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825 – Natur - Symbolkategorie Natur

07.02.1959

BachFluss

An einem ausgetrockneten Fluss halten sich abgemagerte Menschen auf. Ich selber bin unter ihnen, 21

07.02.1959

BachFluss

Der «ausgetrocknete Fluss» symbolisiert auf der Subjektebene einen seelischen Zustand der «Leere» und Selbstentfremdung. Das Fühlen ist wie abgestorben, verloren gegangen, Freude und Schmerz können nicht mehr empfunden werden, es scheint ein Stillstand des seelischen Lebens und des Lebensinteresses eingetreten zu sein. Auf der Objektebene besagt die Sequenz, der Zustand von «Trockenheit» betreffe die äussere Situation. Das würde bedeuten, dass die äussere Situation den seelischen oder vitalen Bedürfnissen der Träumerin zu dieser Zeit nichts zu bieten hat, und dass sie also emotional und/oder geistig seelisch darben muss.

17.08.1959

BachFluss

Das Wasser eines Baches ist nach einem Gewitter in der Mitte wie aufgetürmt und teilt sich dann in zwei Bäche. Das Wasser des einen Baches ist sauber und klar, das andere trüb, 70

17.08.1959

BachFluss

Dieser Bach verändert sich in zweierlei Hinsicht: Er verändert seine Fliessrichtung und er verändert sich auch in seiner Qualität (der eine Bach ist klar, der andere trüb). Das Symbol «Gewitter» bezeichnet einen intensiven Aufruhr im Gefühlsbereich und vermutlich innerhalb einer Zweierbeziehung, wobei die Teilung in zwei Bäche Ausdruck einer Trennung sein könnte. Dass das Wasser des eines Baches «klar» weiter fliesst und der andere «trüb», weist auf eine unterschiedliche Betroffenheit der Beteiligten hin. Der eine Teil ist (be)trüb(t), die Befindlichkeit des anderen lässt sich nicht «trüben». Auf der anderen Seite könnten die beiden Bäche, verstanden als innere Befindlichkeit der Träumerin, besagen, dass die Vorgänge nunmehr zu einer «Ambivalenz» ihrer Gefühle geführt haben.

12.01.1960

BachFluss

In einem grossen Fluss habe ich die Orientierung verloren, weil er sich mehrfach verzweigt hat. Ich suche und finde eine Rückströmung, 118

12.01.1960

BachFluss

Der Fluss in dieser Sequenz weist auf den «Fluss» des Lebens hin, in den wir als Menschen hinein gestellt sind: «Alles fliesst». Die Tage und Jahre «fliessen» und mit ihnen wir selber und die Menschen um uns herum. Menschen und Situationen verändern sich laufend, aufgrund von immer neuen «Zuflüssen» und «Einflüssen», und sie laufen in verschiedenen Richtungen und Lebensauffassungen weiter. - Hier wird eine Lösung in einer «Rückströmung», in einem «Zurück» in Bekanntes oder «Früheres» gesucht. Verstanden als eine Rückbesinnung auf jene Dinge, die für die Träumerin wesentlich sind, wäre die Suche nach einer «Rückströmung» als ein prospektives Vorgehen zu interpretieren, und nicht als ein Rückfall in Konservativismus, Scheuklappendasein oder totale Abkehr von den Risiken der Beziehungswelt. Aus psychoanalytischer Sicht könnte die vorliegende Sequenz aufgrund ihrer zeitlichen Nähe zu Traum 70/3626 einen Lösungsversuch darstellen im Sinne der Rücknahme von Libido oder besser gesagt, durch Verschiebung von Libido auf andere Objekte.

06.02.1960

BachFluss

Mehrere Bäche sind zusammen geflossen und strömen in einen Bergsee. So kommt es zu gefährlichen Wirbeln, 125

06.02.1960

BachFluss

Das Zusammenfliessen von Bächen interpretiere ich hier als Begegnung von Individuen, bei denen es wegen ihrer unterschiedlichen psychischen Beschaffenheit zu gefährlichen «Wirbeln» kommt. Die «Wirbel» stehen für die Erfahrung, dass die Psyche durcheinander «gewirbelt» wird, wenn die Weltbilder von aufeinander treffenden Personen allzu verschieden oder sogar gegensätzlich sind. - Die Sequenz könnte darauf hindeuten, dass sich die Träumerin mit Problemen der menschlichen Verschiedenheit befasst, und dass sie darauf aufmerksam gemacht wird, dass diese Verschiedenheit zu möglicherweise gefährlichen Wirbeln führen kann. Die Träumerin soll im Umgang mit anders Denkenden und anders Fühlenden nicht naiv sein, wobei die Sequenz nichts darüber aussagt, wie sie sich verhält oder verhalten sollte.

20.07.1965

BachFluss

In einem Fluss hat sich das Wasser gestaut. Es fliesst nun flussaufwärts, 347

20.07.1965

BachFluss

Eine «Fluss-Stauung» braucht nicht unter allem Umständen auf eine Störung hinzuweisen. Bekanntlich wird bei Wasserkraftwerken eine Stauung absichtlich herbei geführt, um die Wasserkraft zu nützen. Im Unterschied dazu dürfte das zurück und aufwärts fliessende Wasser in dieser Sequenz jedoch auf ein bedrohtes seelisches Gleichgewicht hinweisen. Die «Stauung» besagt, etwas bedrohe die seelische Lebendigkeit, etwas stehe der seelischen «Bewegtheit» und Lebendigkeit im Wege. - Die Metaphern «Fluss» und «Fliessen» gehen auf die Bewegung des Wassers zurück. Ein Geschäft kommt «in Fluss», die Psyche muss «in Fluss» kommen, wir sollen «fliessend» reden und «flüssig» schreiben, oder Linien gelten als schön, wenn sie «fliessend» sind. - Die Sequenz gibt sowohl auf der Objektebene als auch auf der Subjektebene Hinweise, dass Handlungsbedarf besteht, um das seelische «Fliessen», die psychische Lebendigkeit wieder zu erlangen.

12.11.1966

BachFluss

Ich schwimme in einem Fluss und weiss, dass ich eine bestimmte Stelle erreichen muss, um abbiegen zu können. Ansonsten bin ich verloren, 432.

12.11.1966

BachFluss

Das Schwimmen im Fluss könnte besagen, dass die Träumerin inbezug auf ihre Befindlichkeit «im Fluss» ist. Dass sie also lebendig und aktiv dem Leben zugewendet ist (schwimmen), obgleich im Wort «Schwimmen» auch die Bedeutungen «unsicher sein» und «auf schwachen Beinen stehen» enthalten sind. Die Sequenz sagt gewissermassen, aktiv zu schwimmen und zu strampeln genüge nicht, um das Leben zu bewältigen. Vielmehr müsse gezielt auf eine bestimmte «Stelle» zugeschwommen werden, wobei der Begriff «Stelle» assoziiert, dass es auch um die Suche nach einer passenden Stelle im beruflichen Bereich gehen könnte. Die Sequenz sagt zudem, die Träumerin müsse «abbiegen», und dass sie «verloren» sei, wenn dies nicht in der richtigen Weise gelinge, was heisst, dass es um eine bedeutsame Lebenswende geht, die viel Aufmerksamkeit und Kraft erfordert.

01.11.1967

BachFluss

In einem Fluss rudere ich aufwärts. Plötzlich kommen Wellen und ich laufe Gefahr, ins offene Meer getrieben zu werden, 496

01.11.1967

BachFluss

Einen «Fluss» aufwärts zu rudern steht für eine anstrengende Tätigkeit, denn es bedeutet so viel wie «gegen den Strom» zu schwimmen. Die Metapher «gegen den Strom schwimmen» besagt, dass sich die Person gegen den vorherrschenden «Zeitgeist» stellt, sich abwendet von geltenden Auffassungen und den eigenen Weg geht, obgleich dies anstrengend sein mag. Das Bild von den Wellen, durch die die Träumerin ins «offenen Meer», abgetrieben zu werden droht, könnte heissen, dass sie befürchtet, trotz äusserster Anstrengung die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

29.07.1974

BachFluss

Ein dreiteiliger Fluss bildet Landesgrenzen: Vermutlich die Grenzen zu Frankreich oder Italien, 663

29.07.1974

BachFluss

Der «Fluss», der hier die Grenzen zwischen «Ländern» bildet, redet von «Grenzen» zwischen Personen oder Personengruppen oder Weltbildern, die hier als «anderssprachige Länder» dargestellt sind (Frankreich oder Italien). Die «Dreiteiligkeit» des «Flusses» verweist möglicherweise auf ein komplexes bis schwieriges Verhältnis zwischen diesen Personen, Personengruppen oder zwischen deren Weltbildern (Länder).

02.01.1961

BäumeHolz

Hinter oder innerhalb eines mächtigen Baumes scheint mir ein Mann zuzuhören. Dieser Mann scheint jedoch aus drei Männern zu bestehen, 1020

02.01.1961

BäumeHolz

Bei diesem «mächtigen Baum» kann es sich nur um den «Lebensbaum» handeln, der in den Mythen als eine allnährende und allgewährende «Mutter» betrachtet wird. Was könnte daher ein Mann (oder gar mehrere Männer) innerhalb diesem, als weiblich verstandenem Lebensbaum, besagen? Wird hier auf eine Vereinnahmung weiblicher Symbole durch männliche Instanzen hingewiesen? Stehen diese «drei Männer» für die säkularisierte christliche «Dreifaltigkeit» (Gott: Vater, Sohn, heiliger Geist), in einem Mann vereinigt? Oder könnten sie umgekehrt auf eine Dreiheit des Zuhörens hinweisen: Interesse, Anteilnahme, Neugier? - Im sexualsymbolischen Sinn steht der Innenraum des Baumes für das weibliche Geschlecht, wobei die drei Männer in dieser Sequenz auch auf sexuelle Beziehungen zu mehreren Männern hinweisen könnten.

11.06.1962

BäumeHolz

Drei Bäume vor meinem Haus verlieren bereits Blätter, während Pflanzen im Gemüsegarten innerhalb wenigen warmen Tagen gewachsen sind, 192

11.06.1962

BäumeHolz

Dass Bäume in einer Zeit des schönsten Wachstums Blätter verlieren, weist auf einen alarmierenden Vorgang hin. Auffallend ist die Dreizahl der Bäume, da diese Zahl die Aussagekraft der Sequenz verstärkt: In der Träumerin sei etwas Lebenswichtiges am Absterben, das eigentlich lebensfrisch sein sollte (grün). Es könnte sein, dass die Bäume, im Sinne der weiblichen Sexualsymbolik, auf die Folgen von Entbehrung hinweisen. Aber die Sequenz enthält auch eine tröstliche Botschaft, indem sie auf ein intensives Wachstum in anderen Bereichen aufmerksam macht. Das heisst, dass das Absterben nicht die ganze Persönlichkeit betrifft. Trotzdem soll die Träumerin die Warnung nicht in den Wind schlagen, die in dieser Sequenz ganz klar vorhanden ist.

02.09.1965

BäumeHolz

Ich muss unter Baumwurzeln hindurch und durch eine Höhle kriechen, 354

02.09.1965

BäumeHolz

Dass die Träumerin unter Baumwurzeln hindurch kriechen muss, könnte besagen, es sei nötig, sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen. Sie müsse sich mit dem «Eigenen» und Echten in ihren eigenen Tiefenschichten in Verbindung setzen. Die «Wurzeln» betreffen die Herkunft, die einerseits aus der eigenen Familie besteht, anderseits aus der prägenden religiösen Unterweisung (Kirche, Religion) und nicht zuletzt aus den «Sitten» eines Landes (wie die Schriftstellerin Irmtraud Morgner sagte). - Ich halte die vorliegende Sequenz für einen dringlichen Aufruf an die Träumerin, sich mit ihren hergebrachten «Wurzeln» zu befassen, sich auf das eigene Denken und Fühlen zu besinnen, um zu einer Weltdeutung aus ihrer Frauensicht zu kommen.

17.04.1968

BäumeHolz

Ich spüre plötzlich Baumäste unter mir während ich über Bergketten fliege. Ich halte mich mit aller Kraft an den Ästen fest, bis ich mein eigenes Gewicht wieder spüre, 520

17.04.1968

BäumeHolz

Die Baumäste stehen hier für Bodenhaftung. Sie ermöglichen der Träumerin, sich aus einem «Schwebezustand» (fliegen) zu retten, und die Verbindung zum «Boden» wieder zu finden. Die in den Himmel wachsenden Teile der Bäume symbolisieren den rettenden Halt und die Wiederbringung des «Bodens», der für die Eigenwelt steht. Die Äste, die sich näher im Bereich des «Himmels» befinden als die Wurzeln, symbolisieren aber auch den «oberen» Denkbereich. Während der Zugang zu den «Wurzeln» des Baumes den Zugang zum seelischen «Schwergewicht» ausdrückt, könnten die Äste darauf hinweisen, dass wir auch im «oberen» Bereich des Denkens und des Intellekts eine Form von «Wurzeln» finden können. Das «eigene Gewicht» kann wieder gespürt werden, wenn wir uns auf das eigene Denken und Fühlen besinnen und uns zudem mit dem Denken und Fühlen anderer Frauen und Männer befassen (Schriften). - Ein Gefühl von «Fliegen» haben wir zum Beispiel, wenn wir uns verlieben und möglicherweise den Boden unter den Füssen zu verlieren.

26.11.1979

BäumeHolz

Ein vermeintlich morscher, rauhborstiger Baumstumpf entpuppt sich als eine Art Troll. Er läuft mir nach, 761

26.11.1979

BäumeHolz

Ein «morscher Baum» steht für etwas, das brüchig, zerfallend ist. Die Sequenz weist aber darauf hin, dass es sich bei diesem vermeintlich morschen Baum um eine männliche Person handelt, die eine Art Troll sei. Das Wort «Troll» bezeichnet ein archaisches Wesen, das hier für eine rauborstige Männlichkeit stehen könnte (es gibt keine weiblichen Trolle). Ein so gekennzeichneter Mann, sagt die Sequenz, laufe der Träumerin nach, aber es wird nicht gesagt, ob es sich um eine Belästigung handelt und also abgewehrt werden müsste, oder ob es richtig wäre, sich mit dem archaischen Wesen zu befassen.

31.12.1987

BäumeHolz

Auf dem grossen Landgut, das meinem Familienclan zu gehören scheint, gibt es eine Baumschule, 914

31.12.1987

BäumeHolz

Eine «Baumschule» bezeichnet eine grössere Gartenanlage, in der Bäume gepflanzt, kultiviert und zu Jungbäumen aufgezogen werden. Baumschulen verdanken ihre Existenz einerseits dem Kultivierungsgedanken, anderseits dienen sie dem Aufbau einer Existenz. Faszinierend ist für mich, dass bei diesem Unterfangen Natur und Kultur nicht gegeneinander ausgespielt werden, und dass das Gewerbe seinen legitimen Platz hat. Eine Baumschule setzt ein Studium und Kenntnisse über deren optimale Pflege innerhalb einer mehr oder weniger rauen Natur voraus. - Eine Baumschule mit vielen Bäumen könnte als eine Metapher für Kinder und junge Menschen gelten, die gepflegt und «kultiviert» werden möchten wie die Jungbäume. Eine solche Arbeit setzt ein Studium über ihre Eigenarten und Bedürfnisse voraus, damit die Jungen befähigt werden, in einer rauen Umwelt zu bestehen. Dass diese «Baumschule» zu einem grösseren «Klan» gehört, könnte besagen, dass es hier nicht um Pflege im Privatbereich geht, sondern um Interesse und Kenntnisse bezüglich menschlicher Entwicklung im allgemeinen Sinn.

21.08.1959

BergGebirge

Mit einem Mann und einem zirka einjährigen Kind befinde ich mich auf einem hohen Berg, vermutlich um das Kind vor jemandem zur retten, 73

21.08.1959

BergGebirge

Der «hohe Berg» stellt hier ganz klar einen Schutzort dar, der in den Mythen als der mütterliche und heilige Ort bezeichnet wird (Bergheiligtum). Der «hohe Berg» könnte für den Wunsch nach einem «heilen» und «heilmachenden» Weltbild stehen, obgleich ein solcher Wunsch gemeinhin als naiv und lächerlich gilt. Das Kind wiederum könnte als Wunsch nach einem unversehrten und «heilen» inneren Naturzustand verstanden werden, den die Träumerin zusammen mit einem Mann herzustellen oder zu retten versucht..

21.08.1959

BergGebirge

Ein gut ausgerüsteter Bergsteiger befiehlt, ich müsse mit ihm gehen. Ich verlange eine ebenso gute Ausrüstung, 74

21.08.1959

BergGebirge

Das Bergsteigen unterscheidet sich wesentlich vom Bergwandern, da es weit höhere Anforderungen an Ausrüstung und Kondition stellt (es braucht auch eine Technik). Je höher der Aufstieg, desto stärker muss mit einem raschen Wechsel von Wind und Wetter gerechnet werden, mit Kälte und Schnee. Auf der Objektebene symbolisiert das Bergsteigen die Beschäftigung mit Sinnfragen und Weltdeutungen, die von aussen an uns herangetragen werden, aber auch mit Deutungen, die uns durch Traumbilder vermittelt werden. Noch sind die meisten Frauen, wie die Träumerin in dieser Sequenz, nicht in derselben Weise wie Männer mit Hilfsmitteln ausgestattet, die ihr bezüglich einer eigenen Weltsicht und Weltdeutung die nötigen Grundlagen bieten könnten. In dieser Sequenz verlangt die Träumerin sehr richtig, dass sie für den geistigen Bergaufstieg, der ihr befohlen wird, eine ebenso gute bildungsmässige und finanzielle Ausrüstung bekommt, wie der Mann. Ohne eine solche Ausrüstung würde das blosse «Mitgehen» mit einem Mann bedeuten, dass sie seine Weltsicht übernehmen müsste.

06.09.1960

BergGebirge

Eine Passarelle verbindet den Kirchturm mit einem Berg. Ich verlasse den Kirchturm und gehe zum Berg, 137

06.09.1960

BergGebirge

Der Berg, verstanden als ein «heidnisches» Symbol für mütterlichen Schutz und Heilungsort für Verletzungen, wird hier als bessere Alternative für die «Kirche» dargestellt, die sich ja auch als «Mutter» der Menschen ausgibt (Mutter Kirche). Auf der Objektebene symbolisieren Kirche und Berg unterschiedliche Auffassungen vom Sinn der Welt und über die Bedeutung und Aufgaben der Geschlechter. Die Träumerin scheint sich nunmehr entschieden zu haben, sich an die «heidnischen» Varianten der Weltdeutung zu machen: Sie verlässt die Kirche, den Kirchturm und geht zum «Berg».

29.10.1964

BergGebirge

Ich bin mit einer Frau und ihrem Kind auf Bergtour. Ein Mann erhebt Anspruch auf das Kind, 297

29.10.1964

BergGebirge

Hier ist von einer gewöhnlichen «Bergtour» die Rede. Trotzdem ist sie nicht gefahrlos für das «Kind», das auch hier das eigene Denken und Fühlen sowie den eigenen «Weg» der Frau symbolisieren dürfte. Immer kann ihr auf ihrem Lebensweg ein patriarchal geprägter Mann begegnen, der glaubt, einen Anspruch auf ihre «Kinder» zu haben, auf die Produkte ihrer Arbeit im allgemeinen und ebenso auf dem geistigen, kreativen Gebiet. - Die Sequenz weist auf einen solchen Sachverhalt hin.

31.12.1965

BergGebirge

Auf einem Berg habe ich mit anderen Leuten Brote oder Grütze gebacken, 377

31.12.1965

BergGebirge

Die Träumerin backt das Brot nicht brav in einer Küche als Hausfrau, sondern auf einem Berg, also an einem urtümlich «heiligen» und heilsamen Ort im gesellschaftlich öffentlichen Raum. Das «Brote backen» bezieht sich auf die Bearbeitung und Behandlung von Sachverhalten, die die Allgemeinheit angehen. Diese Arbeit wird in der Sequenz richtigerweise mit «anderen Leuten» zusammen unternommen. - Die Träumerin scheint die Einsicht oder das Bedürfnis zu haben, sich mit gleichgesinnten Menschen zusammen zu tun, um gewisse Probleme gemeinsam anzugehen, anstatt ihre Kräfte als Einzelkämpferin zu verausgaben.

17.04.1968

BergGebirge

Ich fliege immer höher und über Bergketten. Endlich spüre ich Baumäste unter mir, an denen ich mich festhalten kann, bis ich mein eigenes Gewicht wieder spüre, 520

17.04.1968

BergGebirge

Eine «Bergkette» besteht aus einer Ansammlung von hohen Bergen, wobei diese eine Ansammlung von «hohen» Leitbildern und Weltbildern darstellen könnten. So gesehen steht der «Flug» über diese Bergketten für die Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit diesen Weltbildern, die mit der Gefahr verbunden zu sein scheint, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Wer sich mit Weltbildern und Theorien in abstrakter Form beschäftigt, läuft immer Gefahr, das Konkrete aus den Augen zu verlieren. - Die Träumerin scheint diese Gefahr genau zu spüren, weshalb sie sich an den «Baumästen» festhält, die sie unter sich spürt. Der Höhenflug könnte aber auch mit Gefühlen zu tun haben, die die Träumerin in weite Fernen fortzutragen drohen. In beiden Fällen scheint die Sequenz zu raten, zum «Boden», zur Realität zurück zu kehren, worin auch immer diese Realität bestehen mag.

21.09.1968

BergGebirge

Mit einer Schar erwachsener Leute und Kinder wandere ich auf einen Berggipfel, 536

21.09.1968

BergGebirge

Der «Berggipfel» bezeichnet den höchsten Punkt eines Berges. Der höchste Punkt, der eine weite Sicht über Täler und Felder bietet, steht für geistige Übersicht und geistiges Verstehen. Vom Berggipfel abgeleitet sind alle politischen und wirtschaftlichen «Gipfel», bei denen Wirtschaftsführer und andere Führende sich zu «Gipfelgesprächen» treffen. Aber auch uns ganz «gewöhnlichen» Menschen samt Kindern kann es ein Bedürfnis sein und Spass machen, sich auf einem «Gipfel» zu treffen, um sich einer grösseren Weltsicht zu öffnen und das eigene Weltwissen zu erweitern.

01.08.1974

BergGebirge

Mit meiner Familie zügle ich ins Hochgebirge, weit ab von Dörfern und Städten. Hier fühle ich mich den Naturgewalten ausgeliefert, 665.

01.08.1974

BergGebirge

Ein Hochgebirge umfasst ganze Bergketten und Täler. Das Wohnen in einer solchen abgelegenen Bergwelt verstehe ich als Ausdruck einer anhaltenden Beschäftigung mit Inhalten, die sich nahe am wechselhaften und gewaltigen Naturgeschehen abspielen (Wind und Wetter). - Es könnte aber auch sein, dass sich die Träumerin nach einer naturnäheren Lebensweise sehnt, obgleich sie weiss, dass ein solches Leben auch nicht einfach sein würde. Es würde andere Kräfte fordern als ihr gegenwärtiges Leben. Die Verbindung mit dem Wort «Familie» könnte bedeuten, dass sie mit Menschen zusammen sein möchte, die ihr nahe stehen, ihre Weltsicht teilen oder für gemeinsame Bemühungen zu haben wären.

18.04.1977

BergGebirge

Ich erkläre, es müsste einem Bergvolk oder introvertierten Menschen zugestanden werden, sich von politischen Dingen fern zu halten, 696

18.04.1977

BergGebirge

Ein Bergvolk umfasst eine Gruppe von Menschen, die ihr Leben in naturnahen, kargen bis harten Umständen verbringen. Sie haben zudem gelernt, eine eigene Kultur zu entwickeln und daraus eine eigene Identität zu beziehen. - Es könnte ferner sein, dass die Träumerin sich Gedanken darüber macht, ob es ihr zustehe, ihre eigenen Bedürfnisse nach einem introvertierten Leben in den Vordergrund zu stellen, oder ob sie sich für die Allgemeinheit (politisch) engagieren sollte.

12.06.1977

BergGebirge

Ich habe auf unbekannten Pfaden einen Berg erstiegen. Den Abstieg möchte ich aber auf einer offiziellen Route unternehmen, 701

12.06.1977

BergGebirge

Hier geht es um einen «Bergabstieg». Wenn der Berg erstiegen ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Träumerin liegt nichts daran, sich auf dem «Berg» niederzulassen, sich in einem «abgehobenen» Leben einzurichten, sei dies eine abschliessend gesicherte Weltsicht oder eine finanziell und sozial abgesicherte Lebensweise. Dass dieser Bergaufstieg «auf unbekannten Pfaden» erfolgte, besagt, dass er nicht auf vorgebahnten Wegen erfolgte, sondern auf Umwegen. - In dieser Sequenz wird gesagt, dass die Träumerin «absteigen» will und auf welche Weise, wobei nicht gesagt wird, warum sie dies tun will. Die angestrebte «offizielle Route» für den «Abstieg» könnte die Suche nach einer alternativen Vorstellung bedeuten, wie der Weg nach «unten» aussehen oder gestaltet werden könnte.

09.01.1984

BergGebirge

Mit einer Frau Berger habe ich eine gemeinsame Unternehmung gestartet. Anderntags erfahre ich, ihr 4-jähriger Sohn sei davongelaufen, 834

09.01.1984

BergGebirge

Der Name «Berger» bezeichnet hier eine Person, die etwas zu tun hat mit dem Symbol «Berg». Es scheint mir, dass die Sequenz in Bezug auf die Deutung des Berges auf zwei Möglichkeiten hinweist : Einerseits steht der Berg für die «göttliche Grosse Mutter» und ihre Milch spendenden «Brüste» im positiven Sinn, wobei es sicher auch positiv ist, wenn Frauen im Namen der Grossen Mutter (die Göttin in uns) gemeinsame Unternehmen starten (Frauen gemeinsam sind stark). Auf der anderen Seite besagt die Sequenz, es sei Vorsicht am Platz, denn Frau «Berger» wird während dieser «gemeinsamen Unternehmung» von ihrem Kind verlassen. Dies könnte bedeuten, es sei nicht ohne Gefahr, wenn sich Frauen als Gruppe zu sehr mit der Grossen Mutter identifizieren, weil das «Eigene» der einzelnen Frau, ihre Individualität (ihr «Kind») verloren gehen (weglaufen) könnte. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es auch unter Frauen zu einem «Gruppendruck» kommen kann, und dass dadurch dem Persönlichen und Individuellen der Lebensraum abgeschnitten wird.

19.07.1986

BergGebirge

Einer Wohlstandsfrau vom «Berg» rate ich, Kurse zu besuchen oder ein Studium zu beginnen, anstatt Putzfrau zu spielen, 875

19.07.1986

BergGebirge

Diese Sequenz steht sowohl für einen Abstieg als auch für einen Aufstieg. Einer Wohlstandsfrau vom «Berg» wird geraten, ins Tal hinunter zu steigen. Dieses Hinuntersteigen wird begründet mit dem Hinweis, dass sie «Kurse» besuchen oder sogar ein «Studium» beginnen sollte. Das heisst, dass der Abstieg vom «Berg» mit Weiterbildung und Studium in Zusammenhang gebracht wird. Dies ist ungewohnt, weil wir gewohnt sind, dass die Aneignung von Wissen und Bildung mit «Aufstieg» zu tun hat. Der «Abstieg» für eine Wohlstandsfrau könnte darin bestehen, dass sie ihren gehobenen Status aufgibt, und stattdessen auf eine Identität als Frau hin arbeitet, die mittels Aneignung von Frauenwissen und -Schulung zu einer neuartigen autonomen weiblichen Identität führen könnte.

26.11.1958

FäkalienAbort

Ich kann das öffentliche WC nicht benützen. Immer drängt sich jemand dazwischen, zuletzt ein Schwarzer, 8

26.11.1958

FäkalienAbort

Das öffentliche WC, der Abort, gehört zum öffentlichen Raum. Das nicht Benützenkönnen des öffentlichen Aborts bedeutet hier für die Frau, dass sie am «Ausdruck» ihres eigenen Denkens und Fühlens gehindert wird. Eher kommt ein männlicher «Schwarzer» in den Genuss des öffentlichen Raums für seine «Produkte», als eine Frau (schwarzhäutige Männer können in der katholischen Kirche Priester werden, nicht aber eine Frau). Noch weniger existiert zu dieser Zeit (1958) ein Ort für den geistigen Austausch zwischen intellektuell interessierten Frauen. Die geistige Produktion galt als eine Tätigkeit, die Männern vorbehalten war. Männer beanspruchten den öffentlichen Raum für den «Ausdruck» allein. Diesen Sachverhalt soll die Träumerin wahrnehmen.

07.02.1959

FäkalienAbort

Der kleine Thomas meines Bruders B. ist bis zum Gesicht mit Kot verschmiert. Ich ärgere mich über seine Eltern und säubere es, 19

07.02.1959

FäkalienAbort

Die Fäkalien in dieser Sequenz stehen in Verbindung mit zwei männlichen Wesen (Knabe und Bruder). Der Kot, der ein Symbol für Produktion darstellt, könnte aufgrund seiner Formlosigkeit für schwammig amorphe bis krude Denkprodukte oder Aussagen stehen. Die Aussage wäre demnach, ein «Gesicht», das seinerseits für die Differenziertheit der Form steht (auch Sachen können ein «Gesicht» haben), sei durch männliche Denkproduktionen bis zur Unkenntlichkeit zugedeckt worden. - Das Säubern des Kindes interpretiere ich als eine progressive mütterliche Handlung. Der «Ärger» der Träumerin über vernachlässigende «Eltern» halte ich ebenfalls für eine progressive Entwicklung, denn dadurch wird ein Gefühl wahrgenommen, anstatt verdrängt, und ferner wird die Verantwortung für den Schaden an die richtige Stelle gerückt: auf die Objektebene. Die Kritik an den «Eltern» könnte, angesichts der erst vor einigen Monaten begonnenen Psychotherapie, eine Kritik an Erklärungsmustern, Deutungen oder Methoden an der Jungschen Therapierichtung bedeuten.

23.07.1959

FäkalienAbort

Ein männlicher Schäferhund versucht seine Notdurft im Treppenhaus des Bürohauses zu verrichten, in dem ich mich befinde. Ich verjage den Hund, 57

23.07.1959

FäkalienAbort

Das Verrichten der «Notdurft» im Treppenhaus eines Bürohauses besagt, dass die Entleerung am falschen Ort stattfindet (im Treppenhaus anstatt draussen) und zudem im öffentlichen Raum (Bürohaus). Der Schäferhund könnte für einem Mann stehen, der es für angebracht hält, seine Vorstellungen und Ideen zu äussern und sie als Richtige auszugeben, wo auch immer. Selbst wenn diese Ideen, wie die «Jauche», unausgegoren (ätzend und unreif) sind. - Die Träumerin reagiert in dieser Sequenz anders als ein Jahr zuvor (Traum Nr. 8), denn sie reagiert nicht mehr mit Rückzug, sondern verjagt den «Hund» bzw. die anmassenden Vorstellungen, Ideen oder Argumente, die durch den defäkierenden «Schäferhund» dargestellt sind.

23.03.1961

FäkalienAbort

Angestellte müssen der Dame des Hauses den Nachttopf bringen, weil sie nicht den allgemeinen Abort benützen will, 147

23.03.1961

FäkalienAbort

Der Nachttopf ist ein Gegenstand des privaten Gebrauchs. Damit verweist der Topf auf den Ort, der einer «Dame» für ihren «Ausdruck» zur Verfügung steht: der Privatraum. Aber selbst hier wirkt der weibliche «Ausdruck» irgendwie peinlich, weil der «Nachttopf» benützt wird und dies erst noch tagsüber. - Die Erklärung, die Dame weigere sich, den «allgemeinen Abort» zu benützen, könnte bedeuten, dass sie ihre «Produkte», ihr «Eigenes» nicht vermischt sehen möchte mit den Produktionen anderer Personen im persönlichen Umfeld, was auf den ersten Blick etwas narzisstisch anmuten mag. Es könnte aber um Erfahrungen, Gefühle und Gedanken gehen, die bewahrt werden möchten, obwohl sie sich nicht mit den zurzeit geltenden Leitideen decken. - Auf der Subjektebene gibt die Sequenz der Träumerin Hinweise, wie sie sich gegenüber ihren «Produkten» verhalten solle. Sie soll sie in einem speziellen Gefäss verwahren (Topf), um die Inhalte allenfalls später genauer bedenken und reflektieren zu können. Dieses Gefäss könnte beispielsweise in einem Tagebuch bestehen.

20.10.1963

FäkalienAbort

Ich habe eine grosse Menge Kot (Fäzes) entleeren müssen und werde verpflichtet, ihn zu kneten, 247

20.10.1963

FäkalienAbort

Die anale Produktion symbolisiert aus der Sicht der Tiefenpsychologie die geistige Produktivität. So gesehen wird diese nicht sehr appetitliche Szene verständlich. Die Verpflichtung zum «Kneten» des Kotes könnte mitteilen, es genüge nicht, dem eigenen Denken und Fühlen einfach so Ausdruck zu verleihen. Vielmehr müsse ein zweiter Schritt erfolgen. Dieser Schritt könnte im Erinnern, Ausloten und Differenzieren der Inhalte bestehen, die den Tiefenschichten entstammen. Es könnte um eine kritische Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken, Fühlen und Urteilen gehen. - Das unappetitliche Bild vom Kot, der geknetet werden muss, könnte die Aufforderung an die Träumerin enthalten, die «ausgedrückten» Inhalte nun zu bearbeiten, anstatt in der derzeitigen Form zu belassen oder gar zu vergessen.

23.12.1964

FäkalienAbort

Ich bin von einer eigenartigen Krankheit befallen: Ich muss riesige Mengen Kot ( Exkremente) entleeren und Todeskämpfe bestehen. Dann scheint die Krankheit überwunden, 312

23.12.1964

FäkalienAbort

Die «riesige Menge» der analen Produktion (Kot), ist fast identisch mit der Sequenz 147 ein Jahr zuvor. Aber der Hinweis, dass es hier «um Leben und Tod» geht, dass es um «Todeskämpfe» geht, macht auf die grosse Bedeutung, dieser Sequenz aufmerksam. Der zweite wichtige Hinweis ist, dass schon der «Ausdruck» von «Kot», also von bedrängenden seelischen Inhalten, einen heilenden Prozess auslösen kann und ausgelöst hat. Dadurch sei eine «Krankheit» überwunden worden. - Die Aussage der vorliegenden Sequenz ist eine tröstliche oder beruhigende: Die «anale Produktion», die getreue Wahrnehmung und Wiedergabe der Geschehnisse der Träumerin in ihrem Tagebuch, sei zwar Arbeit «für die Schublade», aber sie habe den grossen Wert eines Leben erhaltenden und heilenden Faktors.

26.12.1964

FäkalienAbort

Ich sitze auf dem Topf und befürchte schlechte Gerüche zu verbreiten. Aber meine Schwester Ch. umarmt und küsst mich, wie wenn sie etwas Lebenswichtiges von mir empfangen würde, 317

26.12.1964

FäkalienAbort

Hier geht es um die Vermutung oder Befürchtung, anale «Produkte» seien nichts wert (schlechte Gerüche). Diese Befürchtung erweist sich jedoch als unzutreffend. Allerdings stammt dieses positive Urteil über weibliches Produzieren von einer Frau (Schwester). Zu dieser Zeit (1964) konnte es nach tiefenpsychologischer Auffassung nur zu schlechten Resultaten führen (stinken), wenn Frauen aus eigener Erfahrung denken und schaffen wollten, anstatt als «Anima» für die Produktivität eines Mannes zu arbeiten. - Das Geküsstwerden durch eine «Schwester» könnte als Hinweis und Rat an die Träumerin verstanden werden, sich auf ein neues und verstehendes Verhältnis unter Frauen einzulassen, das entstehen könnte, wenn diese ihre geistigen und kreativen Produktionen gegenseitig wahrnehmen und wertschätzen lernten.

12.07.1965

FäkalienAbort

Das Neugeborene meiner Schwester M. hat eine besonders intensive Ausscheidung und Ausdünstung. Ich soll ihr bei der Pflege des Kindes helfen, 346

12.07.1965

FäkalienAbort

Hier ist die Ausscheidung mit dem Gebären verknüpft und zudem mit zwei Schwestern, die sich in der Pflege des Kindes mit den starken «Ausscheidungen» teilen. Die anale ist hier mit der genitalen Produktivität verknüpft. Das Neugeborene ist nämlich ein Produkt des weiblichen Schosses und weiblicher Genitalien, während sich die Ausscheidungen auf die anale Produktivität beziehen. Es kommt mir vor, als ob die Bearbeitung der analen Produkte (Kot), von denen in den vorhergehenden Traumsequenzen die Rede war, nunmehr zu einer «richtigen Geburt» geführt hätte, nämlich zu einer weiblich genitalen «Geburt» und Produktivität. Das genital geborene «Kind» hat eigenartigerweise eine besonders intensive Ausscheidung und Ausdünstung, was bedeuten könnte, die weibliche Produktivität im geistigen Bereich sei (zurzeit) von besonders intensiven Gefühlen und Affekten begleitet, weshalb sie einer besonderen Aufmerksamkeit und Pflege bedürfe. So gesehen ist es erfreulich, dass die Träumerin fähig ist, einer ihrer «Schwestern» bei der Pflege eines solchen Kindes behilflich zu sein. - Wie schon in Traum 317 wird hier auf ein entstehendes neues Verhältnis zwischen Frauen im kreativen Bereich aufmerksam gemacht.

23.12.1965

FäkalienAbort

Ich soll den Misthaufen bei einem See abtragen und damit den sumpfigen Boden düngen. Aus dem Miststock ragen Frauenhaare heraus, die zu einer weiblichen Leiche zu gehören scheinen, 375

23.12.1965

FäkalienAbort

Misthaufen bestehen aus analen Produkten von Milchkühen und anderen Nutztieren, die in Ställen gehalten werden. Dass aus einem solchen Misthaufen Frauenhaare heraus ragen, lässt den Verdacht aufkommen, dass die auf dem «Mist» gelandeten «Produkte» von Frauen stammen, womit die Frauen im Traum auch noch als die quasi «Nutztiere» der Gesellschaft dargestellt wären. Die Aufforderung an die Träumerin, mit dem Misthaufen den Boden zu düngen, könnte im günstigen Fall besagen, sie solle ihre eigenen Produktionen als Material für eine Weiterverarbeitung auffassen, im Sinne von Selbstwerdung und Individuation, aber die weibliche Leiche lässt mich an dieser Version zweifeln. Dass Männer die weibliche Produktion als «Dünger» für die Schaffung eigener Werke in Anspruch nehmen und erst noch als ihr legitimer Besitz, war damals (1965) von Frauen noch nicht öffentlich kritisiert worden, aber die Sequenz scheint diesen Zusammenhang zumindest anzutönen. Hier wäre also zu fragen, wer oder was die Produkte der Frau vereinnahmt oder ausbeutet.

22.03.1978

FäkalienAbort

Der verstopfte Abort droht überzulaufen. Ich sage, der Abort dürfe nicht benützt werden, bevor der Ablauf wieder funktioniere. Ich organisiere die Verantwortlichen, 718

22.03.1978

FäkalienAbort

Hier wird das Problem eines «verstopften Aborts», das heisst die Verunmöglichung des «Ausdrucks» eines eigenständigen Denkens und Fühlens, nicht mehr auf der individuellen Ebene angegangen. Vielmehr werden hier die «Verantwortlichen» für das Übel belangt. Es scheint mir, das Problem werde nun als allgemeines Problem erkannt und mit strategischen Mitteln angepackt.

06.04.1982

FäkalienAbort

Auf der Suche nach meiner verlorenen Tasche komme ich zum Jauchekasten (Gülle) und finde dort Goldstücke, 802

06.04.1982

FäkalienAbort

Mit dieser letzten Sequenz erfolgt eine fast märchenhafte Wende zum Symbol «FäkalienAbort». Im Unterschied zum Grimmschen Märchen, in dem der Goldesel das Gold aus seinem Anus «scheisst», werden hier die Goldstücke in der Nähe der Jauchegrube (Gülle) gefunden. Dies könnte auf den Wertunterschied zwischen unmittelbaren «Ausscheidungen» und den Produkten hinweisen, die bereits einen Prozess des «Gärens» durchlaufen haben. Das heisst, dass diese mittels eines Reflexionsprozesses aus dem unteren (Gärungs-)Bereich in den oberen (Erkenntnis-) Bereich gehoben wurden. Nicht alles, was «unmittelbar» und «natürlich» ist, ist zugleich wunderbar. Und ebenso wenig gehört jedes «Produkt» zu jenem Schöpferischen, durch das die Menschen aus dem bloss natürlichen, spontanen, gefühlsbetonten Dahinleben herausgehoben und zu sich selber gebracht werden. - Das «Gold» in dieser Sequenz wurde gewissermassen aus der «Jauche» heraus kristallisiert. Das Gold steht hier für den durch Verarbeitung verwandelten «Mist». Dieser Vorgang gehört zu jener psychologischen Erfahrung, die dem Begriff «Schattenbearbeitung» zugrunde liegt.

29.10.1959

Feuer

In der Küche, in der ich Wasser holen soll, springt Feuer aus der Wasserleitung, anstatt Wasser. Ich möchte schreien und warnen, bringe aber keinen Ton heraus, 97

29.10.1959

Feuer

Hier geht es um ein «Feuer» am falschen Ort. Indem die Wasserleitung aus sexualsymbolischer Sicht das männliche Sexualorgan darstellt, wird verständlich, von welcher Art das «Feuer» sein könnte, von dem die Sequenz redet. Die Aussage, dass dieses libidinöse Feuer in jener «Küche» ausgebrochen ist, in der die Träumerin «Wasser holen soll», lässt nach der Bedeutung dieser zusätzlichen Symbole fragen. In der Mythologie wird «Wasser» in einem umfassenden Sinn als «Wasser des Lebens» beschrieben, das für die Möglichkeit einer umfassenden geistigen und seelischen Erneuerung steht. In der Psychologie symbolisiert die «Küche» die Praxis der Psychotherapie, die ebenfalls auf eine umfassende geistige und seelische «Erneuerung» zielt. Der «Schock» der Träumerin könnte eine von ihr geahnte Widersprüchlichkeit des Konzepts der Psychotherapie betreffen, in der sie sich zu dieser Zeit befindet. Es scheint nicht mehr klar zu sein, wie sich die Bereiche, die hier durch «Feuer und Wasser» dargestellt sind, zueinander verhalten.

05.09.1963

Feuer

Man orientiert mich, in vier Minuten werde eine Zeitbombe zünden, die von Männern gelegt wurde. Ich ziehe sie unter Lebensgefahr aus dem Ritterhaus heraus bis hinter eine Mauer, 239

05.09.1963

Feuer

Zur wesentlichen Eigenschaft einer «Zeitbombe» gehört die Möglichkeit einer genauen Zeitangabe, in der ihre Feuer-Zündung erfolgen soll. In dieser Sequenz wird die Träumerin auf die Minute genau orientiert, wann die Bombe zünden wird, nicht aber, worauf die zerstörerische Bombe eigentlich gerichtet ist und worauf sie letztlich abzielt. Diese Frage erscheint im Moment auch nicht die wichtigste zu sein, wichtiger ist ein rasches Handeln. Die Träumerin wagt sich todesmutig ins Haus, zieht die Bombe heraus und bringt sie an einen Ort, wo sie in unschädlicher Weise explodieren mag. - Auf der Subjektebene weist die Sequenz auf eine gespannte und gefährliche Situation im Beziehungsbereich hin. Zugleich bekommt die Träumerin eine Anweisung, wie sie sich aus den Turbulenzen herausziehen könnte. Zugleich wird sie orientiert, dass dieses Vorgehen nicht ungefährlich für sie sei und daher ihren ganzen Mut erfordere.

05.12.1963

Feuer

An immer mehr Stellen des Erdbodens schlagen Feuerflammen heraus. Später höre ich Schreie und Wimmern, 258

05.12.1963

Feuer

Das hier ausbrechende «Feuer» kommt aus der «Erde» heraus. Da die Erde ein Symbol der seelischen Tiefenschichten darstellt, redet die Sequenz von einem «Feuer» bzw. von Gefühlen, die aus den tiefsten Seelenschichten hervorbrechen. Das zu hörende «Schreien und Wimmern» weist darauf hin, dass das «Feuer» hier nicht zu «glücklichen», sondern zu schmerzlichen Gefühlen oder gar Verzweiflung geführt hat.

25.02.1967

Feuer

Das Ritterhaus brennt. Ich hole Kleider und Werkzeuge heraus und merke, dass die Kinder meines Bruders K. im Haus geblieben sind, weil sie Feuer lustig finden. Die Feuerwehr kommt und löscht, 455

25.02.1967

Feuer

Als «ein Spiel mit dem Feuer» bezeichnet man zum einen «ein gewagtes, gefährliches Tun», zum andern ein (vermeintlich) unverbindliches Flirten. Das erotische «Spiel mit dem Feuer» wird in unserer Gesellschaft bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet. Männer rühmen sich des unverbindlichen Spiels, während Frauen, da sie die Folgen zu tragen haben, gescholten werden («sie war kokett und liebte das Spiel mit dem Feuer»). Zum Thema «Feuer» gehört auch eine von Leidenschaft geprägte heterosexuelle Beziehung. Aber auch eine solche kann von der einen Seite mehr als «Spiel» aufgefasst werden, was auch in der vorliegenden Sequenz der Fall sein könnte. Vermutlich ist es «das Kind im Manne», der das «Feuer» im früheren Wohnhaus der Träumerin «lustig» findet, und es daher nicht verlassen will. - Die Sequenz könnte einen diesbezüglichen Verdacht der Träumerin darstellen.

06.05.1980

Feuer

Ich soll im Kamin Feuer machen wegen den Kindern und wegen dem Auto, das in die Garage unter meinem Zimmer eingestellt werden soll, 772

06.05.1980

Feuer

Dieses «Feuer» gehört zu der segensreichen Sorte. Ein «Feuer» im «Kamin» ist ein gebändigtes und wärmendes Feuer, das zudem nicht auf eine einzige Person ausstrahlt, sondern auf alle Menschen, die sich im Raum befinden. Auf der Subjektebene verstanden, soll das Feuer in dieser Sequenz auch Aspekte und Teile der Träumerin (Auto) erwärmen, die sich in «unterirdischen» Räumen abspielen (Garage), also im introvertierten Eigen- und Innenbereich.

10.01.1983

Feuer

Das Kleid der Frau auf Beobachterposten hat Feuer gefangen, nachdem ich sie vor dem Absturz in einen Abgrund zurück gerissen und so gerettet habe, 824

10.01.1983

Feuer

Dass etwas «Feuer fängt», dass wir Menschen «Feuer fangen» können, ist eine bekannte Metapher. In dieser Sequenz hat ein Kleid, das für die Identität einer Person steht, Feuer gefangen. Da sich Feuer mit unheimlicher Geschwindigkeit ausbreiten kann, könnte die Metapher andeuten, dass eine rasante Veränderung in Gang gekommen ist. Auffallend ist, dass dies passiert, nachdem die Träumerin die Frau vor dem Fall in einen Abgrund zurückgerissen und gerettet hat. - Diese Sequenz drückt die Erfahrung aus, dass ein Schock plötzliche und schnelle Veränderungen und Entwicklungen auszulösen vermag, wobei die Sequenz nichts darüber sagt, in welcher Richtung diese Entwicklungen gehen werden.

03.01.1959

Gewässer

Ich muss tiefe Wasser überqueren sowie über Balken und Gitter klettern, um den Schlangen zu entkommen, die mich verfolgen, 13

03.01.1959

Gewässer

Tiefe Wasser symbolisieren die «Tiefen», Untiefen und Abgründe der menschlichen Seele und ebenso die «Abgründe» der äusseren Menschenwelt. Es gibt «Tiefen», in die wir tauchen müssen, um unsere Persönlichkeit und Fähigkeiten entwickeln zu können und andere, die wir «überqueren», ganz meiden oder umgehen sollten. Zu den eigenen «Abgründen» gehört die Gefahr der Depression, in die wir hineinfallen können, wenn eine minimale Befriedigung menschlicher Bedürfnisse nicht möglich ist, zu denen auch das Sexuelle gehört. Zu den Abgründen gehört aber auch die Gefahr, dass unsere Persönlichkeitsbedürfnisse gefährdet sind, wenn das sexuelle Angebot von Menschen ausgeht, deren Psyche eine einzige «Untiefe» darstellt (siehe «partikulare» Menschen).

23.02.1960

Gewässer

Ich muss beim Friedhof ins Totengrabenwasser eintauchen. Es graust mir vor halb verwesten Leichen, aber ich tauche trotzdem, 27

23.02.1960

Gewässer

Das «Totengraben-Wasser» ist nicht identisch mit dem «Lebenswasser», denn dieses sprudelt frisch und klar aus Quellen und in Bergbächen. Das «Wasser» im «Totengraben» dagegen hat mit Abgestorbenem und Verwesendem zu tun. In dieses einzutauchen, könnte mit der Notwendigkeit zu tun haben, sich dem Problem von «Werden und Vergehen» zuzuwenden und sich dadurch zu erneuern. Es könnte mit dem zu tun haben, was in der Dichtung als «Abstieg in die Unterwelt» beschrieben wird. Wir müssen die Verbindung zu den Kräften von «Mutter Erde», also zu unseren seelischen Tiefenschichten suchen und wieder herstellen, damit sich das Lebendige in uns erhalten und erneuern kann. - Den Vorgang von «Werden und Vergehen» können wir in äusseren Situationen und Beziehungen ständig beobachten und ebenso in uns selber. Ständig stehen wir neuen Gedanken, Gefühlen und Handlungen gegenüber, die uns nötigen, unser Weltbild zu überprüfen, zu erweitern und zu erneuern. Sterben und verwesen bedeuten, dass etwas, das früher eine lebendige Gestaltung und «Gestalt» war, am Zerfallen ist. - So verstanden gehört das Totengraben-Wasser zu jenem «Stirb und Werde», bei welchem das «Werden» auf einer neuen Grundlage aufbaut. - Die Sequenz redet von einer schwierigen Situation des Übergangs, wobei die Träumerin ermutigt wird, den unvermeidlichen Tauch-Schritt zu wagen, obgleich er ihr schwer fällt (sie «graust» sich).

13.10.1967

Gewässer

Um einen «vorderen See» zu erneuern und zu speisen, scheint der hintere See und eine unheimlich wilde Naturlandschaft sich selber überlassen, 488

13.10.1967

Gewässer

Der «hintere See» könnte zu jener «wilden Naturlandschaft» gehören, die von der Psychoanalyse als «der Andere» oder «das Andere» in uns bezeichnet und als eine wilde und gefährliche Triebkraft verstanden wird, die jederzeit durchbrechen könnte. Die vorliegende Sequenz kennt keine solche Angst. Vielmehr scheint sie eine Art Rezept anzubieten, wie wir mit diesen Kräften verfahren könnten. Anstatt unsere «Begehren» allzu sehr zu «harmonisieren», wäre es richtiger und ein Zeichen von Echtheit, dem Triebbedürfnis ebenso wie dem Bedürfnis nach Kultivierung einen (gleichrangigen) Ort einzuräumen. Ob libidinöse Energien gewaltsam und unheilvoll durchbrechen oder in permanenter Weise unsere Lebenskraft zu erneuern vermögen, hängt von unserer Lebenseinstellung ab. - Die Sequenz möchte der Träumerin vielleicht erklären, wie sie dem «Lebenswasser» der Libido in ihrem Leben Raum geben könnte, ohne davon überschwemmt zu werden.

22.05.1985

Gewässer

Nach der Flucht vor einem Feuer befinde ich mich an einem grossen Wasser, wie am Meer. Zugleich bin ich auf einem Berg, wie wenn dies am Meer wäre, 852

22.05.1985

Gewässer

Das Meer ist ein grosses und stehendes Gewässer, das uns ein Gefühl von Weite und Freiheit zu vermitteln vermag. Ein ähnliches Gefühl kann uns auf einem hohen Berg überkommen. Der weite Horizont, ein blauer Himmel über uns, vermittelt ebenfalls ein Gefühl von Weite und Freiheit. Der Aufenthalt in den Bergen gibt uns das Gefühl, wieder «Luft» zu bekommen, um leben zu können. - Die Sequenz berichtet von einer Situation, durch die intensive Affekte in der Träumerin ausgelöst wurden (Feuer). Zugleich wird berichtet, welche Strategien sie entwickelt oder was sie tun könnte, um wieder Ruhe zu finden: Sie besinnt sich auf Orte, die ihr wieder «Luft» zum Atmen geben und einen weiten «Horizont» im geistig seelischen Sinn eröffnen (Meeresluft und Bergluft).

11.10.2003

Gewässer

Es zieht mich gefährlich hinunter ins Meer, das zugleich das Feld ist, auf dem eine grosse Getreideernte stattfindet, 1060

11.10.2003

Gewässer

Das «Meer» symbolisiert die «Grosse Mutter» und also das umfassende Leben der seelischen Tiefenschichten. Zugleich weist die Sequenz darauf hin, dass das Meer nicht nur eine «Tiefe» schöpferischer und hilfreicher Art darstellt, sondern auch eine abgründige Tiefe. In dieses Meer hinuntergezogen zu werden, ist gefährlich, wie die Sequenz sehr deutlich zum Ausdruck bringt. Indem dieses gefährliche «Meer» zugleich ein «Feld» ist, auf dem eine Getreideernte stattfindet, weist die Sequenz auf den schöpferischen Aspekt des Meeres hin. Angesichts des nunmehrigen Alters der Träumerin (71-jährig) und ihrer derzeitigen Beschäftigung mit ihrem Traum-Material, könnte das Bild vom «Ernten» das Einbringen und Einsammeln von «Früchten» beinhalten, die in einem langen Leben im Sinne von Erfahrung und Erkenntnis «gereift» sein könnten. Lebenserfahrungen können, wenn sie sorgfältig wahrgenommen und reflektiert werden, tatsächlich als eine Art «Ernte» empfunden werden, auch im Sinne von Erkenntnisgewinn, die unter Umständen auch für andere informativ und fruchtbar sein könnten. Allerdings redet die vorliegende Sequenz eindrücklich von der Gefahr, sich mit Material aus den tiefsten Seelenschichten zu beschäftigen. Zu leicht könnte es passieren, dass die Träumerin in den «Abgrund» von Gefühlen gezogen wird, anstatt sich mit dem Einbringen der «Ernte» befassen zu können.

29.02.1960

Holz

An den Wolkenkratzer ist ein Holzschuppen angebaut, in dem meine Mutter nun wohnt. Diese «Mutter» ist aber eine mir unbekannte Frau, 129

29.02.1960

Holz

Der «Holzschuppen» erinnert an ein naturhaft schlichtes Leben. Im Holzschuppen wird Holz aufgestapelt für die Öfen im Winter und Kleinholz für den täglichen Gebrauch im Kochherd (Bürdeli). Dass ein solcher Holzschuppen an einen Wolkenkratzer angebaut ist, könnte den Versuch ausdrücken, an einem Stück naturnahen Lebens festzuhalten, während sich ein Grossteil des eigenen Lebens davon weit entfernt hat (Wolkenkratzer). Im Unterschied zum einfachen Holzschuppen könnte der «Wolkenkratzer» für Überblick, Orientierung, Weitsicht, Intellekt oder «Geistiges» stehen. Auffallend ist, dass diese vermeintlich «männlichen» Interessen einer weiblichen Figur unterstellt werden und erst noch einer Mutterfigur. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz auf eine geglückte Verbindung von scheinbar unvereinbaren Gegensätzen hinweisen.

02.10.1964

Holz

Ich ziehe ein grosses längliches Holzbrett aus meiner Vagina und nagle es an den Dachstock, der gerade renoviert wird, 290

02.10.1964

Holz

Das Holzbrett in der Vagina wird als ein längliches bezeichnet. Analog anderer länglicher Gegenstände, die in der Tiefenpsychologie das männliche Geschlechtsorgan symbolisieren, stellt das Bild demnach eine geschlechtliche Vereinigung dar. Diese Vereinigung wird allerdings abgebrochen, wobei das krasse Bild vom «Holzbrett» den Abbruch verständlich macht. Grösse, Grobheit, Härte des hölzernen Gegenstandes sind das Gegenteil von dem, was weiblicherseits vom Geschlechtsakt oder von einer Beziehung erwartet wird. Das Bild weist auf eine extreme Unangemessenheit in einem Liebesverhältnis oder im Geschlechterverhältnis insgesamt hin. Die Träumerin scheint zu spüren oder darauf aufmerksam gemacht zu werden, was an dem Arrangement falsch ist. Sei dies in Zusammenhang mit einer konkreten Beziehung oder im Bereich gesellschaftlicher Vorstellungen über die geschlechtliche Liebe. Jedenfalls handelt sie in der Traumsequenz souverän und spontan und richtig. Einerseits entfernt sie das Holzbrett vom Ort, wo es nicht hingehört, und zweitens setzt sie es dort ein, wo es ihrer Meinung nach hinpasst: zum Dachstock. Der Dachstock symbolisiert den Kopfbereich, und somit den Ort der Vorstellungen, die auch die Geschlechtsliebe und das Verhältnis der Geschlechter betreffen. Dass dieser Dachstock «gerade renoviert» wird, könnte die Träumerin dazu aufrufen, sich an der Änderung der Deutungsmuster, die zu dieser Zeit (1965) gelten, zu beteiligen. - Die Sequenz könnte aber auch sagen, dass in der Beziehung zu einem Mann etwas falsch läuft und dass die Träumerin etwas ändern soll.

31.01.1965

Holz

Je nachdem, ob ich näher bei dem Holzkreuz stehe oder beim Strassenpflaster, hat ein Paar mehr oder weniger Macht über mich, 335

31.01.1965

Holz

Dieses «Holzkreuz» symbolisiert christliches Gedankengut, das ganz zentral das Liebesgebot, die altruistische Liebe in den Vordergrund rückt (Nächstenliebe). Ferner stellt das christliche Gedankengut einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Leidensbereitschaft und «Erlösung» der menschlichen Seele her. - In dieser Sequenz scheint es um die Notwendigkeit zu gehen, sich mit christlichen Vorstellungen von Liebe (Altruismus) auseinander zu setzen und ebenso mit säkularisierten Vorstellungen von Liebe. Nimmt eine Frau Liebe im Sinne von körperlich geschlechtlicher Liebe in Anspruch, gerät sie allzu leicht in den Verdacht, sie sei eine «Hure» und «Freiwild» (Strassenpflaster). Frauen werden in unserer Gesellschaft, wie feministische Psychotherapeutinnen später aufzeigen und kritisieren werden, in Heilige und Huren aufgeteilt, wobei die Ehe Schutz vor dieser Spaltung versprach.

11.02.1965

Holz

Ein grösseres Mädchen hält sich im Sumpfgebiet an einem Treibholz fest. Ich ziehe das Mädchen heraus, 337

11.02.1965

Holz

Das Wort «Treibholz» bezeichnet kleinere und grössere Holzstücke, die in einem Gewässer «treiben» und mitschwimmen. Menschen, die als «Treibholz» bezeichnet werden, lassen sich vom Zufall oder ihren «Trieben» treiben, ohne sich zu fragen, wohin dies führen könnte. Es handelt sich um jene Menschen, die sich, wie die Agnes Heller sagt, von ihren «partikularen» Interessen führen lassen. Solche Menschen könnten durchaus sympathisch sein, solange ihren Interessen keine Hindernisse entgegen stünden. Sich an ein solches menschliches «Treibholz» zu klammern, dürfte nicht ganz unproblematisch sein. Aber im Notfall scheint es allemal noch besser, als den sicheren Untergang zu riskieren. - Die Sequenz berichtet, dass es sich für das «grössere Mädchen» gelohnt hat, sich an ein «Treibholz» zu klammern, anstatt vorzeitig den Glauben ans Leben oder auf Rettung aufzugeben. - Die Sequenz scheint zu sagen, das Risiko einer problematischen Beziehung könnte im Hinblick auf vorhandene Kräfte eingegangen werden.

18.11.1967

Holz

An einem einfachen Holzhäuschen hängen mehrere Sachen: Ein Gebetsbuch, ein Zettel, ein Heft, Seiten aus einem Gebetsbuch sowie Noten zu einem Lied, 499

18.11.1967

Holz

Das «Holzhäuschen» bezeichnet ein kleines Haus aus Holz. wobei das Baumaterial «Holz» aus der Sicht der «Heimatwerke» ein besonders warmes und anheimelndes Material darstellt. Das Holzhäuschen wird als eine besonders warme Form von Heimat angesehen. Wie das Haus, tiefenpsychologisch als ein Symbol des Selbst interpretiert, kann auch das Holzhäuschen als ein Ausdruck des Selbst, der eigenen Identität, aufgefasst werden. Ein Leben, das sich mit einem äusserlich kleinen Raum begnügt (Häuschen), muss nicht unbedingt von innerer «Enge» begleitet sein. Die am Häuschen angehängten Sachen weisen auf die Art der Identität hin, die das kleine Haus zum Ausdruck bringen will: Es handelt sich um Dinge, die den spirituellen und musischen Bereich ausdrücken (Gebetsbuch, Musiknoten u.a.). Ein Gebet kann Bitten, Hoffnungen, Wünsche, Klagen zum Ausdruck bringen. Jemand meinte sogar einmal, die Klage sei eine intelligente Form des Kampfes. Das Gebet kann eine Ansprache bedeuten, die an eine imaginierte Persönlichkeit in einem Geistraum des höchsten Verstehens gerichtet ist, was zu einem umfassenderen Gespräch führen kann als das psychotherapeutische Gespräch. Dieser Geistpersönlichkeit kann alles mitgeteilt werden was bedrückt, was unverständlich ist und was wir bräuchten oder möchten, nicht nur im Sinne von Eigennutz. Wir können nämlich auch für unsere Kinder, Eltern, Freunde, Nachbarn, Leidende beten, wir können um Schutz für diese bitten und für Hilfe danken (Schutzengel). Das Gebet hat ja die Eigenschaft, unsere Autonomie nicht anzutasten (sofern es nicht durch Dogmas und zwingende Glaubenssätze geknechtet ist). In diesem Sinne kann das frei gestaltete Gebet ebenso wie das Holzhäuschen das Gefühl von «Heimat» ausdrücken, die zudem in den metaphysischen Raum ausgeweitet ist. - Die Träumerin scheint sich verstärkt auf ihr «Eigenes» zu besinnen, das eine spirituelle und musische Dimension hat.

12.08.1969

Holz

Ich werde von fünf Männern mit Holzscheiten und Steinen beworfen und mit Pfeilen beschossen, 563

12.08.1969

Holz

Holzscheite dienen normalerweise dazu, in Kachelöfen und Küchenherden Feuer und Wärme zu erzeugen, werden in dieser Sequenz aber als Aggressionsmittel missbraucht (die Träumerin wird mit Holzscheiten und Steinen beworfen). Der Umstand, dass dieser Missbrauch nicht durch einen einzelnen Mann geschieht, sondern durch «Männer» (Mehrzahl), weist auf ein Geschehen auf gesellschaftlicher Ebene hin. - Diese Sequenz scheint die Träumerin (oder ihre Therapeutin) aufzufordern, die «Täterschaft» zu eruieren und die Dinge zu bezeichnen, die in Gefahr sind, durch den Wurf von «Holzscheiten und Steinen» tödlich getroffen zu werden.

09.02.1976

Holz

Ein Wegstück, das ich begehen soll, besteht aus rotierenden Holzrollen. Diese zu betreten soll noch gefährlicher sein als die steile Felspartie, auf der ich gekommen bin, 686

09.02.1976

Holz

«Rotierende Holzrollen» besagen, dass nicht alles, was «naturnah» ist - zum Beispiel ein Produkt aus Holz - auch gefahrlos ist. Wir können uns weder allen Dingen noch allen Menschen, die sich naturnah darstellen, gefahrlos anvertrauen. - Die Sequenz weist auf eine Situation hin, in der die Träumerin irrtümlich meinte, das Leben würde sich, nachdem sie auf einem schwierigen Weg nach «oben» gekommen ist, nun weniger schwierig gestalten. Das heisst, dass auch ein schwieriger «Aufstieg», sei dieser beruflicher oder gesellschaftlicher Art, keine Garantie darstellt für ein unproblematischeres oder unbeschwerteres geistig seelisches Dasein.

29.09.1982

Holz

In der Wohngemeinschaft, in der ich nun wohne, hat es einen Holzbackofen, 815

29.09.1982

Holz

Der «Holzbackofen» ist ein Symbol für Verwandlung im geistig seelischen Sinn. Das Holz dient hier nicht wie in 563 der Aggression, sondern der Erzeugung von Wärme und Hitze zur Verwandlung von Mehl und Wasser in knusperiges Brot und andere Backwaren. Es geht hier um eine Transformation von natürlichen Naturalgaben in spirituelle und kulturelle Gestaltungen. - Das heisst, dass die Träumerin sich mit Inhalten der allgemein religiösen Ebene befasst.

13.01.1997

Holz

Mein Bruder G. zeigt auf ein kleines Häuschen mit neuer Holzverschalung, das an ein Mehrfamilienhaus angebaut ist, wo er nun wohne, 978

13.01.1997

Holz

Eine neue «Holzverschalung» weist auf eine Art der Erneuerung hin, in der alte Werte nicht verworfen, sondern ins Neue einbezogen werden. Dass diese neue Verschalung ein «Häuschen» und nicht ein grosses Haus betrifft, könnte besagen, dass hier der «Reiz der Einfachheit» wieder entdeckt und aufgenommen wird. Dass dieses «Häuschen», verstanden als ein Symbol des «Selbst», an ein Mehrfamilienhaus angebaut ist, interpretiere ich als Ausdruck von Aufgeschlossenheit gegenüber anderen «Selbsten», anderer Menschen und Inhalte. Dadurch wird die Gefahr von Enge und Einkapselung vermieden bei gleichzeitiger «Treue zu sich selber und zum eigenen Weg». Zwischen dieser Sequenz und der ersten der Symbolfigur «Holz» liegen 37 Jahre, weshalb sie wie eine Art Rückverbindung zur früheren «Gestalt» und Gestaltungsversuchen der Träumerin anmutet.

05.07.1959

PflanzenBlumen

Ich habe Weizenkörner ausgesät. Ein Bauer sagt, ich hätte mit dem Saatgut mehr sparen sollen, 44

05.07.1959

PflanzenBlumen

Weizenkörner bilden die Grundlage für unser «tägliches Brot». Das «Brot» symbolisiert die Dinge, die wir täglich für unsere körperliche und seelische Befindlichkeit benötigen. Auffallend ist, dass die vorliegende Traumsequenz sich offensichtlich nicht um die gängige psychologische Lehre kümmert, das «Säen» sei eine Sache des zeugenden, schöpferisch schaffenden Mannes, denn es wird durch eine Frau ausgeführt. Die Sequenz sagt nicht, die Frau hätte nicht säen dürfen, sondern, sie hätte mit dem Saatgut mehr «sparen» sollen. Vielleicht wird die Träumerin, die zu dieser Zeit eine Jungsche Psychotherapie besucht, davor gewarnt, allzu offen ihre eigenen Gedanken zum Thema «Zeugen» zu äussern, falls sie nicht als Ketzerin gebrandmarkt werden will. - Der Kontext berichtet vom Entschluss der Träumerin, sie wolle die «gute Stube» in sich wieder herrichten, ihr früheres gutes Selbstwertgefühl aufsuchen und wieder finden - Die Tätigkeit des «Säens» erinnert an den holländische Maler Vinzenz Van Gogh, der diesen Vorgang in mehreren Bildern als «Sähmann» dargestellt hat. Der Maler konnte sich das Säen ebenfalls nur in männlicher Pose vorstellen, weil als Sinnbild für den vermeintlich allein dem männlichen Geschlecht zustehenden «Zeugungsakt». Dies ist eigentlich heute noch so. Denn noch immer ist die Rede von männlichem Samen, obgleich seit über 100 Jahren bekannt ist, dass der Mann lediglich «Spermien» produziert, und dass der eine von den zwei Chromosomensätzen, die zur Entstehung eines Fötus führt, vom weiblichen Ei produziert wird. Trotzdem wäre es (1959) als eine unerhörte Anmassung und «Ketzerei» empfunden worden, wenn eine Frau auf diese Sachlage hingewiesen und daraus eine weibliche Schöpferkraft abgeleitet hätte. Einige Jahre zuvor hatte C.G.Jung über Hunderte von Seiten zu «beweisen» versucht, dass sich das geistige Schaffen aus dem männlichen Phallus ableite, und dass daher nur der Mann zum geistigen Schaffen fähig und berechtigt sei (Symbole der Wandlung, Neuauflage 1952, BN 1201).

10.08.1959

PflanzenBlumen

Die Margeriten in einem Garten wären genau richtig als Mitbringsel für einen Besuch, den ich machen möchte. Aber die Blumen sind nicht käuflich, 68

10.08.1959

PflanzenBlumen

Die «Margerite» ist eine Blumenpflanze. In unserer Gesellschaft stehen «Blumen» für das weibliche Geschlecht. Entsprechend ist es üblich, dass die Braut am Hochzeitstag Blumen trägt und durch ihre ganze Erscheinung den «Duft von Blumen» verbreitet. Im «Duden» habe ich folgendes gefunden: Die Blume gehört zu der unter «blühen» dargestellten Wortgruppe: Blatt, Blume, Blust, Blüte sowie zu den unter Ball dargestellten Wörtern. Im übertragenen Gebrauch werde «Blume» im Sinne von «Duft, Bukett des Weines", «Bierschaum im vollen Glas» verwendet. Einer jungen Frau «die Blume nehmen», etwas «durch die Blume» sagen, unverblümt reden, die «rote Blume» Menstruation. - Weil die «Blume» der Aphrodite aus sechs Fischblasen besteht und die Sechs die Zahl der Sexualität war, die vor allem der Göttin Aphrodite heilig war, bezeichneten die christlichen Autoritäten die Zahl Sechs als «die Zahl der Sünde» (ID-Buch 801, 104). Eine solche «heilige Blume» weiblicher Sexualität lässt sich nicht «kaufen», daher sind die «Margeriten» in der Traumsequenz sehr richtig als «nicht käuflich» dargestellt, und erst recht nicht als ein beiläufiges «Mitbringsel» für einen Besuch.

29.10.1959

PflanzenBlumen

Ein erst kürzlich gepflanzter Traubenstock trägt bereits reife und süsse Früchte. Sie sind zwar nicht besonders schön, zum Teil sehen sie sogar noch grün aus, 96

29.10.1959

PflanzenBlumen

«Trauben», die reif und süss sind, symbolisieren einen Zustand oder eine Situation, die als qualitativ hervorragend empfunden wird, und es äusserlich nicht unbedingt sichtbar wird (die Trauben sind nicht besonders schön und teils sogar grün). Die Bezeichnung «Traubenstock» lässt vermuten, dass es sich um eine Weinrebe handelt, so dass die süssen Trauben auch einen hervorragenden «Wein» versprechen könnten. - In der Mythologie steht die Weinrebe sowohl für spirituelle als auch für sexuelle Inhalte.

22.11.1964

PflanzenBlumen

Meine Saat ist aufgegangen. Ich will aber so viele Pflanzen wie möglich umpflanzen, weil sie neben einer viel benützen Treppe stehen und zertrampelt werden könnten, 303

22.11.1964

PflanzenBlumen

Die «Saat», das Saatgut symbolisiert das «Eigene», die eigene Persönlichkeit, die wir Menschen in eine Beziehung einbringen möchten. Die Sequenz besagt, dass das «Eigene» der Träumerin auf Echo gestossen ist, dass es sich hinterher aber herausstellt, dass sie dieses Eigene am falschen Ort platziert hat. Die Sequenz sagt, der Ort für die Saat sei falsch, weil er sich neben einer «viel benützten Treppe» befindet, was heisst, dass die Treppe zu einem viel besuchten «Haus» führt. Das Bild vom Haus, verstanden als ein Mann, der mit vielen Menschen in Kontakt steht, könnte der Träumerin mitteilen wollen, dass bei diesem Mann kein Platz vorhanden ist fürs Gedeihen ihres «Eigenen». Genau so scheint sie das Traumbild verstanden zu haben, indem sie sich zum Umpflanzen entschliesst. Auffallen muss, dass die Träumerin nicht hadert, sie hofft lediglich, dass sich wenigstens ein Teil ihrer am falschen Ort getanen Arbeit retten lässt.

04.01.1968

PflanzenBlumen

Kinder flechten mit Wiesenblumen Kränze, 513

04.01.1968

PflanzenBlumen

Wiesenblumen symbolisieren die frühlingshafte Fülle von natürlichen Farben, Formen und Düften. Solche Wiesenblumen zu Kränzen zu winden heisst, diese Fülle bewusst wahrzunehmen und zu einem Ganzen zu bündeln (der Kranz ist ein Kreis, der seinerseits seelische «Ganzheit» symbolisiert).

20.03.1969

PflanzenBlumen

Auf Empfehlung eines Mannes nehme ich die Abkürzung durch die Gärten, verliere aber die schöne orthodoxe russische Kirche aus den Augen, die ich besuchen wollte, 560

20.03.1969

PflanzenBlumen

Gärten sind ein Symbol für das Schöne und Wohltuende in der äusseren Natur oder auch für eine kultivierte «Natur» im seelischen Innenbereich. Im Unterschied dazu symbolisieren Kirchen den religiös verstandenen spirituellen und geistigen Bereich. Die beiden Bereiche brauchen einander nicht notwendig in die Quere zu kommen. Aber die Sequenz macht darauf aufmerksam, dass die Träumerin Gefahr läuft, den einen Bereich aus den Augen zu verlieren, während sie sich im anderen aufhält. Die «Gärten» können auch das Erotische symbolisieren. Immerhin hat die Träumerin sich aufgrund der Empfehlung eines Mannes für die «Gärten» entschieden. Das heisst aber nicht, dass sich das Gewicht zu einem anderen Zeitpunkt nicht auch wieder auf die andere Seite verlegen könnte. Wie heisst es doch so richtig: «Alles zu seiner Zeit» . etc.)

08.06.1974

PflanzenBlumen

Ich denke, ich müsse mit Säen beginnen, nachdem ein zertrampelter Platz von einem Mann umgepflügt worden sei, 659

08.06.1974

PflanzenBlumen

Wiederum, wie schon fünfzehn Jahre zuvor (1959), beschäftigt sich die Träumerin mit dem Akt des «Säens». «Ich denke, ich müsse» deutet auf einen inneren Auftrag hin. Dass ein Mann wesentliche, harte Vorarbeit bereits geleistet hat, ist auf der Objektebene ein sehr schönes Bild für unterstützende und gute Zusammenarbeit. Auf der Subjektebene verstanden weist die Sequenz auf geleistete Vorarbeiten der Träumerin selber hin, dank der ein vormals «zertrampelter» und zerstörter Bereich in ihrer Psyche, wieder offen und aufnahmefähig für Neues gemacht wurde. Die Träumerin wird zu einer neuen Art des aktiven Tätigseins aufgefordert, die eher mit den sensibleren oder kontemplativen Seelenbereichen zu tun haben dürfte.

31.05.1976

PflanzenBlumen

Von der Lehrerin meines Gymnasiums habe ich eine Topfpflanze erhalten, die mir als Lehrbuch für meine Matura dienen soll, 687

31.05.1976

PflanzenBlumen

Eine Topfpflanze als Lehrbuch wirkt im ersten Moment absurd. Bei näherem Hinsehen sieht die Sache jedoch anders aus. Die Träumerin wird darauf hingewiesen, dass eigentliche «Reife» nicht von Schulwissen abhängt. Vielmehr hänge menschliche Reife von der Wahrnehmung und vom Studium jener Sachverhalte ab, die uns durch die «Natur- und Pflanzenwelt» vor Augen geführt werden, die auch unsere eigene seelische «Natur» betreffen. - Die Sequenz belehrt ferner, diese «Natur» könne anhand jeder, noch so gewöhnlichen jungen oder kleinen, Pflanze studiert werden und selbst anhand einer Pflanze, die durch einen «Topf» eingezwängt ist. - Topfpflanzen stehen für Menschen, die in kleinräumigen bis beengten Verhältnissen leben (müssen). Aber selbst in der Beziehung zu solchen Menschen, könnten wir über das menschliche Wesen Wesentliches erfahren. Die «Topfpflanze» kann uns im übertragenen Sinn alles lehren, was wir zu unserer persönlichen Reife (Matura) nötig haben. Die Topfpflanze steht für das Individuum, das grundsätzlich alle menschlichen Fähigkeiten in sich weiss. Dieser Sicht entspricht die Auffassung des Mystikers Jakob Böhme, der das Individuum ebenfalls als ein «Lehrbuch» verstand, das wir lesen lernen müssten: «Du bist Gottes geformtes Wort, du musst dein eigen Buch, das du selber bist, lesen lernen» (Walter Nigg: Heimliche Weisheit, BN 1164, 147).

27.04.1959

SchlammLehm

Der Erdboden ist teilweise schlammig und eisig an dem Ort, wo ich mich in Gefangenschaft befinde. Eine Flucht mit meinem 2-jährigen Sohn kann ich unter diesen Umständen nicht wagen, 25

27.04.1959

SchlammLehm

Das Symbol «Schlamm» weist in Zusammenhang mit den Symbolen «fehlender Weg» und «Eis» auf eine erhebliche Gefahr hin. Die Sequenz warnt davor, eine bestehende schwierige Situation zu verlassen, obwohl sie von der Träumerin als eine «Gefangenschaft» erlebt wird. Die Zeit für das Verlassen dieser Situation scheint noch nicht «reif» zu sein, Es müssen wärmere Tage abgewartet werden (Frühling, Sommer). Eine Gefahr besteht zurzeit sowohl für die Frau als auch für ihr kleines Söhnchen, das für das noch junge und verletzliche Kreative und «Eigene» der Frau steht.

14.05.1962

SchlammLehm

Das Bassin meines Kinderheims ist voller Schlamm. Mein Bruder B. reinigt das Becken, 183

14.05.1962

SchlammLehm

Schlamm in einem Bassin ist harmlos, wenn auch fürs Baden unangenehm. Es kommt also immer drauf an, wo und in welcher Art sich «Schlamm» zeigt, und ob eine «Reinigung» der Psyche von ihrem «Schlamm» eine Notwendigkeit darstellt. Das Symbol «Schlamm» verstehe ich hier als Ausdruck von Inhalten, die betrachtet und «geklärt» werden möchten, die vielleicht mit der Kindheit der Träumerin zusammenhängen (Kinderheim). Es könnte es sein, dass die Träumerin, die zu dieser Zeit eine Psychotherapie besucht und ein Kinderheim führt, angehalten wird, sich mit Problemen dieses «Kinderheims» zu befassen. Es fragt sich jedoch, ob es sich um eine notwendige oder übertriebene Form der «Entschlammung», Klärung, Selbstveränderung und Selbstkritik handelt. Zu viel Selbstkritik könnte die Kräfte lähmen oder einen Heilungsprozess verzögern. Die Sequenz verweist wie tröstend auf eine männliche Person, von der sie Hilfe bekommt.

07.11.1963

SchlammLehm

Ein Mann droht in Schlamm und Sumpf zu versinken. Ich strecke ihm meine Arme entgegen, damit er sich daran hochziehen kann, 253

07.11.1963

SchlammLehm

In dieser Sequenz ist der Schlamm lebensbedrohend. Im Schlamm zu versinken oder zu «versumpfen» bedeutet im übertragenen Sinn, keinen Lebenssinn zu finden, keinen Halt zu finden und in der Leere des Lebens unterzugehen. - In der vorliegenden Traumsequenz droht das Versinken im Schlamm einem Mann, wobei die Träumerin ihm hilft, sich aus der tödlichen Umklammerung zu befreien. Das Symbol «Mann» wurde zu dieser Zeit (1963) in der Jungschen Psychotherapie als das eigene innere «Männliche» der Frau definiert, als Geistaspekt der Frau. Diesem droht das Ertrinken. Auf der Objektebene könnte die Sequenz besagen, dass das Ertrinken im «Schlamm» einem Mann, einem Freund, droht und dass die Träumerin ihm hilfreich Hand bietet, daraus heraus zu kommen. Aus welchem Motiv sie dies tut, bleibt offen.

01.09.1965

SchlammLehm

Ich muss im Schlamm liegen, 352x

01.09.1965

SchlammLehm

Das Liegen im Schlamm ist nicht dasselbe, wie im Schlamm oder Sumpf zu ertrinken. - Das «Liegen im Schlamm» in dieser Sequenz könnte eine tiefe Verbindung mit dem Erdhaften bedeuten, ein Umfangensein von Mutter Erde und ihren Kräften. In der heutigen Zeit wird der Schlamm wert geschätzt und in Form von Schlammbädern für Gesundheit und Schönheit angepriesen. Im Schlamm zu liegen, könnte demnach eine Form von körperlicher und seelischer Erholung darstellen.

29.01.1971

SchlammLehm

Bei einem städtischen Bahnhof führt ein primitiver Steg über grosse Wassertümpel. Daneben befinden sich schöne Parkanlagen, 595

29.01.1971

SchlammLehm

Wassertümpel sind meistens verschlammte Stellen, die nicht sehr tief sind. Der Bahnhof wird in seinem Doppelgesicht dargestellt: einerseits verschlammte Tümpel, anderseits gepflegte Parkanlagen. Dieses Nebeneinander könnte das ganz alltägliche Nebeneinander von platten, oberflächlichen Lebenseinstellungen und feinsinnigen bis überkultivierten Lebensauffassungen verkörpern, denen wir an Bahnhöfen besonders deutlich begegnen, seien es die Menschen oder die Auslagen an Bahnhofkiosken, die sowohl mit primitiven als auch interessanten Zeitungen und Zeitschriften bestückt sind. - Die Traumsequenz befasst sich mit unterschiedlichen menschlichen Lebensstilen und mit dem Überdenken des eigenen Lebensstil oder mit der Suche eines neuen Lebensstils.

12.07.1980

SchlammLehm

Meine Boxerhündin hat in lehmiger Erde gebuddelt. Ich soll aber den Lehm nicht wegwaschen, es sei Wertvolles darin enthalten, 780

12.07.1980

SchlammLehm

Schlamm und Lehm gehören zu den Grundstoffen der Erde. Pflanzen, Tiere und Menschen verdanken diesen Grundstoffen ihre Existenz, obgleich sie zum Anschauen unansehnlich und unbedeutend sind. Auch die biblische Auffassung, dass «Gott» die Menschen aus «Lehm» geschaffen habe, weist darauf hin, dass wir Kinder unserer «Erde» und «erdgeborene» Geschöpfe sind. Der Hinweis auf «Wertvolles im Lehm» könnte besagen, die Träumerin solle diesem (unansehnlichen) Grund- und Urstoff, das ihr Eigenes darstellt, mehr Wertschätzung und Sorgfalt angedeihen lassen.

11.09.1980

SchlammLehm

In einer Werkstatt beginnt sich eine grünliche Knetmasse zu bewegen. Schliesslich gestaltet sich die Knetmasse zu einem Mann und später zu einem lebenden Mann, 783

11.09.1980

SchlammLehm

Nicht aus natürlichem Lehm, sondern aus einer «grünlichen Knetmasse» entsteht hier ein Mensch, also aus einem von Menschen geschaffenen «Werkstoff». Dieser «Werkstoff» könnte das im Laufe der Jahre geschaffene oder gesammelte «Eigene» der nunmehr 48-jährigen Träumerin darstellen. Die Sequenz teilt mit, dass die Beschäftigung mit einem solchen Werkstoff zu einer neuen geistig-seelischen Lebendigkeit und Handlungsfähigkeit führen könnte oder geführt hat.

21.08.1959

SteinGestein

Mit einem Mann und einem Kind eile ich über steile Felsen und brüchiges Gestein eines hohen Berges. Es scheint um die Rettung des einjährigen Kindes zu gehen, 73

21.08.1959

SteinGestein

Felsen und brüchiges Gestein symbolisieren hier Gefahr: Ein Absturz ist ständig möglich und könnte tödlich verlaufen, denn der Berg ich «hoch». Die Sequenz sagt, warum dieser gefahrvolle Gang trotzdem unternommen wird: Ein kleines «Kind» soll gerettet werden, das seinerseits ein Symbol für das «Eigene», Individuelle darstellt. Das durch ein kleines Kind symbolisierte Eigene besteht in Werten und Zielen, die das Leben auch für Kinder und das «Kind» in uns lebenswert machen.

13.08.1961

SteinGestein

Ich springe über mächtige Steinblöcke, die aneinander gereiht sind, in der Meinung, sie würden sich auf diese Weise zu einer Strasse aneinander fügen. Als sie sich bewegen, fürchte ich zermalmt zu werden, 159

13.08.1961

SteinGestein

Grosse Steinblöcke in Bewegung bilden ein gewaltiges Gefahrenpotenzial für die Person, die darüber springt. Die Grösse der Blöcke lässt vermuten, dass sie auf der Objektebene zu betrachten sind. Es könnte sich zum Beispiel um Einrichtungen oder Strukturen handeln, die zwar die «Härte» von Steinen besitzen, aber grundsätzlich von menschlichen Wesen in Bewegung gebracht werden können. Die Traumsequenz scheint vor einem zu naiven oder forschen Vorgehen zu warnen.

10.05.1962

SteinGestein

Eltern werden von Machthabern gezwungen, ihre Kinder dem bevorstehenden Bergsturz auszusetzen, 180

10.05.1962

SteinGestein

Ein Bergsturz besteht aus einem Hagel von Felsblöcken und Steinen und ist für die Kinder, die ihm ausgesetzt werden, tödlich. Die Symbolik besagt, dass es hier um «Kindstötung» in grossem Ausmass geht, die aber als ein unumgängliches Naturgeschehen erscheint. Die «Kinder», verstanden als Bedürfnis nach Entfaltung vorhandener Begabungen und Erfüllung vitaler Wünsche, werden von «Machthabern» durch ihre Definitionsmacht unterdrückt und sogar gemordet. Die Traumsequenz orientiert über diesen Sachverhalt und warnt ausdrücklich vor dem, was im gesellschaftlichen und psychologischen Umfeld vorgeht. - Zu dieser Zeit absolviert die Träumerin noch immer ihr Psychologiestudium.

28.08.1962

SteinGestein

Ein in Stein gehauener Männerkopf, der sich an einer Kirchenwand befindet, hat für meinen Bruder E. religiöse Bedeutung, nicht aber für mich. Die Kirchenleute empören sich über mich, 204

28.08.1962

SteinGestein

Der in Stein gehauene Männerkopf symbolisiert, ebenso wie die in Stein gehauenen Gesetzestafeln des biblischen Moses, den männlichen Anspruch, dass die von ihnen formulierten Gesetze «ewige» Gesetze seien, dass sie unveränderbar und unverrückbar seien. Daher die Empörung der «Leute» über die Träumerin, die deren vermeintlich absolute und religiöse Bedeutung nicht anerkennt. Wieder wird die Träumerin darüber informiert, was auf der Objektebene abläuft, und es scheint mir, sie werde gleichzeitig gewarnt, ihre Meinung zu lauthals zu vertreten, denn die «Leute» haben die Macht, einer Frau den Lebensraum zu beschneiden oder ganz zu rauben.

04.09.1965

SteinGestein

Die drei Steine, die mir von einer grossen umgestürzten weiblichen Steinfigur übergeben werden, sollen Prüfungsaufgaben darstellen und grosse Berge symbolisieren, 355

04.09.1965

SteinGestein

Die grosse umgestürzte weibliche Steinfigur steht vermutlich für die «gestürzte» Grosse Göttin und Muttergöttin der vorpatriarchalen Zeit. Weil die Figur «in Stein gehauen» ist, blieb sie dem Abendland zwar in Erinnerung, aber sie wurde in ihrer grossen Bedeutung für das matrizentrierte Weltbild und für eine autonome Identität der Frauen «gestürzt». Aus dieser Sicht könnten die «Prüfungsaufgaben», die der Träumerin gestellt werden, darin bestehen, was im Wort «Prüfstein» enthalten ist. Prüfsteine werden dazu benützt, den Reinheitsgrad wertvoller Metalle zu bestimmen. Bezüglich der «Grossen Göttin» den «Reinheitsgrad» zu bestimmen hiesse, sich mit dem Thema vertiefter zu befassen. Da die Prüfungsaufgabe jedoch drei «grosse Berge» umfassen, muss die Träumerin erschrecken. Denn wie könnte eine Frau allein es wagen, eine solche gewaltige Aufgabe anzupacken? Aus meiner heutigen Sicht verstehe ich den Hinweis als Einsicht, dass eine solche Aufgabe nicht auf privater Ebene gelöst werden kann, sondern auf die öffentliche Ebene gehoben werden muss.

09.06.1966

SteinGestein

Zwei Dieben habe ich die gestohlenen Edelsteine (Diamanten) abgenommen. Später freuen sich die Diebe über die harten Nüsse, die sie in den Säcken vorfinden, 407

09.06.1966

SteinGestein

Diamanten gehören zu jenen Steinen, die sich durch einen hohen Härtegrad auszeichnen. Ein Mensch, der «hart» ist wie ein Diamant, wird je nach Gesichtspunkt bewundert (Widerstandskraft, Kampfkraft) oder kritisiert und verachtet (Mangel an Einfühlung und Mitgefühl). Eine Verbindung zwischen Diamanten und Nüssen ergibt sich durch die Eigenschaft der «Härte». Zur Freude über «harte Nüsse» (Mehrzahl) assoziiere ich «Nüsse knacken», sich mit schwierigen Sachverhalten lustvoll auseinander zu setzen, schwere Rätsel zu lösen, etwas aufzuschlüsseln und zu analysieren. Dabei denke ich an den Buchtitel «Kniffeln, knobeln, Nüsse knacken», der diese Lust ausdrückt. So gesehen könnte die Freude an den harten Nüssen besagen, dass das «Nüsse knacken» sehr viel interessanter sein und das Leben lebenswerter machen könnte als das Festhalten an leblosen Werten oder an der Beziehung zu einer unlebendigen Person (Edelsteine). Anstatt diese vermeintlichen Werte «retten» zu wollen, könnte das «Knacken von harten Nüssen» eine Form der Lebensfülle darstellen, die aus analytischer Arbeit und Introspektion bestünde.

16.01.1968

SteinGestein

In den Berg, den ich bestiegen habe, ist ein kleines Steinhäuschen gebaut. Eine Steintüre soll noch tiefer in den Berg hinein führen, 514

16.01.1968

SteinGestein

Einem Häuschen aus Stein, das in den Berg hinein gebaut oder sogar aus dem Stein herausgehauen ist, scheint jene Unverwüstlichkeit anzuhaften, die das Symbol «Stein» auszeichnet. Auf der anderen Seite bringt das Symbol «Steinhäuschen» auch etwas Kaltes, Unbehagliches zum Ausdruck, insbesondere, da es «unbewohnt» ist und vielleicht nur als Unterstand dient. In den Bergen bietet ein solches Häuschen allerdings einen höchst willkommenen und besseren Schutz vor Sturm, Schnee und Kälte als jede aus Holz gefertigte freistehende Alphütte. Die Zusatzinformation, dass eine Türe noch tiefer in den Berg hineinführt, macht insofern stutzig, als sie jeder realen Erfahrung entbehrt. Die Türe stellt jedoch einen tieferen Zusammenhang von Steinhäuschen und Berg her, der hier in seiner Eigenschaft als «Höhle» und «Schoss» der Grossen Mutter aufscheint. Der Aufstieg in die höheren Regionen des Geistes, der durch den «Berg» symbolisiert ist, muss nicht unbedingt zu jener seelischen Leere und Kälte des Gefühls führen, die den Frauen immer als Schreckgespenst vor Augen geführt wird. Frauen müssen nicht ihre «Weiblichkeit» verlieren, wenn sie ihren Anspruch auf Wissen und Erkenntnis geltend machen. Denn auch der «Berg» hält Orte bereit, die zu den tiefsten Schichten menschlicher Existenz führen. Während das Steinhäuschen als Ausdruck des intellektuell «Kalten» aufgefasst werden könnte (obwohl es auch Schutz bietet), weist die «Türe» zum Innenraum der höchsten «Berge» des Geistes auf ungeahnte Möglichkeiten hin, der Mutter «Erde» und ihren schöpferischen Kräften zu begegnen.

21.09.1968

SteinGestein

Steine und ganze Felsblöcke stürzen in die Tiefe, während ich mich mit losen Steinen beschäftige, 536

21.09.1968

SteinGestein

«Lose Steine» stellen die kleinsten Teile von einem grösseren Gestein dar. Als «kleinste Teile» könnten sie die Einzelaspekte einer in sich geschlossenen Weltsicht darstellen. Als «lose Steine» könnten sie eine gewisse Distanzierung gegenüber dieser Weltsicht ausdrücken. Wenn sich einzelne Teile aus einem Ganzen lösen, könnte alles in Bewegung geraten und unter Umständen das grosse Ganze in gefährlicher Weise zum Einsturz bringen. Diesen Sachverhalt soll die Träumerin, die sich «losen Steinen» beschäftigt, also mit Kritiken an einem Denkgebäude, wahrnehmen. Sie soll wissen, dass sie selber unter die «fallenden Steine» geraten und tödlich verletzt werden könnte (Steine und ganze Felsblöcke fallen in die Tiefe). Die Sequenz macht auf eine solche Gefahr aufmerksam, und die Träumerin ist aufgerufen, sich dieser Gefahr zu stellen.

06.07.1964

WaldUrwald

Im Urwald soll sich ein Urwaldmensch aufhalten, von dem gesagt wird, er lasse nur meinen Bruder K. an sich heran, anderen werde er gefährlich. Später werde ich ebenfalls von ihm akzeptiert, 279

06.07.1964

WaldUrwald

Das Wort «Ur» kommt hier in zweifacher Form vor, das eine Mal als Ur-Wald, das andere Mal als Ur-Mensch. Zur Grundbedeutung des «Ur» verweist das Herkunftswörterbuch auf die Wörter Ursprung (Quelle) und Ursache (Veranlassung). Heute bezeichne das Präfix vor allem den Anfangszustand einer Sache oder den ersten Vertreter einer Gattung, wie «Urwald» und «Urmensch». Ferner bezeichne es das Unmittelbare, das Erste, Grundlegende. In Ableitung 'urig', 'urchig' bedeute es urwüchsig, echt, auch originell, urtümlich. - So gesehen geht es in dieser Sequenz um Vorstellungen, was in einem menschlichen Leben als «urwüchsig, echt, originell, urtümlich» anzusehen sei, und zudem, ob wirklich «das Unmittelbare» als «Quelle» dieser Echtheit anzusehen sei. - Ich selber halte es eher mit der Philosophin Agnes Heller, die das unmittelbare, unreflektierte Dahinleben als Zeichen für eine «partikulare» Lebenseinstellung ansieht, die sich ausschliesslich am eigenen Wohlbefinden orientiert. Auf der Objektebene könnte der «Urwaldmensch» für einen Mann stehen, der sich im Verhältnis zur Träumerin «unmittelbar» urtümlich verhalten möchte. Die Sequenz möchte die Träumerein vielleicht auf einen solchen Sachverhalt aufmerksam machen. Auf der Subjektebene müsste sich die Träumerin fragen, ob sie selber Gefahr laufe, einer partikularen Lebenseinstellung zu verfallen.

10.03.1966

WaldUrwald

Beim Meditieren sehe ich plötzlich ein hell erleuchtetes Schloss mit Garten. Der Schlossgarten grenzt an einen Urwald, 396

10.03.1966

WaldUrwald

Der Urwald kommt in dieser Sequenz nurmehr als ein in der Meditation gewonnenes «Bild» vor und der Schlossgarten grenzt lediglich an den Urwald. Dies im Unterschied zur Sequenz 279 zwei Jahre zuvor, in der «Urwald» und «Urwaldmensch» eine Art Identität und Totalität bildeten. Die vorliegende Sequenz könnte eine Art Sehnsucht nach einem Stück unmittelbaren Naturlebens ausdrücken, während das «Schloss» mit Behausung und Beheimatung zu tun hat, auch in geistig seelischer Hinsicht. Insofern Häuser, tiefenpsychologisch gesehen, Symbole des Selbst darstellen, könnte das «hell erleuchtete Schloss» sich auch auf eine geistig seelische «Erhellung» und grössere Bewusstheit ausdehnen. Es könnte aber auch für eine männliche Person stehen, die durch den Blick der Träumerin oder durch Sehnsucht «hell erleuchtet» erscheint.

31.12.1987

WaldUrwald

Der grosse Gutshof eines alterslosen Onkels, auf dem sich auch Wildkatzen und ein mächtiger Stier oder Bison aufhalten, grenzt an einen Urwald, 914

31.12.1987

WaldUrwald

Erneut ist hier von einer «Angrenzung» an einen Urwald die Rede. Das heisst, dass das «Urtümliche» einer Person, für das der Urwald steht, die Situation oder die Person nicht dominiert, sondern dass eine Art Koexistenz zwischen urtümlicher Natur und menschlicher Kultur besteht. Das Bild vom «Bison», der den Ur-Stier bezeichnet, verstärkt die Aussage, dass urtümlichste Natur und höchste Kultur sich nicht ausschliessen, sondern eine Koexistenz zwischen den beiden möglich ist.

28.10.1988

WaldUrwald

In einer urwaldartigen Gegend ist eine Frau unterwegs. Ich mache mir Sorgen, weil ihr eine Zwillingsgeburt bevorsteht und ein Unwetter im Anzug ist, 921

28.10.1988

WaldUrwald

Eine «urwaldartige» Gegend ist nicht identisch mit einem Urwald. Aber sie teilt mit dem Urwald die Aspekte des Unbehaustseins und Ausgesetztseins in «Unwetter» und «Sturm». Dass eine solche Situation besonders gravierend ist für eine Frau, die niederkommen soll, und erst noch mit «Zwillingen», ist naheliegend. - Die Sequenz verweist auf eine schwierige innere oder äussere Situation, in der die Träumerin sich befindet. Und da sich die Sequenz nicht auf eine Schwangerschaft auf der Objektebene beziehen kann (die Träumerin ist 56-jährig), kann es sich hier nur um eine bevorstehende «Geburt» im übertragenen Sinne handeln, wobei die «Zwillinge» zwei Denk- oder Handlungsbereiche bezeichnen könnten. Die Sequenz redet von Sorge und Angst, dass die in Angriff genommenen Sachen scheitern könnten.

 

WaldUrwald (Liste)

Wald und Urwald symbolisieren die Natur in ihrem Urzustand. Das Leben im Wald bedeutet einerseits Autonomie und Freisein von Bevormundung, anderseits das völlige auf sich selbst gestellt sein, was Nahrung, Kleidung, etc. betrifft. - Für Lucie Stapenhorst ist der Wald der «mystische Ort der Selbstbegegnung in den Tiefen der eigenen Seele» (ID-Buch 1321, 73). - Nach Christa Mulack steht der Wald für jene Bereiche der Welt und des Lebens, die noch nicht der patriarchalen Aneignung, Verwaltung, Ausbeutung und Dressur anheim gefallen sind. Der Wald gehört zu den Aspekten der Grossen Göttin. Für Mulack ist es «kein Wunder», dass der Wald in der Tiefenpsychologie auch als Ort der Desorientierung gilt und symbolisch für das Unbewusste steht, das wiederum mit dem Weiblichen identifiziert wird: «So steht der Wald auch für jenen Bereich, den der Mensch nicht freiwillig und gern betritt, da ihn die patriarchale Kultur gezwungen hat, sich gegen jene andere Welt abzuschotten.» Dies gelte für die individuelle Psyche ebenso wie für das kollektive Bewusstsein, «das die Menschheitsgeschichte aufteilt in eine 'primitive' Vorgeschichte, in der die Menschen steinzeitliche Wilde waren, und eine geschichtliche Zeit, die patriarchale Strukturen» kennt, mit der «angeblich die Zivilisation begann». - Anderseits war «der Wald seit jeher, ähnlich wie im Orient die Wüste, ein Ort des Schutzes, an den Menschen sich zurückzogen, wenn sie ihrer Kultur den Rücken kehren wollten. So zogen christliche Eremiten sich zu ihrer geistigen Vervollkommnung ebenso in den Wald zurück wie die Hexen und wilden Frauen, die ihre eigenen Vorstellungen hatten von Weiblichkeit und Religion» (ID-Buch 1271, 88-89).

15.01.1959

Wasser

Ich schwimme unter Wasser ans andere Ufer, um einem Fangarm zu entgehen, der mich in den Fluss hinein zu ziehen droht, 16

15.01.1959

Wasser

Die Metapher «unter Wasser schwimmen» könnte besagen, dass hier das Fliessgewässer als ein Ort erlebt wird, der Schutz zu geben vermag. Allerdings geht zugleich vom selben Ort die Gefahr aus, der die Träumerin entgehen will. Denn im Fluss tummelt sich das Lebewesen, das sie in die Untiefen des Wassers zu ziehen versucht. Das Symbol «Wasser», auf der Subjektebene verstanden als Ausdruck der seelischen Tiefenschichten, der Gefühlswelt und die Schwimmbewegung in diesem Wasser als Ausdruck des aktiven Hineintauchens, steht zugleich für das Aufgehobensein in diesem Element und Schutz vor einem Versinken in dessen «Untiefen». Das Bild erklärt gewissermassen, der unmittelbare Kontakt zu sich selbst und zu den eigenen seelischen Kräften habe die Wirkung eines Schutzschildes und befähige zur Selbstbewahrung. Indem die Träumerin ihren Werten und Erfahrungen treu bleibe, könne sie auch der Fremdbestimmung entgehen (Fangarm). - Die Sequenz fordert die Träumerin auf, den Sachverhalt oder die Person zu identifizieren, die durch den «Fangarm» dargestellt ist, anstatt nur zu fliehen. Trotzdem ist es zweifellos besser, die Flucht zu ergreifen in einer Situation, in der es (noch) nicht möglich erscheint, andere Massnahmen zu ergreifen.

30.07.1959

Wasser

Zwei Männer versuchen, eine junge Frau im See zu ertränken. Ich schwimme zur Stelle, um ihr beizustehen, aber die Männer sind stärker, 62

30.07.1959

Wasser

Das schöne Lebenssymbol «Wasser» missbraucht zu sehen, indem es von Männern zum «Ertränken» einer jungen Frau benützt wird, löst Trauer und Wut aus. In der heutigen Zeit besteht das «Ertränken» von Frauen in Formen der Unterdrückung und Anpassung, die buchstäblich ans Leben gehen können. - Auf der Subjektebene könnte das Bild die Träumerin darauf aufmerksam machen, dass sie in ihrer Beziehung zu zwei Männern Gefahr läuft, in ihrer eigenständigen Identität als Frau zerstört zu werden und dass ihre derzeitigen Kräfte, sich dagegen zu wehren, nicht ausreichen (die Männer sind stärker). Die Aussage der Sequenz, die Träumerin habe der Frau beistehen wollen, aber die Männer sind «stärker», könnte eine Warnung beinhalten: Es sei eine Illusion zu glauben, eine einzelne Frau könnte wirkungsvoll gegen eine Männerallianz (zwei Männer) antreten, um eine andere Frau (oder sich selber) einem Zugriff zu entziehen, der von patriarchalen Gesetzen geschützt ist. Sie soll sich klar darüber sein, dass die Männer zufolge ihrer Geschlechtszugehörigkeit «am längeren Hebel» sitzen.

09.08.1959

Wasser

Ich schöpfe Wasser aus der Mulde eines Felsblockes und giesse es aufs Land. Etwas scheint viel Bewässerung nötig zu haben, 67

09.08.1959

Wasser

Die Aussage, etwas habe «viel Bewässerung» nötig, bedeutet, dass Handlungsbedarf besteht. Wenn das «Land» weiterhin ohne Wasser bleibt, wird es abdorren. Dies könnte bedeuten, dass wegen ungestillten seelischen Bedürfnissen Lebenskraft und Lebensfreude abzusterben begonnen haben. Das Bild stellt dar, dass die Träumerin diese Gefahr erkennt und dagegen etwas unternimmt: Zum Bewässern schöpft sie Wasser aus einer Mulde. Dies zeigt aber auch, dass ihr Tun gänzlich ungenügend ist. Sie müsste nach einem Bach, einer Quelle oder einem Brunnen suchen, um die Bewässerung auf längere Zeit sicher zu stellen. Erst wenn sie ausreichend «Wasser» auf das bedürftige «Land» giesst, wird es dort wieder richtig zu leben und zu spriessen beginnen. - Die Sequenz klärt die Träumerin über eine karge Situation und lässt erkennen, dass es zur Überwindung etwas mehr braucht, als sie bisher getan hat oder tun konnte.

11.06.1962

Wasser

Mein Bruder A. ist ins kalte Wasser gefallen. Aber er lacht nur und schwimmt mehrmals über den Fluss, bis er die Kälte nicht mehr aushält, 193

11.06.1962

Wasser

Ins «kalte Wasser fallen» bedeutet, in eine unangenehme oder gefährliche Situation zu geraten, die man so rasch als möglich hinter sich bringen möchte. Hier geschieht das Umgekehrte: Nicht nur, weil der «Bruder» über sein Missgeschick lacht, sondern weil er das Missgeschick weitertreibt. Er macht den unfreiwilligen «Fall» ins Wasser gewissermassen zu einer Sache seiner Wahl, indem er im Wasser verbleibt. Dies tut er aber nicht in passiver Weise, sondern aktiv, indem er «schwimmt». Dieses Verhalten könnte eine Art «Trotz» ausdrücken gegenüber einem leidigen Schicksal und gleichzeitig eine Form von Training bedeuten, um sich gegen weitere missliche Ereignisse zu wappnen. - Die Sequenz führt eine Möglichkeit vor, mit frustrierenden Erfahrungen umzugehen nach dem Motto: Was mich nicht umbringt, stärkt meine Kraft. Möglicherweise warnt die Sequenz davor, derlei «Training» zu übertreiben.

17.06.1962

Wasser

Eine Pflege-Fachfrau taucht handgestrickte Wollhosen ins Wasser und legt sie auf die schwer verletzten Stellen meines Körpers, 194

17.06.1962

Wasser

Dieses «Wasser» symbolisiert das «Heilwasser». In Verbindung mit einem individuell angepassten Kleidungsstück (handgestrickte Wollsachen) dürfte dieses Wasser doppelt heilsam wirken. Als drittes Element des Heilens tritt eine weibliche Person auf den Plan. Eigentlich sind alle drei Elemente weiblich konnotiert, und es ist besonders schön, dass es eine weibliche Heilerin ist, die sich einer Person ihres eigenen Geschlechts so liebevoll zuwendet.

16.07.1975

Wasser

Eine junge Frau wird von zwei Männern immer wieder unter Wasser getaucht, um sie zu ertränken, während sie meint, es gehe um einen feierlichen Taufakt, 678

16.07.1975

Wasser

Das «Wasser» wird hier von Seiten der jungen Frau als «Taufwasser» verstanden, als «Wasser des Lebens». Das Eintauchen der Frau ins «Wasser» geschieht von männlicher Seite jedoch in der Absicht, sie zu ertränken und damit zu töten. Frage: Wer sind die Männer, die ein Symbol, das explizit für die Schaffung von Leben und Lebendigkeit steht, in sein Gegenteil verkehren? Zweite Frage: Welche Vorstellungen und Theorien veranlassen die Männer, die eine Frau im Glauben zu lassen, sie würden an ihr eine feierliche Taufhandlung vornehmen, während ihre Handlung das Gegenteil bewirken wird? - Die Sequenz ist zweifellos als eine Warnung an die Träumerin zu verstehen. Die Frau soll sich davor hüten, sich allzu vertrauensvoll männlichen Vorgaben, Erklärungen und Handlungen zu überlassen.

12.07.1980

Wasser

Wie aus unterirdischen Quellen zischt und brodelt es aus meinem Bild, nachdem es von meinem Sohn übermalt wurde. Das Bild gefällt mir, 779

12.07.1980

Wasser

Die «unterirdische Quelle» (Wasserquelle) symbolisiert die seelische Tiefendimension. Diese Schicht enthält nicht nur unbewusste Elemente , sondern auch orientierende, klarsichtige, bewusste, inspirative geistige Inhalte und Kräfte, insofern als die «Allverbundenheit» noch vorhanden ist oder neu gefunden wurde. Während das Wort «Bild» auf den Begriff «Weltbild» hinweist, also auf Vorstellungen und Auffassungen, redet das «Zischen und Brodeln» von gewaltigen Kräften und Vitalkräften. Die Entbindung dieser Kräfte resultiert, wie die Sequenz sagt, aus dem «Malen» und «Übermalen» des Bildes, das die Träumerin gemalt hat. Dass ein «Sohn» das Bild «übermalt», könnte als Ausdruck jener Anteile in der weiblichen Psyche verstanden werden, die in unserer Gesellschaft als «männliche» gelten, in Wirklichkeit aber für allgemein menschliche Kräfte und Inhalte stehen. - Die vorliegende Sequenz könnte besagen, dass sich das Weltbild der Träumerin durch Einsichten erweitert und verändert, die sie einerseits ihrer psychischen «Allverbundenheit» verdankt, anderseits dem vielen neuen Wissen forschender Frauen, durch das sie im Innersten aufgewühlt ist (es brodelt und zischt).

29.09.1982

Wasser

Ich liege im Wasser wie in einem Bett, während Fische um mich herum schwimmen, 815

29.09.1982

Wasser

Das Bild vom «Wasser», in dem es sich so behaglich ruhen lässt, assoziiert das intrauterine Dasein des Fötus im «Fruchtwasser» des weiblichen Körpers. Das Bild vermittelt eine Situation von Ruhe und Ausruhen, die aber im eigenen seelischen Innenraum stattfindet. Diese Sicht wird verstärkt durch die bewegte Anwesenheit von «Fischen», die eine «Verkörperung der ursprünglichen Tiefe des Weiblichen» darstellen (Fische: ID-Buch 801, 493). - Ein solches behagliches Ausruhen und Entspannen im tiefsten «Wasser» kann auch nach einer besonders grossen Anstrengung eintreten, sofern sie Ausdruck eines echten inneren Anliegens war und vielleicht sogar zu einem gewissen Erfolg geführt hat.

04.03.2002

Wasser

Ich stelle eine Schale Wasser vor einen mumifizierten Hund, weil er Anzeichen von Leben von sich gibt, 994

04.03.2002

Wasser

Auch dieses «Wasser» steht für das mythologische «Wasser des Lebens», denn von ihm wird erwartet, selbst ein «mumifiziertes» Lebewesen wieder ins Leben zu bringen. Die Mumifizierung steht für Inhalte, die ganz in den Hintergrund gedrängt und gewissermassen «einbalsamiert» wurden, während die «Schale Wasser», die der Mumie von der Träumerin gereicht wird, darauf hinweist, dass diese Inhalte zum Leben erwachen und wahrgenommen werden wollen. - Die vorliegende Traumsequenz könnte darauf hinweisen, dass die Beschäftigung mit Inhalten, die eine längst vergangene Zeit betreffen (Mumie), unter Umständen zu dem erstaunlichen Resultat führen kann, dass sowohl die Inhalte als auch die Träumerin selber eine konstruktive Belebung erfahren.

19.01.2003

Wasser

Ich stelle ein Glas Wasser vor eine durstige Ratte, obgleich ich riskiere, von ihr gebissen zu werden, 1001

19.01.2003

Wasser

Dieses «Wasser» wird in seiner Eigenschaft als «Durstlöscher» vorgestellt, wobei das «Wasser» zur Stillung des «Durstes» zu den Lebensnotwendigkeiten gehört. Wie schon in 994 wird hier ein Tier getränkt, hier aber ein lebendes und ein uns weniger vertrautes Tier: eine Ratte anstatt ein Hund, ein Wildtier anstatt ein Haustier. Das Tränken bezeichnet aber auch hier eine positive Einstellung, ein positives Interesse an den Inhalten, die dieses Tier symbolisiert. Dass die Träumerin sogar riskiert, gebissen zu werden, verstehe ich als Hinweis, dass dieses Tier für bedeutsame Inhalte steht, deren sich die Träumerin annehmen möchte, ungeachtet dessen, dass sie «gebissen», also schmerzlich berührt und attackiert werden könnte. Es scheint mir, dass die «Ratte» etwas über die Art oder Inhalte des Interesses der Träumerin aussagt. Das Reich der Ratten ist bekanntlich der Untergrund des Erdbodens. Als Nage- und Wühltiere legen Ratten ganze Netze unterirdischer Gänge an, in denen sie hausen. Und sie halten sich in Abwasserkanälen und Abfalldeponien auf, um Verwertbares aufzuspüren und zu verspeisen. Es heisst, dass die Ratte daher Dinge symbolisiere, «die wir nicht lieben: Schmutz, Krankheit, Tod». Ratten müssen demnach über eine kaum vorstellbare Zähigkeit und Lebenskraft verfügen, um ein solches Leben überhaupt auszuhalten, ohne krank zu werden oder zu verkrüppeln. Das Aufspüren von Verwertbarem in «Abwasser» und «Abfalldeponien», könnte im übertragenen Sinn als eine Form von «Detektivarbeit» interpretiert werden. Im «Untergrund» einer Detektivarbeit nachzugehen, könnte besagen, dass die Träumerin sich mit Inhalten zu befassen beginnt, die sie bereits auf den «Abfallhaufen» geworfen hatte. Sie möchte nach Inhalten fahnden, die es wert wären, als nährende Elemente im geistig/seelischen Sinn beachtet zu werden.

23.11.1958

WildWildnis

Ein aus der Wildnis zurückgekehrter und dort verwilderter junger Mann wird von einer jungen Frau gefesselt, weil er zunächst angebunden werden müsse. Später bin ich selber die Frau, 7

23.11.1958

WildWildnis

Das Wort «verwildert» erinnert an das Aufbegehren gegen bürgerliche Normen und Moralkonventionen und das Hinter-sich-lassen gesellschaftlicher oder psychologischer Vorgaben. Diese Bedeutung könnte auch für den in die «Wildnis» gegangene junge Mann zutreffen. Auf der Subjektebene könnte es sein, dass die vermeintlich «männlichen» Anteile der Träumerin ins Abseits gestellt wurden, weil sie zu dieser Zeit (1958) für eine weibliche Person unpassend und störend behauptet wurden. Das «Anbinden» an eine weibliche Person wäre demnach als eine notwendige und hilfreiche therapeutische Massnahme zu begreifen, die der Frau jene Aspekte wieder zuführt, die in der menschlichen Frühzeit zur weiblichen Persönlichkeit gehörten. - Die Sequenz scheint die Träumerin darauf aufmerksam zu machen, dass der junge Mann ein zu ihr selbst gehörender Teil darstelle, den sie sich wieder aneignen soll. Und dass sie sich nicht einreden lassen soll, dass sie dadurch unweiblich oder gar vermännlicht würde.

23.06.1959

WildWildnis

Ein grosser Fisch schlägt wild um sich, während ein Mann mit einem Messer in eine empfindliche Stelle seines Kopfes einsticht. Blut spritzt heraus, 38

23.06.1959

WildWildnis

Das «wilde Umsichschlagen» geschieht hier in einer Situation, in der sich ein Lebewesen auf Leben und Tod bedroht spürt. Trotz stattlicher Körpergrösse und wilder bzw. äusserster Gegenwehr wird ein «grosser Fisch» von der mörderischen Aggression blutig getroffen, wobei nicht gesagt wird, wie der Kampf schliesslich ausgeht. - Es könnte sein, dass die Sequenz auf die Grenzen von Wehrhaftigkeit und Kraft einer Einzelperson hinweisen und als Warnung an die Träumerin verstanden werden will. Die Träumerin soll die Grenzen ihres Willens zum Leben sowie ihrer Fähigkeiten und Kraft erkennen und sich danach richten. Ansonsten könnte sie Opfer einer tödlichen Aggression einer männlichen Person werden. - Zu bedenken ist, dass sich die männliche Aggression gegen den Kopf des Tieres richtet, das in der mythologischen Symbolik ein weibliches Tier ist (Fisch).

06.01.1960

WildWildnis

Ich ziehe altmodische Kleider an und beginne wild zu tanzen, 114

06.01.1960

WildWildnis

Zur psychischen «Wildheit» gehört die Wut. Nach Agnes Heller gehört die Wut zu den expressiven «groben» Affekten. Expressiv, weil sie in irgend einer Form nach aussen sichtbar wird. Affekte können sich in Form von Gewalt gegen andere Menschen oder gegen sich selbst ausdrücken. Hier findet eine Umsetzung des Wutgefühls in einen «wilden Tanz» statt. Ich halte dieses Bild für den Ausdruck einer schöpferischen Leistung. Der Tanz führe weder zu Gewalt nach aussen, noch zu Gewalt nach innen. Vielmehr setzt der Tanz die «wilden» Energien in einen intensiven und lustvollen Bewegungssturm um. Ich glaube, dass allen intensiven Bewegungsarten die Wirkung innewohnt, «grobe» Affekte in heilende und lustvolle Kräfte und Handlungen umzuwandeln. Die Träumerin hat entweder einen solchen heilsamen Weg gefunden oder die Sequenz rät ihr zu einem solchen, die Gesundheit erhaltenden Weg.

03.11.1962

WildWildnis

Im Dorf wird aufgeregt nach einem unbekannten wilden Tier gefahndet. Das Tier kommt von einem Baum herunter und erweist sich als halb Affe und halb Mensch, 220

03.11.1962

WildWildnis

Das «wilde Tier» erinnert an die bekannte Metapher der Psychoanalyse des vermeintlich unzähmbaren «Tier in uns». Das «wilde Tier» meint aber nicht immer dasselbe. Mal bezeichnet es unbezähmbare sexuelle Ansprüche oder das psychoanalytische «Es» in uns, ein anderes Mal die vermeintlich ebenso unbezähmbare männliche Aggression. Oft bezeichnet das wilde Tier auch «das Andere», «den Anderen» oder «die Andere» in uns, verstanden als eine grundsätzliche Widersetzlichkeit, die sich aus dem vermeintlich chaotischen und unergründlichen «Es» der «tierischen» menschlichen Herkunft ergibt. - In dieser Sequenz scheint es um die Frage zu gehen, worin eigentlich «das Andere» der Träumerin besteht? Ob es wirklich so «wild» und gefährlich sei, wie das die Leute im «Dorf» meinen, und wie mit diesem «Anderen» umzugehen sei. Die Sequenz antwortet gewissermassen in verallgemeinernder Form, wir seien nicht nur biologisch festgelegte Wesen (Affe), sondern auch zu Veränderung und Autonomie fähige Menschen.

23.09.1964

WildWildnis

An einem Seeufer entdecke ich viele Eier von Wildhühnern, 288

23.09.1964

WildWildnis

Die «Wildheit» von Wildhühnern erinnert eher an eine harmlose Form von Wildheit. Wildhühner leben in der Regel autonom und in freier Natur, anstatt in Ställen oder bestenfalls in einer grösseren Umzäunung gehalten und - falls sie weiblich sind - ihrer Eier enteignet zu werden. So gesehen stehen Wildhühner schlicht für weibliche Freiheit und Unabhängigkeit, für das Freisein von menschlicher Bevormundung. Wildhühner sind mit Nahrungssuche und Eierlegen beschäftigt. Sie sind nicht auf einen «Ernährer» angewiesen, sie ernähren sich selber und widmen sich der generativen Tätigkeit (Eier legen und ausbrüten). - Die Wildhühner könnten einerseits freiheitliche Sehnsüchte der Träumerin symbolisieren, anderseits auch den Beginn eines Weges, der ihr stärker ein Leben nach eigenen natürlichen Bedürfnissen, auch erotischer Art, ermöglicht.

23.11.1965

WildWildnis

Ein Wildschwein läuft auf unser Haus zu. Aus Angst verschliesse ich das Haus. Die Wildsau läuft wieder in den Wald zurück, 366

23.11.1965

WildWildnis

Eine besondere «Wildheit» im Sinn von Aggressivität ist bei dieser Wildsau nicht zu erkennen. Sie gehört ja auch nicht zu den «Raubtieren», sondern zu den Pflanzenfressern. Sie versucht nicht, eine Türe einzurennen, obwohl sie dies aufgrund ihrer gewaltigen Körperkräfte mit Leichtigkeit tun könnte. Wovor hat die Träumerin Angst? Die Angst wäre verständlich, wenn das Wildschwein für jene Wildsau stehen würde, die nach Jutta Voss im «entwickelten Matriarchat» die starke, aggressive, autonome und sexuell vitale Frau darstellt. - So gesehen könnte die Angst vor der «Wildsau» die Angst der Träumerin ausdrücken, sie würde die soziale Zugehörigkeit verlieren, falls sie ein Stück der starken, aggressiven, autonomen und sexuell vitalen Frau» mitleben lassen würde.

13.10.1967

WildWildnis

Eine unheimlich wilde Naturlandschaft scheint absichtlich sich selbst überlassen zu werden, um den vorderen der zwei See zu speisen und zu erneuern, 488

13.10.1967

WildWildnis

Die «Wildheit» der Natur steht aus psychologischer Sicht für die urtümliche Eigentätigkeit der Gefühlswelt, von Körper und Psyche. Im Traumbild wird der Eigentätigkeit der «Natur» genügend Spielraum gegeben, so dass deren lebensspendende Kraft erhalten bleibt. - Besonders gut gefällt mir das Bild der zwei Seen, weil sie nebeneinander Platz haben, also ohne ein hierarchisches Verhältnis auskommen. Der eine See befindet sich in der wilden Naturlandschaft, der andere in der «vorderen» Welt. Die beiden Seen bieten ein Bild des Nährens und der Sorgsamkeit. Auch dem hinteren See und der «wilden Naturlandschaft» wird Eigenraum zugestanden. Die Sequenz bezeichnet einen Sachverhalt, der in tiefenpsychologischer Sprache durch die Begriffe «Unbewusstes und Bewusstes» gekennzeichnet ist. - Die Sequenz könnte als ein Tipp an die Träumerin verstanden werden, wie sie das Verhältnis zwischen einer inneren «wilden Natur» und einem äusseren angepassten Leben gestalten und einen gangbaren Weg zwischen diesen zwei Welten finden könnte. Die Botschaft könnte sein, die Träumerin brauche nicht einen unkontrollierten «Durchbruch» des «Es», der Triebhaftigkeit (der Natur) zu befürchten, weil nämlich ein ständig fliessender Kontakt vom «Es» zum «Ich» vorhanden sei.

17.01.1968

WildWildnis

Durch wildes Herumturnen kommt wieder Leben in den Kopf meiner kleinen Nichte, 516

17.01.1968

WildWildnis

Das «wilde Herumturnen» ist ein Bild von vitaler Bewegungslust und Kraft, obwohl sie sich hier in eher ungewohnter Form ausdrückt. In der vorliegenden Situation erweist sich diese Art der «Wildheit» als richtig. Das leblos gewordene «Kind», das für eine müde und unlebendig gewordene Psyche steht, zeigt plötzlich wieder Leben. Das «wilde Herumturnen» könnte darauf hinweisen, dass von intensiver, «wilder» körperlicher Bewegung eine belebende Wirkung auf die Psyche ausgehen kann.

26.12.1970

WildWildnis

Ich steige aus dem Fenster und gerate in Wildnis und Sumpf. Meine Nachbarin (Frau Mäusle) hatte mich im Zimmer festhalten wollen, 588

26.12.1970

WildWildnis

Eine «Wildnis» in Verbindung mit Sumpf redet von deren gefahrvollen Aspekten. Auffallend ist hier, dass die Wildnis unmittelbar neben einem Wohnhaus beginnt und wir mögen uns fragen, ob die Frau, die aus dem Fenster steigt, sich dieses Sachverhaltes bewusst ist. Eine Frau, die den ihr zugewiesenen Raum des Häuslichen und Privaten einer "Frau Mäusle" verlässt, kommt unmittelbar mit jenen Aspekten in Berührung, die ich als gesellschaftliche «Wildnis» bezeichne. Die Gefühlswelten und Ansprüche der Menschen sind derart unterschiedlich, dass wir sie durchaus als eine Sumpflandschaft empfinden können, wenn wir sie in ihrer Wirkung auf uns überhand nehmen lassen. Ein solcher «Sumpf» kann gefährlich werden, wenn wir es zulassen, dass unsere eigenen Orientierungsgefühle ausgeschaltet oder überfahren werden. - Die Sequenz weist auf eine Gefahr in einer bestehenden Situation hin.

20.01.1973

WildWildnis

Die oberste Station einer Bergbahn oder einer unterirdischen Bahn liegt in einer urtümlich wilden Naturlandschaft, 623

20.01.1973

WildWildnis

Diese «wilde Naturlandschaft» verbindet sich mit Berglandschaft (Bergbahn) und erholsamer Höhenluft, also nicht mit einem gefährlichen Dschungel oder einer öden Wüste. Der Ort kann sogar mit einem öffentlichen Verkehrsmittel erreicht und also auch wieder verlassen werden (Bahn). Dies gilt auch für den Fall einer «unterirdisch» angelegten Bahn. Das Bild von der wilden Naturlandschaft in Bergeshöhe und seine Erreichbarkeit könnte besagen, dass ein intellektueller Höhenflug keineswegs bedeuten muss, die Verbundenheit mit der «urtümlich wilden Natur» in uns zu verlieren, dass es aber der Bahnungen bedarf, die den Kontakt zur inneren «wilden Natur» und deren Wiederverlassen ermöglicht. - Die Botschaft dieser Sequenz scheint eine ähnliche zu sein, wie jene von Traum 488, die ebenfalls vom Vorhandensein eines permanenten Kontakts zwischen einem «Wilden» des «Es» und einem anpassungsfähigen «Ich» redet.

 

WildWildnis (Liste)

Die Wildnis steht für die «Natur» in ihrem Urzustand. In der Wildnis zu leben bedeutet einerseits, geistige Freiheit und Autonomie zu besitzen oder zu beanspruchen, frei zu sein von menschlicher Bevormundung. Anderseits bedeutet das Leben in einer Wildnis das totale Verwiesen-sein auf sich selbst bezüglich Nahrung, Kleidung, Obdach. Es bedeutet auch die Fähigkeit, sich selber in allem Ungemach bei Laune zu halten, das psychische Gleichgewicht aufrecht erhalten zu können. In der Wildnis fehlt der geistig/seelische Austausch mit anderen Menschen und somit die Möglichkeit, von anderen Menschen zu lernen. Wildnis besagt, dass wir nur auf eigene Erfahrungen bauen (können). Wildnis bedeutet aber nicht nur, einer gewaltigen bis gefahrvollen Urnatur ausgeliefert zu sein, sondern auch die Erfahrung, die schon die Menschen der Urzeit als die «Gute Mutter» beschrieben haben: Denn «Mutter Erde» beschenkt uns mit Sonnenwärme und allen Früchten der Erde. Sie schenkt uns das Blühen und Ernten, Kraft und Lust des eigenen Körpers, vitale Lebenskraft und Freude überhaupt. Lebenskraft und Freude gehören zum Erleben der Ur-Natur, die sowohl in «wilder» als auch in sanfter und zärtlicher Form daher kommen und erfahren werden kann. - Im übertragenen Sinn könnte die Wildnis auch auf das soziale Universum hinweisen, das auch eine Art «Wildnis» oder Dschungel darstellt, in dem wir Menschen uns zurechtfinden müssen.