über das gesprochene als auch über das geschriebene «Wort» erfolgen. - Die Sequenz könnte die Träumerin darauf aufmerksam machen, dass in ihr etwas Neues entstanden oder gewachsen ist, das von ihrem Munde ausgesprochen und in Worte gefasst werden möchte.

09.06.1990

Mund

Eine Frau drückt einer anderen jungen Frau im Auto ein Tüchlein auf den Mund. Ich habe den Verdacht, es gehe um eine Entführung, 928

09.06.1990

Mund

Der Mund, als Symbol des selbstbestimmten Sprechens, erfährt nicht selten auch durch andere Frauen eine Einschränkung. Dies gilt erst recht für die Jahre der «Zweiten Frauenbewegung», in der sich nicht nur patriarchatshörige Frauen um die Definitionsmacht bezüglich Weiblichkeitsvorstellungen streiten, sondern auch innerhalb der feministischen «Szene» selber. Manche Frauen neigen dazu, anderen Frauen den «Mund» zu verbieten.

04.03.2002

Mund

Aus dem Mund eines mumifizierten Hundes kommt Wasser heraus. Ich stelle ihm eine Schale mit Wasser hin in der Meinung, er beginne wieder zu leben, 994

04.03.2002

Mund

Der Mund, aus dem hier Wasser strömt, ist der Mund einer Mumie. Dem vermeintlich vertrockneten Tierkörper entströmt hier sozusagen das «Wasser des Lebens», denn das Wasser zeigt an, dass Leben vorhanden ist und dass dieses Leben zur Sprache gebracht werden will (Mund). Mund und Wasser symbolisieren hier jene Form des Lebendigen, die wir mit Säugetieren gemeinsam haben: Sensibilität sowie Kontaktbedürfnis und Verletzlichkeit. Die Verbindung von Hund, Mund und Wasser interpretiere ich als Ausdruck von Elementen, die Menschen und Hunde gemeinsam haben. Diese Anteile wollen leben und zur Sprache gebracht werden. In dieser Sequenz scheint es um das Wiedererwachen, Zulassen und Sichverlassen aufs eigene «Gespür» zu gehen. Die Träumerin ist zu dieser Zeit 70 Jahre alt. Das heisst, dass der Prozess der Befreiung aus allen «Vormundschaften» in innerer und äusserer Hinsicht ein ganzes Leben andauert, aber auch der Prozess der Erneuerung aus dem «Wasser des Lebens», das hier nicht aus dem Mund eines Menschen, sondern aus dem Mund eines Hundes strömt.

10.08.1958

SeeleSeelisch

Ich forme meine Hände zu einer Schale, um meine Seele, die wie flüssig ist, vor dem Zerfliessen zu schützen, 1

10.08.1958

SeeleSeelisch

Mit dem Bild «flüssige Seele» wird hier ein psychischer Zustand dargestellt, für den es meines Wissens weder in der Tiefenpsychologie noch in religiösen Vorstellungen einen Begriff gibt. Zu «flüssig» assoziiere ich «Fluss», fliessen, fliessendes Wasser, Bewegung, Lebendigkeit, Weite. Das Flusswasser fliesst in Richtung der grossen Meere der Welt. Die Negativseite von Fliessen bilden die Wasserqualitäten zerfliessen, entgleiten, verschwimmen, die ein Verlustgefühl ausdrücken. Die zu einer Schale geformten Hände sollen die Seele vor diesem Verlust (Zerfliessen) schützen. Nach christlicher Vorstellung können Menschen ihre «Seele verlieren», was in psychologischer Sprache als «Selbstverlust» bezeichnet wird. - Selbstverlust bedeutet Verlust von Denkfähigkeit, Lebensfreude, Lebensinteresse, Lebendigkeit und Identität. Eine Frau, die sich als Frau einem unaufhörlichen «Fluss» an Erwartungen und Forderungen ausgesetzt sieht, läuft Gefahr, ihr «Selbst, ihr «Eigenes» zu verlieren, ihrer Eigenwelt verlustig zu gehen. Damit geht ein Verlust der «Orientierungsgefühle» einher, das heisst, der Fähigkeit, sich in einer immer komplexer werdenden Welt zu orientieren und zurechtzufinden. - Die «eigenen Hände» stellen kein geeignetes Gefäss dar, um eine bewegte und vielfältige Gedanken- und Gefühlswelt wahrnehmend und reflektierend festzuhalten. Das Traumbild enthält die Aufforderung an die Träumerin, eine Form und Lebensform (Gefäss) für ihre geistig/seelischen Interessen und Bedürfnisse zu schaffen. - Da die Sequenz im Hinblick auf eine zu beginnende Psychotherapie geträumt wurde, handelt es sich um einen «Initialtraum». Das heisst, dass darin die wesentliche Problematik aufscheint, der sich die Träumerin ausgesetzt sieht.

02.06.1959

SeeleSeelisch

Ich stehe meiner eigenen Körpergestalt gegenüber und weiss, dass sich darin die Seele meiner früheren Schulfreundin aufhält. Sie lacht mich an, ich lache zurück, 31

02.06.1959

SeeleSeelisch

Zum einem erscheint die Träumerin in doppelter Gestalt, zum anderen lebt in dieser Zweit-Gestalt die «Seele» einer anderen Frau, ohne dass dies zu einer Zerrissenheit der Person führt. Vielmehr scheint die Zweiheit der «Seele» eine geglückte freundschaftliche Beziehung zu begründen. Die Verdoppelung der eigenen Leib- und Seelengestalt bedeutet, sich selber von aussen sehen und erkennen zu können. Das Hinzukommen der «Seele» einer anderen Frau besagt, dass ein neuer Blickwinkel, eine andere Perspektive hinzukommt, um die Aussen- und Innenwelt zu spüren, zu erkennen und beurteilen zu können. Das heisst, dass das Vorhandensein von «zwei Seelen in meiner Brust» nicht unweigerlich zu Spaltung und Zerrissenheit führen muss.

21.08.1959

SeeleSeelisch

Ich habe das Gefühl, in dem zitternden Kätzchen befinde sich die Seele meiner jüngsten Schwester. Ich denke, es habe in der Schlucht etwas Unheimliches erlebt, 75

21.08.1959

SeeleSeelisch

«Seele» in Verbindung mit einem Tier (Kätzchen) weist auf die nahe Verwandtschaft von Mensch und Tier hin, die darin besteht, dass nicht nur Menschen Empfindungen haben. Auch andere «Warmblütler» können «Gefühle» haben, Freude und Schmerz empfinden. Die Sequenz könnte darauf hinweisen, dass der Tieranteil in uns unmittelbarer zu spüren vermag, wenn in menschlichen Beziehungen oder in einer Situation etwas «unstimmig» ist. Es könnte sein, dass die Seele, alias weisses Kätzchen, eine aufwühlende Erfahrung gemacht hat (es zittert). Tiefenpsychologisch stehen Katzen für den Sexualbereich, was auch für ein noch junges Kätzchen Geltung hat (eine «gute Katze» bezeichnet umgangssprachlich eine sexuell attraktive Frau). Ein weisses junges Kätzchen assoziiert, im Unterschied zur ausgewachsenen Katze, Vertrauensseligkeit bis Naivität. Es könnte sein, dass das zitternde weibliche «Kätzchen» mit männlichen Dominanz- und Machtansprüchen in Berührung gekommen ist. - Die Sequenz erzählt ferner, dass das weisse Kätzchen die «Seele» der «jüngsten Schwester» der Träumerin sei. Das Motiv «jüngste Schwester» ist ein bekanntes Märchenmotiv. Die «jüngste Schwester» könnte den noch am wenigsten entwickelten, also schutzbedürftigen Aspekt der Träumerin bedeuten.

19.11.1963

SeeleSeelisch

Die graphische und sich bewegende Darstellung, die ich sehe, soll meine Seele abbilden. Das Bild erscheint mal deutlicher mal weniger deutlich oder wahr, 256

19.11.1963

SeeleSeelisch

Die Verbindung von «Seele» und «graphischer Darstellung» scheint zunächst gegensätzlich. Steht doch die Seele für das Lebendige und sich ständig Bewegende an sich, während eine graphische Darstellung Unlebendiges, Festgelegtes, Festgeschriebenes, nicht mehr zu Veränderndes bezeichnet. Um die Veränderungen seiner seelischen Befindlichkeit zu ermitteln, hat C.G.Jung. Jung, wie er erzählt, während seiner langjährigen seelischen Krise Mandalas gemalt. Im Unterschied zu diesen an sich unbewegten Gebilden (Mandala), manifestieren sich die seelischen Veränderungen in dieser Sequenz in «bewegten» graphischen Gebilden. Die sich ständig bewegenden Bilder stellen gewissermassen eine Antwort dar auf das Thema «Seele» im ersten Traum (1), die als eine «flüssige» und wegen eines fehlenden Gefässes als eine gefährdete vorgestellt worden war. Zu dieser Sequenz hatte ich gedeutet, dass die Seele ein erst noch zu gestaltendes Gefäss brauche, um nicht zu zerfliessen. Hier nun wird eine Alternative zum Symbol «Gefäss» vorgeführt. Während Gefässe klar umrissene und starre Formen bezeichnen, zeichnet das Traumbild bewegte und sich verändernde Formen innerhalb einer Abfolge von graphischen Darstellungen, was besser der Vorstellung einer an sich bewegten und bewegenden Substanz entspricht, die wir als «Seele» verstehen. Dies entspricht der Erfahrung, dass unser Denken und Fühlen nicht immer in gleicher Weise deutlich wird. Es entspricht auch unserer Erfahrung, dass unser Denken und Fühlen nicht den Anspruch erheben kann, unumstössliche «Wahrheiten» zu produzieren, sondern dass ihre Aussagen «mehr oder weniger wahrsein» können. Das heisst, dass auch die Behauptung: «Gefühle lügen nicht» oder die Meinung «der Körper lügt nicht», nur eine relative Geltung haben. Unsere Gefühle können sich sehr wohl täuschen: Ein erster Eindruck kann täuschen und auch unsere Sinne können sich täuschen (Augen, Ohren u.a.). Ich halte es mit der Auffassung von Annegret Stopczyk und Agnes Heller, die beide erkannt haben, dass nicht nur das Denken, sondern auch das Fühlen eines Lernprozesses bedarf, indem wir lernen müssen, differenzierter zu fühlen und auch differenzierter zu denken.

24.11.1968

SeeleSeelisch

Mein Freund ist seelisch abwesend. Plötzlich erschrecke ich und merke noch rechtzeitig, dass der Freund mein Sohn ist, 552

24.11.1968

SeeleSeelisch

Das Bild von der «Abwesenheit der Seele» besagt nicht immer dasselbe. In einem Fall kann es von einem permanenten Zustand von «Selbstentfremdung» sprechen, in einem anderen Fall von fehlender Aufmerksamkeit gegenüber einer Situation oder Person. Dass Menschen körperlich anwesend und seelisch abwesend sein können, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Aber auch das Umgekehrte ist möglich: Eine körperlich abwesende Person kann viel Präsenz in unserem Denken und Fühlen haben, sei dies aufgrund einer tiefen Verbundenheit oder wegen einer Unmöglichkeit, sich von dieser Person zu lösen oder abzugrenzen. In dieser Sequenz ist die «Abwesenheit der Seele» mit einem Merkmal verbunden, das zunächst befremdlich anmutet: Der Freund entpuppt sich als Sohn der Träumerin. Da es zur Zeit des Traumes (1968) eine Art Dogma war, männliche Traumfiguren als psychische Aspekte der Träumerin zu deuten, dürfte es naheliegend sein, die Sequenz zunächst in diesem Licht zu betrachten. So könnte es sein, dass ein «Männliches» den eigenen seelischen Tiefenschichten zu wenig Beachtung geschenkt hat und ferner, dass dieser Sachverhalt im Begriff sei, sich zu ändern (Freund ist Sohn geworden). Nun aber können Söhne (auch Töchter) für geistig/seelische «Kinder» bzw. Inhalte stehen, die sich in unterschiedlichsten Formen von Veränderungen und Gestaltungen zeigen können. - Es wäre zudem in Betracht zu ziehen, ob ein realer Freund ein Sohnverhältnis zur Träumerin herzustellen beginne. Mit «Sohnverhältnis» meine ich die männliche Erwartung auf umfassende mütterliche Aufmerksamkeit der Frau, ohne an Gegenseitigkeit zu denken.

10.11.1969

SeeleSeelisch

Mein Studienkollege Ivan N. vom Szondi-Institut wirft mir vor, ich hätte ihn an seiner Karriere gehindert. Ich antworte, er solle froh sein, es sei nicht zum Schaden seiner Seele, 570

10.11.1969

SeeleSeelisch

Die Redewendung «Schaden der Seele» stammt aus dem religiösen Bereich. Diese Rede deckt sich nicht ganz mit dem, was die Psychologie unter einem «seelischen Schaden» versteht, könnte sich sowohl auf den religiösen als auch auf den psychologischen Bereich beziehen. Karriere und die Bedürfnisse der Seele sind kaum auf einen Nenner zu bringen. Immer müssen wir uns entscheiden, was uns wichtiger ist, das Lebendigsein unserer «Seele» oder eine kontinuierliche finanzielle Besserstellung, verbunden mit Sicherheit und Ansehen. Ich kenne junge Leute, die ihre beruflichen Entscheidungen danach ausrichten, ob sie für die Altersvorsorge günstig oder ungünstig sei. Subjektstufig verstanden weist die Sequenz darauf hin, dass es auch der Träumerin nicht immer leicht fällt, sich für die Erfordernisse und Bedürfnisse der seelischen Tiefenschichten zu entscheiden.

20.12.1970

SeeleSeelisch

Auf meiner Reise in den Orient versinke ich seelisch in der orientalischen Welt. Eine 50-jährige Frau will mir ihren erwachsenen Sohn in Therapie schicken, 585

20.12.1970

SeeleSeelisch

Erneut geht es um eine Verbindung von «Seele» und «Sohn», wobei diese durch das Symbol «Orient» eine Erweiterung erfährt. Die Sequenz steht für eine seelische Reise in etwas Andersartiges und Fremdartiges. Dieses «Andere» scheint von den Tiefenschichten der Träumerin als etwas Bedrohliches empfunden zu werden (sie versinkt darin). Wobei der Hinweis auf einen therapiebedürftigen «Sohn» besagen könnte, sie benötige einer weiteren Differenzierung ihres Denkens und Fühlens, um das Fremdartige verstehen und einordnen zu können, anstatt darin zu versinken. Möglicherweise ginge es dabei auch um eine Besinnung auf die Vor- und Nachteile östlicher und westlicher Vorgehensweisen bezüglich psychotherapeutischer Verfahren. Östliche und westliche Vorstellungen über Heilwege und Heilziele sind sehr verschieden. Auch die Vorstellungen über heilsame Lebensformen und über Lebenssinn laufen auseinander (im Westen: Erfolgsdenken, Spaltung von Denken und Fühlen).

19.04.1971

SeeleSeelisch

Der untersuchende Arzt sagt zu mir, das Seelische nehme er nachmittags dran, 599

19.04.1971

SeeleSeelisch

Dieser «Arzt» steht für die ärztliche Bewertung des weiblichen «Seelischen» als etwas Nachrangiges. Erst als er das vermeintlich Erstrangige untersucht und auch noch sein Mittagessen hinter sich hat (nachmittags), will er sich auf das weibliche Seelische einlassen. Auf diesen Sachverhalt wird die Träumerin aufmerksam gemacht. Die Sequenz könnte als Aufforderung verstanden werden, das ärztliche Seelenbild und Frauenbild in der Psychotherapie genauer unter die Lupe zu nehmen.

03.11.1974

SeeleSeelisch

Von einem Priester habe ich eine enttäuschende Antwort auf eine Frage erhalten. Ich nehme mir vor, wieder vermehrt auf die eigene Seele zu horchen, 669

03.11.1974

SeeleSeelisch

Hier stehen «Seele» und «Priester» in Verbindung, wobei das «Priesterliche», das für heilende Funktionen steht, durch einen Mann dargestellt ist, der in dieser Funktion versagt. Die Sequenz vermittelt, der männliche «Priester» sei nicht imstande, der Frau jene echte, einleuchtende oder heilende Antwort zu geben, die sie erwarte und benötige, und sie unterstützt die Träumerin in ihrem Entschluss, mehr auf ihre eigenen Einsichten zu bauen. Auf die eigene Seele zu horchen bedeutet hier, sich vermehrt auf das «Selber denken» zu stützen und auch den eigenen «Spürnissen» zu vertrauen, von denen Chiara Zamboni und andere Philosophinnen von der italienischen Gruppe «DIOTIMA» so einleuchtend und tiefgründig sprechen (ID-Buch 721).

01.11.1977

SeeleSeelisch

Im Spiegel neben meinem Bett kann ich Bilder sehen, die sich bewegen. Ferner kann ich an entfernten Geschehnissen teilhaben sowie zugleich an unbekannten Teilen meiner eigenen Seele, 708

01.11.1977

SeeleSeelisch

Die «Seele» wird hier mit den Symbolen «Spiegel» und «Bett» in Verbindung gebracht. Mittels eines speziellen «Spiegels» ist es möglich, an Vorgängen der eigenen Seele teilzuhaben und erst noch Vorgänge wahrzunehmen, die sich in entfernten Teilen der Welt abspielen. Mit der Auffassung der Philosophin Chiara Zamboni, Träume seien ein «Spiegel» der Seele, wird verständlich, warum dieser spezielle Spiegel neben dem Bett steht. Die Sequenz klärt die Träumerin auf, dass sie ihre Träume als «Spiegel» der eigenen Tiefenschichten auffassen soll, und zugleich bewusst erkennen soll, dass der Spiegel auch die äussere Welt spiegeln kann. Die Sequenz vermittelt der Träumerin also eine Erkenntnis, die über die tiefenpsychologische Praxis der Traumdeutung hinausreicht, indem explizit auf die äussere Welt hingewiesen wird. Der Spiegel spiegelt dreierlei: Seelische Prozesse von anderen Menschen, unbekannte Teile der Seele der Träumerin sowie Geschehnisse und Ereignisse in der äusseren Welt und der Weltgeschichte. Die «Bewegtheit des Spiegels» der Seele führt auch zu dem, was Carola Meier-Seethaler als «Allverbundenheit» bezeichnet, zur Verbundenheit mit der «Weltseele» (ID-Buch 1294).

22.03.1978

SeeleSeelisch

Auf meiner Bergwanderung geht Jemand oder Etwas unsichtbar neben mir - vermutlich meine Seele, 717

22.03.1978

SeeleSeelisch

Aufgrund der Eigenschaft «Unsichtbarkeit» dürfte es sich um die «Seele» der Träumerin handeln, die unsichtbar neben ihr geht. Die «Seele», verstanden als «das Andere», als «Daimon» der Träumerin, begleitet die Frau. Die Bezeichnung «Begleitung» für das Verhältnis zwischen der Träumerin und ihrem «Daimon», weist darauf hin, dass der Daimon hier nicht als «Gegensatz» zum Tagesbewusstsein empfunden wird. Vielmehr drückt dies eine auf Vertrauen aufbauende Verbundenheit mit den eigenen Tiefenschichten aus, wobei sie ihrerseits als «Allverbundenheit» kosmisch verankert sein könnte. - Aus psychologischer Sicht würde dies bedeuten, dass die Träumerin das Gefühl hat, bei sich selber angekommen zu sein, dass sie nun in der eigenen Seele beheimatet sei, und mit ihren Tiefenschichten verbunden sei.

12.05.1978

SeeleSeelisch

Eine Fernsehsprecherin sagt, sie danke Gott, dass ihr das Fernsehen keine weitere Chancen gegeben habe. So habe sie Gelegenheit bekommen, zu sich selbst zu finden, 720

12.05.1978

SeeleSeelisch

Die Idee der «Selbstfindung» hat mit unserer «Seele» zu tun. Wir wollen zu unserer eigenen Seele «finden» oder zurückfinden. In heutiger Sprache kann dies heissen, von der Zersplitterung in tausend Dinge zurück zu kehren zum «Eigenen» und zum Wesentlichen unseres Lebens. Das Symbol «Fernsehen» ist hier negativ besetzt: Sich mit äusseren und weit entfernten Dingen aufzuhalten, wird hier als Gefahr wahrgenommen. Dem gegenüber steht das Nahe und Konkrete als das Zuträgliche und Heilende. Auch das Sprechen in die äussere Fernwelt hinein (Fernsehsprecherin) wird hier als Gefahr für die Selbstfindung aufgefasst. - Die Sequenz könnte besagen, die Träumerin laufe Gefahr, sich in ihrer beruflichen Tätigkeit zu sehr zu verausgaben und ihr raten, sich vermehrt eigenen Interessen und Wünschen zuzuwenden. So gesehen hätte die Sequenz auch eine Entlastungsfunktion.

12.07.1980

SeeleSeelisch

Die Sitzung bei der Astrologin und Therapeutin namens «Binder» ist zu Ende. Sie geht nach Hause, und ich fühle seelischen Schmerz, weil ich sie dort nicht aufsuchen darf, 778

12.07.1980

SeeleSeelisch

Diese Sequenz verbindet die Symbole Seele und Schmerz mit dem Namen «Binder». Das Wort «Binder» hat mit Bindung und Verbinden zu tun, wobei es um die Verbindung von zwei Frauen geht. Diese Verbindung kommt allerdings nicht in der von der Träumerin gewünschten Art zustande, was von ihr als schmerzlich empfunden wird. Auf der Objektebene könnte das Nichtzustandekommen der Verbindung zwischen Frauen mit dem zu tun haben, was Barbara Gissrau 1993 über die «Sehnsucht der Frau nach der Frau» schreibt (ID-Buch 903). Zur Zeit des Traumes (1980) gab es für diese Sehnsucht weder Orte noch Begriffe. So blieb nur der «Schmerz», dass nahe Beziehungen oder umfassende Liebe zwischen Frauen nur in seltenen Fällen möglich schienen. - Angesichts der Traumsequenz von 717, die von geglückter Selbstfindung redet, könnte die vorliegende Sequenz einerseits ausdrücken, dass die Träumerin sich eine Freundschaft mit einer Frau wünscht und dazu fähig fühlt. Anderseits könnte ihr Status als Patientin bedeuten, dass sie sich (noch) zu verletzlich oder zu wenig widerstandsfähig fühlt, um eine solche Beziehung einzugehen.

12.12.1985

SeeleSeelisch

Mutters Psyche spaziert durch die Jahre ihres Lebens: von alt zu jung und umgekehrt. Dieser Vorgang spiegelt sich jeweils in ihrem körperlichen Aussehen, 860

12.12.1985

SeeleSeelisch

Das Wort «Psyche» bedeutet «Seele». Beide Begriffe bezeichnen das menschliche Sein in ihrem unbewussten und bewussten Dasein, in ihrem Fühlen und Denken, in Hoffnungen und Zielen. Die Sequenz könnte besagen, dass mittels nunmehr entwickelter «Orientierungsgefühle» ein unbefangener Blick auf den bisherigen und weiteren Verlauf des Lebens möglich ist. Mit Fünfzig oder nach der Kinderphase sei das Leben nicht vorbei, vielmehr sei ein Neuanfang mit neuen Arbeitsbereichen, Inhalten und Menschen, möglich. Zudem besagt die Sequenz, dass ein solches Unterfangen zu einer ungeahnten Belebung führen kann. Eine 53-jährige Frau brauche sich nicht als «alt» zu fühlen, sie könne neue (jugendliche) Kräfte bekommen, wenn sie ihr eigenes bisheriges Leben ernst nehme und weiterhin ihr «Eigenes» auch in ihre Zukunftsgestaltung einbeziehe. - Die Sequenz ist vergangenheits- gegenwarts- und zukunftsbezogen, bildet somit eine Art Abrundung des Bisherigen und öffnet zugleich einen hoffnungsvollen Blick auf die Lebensphase, die in körperlicher Hinsicht in Richtung «Altern» geht.

24.05.2003

SeeleSeelisch

Beim Einschlafen höre ich eine lautlose Stimme sagen: «Diese Seele ist dir anvertraut» oder etwas Ähnliches, 1010

24.05.2003

SeeleSeelisch

Während das Seelische im Traum 717 in seiner Eigenschaft als «unsichtbar» gezeigt wurde, kommt sie hier als «lautlose Stimme» zum Ausdruck. In beiden Bildern kommt die Seele also sehr leise daher. Aber muss die 71-jährige Träumerin wirklich daran erinnert werden, dass ihr die Seele, das «Eigene» anvertraut ist? Dass sie verantwortlich ist für ihr Leben, für ihr Tun und Lassen? Oder könnte es sein, dass gerade das fortschreitende Alter an dieses Faktum erinnern muss, vor allem in Momenten von Müdigkeit oder einer gewissen Lebensmüdigkeit, die sich immer wieder einmal einstellen kann, nebst Zuständen von tiefer Freude und Tatendrang?

29.07.1960

StimmeStimmen

Meine Stimme versagt, als ich meine Wertschätzung für eine alte zerbrechliche Dichterin formulieren will, 133

29.07.1960

StimmeStimmen

Auf der Subjektebene verstanden könnte es sein, dass die Träumerin zaghaft versucht, ihre eigene «Stimme» wertschätzend wahrzunehmen und zu entwickeln, um sie auch öffentlich zur Geltung zu bringen.

17.07.1962

StimmeStimmen

Ich höre meinen Bruder K. mit lauter Stimme eine höhere Macht anrufen. Er tut dies, weil er mich aus seinem Haus werfen möchte, 202

17.07.1962

StimmeStimmen

Mit lauter «Stimme» eine höhere Macht anzurufen, könnte bedeuten, sich auf eine mit Definitionsmacht ausgestattete Macht oder Theorie zu berufen mit dem Ziel, sich von ihr bestätigten zu lassen. Zudem teilt die Sequenz das Motiv dieses Vorgehens mit: Ein ihr nahestehender Mann (Bruder) möchte die Träumerin aus seinem Haus werfen. - Die Sequenz fordert die Träumerin auf, sich zu überlegen, in wessen Mannes «Haus» sie sich aufhält, bzw. in was für einer nahen Beziehung sie steht und worin die Unstimmigkeiten besteht, die eine ernsthafte Krise vermuten lassen. Ferner, warum die Träumerin nicht von selber geht, anstatt zu riskieren, aus einer Beziehung hinaus geworfen zu werden.

07.09.1962

StimmeStimmen

Ich höre ein Sturmbrausen und eine gewaltige hässliche weibliche Stimme aus der Hauskapelle. Sie ruft einem Knaben, er solle herein kommen. Einen anderen Knaben hatte sie zuvor hinaus gewiesen, 206

07.09.1962

StimmeStimmen

Dass eine weibliche «Stimme» machtvoll und «gewaltig» sein könnte, ist in unserer Zeit kaum vorstellbar. Eher wird eine solche Stimme als hässlich wahrgenommen. Verbunden mit dem «Sturmbrausen» dürfte die Sequenz auf das Vorhandensein weiblicher Macht im kosmischen Zusammenhang hinweisen. Zweifellos handelt es sich um eine Stimme aus vorpatriarchaler Zeit, die machtvoll und eindringlich in die Psyche der Träumerin hinein ruft und sich Gehör verschaffen will.

14.11.1964

StimmeStimmen

Ich höre eine Frau mit ausdrucksstarker Stimme singen. Ich denke, es sei auch etwas Störendes darin, 301

14.11.1964

StimmeStimmen

Wenn an einer «ausdrucksstarken Stimme» einer Frau etwas «Störendes» gehört und kritisiert wird, müssen wir nach der Perspektive fragen, aus der das Urteil fällt. Zu dieser Zeit (1964) hatten wir Frauen in der Schweiz noch keine politische «Stimme». Fürs Stimmrecht zu sein oder gar dafür zu kämpften, galt als unweiblich. Es war für Frauen verpönt, ihre «Stimme» zu erheben und sich Gehör zu verschaffen. In dieser Sequenz ist es die Träumerin selber, die sich an «Etwas» in der ausdrucksstarken Stimme einer Frau stört, aber es wird nicht gesagt, worin dieses Störende besteht. - Vermutlich ist die Träumerin zu diesem Zeitpunkt noch selbst ambivalent eingestellt gegenüber Frauen, die sich stimmstark äussern.

01.09.1965

StimmeStimmen

Meine Psychotherapeutin telefoniert. Sie kann kaum sprechen, ich höre nur hilflose Laute, 353

01.09.1965

StimmeStimmen

Dass eine Frau nur hilflose Laute von sich gibt, entspricht eher gängigen Vorstellungen, als die gewaltige weibliche Stimme von 206. Dass aber ausgerechnet eine Psychotherapeutin sich derart hilflos gebärdet, mutet eher eigenartig an. Die reale Psychotherapeutin deutete die Traumsequenz auf der Subjektebene: Die Träumerin befinde sich in einer hilflosen Lage und benötige die Hilfe der Psychologie, um die Situation zu verstehen.

05.09.1965

StimmeStimmen

Meine Stimme versagt, als ich wegen einer Herzschwäche um Hilfe rufen möchte, 356

05.09.1965

StimmeStimmen

Eine «Stimme» die versagt, bedeutet, dass die Person nicht in der Lage ist, sich Gehör zu verschaffen oder ihre Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Die Sequenz begründet dieses Versagen mit «Herzschwäche», also mit einem temporären Defekt oder einer Verletzung im Gefühlsbereich (Herz).

14.11.1965

StimmeStimmen

Jemand sagt, Aspekte der Geburt, 362

14.11.1965

StimmeStimmen

Hier spricht eine anonyme Stimme, die als eine «innere «Stimme zu verstehen ist. Die Aussage dieser Stimme mutet wie eine Erklärung zu Sequenz 356 an. Dort war die Rede von einer geschwächten Stimme, verursacht durch «Herzschwäche», während hier auf «Aspekte der Geburt» hingewiesen wird. Dies verstehe ich als Hinweis auf ein Geschehen, das mit Selbstwerdung und Individuation zusammenhängt. Etwas «Eigenes» der Träumerin scheint im Werden, das jedoch der hilfreichen Unterstützung bedarf.

14.02.1966

StimmeStimmen

Eine Stimme sagt anerkennend, ich hätte während sieben Jahren einem künftigen Priester gedient, 393

14.02.1966

StimmeStimmen

Auch hier spricht eine anonyme Stimme und sie äussert sich anerkennend im Sinne von Bestätigung und Ermutigung. Allerdings ist zu fragen, wer hier spricht, ob die Anerkennung als Lob für einen traditionellen Frauendienst am Mann gemeint sei, oder als Dienst der Frau an ihrer eigenen seelischen Entwicklung und Selbstwerdung.

13.12.1966

StimmeStimmen

Ich rufe die Leute, die wie gelähmt sind, bei ihren Namen, worauf sie erwachen, 440

13.12.1966

StimmeStimmen

Jemanden beim Namen zu rufen bedeutet, die Person in ihrer Persönlichkeit und Einzigartigkeit anzusprechen und zu spiegeln, sie also in ihren Tiefenschichten mit ihren Bedürfnissen wahrzunehmen. Auf der Subjektebene verstanden könnte die Sequenz auf die Notwendigkeit hinweisen, mittels einer sorgfältigen Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und Interessen die Gefahr einer seelischen «Lähmung» oder Depression abzuwenden.

08.09.1967

StimmeStimmen

Ich höre den Hilfeschrei eines Kindes. Das Kind ruft «Mami» und ich erwache durch die Eindringlichkeit der Stimme, 479

08.09.1967

StimmeStimmen

Die Stimme eines Kindes als Hilfeschrei hat besonders eindringlichen Charakter. Hier ist an das «Kind in der Frau» zu denken, das sich an den mütterlichen Teil in ihr wendet und von ihr dringend wahrgenommen werden müsste.

21.09.1968

StimmeStimmen

Meine Hündin versucht im Gewimmel einer fremden Stadt die Herkunft meiner rufenden Stimme zu orten, 537

21.09.1968

StimmeStimmen

Eine rufende Stimme im Gewimmel einer fremden Stadt erinnert an «die Stimme in der Wüste», die orientierenden Charakter hat. Auf der Subjektebene verstanden, verbinden sich in den zwei Symbolen «Frau und Hündin» der «Kopfpol» mit dem «Bauchpol», wobei die Hündin für den Bauchpol steht. Auffallend ist, dass beide Teile an der Suche dieser Verbindung aktiv beteiligt sind. Die Frau ruft, die Hündin hört und reagiert aufmerksam auf die rufende Stimme, so können sie sich treffen und finden. - Die Sequenz redet von Orientierungslosigkeit und deren Überwindung.

24.01.1971

StimmeStimmen

Eine unheimliche weibliche Stimme, die aus einem am Boden liegenden mächtigen Standbild aus Stein kommt, fordert mich zum Nähertreten auf, 592

24.01.1971

StimmeStimmen

Die Stimme aus einem gestürzten weiblichen Standbild gehört vermutlich einer «Göttin». Auf der Subjektebene könnte die Göttin die tiefste Seelenschicht darstellen, die uns mit dem Kosmischen oder mit der «Göttin in uns» verbindet. Diese Stimme erinnert an die verlorene frühzeitliche weibliche Macht, die durch das Patriarchat gewaltsam gestürzt wurde: Das Bild der Göttin liegt zerbrochen am Boden. Aber auch zerbrochene «Bilder» können noch zu uns reden. Noch wirkt die Aufforderung der Göttin, näher zu treten, «unheimlich» und beängstigend. - Die Sequenz könnte als eine Aufforderung an die Träumerin verstanden werden, sich ernsthaft mit matriarchalen und matrizentrierten Inhalten zu beschäftigen.

11.09.1980

StimmeStimmen

Eine männliche Stimme sagt, während sich aus einer grünlichen Knetmasse ein junger Mann bildet: "Nun wird er erwachsen, ich habe es versucht, und es ist gelungen", 783

11.09.1980

StimmeStimmen

Wie schon in 592 redet hier eine Stimme aus unerwartetem Ort: Dort aus einem Standbild aus Stein, hier aus einer Knetmasse. Die Stimme aus einer Knetmasse symbolisiert Inhalte, an denen kreativ gearbeitet wird (kneten), wodurch diese Inhalte «lebendig» werden. Die Sequenz redet von einem kreativen Prozess und von einer Verlebendigung der Psyche. - Weniger verstehbar ist, dass die Stimme in dieser Sequenz eine männliche ist. Es könnte sein, dass sie auf erfolgreiche Tätigkeiten hinweist, die traditionell als «männliche» Aktivitäten bezeichnet werden.

25.01.1982

StimmeStimmen

Eine weibliche Stimme sagt, ich solle aus dem Bisherigen die Gestalt heraus schälen, 799

25.01.1982

StimmeStimmen

Diese anonyme weibliche «innere Stimme» tritt in Form einer Aufforderung an die Träumerin heran: Die Träumerin soll das «Bisherige» in eine «Gestalt», in eine Form bringen. Sie soll also die Veränderungen und Entwicklungen sichtbar und erkennbar machen.

02.09.1988

StimmeStimmen

Ein Frosch schreit mit menschlicher Stimme und in höchster Not aus einem See, 919

02.09.1988

StimmeStimmen

Die Stimme, die hier um Hilfe schreit, stammt von einem Frosch. Der Tierschrei richtet sich jedoch an Menschen und nicht an ein anderes Tier, sonst würde er nicht «mit menschlicher Stimme» schreien. Mythologisch hat der Frosch mit Hebammentätigkeit zu tun. Frösche waren der ägyptischen Götterhebamme heilig. Auf der Subjektebenen könnte innerhalb einer geistigen Hebammentätigkeit eine lebensgefährliche Situation entstanden sein. Die hilferufende Stimme des Frosches verlangt nach der Reflexionsfähigkeit der Träumerin und vielleicht auch nach der Reflexionsfähigkeit von anderen Frauen, die im Bereich der geistigen Hebammentätigkeit tätig und kompetent sind.

09.06.1990

StimmeStimmen

Eine weibliche Stimme redet aus meinen Manuskripten. Sie sagt, ihr Name sei Sybille Röthlisberger, 928

09.06.1990

StimmeStimmen

Aus einem Stapel von Manuskripten die Stimme einer Frau namens Sybille zu hören lässt nach der Bedeutung dieses Frauen-Namens fragen. Die mythologischen Sybillen sollen gesellschaftliche Zustände kritisiert und vor schlimmen Entwicklungen gewarnt haben. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz der Träumerin erklären, was sie eigentlich in ihren Manuskripten tut oder tun möchte und zudem, dass sie sich klar sein müsse, dass kritische und warnende «Sybillen» nicht gern gesehen würden.

22.02.1997

StimmeStimmen

Ich höre Stimmen aus dem unsichtbaren Teil einer Kirche. Es scheinen Renovationsarbeiten in Gang zu sein, 982

22.02.1997

StimmeStimmen

Diese «Stimmen» machen darauf aufmerksam, dass sich in unseren seelischen Tiefenschichten wesentliche Dinge ereignen können, obgleich sie für uns selber nicht unmittelbar gesehen oder gespürt werden können. Es sind Renovationsarbeiten in Gang und das ist eine erfreuliche Botschaft. Der Aspekt der «Unsichtbarkeit» war u.a. schon in 928 Thema. Zwar sind die Resultate der Arbeiten noch nicht sichtbar, aber die Arbeit findet statt und das ist das Wesentliche. Die Träumerin braucht sich also keine Sorgen zu machen. Dies gilt auch, wenn die Sequenz auf der Objektebene spielt. Wie schön, wenn mehrere Menschen am Werk wären, um an der Renovation, an der Erneuerung von geistig/seelischen Inhalten zu arbeiten, die hier durch das Symbol «Kirche» dargestellt sind.

27.04.2003

StimmeStimmen

Ich höre eine Singstimme von grosser Eindringlichkeit. Es ist Agnes Heller, die ein Lied in englischer Sprache singt, aber zugleich ist es die Stimme von Edith Piaf, 1008

27.04.2003

StimmeStimmen

Die zwei Singstimmen, die zu einer einzigen verschmolzen sind, führen zur Frage, worin das Gemeinsame dieser Stimmen besteht. Diese Frage stellt sich insbesondere, weil die zwei Frauen, zu denen sie gehören, auf den ersten Blick so extrem verschiedenartig erscheinen: die eine Philosophin (Agnes Heller), die andere Chansonsängerin (Edith Piaf). Es scheint mir, das Gemeinsame der beiden Frauen bestehe in ihrer Echtheit und Leidenschaftlichkeit bei gleichzeitiger Sensibilität, in ihrem Mut zu sich selber bei gleichzeitiger Offenheit zur Welt, in ihrer Widerstandskraft bei gleichzeitiger Leidensfähigkeit, in ihrem Bestreben, Liebes- und Leides-Erfahrungen produktiv umzusetzen, sowie in ihrem authentischen Leben insgesamt. - Edith Piaf stand zu ihrem Leben, zu ihren Liebschaften, zu ihren Entscheidungen und zu ihrer Wahl der Gefühlswerte. Dass die Leben der beiden Frauen so unterschiedlich verlief, scheint mir nicht der wesentliche Punkt zu sein. - Es scheint mir, die Sequenz rede von der Faszination, die von diesen beiden Frauen ausgeht und fordere die Träumerin auf, sich Gedanken zu machen, worin diese Faszination bestehen könnte. Die Faszination könnte in der Synthese von «Kopf und Bauch» bestehen, die durch die Leben dieser beiden - scheinbar so unterschiedlichen - Frauen sichtbar wird.

31.05.1959

WeitereKörperteile

Ich muss die «Magenschnur», die beim Ausspucken schlechter Speisen heraus gekommen war, wieder schlucken, 29

31.05.1959

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Das radikale Ausspucken schlechter «Speisen», die für schlechte internalisierte Inhalte stehen, würde zum Verlust wesentlicher Körperteile führen: zum Verlust von Magenteilen. Es ist also nötig, diese Teile wieder zu «schlucken». Da der Magen für die Verarbeitung und Verdauung von inhaltlichen Sachverhalten steht, wird deutlich, von welcher Gefahr die Sequenz handelt. Durch das radikale Aussprechen (Auskotzen) der ungeniessbaren Dinge, die der Träumerin zu dieser Zeit zum «Schlucken» angeboten werden, würde sie sich selber erheblich schaden. Zudem scheinen sie sich in einer Art und Weise mit ihrem eigenen Denken und Fühlen vermischt zu haben, dass es fast unmöglich erscheint, sie voneinander zu scheiden. - Die Sequenz verweist auf eine «Magenschnur», was als Wortgebilde in Wörterbüchern allerdings nicht vorkommt. Die mythologische Schnur bezieht sich auf die Nabelschnur im Sinne einer «Rückkehr zum mütterlichen Schoss», womit der Rat an die Träumerin heissen könnte, sie solle sich auf ihre wesentlichen Werte besinnen, anstatt im Aussenraum voreilig und selbstschädigend zu handeln.

12.01.1960

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Ein Mann schlägt wütend mit einem Beil auf den Hals seiner Frau ein. Sie lacht nur und sagt, es sei nun genug, 117

12.01.1960

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Dieser «Hals» erweist sich als überaus widerständig, denn ein «Beil» könnte den Kopf vom Rumpf trennen. Die Frage ist hier, wie lange es geht, bis der Frau das «Lachen» vergeht und sie merkt, dass der Mann die Absicht hat, sie um ihren «Kopf», der für ihre Denkfähigkeit steht, zu bringen. - Dieser gefährliche Sachverhalt wird der Träumerin vor Augen geführt, und sie soll eruieren, wer oder was hinter der letztlich mörderischen «männlichen» Absicht steht.

13.05.1963

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Auf meinem Rücken trage ich ein Kind, das mir wie ein Buckel angehängt ist. Es sei mein Geistiges, 233

13.05.1963

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Der «Rücken» ist der Körperteil, dem wir Lasten zumuten, die andere Körperteile nicht zu tragen vermögen. Der Rücken steht zudem für die «Rückseite des Spiegels», den wir selber nicht sehen, aber immerhin spüren können. In dieser Sequenz nimmt dieses «Gespür» ein «Kind» und einen «Buckel» wahr. Das heisst, es wird etwas Wertvolles (Kind) und etwas Hässliches, Lästiges, Lastendes wahrgenommen (Buckel). Die Sequenz erklärt explizit, was dieses «Kind» bedeutet: Es sei das eigene «Geistige» der Träumerin, also das Subjekt, die Individualität. Dieses «Geistige» sei zwar noch neu und daher klein wie ein Kind, aber im Wachsen und Werden begriffen, obgleich es sich zurzeit nur als eine unansehnliche Last manifestiere (Buckel). - Die Botschaft der Sequenz beinhaltet Orientierung und Trost sowie einen Aufruf zu Geduld zum Werdeprozess.

08.12.1964

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Einige meiner Zähne sind wackelig. Mein Freund Carl B. gipst sie wieder ein, 308

08.12.1964

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Die Funktion der Zähne besteht im Zerkleinern der Nahrung als Vorbereitung für den späteren Verdauungsprozess. In der Symbolik stehen Zähne für kritische Analyse, für das genaue Wahrnehmen, konsequente Zergliedern von Sachverhalten und geistigen Inhalten. Zähne symbolisieren aber auch Aggression. - Die «wackelig» gewordenen Zähne besagen, dass die Fähigkeit oder der Mut zur genauen und konsequenten Wahrnehmung gelitten hat. - Die Sequenz berichtet, dass ein Mann der Träumerin behilflich ist, gewissen Tatsachen ins Auge zu sehen (Zähne wieder eingipsen), wobei die Frage, wer der Mann ist und warum er dies tut, keine Rolle zu spielen scheint.

22.11.1965

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Zähne wurden mir ausgeschlagen oder ich habe sie mir ausgebissen. Weil kräftigere Zähne nachgewachsen sind, schlage ich weitere aus, um kräftigeren Zähnen Platz zu machen, 365

22.11.1965

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Der Verlust von «Zähnen» kann, weil sie für die Tätigkeit der Analyse, der kritischen Wahrnehmung und Betrachtung stehen, eine Katastrophe sein. Die alten «Zähne» haben ihren «Biss», ihre Widerstands- oder Durchsetzungskraft verloren oder haben gar nie genügend «Biss» gehabt, um eigene Wünsche oder Interessen anzubringen oder zu verteidigen. Jedenfalls hat die Träumerin das Gefühl, sie benötige kräftigere Zähne, eine kritischere Urteilsfähigkeit oder mehr Widerstandskraft, um eine gegenwärtige Situation beurteilen und in ihr bestehen zu können. - Das aktive Herausschlagen von Zähnen, um kräftigeren Zähnen Platz zu machen, könnte als Rat an die Träumerin aufgefasst werden: Sie soll in der Beurteilung und im Umgang mit Menschen in ihrer Umgebung etwas weniger sanft sein.

25.03.1966

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Um die «Brust» herum ist mir das Kleid zu eng, das ich trage, während ich in der Kirche sitze, 398

25.03.1966

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Die weibliche Brust symbolisierte in der menschlichen Frühzeit weibliche Macht und Potenz. - Die von der Träumerin empfundene Enge «um die Brust herum» könnte eine Kritik an der patriarchalen Vorstellung beinhalten, die weibliche Brust sei symbolisch ein nie versiegendes weibliches und mütterliches Geschenk an den Mann. - Die Sequenz unterweist die Träumerin über die «Enge» und die Falschheit der vorherrschenden Lehre über die milchspendenden weiblichen Brüste.

08.08.1974

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In meiner Bauchgegend wird ein kleiner Tumor entdeckt. Er sei aber noch ungefährlich, 666

08.08.1974

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In der «Bauchgegend» einen kleinen Tumor zu haben, verweist auf eine Gefahr im psychosomatischen Bereich. Es besteht die Gefahr, dass Stress, der auch emotionaler Art sein könnte, zu psychosomatischen Beschwerden führen könnte. - Ein Warntraum!

12.01.1975

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Eine Frau hat Goldzähne. Sie weint, weil ihr Kind - ein Mädchen - tot ist. Man habe es von Arzt zu Arzt geschleppt, aber nicht helfen können, 1032

12.01.1975

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Der Besitz von Goldzähnen besagt, dass hier von analytischen Fähigkeiten bzw. denkerischen Fähigkeiten die Rede ist, die über die Fähigkeit zur psychologischen Analyse einer Situation hinausgeht. Dieser Sachverhalt liesse eigentlich erwarten, dass die bezeichnete begabte Frau imstande wäre zu erkennen, warum ihr geliebtes Töchterchen sterben musste und was ihm zum Leben gefehlt hat. Statt dessen weint sie hilflos. Auf der Subjektebene gesehen weint sie um das verlorene «Eigene», um das Weiterleben ihrer Produktion. Die Aussage, die Ärzte hätten nicht helfen können, enthält eine Kritik an ärztlichen Methoden und Analysen. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass die Frau selber auf falsche Karten, falsches Wissen gesetzt hat und das eigene Erkennen und Wissen aus den Augen verloren hat. - Auf die Objektebene und gesellschaftliche Situation bezogen könnte die Sequenz den Rat beinhalten, Frauen mit «Goldzähnen» sollten ihre eigenen hervorragenden denkerischen und analytischen Fähigkeiten beachten, entwickeln und einsetzen. Nur sie selber seien imstande, sich selber und anderen Frauen in der Sorge um das weibliche Eigene und Schöpferische zu helfen, das sonst dem Untergang geweiht sei.

17.09.1979

WeitereKörperteile

Ich habe meine «Haut» mit einer anderen Frau geteilt und bin ausgestiegen, weil sie wie ein zu enges Kleid ist, 756

17.09.1979

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Die «Haut» steht für den Teil unseres Körpers, der das Innere umhüllt und schützt, aber auch bedeckt und verdeckt. Die Haut spielt in zahlreichen Redensarten eine Rolle: Etwas geht uns «unter die Haut», wir wollen «die eigene Haut retten», wir haben das Gefühl «mit Haut und Haaren» vereinnahmt zu werden, wir könnten «aus der Haut fahren» vor Wut oder wir müssten unsere «Haut zu Markte tragen». - In der vorliegenden Sequenz geht es um Häutung, um Übergang aus alten und engen Situationen in neue. Die Sequenz möchte der Träumerin vielleicht die Angst nehmen vor der Notwendigkeit, sich neuen Situationen auszusetzen und aus sich heraus zu treten.

06.06.1980

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Ich massiere die Herzgegend meiner alten Tante Nina, aber sie stirbt trotzdem. Frauen vom Frauentreff werfen mir vor, ich hätte sie zu wenig gestützt, 776

06.06.1980

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Die Herzgegend steht für den Bereich der Gefühle, der offenbar zu kurz kommt. Sei dies im Verhältnis der Träumerin zu sich selber oder im Verhältnis zu einer anderen Frau oder einer Gruppe von Frauen. Denn es sind Frauen von einem «Frauentreffen», die der Träumerin vorwerfen, sie habe eine bestimmte ältere Frau zu wenig gestützt. - Die Sequenz lässt die Träumerin mit diesem Vorwurf stehen. Sie wird sich fragen müssen, ob der Vorwurf angemessen ist und wie sie darauf reagieren will.

28.08.1982

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Der Hals einer mageren Katze wird von einem Knaben mehrmals zugeschnürt, während ein Mann die Katze festhält, 812

28.08.1982

WeitereKörperteile

Der «eingeschnürte Hals» weist darauf hin, dass ein extrem empfindlicher Körperteil angetastet wird. Der Hals hat mit der Atmung, mit «Luft» holen, mit einem lebenswichtigen Austausch mit der Umwelt zu tun. Mit einem zugeschnürten Hals können Lebewesen, seien es Tiere oder Menschen, nicht lange überleben. Der Hals steht in erster Linie für die Verbindung zwischen den «unteren» Körperteilen mit dem «oberen» Körperteil. Von der «Luft zum Atmen» abgeschnitten zu werden könnte demnach besagen, dass zwei lebenswichtige Bedürfnisse voneinander getrennt werden: Bedürfnisse von «Kopf und Bauch», Persönlichkeit und Sinnlichkeit. - Die Sequenz teilt der Träumerin mit, dass eine Situation vorliegt, die für sie lebensgefährlich werden könnte. Dass an der «Einschnürung» ein Knabe und ein erwachsener Mann beteiligt sind, könnte besagen, dass die Träumerin dies einerseits als Resultat eines knabenhaften Übermuts bagatellisiert, anderseits als eine sadistische Handlung empfindet.

31.12.1984

WeitereKörperteile

Ich fühle einen Strick um den Hals und habe das Gefühl, der Strick werde immer weiter zugezogen und ich müsste ersticken. An diesem Gefühl des Erstickens erwache ich, und habe den Eindruck, es sei mir gelungen, die Schlinge mit einem starken Hieb zu durchtrennen, 1081

31.12.1984

WeitereKörperteile

Der Strick um den Hals weist auf eine lebensgefährliche Bedrohung hin, da er immer enger zugezogen wird. Zu ersticken bedeutet, dass sich etwas ereignet, das an den Lebensnerv geht. Die Durchschneidung des Stricks besagt, dass die Träumerin die Gefahr erkennt, mit einer klaren Absage reagiert und damit ihr Leben rettet.

21.01.1991

WeitereKörperteile

Eine Referentin des iff-forums liegt tot im Sarg. Aber ich denke, ihr sei vielleicht nur ein «Bissen im Hals» stecken geblieben, 930

21.01.1991

WeitereKörperteile

Der «im Hals stecken gebliebene Bissen» erinnert ans Märchen von Schneewittchen, das vermeintlich tot im Sarg lag, aber lediglich dem sogenannten «Totstell-Reflex» erlegen war. In der vorliegenden Sequenz vermutet die Träumerin dies auch von der «Referentin». Die Sequenz teilt der Träumerin mit, es wäre möglich, dass die «Referentin» lediglich in einer Art Totstellreflex erstarrt sei und unter besseren Umständen wieder erwachen und lebendig werden könnte. - Auf der Subjektebene scheint sich die Träumerin, die sich u.a. auch als Referentin betätigt, von Jemandem oder Etwas derart bedrängt zu fühlen, dass sie nur mit Erstarrung reagieren kann. Die Traumsequenz vermittelt jedoch wie zum Trost, die Erstarrung sei lediglich eine vorübergehende. Sobald es ihr gelinge, das Bedrängende zu erkennen, zu formulieren oder in anderer Weise aus sich heraus zu bringen, würde sie ihre psychische Lebendigkeit und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen.