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Kreatives - Symbolkategorie Kreatives – Schrift Calibri 11

 

19.11.1963

BilderGemälde

Ich sehe ein Bild von meiner Seele in graphischer Darstellung. Die Darstellung ist in Bewegung und zeigt sich unterschiedlich deutlich oder wahr, 256

19.11.1963

BilderGemälde

Das «Bild», das in diesem Traum produziert wird, ist ein ungewohntes Bild. Ungewohnt, weil das Bild von der «Seele» in graphisch abstrakter Form erscheint, während wir gewohnt sind, die Seele als «das Lebendige in uns» zu verstehen. Dies meint auch das Psychologische Wörterbuch: Als ein «Bewegendes» stehe die Seele «dem Leben nahe», entsprechend dem griechischen «psyche» und dem lateinischen «anima», was Hauch, Atem, Wind bedeute, auf der anderen Seite werde sie als eine «ordnende Kraft» aufgefasst (ID-Buch 1356, 596). - So gesehen stellt die Verbindung von Abstraktion und Bewegung in dieser Sequenz die zwei Qualitäten des Seelischen dar: Das Lebendige und die ordnende Kraft des Erkenntnisbereiches (die auch in abstrakter Form daherkommen kann).

29.04.1973

BilderGemälde

Die Bilder oder Ikonen, von denen ich fasziniert bin, haben den Künstler in politische Gefahr gebracht, 635

29.04.1973

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Eine Ikone ist nach Walter Nigg das «sakrale gemalte Bild» in der griechischen Kirche seit dem Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeit. Ikonen seien «Leitbilder». Im echten Leitbild seien «wegweisende Kräfte beschlossen». Die Heiligenviten der westlichen Christenheit seien «Ikonen einer christlichen Seele». Heilige seien Menschen, «die etwas riskieren». Sie seien auch oft für ihre Umgebung recht unbequeme Gestalten gewesen, zumal sie Gehorsam nicht mit Gefügigkeit verwechselten. Zum Unrecht in der Welt hätten die Heiligen nie geschwiegen, ihr christliches Gewissen sei allezeit wach geblieben und durch keinen faulen Kompromiss zu beschwichtigen (ID-Buch 1156). - Die Faszination der Träumerin über die Bilder und Ikonen in dieser Sequenz betreffen demnach die Inhalte, die wir in heutiger Sprache als Eigenständigkeit und Zivilcourage bezeichnen sowie als ein waches Gewissen und aktives Verantwortungsgefühl gegenüber dem Unrecht in der Welt. Zugleich erinnert die Sequenz die Träumerin auch daran, dass diese Eigenschaften nicht gratis zu haben seien, sondern die Person in Gefahr bringen können, die sie zu praktizieren versucht.

30.11.1978

BilderGemälde

Ich stehe meinem Ebenbild gegenüber, nachdem ich mich aus der Umklammerung einer Frau losgemacht habe, 733

30.11.1978

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Dieses «Ebenbild» verstehe ich als Ausdruck einer geglückten und erwünschten «Spaltung» der Persönlichkeit. Dies, weil erst eine solche Spaltung ermöglicht, sich selber wie in einem «Spiegel» zu sehen und sich selber in einem verstärkten Sinne als ein kritisches Gegenüber zu verstehen.

22.04.1984

BilderGemälde

Ein Mann wurde gesehen, wie er ein Jugendbildnis von mir von Staub befreit hat. Er steht im Verdacht, ein Attentat auf mich ausgeübt zu haben, 838

22.04.1984

BilderGemälde

Die Symbole «Jugendbildnis» und «Attentat» stellen eine Verbindung her zwischen dem «Bild», das der Attentäter von der Träumerin gehabt hat und dem Motiv des Vergehens. Die Träumerin entspricht nicht mehr dem «Jugendbildnis», das er von ihr gehabt hat, und sie hat sich vermutlich anders verhalten, als sie es seiner Meinung nach hätte tun sollen. In diesem Zusammenhang ist der Bedeutungswandel des Begriffs «Attentat» aufschlussreich. Seit dem 19. Jahrhundert bedeutet das Wort nur noch «Mordanschlag auf einen politischen Gegenspieler». Im Sinne dieses Bedeutungswandels wäre das Motiv für das Attentat in einer Nichtübereinstimmung von politischen oder psychologischen Auffassungen zu suchen. Ein politisch verstandener «Mordanschlag» besteht darin, die vermeintliche Gegenspielerin «unmöglich» zu machen, ihre Integrität, ihr äusseres Ansehen, ihre «Persona» zu verletzen. - Es könnte sein, dass in dieser Sequenz Privates und Politisches vermischt sind. So oder so enthält diese Sequenz die dringliche Botschaft, genauer hinzusehen, was zurzeit auf der Objektebene (und auf der Beziehungsebene) vor sich geht.

09.01.1988

BilderGemälde

Die Königin Elisabeth von England sagt zu mir, sie sei über die Situation der Frauen im Bild, 916

09.01.1988

BilderGemälde

Die Redewendung über etwas «im Bilde sein» bedeutet, über etwas Bescheid zu wissen, informiert zu sein. Dass die Königin namens Elisabeth «im Bild» ist über die Situation der Frau, besagt hier, sie sei über die Frauenbewegung orientiert. Aber was hat eine Königin mit der Frauenbewegung zu tun? - Für Christa Mulack symbolisiert die Königin Überblick und Verständnis für die Situation und den Stand der Kämpfe, die Frauen auszutragen hätten. Frauen bräuchten nicht nur politische Rechte, sondern auch Orte, in denen sie sich selber sein und Heimat finden könnten. Echte Befreiung für Frauen könne es nur in weiblichen Lebenszusammenhängen geben. Weibliches Sein bedürfe der Bestätigung durch das eigene Geschlecht, wenn es nicht der Entfremdung anheim fallen soll. Der erste Mensch, der uns liebte, sei eine Frau gewesen, und wo es in unserem Leben an weiblicher Zuwendung fehle, sei in den seltensten Fällen männlicher Ersatz zu finden. Das Patriarchat habe uns die Möglichkeit des Rückzugs in eine weibliche Welt genommen, das heisst die Möglichkeit des Eintauchens in unser eigenes, selbstbestimmtes weibliches Sein. Mit grosser Mühe seien Frauen heute daran, sich diese verloren gegangene Welt, wenn auch nur ansatzweise, neu zu erschaffen mit Hilfe von weiblichen Lebensgemeinschaften, in Frauenbildungshäusern, in Frauengruppen und Frauenseminaren (ID-Buch 1271, 91-94).

07.10.1998

BilderGemälde

In einem Bilderrahmen sehe ich meine Mutter. Sie wirkt zuerst schlafend oder tot, später frisch und verjüngt, 990

07.10.1998

BilderGemälde

Der «Bilderrahmen» in Zusammenhang mit «Mutter» symbolisiert das «Mutterbild». Über dieses «Bild» sagt die Sequenz aus, dass es zunächst eine schlafende oder tote «Mutter» zeigte, dann aber eine «frische und verjüngte» Mutter. Das in einen «Rahmen» eingefügte «Bild» hängt vermutlich in einer Bildergalerie, das heisst in einem öffentlich zugänglichen Raum, was objektstufig auf eine positive Veränderung des Mutterbildes in Teilen des öffentlichen Raumes hinweist (Galerie). - Zu dieser Zeit (1998) lief in Zürich das Pilotprojekt «feministisch reflektierte Psychotherapie», in dem u.a. die Mutterbilder der menschlichen Frühzeit reflektiert wurden.

22.10.1964

FliegenFlügel

Ein Mann macht mir die Flügel streitig, die ich bekommen habe. Daher versuche ich Flügel für ihn herzustellen nach dem Muster der eigenen, 296

22.10.1964

FliegenFlügel

Die Flügel, die hier als ein «Geschenk» dargestellt werden (die Frau hat die Flügel «bekommen»), könnten auf geistig seelische Möglichkeiten hinweisen, die als «Frucht» echter Erfahrungen wie auch als ein «Geschenk» des Lebens aufgefasst werden können. Die Träumerin hat aber nicht nur Flügel «bekommen», sondern versucht ihrerseits Flügel für eine andere Person herzustellen, nach dem Rezept ihrer eigenen Flügel, was als eine hilfreiche Geste gemeint ist, aber vermutlich nicht gelingen kann, weil aus eigenen Erfahrungen keine «Rezepte» für andere abgeleitet werden können. Dass ein Mann ihr die «Flügel» streitig macht, könnte auf der Objektebene bedeuten, dass er die Dinge, durch die sie sich «beflügelt» fühlt, neidet oder an sich reissen möchte. - Die Sequenz berichtet einerseits von erfreulichen Entwicklungen, anderseits fühlt sich die Träumerin bedroht durch das Verhalten eines Mannes, dem sie jedoch mit ungeeigneten Mittel begegnet.

11.01.1965

FliegenFlügel

Ein grosser Vogel mit durchsichtigen Flügeln liegt tot auf dem Grund eines Bassins, 322

11.01.1965

FliegenFlügel

Weil zu einem grossen Vogel grosse Flügel und freie Fluggebiete gehören, stellt sich die Frage, wie er ins Bassin gekommen sei. Auffallend sind die durchsichtigen Flügel, die eher an die zarten Flügel einer Libelle erinnern. Irgend etwas passt hier nicht zusammen. Es könnte sein, dass etwas oder jemand die «Flugkraft» der Träumerin in einer für sie gefährlichen Weise behindert. Einige Monate zuvor hatte ein Traum berichtet (296), ein Mann habe versucht, der Träumerin ihre «Flügel» streitig zu machen. - Ich interpretiere diese Sequenz als eine Mitteilung und Warnung an die Träumerin, dass etwas geschieht oder bereits geschehen ist, das ihre Lebenskraft und Lebensfreude (Libido) auslöschen könnte.

31.01.1965

FliegenFlügel

Ich fliege zu einem schönen Haus auf einer Anhöhe. Aber beim Flug entlang des steil abfallenden Hanges ängstige ich mich, 336

31.01.1965

FliegenFlügel

Die Sequenz besagt, die Träumerin verfüge zu dieser Zeit über eine starke geistig/seelische Flugkraft. Aber sie fürchte, dass diese Kraft nicht genügend lang anhalten könnte. Entsprechend hat sie Angst vor einem «Absturz» und insbesondere auch, weil sie in ein unwegsames Gelände fallen würde (steiler Abhang). - Es könnte sein, dass die Sequenz von einer Beziehung redet, die sehr schwierig ist und in der die Träumerin mit seelischen «Abstürzen» rechnen muss.

01.02.1966

FliegenFlügel

Ich kann fliegen, wenn auch nur hausdachhoch, 388

01.02.1966

FliegenFlügel

«Fliegen» zu können und also über «Flugkraft» zu verfügen ist alleweil ein Erlebnis für uns Menschen. Dies auch dann, wenn es nicht um grosse «Höhenflüge» geht, sondern nur ums «hausdachhohe Fliegen». Die Sequenz könnte zur Frage auffordern, ob der Frau die Flügel gestutzt wurden oder ob sie sich noch gar nie richtig entfalten konnten. Nur hausdachhoch zu fliegen, könnte anderseits bedeuten, dass die Träumerin nicht übers «Haus hinaus», übers Private und Persönliche hinaus zu sehen oder zu denken vermöge oder wahrnehmen dürfe. Auf der anderen Seite zeigt der Blick vom Hausdach aus schon etwas mehr von der Umgebung als der Verbleib im Haus. - Zu sagen «ich kann fliegen» scheint mir auf den positiven Charakter des Flugerlebnisses hinzuweisen ganz unabhängig davon, was dieser Flug konkret beinhalten mag.

27.10.1967

FliegenFlügel

Ich fliege durch den Korridor eines grossen Hauses. Das Haus ist gleichzeitig Wohnhaus, Büro und Konzerthaus, 495

27.10.1967

FliegenFlügel

Hier erweist sich der Flugraum noch stärker eingeschränkt als im Traum 388, indem das Fliegen nur noch im Korridor innerhalb eines Hauses stattfindet. - Aber die Sequenz könnte anderseits besagen, es sei selbst in einer beengten Situation möglich, die «Flügel» zu gebrauchen, falls solche überhaupt vorhanden seien. Die Träumerin solle sich den Spass am Fliegen nicht durch die Umstände verderben lassen. Zudem sei es immer gut, in Bewegung zu bleiben um dann, wenn die Verhältnisse sich ändern, noch flugtauglich zu sein.

10.01.1995

FliegenFlügel

Ich spüre ein geflügeltes Wesen über meinen Schultern. Es berührt mich sanft, 956

10.01.1995

FliegenFlügel

Zu diesem «geflügelten» Wesen assoziiere ich spontan jene Wesen, die uns in der Kinderzeit als «Schutzengel» beistehen sollten. Immer wieder gibt es Momente, in denen wir das Gefühl haben, unter einem besonderen «Schutz» zu stehen. - Die Träumerin scheint sich in einer Verfassung oder Situation zu befinden, in der sie sich von ihren seelischen Tiefenschichten getragen fühlt.

05.07.1959

Musikinstrumente

Ein Orchester hat gespielt, ein Chor hat gesungen. Danach besuche ich einen Künstler, der hinter den Kulissen arbeitet, 43

05.07.1959

Musikinstrumente

Orchester und Chor symbolisieren hier eine «Musik», die das Erleben in Gemeinschaft hervorhebt, während der Künstler (Einzahl) die Individualität des Kunstschaffens darstellen könnte. Auffallend ist, dass der männliche Künstler eine Rolle spielt, die in der Regel weiblichen Menschen zukommt: die Arbeit im Hintergrund (hinter den Kulissen). Auf der Subjektebene wäre zu fragen, worin das «Schaffen» der Träumerin besteht, das in der Traumsequenz in den Hintergrund gedrängt wird. Die Arbeit «hinter den Kulissen» betrifft vermutlich den zudienenden Bereich. Diese Arbeit ist zwar wichtig, aber wenn «der Künstler» oder die Künstlerin hinter den Kulissen arbeitet, anstatt auf der «Bühne», dann steht sie oder er am falschen Ort. - Die Sequenz fordert die Träumerin auf, genau hinzusehen, worauf sie sich im Bereich der «Musik», die auch ein Symbol für das Erotische sein kann, eingelassen hat oder einlassen will.

15.12.1961

Musikinstrumente

Ein Giraffenweibchen singt mit tiefer Männerstimme ein Lied. Das Tier ist vor ein Gefährt mit Früchten und Gemüsen gespannt, 162

15.12.1961

Musikinstrumente

Das singende Tier symbolisiert eine «Musik», die aus dem Leibe kommt und die noch stärker das Freudvolle des Leiblichen ausdrückt als das Singen aus menschlicher Kehle. Auffallend ist die «tiefe» Stimme» des weiblichen Tieres, die als eine männliche wahrgenommen wird und daher irgendwie irritierend wirkt. Auf der anderen Seite weiss ich aus Erfahrung, dass die Art der Stimme bei Tieren weder von der Grösse noch vom Geschlecht abhängt. Anhand des Bellens eines Hundes kann weder auf sein Geschlecht noch auf seine Körpergrösse geschlossen werden. Ein kleiner Dackel kann eine sehr tiefe Stimme haben, ein grosser Schäfer eine sehr hohe und dünne. Menschlicherseits haben auch manche Frauen sehr tiefe Stimmen, besonders im Alter. - Auf der Subjektebene interpretiere ich die «tiefe» Stimme des weiblichen Tieres als Ausdruck der Verbundenheit mit den tiefsten Tiefenschichten und das Singen als ein Ausdruck von Lebensfreude und Lebenskraft.

11.05.1962

Musikinstrumente

Ich singe Arien von Verdi mit dem ehemaligen Malermeister G. des Ritterhauses und wundere mich über meine schöne Stimme, 182

11.05.1962

Musikinstrumente

Das Thema «Singen» geht hier weiter, das nun aber mit zwei Stimmen erfolgt. Indem die eine Stimme die der Träumerin ist, könnte dies auf den Ausdruck von etwas «Eigenem», zu ihr selbst Gehörendem im Bereich des Musikalischen oder Musischen hinweisen, durch das sie in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt wird (schöne Stimme) und welches sie mit einem Mann erleben kann. Der «Malermeister», verstanden als «Meister» des «Malens» und Gestaltens im musischen Bereich und das erfolgte «gemeinsame Singen» könnte eine erotisch geglückte Situation ausdrücken.

07.09.1962

Musikinstrumente

Von einem zirka 10-jährigen Knaben geht ein wundersames Klavierspiel aus, aber der Knabe selber weiss nichts davon, 205

07.09.1962

Musikinstrumente

Dass ein Klavierspiel von einem 10-jährigen Kind ausgeht, deutet auf den Ursprung dieses Spiels. Dieser besteht nämlich in einer Haltung des Offenseins (wie ein Kind), aus der die «Sphärenmusik» der seelischen Tiefenschichten erklingt, die als solche «virtuos» ist. - Die Sequenz redet von natürlicher Lebensfreude, die den seelischen Tiefenschichten entspringt und auch das erotische Erleben einbeziehen könnte.

09.10.1963

Musikinstrumente

In der Kirche erlebe ich ein religiös künstlerisches Ereignis mit choreographierter Bewegung, Gebeten, Instrumentalmusik und Gesang, 246

09.10.1963

Musikinstrumente

Hier bilden Religiöses, Künstlerisches und körperliche Bewegung eine Einheit (Gebet, Gesang, Musik, Körperbewegung). Diese Einheit symbolisiert ein Ganzheitserlebnis im Sinne der «Individuation», eine Situation des Gefühls von (wieder) Ganz-Sein und Heil-Sein.

17.09.1964

Musikinstrumente

Mein Bruder K. stellt das Klavier in den Keller. Er sagt, der Teppich unter dem Klavier müsse gereinigt werden, 285

17.09.1964

Musikinstrumente

Hier wird der Stellenwert der «Musik» einem übertriebenen Ideal von «Sauberkeit» geopfert. Nicht nur, dass der «Bruder» den Inhalt dieser «Sauberkeit» definiert, er geht auch unmittelbar ans Werk, indem er das «Klavier» kurzerhand in den Keller stellt. Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, sich zu überlegen oder die Frau nach ihrem Einverständnis zu fragen. Der «Bruder» masst sich das Recht an, zu entscheiden, wann und ob «Musik» gespielt werden darf, ob etwas tiefgreifend Schönes im Leben der Frau stattfinden darf. - Hier wäre auf der Objektebene zu fragen, wer oder was die Träumerin daran hindert, auf ihrem «Klavier» zu spielen, ihre seelische «Musik» erklingen zu lassen.

31.03.1967

Musikinstrumente

Beim Räumen und der Neueinteilung meiner Wohnung entschliesse ich mich, das Klavier zu behalten wegen den Kindern. Auch den kleinen Schreibtisch will ich behalten, 457

31.03.1967

Musikinstrumente

Im Unterschied zum Klaviertraum 285 ist die Träumerin hier imstande, ihren Anspruch aufs «Klavier» zu behaupten. Zugleich gibt die Sequenz einen Hinweis, was das Klavier für die Träumerin bedeutet: Es hat mit ihren «Kindern» zu tun, die als solche die eigene «Produktion», das «Schaffen» und Gestalten symbolisieren. Die gleichzeitige Nennung der Symbole «Klavier» und «Schreibtisch» bedeutet, dass hier Schreibtätigkeit und Musik als ein und dasselbe erfahren werden. Auch der sprachliche Ausdruck vermag jene seelischen Tiefenschichten zu öffnen, in denen die «Sphärenmusik» gehört werden kann. - Die Sequenz könnte als Ausdruck des Individuationsprozesses und der Selbstwerdung, im fortgeschrittenen Stadium interpretiert werden.

06.07.1967

Musikinstrumente

Ich singe und jodle in einer menschenleeren Kirche, 467

06.07.1967

Musikinstrumente

Das Singen und Jodeln erfolgt nur drei Monate nach 457. Dass dies in einer menschenleeren Kirche geschieht, deute ich wie dort als Ausdruck eines Fortschrittes in Richtung Selbständigwerdung, Selbstwerdung und Individuation.

19.08.1967

Musikinstrumente

Musiker und Sänger singen von Freiheit. Aber die Regierung reagiert misstrauisch, 473

19.08.1967

Musikinstrumente

Dass Menschen von Freiheit «singen» löst in mir ein freudiges Lächeln aus. Dass Politiker misstrauisch reagieren, heisst, dass dieses Singen als politisch motiviert zu verstehen ist. Das Singen zielt auf die öffentliche Ebene, denn es geht um «Freiheiten», deren Gewährung in die Zuständigkeit der Obrigkeit gehört, auch wenn freiheitliche Auswirkungen vor allem im persönlichen und privaten Bereich erwartet werden (zu dieser Zeit waren die Freiheitsrufe der Studentenunruhen von 1968 quasi in Vorbereitung). So wird nicht deutlich, ob die «Musiker» nur von männlichen oder auch weiblichen Freiheiten «singen». Später wird die feministische Bewegung sehr richtig sagen, auch das Private sei politisch. - Die «Musiker und Sänger» könnten auch für Aspekte in der Träumerin selber stehen und somit eigene Wünsche nach Freiheit ausdrücken. Sie könnten auch für Formen des Ausdrucks und des Kampfes stehen, die der Persönlichkeit der Träumerin entsprechen (eingepackt in «Musik», anstatt in Gewalt). Die «Regierung» kann auch für jenen Sachverhalt stehen, den die feministische Wissenschaft später als «Definitionsmacht» bezeichnen wird.

06.09.1969

Musikinstrumente

Mein Freund G. (Jungianer), singt Arien aus Operetten. Ich soll mitsingen und er korrigiert mich, 565

06.09.1969

Musikinstrumente

Die Forderung nach «Mitsingen» steht hier für den Anspruch des Jungianers, dass die Frau seine Weltsicht übernimmt. Das «Mitsingen» im Jungschen Konzept besagt, wie Jung im Kreise seiner Mitarbeiterinnen zu seiner Animatheorie einmal grob gesagt hat, die Anima sei «die dienende Magd dem Männlichen gegenüber». Diese Art von «Mitsingen» stellt eine totale Vereinnahmung der Frau als Mitspielerin und Musikerin dar. In dieser Sequenz kommt hinzu, dass der Gesang auch noch eine absteigende Linie der Musikgattung betrifft. In der Operette geht es um leichtgewichtige Liebeleien, während es in der Oper um «Liebe» im Sinn von Leidenschaft und «Schicksal» geht. - Die Träumerin wird auf diesen Unterschied aufmerksam gemacht, und es liegt in ihrer Entscheidung, ob sie eine solche Veränderung in der Auffassung von «Liebe» hinnehmen will oder nicht.

17.09.1973

Musikinstrumente

Aus Flöte und Kehle eines kleinen Alligators kommen zauberhafte Töne, 645

17.09.1973

Musikinstrumente

Es ist kaum fasslich, dass aus der Kehle eines Alligator, der einer «aggressiven» Tiergattung angehört, Musik erklingen könnte. Und doch ist dies hier der Fall, und es sind erst noch «zauberhafte» Töne. Allerdings ist hier von einem «kleinen» Alligator die Rede, weshalb dessen «Aggression» als eine (noch?) harmlose, nicht zerstörerische bezeichnet werden könnte. In Verbindung mit dem Wort «Flöte» (die das männliche Geschlechtsorgan symbolisiert) und der Aussage, dass «zauberhafte Töne» daraus hervorgehen, könnte die Sequenz auf ein geglücktes erotisches Erleben hinweisen. Das Wort «Kehle» (das fürs Sprechen steht), das gleichzeitig mit «Flöte» genannt wird, könnte auf sprachlichen Ausdruck im erotischen Bereich hinweisen, der in dieser Sequenz ebenfalls «zauberhafte Töne» von sich gibt.

25.06.1974

Musikinstrumente

Vermeintliche Tagediebe spielen auf Instrumenten und singen. Ich denke, es könne sich nicht um gewöhnliche Tagediebe handeln, 662

25.06.1974

Musikinstrumente

Hier geht es um eine neue Bewertung der Musikinstrumente von «Singen und Spielen». Im Unterschied zu 565, in dem es um öffentlich anerkannte und mit öffentlichen Geldmitteln unterstützte Musik geht (Oper, Operette), handelt es sich hier um das Musikmachen gewöhnlicher Leute, das leicht in den Verdacht gerät, von untüchtigen Leuten (Tagedieben) ausgeübt zu werden (vgl. 361, ein vermeintlich «unnützer» Sohn spielt Geige). Es scheint mir, es gehe hier um das Problem, dass es in unserer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft kaum möglich ist, Erwerbsarbeit und musische Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, ausser wenn die «Musik» selber zum Beruf bzw. zum Erwerb gemacht wird. - Auf der Subjektebene könnte das Spielen und Singen das Bedürfnis der Träumerin nach musischer Betätigung darstellen, ebenso den Versuch, dieses Bedürfnis durch eine Neubewertung zu legitimieren und somit zu ermöglichen.

15.01.1979

Musikinstrumente

Im oberen Stockwerk eines renovierten Hauses soll es eine Orgel geben. Aber das Stockwerk ist nicht erreichbar, 735

15.01.1979

Musikinstrumente

Die Orgel ist ein Musikinstrument, das wie andere für die schönen und wohltuenden Aspekte des Leben stehen. Orgeln sind in der Regel in Kirchen installiert ist, hier handelt es sich aber um eine Hausorgel. Mit dem Hinweis, dass das «Haus» renoviert und ein Musikinstrument (Orgel) vorhanden ist, scheint alles bestens bestellt zu sein um die psychische Verfassung (Haus) der Träumerin. Aber was nützt dies alles, wenn das Instrument nicht erreichbar ist? Die Sequenz stellt uns vor zwei Fragen: Ob das Instrument am falschen Ort platziert sei oder ob die Träumerin zu hoch hinaus will (oberes Stockwerk). Genau besehen kann das obere Stockwerk eines gewöhnlichen Hauses aber nicht als «zu hoch» eingestuft werden. Anders wäre es, wenn es sich um ein Hochhaus handelte. Das heisst, dass der Frau der Zugang zur «Orgel» versperrt ist, selbst wenn es sich lediglich um eine kleine Hausorgel handelt, die als solche die «Musik» im privaten Raum symbolisiert. Wir kommen der Sache näher, wenn wir bedenken, dass das «obere Stockwerk» eines Hauses den menschlichen Geist- und Denkbereich symbolisiert, der hier mit dem «Musikmachen» in Verbindung steht. Einen ähnlichen Sinn können wir bezüglich des Instruments selber ausmachen: Orgeln sind, wie bereits gesagt, Instrumente des kirchlichen Raumes. Sie bringen mit ihrer volltönenden Musik das Geistig-religiöse zum Ausdruck. In diesem Sinne ist die Orgel im «Haus» tatsächlich am falschen Ort platziert. Die grosse «Orgel» des Religiösen und Geistigen findet nur im grossen Raum des Öffentlichen und Gesellschaftlichen ihren richtigen Ort.

18.03.1995

Musikinstrumente

Ich habe meine verlorene Singstimme wieder erhalten und denke, dies sei auf die gute Resonanz in der Kirche zurück zu führen, 963

18.03.1995

Musikinstrumente

Hier geht es um die Wiedergewinnung der verloren geglaubten «Musik» (Singstimme), also um Rückgewinnung von freudvollen Inhalten. Die Singstimme unterscheidet sich in der Symbolik von der Sprechstimme, indem beim Singen ein musisches Element hinzu tritt. Das Singen hat eine eminent vitalisierende Wirkung, wobei dem Chorsingen eine speziell gemeinschaftliche Bedeutung zukommt. Das «Solo» steht für das «Singen» im Alleingang, was die Sequenz damit begründet, dass die Träumerin bislang ganz auf sich selbst gestellt war. Nun aber sei sie in eine für ihre Singstimme günstige Umgebung geraten, was die Sequenz mit dem Begriff «Resonanz» umschreibt. Resonanz besagt im übertragenen Sinn «Anklang» und «Verständnis», wobei dieses Verständnis mit der Frauenbewegung und der feministischen Frauenforschung zu tun haben dürfte, mit denen sich die Träumerin seit längerer Zeit intensiv befasst. Die Sequenz weist darauf hin, dass die Träumerin in diesem Zusammenhang sogar ihre «eigene Stimme» wieder zu finden vermochte und mehr noch zu ihrer «Singstimme» und also zur Lebensfreude zurück gefunden habe.

01.09.2003

Musikinstrumente

Ich höre Orgelspiel und glaube den Mann zu kennen, der die Orgel spielt. Der Mann ist in den Fünfzigern, 1055

01.09.2003

Musikinstrumente

Schon in der Traumsequenz 735 war von einer Orgel die Rede, die aber für die Träumerin nicht erreichbar war. In dieser Sequenz wird die Orgel zwar gespielt, jedoch von einem Mann. Auf der Subjektebene hiesse dies, das Orgelspiel gehe von den sogenannten «männlichen» Aspekten in der Psyche der Frau aus. Diese Interpretation wäre allerdings unverständlich, weil der Traum zu einem Zeitpunkt stattfindet, in dem sich die Träumerin ausdrücklich losgesagt hat von der Anima/Animus Theorie. Das heisst, sie hat sich befreit von der Vorstellung, das «Aktive» gehöre immer zum Männlichen, ungeachtet davon, ob dieses «Männliche» in einer weiblichen Psyche erscheine. - Auf der Objektebene könnte die Sequenz auf ein neues und sympathisches Männerbild hinweisen.

11.06.1959

SchreibenPapier

Mein 2-jähriger Sohn zeichnet still vor sich hin, nachdem ich ihm Papier und Bleistift gegeben habe, 33

11.06.1959

SchreibenPapier

Schreiben und Zeichnen sind gestaltende Tätigkeiten. Die Inhalte können aktuelle Ereignisse, Erinnerungen, Hoffnungen und Wünsche betreffen und ebenso die Vorwegnahme künftiger Entwicklungen. Schon in den Spielen kleiner Kinder können wir das Bedürfnis nach Gestaltung erkennen, z.B. im Sandkasten beim Kuchen backen und in den ersten Kritzeleien auf Papier. Auf der Subjektebene steht das Zeichnen für «erste» Gestaltungsversuche der Träumerin, die auch in schriftlichen «Aufzeichnungen» bestehen können.

10.08.1959

SchreibenPapier

Ich habe mein Tagebuchheft liegen gelassen, weil ich dem Geldbeutel nachrennen musste, der in den See gefallen ist, 69

10.08.1959

SchreibenPapier

Was Barbara Walker über das «Buch» schreibt, könnte auch für das «Tagebuch» gelten. Ihrer Meinung nach symbolisiert das Buch intellektuelle Freiheit (ID-Buch 1300, 175). Das Tagebuch liegen zu lassen, weil die Frau dem Geldbeutel nachrennen muss, könnte daher den Konflikt darstellen zwischen der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen und der Notwendigkeit, sich gleichzeitig Zeit nehmen zu können für die eigenen Sachen, für das eigene Erleben und das Festhalten dieses Erlebens durch Schreiben (Tagebuch).

16.02.1965

SchreibenPapier

Auf dem Papier, das meine Nachbarin vor sich hat, liegt etwas Opium, das wie Hefe aussieht. Ich nehme es ihr weg, 338

16.02.1965

SchreibenPapier

Die Verbindung von Papier und Opium besagt, dass «Papier» keineswegs nur trockene Materie enthalten muss. Die Droge «Opium» steht für die Steigerung von Lebensgefühl und Intensität, was in dieser Sequenz im Sinne der Metapher, «der Geist macht lebendig» gedeutet werden könnte. So gesehen wäre zu fragen, warum die Träumerin das Gefühl hat, das «Opium» , das sich auf «Papier» befindet und sich also auf Schreiberzeugnisse bezieht, müsse der Frau weg genommen werden,

11.08.1965

SchreibenPapier

Ich verlange einen eigenen Schreibtisch für mich, nachdem Mutter mein Zimmer ungefragt mit Klappbetten verstellt hatte, 348

11.08.1965

SchreibenPapier

Der Schreibtisch steht für einen Ort des Festhaltens und Reflektierens von Erfahrungen, Beobachtungen, Wünschen und Hoffnungen und nicht zuletzt von kritischen und utopischen Gedanken und Urteilen. Auch das Tagebuchschreiben gehört zum «Schreibtisch», in das sehr oft die düsteren Gedanken und Gefühle einfliessen, in der Hoffnung, dass sie durch das Aufschreiben «gebannt» und unschädlich gemacht werden könnten. - Die Sequenz redet einerseits von einem Zuwachs an der Fähigkeit der Träumerin, etwas für sich selber zu fordern, anderseits von einem Gegenstand, der für sie wichtig oder sogar lebensnotwendig zu sein scheint: einen Ort für das Schreiben.

02.11.1965

SchreibenPapier

Zwei Bücher liegen auf dem Tisch eines Wohnzimmer. Ich selber soll diese geschrieben haben, 1026

02.11.1965

SchreibenPapier

Auch «Tagebücher» sind «Bücher». Sie werden in mehreren Traumsequenzen genannt (69, 404, 831). Der Umfang des Materials könnte sie zu dem machen, was landesüblich als «Bücher» bezeichnet wird. Möglicherweise steht die Bezeichnung «Bücher» hier für eine höhere Wertschätzung der Träumerin für die Aufzeichnungen, die sie in Form von Tagebüchern seit sieben Jahren führt.

02.05.1966

SchreibenPapier

Ich habe den Verdacht, meine Schwester M. habe in meinen Papieren gewühlt. Denn sie hatte mein Tagebuchschreiben verhöhnt, 404

02.05.1966

SchreibenPapier

Mit den «Papieren» sind hier Schriftstücke von persönlicher Art gemeint, insbesondere tagebuchartige Aufzeichnungen. Es brauchte Mut zu diesem Schreiben oder eine grosse innere Bedrängnis, um Gedanken und Geschehnisse in Worte zu kleiden. Die «Schwester» steht hier für eine «Meinung» aus dem näheren Umfeld, der die Träumerin eine andere Auffassung entgegenhält.

02.02.1969

SchreibenPapier

Ich soll ein Frauenprofil zeichnen, weil sonst die Ehe gefährdet sei, 556

02.02.1969

SchreibenPapier

Der Begriff «Frauenprofil» bezeichnet die Gestaltung einer Weltsicht und Identität als Frau. Dies kann mittels Zeichnungsstift als auch mittels Worten und Sätzen geschehen. Die explizite Aufforderung zur Gestaltung eines Frauenprofils wird in dieser Sequenz ergänzt durch die Angabe des Grundes: Die Ehe sei gefährdet. - Aber was kann mit «Ehe» gemeint sein bei einer Frau, die nicht in einer Ehe im landläufigen Sinne lebt und eine solche auch nicht anstrebt? Die patriarchalische Ehe ist mit der Vorgabe verbunden, die Frau sei für den Dienst am Mann geschaffen, und die traditionelle Psychologie vertritt die Auffassung, dass Frauen selber nichts anderes wollten. Mit dem Wort «Ehe» kann also nicht die Rettung einer solchen gemeint sein. - Die Aufforderung, ein Frauenprofil zu zeichnen, könnte bedeuten, das eigene Denken, Fühlen und Handeln in einen strukturierten Zusammenhang zu bringen und somit an «Profil» zu gewinnen als weibliches Wesen, als Frau. Ein «Profil» zu zeichnen könnte bedeuten, das «Eigene» zum Ausdruck zu bringen und sich damit eine eigene Identität zu «schaffen». Der Begriff «Ehe» im Sinne von Zusammenhalt und Bindung könnte bedeuten, die Träumerin solle die vielgestaltigen Aspekte der Innenwelt, inklusive der geschlechtlichen Doppelstruktur der Psyche in eine Gestaltung zusammenbringen. Die Sequenz könnte auch als Erinnerung und Antwort auf das Symbol «flüssige Seele» (Traum 1) verstanden werden: Jene «flüssige Seele» verfügte über kein geeignetes «Gefäss» und hier erfolgt jetzt ein Auftrag, ein solches «Gefäss» zu schaffen und den seelischen Inhalten bereit zu stellen.

29.07.1974

SchreibenPapier

Meine Luzerner Freundin malt und zeichnet in ihrem Atelier die Dinge, die sich vor ihrem Blick gerade ereignen, 664

29.07.1974

SchreibenPapier

Das «Malen» symbolisiert ebenso wie Zeichnen oder Schreiben das aufmerksame Wahrnehmen und Festhalten von Ereignissen, die in der näheren und weiteren Umgebung der Welt sowie in der eigenen Psyche stattfinden. Die Psyche, verstanden als ein Wahrnehmungs- und Resonanzsystem und als «Spiegel» der Welt, kann sich in dieser Welt nur zurecht finden, wenn die wahrgenommenen Dinge festgehalten werden, um sie später reflektierend zu betrachten - damit Werturteile gebildet werden können.

01.08.1976

SchreibenPapier

Ich erfahre, es sei viel schriftliches Material vorhanden von meinem Klinikaufenthalt. Das Material sei aus den grössten Tiefständen heraus geschrieben, 690

01.08.1976

SchreibenPapier

Das «schriftliche Material», das aus «tiefsten Tiefständen» stammt und eine «spezielle Sicht» aufzeigt, betrifft Inhalte aus jenen schwer zugänglichen Tiefenschichten, die Jung einmal als «Einschluss» bezeichnete. Solche psychischen «Einschlüsse» resultieren aus nicht integrierbaren oder aus traumatischen Erfahrungen. Sie haben die Eigenschaft, ganz isoliert bestehen zu können und dem Individuum daneben eine relativ normale Existenz zu ermöglichen. An diese eingeschlossenen Schichten heranzukommen weist auf eine fortgeschrittene Phase des Individuationsprozesses hin, der hier mittels «Aufzeichnungen» stattgefunden hat. Dieses «Material» könnte auch aus Tagebuchaufzeichnungen bestehen, die in «grössten Tiefständen» entstanden sind. Derlei Material zu Gesicht zu bekommen verweist auf die Möglichkeit, diese Teile als Aspekte der eigenen Identität zu verstehen und integrieren zu können.

18.09.1983

SchreibenPapier

Meine Tagebücher und Themenmäppli sind verschwunden. Dies, nachdem mein Bruder K. mich besucht hatte, 831

18.09.1983

SchreibenPapier

Tagebücher und Themenmäppli stellen das gestaltete «Eigene» dar. Dieses «Eigene» ist aber «verschwunden», das heisst, es ist wie gegenstandslos geworden oder ins reine «Nichts» versunken. Dass dieser Sachverhalt auf den Besuch eines «Bruders» zurückgeführt wird besagt, dass dieser Bruder, verstanden als ein der Träumerin nahe stehender Mann, im Verdacht steht, den Diebstahl begangen zu haben. - Die Sequenz scheint der Träumerin zu raten, ihre Gestaltungen und Gestaltungsversuche vor diesem Mann zu verbergen oder in Sicherheit bringen. Ein Warntraum!

29.10.1958

SchuleStudium

Grössere Schulmädchen versuchen ständig, einem kleineren Mädchen (mir), hinterrücks die Schulbücher wegzunehmen. Der Lehrer findet dies nicht so schlimm. Ich werfe die Mädchen samt Mappen ins Tobel, 3

29.10.1958

SchuleStudium

Das heimliche Entreissen der Schulbücher beschreibt die Situation der damaligen Zeit (1958). Mädchen und junge Frauen sollten ihr Interesse nicht auf Aneignung von Wissen und Studium ausrichten, sondern auf Haushaltung und die Gründung einer Familie. Auch die meisten Frauen hatten sich die Vorstellung zu eigen gemacht, dass die Welt die Verwirklichung von «weiblichen Werten» benötige und dass dies am besten in privaten Verhältnissen und innerhalb der Familie möglich wäre. Daher findet es auch der «Lehrer», der für die damals gültigen «Lehren» steht, nicht so schlimm, wenn eine weibliche Person an ihrem Interesse an Wissen und Studium gehindert wird. Solche «Lehren» wurden der Träumerin auch von freundschaftlicher Seite nahe gebracht. Die Frau soll sich und ihre Fähigkeiten als «Stoff» für das «Schaffen» des Mannes verstehen und nicht selber Wissen erwerben und etwas «schaffen» wollen (Chronik 6). - Die Lysis der Sequenz ist eine andere und erfrischende: Die Träumerin verwirft diese «Lehren», sie lässt sich von ihren Geschlechtsgenossinnen nicht von ihrem Vorhaben abhalten (sie wirft sie ins Tobel). Die Sequenz enthält den Ratschlag an die Träumerin, wie sie sich zerstörerischen Zuschreibungen und Behinderungen gegenüber verhalten könnte.

02.06.1959

SchuleStudium

Meine frühere Schulfreundin A. kommt mir in meiner eigenen Körpergestalt entgegen. Wir lachen uns an, 31

02.06.1959

SchuleStudium

Das Wort Schulfreundin deute ich als «Freundin» des Wissens und Freundin der geistigen Schulung, 31

19.11.1959

SchuleStudium

Ich bin im Traum Schülerin des C.G.Jung Instituts, 104

19.11.1959

SchuleStudium

«Schülerin» des C.G.Jung Instituts besagt, dass sich die Träumerin auf die Lehren dieses Instituts einlässt und sich belehren lässt.

26.04.1966

SchuleStudium

Ein Student soll eine Psychoanalyse machen. Er ist aber vom Nutzen einer solchen nicht überzeugt, 402

26.04.1966

SchuleStudium

Die Zweifel am Nutzen von Psychoanalyse oder Psychotherapie überhaupt nimmt die Träumerin vermutlich in sich selber wahr.

03.07.1959

SchwangerGebären

Bei mir haben die Wehen begonnen. Das Baby drängt hinaus und wäre fast zu Boden gefallen, 40

03.07.1959

SchwangerGebären

Hier ist nicht nur von einem Geburtsereignis die Rede, sondern auch davon, dass das symbolische «Kind» fast zu Boden gefallen wäre. Das heisst, dass das während zirka neun Monaten entstandene «Neue» nahe daran war zugrunde zu gehen. - Da der Beginn einer Psychotherapie in die genannte Zeit fällt, steht die Sequenz vermutlich für dieses Ereignis bzw. für die Gefahr, dass ihr bisheriges Ergebnis gefährdet sei.

08.07.1959

SchwangerGebären

Meine Schwester M. hat ein Kind geboren. Ihre Schwangerschaft war nicht sichtbar gewesen, 45

08.07.1959

SchwangerGebären

Das Bild von der unsichtbaren «Schwangerschaft» weist darauf hin, dass geistiges und seelisches Wachstum nicht immer äusserlich sichtbar ist.

14.07.1959

SchwangerGebären

Ich bin schwanger. Das Kind hängt wie ein Sack an meinem Bauch, 47

14.07.1959

SchwangerGebären

Kaum zwei Wochen nach Traum 40 ist von einer erneuten Schwangerschaft die Rede, wobei dieses «Neue» jedoch wie als etwas Angehängtes erlebt wird (Sack am Bauch). Im Zusammenhang mit der erwähnten Psychotherapie ist zu fragen, ob dieses «Neue» als Ausdruck von aufgedrängten, lebensfremden Inhalten verstanden werden müsste.

14.12.1962

SchwangerGebären

Eine obdachlose Schwangere sagt zu mir, sie würde auch auf der Treppe schlafen, 228

14.12.1962

SchwangerGebären

Die «Schwangerschaft» führt hier zu einer fast unerträglichen Bescheidenheit bezüglich der Ansprüche an das Leben, indem die Schwangere versichert, sie würde auch auf der Treppe schlafen (weil kein anderer Platz für sie vorhanden ist). Aber diese Bescheidenheit ist eine erzwungene und keine freiwillige. Es geht nicht um Masochismus, sondern ums nackte Überleben. - Das Bild vermittelt der Träumerin einen traurigen Sachverhalt, redet aber auch von einer vertrauensvollen Lebenseinstellung, indem sie der Träumerin ihre missliche Lage mitteilt und dies ohne Lamento oder Sentimentalität, in der Annahme, dass ihr Ansinnen erfüllbar wäre.

14.05.1963

SchwangerGebären

Eine junge Frau muss ihren Wohnort verlassen wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft, 234

14.05.1963

SchwangerGebären

«Schwangerschaft» steht für die Entstehung von etwas Neuem, für Selbstwerdung und Neugeburt aufgrund eigener Erfahrungen und dem Bedürfnis nach Ausdruck dieser Erfahrungen. Auf der Subjektebene weist die Sequenz darauf hin, dass dies der Träumerin zu dieser Zeit (1963) verwehrt ist, weshalb sie ihren «Ort», ihre Umgebung (ihren Freund?) verlassen muss. Der Hinweis auf die «Unehelichkeit» der Schwangerschaft könnte besagen, dass die Träumerin sich mit Inhalten beschäftigt, die für eine Frau tabu sind. - Ich lese die Sequenz als eine Klage und Anklage der Träumerin, dass ihr und anderen Frauen keine Alternative bleibt als das radikale Verlassen ihres Ortes, das ihr bisher eine gewisse Heimat zu gewähren schien (Wohnort).

14.06.1964

SchwangerGebären

Eine Frau soll ihre Schwangerschaft unterbrechen. Ihr Freund scheint dies von ihr zu verlangen, sie weint deswegen, 277

14.06.1964

SchwangerGebären

Dass hier ein Mann von der schwangeren Frau die Abtreibung verlangt, könnte auf der Objektebene auf einen aggressiven Akt gegen das «Fruchtbarwerden» der Frau im Bereich des Denkens und des geistigen Schaffens bedeuten. Auf der Subjektebene könnte es sein, dass die Träumerin sich selber zur «Ordnung» ruft, sich selber zum Verzicht auf den Anspruch auffordert, in ihrer Situation das «Eigene» zum Ausdruck bringen und pflegen zu können.

15.10.1964

SchwangerGebären

Mutter hat nochmals geboren, das Baby öffnet die Augen, strahlt mich an und lacht laut, 295

15.10.1964

SchwangerGebären

Dass hier, vier Monate nach 277, nun die «Mutter» ein «Kind» gebiert deute ich als Ausdruck einer erstarkten Selbstsicherheit der Träumerin. Diese erstarkte Selbstsicherheit könnte aus der Verbindung mit der «Grossen Mutter» genährt sein, die in ihren eigenen Tiefenschichten lebt. Faszinierend ist, dass dieses «Kind» unmittelbar nach der Geburt die Augen öffnet und zudem laut lacht. Das «Kind» scheint die Welt mit den «Augen» der «Grossen Mutter» zu sehen und von ihrer Lebenskraft und Lebensfreude erfüllt zu sein.

06.12.1964

SchwangerGebären

Ein Mann sagt, er müsse das Mädchen auspeitschen, das tags zuvor geschwängert worden sei, 307

06.12.1964

SchwangerGebären

Diese Sequenz redet vom aggressiven Verhalten einer unehelichen «Schwangerschaft» gegenüber. Die Bezeichnung «Mädchen» bedeutet, dass die Schwangere nicht verheiratet ist und das «Neue», das «geboren» werden will, ein nicht akzeptierbares «Produkt» sein wird. Dabei fällt zweierlei auf: Erstens geht die Nichtakzeptanz von einer männlichen Person aus, zweitens handelt der Mann nicht aus eigenem Antrieb oder eigener Aggression, sondern aufgrund eines «Auftrags». Das heisst, er handelt nach einer «Norm», einem «Muster», einer vorgegebenen Theorie. Diese Norm verbietet der Frau eine anders geartete Auffassung über «Schwangerschaft» und «Gebären», nämlich im geistig/seelischen Sinn und unabhängig von Mann und ehelicher Verbindung. - Die Sequenz verweist auf einen diesbezüglichen Konflikt im Theoriebereich, der sich vermutlich auf eine konkrete Beziehung der Träumerin auswirkt.

25.08.1965

SchwangerGebären

Ich oder eine andere Frau hat ohne ärztliche Hilfe ein Kind geboren. Das Kind ringt um Atem, 351

25.08.1965

SchwangerGebären

Das Gebären ohne ärztlich Hilfe deutet auf eine neu gewonnene Selbständigkeit und Autonomie. Allerdings muss sich diese noch bewähren, denn es ist noch fraglich, ob dieses Neue, das neugeborene «Kind» zu atmen beginnt und aus eigener Kraft zu leben vermag.

29.09.1982

SchwangerGebären

Meine zirka 50-jährige Mutter hat unmittelbar nach einer Geburt noch ein zweites Kind geboren. Ich befürchte, ihr bei der Pflege der Kinder helfen zu müssen nebst meiner Berufstätigkeit, 818

29.09.1982

SchwangerGebären

Die Geburt eines oder zwei Kindern im Alter von 50 Jahren könnte besagen, dass mit dem Altern die Kreativität, das schöpferische Potential, das Interesse für «Neues» nicht verloren gehen müsse. Nur sei das Gebären anstrengender als im jugendlichen Alter. Etwa Neues anzufangen sei durchaus möglich, aber die Weiterführung des Entwicklungsprozess könnte anstrengend werden und sogar zu einer Überforderung führen. - Die Sequenz wirkt wie eine Tröstung aus den Tiefenschichten der Träumerin, die zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt ist. - Der Kontext berichtet von Tätigkeiten als Referentin und von Stellungnahmen (Reflexionen 365, Chronik 487).

13.02.1984

SchwangerGebären

Ich werde orientiert, dass ich mit einer Frau zusammen ein Kind habe, 835

13.02.1984

SchwangerGebären

Die Vorstellung mit einer Frau ein «Kind» zu haben, ist für mich eine schöne Vorstellung. Es ist schön zu erfahren, dass Frauen im übertragenen Sinn miteinander «fruchtbar» werden können, wenngleich die Tiefenpsychologie anderer Meinung ist. Eine solche Fruchtbarkeit ist aufgrund der anlagemässigen Doppelgeschlechtlichkeit möglich. Mit einer Frau ein «Kind» zu haben, bedeutet, dass eine Zusammenarbeit von Frau zu Frau tatsächlich «Früchte» trägt, dass etwas, das sie miteinander vorbereitet und erarbeitet haben «geboren» wurde - vielleicht eine gemeinsame Unternehmung oder ein Projekt.

23.11.1958

SpielenSpiel

Während des Saitenspiels meines Therapeuten, beginnen sich die Gesichtszüge des jungen Patienten zu entspannen und die Augen zu leuchten, 7

23.11.1958

SpielenSpiel

Das Saitenspiel ist ein besonders berührendes Musikspiel. In Verbindung mit einer Psychotherapie symbolisiert es den gelungenen Beginn dieser Therapie, der sich wie ein Versprechen ausnimmt.

17.08.1959

SpielenSpiel

Der Ball meines kleinen Sohnes (2½- jährig) ist in den Bach gefallen. Mein Bruder N. meint, ich könne dem Kind nicht zumuten, den Ball selber heraus zu holen, 70

17.08.1959

SpielenSpiel

Der Ball eines Kindes symbolisiert die Fähigkeit (oder die Erlaubnis) zum Spielen, die hier verloren zu gehen droht. - Der Ball erinnert an Spielerisches und frühe Kindheit, an Pingpong, Fangball, Völkerball, Fussball sowie im übertragenen Sinn an «am Ball bleiben", einander «den Ball zuwerfen". - Der Bruder N. könnte auf der Objektebene für einen Mann stehen, der sich bezüglich des spielenden Kindes fürsorglich verhält. Auf der Subjektebene könnte die Sequenz der Träumerin raten, sich bezüglich eigener spielerischer Bedürfnisse verständnisvoller und fürsorglicher zu verhalten.

03.02.1962

SpielenSpiel

Im Passionsspiel, das Kirchenmänner organisieren, steht der Schah von Persien im Priesterkleid auf der Bühne. Aber es kommt mir vor, die Leiden und Schmerzen, die er spielen soll, seien ganz real, 172

03.02.1962

SpielenSpiel

Das «Spiel» in dieser Sequenz betrifft ein besonderes Spiel: das Passionsspiel. Die Sequenz redet ferner von einer männlichen Person, die eine hohe Führungsrolle im Leben zu «spielen» hat (Schah von Persien), nun aber in eine Leidensrolle hinein gedrängt wird und zwar von Männern, die ebenfalls führende Rollen spielen (Kirchenmänner). - Die Sequenz könnte die Träumerin belehren, dass auch Männer, und sogar Männer in hohen führenden Rollen, in die Mühlen machthungriger Männer geraten können. Derlei geschieht, wenn einer in Verdacht kommt, seine «männliche» Rolle, zu der er im Patriarchat bestimmt ist, nicht mehr spielen will, sondern eine heilende Funktion (Priesterkleid des Schahs) übernimmt. - Die Sequenz stellt zwei gegensätzliche Männerbilder einander gegenüber, mit denen die Träumerin sich befassen soll.

26.10.1962

SpielenSpiel

Ich soll das Rettungsschwimmen lernen. Statt dessen wird mir die Rolle der Retterin übertragen, 216

26.10.1962

SpielenSpiel

Sich als Retterin bewähren zu müssen, anstatt das Rettungsschwimmen zuerst zu lernen, könnte auf eine überfordernde Situation auf der Objektebene hinweisen. Die Träumerin wird von äusseren Umständen angehalten, zu helfen und zu retten. Auf der Subjektebene wäre sie selber es, die von sich verlangt, helfend und rettend tätig zu sein, obgleich sie sich von dieser, zu früh auf sie übertragenen Rolle überfordert fühlt.

14.12.1962

SpielenSpiel

Eine schwangere junge Frau, die der Schauspielerin Marlene Dietrich ähnelt, bittet mich um Unterkunft. Ich sage, sie könne in meinem Zimmer schlafen, 228

14.12.1962

SpielenSpiel

Die «Schauspielerin» steht für eine Frau, die auf der «Bühne» eine Frauenrolle spielt. Und weil die meisten Theaterstücke, die auf die Bühne gelangen, von Männern geschrieben wurden, entsprechen die Frauenrollen den Wünschen dieser Männer und nicht den Wünschen von Frauen. Für eine schwangere Frau gibt es keine «Rollen» auf der «Bühne» patriarchaler Männer. Folgerichtig ist die schwangere Schauspielerin obdachlos. - Das Thema in dieser Sequenz besagt, dass für Frauen das «Spiel» in dem Moment zu Ende geht, wenn sie «schwanger» werden, wenn sie «Eigenes» zur Darstellung bringen wollen. Denn dafür bestehen keine «Rollen» im anerkannten und geschützten Raum unserer patriarchalen Gesellschaft. Dies scheint die Träumerin verstanden zu haben. Das Angebot, die Obdachlose in ihrem Zimmer schlafen zu lassen ist dagegen eine gut gemeinte, richtige, aber trotzdem hilflose Geste, durch die das Grundübel nicht aus der Welt geschafft werden kann.

10.12.1963

SpielenSpiel

Ich scheine zu einer Gruppe von Wanderschauspielern zu gehören, die verfolgt wird, 261

10.12.1963

SpielenSpiel

Die Wanderschauspielgruppe, zu der die Träumerin nun zu gehören scheint, symbolisiert ein Darstellungsbedürfnis, das Gesehenwerden, das sie nunmehr zu spüren und zu akzeptieren scheint. Das Verfolgtsein der Gruppe könnte darauf hinweisen, dass Frauen ihr «Eigenes», das nach tiefenpsychologischer Auffassung Privates und daher «Uneigentliches» darstellt, nicht öffentlich zur Darstellung bringen sollten.

03.01.1964

SpielenSpiel

Eine Frau versucht den spielenden Kindern eines Lagers oder Ghettos, die Kopfhaare anzuzünden, 266

03.01.1964

SpielenSpiel

Dass eine Frau sich gegen das «Spielerische» derart aggressiv verhalten könnte und erst noch bei Kindern, hat etwas Erschreckendes. Dies gilt auch, wenn wir die Szene auf der Subjektebene betrachten, wo sie besagen würde, dass die Frau gegen eigene spielerische Impulse wütet. Im Sinne der sexuellen Symbolik des Kopfhaares würde die Sequenz aufzeigen, gegen welche Impulse sich die Träumerin derart aggressiv verhält oder verhalten muss. Gleichzeitig wird durch den Hinweis auf den Ort des Geschehens auch noch der Grund dieses zunächst unverständlichen Verhaltens mitgeteilt: Die Frau befindet sich in beengten Verhältnissen (Lager, Ghetto), wodurch das erotische «Spiel» möglicherweise zu einer zusätzlichen Gefährdung oder Belastung werden könnte. - Das Kopfhaar der spielenden «Kinder» symbolisiert ferner Autonomie und Kraft des spielenden «Kindes» in der Frau.

30.10.1965

SpielenSpiel

Ich habe das Gefühl, der vermeintlich «untüchtige» Sohn einer begüterten Familie habe schliesslich Geige gespielt, 361

30.10.1965

SpielenSpiel

Das Geigenspiel gehört zum musischen und somit zum emotionalen Bereich, der hier durch einen jungen Mann dargestellt wird, obgleich der Gefühls-Bereich traditionell dem Weiblichen zugeordnet wird. Die Sequenz erklärt zunächst, dass es sich um einen «untüchtigen» Sohn handelt, was für eine Familie eine schwere Last bedeuten kann, da er vielleicht lebenslang ernährt und versorgt werden will. Das Geigenspiel, sofern es nicht professionell ausgeübt wird, wird den jungen Mann zwar auch nicht ernähren können, weist aber darauf hin, dass nicht Faulheit die Ursache der «Untüchtigkeit» ist (denn das Geigenspiel verlangt ernsthafte Beschäftigung und Ausdauer), sondern sein anders gelagertes Interesse. - In dieser Sequenz geht es um ein Umdenken in zwei Bereichen: Der Gefühlsbereich, der in der traditionellen Psychologie zum «Weiblichen» und zur Frau gehört, wird durch einen jungen Mann dargestellt. Zweitens: Dem urtümlichen Bereich der Landwirtschaft wird der Bereich des Musischen und vermutlich auch des Schöpferischen gegenüber gestellt. Zugleich scheint die Sequenz darauf hinzuweisen, dass die Entscheidung fürs «Geigenspiel» kaum zu einem Brotberuf führen wird. Auf der Subjektebene soll sich die Träumerin über diesen Sachverhalt klar werden.

13.12.1965

SpielenSpiel

Im Bach springe ich von Stein zu Stein. Mit meinem 8-jährigen Sohn wird das Spiel noch schwieriger, 372

13.12.1965

SpielenSpiel

Das Springen von Stein zu Stein war in meiner Kindheit ein beliebtes Geschicklichkeitsspiel. Dass ein solches Spiel schwieriger wird, wenn es einhergeht mit der Aufsicht über ein mitspielendes Kind, interpretiere ich auf der Objektebene als die typische Situation von Müttern, die ihren eigenen Spieltrieb nicht mehr ausleben können, weil sie zu ausschliesslich die Verantwortung für ihre Kinder tragen müssen. - Die Sequenz redet auf der Subjektebene von der Schwierigkeit, das «Eigene» (Sohn) mit jenem unbeschwert Spielerischen zu verbinden, das in der Kindheit möglich ist. Sie besagt aber auch, dass die Träumerin noch einen Zugang zum Spielerischen hat oder wieder gefunden hat.

27.10.1966

SpielenSpiel

Die Fernseh-Cutterin Frau Lieberherr spielt im Theater eine bucklige Frau und vermag sich in dieser Rolle zu entfalten, 428

27.10.1966

SpielenSpiel

Hier betrifft das «Spielen» das Theaterspiel, wobei es seltsam anmutet, dass sich die genannte «Frau Lieberherr» ausgerechnet in der Rolle einer «buckligen Frau» entfalten kann. Verständlicher wird dieser Sachverhalt, wenn wir den «Buckel» als Ausdruck des «Eigenen» der Frau verstehen, das nicht nur Schönes und Unbeschwertes, sondern auch schwierige bis traumatische Erfahrungen enthalten kann. Die Sequenz besagt, dass durch die Darstellung des Schwierigen und Traumatischen (Theaterspiel) eine ungeahnte Entfaltung der Persönlichkeit möglich sei.

08.12.1967

SpielenSpiel

Ich soll am Szondi Institut einen Vortrag gehalten haben über eine neue Methode der Spieltherapie, 508

08.12.1967

SpielenSpiel

Der Begriff «Spieltherapie» verweist auf eine Therapieform für Kinder, die kindliche Störungen und Traumata mittels Rollenspiel und anderen Spielarten und Gestaltungen angeht. Da die Träumerin diese Therapieform in einer öffentlichen Einrichtung selber ausübt, ist die Sequenz von diesem Hintergrund her zu verstehen und der Hinweis auf einen Vortrag vielleicht ein Vorschlag oder Wunsch, einen solchen Vortrag selber zu verfassen.

16.01.1969

SpielenSpiel

Während einer Rezitation wird ein zirka 50-jähriger Schauspieler plötzlich verwirrt, und es werden Verzweiflung und Angst sichtbar, 554

16.01.1969

SpielenSpiel

«Das Spiel ist aus», sagt diese Sequenz. Der Ernst des Lebens ist eingebrochen: Die bisher im Hintergrund gehaltenen Gefühle von Angst und Verzweiflung können nicht mehr unterdrückt werden. Auf der Objektebene verstanden, könnte es sich um einen der Träumerin nahe stehenden Mann handeln, dessen «Hintergrund», nämlich eine ernsthafte Depression, sie nunmehr hinter seinem «Spiel», seiner Persona, wahrnimmt.

12.11.1995

SpielenSpiel

Auf einem Tisch des Hotels, in dem ich logiere, liegt ein Kartenspiel auf dem Tisch. Das Spiel heisst: "Die Welt neu erfinden". Ich lache laut über die Idee, 966

12.11.1995

SpielenSpiel

Kartenspiele existieren seit urdenklichen Zeiten. Sie sind als «Spiele» und Zeitvertreib uneingeschränkt beliebt (Jassen!). Das «Kartenspiel» namens «Die Welt neu erfinden», scheint sich aber nicht auf die Spielebene beschränken zu wollen, obgleich es auf der Realebene schwierig wäre, die Welt neu zu erfinden. Möglicherweise möchte die Sequenz dazu ermutigen, sich trotzdem Gedanken zu machen, wie manches anders und besser sein könnte, und dies auch mit anderen Menschen zusammen. Die Sequenz ruft die Träumerin dazu auf, sich als Frau nicht zu scheuen, über die grossen Dingen der «Welt» kritisch nachzudenken. Zum Beispiel, wie es wäre, wenn Frauen sich der frühzeitlichen Göttinnen und der entsprechenden Frauenmacht erinnerten und sich fragten, wie die Hälfte der Menschheit sich machtvoll in die Gestaltung der Welt einbringen könnte. Wie es wäre, wenn Frauen sich als ein dem «Männervolk» gleichrangig gegenüber stehendes «Frauenvolk» verstehen würden mit Anspruch auf die Hälfte von Macht, Reichtum und Ansehen etc. - Das Kartenspiel ist eine Aufforderung an die Träumerin, ihren Anteil an Gedanken, Gefühlen und Phantasien zu entwickeln.

15.11.1958

Verwandlung

Es stellt sich heraus, dass ich ein Mann bin, 6

15.11.1958

Verwandlung

Die «Verwandlung» einer Frau in einen Mann steht aus tiefenpsychologischer Sicht für eine unerwünschte oder falsche Entwicklung. Aber was will der Hinweis «es stellt sich heraus» sagen? Heisst dies, die Frau selber fühle sich keineswegs als ein Mann, vielmehr werde ihr dies auf der Objektebene von anderen unterstellt? Oder könnte die Sequenz der Träumerin die Einsicht vermitteln, sie entspreche nicht der traditionell Jungschen Definition einer «weiblichen» Frau, weshalb sie auf der Objektebene mit Schwierigkeiten zu rechnen habe?

09.12.1958

Verwandlung

Während der Flucht verwandelt sich meine Schwester S. wegen zu grossen Strapazen in ein zweijähriges Kind. Sie war auf dem Gepäckträger meines Velos mitgefahren, 10

09.12.1958

Verwandlung

Die «Verwandlung» einer erwachsenen Person in ein Kind könnte eine Regression bedeuten. Die «Kindwerdung» könnte aber auch neue seelische Möglichkeit von Erneuerung und «Wandlung» ausdrücken, zum Beispiel im Prozess der «Selbstwerdung»: Wir sollen nicht ein Kind bleiben, sondern wieder zum «Kind» werden. Das heisst, wir sollen wieder neugierig, interessiert, schöpferisch offen werden - wie ein Kind. - Die Kindwerdung in dieser Sequenz hat mit «Strapazen» und Überforderung zu tun, die einen partiellen Rückzug in primäre «kindliche» Bedürfnisse notwendig erscheinen lassen. In anderen Teilen bleibt die Träumerin durchaus auf der Stufe einer Erwachsenen, die handlungsfähig ist und zudem imstande, den bedürftigen Anteilen helfend beizustehen.

17.08.1960

Verwandlung

Ein Hund verwandelt sich in einen Bären, dann in mehrere Bären. Diese verwandeln sich in Soldaten, die Frauen in Gefangenschaft bringen, 135

17.08.1960

Verwandlung

Hier finden mehrere Verwandlungen statt: Ein Hund verwandelt sich in ein anderes Tier, ein Haustier in ein frei lebendes Wildtier, das zudem zu der Sorte gehört, die den Menschen gefährlich werden (Bär). Die «Verwandlung» verläuft sozusagen in Richtung zunehmender Gefahr und Gefährlichkeit, die sich noch steigert, indem aus dem einen Bär mehrere Bären resultieren. Die Verwandlungen gehen aber noch weiter: Aus den gefährlichen Bären entstehen Menschen und zwar eine Sorte, die im staatlichen Verständnis als friedfertige Ordnungshüter und zugleich als Krieger beschrieben und ausgebildet werden, nämlich Soldaten. Das heisst, dass diese Soldaten im Brennpunkt zwischen Krieg und Frieden stehen, zwischen extremer Aggression und hilfreicher Friedfertigkeit, und zudem, dass sie im Rahmen eines gesellschaftlichen Auftrags und im «Sold» handeln und keineswegs aufgrund von eigenen Gefühlen, seien diese friedfertiger oder aggressiver Art. - Die Sequenz redet also von einem Problem allgemeiner oder kollektiver Art und demonstriert zugleich in einem weiteren Bild, welche Bevölkerungsgruppe davon betroffen ist: Es handelt sich um weibliche Menschen, und es wird gesagt, dass sie von den Soldaten in «Gefangenschaft» gebracht werden. Die Sequenz redet demnach von einem Problem zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, nämlich zwischen Frauen und Männern und davon, dass die weibliche Gruppe von der männlichen Gruppe in eine Form von Gefangenschaft hineingebracht wird.

10.11.1962

Verwandlung

Ein Mann verwandelt sich in eine Frau, nachdem er tödlich verunglückt und danach wieder lebendig geworden ist, 222

10.11.1962

Verwandlung

Diese «Verwandlung» geht in umgekehrter Richtung als in Sequenz 6: Hier verwandelt sich ein Mann in eine Frau. Auffallend ist der Ausgangspunkt des Geschlechtswechsels: Dem Mann ist ein traumatisierendes Unglück widerfahren (tödlich verunglückt). Dies könnte auf der Objektebene besagen, dass das traditionelle Selbstverständnis als Mann durch ein schwerwiegendes Ereignis so tief erschüttert wurde, dass sich sein Weltbild umstürzend geändert habe. - Auf der Subjektebene könnte die Wiedererstehung des Mannes in Gestalt einer Frau ausdrücken, die Träumerin selber sei durch ein schwerwiegendes Ereignis verändert worden. Diese Metamorphose wäre unter der Bedingung progressiv, dass es sich um eine vorpatriarchale Weiblichkeit handelt, um ein ungespaltenes Menschsein, in dem Denken und Fühlen eine ursprüngliche Einheit bilden.

23.09.1964

Verwandlung

Die Frau, die tot aus dem Wasser gezogen wurde, verwandelt sich in einen behinderten Mann. Der Mann kriecht zur «Villa Maria» und ist glücklich, dass er wenigstens noch kriechen kann, 359

23.09.1964

Verwandlung

Sieben Jahre nach Traum Nr. 6 erfolgt hier eine Verwandlung einer Frau in einen Mann, diesmal nicht in aufgezwungener Weise, sondern wie schon in 222 aufgrund eines Unglücks, das hier allerdings zu einem versehrten Mannsein führt. - Die Sequenz scheint zu berichten, die Träumerin habe ihre Ansprüche bezüglich eines Daseins als ein vollgültiges weibliches Wesen aufgrund äusserer Umstände (Unglück) aufgeben müssen. Nunmehr sei sie auf ein versehrtes und «behindertes» Dasein reduziert. Und dass ihr, falls sie das patriarchale Frausein nicht erfülle, gewissermassen nur noch ein Dasein als «Mann mit einer Behinderung» übrig bleibe. - Dieser traurige Sachverhalt scheint der Träumerin mit aller Schärfe ins Bewusstsein gebracht zu werden.

11.01.1965

Verwandlung

Mäuse und Ratten verwandeln sich in Löwen und Tiger, 323

11.01.1965

Verwandlung

Die «Verwandlung» von Mäusen und Ratten in Löwen und Tiger redet von der Entwicklung kleiner und relativ harmloser Tiere in ziemlich grosse und gefährliche Tiere. Mäuse und Ratten sind für uns fast unsichtbar, weil sie sich im «Untergrund» des Erdinnern und im Hintergrund von Gebäuden aufhalten. Dagegen sind Löwen und Tiger in ihrer Grösse und Gefährlichkeit nicht zu übersehen, und auch mit ihrem gewaltigen Knurren machen sie auf sich aufmerksam. - Auf der Subjektebene scheint die Träumerin sich nicht mehr im Hintergrund aufhalten zu wollen, sondern sich und ihre Ansprüche unübersehbar darstellen zu wollen.

16.02.1965

Verwandlung

Das Opium meiner Nachbarin, das ich ins Wasser werfen oder begraben will, entwickelt sich zu einem Säugling, 338

16.02.1965

Verwandlung

Opium ist eine Droge, die einerseits in Zusammenhang mit «Höhenflügen» steht, aber auch mit Schlaf, Trägheit, Betäubung und Tod. Zudem gehört der Mohn aufgrund seiner zahlreichen Samen zu den Fruchtbarkeitssymbolen. Die Linie von Mohn und Opium, verstanden als Fruchtbarkeitssymbol, führt direkt zur weiblichen Produktivität (Säugling). - Die Träumerin scheint das «Opium» im Sinne eines Mittels zu emotionalen Höhenflügen nicht zulassen zu dürfen. Sie wird jedoch eines anderen und besseren belehrt: Die Sequenz verweist auf eine weibliche Kreativität im Bereich «SchreibenPapier».

10.03.1965

Verwandlung

Der schwarze Schäferhund, den ich durch Streicheln vom Beissen abgehalten habe, verwandelt sich in eine Bärin mit einem Jungen, 343

10.03.1965

Verwandlung

Bei dieser Verwandlung geschehen im Grunde mehrere Verwandlungen: Ein Tier verwandet sich in ein anderes Tier, ein Haustier in ein Wildtier, ein männliches in ein weibliches Tier, das weibliche Tier in ein Muttertier mit einem Jungen. Die Bärin unterscheidet sich vom Schäferhund durch grössere Kraft und Naturnähe. Kraft und Mut der Bären sind sprichwörtlich (bärenhafte Kraft und Mut). - Auf der Subjektebene scheint die Sequenz der Träumerin in einer schwierigen Situation mitzuteilen, es bleibe ihr als einzige Möglichkeit, tiefgreifenden Entwicklungen zuzustimmen, flexibler zu werden und neue Kräfte und Naturkräfte zu entwickeln. Sie solle sich zudem daran erinnern, dass ein «Muttertier» nur dann imstande sei, ihr «Kind» wirklich schützen und verteidigen zu können, wenn sie selber quasi «bärenstark» und mutig werde. Das «Kind» könnte auf der Subjektebene als das «Eigene» der Innenwelt und der Sachwelt verstanden werden.

08.10.1966

Verwandlung

Ein bissiger Hund verwandelt sich in einen normalen Hund, während ich ihn lange unter Wasser halte, um ihn zu töten, 427

08.10.1966

Verwandlung

Der «bissige Hund» symbolisiert eine aggressive Person. Diese Sequenz beschreibt, unter welchen Umständen sich ein «bissiger Hund» bzw. eine aggressive Person unter Umständen in eine «normale» verwandeln kann. Nicht indem solche Menschen ständig mit Streicheleinheiten vom Beissen abgehalten werden (wie in 343), sondern indem sie gestoppt werden, was hier übrigens mit einem rigorosen Mittel geschieht (unter Wasser halten). - Auf der Objektebene wäre zu fragen, für wen oder was der «bissige Hund» steht, worin konkret die Handlung besteht, und wodurch ein übertrieben «Bissiges» aufgelöst werden könnte. Auf der Subjektebene wäre es die Träumerin selber, die rigorose Mittel gegen sich anwendet, um ein «bissiges» Angriffsverhalten in den Griff zu bekommen. Die Frage ist allerdings, was unter «Normalität» zu verstehen sei bezüglich des Verhaltens einer Frau, das zu dieser Zeit (1966) sehr rasch als aggressiv bezeichnet und zur Ablehnung empfohlen wurde.

30.01.1970

Verwandlung

Eine weisshaarige Frau mit einem lieben Kindergesicht verwandelt sich in ein zirka 10j. Mädchen, das ich in mein Kinderheim aufnehme, 576

30.01.1970

Verwandlung

Hier geht es um die Verwandlung einer erwachsenen weiblichen Person in ein Kind. Daher interpretiere ich die Sequenz auf der Subjektebene im Sinne der psychologischen Aufforderung, wieder «ein Kind» zu werden. So gesehen redet die Sequenz von einem Prozess der seelischen Verjüngung und nicht von einer Regression. Diese Deutung wird gestützt durch den Umstand, dass die Träumerin den Prozess der Verwandlung nicht passiv erleidet, sondern imstande ist, das Kindgewordene in sich in die eigene «Obhut» zu nehmen und das «Kind» mütterlich zu begleiten.

10.08.1971

Verwandlung

Meine Boxerhündin verwandelt sich in ein 3-4-jähriges Kind. Ich merke, dass sich hinter dem Kind eine reifere Persönlichkeit verbirgt als ihrem Alter entspricht, 605

10.08.1971

Verwandlung

Hier geht es um die Verwandlung eines erwachsenen weiblichen Tieres in eine menschliche Person kindlichen Alters. So gesehen stellt sich die Frage, ob es gut sei, dass sich eine ausgewachsene Hündin in ein Menschenkind verwandelt. Aber aufgrund der Identität des Geschlechts von Frau und Hündin neige ich zur Ansicht, die Sequenz besage, die Fähigkeit der Hunde, «Geister» zu sehen und den «Spürsinn» zu haben, könne sich auch bei Menschen wieder entwickeln, sofern sie im Bereich der Sinne bereit seien, wieder «Kind» zu werden, und somit lernbereit und lernfähig.

05.11.1978

Verwandlung

Ein junger Psychiater verwandelt sich in eine Frau. Die Verwandlung ergab sich nach einer gelungenen kindertherapeutischen Zusammenarbeit mit mir, 729

05.11.1978

Verwandlung

Diese Sequenz handelt von einer gelungenen Zusammenarbeit mit einem Mann, der es verdient, geschätzt und geliebt zu werden. Dass sich dieser in ein weibliches Wesen verwandelt, könnte Ausdruck der damals aufkommenden Vorstellung sein, Männer müssten «weiblich» werden und auch «die Zukunft» sei «weiblich», ansonsten es keine Zukunft gebe. Diese Vorstellung halte ich für falsch, da Männer ein ebenso berechtigtes Bedürfnis haben, eine eigene Identität zu entwickeln. Eine solche männliche Identität könnte eine ebenso grosse Vielfalt in den Bereichen: Fühlen, Denken und Handeln beinhalten, wie die Identität von Frauen.

23.08.1985

Verwandlung

Ein schwer verletzter Hund verwandelt sich in ein Baby, nachdem ich ihn auf meine Arme genommen hatte wie ein Kind, 855

23.08.1985

Verwandlung

Die Verwandlung eines schwer verletzten Hundes, der in der Symbolik zu den «Seelentieren» gehört, in ein gesundes Baby, weist auf die Möglichkeit von Heilung seelischer Verletzungen, selbst wenn diese schwerwiegend sind: Die Frau soll das verletzte «Seelentier», die Psyche, so liebevoll wie ein Kind behandeln (in die Arme nehmen). Ein Kind soll von seinen Verletzungen erzählen können, wir sollen geduldig zuhören, auch wenn es anstrengend wird, die Details der Verletzung anzuhören - vielleicht sogar mehrmals. Allerdings besagt die Sequenz auch, dass es damit noch nicht getan ist. Denn schliesslich ist das Resultat erst ein «Baby», also ein Menschenwesen, das noch ziemlich lange auf unsere sorgfältige Pflege angewiesen ist, damit es sich zu einem erwachsenen Menschen entwickeln kann. - Ein progressiver Traum, der jedoch auch deutlich macht, dass Geduld und Ausdauer gefragt ist. Auch wenn eine schwere seelische Verletzung behoben ist, so bleibt dennoch eine Folgewirkung, ähnlich wie ein gesundes «Baby» noch ziemlich lange ein verletzliches Menschenkind bleibt.