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Symbolkategorie Menschen

25.05.1962

AlteMenschen

Eine alte Frau verkrallt sich immer mehr in mich, ich kann sie nicht abschütteln, ein einziges Mal gelingt es mir, etwas Wasser zu trinken, 186

25.05.1962

AlteMenschen

Die alte Frau wird hier als eine grosse Belastung für die junge Frau dargestellt, die ihr keine Zeit lässt, um ihre eigenen nötigsten Bedürfnisse zu stillen (Wasser trinken). Sie symbolisiert möglicherweise Altlasten, die aus traumatischen Erfahrungen stammen, die länger zurückliegen und Spuren hinterlassen haben und daher nicht so leicht abzuschütteln sind (Verinnerlichung).

11.11.1962

AlteMenschen

Eine gütige alte Mutter weiss nicht, dass ihr Sohn Knaben stiehlt, 223

11.11.1962

AlteMenschen

Die gütige alte Mutter steht für eine falsch verstandene Mütterlichkeit dem Sohn gegenüber. Diese blinde Haltung gegenüber Söhnen ist ein Resultat der patriarchalen Geschlechtsrollen. Die Sequenz weist auf die katastrophalen Folgen der mütterlichen Rolle hin, da sie Mütter blind macht für die Untaten von Söhnen oder anderer Männer. - Es könnte sein, dass die Sequenz der Träumerin vorwirft, sie verhalte sich einem nahe stehenden Mann gegenüber ebenso «gütig» und mütterlich blind, wie jene alte Mutter. - Die Chronik erwähnt Jungs Auffassung, die natürlichen (erotischen) Bedürfnisse leben zu dürfen, ohne Schuldgefühle haben zu müssen (Chronik 139).

17.07.1966

AlteMenschen

Eine kleine Eisenbahn mit alten verknöcherten Männern stürzt ab. Eine junge Witwe atmet erleichtert auf, 418

17.07.1966

AlteMenschen

Verknöcherte alte Männer stehen für unlebendige, langweilige, farblose Exemplare des männlichen Geschlechts. Auf der Objektebene stellen sie die verbreitete Unfähigkeit patriarchal geprägter Männer dar, sich wirklich auf Frauen zu beziehen, sich auf weibliches Denken und Fühlen einzulassen. - Die Sequenz könnte der Träumerin zu raten, ihre Freundschaft(en) zu überdenken und fragt, ob sie vielleicht besser beraten wäre und aufblühen würde, wenn sie «verwitwet» wäre, also ohne Freund oder «Ehemann».

29.07.1967

AlteMenschen

Ein sterbender alter Marschall belebt sich wieder und will nun das Haus umbauen. Ich habe Angst, er würde wieder Einfluss nehmen wollen, 471

29.07.1967

AlteMenschen

Sterbender alter Marschall: Auf der Subjektebene ist etwas am Ableben, Untergehen, Verschwinden, aber es will leben, sowie an diesem Leben etwas «umbauen», was positiv wäre. Die gilt auch für die Beziehungsebene. - Die Angst der Träumerin ruft zur Frage auf, ob ein an militärische Vorstellungen gewohnter «Marschall» wirklich bereit und fähig sei, innerhalb der Beziehung zu einer Frau etwas zu ändern. Darüber soll die Träumerin in einem Beziehungsverhältnis nachdenken.

24.01.1971

AlteMenschen

In einer alten B urgruine liegen mächtige weibliche Standbilder aus Stein am Boden, 592

24.01.1971

AlteMenschen

Alte Burgruine, alte weibliche Standbilder: Hinweis und Aufforderung, sich mit der Geschichte der Frauen im gesellschaftlichen Sinne näher zu befassen, 592

28.08.1982

AlteMenschen

Alte Frauen und Männer schleppen Maschinenteile, (809)

28.08.1982

AlteMenschen

Frauen und Männer schlagen sich noch immer mit einer in viele Teile aufgespalteten Welt herum. Diese Aussage enthält möglicherweise eine Kritik und eine Aufforderung an beide Geschlechter. - Die Sequenz könnte als eine Aufforderung verstanden werden, sich mit einer lebensnotwendigen und integrativen Tätigkeit zu beschäftigen, 809

10.01.1983

AlteMenschen

Auf meiner Wanderung ist die Rede von einem alten Schafhirten, der seine Tage mit seinen Schafen verbringt, abseits und unberührt von der Welt, 822

10.01.1983

AlteMenschen

Der alte Schafhirt steht für den Seelenhirten, somit für eine positive männliche Figur. Im Christentum ist Jesus der gute Hirt, der seine Schafe - gemeint die ihm anvertrauten Menschen - «hütet» und versorgt. Auf der Subjektebene hat die hütende Pflege des Seelischen mit Introversion, Meditation und Rückzug zu tun. Fern vom Trubel, in der «Klausur» ist es möglich, zu sich selbst zu kommen, das Kreative und Schöpferische zu pflegen, das heisst, ein Leben zu früheren, das der Seele, der Kreatur, dem Tier in uns, zuträglich ist. Klausur bedeutet hier auch die Akzeptanz eines schlichten Lebensstils abseits des Konsums, 822

14.06.1983

AlteMenschen

Im Alter von 51 Jahren hat meine Mutter Drillinge geboren. Es sind möglicherweise Mädchen, 828

14.06.1983

AlteMenschen

Die Altersangabe der Gebärenden (51 Jahre) weist auf die Relativität vom Jungsein und Altsein hin. Etwas Neues, Kreatives, Schöpferisches könne sich alleweil einstellen, auch bei einer über 50-jährigen Frau. Diese tröstende Aussage wird noch gesteigert durch das Bild der Drillingsgeburt. Die Weiblichkeit der «Kinder» könnte sich auf Inhalte oder Projekte in weiblichen Zusammenhängen beziehen. - Das Bild von der Drillingsgeburt könnte aber auch eine Warnung an die Träumerin enthalten: Sie solle sich nicht übernehmen mit zu vielen Aktivitäten, denn drei «Kinder» aufzuziehen wäre ja selbst für eine jüngere Frau kein Pappenstiel.

31.12.1987

AlteMenschen

Auf einem Herrschaftssitz altenglischen Stils, der einem wie alterslosen Onkel zu gehören scheint, verbringe ich Ferien, 914

31.12.1987

AlteMenschen

Der alterslose Onkel könnte auf eine historische Konstellation hinweisen. In matrilokalen Gesellschaften kamen dem Onkel gegenüber den Kindern seiner Schwester zahlreiche Aufgaben und Pflichten zu. Die Sequenz redet von einer positiven Möglichkeit für männliches Altern, der Onkel könne und solle an «lebensnotwendigen gesellschaftlichen» Aufgaben teilnehmen. Allerdings gehörten in matrilokalen Gesellschaften die Landgüter und Wohnhäuser den Frauen des Clans. - Möglicherweise haben wir hier einen Wunschtraum im Sinne von Sigmund Freud vor uns: Die Träumerin fände es schön, in einen Clan eingebunden zu sein, in dem auch männliche Menschen fürsorgliches Verhalten zeigen (dürfen), ohne sich unmännlich zu fühlen.

21.01.1991

AlteMenschen

Es steht die Beerdigung einer Person bevor, die ein hohes Alter erreicht hat, sie war «satt vom Leben», 930

21.01.1991

AlteMenschen

Alt in einem Doppelsinn: Einerseits ein erfülltes, gesättigtes Leben hinter sich, anderseits kann man es im resignierten Sinn «satt haben», zu leben oder leben zu müssen.

24.10.1962

ÄrztinArzt

Ein Zahnarzt setzt zum Zahnziehen an, ohne Untersuchung und ohne mich zu fragen, was los ist. So kann ich nicht mehr sagen, er solle nur plombieren, 215

24.10.1962

ÄrztinArzt

Grundsätzlich gehört der Zahnarzt zu den Heilberufen. Seine heilende Tätigkeit betrifft zwar einen sehr kleinen, aber in der Symbolik sehr wichtigen Körperteil: den Zahnbereich. Die Zähne, deren Funktion die Zerkleinerung der Nahrung ist, um sie verdaubar zu machen, stellen symbolisch die Fähigkeit oder das Interesse dar, einer Sache analytisch zerstückelnd auf den Grund zu gehen, sie zu untersuchen, verstehbar und assimilierbar (verdaubar) zu machen. In der Tiefenpsychologie können Zähne die Fähigkeit darstellen, sich aktiv zur Wehr zu setzen, aber auch eine angriffige bis zerstörerische Aggressionsbereitschaft ausdrücken. - Dass sich hier ein «Zahnarzt» bereit macht, Zähne auszuziehen, ohne sich um die medizinische Notwendigkeit zu kümmern, besagt, dass er sich nicht nach den Regeln ärztlicher Kunst verhält (er unterlässt eine vorherige Untersuchung). - Die Sequenz teilt der Träumerin mit, ein nicht näher bezeichneter «Arzt» sei an der Wiederherstellung ihrer analytischen und wehrhaften Fähigkeiten nicht interessiert. Er sei im Gegenteil dabei, vorhandene «Zähne» zu entfernen. - Über diese Mitteilung soll sich die Träumerin Gedanken machen.

21.12.1965

ÄrztinArzt

Eine angebliche Klinikärztin reicht einer schreienden Frau vergiftete Beruhigungstabletten, 374

21.12.1965

ÄrztinArzt

Diese Sequenz macht darauf aufmerksam, dass nicht alles, was sich als «ärztlich» ausgibt, auch das Heilen in einem umfassenderen Sinn im Auge hat. Auch weiblichen Ärztinnen darf nicht uneingeschränktes Vertrauen geschenkt werden, da die meisten nach denselben Kriterien arbeiten, wie männliche Ärzte. Kliniken sind Einrichtungen mit männerzentrierten Regeln, denen sich auch eine bewusste Ärztin zu dieser Zeit (1965) kaum widersetzen konnte. Frauen wurden in psychiatrischen Kliniken «ruhig» gestellt mit Medikamenten, anstatt nach den Ursachen gefragt zu werden, die einem Klinikaufenthalt zu Grunde lagen. Eine Hauptursache sei, wie die Psychoanalytikerin Roswitha Burgard feststellt, durch die patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft verursacht, speziell durch das Hausfrauensein. - Diese Sequenz könnte die Träumerin auf das Unstimmige in der Geschlechtertheorie aufmerksam machen, der sie in Psychotherapie und -lehre begegnet.

13.12.1966

ÄrztinArzt

Meine Schwester M. und weitere drei Menschen liegen wie gelähmt oder tot am Boden. Ein Arzt sagt, Spielen sei das beste Mittel gegen Verstopfung und Lähmung; sobald man damit aufhöre, beginne die Lähmung erneut, 440

13.12.1966

ÄrztinArzt

Dieser Arzt verkörpert eine ärztliche Tätigkeit, die sich von einem weisheitlichen Heilwissen nährt, indem die Ursache der Lähmung im Fehlen von «Ausdruck» erkannt wird. Es fehlt die Möglichkeit, sich «auszudrücken», sich zu artikulieren, «Eigenes» zur Darstellung zu bringen, um als eine Persönlichkeit, als ein «Gesamt» wahrgenommen zu werden. Die Heilung verlangt «Spielkugeln», also das Spielerische und Schöne einerseits und das seelische «Gesamt» anderseits (früher Ganzheit genannt), das durch die Kugeln aufscheint. Es geht nicht um irgendwelche banalen Spiele, um sich zu zerstreuen oder abzulenken. Vielmehr soll die Verbindung zu den seelischen Tiefenschichten wieder hergestellt werden, damit die «Gelähmten» inklusive die Träumerin wieder lebenszugewandt, interessiert und «lebendig» würden.

30.05.1967

ÄrztinArzt

Meine Schwester M. redet zu mir, wie wenn ich ihre Therapeutin wäre. Sie erzählt, ihr Mann sei aus einem Ereignis als ein 80-jähriger hervorgegangen, 465

30.05.1967

ÄrztinArzt

Hier wird ein schwesterliches Verhältnis als ein heilendes und aufbauendes Verhältnis dargestellt (therapeutisch). Subjektstufig handelt es sich um ein «schwesterlich» heilendes Verhalten der eigenen Psyche gegenüber.

02.07.1967

ÄrztinArzt

Jemand hat mich beim Zahnarzt angemeldet, obgleich ich keine Zahnschmerzen habe, 466

02.07.1967

ÄrztinArzt

Es liegen fünf Jahre zwischen dem Zahnarzttraum vom 215, in dem der Zahnarzt der Träumerin ungefragt Zähne ziehen will, und diesem Traum. Hier wird sie ungefragt bei einem solchen angemeldet, obgleich keine Ursache dafür besteht (keine Zahnschmerzen). Das heisst, mit den «Zähnen» ist alles in Ordnung: Abgrenzungs- und Widerstandsbereitschaft sowie Interesse an analytisch untersuchender Arbeit sind vorhanden. - Zahn bedeutet nach dem Herkunftslexikon eigentlich die oder der Kauende. Das Kauen wiederum symbolisiert das «Auflösen, Zergliedern, Untersuchen und Analysieren» einer Sache. - Diese Art des «Kauens» ist nach tiefenpsychologischer Ansicht (Freud, Jung) allerdings nicht Sache weiblicher Menschen. Einer Frau die Zähne ziehen zu wollen, bedeutet demnach Angriff auf intellektuelle und analytische Interessen und Fähigkeiten. - Die Traumsequenz scheint der Träumerin mitzuteilen, etwas oder jemand wolle ihr weismachen, mit ihrem «Zahnwerkzeug» sei etwas nicht in Ordnung. Ein Warntraum!

18.02.1979

ÄrztinArzt

Eine fremde Ärztin hört mir aufmerksam zu. Ich fühle mich in guten Händen, 738

18.02.1979

ÄrztinArzt

Hier tritt eine ärztliche Person auf, die ihrer ärztlichen Pflicht nachkommt, die, mehr noch, ihrer Profession zur Ehre gereicht. Hier besteht zwar auch eine Art von «Hierarchie» zwischen den zwei Frauen, aber diese ist durch die berufliche Qualifikation der Ärztin bedingt und nicht durch Machtanspruch oder Machtspiele. Mehr noch: Ohne diese berufliche Qualifizierung wäre es der Ärztin nicht möglich, sich der Träumerin gegenüber helfend und heilend zu betätigen. Die «fremde Ärztin» könnte auf der Objektebene auf helfende und heilende Inhalte hinweisen, die der Träumerin über die Aussenwelt vermittelt werden (auch durch Bücher). - Auf der Subjektebene könnte es sich um die «innere Ärztin» handeln, nämlich die grosse doppelgeschlechtliche Gottheit «Natur», die in allen Lebewesen wirkt und schafft, der wir letztlich die Erschaffung als auch die Heilung unserer Körper und Seelen verdanken. - Die Sequenz hat eine tröstliche Note: Die Träumerin könne und solle sich getrost dem inneren Wirken von Körper und Seele anvertrauen und zudem ihren Blick auf äussere «ärztliche» Hilfen im Frauenbereich richten.

20.06.1979

ÄrztinArzt

Meinem Bett gegenüber sitzt eine Ärztin, die mir aufmerksam zuhört. Sie wirkt aufgeschlossen, klug, verwurzelt, 746

20.06.1979

ÄrztinArzt

Zwischen der guten Ärztin von 738 und dieser ebenso guten Ärztin liegen lediglich vier Monate. Nebst der Aussage, dass die Ärztin «aufmerksam zuhört», kommt neu die Beschreibung der Ärztin als «verwurzelt» hinzu, was zur Frage führt, ob die Verwurzelung in der eigenen Psyche oder innerhalb der Welt zu verstehen sei. Die Ärztin dieser Sequenz scheint nicht wie die Psychiaterinnen von 376 und 600 in die männerdominierte Psychiatrie eingebunden, sie muss nicht patriarchale Vorstellungen vom «richtigen» Frausein an ihre Klientinnen herantragen. Zu dieser Zeit konnte sich die Ärztin bereits an Erfahrungen und Wissen der zweiten Frauenbewegung orientieren (Objektstufe!). Sie konnte teilhaben am neuen Selbstverständnis der Frauen und «Wurzeln» schlagen in Frauenprojekten und Frauengruppen. Dass die Ärztin am Wissen der Frauenbewegung teilhat, geht aus ihrer «Aufgeschlossenheit» hervor und ebenso aus ihrer «Klugheit», die zusammen eine interessierte und selbstbestimmte Persönlichkeit bezeichnen. Die intensive Aufmerksamkeit, mit der sie auf ihre Klientin eingeht, bedeutet zudem, dass sie keine Fünfminuten-Medizin und keine auf äusseren Daten beruhende Diagnostik betreibt (Blutdruck etc.). Vielmehr beachtet sie die Wahrnehmungen der Frau, die sich ihr anvertraut, und sie nimmt die Frau somit auch in ihrer Intelligenz und Persönlichkeit ernst. Ich zähle die Ärztin zum neuen Typus jener Heilerinnen, die sich zusätzlich zum Medizinstudium ein Frauenwissen aneignen und die ihren Klientinnen dazu verhelfen, Selbstbewusstsein und eine eigene Identität als Frau zu entwickeln. - Die Sequenz vermittelt der Träumerin, ebenso wie schon 738, eine sehr tröstliche Botschaft: Die aufmerksame Ärztin kann als eine positive innere Figur und als ein innerer Zustand aufgefasst werden oder als eine erfreuliche und prospektive äussere Situation - auch beides ist möglich.

19.12.1985

ÄrztinArzt

Für eine schwierige Geburt ist keine Ärztin in Sicht. Weil ich nicht wage, Hebamme zu spielen, muss die Frau die Geburt zurückhalten, 863

19.12.1985

ÄrztinArzt

Zwischen der «guten Ärztin» von 746, von der die Träumerin profitierte, und der hier fehlenden Ärztin liegen sechs Jahre. Hier zeigt sich übrigens, dass die Deutung der Ärztin von 746 auf der Objektstufe richtig ist. Denn hier erscheint die Träumerin als Geburtshelferin (Hebamme), die aber für die bevorstehende «schwierige Geburt» die Hilfe einer «guten Ärztin» benötigt. Aber eine solche ist in der neuen Situation nicht zur Stelle. Auch dieser Sequenz scheint eine objektstufige Bedeutung zuzukommen. Etwas Neues will «geboren», will in der Welt sichtbar gemacht werden. In einer solchen Situation wäre der «Hebamme» zu raten, ihre geburtshelferischen Fähigkeiten einzusetzen, denn dies wäre allemal besser, als ein «Kind», das geboren werden will, im Mutterleib zurückzuhalten. Die «Hebamme» ist vielleicht zu ängstlich oder zu perfektionistisch eingestellt, während die Traumsequenz klar darauf hinweist, dass eine besser ausgebildete Helferin nicht in Sicht ist, Handeln aber dringend angezeigt ist, weil Zuwarten sowohl das «Kind» als auch die Gebärende in Gefahr brächte. - Die Sequenz scheint der Träumerin zu raten, sie solle sich nicht durch Angst von einem lebenswichtigen «Ausdruck» abhalten lassen, auch wenn er den Voraussetzungen und Zielen nicht in allem genüge.

06.03.1995

ÄrztinArzt

Die Ärztin Ilse Sch. sagt, sie möchte aus dem Kloster austreten, aber sie habe keinen Beruf gelernt, 961

06.03.1995

ÄrztinArzt

Dass eine Ärztin im Kloster lebt, ist möglich, und dass sie daraus austreten möchte, ist verständlich. Weniger verständlich ist deren Erklärung, sie habe keinen Beruf erlernt. Hier ist zu fragen, warum diese Klosterfrau durch eine in Wirklichkeit ausgebildete Ärztin dargestellt wird (Dr. med.), die dann widersinnig behauptet, sie habe keinen Beruf erlernt? Es könnte sein, dass die Sequenz auf einen Widerspruch aufmerksam macht. Zwar habe die Klosterfrau-Ärztin durchaus Qualifikationen erworben, aber in jener Welt, zu der sie sich aufmachen will, hätten sie wenig bis gar keine Geltung (mehr). Oder sie habe im Verlauf der Jahre - da das Kloster eine extreme Schule der Introversion und Bescheidenheit ist - ihre «weltlichen» Qualifikationen schlicht eingebüsst oder vergessen? - Die Metapher «das Kloster verlassen» könnte auf der Subjektebene als Wunsch der Träumerin verstanden werden, eine introversive Situation zu verlassen, um in die Welt des Gesellschaftlichen und Öffentlichen, also in eine extraversive Situation, einzutreten, für die sie sich aber nicht genügend vorbereitet fühlt.

16.03.2003

ÄrztinArzt

Meine Schwester St. hat mir von einer unscheinbaren Ärztin erzählt, die über Dorf und Leute Bescheid wisse, das ich besuche. Die Ärztin sucht mich auf und sagt, sie könnte mir behilflich sein, 1005

16.03.2003

ÄrztinArzt

Hier ist sowohl von speziellen Kenntnissen als auch von der Art einer Ärztin die Rede. Die Metapher «Dorf und Leute», über die sie «Bescheid» weiss, könnte auf beide Deutungsebenen hinzuweisen: Das Dorf (Einzahl) deutet auf die Nahbeziehung zur Subjektebene, die «Leute» (Mehrzahl) auf die Objektebene. Dieser Ärztin wird sowohl eine tiefere Menschenkenntnis als auch eine grössere Ortskenntnis zugeschrieben, wenn auch in kleinräumlichen Verhältnissen (Dorf). Dies wiederum deutet auf Eigenschaften, die früher Dorfärzte und -ärztinnen auszeichneten. Der Hinweis auf die «Unscheinbarkeit» der Ärztin passt ganz in diesen dörflich bescheidenen Rahmen. Solche Menschen haben sich im Sinne von Alice Miller der «Echtheit der Gefühle» verschrieben oder auch im Sinne von Agnes Heller die «Gipfelpunkte der Gefühle» gewählt, nämlich Liebe, Zuneigung und Freundschaft. - Die Sequenz scheint die Träumerin an derlei Maximen und Lebensweisen erinnern zu wollen und ihr die Frage zu stellen, wie es sich bei ihr damit verhalte.

03.02.1962

EngelAdel

Ich soll im Passionsspiel die Rolle eines Engels spielen, 173

03.02.1962

EngelAdel

Die Metapher «Engel spielen» müssen steht hier für die Eigenschaften, engelsgleich lieb, gut, altruistisch und selbstlos sein zu müssen.

09.07.1964

EngelAdel

Eine adelige Dame soll bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Aber ich weiss, dass sie ermordet wurde, 280

09.07.1964

EngelAdel

Die «adelige Dame» könnte jenen seelischen «Adel» darstellen, der mit Güte, Hochherzigkeit, Gutmütigkeit, Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit einhergeht. Dass der Traum diese Form von «Adel» einer Frau unterstellt, die zudem «ermordet» wurde, könnte auf der Subjektebene besagen, dass die Träumerin zu dieser Zeit ein derart uneigennütziges Frauenbild klar ablehnt. Es könnte sein, dass mit dieser Ablehnung auch Schuldgefühle verbunden sind. Die Idee des (allzu) «guten Menschen» wurde «ermordet». - Diese Zusammenhänge soll die Träumerin bedenken und reflektieren.

18.01.1965

EngelAdel

Ich soll gegen die "Englische Krankheit", geimpft werden. Aber ich habe das Gefühl, der Arzt wolle mich erwürgen, 327

18.01.1965

EngelAdel

Diese Sequenz von der «englischen Krankheit» scheint sich direkt auf den Traum 280 zu beziehen, in dem eine «adelige Dame» ermordet wurde. Das Wort «Englisch», von dem hier die Rede ist, beinhaltet dasselbe wie das Wort «Engel» (oder Adel), das als eine «Krankheit» aufgefasst wird, gegen die die Träumerin immunisiert werden soll (impfen). Es wäre zu fragen, ob die Träumerin an einem Zuviel an Altruismus leide und daher eine gewisse Einschränkung für ihre Gesundheit gut sein könnte. Es wäre aber auch zu untersuchen, warum sich die Tiefenschichten der Träumerin gegen eine solche radikale Lösung (impfen) so vehement auflehnen (Gefühl, erwürgt zu werden). - Sicher ist, dass die Sequenz auf einen tiefen Konflikt aufmerksam macht, für den bislang keine Lösung gefunden werden konnte: nämlich den Konflikt zwischen Altruismus und eigenen Bedürfnissen.

03.03.1980

EngelAdel

In England sind Einfamilienhäuser wie kleine Kirchen. Diese Kirchen liegen weit verstreut, 770

03.03.1980

EngelAdel

Hier bildet das Wort «England» bzw. Engel-Land mit den Symbolen «Einfamilienhaus» und «Kirche» eine Einheit. Diese Einheit erinnert an die menschliche Frühzeit sowie an die frühe Christenheit, in denen das «Heilige» ihren Platz in den «Hauskirchen» fand.

31.12.1987

EngelAdel

Ich befinde mich auf einem Herrschaftssitz altenglischen Stils. Er gehört einem alterslosen Onkel oder meinem Familienklan, 914

31.12.1987

EngelAdel

Das Wort «altenglisch» hat im Zusammenhang mit alten Häusern einen guten Klang. Es klingt nach solider und ästhetischer Bauweise sowie nach grossen Gärten, die der Schönheit der «Natur» nachgebildet und zugleich kleine Kunstwerke sind. Sich an einem so schönen und grosszügigen Ort aufhalten zu können, wenn auch nur für kurze Zeit und erholungshalber, könnte besagen, dass hier von einem Privileg in verwandtschaftlichen Verhältnissen die Rede ist. Dabei könnte sich die «Verwandtschaft» durchaus auf das gesellschaftliche Umfeld beziehen, wobei der «alterslose Onkel» einen hilfreichen Typus Mann darstellt, der für Frauen und die Träumerin eine «Erholung» bedeutet. - Der Kontext berichtet von einem «Requiem» des iff-forums zur Erinnerung an die Hexenverfolgung, an dem auch einige Männer teilnehmen (Chronik 614).

05.07.1959

GrossMutter

Nach dem Besuch bei Grossmutter muss sich mein zweijähriger Sohn übergeben, 42

05.07.1959

GrossMutter

Die Kontaktierung der «Grossen Mutter» führt in dieser Sequenz zu «Erbrechen», das heisst zu einer Form des «Ausdrucks», die mehrdeutig ist. Erbrechen (auskotzen) kann zu Erleichterung führen oder auch Ausdruck einer Überforderung sein. Schliesslich kann das Erbrechen auch schlicht aus Ekel über einverleibte unverdauliche Dinge erfolgen (Essen).

05.02.1960

GrossMutter

Eine Frau und ihre männlichen Komplizen wollen mich zwingen, die Grossmutter zu töten, um an ihre Erbschaft heranzukommen, aber ich weigere mich. Zwei Frauen stellen sich nun auf meine Seite, 123

05.02.1960

GrossMutter

Die Sequenz scheint die Träumerin, die noch immer eine Jungsche Psychotherapie besucht, zu belehren, dass die Jungsche Lehre von der «Grossen Mutter» auf eine Enteignung und gleichzeitig auf eine Vereinnahmung ihrer grossen «Erbschaft» hinausläuft, die aus der matrizentrierten Frühzeit stammt. Zudem erhält die Träumerin das Versprechen, sie werde von weiblicher Seite Hilfe bekommen, sofern sie unerschrocken am «Erbe» der «Grossmutter» festhalte (zwei Frauen stellen sich auf ihre Seite, nachdem sie sich dem Ansinnen der Männer widersetzt hat). - Zu dieser Zeit (1960) wussten Frauen allerdings nur wenig davon, was dieses «Erbe» konkret beinhalten könnte. Umso bedeutsamer ist der Hinweis auf eine solche Erbschaft. Die «Grosse Mutter» ist nicht identisch mit der patriarchalen Weiblichkeit. Verstanden als Mutter-Erde ist sie nicht nur die unerschöpflich und geistlos «Gebende», sie setzt nämlich klare Ordnungen und Grenzen. Die Überschreitung der von ihr gesetzten Grenzen rächt sich unweigerlich, wie wir heute sehen.

19.09.1966

GrossMutter

Ein 10-jähriger Knabe ist bei seiner Grossmutter aufgewachsen. Er soll hingerichtet werden wegen gewöhnlichen Bubenstreichen, 421

19.09.1966

GrossMutter

Bei einer «Grossmutter» aufzuwachsen gilt in der Psychologie als gravierender Nachteil, insbesondere für ein männliches Kind. Dahinter steht die Vorstellung, Grossmütter würden in jedem Fall eine verwöhnende, sentimentale und schwächliche Erziehung bevorzugen. Eine solche wäre natürlich ausserstande, einen Knaben in die traditionelle Männlichkeit einzuführen. Als «Grosse Mutter» dagegen vermöchte sie das Kind gewähren zu lassen und Grenzen zu setzen, wo es nötig ist. Sicher würde sie ihm ein anderes Männerbild vermitteln als das, welches die psychologischen Lehren zu dieser Zeit (1966) vermittelten. - Auf der Subjektebene könnte es sein, dass die Träumerin einerseits von sich selber verlangt, eine mustergültige (grosse) Mutter zu sein, anderseits durch gewisse «bubenhafte» Aspekte in ihrer Psyche in eine Zwickmühle gerät und sich von diesen daher radikal trennen möchte (hinrichten).

20.03.1984

GrossMutter

Drei 16-17-jährige Jünglinge sitzen mit ihrer Grossmutter am Tisch. Es heisst, sie würden nicht existieren, wenn die Grossmutter nicht wieder erwacht wäre, 836

20.03.1984

GrossMutter

Das Erwachen der «Grossmutter» besagt, dass die «Grosse Mutter» in der Psyche der Träumerin erwacht ist, bzw. dass sie den Zugang zu diesem mächtigen Symbol der matrizentrischen Frühzeit gefunden hat (siehe «Allgemeines zu GrossMutter»). Die Sequenz sagt weiter, dass drei Jünglinge ihre Existenz diesem «Erwachen» verdanken. - Die drei Jünglinge, verstanden als Ergebnis eines geistig/seelischen Erwachens und als Gestaltung von Erkenntnissen könnte auf eine «Produktion» auf der Objektebene hinweisen und zufolge der Anzahl der Jünglinge (drei) möglicherweise auch auf eine speziell intensive Produktion.

22.03.1984

GrossMutter

Grossmutter lächelt ermunternd und ermutigend zu meiner Schreibarbeit sowie über mein Tagebuch, 837

22.03.1984

GrossMutter

Diese lächelnde und aufmunternde «Grossmutter» gehört im Sinne der Psychoanalytikerin Melanie Klein zu den «guten inneren Objekten», die zum Beispiel während einer gut verlaufenden Psychotherapie in der Psyche entstehen oder in einer günstigen äusseren Situation. Gemeint sind verinnerlichte Liebesobjekte, Leitbilder und andere positive Figuren, die das Selbstbewusstsein stärken und die seelische Entwicklung insgesamt fördern. Solche «guten Objekte» können auch innerhalb gesellschaftlicher Bezüge entstehen. Auf der Objektebene hat zum Beispiel die «zweite Frauenbewegung» zur Stärkung des weiblichen Selbstbewusstseins beigetragen. Die feministische Wissenschaft hat neue Frauenbilder aus der Geschichte und Frühgeschichte ausgegraben und auch neue Bilder von «Weiblichkeit» hervorgebracht. Auch die «Grossmutter» in dieser Sequenz könnte als eine solche positive Leitfigur aufgefasst werden, denn sie bestätigt die Schreibtätigkeit der Träumerin (sie lächelt ermunternd und ermutigend).

27.01.1985

GrossMutter

Ich gratuliere einer bekannten und bedeutenden Greisin und danke ihr für ihr Leben und Werk, 848

27.01.1985

GrossMutter

Die «Greisin» symbolisiert die «Grosse Mutter» oder die «Weise Alte», die zu dieser Zeit von den Frauen wieder entdeckt und wertgeschätzt wurde. - Die Träumerin scheint mit wertvollen «alten» Inhalten und Frauen in Kontakt gekommen zu sein, durch die sie eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls und Lebensgefühls erfährt, weshalb sie von Dankbarkeit erfüllt ist.

23.08.1987

GrossMutter

Es ist, wie wenn meine tote Grossmutter hier gewesen wäre, und ich ängstige mich vor der wie medial aufgeladenen Atmosphäre, 899

23.08.1987

GrossMutter

Das Wiedererwachen der «Grossmutter» könnte auch hier auf einen neuen Zugang zu den «Bildern» der «Grossen Mutter» verweisen. Dieser Zugang ist zu dieser Zeit (1987) durch die Forschungsergebnisse der feministischen Geschichtswissenschaft möglich geworden. - Es scheint bei der Träumerin aber auch eine gewisse Angst vorhanden zu sein, mit Inhalten konfrontiert zu werden, die für unser westliches Denken schwer zu verstehen sind (Mediales, Magisches aus der menschlichen Frühzeit).

09.12.1958

KindKinder

Die Kinder, die in Gefangenschaft sind, haben von Leid gezeichnete Gesichtszüge, 10

09.12.1958

KindKinder

Kleine Kinder in Gefangenschaft zu sehen, ist eine besonders erschütternde Vorstellung. Im Unterschied zu Erwachsenen haben sie dem Schicksal noch nichts Eigenes entgegen zu setzen. - Die Sequenz besagt, dass eine kaum begonnene geistig seelische Entwicklung durch äussere Einwirkung unterbrochen und abgebrochen wurde.

06.05.1980

KindKinder

Auf dem Schreibtisch liegt ein mir anvertrautes uneheliches Kind. Ich lasse es einen Moment allein und erschrecke, denn es hätte hinunter fallen können, 772

06.05.1980

KindKinder

Das «Kind» auf dem Schreibtisch symbolisiert ein geistiges «Kind», das mittels Schreiben entstanden ist. Den Hinweis, dass es leicht hätte «hinunterfallen» können, verstehe ich als Aufforderung, mit den eigenen schriftlichen Erzeugnissen sorgfältiger umzugehen.

12.06.1982

KindKinder

Von den über 20 Kindern, die eine Frau mit meinem Bruder K. zu haben scheint, leben vermutlich die meisten in Kinderheimen, 804

12.06.1982

KindKinder

Von der Symbolik her verstehe ich das Kinderheim, in dem die vielen «Kinder» leben, als Ort, an dem das «Kindsein», das «Kind in uns», das «schöpferische» oder «heil» gebliebene Kind in uns, wachsen und gedeihen kann. Das Kinderheim verstehe ich zudem als eine von Frauen geschaffene Stätte oder Institution, in dem sie ihre Vorstellungen von «Heim» und Heimat verwirklichen und in Tat umsetzen können.

16.07.1984

KindKinder

Ich höre Kinderweinen hinter den geschlossenen Glastüren eines Hochhauses, das von Erdmassen zugedeckt ist, 841

16.07.1984

KindKinder

Die Kinder, verstanden als Symbol für Interessen und Themen, sind zufolge von äusseren Umständen in Bedrängnis geraten (Hochhaus unter Erdmassen begraben). Ihr Weinen ist ein Hilferuf an die Träumerin, sich der Bedürfnisse dieser bedrängten «Kinder» und Interessen anzunehmen.

10.01.1986

KindKinder

Ein zirka halbjähriges Kind trägt wie eine Hundeleine um den Hals und droht zu ersticken, weil sich die Leine mehrmals um den Hals geschlungen hat. Ich löse die Leine, 867

10.01.1986

KindKinder

Eine Hundeleine am Hals eines halbjährigen Kindes ist eine traurige Vorstellung, die auch Zorn auslöst: Wer oder was hat dies getan oder steckt hinter dieser Untat, die in kurzer Zeit zum Erstickungstod führen würde? Oder wäre es denkbar, dass sich die «Leine» von selber und unabsichtlich um den Hals des Kindes geschlungen hat? Kinder dieses Alters sind ständig in Bewegung ohne auf Gefahren zu achten. - So gesehen könnte das «Kind» ein im Wachstumsstadium befindliches «Produkt» oder Projekt auf der Objektebene darstellen, das Gefahr läuft, durch unerwartete Entwicklungen und Verwicklungen zu stagnieren oder gar beendet zu werden (sterben). - Die Sequenz enthält eine Warnung und zugleich eine Aufforderung: Die Träumerin soll das «Kind» lösen von der «Hundeleine», die für einengende Vorschriften steht, damit es zu Atem kommen und sich weiter entwickeln kann.

27.08.1988

KindKinder

Das zirka 2-jährige Kind, das ich fürs Begräbnis anziehe, gibt plötzlich Zeichen von Leben von sich, 918

27.08.1988

KindKinder

Das vermeintlich gestorbene oder tote «Kind», verstanden als eine kreative Tätigkeit oder Unternehmung, die verloren geglaubt und aufgegeben wurde, erwacht zum Leben, nachdem es liebevoll behandelt wurde. Die liebevolle Behandlung besteht im Bekleiden des «Kindes». Das Bekleiden besagt im übertragenen Sinne, dass die Bedeutung der Unternehmung, die Identität der Unternehmung erst richtig erkannt wird, als sie aufgegeben und «begraben» werden sollte. - Die Träumerin wird belehrt, es sei nicht gut, eine Sache, die ihr wichtig ist, zu rasch als verloren aufzugeben. Sie solle vielmehr nach Möglichkeiten suchen, die Sache unter einem neuen Blickwinkel nochmals zu versuchen.

06.11.1988

KindKinder

Ein Baby ist so winzig klein, dass es ganz nahe am Körper getragen muss. Fast wäre es in meine Hose abgerutscht, 925

06.11.1988

KindKinder

Dieses winzige Baby könnte mit der zu dieser Zeit organisierten Tagung für feministische Psychotherapie zu tun haben, die sehr viel Sorgfalt erforderte, damit die Sache nicht scheitert, nicht «in die Hose» geht.

03.10.1959

Mädchen

Es dünkt mich, die verschlossenen, seelisch wie tot wirkenden Mädchen, denen ich begegne, seien zu früh in einen Fabrikationsprozess eingespannt worden, 84

03.10.1959

Mädchen

Die Verschlossenheit der Mädchen geht so weit, dass der Verdacht, sie seien seelisch abgestorben. Es könnte also von den Folgen eines Traumas die Rede sein, das in Zusammenhang mit einer verfrühten Eingliederung ins Erwerbsleben steht. Es könnte aber auch sein, dass für die Träumerin aktuell die Gefahr besteht, in eine Situation von Ausbeutung zu geraten.

19.11.1959

Mädchen

Zwölfjähriges Mädchen erlaubt sich am «Kindertag» arge Scherze mit mir, 104

19.11.1959

Mädchen

Der explizite Nennung des Alters eines Kindes verweist auf die Bedeutung der Entwicklungsphase, in der es gerade steht. Ein 12-jähriges Mädchen steht am Beginn der Pubertät, das heisst am Beginn einer Phase, in der Bedürfnisse nach Eigenwelt, Abgrenzung gegen Eltern und Familie mit entsprechender Rebellion zunehmend wichtiger werden. In der Traumsequenz kommt diese Rebellion jedoch nur in den engen und somit erlaubten Grenzen eines «Kindertages» zum Ausdruck. Auf der Subjektebene, bei der das Mädchen als ein Aspekt der Träumerin aufgefasst wird, wäre zu fragen, ob die Träumerin selber ihren rebellischen Seite zu enge Grenzen setzt, sich selbst also unter Druck setzt. Auf der Objektebene wäre die äussere Situation auf unterdrückende Faktoren zu untersuchen (privat, gesellschaftlich, die laufende Psychotherapie).

26.04.1961

Mädchen

Eine unverheiratete Frau lässt ihr 2-jähriges Mädchen in einem Heustadel aufwachsen. Dies, weil das Kind von seinem Vater nicht anerkannt werde, 149

26.04.1961

Mädchen

Für das Mädchen, das im Heustadel aufwächst, bedeutet dies einerseits, naturnah aufzuwachsen, allerdings in einer Weise, die Tieren vorbehalten ist. So wird das Mädchen auf «Natur» reduziert. Als weibliches Wesen auf «Natur» reduziert zu werden, bedeutet letztlich, auf ein Gattungswesen reduziert zu werden, das keinen Platz für ihr eigenes Denken und Fühlen bietet. Das weibliche «Kind» steht für das Selbstverständnis der Träumerin, für den Wert des «Kindes» einer Frau, sei dies als «inneres Kind» oder als kreative geistige Produktion zu verstehen. Trotz männlicher Nichtanerkennung will sie ihr «Kind» aufziehen, wenn auch im Geheimen. Das Kind symbolisiert im Sinne der Philosophin Agnes Heller auch das «Subjekt», das sie als «die Welt» definiert, wie wir sie sehen, also unser «Weltbild». - In dieser Sequenz geht es um das «Weltbild» einer Frau, das neu im Entstehen begriffen ist und zufolge befürchteter Nichtanerkennung schon im frühesten Stadium Gefahr lief, unterdrückt zu werden. Die Sequenz scheint der Träumerin Mut machen zu wollen, zu ihrem eigenen «Kind» zu stehen und auch Mut zur «Treue zu sich selbst».

05.01.1962

Mädchen

Ich höre ein kleines Mädchen aus einem Schrank schreien und weiss, dass ein ehemaliger Freund sich an dem Kind sexuell vergriffen hat. Ich nehme das weinende Kind in meine Arme, 168

05.01.1962

Mädchen

Hier stellt sich ganz allgemein die Frage, wie Hinweise aus Träumen auf sexuelle Übergriffe zu deuten seien. Auf der einen Seite ist es sehr wohl möglich, dass der Traum auf reale frühere Vorkommnisse aufmerksam macht, dass zum Beispiel ein Bedürfnis vorhanden sein könnte, sich mit diesen Vorkommnissen (nochmals) zu beschäftigen. Auf der anderen Seite ist es ebenso möglich, dass das Traumbild eine Metapher für ein aktuelles psychisches Geschehen darstellt, bei dem sich das «kleine Mädchen» in der Frau im psychischen Sinne «vergewaltigt» fühlt Dass die Sequenz anonymisierend auf einen «früheren Freund» als Täter verweist, könnte auf eine Erfahrung hinweisen, dass psychische «Vergewaltigung» nicht eine einmalige Erscheinung von «Freunden» darstellt. Prospektiv ist, dass die Träumerin diesen Vorgang wahrnimmt und dem «Kind» und seinen Verletzungen die nötige Pflege angedeihen lässt.

30.10.1963

Mädchen

Ein kleines Mädchen liegt verlassen in seinem Bettchen, weil in der neuen Wohnung seiner Mutter noch kein Platz vorhanden sei, 250

30.10.1963

Mädchen

Diesem kleinen Mädchen steht eine unmittelbare totale Verlassenheit bevor. Schon wenige Tage völliger Vernachlässigung würden eine Traumatisierung hinterlassen und nach wenigen Monaten würde das Kind sterben. Es handelt sich zweifelsohne um einen Warntraum. - Auf der Subjektebene verstanden ruft die Sequenz die Träumerin auf, nicht einfach zu warten, bis sich in ihrem Lebensbereich einen Platz ergibt für das kleine «Kind», das für wertvolles «Neues» steht, sondern sich zu überlegen, ob es Möglichkeiten gibt, das «Mädchen» andernorts unterzubringen, bis sich ihre momentanen Probleme gelöst haben.

27.02.1964

Mädchen

Ein 4-5-jähriges Mädchen verunglückt mit ihrem zusammengehängten Schlitten. Das Mädchen arbeitet sich aber selber zum Weg hinauf, 271

27.02.1964

Mädchen

Auf der Subjektebene deute ich den Hinweis auf die zusammengehängten und verunglückten Schlitten auf ein «verunglücktes» Beziehungsverhältnis. Dass das Mädchen sich selber zu einem «Weg» hinaufgearbeitet hat, könnte heissen, dass Kräfte vorhanden sind, um einen Weg aus dem Unglück zu finden.

06.12.1964

Mädchen

Ich habe ein Mädchen geboren, 306

06.12.1964

Mädchen

Explizit ein Mädchen zu gebären deute ich als Ausdruck eines neuen Bewusstseins als weibliches Wesen. Dabei ist noch nichts Bestimmtes darüber ausgesagt, wie dieses Bewusstsein beschaffen ist, ob es bedeutet, die Träumerin sei dabei, sich der Weiblichkeitsrolle zu fügen, oder ob es bedeutet, sie sei daran, sich ihres «Eigenen» als eigenständiges weibliches Wesen bewusst zu werden und auf diesem «Eigenen» zu beharren. Ich neige zur zweiten Interpretation: Die «Geburt» des weiblichen Kindes bedeutet die Geburt eines Selbstwertgefühls aus weiblicher Kraft. - Die vorliegende Sequenz erfolgt wie folgerichtig nach Nr. 271, in der ein verunglücktes Mädchen sich aus eigener Kraft aus ihrer misslichen Lage herausarbeitet und zu ihrem «Weg» findet.

17.01.1965

Mädchen

Die Gesichtszüge eines kränklichen Mädchens werden klar. Es heisst, der "Adel ihrer Ahnen" werde darin sichtbar, 226

17.01.1965

Mädchen

In einem zuvor «kränklichen Mädchen» den «Adel ihrer Ahnen» und «klare Gesichtszüge» hervortreten zu sehen, könnte Ausdruck der Entdeckung von neuen und attraktiveren Vorbildern für weibliche Identität sein. Diese Deutung drängt sich auf, weil sich die Veränderung in den «Gesichtszügen» zeigt, die «klar» werden, wenn auch nur langsam. «Klar» werden bedeutet, dass langsam klar wird, was eigentlich abläuft, und dies aufgrund von Vorbildern, die bei den «Ahnen», bei früheren Generationen, gefunden wurden, vielleicht aufgrund von Lektüre. Dass das Mädchen zuvor «kränklich» war, verstehe ich als Folge von «kränkenden» und krankmachenden Frauenbildern, die zu dieser Zeit (1965) im sexistischen Umfeld und ebenso sexistischen tiefenpsychologischen Theorien aufgefunden wurden. Die Idee vom «Adel der Ahnen» oder der «Ahninnen», könnte auch als wieder gewonnenes Gespür aufgefasst werden, dass das sogenannte «Männliche» zum «Eigenen» der Frauen gehörte, bevor es als ein Männliches definiert und so der Frau gestohlen wurde (Definitionsmacht). Frauen durften in der Kirche früher nicht laut mitsingen, nicht laut beten, mussten sich in Demut üben und dienstbar sein, um Evas vermeintliche Sünde zu büssen. Zu meiner Zeit waren Mädchen vom Schulturnen ausgeschlossen: Es hiess, Turnen erschwere später die Schwangerschaft und das Gebären. Mädchen sollten nicht pfeifen, nicht klettern, nicht Skifahren und mussten ein «Korsett tragen», sobald erste Anzeichen einer Busenbildung sichtbar wurden und sollten dienende Berufe wählen.

11.02.1965

Mädchen

Ich rette ein 2-3-jähriges Mädchen und ein grösseres Mädchen aus einem Sumpfgebiet, in dem sie zu versinken drohen, 337

11.02.1965

Mädchen

Das Mädchen im Sumpfgebiet symbolisiert eine gefährliche Situation, in der es ohne äussere Hilfe rettungslos verloren wäre. Auf der Subjektebene sind die Mädchen und die Träumerin identisch. Aber sie symbolisieren unterschiedliche Aspekte der Psyche, so dass die eine Seite einer anderen Seite zu Hilfe eilen kann. Das Sumpfgebiet steht vermutlich für diskriminierende Vorgaben übers Frausein. Dies, weil es schon im Traumes 326, der wenige Wochen zurückliegt, um kränkende Frauenbilder ging, aber auch um die Möglichkeit der Überwindung solcher Bilder. Es war vom «Adel ihrer Ahnen» die Rede, also von einer starken und hochwertigen weiblichen Identität (edel), die fähig wäre, aus dem «Sumpf» kränkender und erstickender Zuschreibungen heraus zu kommen.

20.01.1973

Mädchen

Ein kleines Mädchen fliegt mit mir und anderen zusammen einem tiefen Tobel entlang zum Hochgebirge, 624

20.01.1973

Mädchen

Dieses «kleine Mädchen» beteiligt sich am «Höhenflug» der Träumerin, obgleich dies keineswegs ungefährlich ist (an tiefem Tobel entlang fliegen). Ich deute dies so, dass die Träumerin «weibliche Identität» anders versteht als die Tiefenpsychologie. Nicht als «Gegensatz» zum angeblich «geistig Männlichen», sondern als ursprüngliches weibliches Bedürfnis nach «Höhenflügen» und «Hochgebirge», die geistige Interessen, Intellektualität, Anspruch auf Wissen und Überblick symbolisieren. Die Teilnahme des kleinen Mädchens an diesen Interessen weist auf die Ursprünglichkeit und Urtümlichkeit eines solchen weiblichen geistigen Interesses hin.

19.07.1975

Mädchen

Ein grösseres Mädchen zeigt beim Turnen und Kunstturnen für ihr Alter eine hohe Stufe des Könnens, 679

19.07.1975

Mädchen

Das «grössere Mädchen», das hier ein «hohes Können» vorführt, vermochte diese Stufe vermutlich nur durch ständiges Üben zu erreichen, also nicht anders als dies bei einem Knaben der Fall wäre. Die Sequenz scheint hervorheben zu wollen, dass auch ein Mädchen in der Lage sei, in einem Bereich, der traditionell zum Männlichen gehöre, Könnerschaft zu entwickeln (Turnen). Im Unterschied dazu beschreibt ein «hohes Können» bei weiblichen Menschen in der Regel die «Sozialkompetenz», die häufig schon im Kindes- und Schulalter zu beobachten ist. Sie spüren, dass ohne eine solche Kompetenz für sie keine soziale Anerkennung zu erlangen ist.

07.08.1976

Mädchen

Ein siebenjähriges Mädchen weigert sich, weiterhin den Religionsunterricht zu besuchen. Ich sage den Eltern, es zu zwingen wäre tödlich für das Kind, 691

07.08.1976

Mädchen

Die Verweigerung des Religionsunterrichts in Verbindung mit dem Hinweis, Zwang wäre tödlich, bedeutet, dass es nicht um eine blosse kindliche Laune geht. Es handelt vielmehr um eine tief verstörende Situation und ein kaum lösbares Dilemma. Der verstörende Unterricht betrifft vermutlich eine traditionelle Unterweisung, in der das noch unverbildete Mädchen die potentiell frauenunterdrückenden Inhalte erspürt und wahrnimmt inklusive deren Anspruch auf unwidersprochenen «Glauben». Das Dilemma besteht darin, dass der Weg, der zu gesellschaftlicher und beruflicher Anerkennung führt, nur über einen solchen, von Männern geprägten und dominierten «Unterricht» möglich scheint. - So gesehen steht die Verweigerung des «Religionsunterrichts» auf der Subjektebene für einen vehementen Protest der seelischen Tiefenschichten, wobei die Träumerin aufgerufen ist, das Dramatische oder Lebensgefährliche der Situation zu erkennen. So vehement mit Verweigerung protestieren zu können, bedeutet aber auch, dass Kräfte vorhanden sind, um dem Dilemma Ausdruck zu geben und daraus heraus zu finden. - Hier wäre nachzufragen, wer oder was genau das geistig/seelische Leben und Weiterleben der Träumerin behindert und gefährdet.

29.11.1979

Mädchen

Ich habe ein Mädchen geboren und kurz zuvor einen Knaben, den ich selber aufziehen will. Beide Kinder sind ausserehelich geboren, 762

29.11.1979

Mädchen

Hier fällt erstens auf, dass Kinder beiderlei Geschlechts geboren wurden, zweitens, dass die Geburt des Mädchens an zweiter Stelle erfolgte und drittens, dass beide ausserehelich geboren wurden. - Da Kinder, im allgemeinen und auf der Subjektebene, unabhängig von ihrem Geschlecht, für schöpferisch schaffende Aspekte stehen, könnten zwei Kinder eine besonders intensive Phase des Schaffens darstellen. Warum aber besteht der Traum auf der Geburt von Kindern zweierlei Geschlechts und stellt auch noch eine Reihenfolge der Geburten auf? Soll die Träumerin darauf aufmerksam gemacht werden, dass nach wie vor ein Ungleichgewicht besteht bezüglich der Wertschätzung von Mädchen und Knaben, ob nun diese Unterschiede von der Aussenwelt betont oder von ihr selber internalisiert sind? Allerdings fällt auf, dass sich die Kinder aufgrund von Unehelichkeit in ihrer Rangordnung nicht unterscheiden, weil beide im gesellschaftlichen Umfeld auf eine untergeordnete Stellung verwiesen sind. - Es kommt mir vor, als beschreibe das Traumbild einen komplexen Sachverhalt und ein komplexes Problem bezüglich der Identität von Mädchen und Knaben und erst recht bezüglich der Identität stiftenden Bedeutung der Mutterschaft, die beide Geschlechter hervorbringt. Dies könnte nahelegen, sich als «Mutter» beider Geschlechter in der eigenen Psyche zu verstehen und beide in gleicherweise zu fördern. - Im Feld «Mythologie» ist ein Text eingefügt, der die aktuelle Situation der Geschlechter (2004) darstellt.

01.11.1988

Mädchen

Ein neugeborenes dunkelhäutiges Mädchen lächelt mich an, 922

01.11.1988

Mädchen

«Dunkelhäutig» und «neugeboren» sind die Eigenschaften dieses Mädchens, das zudem «lächelt». Die lächelnde Dunkelhäutigkeit symbolisiert das Weibliche in seinen freundlichen, nährenden und wärmenden Aspekten. Die Sequenz redet von einer seelischen «Neugeburt» im Bereich des «Weiblichen». - Zu dieser Zeit (1988) fand die erste Arbeitstagung für feministisch reflektierte Psychotherapie statt, organisiert vom iff-forum und der Träumerin.

06.05.1959

MutterMütter

Meine Mutter erwacht, nachdem ich selber aus meiner Verwirrung erwacht bin, als der Mond aufging, 27

06.05.1959

MutterMütter

Das «Erwachen der Mutter» erfolgt hier nach dem Erwachen der Tochter. Diese Reihenfolge steht für die Erfahrung, dass der Prozess der Selbsterkenntnis jeder anderen Erkenntnis vorausgeht (eine Reihenfolge, die auch die Heilige Katharina von Siena aufgestellt hat). Erst dann kann die «Mutter», die hier für die älteren und tieferen Schichten der Psyche steht, erwachen. Auf der Subjektebene verstehe ich diese erwachende Mutter als Ausdruck des Erwachens der «Grossen Mutter» in der Psyche der Träumerin, als Wiedererwachen der Tiefenschichten, als neu gefundenen Zugang zum eigenen Denken und Fühlen. - Die Sequenz redet von einer geistig seelischen Verwirrung, die sich mittels geistiger Erhellung und Reflexion auflösen lässt.

17.08.1959

MutterMütter

Mutter schreit verzweifelt, zerrt sich an den Haaren und tobt. Ich denke, sie habe sich zuvor vielleicht zu sehr als ein Engelwesen gefühlt, 71

17.08.1959

MutterMütter

Diese verzweifelt schreiende und tobende Mutter ist für mich ein ungewohntes und unbehagliches Bild. - Die Sequenz könnte die Träumerin warnen, sich im Stile früherer Mütter als «Engelwesen» zu betätigen oder zu glauben, sie müsste sich auf diese Weise mütterlich verhalten. Vermutlich sind bei ihr selber bereits Anzeichen von Verzweiflung vorhanden, aber das Toben zeigt auch, dass Vitalkraft und Abwehrkräfte vorhanden sind und dass damit ein anderes, revidiertes Mutterbild entstehen kann.

26.09.1959

MutterMütter

Meine Mutter setzt sich in die «Wolke», die mich wie eine Aura umgibt, und hindert mich am Fliegen, 82

26.09.1959

MutterMütter

Diese Mutterfigur, die ihre Tochter am Fliegen hindert, könnte auf der Objektebene auf gesellschaftliche Vorstellungen von Mutterschaft hinweisen, die der Tochtergeneration ein unbelastetes «Fliegen» nicht erlauben. Die feministische Bewegung hat später zudem deutlich gemacht, dass auch Frauen einander am «Fliegen» hindern (am gesellschaftlichen Aufstieg), wenn sie akzeptieren, dass die Pflichten gegenüber dem Nachwuchs den Frauen allein auferlegt bleibt. Frauen behindern einander auch, wenn sie die «Pflichten gegen sich selber» vergessen, wenn sie also die Entfaltung und Gestaltung der «Eigenwelt» vergessen, die sie zur Mitgestaltung der äusseren Welt befähigen würde. Zum «Fliegen» gehört wesentlich das Spielerische, das nur gedeihen kann, wenn die mütterliche Verantwortungslast nicht zu gross ist, wenn die Last des Alltags zwischen den Geschlechtern gleichrangig verteilt ist. - Die Sequenz könnte darauf aufmerksam machen, dass die Träumerin (noch) nicht wagt, ihre Wünsche nach «Fliegen» und Freiraum durchzusetzen, sei dies gegenüber äusseren oder inneren Stimmen. Oder, dass ihre Lebenssituation es zurzeit unmöglich macht, solche Wünsche zu verwirklichen.

10.10.1959

MutterMütter

Meine Mutter ist gestorben. Ich fühle mich erst später bewegt und traurig, nachdem ihr Haus verwaist ist, 88

10.10.1959

MutterMütter

Die Sequenz könnte eine späte Trauer ausdrücken über den Verlust des eigenen Mutterbildes oder der «Grossen Mutter» zufolge von Abwertung dieser bedeutungsvollen Figur für uns Frauen. Diese Abwertung erfolgte zu dieser Zeit (1959) leider auch im Rahmen der Jungschen Psychotherapie.

19.11.1959

MutterMütter

Meine Mutter hält mich davon ab, eine Frau aus dem Teich zu retten. Die Frau war in einen Wasserteich getaucht und nicht wieder hochgekommen, 103

19.11.1959

MutterMütter

Bei einer «Mutter», die eine Tochter davon abhält, eine andere Frau zu retten, stellt sich leicht die Vorstellung von der «negativen Mutter» ein. Auf der anderen Seite wäre es möglich, dass es für die Taucherin darum geht, eine Lebens-Erfahrung zu machen, von der sie nicht abgehalten werden sollte. Das Eintauchen in einen «Teich», verstanden als Vorübung fürs Tauchen im grossen Weltenmeer, schliesst natürlich das Ertrinken im kleinen «Wasser» nicht aus. Alles hängt davon ab, ob die Taucherin des Schwimmens kundig ist oder nicht. - Die Träumerin wird auf diese Sachverhalte aufmerksam gemacht.

20.01.1960

MutterMütter

Meine Mutter sitzt am Lenkrad des Cadillacs meines Bruders K., in dem ich hinten mitfahre. Ich sage, sie solle mich ans Steuer lassen, 120

20.01.1960

MutterMütter

Das Bild der Mutter verstanden als Grosse Mutter und des Lenkrads als Ausdruck des Anspruchs, das eigene Leben selber in die Hand zu nehmen, stellt den Konflikt zwischen «Mutter Natur» und Individuum dar. Die Sequenz zeigt, dass die Träumerin auf ihrer Individualität besteht, sich also nicht von einer Mutter-Ideologie vereinnahmen lassen will, die Frauen zu bürgerlichen Hausfrauen macht. Auffallend ist, dass die Mutter hier nicht aggressiv vom Steuer vertrieben wird. Die sanftere Aufforderung zum Überlassen des Lenkrades lässt der «Mutter» Raum, im Leben ihrer Tochter einen angemessenen Platz zu bekommen und also in Beziehung zu ihr zu bleiben. Und gerade dies scheint mir von grösster Wichtigkeit zu sein für uns Frauen, denn es bedeutet, in Verbindung zu bleiben mit der kosmischen «Grossen Mutter», die unsere Verankerung in der eigenen Tiefenschicht garantiert.

29.02.1960

MutterMütter

Meine Mutter ist verändert. Sie wohnt nun in einem Wolkenkratzer und ich bin ihr einziges Kind, 129

29.02.1960

MutterMütter

Die Verbindung von «Mutter» und «Wolkenkratzer» scheint fast unvorstellbar, sofern wir sie nach patriarchaler Symbolik zu verstehen suchen. Die «Mutter» der vorliegenden Sequenz wohnt nun in einem Wolkenkratzer alias Denkgebäude, das in jenen Geistbereich hineinreicht, der patriarchales Denken bislang für sich allein beansprucht hat. - Diese Sequenz könnte auf gesellschaftliche «Mütter» hinweisen und auf gesellschaftliche Mutterschaft, die es als solche wagt, sich über Denkverbote hinweg zu setzen, über männliche Denkgebäude nachzudenken und sich vielleicht auch mit anderen Formen des Geistes und des Denkens zu befassen.

17.09.1962

MutterMütter

Meine Mutter gibt mir einen Stein, in den ich hinein beissen soll. Ich habe den Verdacht, der Stein sei vergiftet, 209

17.09.1962

MutterMütter

Die «Mutter», die der Tochter einen vergifteten Stein zum Hineinbeissen gibt, könnte eine patriarchatshörige oder «gläubige» Mutter darstellen. Solche Mütter reichen ihren Töchtern die geltenden Lehren weiter, ohne sie zu hinterfragen. So kritisierte eine feministische Theologin treffend, die Kirche habe den Frauen lediglich «Steine» anstatt «Brot» anzubieten. Die Sequenz steigert diesen Sachverhalt noch, indem der «Stein» vergiftet ist. - Die Sequenz scheint die Träumerin vor Personen oder ideologischen Vorgaben, die sich als «weibliche» Werte oder weibliche «Bestimmung» ausgeben, zu warnen.

09.10.1963

MutterMütter

Meine Mutter ist gestorben. Aber ich meine, sie sei schon viel früher verstorben, weil kein Kontakt mehr bestand. An Mutters Stelle soll ich nun ihre kleinen Kinder versorgen, 245

09.10.1963

MutterMütter

Dass die «Mutter» in dieser Sequenz «gestorben» ist, bereitet mir ein gewisses Unbehagen. Drei Jahre zuvor (120/4356) war «Mutter» von der Träumerin lediglich aufgefordert worden, sie ans Steuer des «Autos» zu lassen. Als Feministin sähe ich es lieber, wenn Mütter fähig würden, ein eigenes Leben zu führen und zudem in der Lage und bereit wären, im Hintergrund für ihre Töchter präsent zu sein und sie dadurch zu unterstützen. - Auf der Subjektebene könnte das Sterben wiederum auf ein nicht mehr tragfähiges Mutterbild hinweisen, das, anstatt die Träumerin ein neues entwirft, in den Hintergrund geschoben und vergessen wurde. - Auf der anderen Seite könnte die Sequenz auch als eine Vertrauenskundgebung der «Mutter» gegenüber der «Tochter» aufgefasst werden, indem sie die Verantwortung für ältere Werte, die von ihr geschaffen oder hochgehalten wurden (Kinder) der «Tochter» überlässt, das heisst auch, deren neueren Wertungen anvertraut. Es könnte demnach um eine neue Wertschätzung gehen, die hier von Seite der «Mutter», also vom Bisherigen gegenüber einem Neuem stattfindet, von einer bisher geltenden «Mütterlichkeit» zu einer anders gearteten und gesellschaftlichen Vorstellung von Mutterschaft. Die Sequenz schweigt sich darüber aus, wie dieses Neue schliesslich aussehen könnte, in welcher Weise Mutters Werte von der Tochter in Obhut und «Erziehung» genommen und in die Welt eingeführt werden können.

23.02.1964

MutterMütter

Meine Mutter wirft mir vorwurfsvolle Blicke zu, weil ich zur Kommunionbank gehe, und ein Geistlicher sagt, ich solle nach hinten gehen. Aber ich kann mich nicht von der Stelle rühren, 270

23.02.1964

MutterMütter

Bei dieser «Mutter» kann es sich nicht um eine traditionelle Mutter handeln, denn eine solche würde sich freuen, wenn ihre Tochter zum hergebrachten «Glauben» inklusive der «Kommunion» zurückfinden würde. Diese Kommunion muss demnach mit etwas anderem zu tun haben: Verstanden als Verbindung oder Verschmelzung könnte sie von einer Sache reden, die für die Träumerin einen hohem Wert darstellt, oder von einer Person, die von ihr sehr wertgeschätzt wird. Es könnte sein, dass die Träumerin eine Verbindung zum transzendenten Raum sucht oder sich nach einer tragenden menschlichen Verbindung und Beziehung sehnt, die aber aus irgend einem inneren oder äusseren Grund nicht akzeptabel oder möglich erscheint.

02.12.1965

MutterMütter

Mutter hat leere Büchsen, leere Flaschen und hässliche Schränke hinterlassen. Ich denke, ich würde viele Sachen wegschaffen müssen, um für die eigenen Platz zu bekommen, 369

02.12.1965

MutterMütter

Auch diese «Mutter» ist vermutlich auf der Objektebene zu interpretieren. Zu dieser Zeit ist die Träumerin 33 Jahre alt, hat ein Psychologiestudium abgeschlossen und ist dabei, sich von einer bald 7-jährigen Führung eines Kinderheims zu verabschieden. Die Mutterbilder, die zu dieser Zeit der Frau auf gesellschaftlicher und psychologischer Ebene angeboten wurden, waren im Hinblick auf das weibliche Individuum «leer» und daher «hässlich». Auf diesen Sachverhalt scheint die Sequenz hinzuweisen sowie auf ein Bedürfnis der Träumerin, etwas «Eigenes» dagegen zu setzen. - Siehe auch die Lektüre des Buches von Iris von Roten: Frauen im Laufgitter (ID-Buch 2).

20.09.1971

MutterMütter

Meine Mutter sagt, sie müsse Nachtschicht arbeiten, weil sie lange krank gewesen sei, 607

20.09.1971

MutterMütter

Mutters «Nachtschicht» symbolisiert jene «Arbeit», die in den Tiefenschichten, buchstäblich in der «Nacht» vor sich geht, nämlich die Traumproduktion, die mittels Bildern und Szenen frühere Geschehnisse und Traumata in Erinnerung bringt, damit sie wahrgenommen, verstanden und verarbeitet werden können. Schon die Traumproduktion an sich nimmt die Psyche nächtlich in Anspruch und bedeutet ein Stück «Verarbeitung». Es könnte sein, dass traumatisierende Ereignisse noch nicht genügend verarbeitet sind und daher besondere Kräfte beanspruchen, die über die beruflichen Leistungen und Mutterpflichten hinausgehen. Die «Mutter» steht hier für die seelische Tiefenschicht und sie weist darauf hin, dass grosse Ansprüche an ihre Verarbeitungsfähigkeit gestellt sind. In dieser Situation weist die Fähigkeit, «Nachtschicht» zu arbeiten, auf gesunde und starke Aspekte der Psyche hin.

26.02.1979

MutterMütter

Meine Mutter ist am Sterben und verdoppelt sich. Die eine Mutter steht gesund auf, die andere stirbt und wird begraben, 741

26.02.1979

MutterMütter

Diese «Mutter» redet von der Fähigkeit der Psyche, krank gewordene psychische Anteile von den gesunden zu trennen, sich auf die gesunden Anteile zu konzentrieren und vom Kranken Abschied zu nehmen. Die Sequenz redet von einer starken Wandlungsfähigkeit. Zwar kann nicht alles, was verletzt und krank war, heil gemacht werden. Aber die Psyche hat die Fähigkeit, Krankes abzustossen und dadurch zu gesunden.

12.12.1985

MutterMütter

Mutters Psyche spaziert durch die Jahre, von jung zu alt und umgekehrt. Dieser Vorgang spiegelt sich auch in ihrem Körper, 860

12.12.1985

MutterMütter

Diese «Mutter» ist mit Erinnerung und Überblick über ihr vergangenes Leben beschäftigt und vielleicht auch mit Verarbeitung. Dies aber nicht in depressiver Art und Weise, die ja oft unfruchtbar ist, sondern im Sinne von Reflexion, die das Vergangene und auch die Psyche lebendig machen kann. Die Träumerin ist zu dieser Zeit 53 Jahre alt.

16.07.1986

MutterMütter

Meine Mutter ist in einer Wasserflut versunken und ich rette sie. Sie sagt, nun wolle sie auch malen, 874.

16.07.1986

MutterMütter

Diese «Mutter» kann als eine innere Figur der Träumerin aufgefasst werden, wobei das «Malen», das sie sich nun vornimmt, eine Absicht zur Gestaltung und Formgebung von «versunkenen», vergessenen oder vernachlässigten Inhalten ausdrücken könnte.

23.08.1987

MutterMütter

Meine Mutter und meine Schwester M. schlafen in einer Bibliothek. Aber die Mutter wohnt gleichzeitig an einer Strasse gegenüber, 898

23.08.1987

MutterMütter

Die «Mutter», die sich sogar in der Nacht in einer «Bibliothek» aufhält, könnte ein Hinweis auf deren Bedürfnis sein, in Kontakt zu sein zum Weltwissen oder zum weltweiten Frauenwissen und ebenso mit ihren Tiefenschichten. In der Nacht sind wir oft am stärksten mit uns selber im Traum verbunden. Das gleichzeitige Wohnen an einer Strasse könnte zudem eine Nähe zu jenem Leben zum Ausdruck bringen, die mit der politischen Bedeutung der «Strasse» verbunden ist, wie sie in der Metapher «der kleine Mann auf der Strasse» enthalten ist.

02.10.1988

MutterMütter

Es scheint mir, meine Mutter sei in einem halb getrockneten Grasbüschel verborgen. Ich hebe das Büschel auf, da formt es sich zu einem kleinen Körper, zu Mutters Körper, 920

02.10.1988

MutterMütter

Die im Grasbüschel verborgene «Mutter» steht zweifellos für die «Mutter Erde». Sobald wir uns dieser «Mutter» gegenüber pfleglich verhalten, ist es möglich, dass sie sich in das lebendige Wesen zurück verwandelt, das sie ursprünglich war. Das heisst auch, dass sie als «Grosse Mutter» in unserer Psyche lebendig wird, wenn wir sie liebend in ihren Qualitäten wahrnehmen, so dass unser Denken und Fühlen wieder lebendig wird.

10.01.1998

MutterMütter

Meine verstorbene Mutter begegnet mir als eine dörflich gekleidete Frau voller Spannkraft, 989

10.01.1998

MutterMütter

Diese wieder lebendig gewordene «Mutter» voller Spannkraft steht für das Ergebnis der liebevollen Wahrnehmung und Pflege der «Mutter» von 920, die im «Grasbüschel» verborgen war. Ich hatte sie als die Grosse Mutter diagnostiziert, die in unserer Psyche lebendig wird, die unseren Körper und unsere Seele belebt und trägt.

27.11.2001

MutterMütter

Meine Mutter hat schöne Teppiche in meine Wohnung gelegt. Ich freue mich, möchte sie aber anders anordnen, 992

27.11.2001

MutterMütter

Diese «Mutter» symbolisiert mütterliche Aspekte, denn sie schenkt «Teppiche», die Atmosphäre und Wärme in den Wohnbereich bringen. Auch die Tochterfigur fasst das mütterliche Verhalten in diesem Sinn auf, denn sie freut sich. Gleichzeitig ist sich die Tochter klar, dass Geschenke nicht immer unproblematisch sind, da sie oft mit dem Anspruch auf Macht oder übertriebener Dankbarkeit und Verfügbarkeit verbunden sind. Im Unterschied zur «Mutter» von 369, die der Tochtergeneration nichts Brauchbares weiterzugeben hatte (leere Behälter), hat es diese «Mutter» zu schätzenswerten Inhalten gebracht (Teppiche). Auf die gesellschaftliche Ebene gehoben, bedeutet der Anspruch, die Teppiche anders anzuordnen, den Anspruch der Tochtergeneration, die Errungenschaften und das Erforschte der «Mütter» in ihre eigenen Zusammenhänge und ins eigene Weltbild einzufügen (ID-Buch 7). Zu dieser Zeit war das Pilotprojekt für feministisch reflektierte Psychotherapie zu Ende gegangen, durch das die teilnehmenden Frauen wertvolle Inhalte von den «Müttern» vieler Generationen mitbekommen hatten, die sie jedoch in eigener Regie interpretieren wollen. Dies gilt auch für die Träumerin.

08.02.1959

PriesterinPriester

Unter den Priestern, die nach rasender Fahrt in einer Seilbahnkabine zerknittert aussteigen, sehe ich mich selber als einzige Frau, 22

08.02.1959

PriesterinPriester

Die einzige Frau unter männlichen «Priestern» zu sein, interpretiere ich als Hinweis auf ein Selbstverständnis der Träumerin, das als ein «priesterliches» bezeichnet werden könnte. Sich jedoch als eine «Priesterin» unter «Priestern» zu verstehen, vermochte nicht Teil einer bewussten weiblichen Identität zu werden (sie ist lediglich Zuschauerin des Vorganges). - Auf der Objektebene ist es tatsächlich eine Realität, dass sich zu dieser Zeit (1959) eine Frau nicht gestatten durfte, sich als «Priesterin» zu denken, die sich in den Dienst eines übergeschlechtlichen «Göttlichen» stellt (anstatt in den Anima-Dienst eines Mannes). - Nicht unmittelbar verständlich ist das Bild von «zerknitterten» Kleidern und vom ebenso «zerknitterten» Allgemeinzustand der «Priester». Das Traumbild selber gibt eine Erklärung für die Ursachen: Die «Priester» wurden in rasendem Tempo «herum geschleudert», das heisst: Ihr Selbstverständnis wurde durcheinander gebracht und liess sie in einem aufgewühlten Zustand zurück. Dies gilt auch für die Träumerin, die an dieser aufrüttelnden «Fahrt» als quasi Priesterin teilnahm. - Die Träumerin scheint intensiv involviert zu sein in Fragen über priesterliche Funktionen. Zudem wird sie darauf hingewiesen, dass sie sich selber in einer solchen Funktion vorstellen könnte.

06.11.1959

PriesterinPriester

Ein Priester näht Sterne und kleine Kerzen an sein Messgewand, die ich und andere Frauen vom Boden aufgehoben haben, 99

06.11.1959

PriesterinPriester

Diese Sequenz scheint unmittelbar auf 22 Bezug zu nehmen, denn sie zeigt bildhaft, was die Rolle der Frau im «Gottesdienst» ist: Frauen heben «Sterne» vom Boden auf, die sich der männliche Priester an sein eigenes «Messgewand» näht. Der Priester bedient sich der «Früchte» aus der Arbeit von Frauen, während sie selber leer ausgehen. - Durch diese Sequenz wird die Träumerin aufgeklärt, ein Mann in priesterlicher Funktion werde in seiner Identität durch wertvolle Inhalte angereichert und geschmückt, die weiblicher Erfahrung und Arbeit entstammten. Und die Träumerin selber sei es, die diesen Vorgang unterstütze und möglich mache (sie hebt Sterne vom Boden auf und übergibt sie dem Mann). - Darüber soll sich die Träumerin Gedanken machen.

10.05.1962

PriesterinPriester

Ein Priester rettet Kinder vor einem bevorstehenden Felssturz. Machthaber hatten Eltern gezwungen, ihre Kinder am Fuss des Berges auszusetzen. Plötzlich bin ich selber der Priester, 180

10.05.1962

PriesterinPriester

Die priesterliche Funktion wird hier als eine helfende Funktion dargestellt, die Mut erfordert. Der Priester rettet «Kinder» vor Willkür und Grausamkeit einer machhabenden Elite. Zudem tut er etwas, was deren «Eltern» nicht wagten: Er stellt sich dem Ansinnen der Machthaber entgegen und bringt damit sich selber in Gefahr. Das Bild vom rettenden Priester mit Zivilcourage stellt gewissermassen ein Gegenbild dar zur Vorstellung, Priester zu sein bedeute lediglich, kirchliche Rituale auszuführen und öffentliches Ansehen zu geniessen. Das hier vorliegende Priesterbild enthält ein kämpferisches Element zugunsten von Wehrlosen, das auf die Objektebene zielt. - Die Erklärung, plötzlich sei die Träumerin selber der Priester, könnte ausdrücken, das Priestertum werde hier als eine Denk- und Lebensweise aufgefasst, die einer übergeschlechtlichen Ordnung angehört. Mit dieser Sichtweise wird schliesslich auch das kirchliche Verbot, Frauen zum Priesteramt zuzulassen, durchbrochen. - Diese Sequenz bestätigt meine Interpretation von 22: Schon dort wurde die Träumerin als eine Frau «unter Priestern» dargestellt, was auf ein Selbstverständnis hinweist, das ihr das Priesteramt für Frauen möglich erscheinen liess. - Die Träumerin beansprucht das Priesteramt für sich und für Frauen allgemein, und das Traumbild erfüllt zugleich diesen Anspruch.

08.04.1964

PriesterinPriester

Ein Priester führt das Messeritual für eine Hochzeit ohne Andacht aus. Ich fordere ihn zum Kampf heraus. Wir ringen Körper an Körper, 273

08.04.1964

PriesterinPriester

Zur Verbindung von Priester, Messeritual und Hochzeit assoziiere ich die «Heilige Hochzeit», die hier auf der Objektebene von männlicher Seite oberflächlich aufgefasst wird (ohne Andacht). Zu dieser Zeit waren viele Männer der Auffassung, der Sexualakt stelle lediglich ein «Glas Wasser» dar. Dies vertraten auch Männer, die zuvor den Frauen die «Heiligkeit» dieses Vorganges nahezubringen versuchten. - Bezüglich der Messe meinte ein Priester einmal, er wolle das «Theater» des Messerituals nicht für sich allein ausführen.

18.09.1964

PriesterinPriester

Ein Priester beginnt für zwei verstorbene Klassenkameraden zu beten, an deren Tod ich mich schuldig fühle. Es dünkt mich, er stehe in einem leidvollen Kampf und werde darum nicht lange leben, 286

18.09.1964

PriesterinPriester

Hier ist von einem männlichen «Priester» die Rede, der in einem «leidvollen Kampf» steht, demzufolge er nicht lange leben werde. Dieses Bild könnte die Erfahrung ausdrücken, dass Totalhingabe an den «priesterlichen» Beruf, wie er idealerweise beschrieben wird, nicht lange durchgestanden werden kann. - Möglicherweise beinhaltet diese Sequenz eine Warnung an die Träumerin: Sie soll weibliche Priesterschaft nicht als totale Hingabe an andere Menschen missverstehen.

16.02.1965

PriesterinPriester

Der Pfarrer, bei dem ich Rat suche, fordert mich auf, seinen «Sirup» zu probieren. Er fragt, warum der Sirup trotz den vielen Alpenkräutern nicht begehrt sei, 338

16.02.1965

PriesterinPriester

Indem der Pfarrer fürs menschliche «Seelenheil» zuständig ist, stellt der «Sirup», den er anzubieten hat, die christliche Lehre und deren Heils- und Heilungsangebot dar. Dieses Angebot soll die Träumerin «probieren», sie soll sich mit seiner Heilslehre näher befassen. Der «Pfarrer» könnte aber auch einen Vertreter der Psychotherapie symbolisieren und der «Sirup» das psychotherapeutische Heilsversprechen. In Verbindung mit dem Wort «Sirup», das einen zähflüssigen süssen Trank bezeichnet und eigentlich das bevorzugte Getränk von Kindern ist, besagt die Sequenz, die Heilsangebote von Kirche und Psychotherapie seien nicht schwergewichtig oder tiefgehend genug, um ihr Heilsversprechen einzulösen. - Die Sequenz enthält also einen erheblichen Vorwurf an die Heilsversprechen: Der Träumerin bekommt den Rat, sich über solche Zusammenhänge Gedanken zu machen.

14.02.1966

PriesterinPriester

Weil ich während sieben Jahren einem künftigen Priester gedient hätte, werden meine Entwicklungschancen von einer Stimme günstig beurteilt, 393

14.02.1966

PriesterinPriester

Die Bezeichnung «Priester» verweist auf einen männlichen Priester. Auf der Subjektebene würde der siebenjährige Dienst an einem «Priester» auf den «Seelendienst» hinweisen, der in Zusammenhang mit dem Individuationsprozess steht. So gesehen handelt es sich bei diesem «Dienst» um einen Dienst am «Göttlichen» oder an der «Göttin» in der eigenen Seele. - Auf der Objektebene könnte es sich im Sinne von C.G.Jung. Jung um den sehr fragwürdigen Dienst des «Weiblichen am Männlichen» bzw. an einem konkreten Mann handeln, den Jung in seiner Theorie von Animus und Anima entwickelt hat. - Die Sequenz scheint die Träumerin auf diese sehr unterschiedlichen Formen von «Dienst» aufmerksam zu machen und sie zu einer differenzierteren Betrachtung und Stellungnahme heraus zu fordern.

25.02.1968

PriesterinPriester

Während Vorträgen über Priestertum oder über menschliches Wachstum sollen sich die Anwesenden entscheiden, ob sie Priester werden wollen, 519

25.02.1968

PriesterinPriester

Hier wird der Begriff «Priester» mit dem allgemeineren Begriff «menschliches Wachstum» in Verbindung gebracht, der seinerseits für die «Individuation» und den Individuationsprozess in Anspruch genommen wird. Diese Verbindung könnte besagen, dass die heilende Tätigkeit auch im Psychotherapiebereich als eine «priesterliche» Tätigkeit aufgefasst werden könnte. Die psychotherapeutische Tätigkeit als eine «priesterliche» aufzufassen, würde bedeuten, die Arbeit als Psychotherapeutin ebenfalls als eine priesterliche zu verstehen. - Die Sequenz scheint die Träumerin auf eine solche Sichtweise aufmerksam zu machen. Sie könnte und sollte ihre psychotherapeutische Arbeit als einen Heilberuf in einem allgemeineren, tieferen und metaphysischen Sinn auffassen.

11.06.1959

SohnSöhne

Mein kleiner Sohn zeichnet still für sich im Büro meines Chefs. Der Chef lässt das Kind gewähren, 33

11.06.1959

SohnSöhne

Der «Sohn», verstanden als das eigene Denken und Fühlen sowie das eigene Kreative, verhält sich unauffällig. Das «Zeichnen» und Aufzeichnen geschieht ohne Aufhebens und still für sich.

17.10.1959

SohnSöhne

Mein zweieinhalbjähriger Sohn ist überlang und überzart. Ich denke, er sei zu rasch gewachsen, 90

17.10.1959

SohnSöhne

Der kleine «Sohn» steht hier für das sich entwickelnde und werdende «Eigene», für den seelischen Prozess der Selbstwerdung, wobei dieses «Eigene» allerdings «überlang und überzart» und daher sehr verletzlich ist. - Die Sequenz besagt, dass dem seelischen Wachstum Zeit eingeräumt werden muss, ansonsten die werdende Seelenpflanze in ungesunder Weise aufschiesst und zu wenig Kraft entwickelt.

20.01.1960

SohnSöhne

Mein dreijähriger Sohn sitzt im Auto auf meinen Knien und behindert meine Sicht auf die Fahrbahn, 120

20.01.1960

SohnSöhne

Das Bild vom Behindertwerden durch einen kleinen Sohn verweist auf die Erkenntnis, dass die «Treue» zu sich selbst und zum eigenen Weg auch Schwierigkeiten mit sich bringt. Denn die «Treue zu sich selbst» stellt für uns im Verhältnis zur «Welt» eine ziemliche Erschwernis dar, da die Welt grosse Ansprüche an unsere Anpassungsfähigkeit erfordert.

20.10.1962

SohnSöhne

Mein kleiner Sohn badet vergnügt in einer alten Wanne, 214

20.10.1962

SohnSöhne

Das vergnügte Baden des kleinen Sohnes in einer alten Wanne könnte besagen, dass ein sich Vertiefen in alte «Inhalte» sehr lustvoll sein und Erholung bedeuten kann (baden).

07.11.1963

SohnSöhne

Mein Sohn ist in den Schlamm gefallen und ich erfahre, er sei von einer anderen Frau heraus geholt worden, 253

07.11.1963

SohnSöhne

Dass der «Sohn» als Symbol der Selbstwerdung von einer anderen Frau gerettet wird, ist eine besonders hoffnungsvolle Aussage. Sie besagt auf der Objektebene, dass Frauen einander beistehen und helfen können. Auf der Subjektebene bedeutet die Sequenz, das eigene «Weibliche» in der Frau sei befähigt, das sogenannte «Männliche» in der eigenen Psyche zu retten und zu fördern.

05.07.1964

SohnSöhne

Mein siebenjähriger Sohn ist gestorben. Ich empfinde eine schreckliche Leere, 278

05.07.1964

SohnSöhne

Der siebenjährige Sohn deutet auf einen religiösen Inhalt (die Zahl Sieben ist eine «heilige» Zahl). Dieser Inhalt ist «gestorben», ist verloren gegangen. Der grosse Schmerz weist darauf hin, dass dieser Inhalt nicht hätte «sterben» dürfen. Die Sequenz fordert die Träumerin auf, alles tun, damit die Inhalte, die im Symbol «Sohn» enthalten sind, nämlich die eigenen Interessen und Wünsche, wieder zum Leben kommen. Im seelischen Bereich ist es glücklicherweise möglich, dass Totes wieder lebendig wird.

22.02.1971

SohnSöhne

Ich trage meinen kranken und bewusstlosen Sohn im Wald, in dem ich nachts unterwegs bin. Mein Freund Carl B., dem wir begegnen, hilft tragen, 596

22.02.1971

SohnSöhne

Der kranke und bewusstlose Sohn symbolisiert eine krank und bewusstlos machende Situation. Dass sich die Träumerin dem «Sohn» gegenüber mütterlich verhält, könnte auf grosse Kräfte des Aushaltens und Ertragens hinweisen, anderseits auf die Gefahr von Überforderung. Ein ernst zu nehmender Warntraum! - Immerhin scheint die Träumerin im Moment das Glück zu haben, von einem Freund unterstützt zu werden (er hilft tragen).

11.09.1980

SohnSöhne

Ich habe meinen Sohn in der Stadt gesucht und nicht gefunden. Ich gerate in ein sturzflutartiges Weinen, 784

11.09.1980

SohnSöhne

Der Verlust des Sohnes steht für einen (hoffentlich vorübergehenden) Verlust des Zugangs zu seelischen Inhalten und Kräften, die für die Träumerin das «Leben» ausmachen.

07.09.1981

SohnSöhne

Es stellt sich heraus, dass ich einen zweiten Sohn habe. Der zweite Sohn scheint Musik zu studieren, 795

07.09.1981

SohnSöhne

Der Musik studierende «Sohn», verstanden als ein kreativer Aspekt der eigenen Psyche, symbolisiert den (erneuten) Zugang zum Musischen und Schönen des Lebens. Dieser wieder gefundene Zugang könnte sich auf der Objektebene auch im zwischenmenschlichen Bereich abspielen.

26.08.1983

SohnSöhne

Man sagt mir, mein Sohn sei von Suizid bedroht. Ich eile zu ihm, 830

26.08.1983

SohnSöhne

Der suizidgefährdete Sohn stellt ein höchstes Alarmzeichen dar. Es besteht die Gefahr, dass selbstzweiflerische oder selbstzerstörerische Kräfte überhand nehmen. Die Träumerin scheint diese Gefahr erkannt zu haben, denn sie eilt zum «Sohn» in der eigenen Psyche, um dessen lebenszugewandten Seiten und Möglichkeiten zu stärken. - Auf der Objektebene könnte die Sorge auch einen realen Sohn betreffen.

02.04.1985

SohnSöhne

Ich entschliesse mich, mit meinem Sohn zusammen zu leben, in einer 4-Zimmerwohnung, 850

02.04.1985

SohnSöhne

Mit dem eigenen Sohn zusammenleben zu wollen, steht auf der Subjektebene für ein gutes und fortschrittliches Unterfangen. Die Träumerin könnte sich endgültig entschieden haben, ihre vermeintlich «männlichen» Fähigkeiten als ihre eigenen, zu ihrem Frausein gehörenden zu erkennen, und ihnen einen gleichrangigen Platz im Leben einzuräumen.

07.09.1987

SohnSöhne

Mein Sohn steigt in die Puppenfigur, die ich hergestellt habe. Aber ich fühle Unbehagen, weil er sich klein macht, 902

07.09.1987

SohnSöhne

Der Einstieg des Sohnes in Mutters «Puppenfigur» wird bereits im Traum selber als inadäquat empfunden und abgelehnt. Bei der Puppenfigur könnte es sich um die Kehrseite des patriarchalen Männerbildes handeln, das den Mann im Verhältnis zur Frau in den Status eines Kindes versetzt. - Die Sequenz könnte zu einem neuen Männerbild auffordern. Die Träumerin soll sich überlegen, wie sie selber den «neuen Mann» definieren möchte.

17.02.1996

SohnSöhne

Mein Sohn oder mein Bruder G. sollen bei der Restaurierung einer Strasse mitgearbeitet haben, 970

17.02.1996

SohnSöhne

Hier tritt der «Sohn» in einer prospektiven «männlichen» Rolle auf. Er hat an der Restauration einer Strasse, eines «Weges» mitgearbeitet, was auch im Sinne der Erneuerung eines Weltbildes verstanden werden kann. Diese Erneuerung könnte als eine Folge des Zusammenwohnens von Mutter und Sohn (Sequenz 850) angesehen werden. In der Konstellation «Mutter und Sohn» kommen für die Erneuerung von «Strasse» und «Weg» im Grunde vier Perspektiven ins Blickfeld: Die Mutter (Weiblichkeit und Altersweisheit), der Sohn (Männlichkeit und Jugendlichkeit). Mit den Begriffen «Weiblichkeit» und «Männlichkeit» sind hier allerdings nicht die tiefenpsychologischen Zuordnungen gemeint, sondern die feministische Erkenntnis, dass die Weltbilder von Frauen und Männern (und ebenso die von Alten und Jungen) aus ihrer je eigenen und speziellen Situation heraus entstanden sind. Das heisst, dass deren Sichtweisen in ihrer Begrenztheit gesehen werden müssen. - Zwischen der letzten Sequenz zum Symbol «SohnSöhne» (902) und der vorliegenden (1996) liegen ganze elf Jahre!

16.09.1967

TochterTöchter

Während ich mit Mutter einen Hügel hinauf wandere, scheinen alle Elemente losgelassen und ich bin erschöpft. Meine Mutter trägt mich eine Weile, dann trage ich sie, 482

16.09.1967

TochterTöchter

Das abwechselnde «Tragen» von Mutter und Tochter stellt eine sehr schöne Gegenseitigkeit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter dar, ob diese nun auf der Objektebene oder Subjektebene stattfindet. «Mutter und Tochter» müssen keineswegs immer die biologische Ebene bezeichnen. Es könnte sich auch um Verhältnisse handeln, in denen Frauen wechselseitig als «Mutter» oder als «Tochter» agieren (auch Firmen haben «Töchter»). Auch eine Institution könnte als «Mutter» auftreten, indem sie einer Frau Arbeit und Verdienst gibt, oder indem die «Tochter» der «Mutter» ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zur Verfügung stellt.

16.02.1973

TochterTöchter

Aus Angst vor Vorwürfen habe ich die aussereheliche Geburt meiner Tochter bisher geheim halten, 630

16.02.1973

TochterTöchter

Die Geburt einer «Tochter» sollte eigentlich ein freudiges Ereignis sein, ganz unabhängig von den Verhältnissen in welche sie geboren wurde. Dies scheint hier aber nicht der Fall zu sein. Schön ist immerhin, dass die Mutter das Kind in selbstverständlicher Weise in die Welt hinein gebracht hat, anstatt es «abzutreiben», obgleich sie das Gefühl hat, dass es von der Umgebung kaum freudig aufgenommen würde. - Die Bezeichnung «ausserehelich» für ein «Produkt» besagt, dass äussere oder innere Instanzen der Meinung sind, es stehe der Träumerin nicht zu, sich mit einer bestimmten «Produktion» zu befassen. Die Sequenz stellt aber auch dar, dass sie sich über derlei Vorschriften hinweg gesetzt und trotzdem «geboren» hat, wenngleich die Sequenz keine Hinweise gibt, worin diese Geburt, dieses Neue, denn nun bestehen könnte. Aber die Träumerin wird immerhin in Kenntnis gesetzt, dass etwas vorliegt, mit dem sie sich befassen muss.

20.05.2002

TochterTöchter

Meine 18/20-jährige Tochter beansprucht mich für ihre Arbeit, obgleich ich mich selber in einer schwierigen Situation oder sogar in einer Notlage befinde. Ich ärgere mich über sie, 995

20.05.2002

TochterTöchter

Die «Tochter» in dieser Sequenz ist zweifellos auf der Subjektebene zu deuten, denn die Träumerin hat keine reale Tochter, obschon sie dies bedauert, oder andere Frauen manchmal sogar um deren Töchter beneidet. Ich verstehe die Tochter hier als Ausdruck von einem geistigen «Produkt» der Träumerin, das sich nicht mehr im Anfangsstadium befindet (die Tochter ist fast erwachsen), sondern im Reifestadium oder im Abschluss-Stadium.

11.02.1965

VaterVäter

Der Vater eines Mädchens ist gekommen und hat sein Kind versorgt, 337

11.02.1965

VaterVäter

Dieser «Vater» steht für eine positive männliche Figur: Er versorgt sein Kind, und es spielt keine Rolle, ob dieses Kind subjektstufig oder objektstufig oder als beides zu verstehen sei.

26.04.1968

VaterVäter

Vater befiehlt, meine Boxerhündin zu töten, 521

26.04.1968

VaterVäter

Aufgrund der Verbindung von Hündin und Tötungsbefehl durch einen Mann (Vater) deute ich die Sequenz auf der Objektebene. Die eigene Hündin töten zu müssen, symbolisiert den männlichen Anspruch, dass Frauen ihre Persönlichkeit, ihr Selbst, ihre Selbstwerdung aufgeben sollen zugunsten der «Liebe» zum Manne. Sowohl die patriarchale Gesellschaft als auch die traditionelle Psychologie fordern von der Frau diese Selbstaufgabe, diesen Mord am eigenen Denken und Fühlen.

21.06.1979

VaterVäter

Ein Grossvater will sich für seine Enkelin einsetzen, damit sie ihr Studium weiterführen kann, das wegen einer harmlosen Rebellion gefährdet sei, 750

21.06.1979

VaterVäter

Hier tritt ein positiver, helfender Vater und Grossvater auf. Ein prospektiver und hoffnungsvoller Traum! Dies auch bezüglich der Möglichkeit, dass manche Männer eine andere Art von Männlichkeit entwickeln könnten und entwickeln möchten als das Patriarchat vorgibt und vorschreibt.

15.11.1958

WeitereMenschen

Es stellt sich heraus, dass ich ein Mann bin, 6

15.11.1958

WeitereMenschen

In traditionellen Psychotherapien, auch in der Jungschen Praxis, wird Frauen beigebracht, was unter «männlich» und «weiblich» zu verstehen sei. Im konkreten Fall lief dies mittels der Empfehlung von Jungs Schriften. Einer Frau zu sagen, sie sei ein Mann und somit keine richtige Frau, beinhaltet den Vorwurf, sie strebe nach Wissen und Erkenntnis anstatt die Frauenrolle zu akzeptieren. Genauer: sie weigere sich, sich als Hausfrau und Bedienerin eines Mannes zu verstehen. - Die Sequenz berichtet, die Träumerin habe das Gefühl, sie werde in ihrem Selbstverständnis, eine geistig interessierte Person zu sein, kritisiert und auf ihre Frauenrolle zurückgebunden. Aber es wird nicht gesagt, wie sie auf diese Kritik und Einengung reagiert.

02.06.1959

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Ich bin in die Hände von Barbaren gefallen. Sie sagen, Zärtlichkeit beim Sex sei bei ihnen verpönt. Ich gehe heimlich fort, 30

02.06.1959

WeitereMenschen

Die Traumsequenz konkretisiert, was hier unter einem «Barbar» zu verstehen sei. Es ist ein Verhalten, das Sexualität und Zärtlichkeit nicht zusammen zu denken vermag. Die patriarchale Vorgabe ist, der Mann solle den Beischlaf als einen Akt der Eroberung und Besitznahme der Frau verstehen und als Akt der Fortpflanzung. Im Unterschied dazu enthält «Zärtlichkeit» die Vorstellung, dass das sexuelle Geschehen für beide Geschlechter lustvoll und für das Selbstwertgefühl stärkend sei. - Auf der Objektebene verstanden, könnte die Sequenz die Träumerin zum Verlassen einer Beziehung auffordern, in der sie Gefahr läuft, in irgend einer Weise in Besitz genommen und ihres Selbstwertgefühls beraubt zu werden.

13.12.1963

WeitereMenschen

Eine Kriegsmacht hat das Land erobert und teilt Menschen in lebenstaugliche und -untaugliche ein. Die Untauglichen sollen die Todesspritze erhalten, 262

13.12.1963

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Die «Kriegsmacht» steht für eine illegale Form von «Polizei» bzw. Ordnungsmacht, wobei die Einteilung in lebenstaugliche und lebensuntaugliche Menschen erschreckend an die Nazi-Mentalität erinnert. Insbesondere ist auf der Objektebene zu klären, wer oder was hinter dieser Kriegsmentalität und Willkürherrschaft steht.

12.10.1964

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Ich höre den Namen einer Frau: Sie heisse «Kundelett» und soll eine Stifterin sein. Aber es wird nicht gesagt, was sie stiftet, 294

12.10.1964

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Die Kennzeichnung einer Person als «Stifterin» assoziiert die Symbole «Stiftung» und «Stift». Das «Stift» kann ein Kloster sein, eine Abtei oder ein Konvent, während «der Stift» auch ein Schreibgerät (Bleistift, Farbstift) oder eine jugendliche Person bezeichnen kann, die eine handwerkliche oder kaufmännische «Lehre» absolviert (der Stift, die Stiftin). Begüterte oder adelige Frauen haben öfters ein «Stift» für Frauen gestiftet, zum Beispiel Hildegard von Bingen. - Es geht in dieser Sequenz aber nicht nur um eine Stifterin, sondern um einen Frauennamen, den es in Wirklichkeit nicht gibt (Kundelett) wobei vielleicht der Name selber auf seine Bedeutung hinweisen könnte. Im Namen «Kundelett» ist das Wort «Kunde» enthalten. Etwas «kund» zu tun, bedeutet, Nachricht geben, Wissen vermitteln, Orientierung und Informationen geben. Auf der Objektebene könnte der Frauenname demnach für Frauenwissen stehen, und die Träumerin wäre aufgefordert, sich damit zu befassen. - Die «Stifterin» steht also für eine Frau, die über Ressourcen verfügt, denn sonst wäre sie nicht imstande, etwas zu «stiften» bzw. etwas zu «gründen». - So gesehen könnte die Sequenz die Träumerin aufmuntern, sich stärker auf den Prozess der Selbstwerdung, die Individuation einzulassen. Das hiesse, sich stärker auf das «Eigene» besinnen, die eigene «Weltsicht» aus Frauenperspektive betrachten, bzw. die Eigenwelt schreibend darzustellen (Stift, Schreibgerät). Auf der Objektebene könnte die Sequenz dazu auffordern, sich nicht auf Veränderungen im «Innenleben» eingrenzen zu lassen, sondern aktiv zu werden inbezug auf Veränderungen im äusseren Umfeld (zu dieser Zeit hatte die Träumerin ihr Psychologiestudium am IAP seit einem Jahr abgeschlossen).

07.01.1965

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Ein Mönch beschimpft mich als Ketzerin, weil ich mich von seiner Predigt fern halte, 319

07.01.1965

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Die «Ketzerin» steht für dasselbe wie der «Ketzer», nämlich für die Verteidigung des eigenen Standpunkts gegenüber offiziell vertretenen und mit dem Siegel der «Unfehlbarkeit» vorgetragenen Lehrmeinungen (Mönch, Predigt). Das Sich-Fernhalten von einer «Predigt» bzw. die Verteidigung des eigenen Standpunkts steht für den Anspruch, aufgrund eigener Erfahrungen und des eigenen Denkens und Fühlens zu Erkenntnissen gelangen zu können, anstatt blindlings die gerade geltenden «Lehren» übernehmen zu müssen.

28.01.1965

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Der Pfarrer im Beichtstuhl überhört, was ich zu sagen versuche. Zudem weiss ich, dass ihm Leute mit Skrupeln unsympathisch sind, 338

28.01.1965

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Das Wort «Pfarrer» bezeichnet einen Mann, der sich als «Seelenhirt» versteht und dessen Amt im Beichtstuhl im Zuhören besteht. Das Bild vom Pfarrer, der im Beichtstuhl überhört, was die «beichtende» Frau zu sagen versucht, bedeutet zweierlei: Erstens, dass ein Mann über die Psyche einer Frau Kontrolle ausübt (sie soll offen ihre «Sünden» bekennen, ihre Unzulänglichkeiten darlegen) und zweitens, dass er gar nicht wirklich interessiert ist, was die Frau mitteilen möchte. Vielmehr übt der Pfarrer und Seelenhirt lediglich ein Amt aus. Das Bild von «Pfarrer» und «Beichtstuhl» und der «beichtenden» Frau lässt auch an die Situation in der psychotherapeutischen Praxis denken, die in dieser Sequenz ins Visier genommen und kritisiert wird.

23.06.1966

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Ich habe einen Tyrannen erschossen. Vom Gericht werde ich freigesprochen, weil ich in Notwehr gehandelt hätte, 410

23.06.1966

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Das Wort «Tyrann» bezeichnet einen «unumschränkten Gewaltherrscher», wobei das «Erschiessen» des Tyrannen eine vehemente Zurückweisung von Gewaltherrschaft ausdrückt. Das Wort «Notwehr» bezeichnet nach Brockhaus die zur Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffs erforderliche Verteidigung. Die Notwehr sei nicht rechtswidrig und daher weder strafbar noch zivilrechtlich unerlaubt; sie umfasse die Verteidigung gegen Angriffe auf Leib und Leben sowie auf andere Rechtsgüter, z.B. von Eigentum. Tatsächlich wird in der Rechtsprechung selbst das Töten eines Gewaltanwenders, das in Notwehr erfolgte, nicht belangt. - Auffallend ist, dass zwar von einer Notwehrhandlung gegenüber einem Tyrannen berichtet wird, nicht aber, worin dessen Tyrannei bestand. Lediglich die oben angeführte Beschreibung lässt verstehen, dass es sich um «Angriffe auf Leib und Leben» sowie auf «Vermögen» im übertragenen Sinne gehandelt haben muss. - Die Sequenz vermittelt, es bestünden erhebliche Angriffe auf das «Vermögen» der Träumerin, also auf ihre Kräfte und Fähigkeiten, ferner seien existenzielle Werte gefährdet, wie die Begriffe «Leib und Leben» anzeigen. - Auf der Subjektebene wäre zu fragen, ob die Träumerin auf einen «Tyrannen» in sich selber aufmerksam gemacht wird. Auf der Objektebene wäre zu untersuchen, auf wen die Symbolfigur «Tyrann» zutreffen könnte, von dem sich die Träumerin mittels einer radikalen Massnahme lossagen solle, zum Beispiel durch sofortige Trennung (erschiessen).

09.07.1966

WeitereMenschen

Ein Lastwagenführer macht bei einer Holzbeige kehrt, und zwar mit einem waghalsigen Manöver, 415

09.07.1966

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Der «Lastwagenführer» symbolisiert eine Person, die schwere «Lasten» trägt und transportiert, die mit blossen Händen nicht getragen werden können. Das Kehrtmachen bei einer nicht weiter führenden Strasse (Holzbeige) steht für die Fähigkeit, in einer ausweglosen Situation konsequent und flexibel zu handeln, auch wenn dies eine Art «Rückzug» darstellt (Fahrzeug wenden).

28.04.1967

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Ein Detektiv erbeutet im Lager von zwei gesuchten Gaunern ein kugelsicheres Auto und fährt damit weg, 461

28.04.1967

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Hier kommen zwei Sorten von «AndereMenschen» vor: «Detektiv» und «Gauner». Diese Symbolfiguren stellen zwei Gattungen männlicher Menschen dar, die Gegenspieler sind. Das Wort «Detektiv» bezeichnet «jemanden, der Ermittlungen durchführt», Sachverhalte aufdeckt und enthüllt (ID-Buch 1313, 123). - In dieser Sequenz wird der Detektiv als ein mutiger Einzelkämpfer vorgeführt, der «Kopf und Kragen» riskiert, um den «Gaunern» das Handwerk zu legen. Es scheint, der Detektiv habe nicht einmal eine Schusswaffe bei sich, denn seine Absicht ist offensichtlich nicht, die «Gauner» umzubringen, sondern ihr «gaunerisches» Tun zu unterbinden. Dass es ihm gelingt, ins Lager der «gesuchten Gauner» einzudringen, könnte besagen, er habe deren psychische Struktur mit ihren Schwachstellen erkannt. Sich mit einem «kugelsicheren» Auto und somit gefahrlos aus dem Gaunerbereich zu entfernen, könnte bedeuten, die Methoden des Gaunertums zu erkennen und sie damit wirkungslos zu machen. - Zur Symbolfigur «Gauner» assoziiere ich das Wort «Gaunersprache», die Ingeborg Bachmann bei ganz gewöhnlichen Männern ausmacht sowie deren entsprechende Gaunermentalität, die sie kritisiert. Gemeint waren die vielen «Gurus» mit ihren «Lehren», die das Denken und Fühlen der Menschen mehr verwirren als zu erhellen. - Es scheint mir, die Träumerin werde von ihren Tiefenschichten auf Probleme aufmerksam gemacht, die sich aus unterschiedlichen, in Gesellschaft und Tiefenpsychologie verankerten Männerbildern und -verhaltensweisen ergeben und zugleich auf eine Möglichkeit, verändernd auf diese einzuwirken.

03.05.1967

WeitereMenschen

Ein Mann will mich zu seiner Sklavin machen: Er gräbt sich mittels eines feinstofflichen Körpers in mich ein, 462

03.05.1967

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Das Wort «Sklavin» steht hier für ein asymmetrisches Beziehungsverhältnis zwischen den Geschlechtern. Es ist von einem Hierarchieverhältnis die Rede, bei dem männlicherseits der autonome und besitzende Teil beansprucht wird, und zwar in einer Art und Weise, dass in der Träumerin das Gefühl aufkommt, dies könnte zu einer totalen Unterdrückung ihrer Persönlichkeit und Abhängigkeit führen. Die Aussage, dies geschehe nicht offensichtlich, sondern durch feine Methoden (feinstofflich), könnte ein Vorgehen auf psychologischer Ebene bezeichnen. - Auf die Objektebene bezogen, könnte die Träumerin aufgefordert sein, die Art einer bestimmten heterosexuellen Beziehung oder Verbindung genauer unter die Lupe zu nehmen, ansonsten sie Gefahr laufe, innerhalb der Beziehung ihr Eigenes aufzugeben, sich als Persönlichkeit aufzulösen und Selbstverlust zu erleiden.

27.10.1967

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Der Maler Picasso will den schönen Schal meiner Schwester M. ungefragt als Motiv für ein Bild an sich nehmen. Aber ich lasse ihn nicht, 493

27.10.1967

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Der Maler Picasso steht für den männlichen und psychologischen Anspruch, Männer hätten «Werke» zu schaffen und der Welt zu hinterlassen und Frauen könnten und sollten ihnen als «Muse» und Inspiratorin ihre kreativen Fähigkeiten zur Verfügung stellen (Motive). - In der Sequenz kommt die Angst der Träumerin zum Ausdruck, sie werde ausgebeutet, statt selber kreativ sein zu können.

07.02.1969

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Während ich mit einem Mädchen ein Boot rudere, versucht ein nackter Dickwanst mich ins Wasser zu werfen, 558

07.02.1969

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Der Dickwanst steht für ein männliches Wesen, der ganz Körper ist und zwar in einem negativen Sinn, indem nämlich das Geistige vom Übergewicht des «Fleisches» oder des «Fleischlichen» zugedeckt wird. - Die Sequenz drückt einen Konflikt aus zwischen einem Leben, dass sich in bloss körperlichen (fleischlichen) Genüssen erschöpft und der Gefahr, die von einem solchen Dasein für die Persönlichkeitsbedürfnisse und Selbstwerdung ausgeht.

16.01.1975

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Männer in Kriegsrüstung werden von einem Mann in Zivilkleidung bekämpft. Weil ich mich einmische, will der zivile Mann mich töten, 1034

16.01.1975

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Männer in Kriegsrüstung stehen für ein Männerbild und eine Form männlicher Aggressionsbereitschaft, die nicht eine spontane Erscheinung ist, sondern von «oben», von herrschenden Männern verordnet wird. Weniger verständlich scheint, warum der vermeintlich unkriegerische Mann (Zivilkleidung) dann eine spontane Tötungsbereitschaft entwickelt, die sich übrigens gegen eine weibliche Person richtet. Wenn wir aber bedenken, dass Männer Krieg und Aggression als eine «Männersache» und als Ausdruck für «richtige Männlichkeit» für sich beanspruchen, wird verständlich, was die Sequenz der Träumerin mitzuteilen versucht: Es sei nicht Sache der Frau, sich Gedanken über Männerbilder zu machen oder sich in «Männerhändel» einzumischen. Tue sie es trotzdem, müsse sie mit extremen Reaktionen von männlicher Seite rechnen. Getötet zu werden, könnte bedeuten, dass alle Beziehungen abgebrochen und die Frau ins berufliche, soziale und also existenzielle Abseits gestellt würde. - Der Sequenz kommt eine erhebliche Warnqualität zu.

27.01.1982

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Ich werfe meiner Mutter vor, sie sei eine Hexe. Sie habe den Schaden an meinem Auto veranlasst, und ich fühle Hass gegen sie, 800

27.01.1982

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Die «Hexe» steht im patriarchalen Kontext und auch in der Tiefenpsychologie für eine abgrundtief böse Frau. Das englische Wort hag bezeichnet eine hässliche alte, hexenhafte Frau. Und auch die Träumerin scheint diesen falschen Vorstellungen über Hexen erlegen zu sein. Aber das Wort selbst kommt aus dem Griechischen: Hagia heisse «heilige Frau» oder «Hebamme». Dies waren die weiblichen Schamanen des vorchristlichen Europa oder die Stammes-Matriarchinnen, die die weisen Wege der Natur, der Heilung, der Weissagung, der Künste und Traditionen der Göttin kannten (ID-Buch 801, 347).

10.01.1983

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Ein alter Schafhirt soll weit abseits und unberührt von der Welt seine Schafherde hüten. Dem Ehepaar, dem ich auf Wanderung begegne, sage ich, ich sei öfters dort gewesen, 822

10.01.1983

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Der Schafhirt symbolisiert letztlich die Versorgung von Lebewesen, wobei die «Schafe» für menschliche Wesen stehen. Auch katholische Priester verstehen sich als «Hirten», wobei diese priesterliche Sorge dem «Seelenheil» gilt. Als «priesterliches» Verhalten im Sinne der Sorge für die menschliche «Seele» kann auch die Arbeit von Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten verstanden werden, und ebenso eine gesellschaftspolitische Arbeit zugunsten der Allgemeinheit. Zu den weiblichen «Hirtinnen» zähle ich daher alle Frauen, die in irgendeiner Weise zu einem selbstbestimmten Leben beitragen, sei dies als Psychologin, Theologin oder Historikerin u.a. Das Symbol «guter Schafhirt» ist älter als das Christentum. Objektstufig könnte die Traumsequenz auf ein Bedürfnis der Träumerin hinweisen, sich auf der gesellschaftspolitischen Ebene stärker zu engagieren, anstatt sich mit der Arbeit mit einzelnen Menschen zu begnügen (Psychotherapie).