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Symbolkategorie OrteRäume

11.11.1959

Bett

Ein Jüngling liegt zusammengekrümmt in einem Bett, seine Augen sind mit einer Augenbinde verdeckt, 101

11.11.1959

Bett

Dieses Liegen im «Bett» assoziiert kein Wohlbefinden, sondern Gewalt und Regression zufolge dieser Gewalt. Das Bild des zusammengekrümmten Jünglings mit Augenbinde stellt eine Verurteilung zu Bewegungslosigkeit und Sehunfähigkeit dar. Sowohl der jugendliche Tatendrang als auch die natürliche Neugier auf die Welt wird auf diese Weise unterdrückt und lahm gelegt. Auf der Subjektebene steht der Jüngling für die sogenannten «männlichen» Anteile der Träumerin, die zur Passivität verurteilt zu sein scheinen und zu verkümmern drohen. - Die Sequenz macht zwar deutlich, dass Gewalt und Zwang von aussen kommen, erklärt aber nicht, von wem oder was sie ausgeübt werden. Vermutlich wagt die Träumerin (noch) nicht zu erkennen, wer die Aggressoren sind.

23.03.1961

Bett

Ein zirka vierjähriges Mädchen müsse zu oft im Bett liegen bleiben. Daher könne es noch nicht richtig gehen, meint ihr grösserer Bruder, 147

23.03.1961

Bett

Auch dieses «Bett» dient nicht seiner eigentlichen Bestimmung, der Erholung und Erneuerung der Kräfte, sondern dem Gegenteil, nämlich einem Kräfteschwund zufolge einer aufgezwungenen Passivität. Ein Kind darf seine gesunden Organe (Beine) nicht benützen, es darf nicht das «Gehen» in der Welt üben, sondern wird zur Passivität gezwungen und verurteilt. Das Thema von Sequenz 101 wiederholt sich hier also, wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Noch ist das Kind nicht verkrüppelt (gekrümmt). - Die Sequenz gibt auch hier keine Gründe an, warum das weibliche Kind zu oft im «Bett» bleiben muss. Aber die Verbindung von «weiblich» und Passivität scheint mir auf die Problematik dieser Verbindung hinzuweisen, die hier übrigens in seinen katastrophalen Folgen dargestellt ist: Dass ein weibliches Kind seine Kräfte und Begabungen nicht ungehindert entwickeln kann, und dadurch in seinen Aktivkräften erheblich geschädigt wird. Die Träumerin scheint aufgefordert zu werden, diese Situation genau wahrzunehmen, zu reflektieren und handelnd einzugreifen.

05.07.1961

Bett

Ich werde aus dem Bett in den Weltraum geschleudert und denke, ich müsse mich ans Hinausgeschleudertwerden gewöhnen, 155

05.07.1961

Bett

Dieses «Bett» scheint seiner Bestimmung als Ort der Erholung und Erfrischung nachzukommen. Es wird jedoch der Träumerin entzogen, denn sie wird aus ihrem «Bett» hinaus geschleudert. In diesem Vorgang wird der Gewaltaspekt noch deutlicher als in 101 und 147. Aber wieder wird nicht klar, wer oder was für diese Gewalt verantwortlich ist. Ist es wirklich «das Leben» selber, wie oft gesagt wird, das die Träumerin (oder die Menschen überhaupt) aus ihrem Wärme und Geborgenheit gebenden Ort heraus «schleudert»? Dies scheint die Träumerin zu glauben, meint sie doch, sie müsse sich an solche Gewaltakte gewöhnen.

21.08.1961

Bett

Ein neues Bett aus weissem Holz und glänzendem Bettzeug habe ich im zweiten Estrich entdeckt. Ich habe das Gefühl, bis vor kurzem habe eine Frau mit meinem Bruder K. dort gelebt, 160

21.08.1961

Bett

Das weisse Bett assoziiert das «Brautbett», in dem die «Heilige Hochzeit» stattfindet, eine religiös überhöhte Verbindung zwischen Frau und Mann.

19.09.1963

Bett

Ich habe das Gefühl, das Büchergestell suche die Nähe zum Bett in meinem Zimmer, nicht aber umgekehrt, und ich selber sei das Büchergestell , 240

19.09.1963

Bett

Die «Nähe zum Bett», die durch ein «Büchergestell» gesucht wird, ist ein lustiger, aber in der Symbolik keineswegs abwegiger Gedanke. Ungewohnt ist nur, dass die Frau ihre primäre Identität im Büchergestell dargestellt sieht, während ihr starker Wunsch nach der «Nähe zum Bett» und dessen sexuellen Freuden in den zweiten Rang gerückt ist. Auf der Objektebene könnte es sein, dass die Träumerin an einen Mann geraten ist, bei dem sie eine umgekehrte Reihenfolge vermutet: Er sucht nicht von sich aus die Nähe zum «Büchergestell», zu einer Frau, die primär an Erkenntnis und Wissen interessiert ist.

30.10.1963

Bett

Ein kleines Mädchen liegt verlassen in seinem Bettchen. In der neuen Wohnung seiner Mutter sei noch kein Platz für das Kind vorhanden, 250

30.10.1963

Bett

Das Bild eines in seinem Bettchen verlassenen Kindes verletzt die tiefsten mütterlichen Gefühle, und lässt fragen, zu wessen Gunsten die Frau das «Eigene», das durch das Mädchen symbolisiert ist, aufgibt oder aufgeben muss.

05.12.1963

Bett

Meine Mutter liegt in meinem Bett. Ich fühle mich durch sie gestört, 259

05.12.1963

Bett

Was hat im eigenen «Bett» eine «Mutter» zu suchen? Im Hinblick auf die Sequenz 250 wäre zu fragen, ob sie das mütterliche Über-Ich der Träumerin darstelle oder die «Grosse Mutter», die der Träumerin sagen, dass sie ihr «Eigenes» nicht vergessen darf (in 250 hatte sie ihr kleines Mädchen allein im Kinderbettchen zurück gelassen). - Das heisst, dass eine «störende» Mutter nicht in jedem Fall als ein negativer mütterlicher Aspekt interpretiert werden darf.

24.08.1967

Bett

Ich liege mit einer Frau im Bett und habe das befriedigte Gefühl wie nach einem Beischlaf, 476

24.08.1967

Bett

Als Frau mit einer Frau im Bett zu liegen könnte als Wunsch nach einer lesbischen Beziehung verstanden werden. Diese Sicht scheint durch den Hinweis gestützt, dass die Träumerin sich fühlt wie nach einem befriedigenden «Beischlaf». Dennoch ist diese Interpretation zweifelhaft. Im konkreten Fall und im Hinblick auf frühere Sequenzen, ist eher zu vermuten, dass die Träumerin auf der Subjektebene zu ihrem «Eigenen» als Frau zurück gefunden hat, und dass dies in ihr ein derart köstliches Gefühl hervorrufen könnte, vergleichbar mit einem befriedigenden Beischlaf.

09.06.1975

Bett

Mein Baby liegt nackt und frierend im Bett. Ich habe vergessen, dass ich die Mutter eines Babys bin, 676

09.06.1975

Bett

Zwei Jahre liegen zwischen der Sequenz 476, die von zwei Frauen im Bett berichtet und dem Wohlgefühl, das von dieser Verbindung ausging. Ich hatte diese Sequenz als Wiederfindung des «Eigenen» interpretiert. Nun scheint die Träumerin erneut die mütterliche Betreuung ihres «Eigenen» vernachlässigt zu haben, denn ein Baby liegt «nackt und frierend» im Bett. Es wäre zu fragen, ob die Träumerin überhaupt die Möglichkeit hat, sich mit einem neuen Inhalt oder Thema zu befassen, das offenbar in ihr vor kurzem «geboren» wurde (Baby).

03.06.1977

Bett

Ich liege mit einer unbekannten nackten Frau im Bett und streichle sie am Rücken. Später nehme ich auf der Vorderseite eine kaum vernarbte grosse Wunde wahr und fühle nun grosse Scheu vor der Frau, 700

03.06.1977

Bett

Dieses «nackte Liegen im Bett» mit einer Frau erweckt noch stärker den Eindruck, es gehe hier um den Wunsch der Träumerin nach einer lesbischen Beziehung. Auf der anderen Seite lässt die Szene auf der Subjektebene vermuten, dass es um den Anfang einer Verbindung zwischen einem vergessenen oder abgespaltenen Teil in der Psyche der Träumerin geht. Die Träumerin empfindet nämlich eine «grosse Scheu», aber nicht vor der Frau selber (die sie zudem nicht kennt), sondern vor einer grossen und kaum vernarbten Verwundung.

01.11.1977

Bett

Neben meinem Bett steht ein Spiegel, der weit entfernte Ereignisse und auch unbekannte Teile meiner Seele spiegelt, 708

01.11.1977

Bett

Hier werden Bett und Spiegel in Zusammenhang gebracht. Während das Bett mit «Schlaf» und somit auch mit dem Unbewussten zu tun hat, stellt der Spiegel Selbsterkenntnis und also Bewusstsein dar. Das heisst, dass das Bett als Schlaf-Stelle nicht nur das «Unbewusste» in der Welt der Tiefenschichten und der Träume darstellt, sondern auch jene Teile unserer Tiefenschichten, die oft mehr wissen und erkennen, als das Tages-Bewusstsein zu tun vermag.

03.06.1959

EstrichKeller

Man bietet mir im Keller eine kleine kiesbedeckte Wohnung an, aber ich lehne das Angebot ab, 32

03.06.1959

EstrichKeller

Ein Keller mit Naturboden, der lediglich mit Kies bedeckt ist, ist ein überaus schätzenswerter Ort für die Aufbewahrung von Obst und Gemüse, eignet sich aber nicht für eine menschliche Wohnung. Eine solche Keller-Wohnung könnte im Kontaktbereich auf eine asymmetrische Beziehung hinweisen, die sich zugleich im Verborgenen abspielt (Naturboden, im Keller).

11.11.1959

EstrichKeller

Im Keller einer gutsituierten Familie treffe ich auf einen missgestalteten, zirka zehnjährigen Knaben, 101

11.11.1959

EstrichKeller

Im Keller einen missgestalteten Knaben «aufzubewahren» könnte auf der Subjektebene bedeuten, dass auf spätere Möglichkeiten der Heilung gehofft wird, weil es zu dieser Zeit (1959) keine wirksame Heilungs- oder Integrationsmöglichkeit für solche Kinder gab. Im schlechteren Fall könnte es auch bedeuten, dass Krankes abgeschoben und verdrängt wurde. Auf der Objektebene könnte die Sequenz besagen, dass die Träumerin in einer anderen und scheinbar gesunden Person, auf kranke Anteile gestossen ist. - Die Sequenz macht die Träumerin darauf aufmerksam, dass Handlungsbedarf besteht.

21.08.1961

EstrichKeller

Hinter einem übermaltem Wandschrank entdecke ich anlässlich einer Renovation einen zweiten Estrich. Kurz zuvor scheint mein Bruder K. sich mit einer Frau hier aufgehalten zu haben, 160

21.08.1961

EstrichKeller

Dieser «zweite Estrich» steht noch stärker für ins Abseits geschobene Inhalte als ein gewöhnlicher Estrich, denn er steht auch noch verborgen hinter einem «übermalten Wandschrank». Dass der Estrich im Zusammenhang mit einer «Renovation» nun «entdeckt» wird, interpretiere ich als Ausdruck für die Zuwendung zu bisher nicht beachteten, unterdrückten oder verdrängten Inhalten, die nun zu bearbeiten wären, zu denen auch eine sogenannte «Schattenbearbeitung» gehört. - auf der Objektebene könnte der «zweite Estrich» auf einen Mann hinweisen, der in der Psyche der Träumerin Raum eingenommen hat, wenn auch abgeschirmt und verborgen (Bruder K. hielt sich dort auf).

28.12.1964

EstrichKeller

Ich bekomme Vorwürfe, im Keller seien Vorräte am Verderben: Früchte, Nüsse, selber gebackene Zöpfe etc., 318

28.12.1964

EstrichKeller

Der «Keller» steht, wie oben bereits gesagt, auch für jene seelischen Tiefenschichten, die Wertvolles, Lebendiges und Nährendes enthalten. Diese Sequenz wirft der Träumerin vor, wertvolle und nährende Inhalte vernachlässigt zu haben, weshalb sie am Verderben seien. Wenn das Nährende nicht rechtzeitig wahrgenommen, gepflegt und integriert wird, versiegt die Quelle der Nahrung und der Kraft.

18.11.1969

EstrichKeller

Ein Dachstock ist am Einsinken. Es heisst, man könne ihn renovieren, 572

18.11.1969

EstrichKeller

Da der Dachstock den Estrich enthält, steht er in der Haussymbolik ebenfalls für den Kopfpol, also für den Geist- und Denkbereich. Dieser Bereich ist am «Einsinken», die Denkfähigkeit war gefährdet, wird aber als wieder herstellbar, renovierbar eingestuft. - Auf der Subjektebene wird der Träumerin tröstend mitgeteilt, dass sie hoffen dürfe, dass sie ihre frühere Denkfähigkeit wieder erlangen könnte, aber dies nur unter Aufbietung ihrer Kräfte und Arbeit. Eine Renovation im Bereich des Denkens ist mit viel (Denk-)Arbeit verbunden.

06.09.1975

EstrichKeller

Im Estrich treffe ich auf einen intelligenten 6-8-jährigen Knaben. Er ist in einem Laufgitter und beschäftigt sich selber. Er scheint ans Alleinsein und an Kargheit gewöhnt zu sein, 684

06.09.1975

EstrichKeller

Das Bild dieses Kindes im Estrich und Laufgitter löst spontanes Mitleid und Entsetzen aus, das Verhalten des Kindes ungläubiges Staunen. Wie kann ein Kind in einer derartigen Isolation überleben? - Der «Estrich» steht in der Symbolik des «Hauses» für den Kopf- und Geistpol, aber auch für alles «Ausgesperrte». Ebenso steht das männliche Kind in der patriarchal geprägten Tiefenpsychologie für das Denken und auf der Subjektebene speziell für ein vermeintlich inferiores «weibliches» Denken, das C.G.Jung. Jung als «Animus» der Frau bezeichnet. Somit wird auf zweifache Weise hervorgehoben, dass es hier um den Denkbereich geht. Zum «Laufgitter» assoziiere ich spontan den Buchtitel «Frauen im Laufgitter» von Iris von Roten, in dem sie in eindrücklicher Weise alle «Gitter» beschreibt, die Frauen in unserer Gesellschaft vorfinden. Der Knabe, verstanden als Denkbereich und Intelligenz der Frau, ist eingesperrt. - Die Sequenz berichtet, dass weder das Eingesperrtsein noch Kargheit und Einsamkeit in jedem Fall und unausweichlich zu Zerfall und Tod führen müssen. Vielmehr sei ein Überleben und die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit in einer schier ausweglosen Situation denkbar und möglich.

31.12.1977

EstrichKeller

Zusammen mit drei Kindern werde ich in einen kalten Estrich eingesperrt und der Kleider beraubt, 712

31.12.1977

EstrichKeller

Der «kalte Estrich» könnte auf jene Produkte des Denkens hinweisen, die als «kalt» und uneinfühlsam empfunden werden. Ein solches Denken ist unfähig oder nicht willens, sich in andere Situationen oder Bedürfnisse anderer Menschen hinein zu versetzen. Dieses «kalte» Denken neigt dazu, andere Menschen ihrer «Kleider», ihres Selbstverständnisses und ihrer selbstbestimmten Identität zu berauben. Ein solcher «kalter Estrich» ist beispielsweise in der Animus/Anima Theorie auszumachen, da sie dem weiblichen Geschlecht ein eigenes Denken und eine selbstbestimmte Identität verwehrt.

30.06.1959

Fenster

Die Kabine ist ohne Fenster, in der Tempoversuche für die Weltraum-Fahrt mit einem Mann gemacht werden. Der Mann ängstigt sich, 39

30.06.1959

Fenster

Das Fehlen von Fenstern in einem Raum, der sich der Erforschung des grossen Weltraumes zwecks Erweiterung von Erkenntnissen über Kosmos und Welt verschrieben hat, überrascht. Aufgrund der Symbole «Weltraum-Kabine», «Tempoversuche» und «Männer», deute ich die Sequenz auf der Objektebene. Den Hinweis auf fehlende Fenster verstehe ich als eine Kritik, die besagt, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit dieser Männer eine gewaltige Lücke besteht. Ohne «Fenster» ist eine Erweiterung des Weltbildes dieser und anderer Männer nicht möglich. - Bezogen auf die Subjektebene könnte die Sequenz der Träumerin mitteilen, dass ihr Weltbild und Erkenntnisstand dringend einer Erweiterung bedürfe. Und dass sie (27-jährig) den Blick aus dem «Fenster» in den weiten Kosmos wagen solle.

23.03.1961

Fenster

Ich überlege, ob es meine Aufgabe gewesen wäre, die Fenster in dem Hause zu schliessen, das demnächst unserer Familie gehören soll. In der Halle liegt Schmutz und Schnee, 147

23.03.1961

Fenster

Die Sequenz enthält den Rat, sich nicht für alles offen zu halten. Sich auch nicht allen Menschen gegenüber zu «öffnen», sondern Grenzen zu setzen.

13.05.1961

Fenster

Mein Bruder B. wirft ein kleines Schächtelchen aus dem Fenster, das etwas Wertvolles enthält, um es vor einem diebischen «Pater» zu retten, 152

13.05.1961

Fenster

Das Fenster wird hier als direktester Zugang zur Aussenwelt benützt. Das wertvolle Schächtelchen wird aus dem Fenster geworfen, um es dem Zugriff einer anderen Person zu entziehen. Das Öffnen des Fensters, des Bewusstseins für die grössere Welt des «Draussen», ermöglicht hier eine effiziente Schutzhandlung. - Wenn wir das Schächtelchen mit wertvollem Inhalt als Weiblichkeitssymbol verstehen (Frau und Kreativität), wird deutlich, worum es hier gehen könnte. Es wird gesagt, der eine Mann wolle sich das Wertvolle aneignen, der andere wolle es davor schützen. Aber es könnte auf der Objektebene ebenso gut um ein Rivalisieren zwischen zwei Männern um die Macht über eine weibliche Person gehen. - Auf der Subjektebene könnte es bei der Rivalität um «weibliche Werte» gehen, die der Träumerin sehr wichtig sind.

12.07.1962

Fenster

Es wird versucht, mein Fenster einzudrücken. Es ist eine Ratte, die sich schliesslich als halb Affe und halb Mensch erweist,199

12.07.1962

Fenster

Das Eindrücken eines Fensters weist darauf hin, dass an der verletzlichsten Stelle ein direkter Zugang mit Gewalt erzwungen wird. Es wird ein Kontakt zu einem anderen Menschen erzwungen. Mit der Bezeichnung dieser Person als «halb Affe halb Mensch» dürfte eine negative Beurteilung gemeint sein. - Die Träumerin ist aufgerufen zu fragen, wer oder was einen direkten Zugang zu ihrer Psyche erzwingen will.

09.10.1963

Fenster

Ich verlange den Einbau von Fenstern in die Küche meiner Mutter, die ich als düster empfinde. Ich soll nämlich an Mutters Stelle ihre kleinen Kinder betreuen, 245

09.10.1963

Fenster

Den Einbau von Fenstern in eine als düster empfundene Mutter-Küche zu verlangen, bedeutet, eine Situation zurück zu weisen, die sich eine frühere Mutter-Generation noch gefallen lassen musste. Gemeint ist der enge Lebensraum von Küchen- und Hausdienst, der der Träumerin den Blick nach Aussen versperrt. - Dieser unerträglichen Situation wird mit der Forderung nach «Fenstern» begegnet, die den Blick frei geben auf die Welt und ihre Entwicklungen. - Auf der Subjektebene könnte der Auftrag, Mutters «kleine Kinder» zu betreuen, die Träumerin zum Arbeiten und Entwickeln von Werten und Inhalten auffordern, die als weibliche oder «mütterliche» gelten.

03.01.1964

Fenster

Ich steige aus dem Fenster eines kahlen Kellerlochs, gerate aber in einen grossen Fabriksaal, anstatt nach Draussen, 266

03.01.1964

Fenster

Der Ausstieg aus einem Fenster, die vermeintliche Befreiung, scheint sich für die Träumerin als Bumerang zu erweisen. - Es könnte sein, dass sich die Träumerin ihre Befreiung und Entwicklung zu leicht vorgestellt hat. Später werden feministische Psychotherapeutinnen erkennen, dass der Einstieg der Frauen in die Berufswelt und in finanzielle Unabhängigkeit nur ein erster äusserer Schritt sei, dem innerpsychische folgen müssten. Sie verweisen auf die Prägung durch die Frauenrolle sowie auf die Internalisierung weiblicher Rollenvorbilder und Verhaltensweisen. - Die Sequenz teilt der Träumerin mit, dass sie sich auf einen längeren Prozess gefasst machen muss, um wirklich nach «Draussen» kommen, um äussere und innere Freiheit erlangen zu können.

13.12.1965

Fenster

Das grosse Fenster, in das ich mich durch einen Sprung vor einer Wasserflut gerettet habe, gehört zu einem Museum, 372

13.12.1965

Fenster

Das grosse Fenster verstehe ich als Ausdruck der Erwartung, dass es eine grosse Bandbreite des Sehens nach draussen garantiere. Aber es ist sehr fraglich, ob ein Museum, eine museale, nach rückwärts gerichtete Sichtweise, eine solche Erwartung überhaupt erfüllen kann.

12.03.1966

Fenster

In den Fenstern des Hauses neben unserem Haus kann ich Glasmalereien sehen. Aber die Bilder, die ein «Meister» in meinem Einfamilienhaus gemalt haben soll, kann ich nicht finden, 397

12.03.1966

Fenster

Manchmal gibt uns erst der grössere «Blick aus dem Fenster» die Möglichkeit, wahrzunehmen, was sich in unserer eigenen Nähe befindet. Aber in dieser Sequenz ist dies noch nicht der Fall. Auch «meisterlich» gestaltete Bilder können nicht als solche erkannt werden, sondern erst die im Haus nebenan bestehenden Malereien, das heisst also das Schaffen einer anderen, und vermutlich männlichen Person (Meister).

25.09.1966

Fenster

Eine junge Frau springt aus dem Fenster. Sie war an Ketten gehalten und misshandelt worden, 423

25.09.1966

Fenster

Der Sprung aus dem Fenster weist auf eine unhaltbare Situation, die offensichtlich nur durch eine radikale und rasche Lösung beendet werden kann. Ein solcher gewagter Sprung löst Unbehagen aus, weil er sehr leicht tödlich verlaufen könnte.

01.08.1976

Fenster

Mit einem Sprung aus dem Fenster versuche ich mich vor einem roboterhaften Wesen zu retten, das zugleich mein Bruder K. zu sein scheint. Er möchte mich roboterhaft gefügig machen, und ich spüre bereits meine Glieder schwer werden, 689

01.08.1976

Fenster

Erneut ist von einem «Sprung aus dem Fenster» die Rede, von einem fluchtartigen Verlassen einer Situation, die als grösste Gefahr empfunden wird. Das Roboterhafte könnte für unhinterfragte Auffassungen bezüglich der Beziehung der Geschlechter stehen.

13.07.1983

Fenster

Das Haus einer Musikerin (Pianistin) verfügt über Fenster nach oben. Ihr grosses Haus führt unterirdisch weiter zu meinem Haus, 829

13.07.1983

Fenster

Fenster «nach oben» in einem unterirdischen Teil eines Hauses bezeichnen eine Weitsicht und Weltsicht, die imstande ist, die tiefsten Seelenschichten sowie die «Echtheit der Gefühle» zu erreichen.

20.11.1986

Fenster

Vom oberen Estrichfenster aus wage ich nicht hinunter zu schauen, weil mich die Höhe (30 Meter) schwindlig macht. Eine Frau mit Baby lasse ich daher nicht ans Fenster, 880

20.11.1986

Fenster

Der Blick aus dem Fenster eines sehr hohen Gebäudes, verstanden als hohes Gedanken-Gebäude, kann so schwindelerregend sein, dass dem seelischen Gleichgewicht einer erwachsenen Person ernstliche Gefahr droht. Die Sequenz meint, dass eine Frau mit Baby sich dieser Gefahr erst recht nicht aussetzen sollte. Dies, weil sie damit nicht nur sich, sondern auch noch das «Baby», ein «Produkt» der Frau ernsthaft gefährde. - Die Träumerin scheint darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass es manchmal richtig und notwendig sein kann, sich vorübergehend total abzugrenzen gegen «Nebengeräusche» und andere Hindernisse, wenn die Situation die ganze Konzentration erfordere und nicht die geringste Ablenkung gestatte.

01.09.2003

Fenster

Ich öffne alle Fenster in einem alten Haus, als ob ich längere Zeit abwesend gewesen und nun nach Hause gekommen wäre, 1005

01.09.2003

Fenster

Das Öffnen von Fenstern nach langer Abwesenheit könnte bedeuten, dass alte Sichtweisen, die wie unbeachtet und nebenher immer noch bestanden, zufolge von inzwischen neu gewonnenen Einsichten und neuen Perspektiven, einer wiederholten und vertiefteren Betrachtung bedürften.

10.12.2003

Fenster

Meine Freundin Hanni B. öffnet alle Fenster in ihrem gediegenen Wohnraum, und ich kann sehen, dass einige Glasscheiben stark verschmutzt, sind 1070

10.12.2003

Fenster

Dass nicht alle, sondern nur einige Fenster verschmutzt sind, könnte bedeuten, dass die Sicht nach Draussen teilweise getrübt ist. Es könnten Vorurteile über gewisse äussere Sachverhalte bestehen, die wahrgenommen und reflektiert werden wollen. Das Öffnen der Fenster könnte besagen, dass die Bemühungen um eine klarere Sicht zwar begonnen habe, aber noch auszudehnen sei (Reinigung der verschmutzten Fenster).

26.04.1966

HeimatOrt

Oberhalb meines Heimatortes gerate ich unerwartet in eine Frühlingswiese mit Blumen sowie auf überwachsene Mauern und neuere Häuser. Von der Existenz dieses Ortsteils weiss im Dorf niemand, 401

26.04.1966

HeimatOrt

Oberhalb eines «Heimatortes» Wiesen, Blumen und neuere Häuser zu entdecken, könnte besagen, dass ein Stück «Heimat» an bisher nicht wahrgenommenen oder erkannten Orten gefunden worden ist. Die Sequenz nennt drei Orte, die ein Gefühl von Heimat zu vermitteln vermöchten: Eine «Frühlingswiese», verstanden als eine erotisch begründete Liebesbeziehung, eine «überbewachsene Mauer», verstanden als eine überwundene seelische Mauer, die zu einer neuen seelischen Offenheit führte, sowie «neuere Häuser», verstanden als neue Lebens- und Arbeitsbereiche und neue menschliche Kontakte. Die Träumerin wird aufgefordert, auch solche «Orte» als Quellen von «Heimat» wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Dass von deren Existenz «niemand weiss» könnte besagen, dass die Träumerin darauf bedacht ist, niemand wissen zu lassen, dass sie ihr Heimatbedürfnis nicht auf die einzige Quelle reduzieren lassen will, die zu dieser Zeit (1966) angeboten wurde: Das Hausfrauendasein als Folge der Liebe zu einem Mann oder dem Wunsch nach einem Kind. Vielmehr verweist die Sequenz auf drei Orte, die der Träumerin - und mit ihr den meisten Frauen - ein Gefühl von Heimat zu vermitteln vermögen.

09.07.1966

HeimatOrt

Meine Schwester S. kommt von einer Wanderung in meinem Heimatdorf zurück, wo sie mit Kindern meines Kinderheims die sogenannte Kindlikapelle besucht hat, 414

09.07.1966

HeimatOrt

Die Verbindung von Heimatort und «Kindlikapelle» steht für die Möglichkeit, dass sich im Prozess der Selbstwerdung, an dem das «Kind in uns» ganz wesentlich beteiligt ist, ein Gefühl von «Heimat» entwickeln kann. So gesehen besteht der wirkliche «Heimatort» dort, wo in uns Selbstwerdung und Individuation stattfindet, und nicht im äusseren Heimatort eine Dorfes, einer Stadt oder eines Landes. - Die Sequenz könnte darauf aufmerksam machen, dass Heilsame und Heilende im seelischen Raum zu suchen.

08.10.1966

HeimatOrt

In meinem Heimatdorf ist ein grosszügiges Schulhaus gebaut worden, was mich erstaunt, 426

08.10.1966

HeimatOrt

Im «Heimatort» ein grosszügiges Schulhaus zu erstellen, könnte das Bemühen ausdrücken, das «Heimatliche» des Gefühlsbereichs und der Individuation zu ergänzen und zu erweitern durch zusätzliche geistige Schulung und Aneignung von Wissen. Dass die Sequenz nicht auf bestehende Schulgebäude oder Universitäten hinweist, sondern auf den Bau einer Schule im eigenen «Heimatort», könnte besagen, dass es hier um ein dem «Heimatlichen» näher stehendes oder besser dienendes Wissen geht, also um ein alltagsnäheres und weniger abstraktes Wissen. - Einem solchen Wissen soll sich die Träumerin verstärkt zuwenden.

05.12.1966

HeimatOrt

Das Haus in meinem Heimatort, in dem ich wohne, soll modernisiert und aufgestockt werden. Dann will ich wieder einziehen, 435

05.12.1966

HeimatOrt

Die Bezeichnung «Wohnhaus im Heimatort» steht für Inhalte, die eine nähere, persönlichere «Heimat» bezeichnen. Aber auch diese Heimat ist nicht eine an sich vorhandene und in Anspruch zu nehmende Heimat. Denn es heisst, dass sie zunächst «modernisiert und aufgestockt» werden müsse. Das heisst, dass seelische «Heimat» in verschiedenen Lebensaltern und Umständen nicht dasselbe bedeutet. Sie muss immer neu geschaffen und den psychischen Veränderungen angepasst werden.

22.08.1982

HeimatOrt

Ein am See liegendes Dorf scheint mein Heimatort zu sein, aber es ist flacher und grösser. Bei nochmaligem Hinsehen ist alles verschwunden und ich sehne mich nach meiner Stadt, 808

22.08.1982

HeimatOrt

Die Idylle der frühen Kindheit, «das Dorf am See», ist endgültig verschwunden. Anstelle dieser verlorenen dörflichen «Heimat» ist ein anderes Heimatbedürfnis entstanden. Der Ort von Sehnsucht ist nunmehr die Stadt, die für grössere Möglichkeiten der Entfaltung steht.

06.01.1960

Küche

In der Küche einer Bekannten, die ich besuche, schnellt wiederholt eine Schlange aus einem Korb heraus. Manchmal scheint sie aus dem Mund der Person zu kommen, die neben mir sitzt, 115

06.01.1960

Küche

Was haben «Küche» und Schlange miteinander zu tun? Da sowohl die Küche als auch die Schlange mythologisch für Erneuerung und Wandlung stehen, wäre die Küche eigentlich ein natürlicher Ort für die Schlange. Die Schlange könnte, da sie auch Erkenntnis und Weisheit symbolisiert, im Zusammenhang mit der Psychotherapie-Küche besagen, dass sie auch in dieser «Küche» ihren Anspruch geltend machen möchte. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz als Rat an die Träumerin verstanden werden, sich der eigenen inneren Naturweisheit zu erinnern. Gegen diese Interpretation spricht allerdings der Aufenthalt der Träumerin in einer fremden Küche sowie der Umstand, dass die Schlange aus dem Mund einer anderen und anonymen Person herausschnellt. Es werden ihr gewissermassen «Weisheiten» aus fremdem Mund aufgetischt (Objektebene). Es wäre also zu fragen, welche Art von Weisheit zu dieser Zeit an die Träumerin herangetragen wurden. In ihrer Psychotherapie konnte sie zu dieser Zeit (1960) bezüglich «weiblicher Weisheit» nur widersprüchliche Botschaften bekommen. - Auf diesen Sachverhalt könnte diese Traumsequenz hinweisen wollen.

03.10.1961

Küche

Eine erotisch aufgemachte Besucherin lässt einen Hahn in die Küche herein. Ich werfe ihn hinaus, 161

03.10.1961

Küche

Was hat ein Hahn in der Küche zu suchen, wenn er nicht für den Kochtopf bestimmt ist? Das Erotische im Sinne der patriarchalen «Hähne», steht dem Schaffen der Frau in der «Küche» im Wege. Der Hinauswurf eines solchen Hahnes aus der «Küche» der Träumerin wäre demnach die einzig richtige Behandlung. Es könnte sein, dass ein Gockel patriarchaler Prägung für die schaffende Träumerin letztlich auch unerotisch ist.

05.08.1962

Küche

In einer Küche koche ich für einen grimmig knurrenden Tiger eine Mahlzeit wie für einen Menschen, um ihn zu besänftigen, 203

05.08.1962

Küche

Was hat ein Tiger in der Küche zu suchen? Die Träumerin meint, dass er in ihrer Küche eigentlich nichts verloren hat. Aber sie weiss sofort, was sein Knurren bedeutet, er will etwas von ihr, er will von ihr mit Nahrung versorgt werden. Er will mit einer sorgfältig zubereiteten «menschlichen» Mahlzeit versorgt werden. Sein Knurren besagt, dass er sie andernfalls angreifen würde. Die Träumerin handelt somit aus Angst. Diese Angst soll sie zur Kenntnis nehmen und Schlussfolgerungen daraus ziehen. - Auf der Subjektebene stellt der Tiger intensive vitale und sexuelle Ansprüche der Träumerin dar, die sie mit sanften Mitteln in den Hintergrund zu schieben versucht. Auf der Objektebene geht es möglicherweise um Ansprüche, die von einem Mann an die Träumerin gestellt werden, denen sie aus Angst vor aggressiven Reaktionen entgegen kommt.

15.12.1962

Küche

In der Kirche entdecke ich eine Türe, die zu einer Küche führt. Die Kirche scheint zu meinem Haus zu gehören, 229

15.12.1962

Küche

Küche und Kirche sind aus patriarchaler Sicht Gegensätze: Die Küche gehört in den Bereich des Alltags der Frauen und Hausfrauen, während die Kirche eine Männerbastion von Gottesgnaden darstellt. Im Unterschied dazu gehören hier Kirche und Küche zusammen und beide sind Teile des Besitz- und Lebensbereiches einer Frau. Die Entdeckung einer «Küche» neben dem Gottesdienstraum verweist auf Veränderung und Erneuerung, was das Verhältnis zu Kirche und Küche anbelangt oder zwischen Alltag und Spiritualität, zwischen dem Bedürfnis nach leiblicher Nahrung und geistiger Nahrung.

29.10.1964

Küche

Ein zuvor freundlicher Hausbesitzer will einer Frau ihr Kind nicht mehr herausgeben, das in seiner Küche zurück geblieben ist. Der Mann droht, die Frau umzubringen, 297

29.10.1964

Küche

Diese «Küche» ist im Besitz eines Mannes. Den kurzen Aufenthalt in seiner «Küche» des «Schaffens», nimmt er zum Anlass, auf das Produkt des Schaffens der Frau Anspruch zu erheben. - Die Sequenz macht die Träumerin auf die Gefahr der Enteignung durch einen Mann aufmerksam, die ihre eigene Produktion (Kind) betrifft.

19.09.1965

Küche

In meiner Küche liegt ein zerstückelter männlicher Körper. Ich meine ein Ritual durchführen zu müssen, weiss aber noch nicht wie dies geschehen soll, 358

19.09.1965

Küche

Was hat ein zerstückelter männlicher Körper in der Küche einer Frau zu tun? Vielleicht hat die Träumerin den Mann mittels einer kritischen Analyse «auseinander» genommen und steht nun vor der Aufgabe, ihn neu und anders zusammen zu setzen beziehungsweise ein neues Männerbild zu entwerfen.

19.12.1966

Küche

In einer Waschküche muss ich für viele Leute kochen. Die Sache geht schief, 444

19.12.1966

Küche

Das Gemeinsame an Küche und Waschküche ist, dass an beiden Orten Veränderungen stattfinden durch «Kochen». In der Waschküche sollen Frauen den Schmutz von der Wäsche entfernen und sie in saubere Wäsche verwandeln durch «Kochen», während in Haushaltsküchen die Nahrungsmittel in bekömmliche Mahlzeiten verwandelt werden. - Die Sequenz scheint auf diese zwei Arten von «Küche» und «Kochen» aufmerksam zu machen. Die Träumerin soll die Unterschiede deutlicher wahrnehmen, damit sie sich allenfalls von unzumutbaren Aufträgen oder Erwartungen abzugrenzen vermag.

06.06.1980

Küche

In der Küche eines Gasthofes warten Schülerinnen auf mich. Ich soll sie offenbar anleiten, ein bestimmtes Menü zu kochen, 776

06.06.1980

Küche

Eine grössere Gasthof-Küche erlaubt einer Frau, andere weibliche Personen (Schülerinnen) im «Kochen» zu unterrichten. Von einer erklärten Feministin wäre zu erwarten, dass sie den jungen Frauen andere und frauenverträglichere Kochkünste vermittelt als die üblichen. - Die Sequenz möchte die Träumerin vielleicht dazu auffordern, sich mit solchen Möglichkeiten zu befassen. Immerhin hielt sie bereits Vorträge für Frauen, die zaghaft begannen, sich für feministisches Gedankengut zu interessieren.

22.08.1982

Küche

Durch den Einbau einer kleinen Küche möchte ich Mutters ehemaliges Wohn- und Schulzimmer heimatlicher gestalten, 805

22.08.1982

Küche

Küche und Schulzimmer haben etwas Gemeinsames: An beiden Orten werden Veränderungen an einem «Stoff» vorgenommen. In der Küche werden Lebensmittel verändert (durch Kochen), im Schulzimmer haben die Schülerinnen und Schüler den für sie aufbereiteten Lehr- und Wissensstoff aufzunehmen und zu «verdauen». Die Absicht, ins Schulzimmer eine Küche einzubauen, weist auf eine Verstärkung des Willens zur Veränderung hin (Kochen). Die traditionelle Schule vermittelt ein Wissensstoff, der weder den Müttern noch den Töchtern ein Heimatgefühl zu geben vermag. Den Einbau einer «Küche» ins Schulzimmer deute ich als Wunsch der Träumerin, dass mittels neuem frauenspezifischen Wissen (Mahlzeiten) die Situation für Frauen und Mütter «heimatlicher» gestaltet werden könnte.

14.01.1993

Küche

Ich gerate in eine spezielle Küche mit einer roten Kochplatte. Es heisst, diese Herdplatte könne zauberhafte Dinge bewirken. Meine Kantonsrats-Kollegin Vreni Z. ist auch hier, 942

14.01.1993

Küche

Zu den speziellen «Küchen» gehören politische und andere «Küchen». Zu dieser Zeit (1993) hatte die Träumerin zusammen mit feministisch gesinnten Frauen entdeckt, dass sich in politischen «Küchen» ganz andere Dinge kochen lassen, als in kleinen privaten Küchen. In eine solche interessante «Küche» scheint die Träumerin nunmehr geraten zu sein.

03.09.1994

Küche

Ich gerate unbeabsichtigt in eine hell erleuchtete Küche im Haus nebenan, in das ich demnächst zügeln werde. Mehrere Frauen sitzen einträchtig an einem Küchentisch, 952

03.09.1994

Küche

Die hell erleuchtete Küche, in der Frauen zusammensitzen, könnte auf eine Zusammenarbeit und eine neue Zugehörigkeit zu Frauen hinweisen.

04.04.2001

Küche

Die Küche einer grösseren Institution sei erst zur Hälfte renoviert, erklärt mir eine Klosterfrau, die dort arbeitet, 991

04.04.2001

Küche

Die Küche eines Klosters ist eine spezielle Küche. Klöster gehören zu den öffentlichen oder halböffentlichen Gebäuden und sind also auch auf der Objektebene zu deuten. Die Erneuerung der Klosterküche symbolisiert neue Sichtweisen bezüglich der Frauenspiritualität, die von Frauen auszugehen scheint, jedenfalls kommt in der Sequenz kein Mann vor. Dass die Renovation erst zur Hälfte gediehen ist, entspricht durchaus der frauenpolitischen Situation des Jahres 2001, wie sie von der Träumerin wahrgenommen wird.

10.08.1958

Strasse

Auf einer Strasse kommt mir eine Gruppe junger Frauen entgegen. Sie bewegen sich wie Nonnen. Unter ihnen sehe ich mich selber, 1

10.08.1958

Strasse

Die Begegnung auf der Strasse verweist auf den öffentlichen Charakter dieser Begegnung. Es geht um die Konfrontation mit einem weiblichen Leitbild, der Nonne, der Klosterfrau. Das Bild provoziert die Frage, ob das Leitbild für unsere Zeit noch passend, akzeptabel oder gar attraktiv sein könnte. Diese Frage scheint sich die Träumerin zu stellen, sieht sie sich doch selber unter dieser Frauengruppe, wenn auch nur von weitem.

21.12.1958

Strasse

Ich beobachte eine junge Frau, die frierend, nackt und einer Ohnmacht nahe nachts über eine Autostrasse kriecht, 11

21.12.1958

Strasse

Eine junge Frau, die nachts und nackt über eine Autostrasse kriecht, gerät in den Verdacht, sie stehe für den Wunsch, sich sexuell zu prostituieren, während die drohende «Ohnmacht» diesen Wunsch verschleiern solle. - Auf der Objektebene interpretiere ich die «nackte Frau auf der Strasse» als Ausdruck der Wahrnehmung, was ihr im öffentlichen Raum (Strasse) passieren kann: Die Kleider (Identität) können ihr abhanden kommen und auch ihre Handlungsfähigkeit (Ohnmacht). Die nackte Frau leidet, sie friert und benötigt ein Dach über dem Kopf. - Für die Frage, warum sich eine Frau derart «exponiert», hat Hannah Arendt in ihrem Buch über Rahel Varnhagen eine Antwort gegeben: Rahel habe sich dem Leben so «exponieren» wollen, dass es sie treffen konnte, wie «Wetter ohne Schirm». Rahel erklärte: «Ich lasse das Leben auf mich regnen». Sie wollte dies tun, um ein «Wirklichkeitsgefühl» zu erfahren (ID-Buch 294, 12). So gesehen stünde Nacktheit für die Bereitschaft, sich der Lebenswirklichkeit zu stellen, auch wenn dies in unserer patriarchalen Gesellschaft für eine Frau tödlich ausgehen kann. Die Nacktheit drückt hier nicht sexuelles «Begehren», sondern «leidenschaftliche» Interessen aus, die auch geistige Interessen umfassen. Das «Begehren» beinhaltet, aus einem fremdbestimmten Leben in ein selbstbestimmtes Leben einzutreten, auf alle «Sicherheiten» zu verzichten, wenn diese als «uneigentliche» oder fragwürdige Sicherheiten durchschaut sind. Das «Begehren» kann jene Bereiche betreffen, die den Frauen aus tiefenpsychologischer Sicht nicht zustehen: Aneignung von Wissen, Orientierung, Erkenntnis, Bildung, Ausbildung und Berufstätigkeit. - Die «Strasse», verstanden als Metapher für den Lebensweg der «begehrenden» Frau, zeigt sich in dieser Sequenz als sehr viel gefährlicher als das Symbol «Weg», das daneben als sehr harmlos erscheint.

07.02.1959

Strasse

Auf einer belebten Strasse nehme eine schöne Frau wahr. Ich möchte ein Mann sein, um sie lieben zu dürfen, 20

07.02.1959

Strasse

Erneut befindet sich eine junge Frau auf der Strasse, aber die Situation ist eine ganz andere, als in der Sequenz 11. Die Frau ist bekleidet, es ist Tag und der Blick, der auf sie fällt, ist der Blick einer Frau. Der Gedanke, die Frau auf der Strasse gehöre zu den Frauen, die «die Strasse machen», kommt nicht auf. Der Blick der Träumerin wird als Wunsch vorgestellt, die andere Frau lieben zu dürfen. Zu dieser Zeit war es noch undenkbar, dass eine Frau eine andere Frau lieben könnte oder lieben dürfte im umfassenden seelisch/körperlichen Sinn. - In dieser Sequenz sind möglicherweise lesbische Wünsche der Träumerin im Spiel, die jedoch als solche nicht erkannt wurden und vermutlich wegen möglicherweise gefährlicher Folgen auch nicht erkannt werden durften.

21.08.1959

Strasse

Bei Nacht und Nebel bin ich zu Fuss auf einer kaum begangenen Strasse unterwegs, 74

21.08.1959

Strasse

Eine Strasse bei Nacht und Nebel hat etwas Unbehagliches, und eine Frau allein und zu Fuss unterwegs zu wissen, ist noch unbehaglicher. Jederzeit kann ein Mann im Auto daherkommen und sie überfallen. Auf der Objektebene deute ich die Situation als Hinweis auf die Tatsache, dass die Strasse nachts noch stärker zum Ort der Männer wird als tagsüber, und dass insbesondere die «Dunkelmänner» diesen Raum beanspruchen, um sich und ihre dunklen Absichten bedeckt zu halten. Das heisst, auch im scheinbar für alle sichtbaren öffentlichen Raum ist es möglich, «dunkle» Absichten zu verbergen. - Die Frau ist gewarnt!

13.08.1961

Strasse

Hinter einem Stück neu erstellter Strasse befinden sich riesige Steinblöcke für ein weiteres Stück Strasse, 159

13.08.1961

Strasse

Ein neu erstelltes Stück Strasse vor einem Haus symbolisiert die Erschliessung eines Stückes öffentlichen Raumes und zugleich einen Zugang zu diesem Raum für Personen, die dem Privatbereich zugeordnet sind: Für die Träumerin oder für die Frauen insgesamt.

03.01.1962

Strasse

Mit einem Velo fahre ich eine steile Strasse hinunter. Die Strasse wird immer schmaler. Auf dem Gepäckträger des Velos fährt mein fünfjähriger Sohn mit, 165

03.01.1962

Strasse

Eine steile Strasse hinunter zu fahren könnte eine Fahrt nach «unten» beinhalten, näher zum lebendigen «Leben», zum «Gewöhnlichen». Die «Abfahrt» könnte sich unter Umständen auch auf ein sich verminderndes Selbstwertgefühl beziehen oder auf eine sich anbahnende Depression. Die immer «schmaler» werdende Strasse könnte für ein Gefühl zunehmender Eingrenzung stehen, was den Zugang zum öffentlichen Geschehen betrifft, das sich ausserhalb der Ausbildungs- und Arbeitswelt in der «grossen» Welt der Politik abspielt.

26.01.1962

Strasse

Eine Strasse wird von einem geisterhaftem Männchen abgesperrt, wobei ich und andere Leute und ebenso die heranfahrenden Autos von ihm aufgehalten und kontrolliert werden, 170

26.01.1962

Strasse

Das Absperren einer Strasse besagt, dass die Verbindung von einem Ort zu einem anderen versperrt wird, dass Grenzen gesetzt werden. Die Strassen-Verbindung von Ort zu Ort kann eine Beziehung symbolisieren, die hier versperrt wird, oder einen öffentlichen Raum, zu dem die Träumerin ebenso wie andere Menschen Zugang haben möchte. Dass die Absperrung durch ein «geisterhaftes Männchen» geschieht, könnte auf der Objektebene eine Person bezeichnen, der es aus der Sicht der Träumerin am «grossen Geist» fehlt, und die deshalb anderen Menschen Hindernisse in den Weg stellt oder willkürliche Verbote aufstellt.

03.01.1964

Strasse

Ich fahre verkehrt auf einer Einbahnstrasse auf «Geisterfahrt». Ich habe zu spät gemerkt, dass die Lenkung und der Sitz meines Autos verkehrt montiert sind, 265

03.01.1964

Strasse

Die Einbahnstrasse steht für eine Strasse, auf der nur in einer vorgegebenen Richtung gefahren werden darf. Die verkehrt montierte «Lenkung» steht für verkehrte und also falsche «Leitbilder», die zur Fahrt in die verkehrte Fahrtrichtung geführt haben. - Die Sequenz macht die Autoinhaberin darauf aufmerksam, dass sie sich von falschen Leitbildern führen liess. Der Träumerin werden die Augen für diesen Sachverhalt geöffnet, bevor die «Geisterfahrt» in einem Unglück endet.

02.09.1965

Strasse

Die Autostrasse, auf der ich im Auto unterwegs bin, führt zu einem immer schmaler werdenden Weg, der schliesslich ganz aufhört. Schliesslich muss ich unter Baumwurzeln hindurch kriechen, 354

02.09.1965

Strasse

Wenn die Strasse, die für einen raschen und unkomplizierten Zugang zur Welt steht, aufhört und ebenso der Fussweg, ist guter Rat teuer. Es bleibt der «Weg» unter Baumwurzeln und Höhlen hindurch - ein beschwerlicher Weg. - Das Bild von Strasse und Weg, die aufhören, besagt, dass nur noch eine «Rückkehr» zum früheren Zustand möglich ist, die allerdings in eine Regression münden könnte. Die Sequenz berichtet aber, dass die Träumerin vorwärts will, auch wenn sie keine gebahnten «Strassen» oder «Wege» vorfindet. Sie sieht sich «genötigt», sich auf die eigenen Ressourcen, die «Wurzeln» zu besinnen. Sie scheint zudem bereit, sich auf umstürzende Veränderungen einzulassen, angezeigt durch das Kriechen durch eine Höhle, die mythologisch den weiblichen Geburtsausgang darstellt. Sich auf die «Wurzeln» zu besinnen und sich auf das Leben «aus den Wurzeln» einzulassen, kann auf Veränderungen und «Neugeburt» hinweisen.

27.11.1965

Strasse

Der zirka siebenjährige verträumte Michael meines Kinderheims fällt in den Strassengraben und versinkt im Wasser. Ich hole ihn heraus, 367

27.11.1965

Strasse

Im «Strassengraben» landen in der Regel nur Bettler und andere verlorene Menschen. Das Symbol «Strassengraben» steht für die unterste und letzte Stufe eines sozialen oder moralischen Abstiegs. Eine andere Kategorie bildet der Knabe, der aufgrund von Verträumtheit im Graben landet. Aber auch in diesem Fall weist der Strassengraben auf eine Gefahr oder Gefährdung hin. - Die Träumerin ist aufgerufen, diese Gefahr, die sie selber betreffen könnte, wahrzunehmen. Sie scheint aber in der Lage und bereit zu sein, den Folgen von «verträumten» seelischen Seiten in ihrer Persönlichkeit, hilfreich zu begegnen.

16.01.1966

Strasse

Bei der Begegnung auf der Strasse wirft mir mein Freund G. vor, ich hätte ihn gemessen und gewogen. Aber ich weiss nichts davon und denke, ob es so schlimm wäre, wenn ich es wirklich getan hätte, 383

16.01.1966

Strasse

Eine Begegnung auf der Strasse ist nicht dasselbe wie eine Begegnung in privaten Räumen. Die Begegnung auf der Strasse ist in der Regel von Zufall und Minimal-Kontakten geprägt. Indem das Symbol «Strasse» öffentlichen Raum und somit auch einen Ort von öffentlichen Inhalten, Auffassungen, Leitbildern etc. darstellt, könnte sich die Rede von «Messen und Wägen» auf derlei Sachverhalte beziehen. - Die Tiefenschicht der Träumerin meldet, dass sie sich Gedanken macht über die Qualitäten eines Freundes. Aber sie habe diese Gedanken bisher abgewehrt (sie weiss nichts davon). Möglicherweise befürchtet die Träumerin, ihr Freund könnte es als Anmassung empfinden, wenn sie sich Gedanken über seine Qualitäten macht oder sogar ein Urteil bilde. Vielleicht befürchtet sie, ihn nicht mehr lieben zu können, wenn sie allzu genau hinsieht.

06.10.1966

Strasse

Die Strasse zur Schifflände ist eisbedeckt. Um das Gleichgewicht zu halten muss ich mich auf alle Seiten verrenken und grosse Sprünge vollführen, 424

06.10.1966

Strasse

Die eisbedeckte Strasse beschreibt den Zustand eines Ortes, den aufzusuchen lebensgefährlich sein könnte, selbst dann, wenn wir uns ebenso geschickt verhalten wie auf einem Schlittschuhfeld. - Die Sequenz könnte auf ein schwieriges und abgekühltes Beziehungsverhältnis hindeuten, das die Träumerin nötigt, sich in einer kaum mehr zu bewältigenden Art und Weise anzupassen.

31.08.1967

Strasse

Ich bin in eine Sackgasse geraten und muss rückwärts fahren, 477

31.08.1967

Strasse

Eine Sackgasse bezeichnet eine Strasse, die plötzlich aufhört. In einer Sackgasse besteht keine andere Möglichkeit, als den Rückweg anzutreten. - Das Bild besagt, die Träumerin habe sich in eine Richtung bewegt, die nicht weiterführe, und dies, ohne dass sie es rechtzeitig gemerkt habe. Aber sie scheint darüber nicht besonders erschrocken zu sein, denn unvermittelt tut sie das einzig Richtige und Notwendige: Sie wendet ihr «Auto» und tritt den Rückweg an. - Die Sequenz könnte bezüglich eines Beziehungsverhältnisses der Träumerin raten, den Rückweg anzutreten, das heisst, sich aus der Beziehung zurück zu ziehen.

16.10.1967

Strasse

Ich suche eine Landstrasse, die ich von früher kenne, aber alles ist anders. Mein Auto steht nun zwischen vielen Bahngeleisen, und ich muss herauskommen, um nicht überfahren zu werden, 490

16.10.1967

Strasse

Bahngeleise gehören, ebenso wie die Strassen, zum öffentlichen Verbindungsnetz. Bahngeleise stellen noch ausgeprägter öffentlichen Raum dar. Auf Geleiseanlagen donnern schwergewichtige Lokomotiven daher, die viele Einzelwagen mit vielen Menschen anführen. «Lokomotiven» sind also gewissermassen «Autos» im potenzierten Sinn. Zwischen «Bahngeleisen» und «Lokomotiven» zu stehen, die schwergewichtige leitende Ideen und Menschen darstellen, könnte fürs Individuelle und fürs Individuum gefährlich werden. - Die Sequenz könnte die Träumerin darauf aufmerksam machen, dass sie und ihr Eigenes (Auto) Gefahr laufen, von «überfahrenden» Ideen überrollt zu werden. Die Sequenz rät, sich so rasch als möglich dieser lebensgefährlichen Situation entziehen.

12.11.1995

Strasse

Ich bin auf dem Weg nach Einsiedeln, 966

12.11.1995

Strasse

Den Weg nach Einsiedeln zu gehen bedeutet, in eine «Einsiedelei» zu gehen. Die Einsiedelei steht für Rückzug, Verinnerlichung, Isolation, aber auch für Reflexion. Es wäre zu fragen, was der Träumerin auf diesem Weg begegnet, ob Schönes oder Schreckliches.

10.02.1959

Treppe

Das Haus, in das ich zügeln soll, hat keine Treppen. Man muss sich an Stricken hochziehen. Mein früheres Haus wird umgebaut, 24

10.02.1959

Treppe

Das Fehlen von «Treppen» in einem Haus stellt eine Unmöglichkeit dar, und es ist unzumutbar, sich an Stricken hochziehen zu müssen, um in die eigene Wohnung zu gelangen. Die Sequenz besagt, dass an die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Hauses eine Anforderung gestellt wird, die zu erfüllen unmöglich ist, es sei denn, es würde eine Leistung erbracht, wie sie vielleicht eine geübte BergsteigerIn oder SportlerIn erbringen könnte. Wie sollen die Einkaufstaschen ins erste, zweite oder dritte Stockwerk hinauf gebracht werden, wenn Hände und Beine mit dem Aufzug am Strick beschäftigt sind? Um zu verstehen, was das Bild vom «Haus ohne Treppe» bedeutet, ist es wichtig, sich das Bild ganz plastisch vor Augen zu führen. Als Grund für die Zumutung wird der «Umbau» des früheren «Hauses», das für das Weltbild der Träumerin steht, genannt, wobei das treppenlose Haus für ein neues Weltbild steht, das sie akzeptieren und übernehmen soll. - Es könnte sein, dass die Sequenz für die seit einem halben Jahr laufende Psychotherapie steht, die ja auch verlangt, dass die Klientel das Weltbild der zugrunde liegenden «Schule» und Theorie akzeptiert. So gesehen könnte die Sequenz auf das Gefühl hinweisen, dass der Zugang zum «Eigenen» (Wohnung) versperrt und fast unmöglich wird. Die Tiefenschichten scheinen zu behaupten, es laufe etwas falsch in dieser begonnenen Therapie.

06.09.1960

Treppe

Die Treppe, die zur Orgelempore führt, ist in schlechtem Zustand. Weiter oben fehlen sogar Treppenstufen, 137

06.09.1960

Treppe

Die «Treppe» zur «Orgel» symbolisiert den Zugang zu einer ideellen und musischen Welt, die das Leben lebenswert, schön und sinnvoll machen könnte. Der schlechte Zustand dieser Treppe, der auch noch ganze Stufen fehlen, macht es fast unmöglich, das lebenswerte Leben zu erreichen, das der 28-jährigen Träumerin vorschwebt.

15.01.1979

Treppe

Die Treppe, auf der ich ins untere Bürolager gelangt bin, besteht aus geöffneten Schubladen. Papierberge ragen heraus, die für den Rückweg nicht mehr begehbar sind, 735

15.01.1979

Treppe

Hier ist von einer «Treppe» die Rede, die in Wirklichkeit gar keine ist. Zwischen der Sequenz mit den «Treppen» von 137 sind 19 Jahre vergangen. Die vorliegende «Treppe» unterscheidet sich von allen früheren Treppen in dreifacher Weise: Sie sie besteht aus geöffneten «Schubladen» mit «Papierbergen»; sie kann nach «oben» nicht benützt werden; der untere Teil des Bürolagers kann trotz des Fehlens einer richtigen Treppe erreicht werden. Die «Papierberge» in den «Schubladen» könnten auf Aufzeichnungen hinweisen, die «für die Schublade» geschrieben wurden. Die Sequenz weist ferner darauf hin, dass die «Schubladen» nicht mehr benützt werden können, und das heisst, dass die lagernden «Papierberge» nicht mehr verlassen werden können. - Die Sequenz fordert die Träumerin auf, sich mit diesen «Papieren», die in den «Schubladen» zu vermodern drohen, zu beschäftigen. Sie soll das eigene Leben wahrnehmen und auch die Facetten dieses Lebens, die sich unverarbeitet angehäuft haben. Andernfalls würden diese bisher im Dunklen gelassenen Inhalte die Träumerin nicht mehr loslassen, was heisst, dass sie die Treppe, den Weg zur Aussenwelt nicht mehr finden und benützen könnte.

03.03.1980

Treppe

Die Treppe des vielstöckigen Mehrfamilienhauses, in dem ich wohne, führt fast senkrecht in die Stadt, 767

03.03.1980

Treppe

Von «fehlenden Treppen» ist hier nicht mehr die Rede. Nur etwas mehr als ein Jahr liegt zwischen der Schubladentreppe und dieser Sequenz. Die «senkrecht in die Stadt führende Treppe» ist eine «richtige Treppe» und daher auf beide Seiten begehbar, nach «Unten» und nach dem «Oben», das ein Ort von Überblick und Autonomie darstellt. Das vielstöckige Haus mit einer grossen und richtigen «Treppe» sichert den Zugang zu beiden Polen. Die «Steilheit» dieser Treppe weist allerdings darauf hin, dass die Begehung keineswegs bequem, sondern anstrengend ist und somit eine gute Kondition voraussetzt (von einem Lift ist nicht die Rede). Es bedarf einer Anstrengung, von der Extraversion zur Introversion zu wechseln, vom Denkbereich zum Gefühlsbereich, vom öffentlichen in den privaten Bereich und umgekehrt. Die direkt erreichbare «Stadt» steht für einen vielgestaltigen Ort des «Gemeindelebens», des Kontakts, des Offenseins und Austauschs, die der Träumerin nun offen zu stehen scheint.

26.12.1980

Treppe

Auf der Treppe einer Mädchenschule höre ich meinen Namen nennen. Dies im negativen Sinn: wie wenn ich Mädchen schlecht beeinflussen würde, 791

26.12.1980

Treppe

Die «Treppe» einer Schule steht für jene Art von «Treppen» auf denen der sprichwörtliche Klatsch stattfindet, der praktisch immer den Hausfrauen nachgesagt wird. Die Szene verweist auf die Erfahrung, dass sich weder der banale noch der hinterhältige Klatsch auf «Hausfrauen» beschränkt, sondern an den höchsten Stellen der «Bildung» vorkommt. - Die Träumerin, die sich zu dieser Zeit zunehmend als Feministin verstand, scheint zu befürchten, ihr Engagement zugunsten von Frauen könnten ihr negativ angelastet werden. Sehr rasch könnte ihr der Stempel «Emanze» aufgedrückt werden mit dem Verdacht, einen schlechten Einfluss auszuüben. Gemeint konnte nur sein, Mädchen und Frauen könnten von der Träumerin etwas erfahren über das ganz anders geartete Frauenbild der menschlichen Frühzeit und über die hohe Stellung der Frau in matrizentrierten Gemeinschaften. So gesehen könnte die Traumsequenz der Träumerin raten, sich über die Gefährdung durch die Aussenwelt klar zu sein.

27.09.1987

Treppe

Ich besuche das Ritterhaus und stelle fest, dass das Treppenhaus mit bestem Holz erneuert wurde. Die steile Holztreppe ist nicht mehr da, 907

27.09.1987

Treppe

Hier geht es um die Erneuerung einer alten «Treppe». Sieben Jahre nach 791 ist keine «steile Treppe» mehr vorhanden und auch keine unbegehbare Treppe, wie in 767. Nun ist von einer handwerklich gut gearbeiteten und materialmässig soliden Treppe die Rede, die zudem ganz normal und also ohne extreme Anstrengungen begehbar ist. Im Vergleich mit der Sequenz 767 könnte auf der Subjektebene vermutet werden, die Träumerin habe die Aufforderung des Traumes 767 befolgt, mit den «Papierbergen» gearbeitet und dadurch sei eine «Treppe» entstanden, eine Verbindung zur Aussenwelt, aus der das «Eigene», die Eigenwelt nicht mehr ganz ausgeschlossen sei.

01.11.1990

Treppe

Zum obersten Stockwerk des Bundeshauses führt keine Treppe. Das Bundeshaus ist ein vielgestaltiges Haus, in dem u.a. auch das Stadttheater untergebracht ist, 929

01.11.1990

Treppe

Drei Jahre nach 907 ist hier erneut von einer «fehlenden Treppe» die Rede. Diese fehlende Treppe betrifft nun lediglich das «oberste Stockwerk des Bundeshauses». Dazu assoziiere ich die Situation der Frauen zu dieser Zeit, für die nach wie vor keine Karrieretreppe ins oberste Staatsamt besteht, weshalb ihr «Aufstieg» immer noch schwieriger ist als für Männer. Das «Bundeshaus» scheint mir für sämtliche Strukturen zu stehen, von denen alle Männer, auch die frauenfreundlichsten, profitieren, die den Frauen aber schaden. - Zu dieser Zeit (1990) beschäftigte sich die Träumerin sehr intensiv mit feministischen Themen in der Literatur und auch innerhalb ihrer politischen Tätigkeit.

26.11.1958

Türe

Ein Schwarzer bricht die WC-Türe beim öffentlichen Abort gewaltsam auf und zwingt mich, mit ihm zu gehen, 8

26.11.1958

Türe

Die Türe eines Aborts aufzubrechen könnte hier für den Versuch stehen, mit Gewalt den Zugang zur Intimität einer anderen Person zu erreichen. Wobei Intimität als verborgene, unterdrückte oder unbekannte Teile dieser Person verstanden werden könnte. Tiefenpsychologisch hiesse dies auf der Subjektebene, die Träumerin selber breche die Türe zu ihren verborgenen Seelenschichten auf, zu ihrem «Es» oder «Schatten» und zwinge sich, Persönlichkeitsanteile in den Blick zu nehmen, die bisher im Dunklen lagen. Da die vorliegende Türe zum öffentlichen Raum gehört (öffentlicher Abort), wäre auf der Objektebene auch an einen Ort zu denken, an dem die Schattenseite der Psyche offiziell in den Blick kommt: Die Praxis der Psychotherapie.

21.12.1958

Türe

Die Türe vom Badezimmer/WC eines Hotelzimmers ist nach oben offen, und die eingeschlossene Frau geht hinaus, 11

21.12.1958

Türe

Eine nach oben offene Türe bedeutet, dass ein Raum, eine Situation auf ungewohntem Wege verlassen oder betreten werden kann. Die Metapher, den Weg «nach oben» anzutreten, bezeichnet den Weg des Bewusstseins, des Denken, der Reflexion. Sobald wir merken, was abläuft, sind wir nicht mehr total eingesperrt. Wir können Mittel und Wege finden, einen Ort zu verlassen, wenn auch nicht durch die vorgegebene Öffnung (Türe). - Der Ort, in dem sich die Frau beengt und eingesperrt fühlt, sollte eigentlich der Entspannung und Erholung dienen (Badezimmer mit WC). Dies ist hier aber nicht der Fall. Die Träumerin ist aufgefordert, auf der Objektebene zu eruieren, auf wen oder was das vermeintliche Angebot von Entspannung und Erholung zutreffen könnte. Auf der Subjektebene könnte die Sequenz besagen, es gelinge der Träumerin nicht, sich gegen Einengungen, die sie als unzumutbar empfindet, auf direktem Weg zu wehren. Diese Einengungen könnten insbesondere auch körperliche (sexuelle) Bedürfnisse betreffen.

23.06.1959

Türe

Eine Frau befiehlt einer anderen Frau, die Türe eines Büroraumes nochmals zu öffnen und sie leiser zu schliessen. Dies fordert sie später auch von mir, aber ich gehe darüber hinweg, 36

23.06.1959

Türe

Den Befehl, eine Türe noch «leiser» zu schliessen, deute ich als Nötigung zur Anpassung an die Frauenrolle (Frauen sollen leise sein). Von Fall zu Fall kann das (vornehme) Rollenverhalten auch als Strategie angewendet werden. Wenn eine Frau sich nicht ständig wehren und kämpfen möchte, bleibt ihr nur noch der Rückzug in einer «leisen» Form. Solche Rückzüge können bis zur «inneren Emigration» gehen. - Die Träumerin scheint darauf aufmerksam gemacht zu werden, was zwischen ihr und einer anderen Frau vor sich geht: Sie wird von ihresgleichen in ihrem Verhalten kritisiert und zur Anpassung an die traditionelle Frauenrolle aufgefordert. Für solche Frauen wurde inzwischen von Feministinnen sehr treffend das Wort «Patriarchatsfrau» geprägt. - Die Sequenz scheint die Träumerin zu ermutigen, sich über derlei Rollenvorschriften hinwegzusetzen.

14.11.1959

Türe

Ich entdecke eine Türe in der psychiatrischen Station, in die ich unversehens geraten war, und gehe hinaus, 102

14.11.1959

Türe

Türen nach «Draussen» stehen auf der Subjektebene für Aspekte, die zur geistig seelischen Freiheit und Autonomie führen können. Aber auch solche «Türen» müssen «entdeckt» werden, wie die Sequenz vermerkt. Durch eine solche «entdeckte» Türe ist es der Träumerin möglich, eine einsperrende Situation, die Psychiatrie und Psychotherapie betreffend, zu verlassen, 102

19.11.1959

Türe

Eine Schranktüre im Jung-Institut lässt sich nicht mehr schliessen. Mit einem Steinwurf habe ich sie offenbar beschädigt und es fallen Dossiers heraus, 104

19.11.1959

Türe

Die «beschädigte Schranktüre» befindet sich in einem psychologischen Institut und somit im öffentlichen Raum. Die beschädigte Türe gibt Einblick in die «Dossiers» und also in die Hintergründe für die Theorien und Ideologien des Instituts, die nun für die Träumerin sichtbar werden.

29.02.1960

Türe

Ich kann die offizielle Haustüre zum Wolkenkratzer nicht benützen, in dem meine Mutter nun wohnt. Ich bin im Traum ein siebenjähriges Mädchen, 129

29.02.1960

Türe

Offizielle Haustüren symbolisieren Zugänge zu Orten und Strukturen, die allgemein und allen zugänglich sind. Dennoch sind diese Zugänge nicht in jedem Fall auch für Frauen offen, und erst recht nicht für ein weibliches «Kind». Das Kind, hier verstanden als ein weibliches «Produkt», und zwar als Produkt einer «Mutter», die ihre kreative Tätigkeit im Geiste einer übergeordneten Idee ausübt (Wolkenkratzer). - Die Sequenz weist gleichzeitig darauf hin, dass diese «Idee» oder Ideen (Mehrzahl) für das «kleine Mädchen» in der Träumerin nicht unmittelbar zugänglich oder in ihr eigenes Leben einbaubar sind.

23.01.1961

Türe

Ich werfe die Türe meines Autos zu und beschleunige rasant, um die kranke Frau loszuwerden, die mich verfolgt, 144

23.01.1961

Türe

Das Zuwerfen dieser Türe steht auf der Subjektebene für eine rabiate Abgrenzung gegenüber kranken psychischen Anteilen oder sogar für Verdrängung. Dies geschieht vermutlich, um den gesunden und vitalen Aspekten jenen Lebensraum zu verschaffen, die der Träumerin notwendig erscheinen, um leben zu können. In meiner psychotherapeutischen Arbeit mit Mädchen habe ich festgestellt, dass die Verdrängung in bestimmten Lebenssituationen lebensnotwendig ist. Die Verdrängung ist zu begrüssen, wenn sie mit einem Aktivitäts- und Lernschub einhergeht. Oft besteht der Wunsch, eine Lehre, eine Matura oder ein Projekt an die Hand zu nehmen oder zu Ende zu führen. Es besteht später immer noch die Möglichkeit, ein Trauma oder Verletzungen zu verstehen und zu bearbeiten. - In der vorliegenden Traumsequenz stellt sich die Träumerin entschieden auf die Seite ihrer gesunden und vitalen Lebenskräfte.

07.09.1962

Türe

Zwei Knaben öffnen neugierig die Türe zur Hauskapelle. Eine hässliche Stimme ruft dem ersten Knaben zu: "Geh hinaus», dem zweiten: "Komm herein", 206

07.09.1962

Türe

In der Psychoanalyse steht das neugierige Öffnen einer Türe für sexuelle Neugier. Ich selber deute die Neugier als Interesse für Neues im allgemeinen Sinn inklusive intellektuelles Interesse. Wenn letzteres bei Frauen vorhanden war, wurde es von der Jungschen Schule als «uneigentliches» Interesse abgetan. Sachinteressen galten als «männlich». - In der vorliegenden Sequenz betrifft das neugierige Öffnen die Türe zu einer Hauskapelle, die auf der Subjektebene den Zugang zum eigenen Seelenraum darstellt. Dieser Zugang ist nicht jederzeit geöffnet, wie die Sequenz zeigt. Der eine Knabe wird zurückgewiesen, der andere darf durch die Türe eintreten. Über die Gründe wird die Träumerin nicht aufgeklärt. Sie soll sich selber darüber Gedanken machen. Es könnte sein, dass die Knaben zwei völlig verschiedene Arten von Neugier verkörpern: Die eine Neugier besteht aus blossem «Gwunder» im Sinne von Sensationslust. Die andere Neugier möchte ich als schöpferisches Erkenntnisinteresse bezeichnen, sei dieses religiöser oder intellektueller Art. Über diese und andere Unterschiede soll sich die Träumerin klar werden.

10.03.1965

Türe

Eine Haustüre kann nicht richtig geschlossen werden. Das Holz der Türe ist wie eingeschrumpft oder geschmolzen, 343

10.03.1965

Türe

Die wie geschmolzene und somit zu klein gewordene Haustüre verweist auf die Gefahr, dass die notwendige Abgrenzung gegen Aussen nicht aufrecht erhalten werden kann. Die Haustüre symbolisiert die Grenzziehung gegenüber der Aussenwelt. Es geht um den Schutz des Privaten, des Individuellen vor dem Allgemeinen und Öffentlichen.

29.05.1973

Türe

Vor meiner Haustüre steht ein Mann, der so tut, als ob er gerichtlich festgelegte Vaterrechte an meinem 16-jährigen Sohn einfordern dürfte, obgleich er nicht dessen Vater ist, 636

29.05.1973

Türe

Das blosse Stehen vor einer Haustüre kann eine herausfordernde und aggressive Note haben. Dies ist in der vorliegenden Sequenz der Fall. Es werden willkürliche Forderungen gestellt, als ob rechtliche Grundlagen bestünden, und dies von einem Mann. - Auf der Objektebene wäre herauszufinden, für wen oder was der Mann steht, der Forderungen stellt, die von der Träumerin als blosse Willkür erkannt werden. Die Forderung betrifft vermutlich das von ihr geschaffene «Eigene», die Früchte einer kreativen Tätigkeit (Sohn), auf das ein Mann Anspruch erhebt. - Dies soll die Träumerin wahrnehmen und sich entsprechend vorsehen.

30.06.1973

Türe

Durch eine geöffnete Türe kann ich einem Mann entfliehen, der ein Messer nach mir wirft, 642

30.06.1973

Türe

Eine geöffnete Türe bildet hier eine Fluchtmöglichkeit. Manchmal ist Flucht, wenn sie die einzige Möglichkeit ist, eine Aggression abzuwehren, auch richtig.

01.11.1977

Türe

Ich öffne meiner verstorbenen und früher anfallskranken Tante Olga die Türe, weil sie sich positiv verändert hat, 707

01.11.1977

Türe

Hier gilt das «Türe öffnen» einer Person des eigenen Geschlechts. Diese Öffnung erfolgte unter der Bedingung, weil sich diese Person verändert hat im positiven Sinn. Die Sequenz scheint sich mit der Frage des Verhältnisses unter Frauen zu befassen. Und sie gibt zugleich eine Antwort: Die Träumerin fühle sich nicht jeder Frau verpflichtet, nur weil diese eine Frau sei. Sie halte es für legitim und wichtig, sich von Frauen abzugrenzen, denen Anzeichen von Veränderung und Entwicklung fehlten. Und dies, obgleich sie sich den Frauen, die Krankheit und Verletzungen erlitten haben, verwandt fühle (Tante Olga). - Zu dieser Zeit galt in feministischen Kreisen der an sich richtige und wichtige Grundsatz: «Frauen gemeinsam sind stark».

22.08.1982

Türe

Ich bin in eine falsche Türe hinein geraten und entschuldige mich. Der Inhaber des Patrizierhauses führt mich wortlos hinaus, 807

22.08.1982

Türe

Eine Frau kann auch in eine «falsche» Türe geraten, im konkreten Fall in die herrschaftliche Domäne eines Mannes (Patrizierhaus). Der Irrtum führt zwar zu keinen weiteren Schwierigkeiten, sondern «nur» zu einer höflichen Hinauskomplimentierung der Frau.

27.06.1987

Türe

Türen fliegen von selber auf. Es ist eine Art Erdbeben, 891

27.06.1987

Türe

Das Bild von Türen, die von selber auffliegen, löst erhebliches Unbehagen aus. Es assoziiert Sturm, unheimliche Naturkräfte oder magische Kräfte, die über uns hinwegfegen und uns hilflos zu machen drohen. Das Bild ist auf beiden Ebenen zu betrachten. Auf der Subjektebene könnte die Träumerin einen kaum zu verkraftenden oder zu verarbeitenden emotionalen und/oder geistigen Aufruhr befürchten. Auf der Objektebene könnte sie Furcht empfinden vor übergrossen bevorstehenden Herausforderungen.

31.12.1987

Türe

Im Waschhaus gibt es verborgene Türen mit beschrifteten unleserlichen Klappen. Dahinter wird ein Gehege mit Urtieren sichtbar, das an den Urwald angrenzt, 914

31.12.1987

Türe

In dieser Sequenz gibt es «verborgene» Türen, die letztlich auch «verboten» sind. Was hinter diesen «Türen» steckt, darf nicht gesehen werden. Die Frage ist, wer oder was etwas vor den Augen der Träumerin verbergen will, oder ob sie selber einem Sachverhalt nicht ins Auge zu sehen wagt.

09.04.1988

Türe

Eine Glastüre lässt den Blick auf ein Mädchen im Kindergartenalter zu. Das Mädchen signalisiert, dass es aus dem Glashaus hinaus will, aber jemand hindert es daran, 917

09.04.1988

Türe

Eine Glastüre gibt den Blick frei auf alles, was hinter dieser Türe vorgeht. Im Hinblick auf das Bedürfnis nach Privatsphäre könnte die Glastüre auf eine Verletzung dieser intimen Sphäre hinweisen, die hier ein weibliches Kind betrifft. - Dass das Kind hinaus will könnte besagen, dass es nicht ungeschützt allen Blicken ausgesetzt sein wolle.

01.11.1988

Türe

Ich suche eine Türe zum Ausgang, aber es folgen immer weitere Türen. Die vierte Türe führt ins Freie, 924

01.11.1988

Türe

Es gibt Türen, die in die Freiheit und nach «Draussen» führen, aber sie müssen gesucht und gefunden werden. Im konkreten Fall ist es «erst die vierte Türe», die ins Freie führt, aber sie wird immerhin gefunden. Jutta Voss erwähnt ihre Vision und ihren Wunsch nach offenen Türen: «Was Frauen zum Leben brauchen» sei «eine Kapelle mit weit offenen Türen nach aussen wie nach innen» (ID-Buch 80).

12.11.1995

Türe

Kinder haben an der Haustüre geläutet, können aber nicht gesehen werden. Ich sage, es wäre unvorsichtig, die Türe zu öffnen, ohne die Kinder gesehen zu haben, 967

12.11.1995

Türe

Das Öffnen der Haustüre, des Zugangs zu der eigenen Person ist auch «Kindern» gegenüber, also neuen Inhalten oder Ideologien gegenüber, nur beschränkt angebracht. Nicht alles Neue und Vitale (Kinder) ist ungeprüft unserer Aufmerksamkeit wert.

06.09.1960

UntereRäume

Ein Kirchturm ragt in eine felsige Höhle hinein. Der Turm gehört zu der Kirche, in der ich mitsingen soll, 137

06.09.1960

UntereRäume

Die Höhle ist ein Symbol für den weiblichen Schoss. Der Kirchturm, ein männliches Sexualsymbol, in Verbindung mit der Höhle steht für den Geschlechtsakt. Die Verbindung von Kirchturm und Höhle könnte andeuten, dass die Träumerin die geschlechtliche Vereinigung nicht auf das banale Niveau von «Bumsen und Ficken» herabgedrückt sieht, sondern in deren tieferer Bedeutung und Auswirkung auf die Psyche erfassen möchte. Dass die Träumerin in der «Kirche, zu dem dieser Kirchturm gehört, «mitsingen» soll, könnte auf ein Beziehungsverhältnis hinweisen, in dem von Seiten des Mannes erwartet wird, dass die Frau ihn in seiner Sache und Weltsicht unterstützt.

14.06.1964

UntereRäume

Ich suche in einem Erdloch Unterschlupf vor verfolgenden Frauen. Die Erde schliesst sich schützend über mir, 276

14.06.1964

UntereRäume

Hier betreffen die «unteren Räume» die «Erde», die in der Symbolik die «Mutter Erde» bzw. die «Grosse Mutter» darstellt. Diese Sequenz redet von jener Erdenwelt, die - als «gute und schützende» Welt erlebt, - zu dem weltweit bekannten Symbol der «Grossen Mutter» geführt hat. Auffallend ist, dass es hier Frauen sind, vor der die Träumerin bei «Mutter Erde» Schutz sucht und bekommt. Auch unter Frauen gibt es Querelen, gibt es «Verfolgung» durch Machtanspruch. Mutter «Erde» könnte hier auch jene seelischen Tiefenschichten darstellen, in der die Frau «gute Objekte» vorfindet, das heisst, heilsame Vorstellungen vom Frau-Sein und weiblicher Identität.

02.09.1965

UntereRäume

Ich muss bäuchlings durch eine Höhle kriechen und unter Baumwurzeln hindurch, 354

02.09.1965

UntereRäume

Das Kriechen unter der Erde und durch Höhlen steht für die Notwendigkeit, sich im tiefsten symbolischen Sinn mit «Mutter Erde» zu verbinden. Diese Verbindung ist hier in einem allgemeinen und nicht im engeren sexualsymbolischen Sinn zu verstehen. Es geht um eine Verbindung und Vereinigung mit der «Grossen Mutter», was bedeutet, dass die Träumerin sich als Tochter und Ebenbild dieser Grossen Naturmutter begreifen solle. Diese Sequenz könnte dazu auffordern, sich auf eine selbstbewusste und selbstbestimmte weibliche Identität zu besinnen.

06.03.1966

UntereRäume

In unterirdischen Gängen werde ich von einem Mann zu schwerer Körperarbeit gezwungen, 395

06.03.1966

UntereRäume

«Unterirdische Gänge» in Verbindung mit «schwerer Körperarbeit», die von einem Mann erzwungen wird, assoziiert den Anspruch der patriarchalen und Jungschen Psychologie, Frauen hätten für das umfassende Wohlbefinden eines Mannes und für Männer zu sorgen. Diese «schwere Arbeit» wurde von der feministischen Forschung als «Beziehungsarbeit» bezeichnet, was im Grunde noch zu wenig darüber aussagt, was von Frauen tatsächlich erwartet wird. - Auf diesen Sachverhalt wird die Träumerin von ihren Tiefenschichten hingewiesen.

25.07.1975

UntereRäume

In kleinen Gruben liegen Geldstücke aus Gold. Ich habe das Gefühl, es sei Diebesgut, 681

25.07.1975

UntereRäume

Zu den «unteren Räumen» gehört auch die «Grube», die «Schätze» bergen kann. In der vorliegenden Grube wird «Gold» gefunden, was auf den geistigen Aspekt der Grube und des «Schatzes» hinweist. Allerdings steht dieses geistig verstandene «Gold» im Verdacht, «Diebesgut» zu sein. Diesen Verdacht habe ich aufgrund der Jungschen Auffassung, echte geistige Produktionen und Produkte (Gold) seien zweifelsohne «männlicher» Denkarbeit entsprungen, während die Geisttätigkeit der Frauen, die er deren «Animus» zuschreibt, höchstens geistige «Samen» produzieren könnten, die sie dem Manne zur Verfügung stellen müssten. - So gesehen wäre es nicht überraschend, wenn die Träumerin beim Auffinden von geistigem «Gold» meinte, es handle sich um «Diebesgut» aus männlicher Produktivität.

29.06.1977

UntereRäume

Jugendliche Mädchen und Knaben haben unterirdische Gänge und Labyrinthe entdeckt und bilden nun eine Art Geheimbund, 702

29.06.1977

UntereRäume

Der Begriff «unterirdische Labyrinthe» steht für das weit verzweigte und vielgestaltige Geflecht seelischer Tiefenschichten. Die Sequenz weist darauf hin, dass «Jugendliche» diese Labyrinthe entdeckt haben, was nicht verwundert, da Kinder und Jugendliche den Zugang zu diesen Schichten noch kennen und auch den Wert dieses Zugangs unmittelbar spüren. - Die Träumerin könnte mit jugendlichen Menschen beiderlei Geschlechts in Berührung gekommen sein, die ihr neuartige «untere Räume» und Bereiche eröffnen, die sie zuvor in dieser Art nicht gekannt hat.

07.11.1977

UntereRäume

In unterirdischen Höhlen lebe ich als eine Art Tier, zusammen mit anderen Menschen, die sich wie in Stadthäusern oder Festungsanlagen voreinander schützen, 709

07.11.1977

UntereRäume

Diese «unterirdischen Höhlen und Gänge» haben nicht denselben progressiven Klang wie das Labyrinth von 702, obgleich das «Tiersein» eine positive Naturnähe assoziieren könnte. Das Tiersein, das in Verbindung mit festungsartigen «Stadthäusern» dargestellt wird, scheint aber eher auf tiefgründige Ängste im zwischenmenschlichen Bereich hinzuweisen, wie sie in grösseren Institutionen auftreten, wo viele Menschen zusammengewürfelt sind und eine Art emotionalen «Dschungel» bilden (Spitäler, kirchliche Einrichtungen, Lehr-Institute, Heime, Banken). Das Wort «Festungsanlage» steht für Schutz- und Abgrenzungsmechanismen im inneren und äusseren Bereich. Es wäre sorgfältig abzuklären, inwieweit und in welcher Form Abgrenzungen und Schutz wirklich nötig sind und inwiefern sie gelockert werden könnten. - Die Träumerin ist aufgefordert, Umfang und Art ihrer Abgrenzungs- und Schutzbedürfnisse genauer zu erspüren.

12.07.1980

UntereRäume

Wie aus unterirdischen Quellen brodelt und zischt es aus meinem gemalten Bild, nachdem es von meinem Sohn mit grossem Pinsel übermalt wurde, 779

12.07.1980

UntereRäume

In den «unteren Räumen» der seelischen Tiefendimension befinden sich die «Quellen», aus denen alles Lebendige fliesst und «brodelt». Während das «Brodeln und Zischen» auf libidinöse Elemente hinweist, assoziiert das Wort «Bild» das «Weltbild» und dies im Sinne einer perspektivischer Sichtweise. Das «Zischen und Brodeln» redet von gewaltigen Vitalkräften und Energien, deren Entbindung aus dem «Malen» und «Übermalen» eines bestehenden «Bildes» resultiert. Die Sequenz redet von einer markanten Veränderung und Verschiebung des bisherigen Weltbildes der Träumerin und von belebenden Auswirkungen dieses Vorganges. Sie teilt ferner mit, dass Belebung und Vitalisierung auch zu Beunruhigung führen kann.

26.12.1980

UntereRäume

Ich bin in unterirdische Stollen geraten. Ein Arbeiter ruft, hier sei eine, die man «nehmen» könne, 792

26.12.1980

UntereRäume

Diese «unterirdische Stollen» im Zusammenhang mit den Frauen, die vermeintlich zu «nehmen» seien, symbolisieren die unsympathische Vorstellung und psychologische Theorie, dass Männer von Natur aus «Jäger» und Frauen deren sexuelle Beute seien. Auch Jung vertrat diese destruktive Auffassung, indem er postulierte, dass Männer natürlicherweise «jagen» wollten und jagen sollten. - Die Träumerin scheint sich in einer Situation oder Beziehung zu befinden, in der ihre Tiefenschichten sich veranlasst sehen, sie erneut auf die Gefahr aufmerksam zu machen, als sexuelle Beute betrachtet zu werden. Ein Warntraum!

13.07.1983

UntereRäume

Das gediegene grosse Haus einer Klavierspielerin (Pianistin), das unterirdisch unter unserem Haus weiterführt, verfügt über Fenster nach oben, 829

13.07.1983

UntereRäume

In «unterirdische Räume» verbannt zu sein, bedeutet, dass eine Person und ihre «Musik» - das «bessere Eigene» dieser Person - von anderen Menschen nicht wahrgenommen werden kann. Die «Fenster» nach oben weisen jedoch darauf hin, dass die Frau selber von der Welt nicht abgeschnitten ist, dass sie, trotz ihrer «eigenen Musik», die ihre freudig gestimmten Interessen darstellen, den Zugang zur äusseren Realität nicht verloren hat. Die Fenster ermöglichen der Frau, die Welt und die Menschen wahrzunehmen und in ihr Lebenskonzept einzubeziehen.

10.08.1959

Weg

Ich mache einen grossen Umweg, um Blumen für einen Besuch mitzubringen. In einem Garten sehe ich schliesslich die «genau richtigen» Blumen, die aber nicht zu kaufen sind, 68

10.08.1959

Weg

«Umwege» stehen in unserer Gesellschaft für ineffiziente, nutzlose Wege. In dieser Sequenz steht der «Umweg» in Zusammenhang mit Blumen, die ihrerseits ein Symbol für das Schöne, Lebenswerte und Begehrenswerte darstellen, sei dies im körperlichen oder geistig/seelischen Bereich. Der vorliegende «Umweg» gilt einer Person, der die Träumerin einen Besuch abstatten, zu der sie also in Beziehung treten will. So gesehen würde das Mitbringen von «Blumen» bedeuten, etwas Begehrenswertes mitzubringen und allenfalls sich selber begehrenswert machen zu wollen, zum Beispiel im Verhältnis zu einem Mann. - Die Sequenz berichtet jedoch, dass die «Blumen», die die Träumerin für «richtig» hält, nicht käuflich sind, daher sie auf den «Besuch» verzichte. Der «Umweg» hat sich für sie Träumerin nicht gelohnt. Dennoch ist zu fragen, ob Verzicht oder Rückzug in einer solchen Situation eine konsequente und richtige Haltung sein könnte, oder ob weitere «Umwege» zum Finden der «richtigen Blumen» riskiert werden müssten.

03.10.1959

Weg

Mit anderen Leuten zusammen werde ich barfuss auf unwirtlichem Weg über Brennesseln und Dorngestrüpp geführt. Um meine Bergschuhe zu holen, kehre ich um, finde den Rückweg aber nicht, 83

03.10.1959

Weg

Ein «unwirtlicher Weg» bezeichnet einen schlechten Weg, weil er nicht unterhalten wird und als ein Weg kaum mehr erkennbar ist. Die Sequenz weist darauf hin, dass ein solcher Weg eigentlich nur mit Bergschuhen und keineswegs barfuss begehbar ist, und zweitens, dass die Träumerin eigentlich solche soliden Schuhe besitzt. Es sind die «Führenden», die in sträflicher oder leichtsinniger Weise die Vorsorge unterlassen haben. - Die Sequenz weist darauf hin, dass der Alleingang zwecks Korrektur der Unterlassung der «Führenden» nicht möglich ist. Der Versuch, zu den eigenen «Bergschuhen» zu kommen, also zum richtigen Rüstzeug, um auf «unwirtlichen Wegen» und im Dorngestrüpp des Lebens zu bestehen, ist im Alleingang nicht möglich. - Die Sequenz enthält die Botschaft an die Träumerin, sie und andere würden so lange «barfüssig» und verletzlich im Leben stehen, bis sie, mit diesen anderen zusammen, einen «Weg» gefunden habe, um sich das nötige und vorhandene Rüstzeug, das solide «Eigene» wieder anzueignen.

04.11.1959

Weg

Ich befinde mich auf dem Weg zu einer Wallfahrt oder Pilgerfahrt, 98

04.11.1959

Weg

Die Wallfahrt bzw. der Pilgerweg ist ein ganz besonderer Weg. Es ist einerseits ein äusserer Weg (wie der sogenannte Jakobsweg), aber sein Sinn ist der Weg nach «Innen», der Weg der Meditation und Reflexion. Dieser Weg wird samt seinen Strapazen freiwillig auf sich genommen. - Es könnte sein, dass die Träumerin zu dieser Zeit einen schwierigen Lebensweg eingeschlagen hat, den sie religiös begründet.

06.02.1960

Weg

Ich bin in Regen und Dunkelheit unterwegs mit meinem Bruder A., und der Boden ist schlammig, 125

06.02.1960

Weg

«Unterwegs» zu sein in Regen und Dunkelheit könnte für einen «Weg» stehen, der unfreiwillig oder auch gezwungenermassen unternommen wird. Ein solcher Weg kann aber auch freiwillig unternommen werden um eines Zieles willen, das uns wichtig erscheint, und das anders nicht zu erreichen wäre. Immer wieder haben wir «Wege» anzutreten, die schwierig sind und die nicht erkennen lassen, wohin sie führen (dunkel). - Die Sequenz beschreibt eine schwierige Situation, und die Träumerin soll sich fragen, ob sie in dieser Situation verbleiben und ausharren will, ob sich das Ausharren lohnt oder etwas geändert werden müsste.

15.09.1960

Weg

Eine Frau ist auf dem Weg zum Scheiterhaufen. Es heisst, sie habe ihren Ehemann getötet, 139

15.09.1960

Weg

Der Weg zum Scheiterhaufen assoziiert schreckliche Bilder. Auf dem Scheiterhaufen landeten starke Frauen, die ausserhalb des privaten Bereichs helfend und heilend tätig waren (Heilerinnen und Hebammen). - Zur Zeit der Traumsequenz (1960) wurden Frauen, die der Vorschrift, dem Mann zu Diensten zu sein, nicht nachkamen, zwar nicht mehr auf den Scheiterhaufen gebracht, aber sie wurden gewissermassen als Männermörderinnen verunglimpft. - Die Sequenz könnte auf eine Beziehung hinweisen, in der die Träumerin auf die Rolle des «Weiblichen» verwiesen wird, wobei sie befürchtet, ein Zurückweisen der Rolle könnte schlimme Konsequenzen haben, z.B. Ausgrenzung oder Verlassenwerden.

01.01.1962

Weg

Auf einem glitschigen Waldweg trage ich ein kleines Kind und muss darum sehr vorsichtig und langsam gehen, 164

01.01.1962

Weg

Ein glitschiger Weg ist von seiner Beschaffenheit her gefährlich, besonders wenn es abwärts geht. Noch gefährlicher wird es, wenn die Frau ein «Kind» auf den Armen trägt. Das Kind könnte für kreative Interessen und Tätigkeiten der Träumerin stehen, die sie trotz «Abstieg» heil an den Bestimmungsort bringen will. Die Botschaft für die Träumerin könnte sein, dass ein solcher «Abstieg» mit einem Verlust in ihren sozialen oder finanziellen Verhältnissen einhergehen könnte.

24.01.1965

Weg

Ich nehme den Weg neben dem Fluss unter die Füsse, um zurück zu kehren, anstatt gegen den Strom zurück zu schwimmen, 330

24.01.1965

Weg

Der Fussweg bildet hier die bessere Alternative zum «Schwimmen gegen den Strom». Zu Fuss gehen bedeutet, Bodenfühlung und Bodenhaftung zu behalten, am «Boden» der Realität zu bleiben oder wieder Boden zu gewinnen.

06.01.1966

Weg

Mit meinem Freund G. befinde ich mich auf dem Weg zu einem Konzert. Aber wir finden keinen Parkplatz, 380

06.01.1966

Weg

Der Weg zu einem Konzert symbolisiert hier Vorfreude zu einem wie auch immer gearteten Fest, aber die Erfüllung bleibt aus äusseren Gründen aus (kein Parkplatz).

09.01.1966

Weg

Ich weiss nicht, ob ich den Weg links oder den Weg rechts nehmen muss. Ich bin im Auto unterwegs, 382

09.01.1966

Weg

Die zwei Wege stehen für zwei Richtungen, die zur Wahl stehen. Der Träumerin wird eine Entscheidung abgefordert, welchen Weg sie für ihr künftiges Leben einschlagen will, sei dies in einer inneren oder äusseren Situation.

26.04.1966

Weg

Mit einem dreijährigen Knaben gehe ich einen steilen und glitschigen Waldweg hinunter. Wenn es zwischendurch aufwärts geht, schiebe ich ihn vor mir her, 401

26.04.1966

Weg

Das Wort «Waldweg» besteht aus den Worten Wald und Weg. Während der Wald aus tiefenpsychologischer Sicht das Unbewusste und auch das untergründig Chaotische symbolisiert, hat der Weg eine orientierende Bedeutung. Für Lucie Stapenhorst ist der Wald der «mystische Ort der Selbstbegegnung in den Tiefen der eigenen Seele» (ID-Buch 1321, 73). Der Waldweg führt demnach in die seelischen Tiefenschichten, mit dem Ziel, sich ein Bild zu machen und klar zu werden über die Vorgänge, die sich in diesen Tiefen abspielen, obgleich dieses Vorgehen als schwierig und gefährlich dargestellt ist (steil, glitschig). - Die Träumerin befindet sich in einer schwierigen Situation, ist aber nicht gänzlich orientierungslos und auch nicht passiv. Vielmehr ist sie bemüht, etwas, das sie liebt und schätzt, «aufwärts» und vorwärts zu bringen (Kind aufwärts schieben).

16.01.1968

Weg

Mit meinem Bruder K. laufe ich bergwärts. Es ist kein Weg vorhanden, und es gibt gefährliche Bodenrisse, 514

16.01.1968

Weg

Hier geht es um ein Unterwegssein trotz fehlenden Wegen in einer gefährlichen äusseren Situation (Bodenrisse). Dieses gefährliche «Unterwegssein» unternimmt die Träumerin mit einem ihr nahe stehenden Mann (Bruder). - Die Sequenz betont zwei Sachverhalte: Positiv das Unterwegssein, aber negativ die von Rissen durchzogene Bodenbeschaffenheit. Es könnte sein, dass diese Risse auf eine unstabile Grundlage dieser nahen Beziehung hinweisen will.

21.09.1968

Weg

Mit einer Schar Kinder befinde ich mich auf dem Weg zu einem Berggipfel. Ein grosser Steinblock versperrt uns den Weg, und das vermeintliche Gasthaus ist eher ein Labyrinth, 536

21.09.1968

Weg

Wenn wir den «Weg» zum Berggipfel als Wunsch oder Weg zu Erfolg oder Karriere verstehen, könnte die Sequenz die Frage aufwerfen, ob ein solcher «Aufstieg» auch mit «Kindern» möglich oder ratsam sei. Die «Kinder» einer Frau, die für kreatives «Schaffen» und noch zu Schaffendes stehen, machen die Sequenz verständlich: Karriere und weibliche Kreativität lassen sich nicht ohne weiteres auf eine Linie bringen. Erst recht nicht, wenn äussere Umstände den «Aufstieg» behindern (Steinblock).

08.11.1968

Weg

Auf einem Velo fahre ich einen anstrengenden Bergweg hinauf, 546

08.11.1968

Weg

Bergwege sind meistens steil und werden daher eher zu Fuss begangen. Auch der vorliegende Bergweg ist vermutlich steil, da er als anstrengend beschrieben wird. Einen solchen Weg trotzdem per Velo zu fahren, könnte den Willen und die Anstrengung ausdrücken, rascher zum Ziel, nach «oben» zu kommen. Wobei die Sequenz nicht sagt, worin das Ziel des anstrengenden Weges besteht.

24.11.1968

Weg

Eine Frau, die auf Wanderung zu einem Berggipfel ist, winkt mir, und ich erinnere mich, dass sie eine verstorbene Dichterin ist, 553

24.11.1968

Weg

Von diesem Weg wird gesagt, wohin er führt: zu einem Berggipfel. Zudem wird eine «Dichterin» auf diesem Weg gesehen, von der eigenartiger Weise auch noch gesagt wird, sie sei verstorben. Wenn wir die Dichterin als ein kontemplativer Aspekt der Träumerin auffassen, könnte die Sequenz die Warnung enthalten, für sie sei der «Weg nach Oben» (Karriere) der falsche Weg. Auf der anderen Seite wäre es möglich, dass die Dichterin, da sie der Träumerin winkt, eine Aufmunterung für das eigene Schaffen darstellt.

12.06.1977

Weg

Auf unbekannten Pfaden habe ich einen Berg erstiegen und erkundige mich nach der offiziellen Abstiegsroute. Aber niemand kann mir den Weg zeigen, 701

12.06.1977

Weg

Pfade unterscheiden sich von Wegen insofern, als sie sich im Laufe der Zeit durch fortwährende Begehung gebildet haben, sei dies durch Menschen oder Tiere. Pfade können zu unbegehbaren Stellen führen oder sich in viele andere Pfade verzweigen, die uns zu einer Umkehr nötigen. - In dieser Sequenz wurde jedoch auf «unbekannten Pfaden» ein Berg erfolgreich bestiegen. Die Sequenz redet von einem Erfolgserlebnis, das zwar als erfreulich erlebt wurde, von dem aber die Träumerin trotzdem irgendwie «herunter kommen» möchte. Sie scheint wieder in den Bereich eines «gewöhnlichen» Lebens im Alltag eintreten zu wollen. - Die Arbeit im Alltag vermag nicht selten ein Gefühl von Getragen-sein zu vermitteln, begründet auf eigener Anstrengung und Bemühung.

25.03.1980

Weg

Der Weg über eine steile Felspartie und eine morsche Leiter, den ich gewählt habe, erweist sich als noch gefährlicher als das vorherige Fliegen, 771

25.03.1980

Weg

Der «Weg über die Leiter» lässt an die «Karriereleiter» denken, die hier als eine «morsche» beschrieben wird. Zu glauben, die Träumerin könnte ihre Ziele mittels geistiger Flugkraft (durch Fliegen) erreichen, wird von der Traumsequenz als noch unmöglicher dargestellt als der Weg über die als «morsch» beschriebene Karriereleiter. Die Sequenz könnte als ein Aufruf zu Ausdauer und Geduld verstanden werden. Noch ist die Frau bisher nicht abgestürzt.

19.10.2002

Weg

Es heisst, eine mongoloide Jugendliche kenne den Weg zur Wechselstube, sie kenne sich in der Stadt sehr gut aus. Sie soll ihn einer Klosterfrau zeigen, 999

19.10.2002

Weg

Dass ausgerechnet eine mongoloide Jugendliche den «Weg zur Wechselstube» kennen und sich überhaupt in der Stadt gut auskennen soll, ist überraschend. Symbolisch steht die Mongoloide jedoch für eine nicht-gespaltene und intensive Gefühlswelt, sowie für eine selbstverständliche Zugehörigkeit zur unmittelbaren Umgebung und damit für das sich «Auskennen» in dieser Umgebung. Dieses Auskennen steht übrigens im Gegensatz zur Klosterfrau, deren Leben abseits von der Welt zu Lebensfremdheit führen müsste. Das Verhältnis der Mongoloiden und der Klosterfrau ist nicht wie üblich oder erwartet. Nicht die Klosterfrau ist die Führende, sondern die Mongoloide, denn sie kennt sich in den Dingen der «Welt» aus, wie zum Beispiel in weltlichen Dienstleistungen. Die «Wechselstube» symbolisiert das Materielle (Geld), im Unterschied zum Spirituellen, das durch die Klosterfrau verkörpert ist. - Die Sequenz könnte darauf hinweisen, dass die weltlichen «Wege» und die spirituellen Wege sich nicht spinnefeind sein müssen, sondern sich zufolge unterschiedlicher Erfahrungen ergänzen können. Auf der Subjektebene könnte die Träumerin belehrt werden, sie solle bereit sein, auch auf geistig «minderbemittelte» Anteile ihrer Psyche zu hören, weil diese in gewissen einfachen Dingen des Lebensalltags besser Bescheid wissen können als sie selber.

12.01.1960

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Ich bin in eine öde Landschaft am Meer geraten, in der sich viele Menschen aufhalten. Es dünkt mich, diese seien ebenfalls in diese Öde verbannt, 116

12.01.1960

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Eine «öde Landschaft» bezeichnet einen Ort ohne Pflanzen, Tiere und ohne Wachstum. Auf die Menschen bezogen könnte dies heissen, dass unter diesen Menschen keine fruchtbaren Kontakte stattfinden und emotionale Wärme und gegenseitige Zuwendung fehlen. Aufgrund der Aussage, dass «viele Menschen» in eine solche «Öde» verbannt sind, vermute ich, dass diese Sequenz über ein allgemeines Problem berichtet, das unsere ganze Gesellschaft betrifft und nicht nur die Träumerin. Die Sequenz berichtet, dass die Träumerin den Mangel an fruchtbaren Kontakten als eine «Verbannung» erlebt, und also darunter leidet.

05.07.1961

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Ich sause in den Weltraum hinaus, auf dem Rücken liegend und mit angezogenen Beinen. Dies, nachdem ich aus meinem Bett geschleudert worden war, 155

05.07.1961

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Der Begriff «Weltraum» ist identisch mit dem Weltall, das weltfern und ohne Grenzen ist. In dieses Weltall «geschleudert» zu werden, bedeutet in eine Welt ohne andere Menschen hinein geworfen zu werden, also in die grösste Einsamkeit. Dies könnte aber auch als eine Chance genommen werden, sich stärker auf das «Eigene» zu konzentrieren. Denn ohne die Fähigkeit, Einsamkeit zu ertragen und sie progressiv zu nutzen, sind wir zur totalen Abhängigkeit verurteilt und unser Streben nach «Autonomie» wäre ziemlich nutzlos. Allerdings dürfte eine solche totale Weltferne und Einsamkeit nicht zu lange andauern, denn das Bedürfnis nach Kontakt und Bindung ist nicht weniger legitim als das Bedürfnis nach Autonomie.

26.12.1964

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Ich bin zwecks Studium in eine Universitätsstadt gereist: Fribourg oder in eine Stadt in Japan oder Indien, 315

26.12.1964

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Städte in «Japan oder Indien» stehen vermutlich, da sie als «Universitätsstädte» bezeichnet werden, für Bildungs- und Ausbildungsinteressen im intellektuellen Bereich. Auf der anderen Seite könnten die orientalischen Länder, Japan oder Indien, auch für den Gegensatz von östlicher und westlicher Spiritualität stehen und für eine Faszination bezüglich östlicher Weisheitslehren (Yoga, Zen, Meditation) sowie auch den Wunsch ausdrücken, den Orient zwecks «Studium» der Lehren von «östlicher Weisheit» und Spiritualität zu besuchen. Der Wunsch nach «Studium» schliesst natürlich eine gewisse Skepsis gegenüber «östlicher Weisheit» nicht aus. Studium beinhaltet ja auch Reflexion und Kritik. Dasselbe könnte von der erstgenannten schweizerischen Stadt, Fribourg, gelten, da sie eine Hochburg katholischer christlicher Identität darstellt. - Es könnte sein, dass die Träumerin sich sowohl intellektuellen als auch spirituellen Fragestellungen zuwenden möchte.

15.11.1965

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Ich befinde mich auf einer Weltreise mit Meerfahrt, 363

15.11.1965

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Mit den Bezeichnungen «Weltreise und Meerfahrt» sind im Grunde keine konkreten «Orte» angegeben. Vielmehr verweisen sie auf ein unbestimmtes Verlassen von alten «Orten» sowie auf einen Aufbruch und eine Öffnung zu noch unbekannten Orten. Dieser Aufbruch kann sowohl mit geistigen Auseinandersetzungen als auch mit erotischen Begegnungen verknüpft sein, wobei zu bedenken ist, dass sowohl der Aufenthalt in der Welt der grossen geistigen Auseinandersetzungen als auch die Öffnung für intensive erotische Gefühle (Meer) nicht gefahrlos sind. Vielmehr erfordert eine «Weltreise und Meerfahrt» Mut und Kraft, um der Vielgestaltigkeit und Partikularität dieser Welten standzuhalten und neue Gleichgewichte herzustellen. - Die Sequenz könnte besagen, dass die Träumerin sich in einer Situation befindet, die ein neues Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen von Denken und Fühlen sowie den Bedürfnissen nach Autonomie und Bindung erfordern.

02.05.1966

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Eine aus der Tschechoslowakei zurück gekehrte vermeintliche Hinterwäldlerin möchte ihren Landsleuten in der Schweiz das heimatliche «Erbe» nahe bringen, 403

02.05.1966

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Zu «Tschechoslowakei» in Verbindung mit «heimatliches Erbe» assoziiere ich einen aus der Tschechei stammenden Mönch und dessen geistige «Erbschaft», die mir durch die Beschreibung von Walter Nigg ein spontanes Gefühl von «Heimat» vermittelte. Der Mönch habe zu den «Grüblinsleuten» gehört, weil er ein bedächtiges Wesen hatte. Auf seinen (unfreiwilligen) «Visitationsreisen» habe er mit offenen Augen Berge, Flüsse, Flora und Fauna beachtet und er sei auch in die Bergwerke hinab gestiegen. Er habe nicht die Angst seiner mittelalterlichen Zeitgenossen gekannt, die die Natur von «unheimlichen Geistern durchwirkt» wähnten (Nigg, BN 1160). - Im Grunde geht das liebevolle Interesse und Verständnis für die «Natur» und ihrer Erscheinungen auf vorpatriarchalen, matrizentrierte Erbschaften zurück, die zum Beispiel durch natur- und pflanzenkundige Beginen und andere Frauen weitergetragen wurden. Es scheint mir, es gehe hier um die Wertschätzung der Fähigkeit, die Welt, die eigenen Wurzeln (Herkunft, Entwicklung) mit eigenen Augen zu sehen und zu beurteilen sowie um den Mut, sich zur eigenen Erfahrung zu bekennen.

04.12.1967

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Es heisst, eine Frau Baumann sei in politischer Mission nach Moskau delegiert worden. Obgleich sie eine einfache Frau aus dem Volk sei, 506

04.12.1967

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Die Stadt Moskau steht hier für ein «Land», das zu dieser Zeit ein unfreies, ja geknechtetes Land war (Sowjetunion). Ein solcher «Ort» könnte auf der Subjektebene eine Situation oder Beziehung darstellen, die als unterdrückend und als Knechtschaft empfunden wird. In Verbindung mit dem Wort «Baumann», in dem ein aktiver Aspekt enthalten ist (bauen) und der Berufung der Frau zu einer «politischen Mission», könnte die Sequenz als Auftrag an die Träumerin verstanden werden, ihre vermeintlich private Situation der Unterdrückung als eine politische zu verstehen und etwas dagegen zu unternehmen. Ferner soll sie dies mit gewaltfreien Mitteln tun, insbesondere mit politischen Mitteln (politische Mission). - Die Erkenntnis, dass das Private etwas mit dem Politischen zu tun hat, also mit dem öffentlichen Bereich, wurde erst Jahre später von der feministischen Bewegung pointiert formuliert («das Private ist politisch»). Zu diesem Politischen gehören auch die Bestimmungen über das Geschlechterverhältnis, das zu dieser Zeit noch ganz ungeniert als ein hierarchisches definiert und von der Tiefenpsychologie gestützt wurde (Jung formulierte, der Geist sei männlich, das Weibliche sei die Dienstmagd am Männlichen), wobei dieses Faktum zugleich kaschiert wurde durch die vermeintliche Überwindung dieser Ungleichheit durch den Prozess der Individuation. - Es scheint, dass die Träumerin zu dieser Zeit intensiv mit diesem Problem konfrontiert wird und nach Antworten sucht.

26.08.1968

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Ich erwähne, dass ich einmal an einem regulären Flug zum Mond teilgenommen habe. Dies, nachdem sich jemand mit seinen vielen Reisen gebrüstet hatte, 532

26.08.1968

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Der Mond ist für uns Menschen ein weit entfernter, kaum erreichbarer und auch unwirtlicher Ort. Eine solche Entfernung kann, positiv gedeutet, dazu befähigen, die Welt und ihr Treiben mit Abstand zu betrachten. Eine Mondreise könnte aber auch zu einer Entfremdung von der Welt führen. Die Sequenz besagt aber, dass die Träumerin von einem Flug zum Mond zurückgekehrt ist, und dass die Reise zeitlich zurückliegt. Die Sequenz redet von einer vergangenheitsbezogenen Reise. Eine Entfremdung von der Welt und den Menschen hat nicht stattgefunden oder ist bereits überwunden. Das Mond-Erlebnis könnte auch die Erfahrung ausdrücken, dass die Sicht auf die Menschenwelt aus kosmischer Perspektive sehr hilfreich sein kann. Aus weiter Entfernung vermögen wir die Dinge oft wieder in ihren richtigen Dimensionen zu sehen und zu beurteilen und können dadurch eine neue Sicherheit gewinnen. - Die Sequenz scheint die Träumerin auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen, oder zeigt auf, dass sie eine solche Erfahrung, die auch eine Beziehung betreffen kann, bereits ohne Schaden gemacht hat und in ihren Alltag zurück zu kehren vermochte.

02.11.1968

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Mit meinem Bruder B. bin ich auf einer Reise nach London oder New York. Ich bin für sein Baby verantwortlich und ärgere mich, dass ich nicht abgelehnt habe, es mitzunehmen, 543

02.11.1968

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Die Städte London und New York sind Grossstädte, und beide haben, auch 1968, den unheimlichen Ruf, dass sie anonym und die dortigen Menschen beziehungslos seien. - Dass die Träumerin an einen solchen anonymen und beziehungslosen Ort ein Kleinkind, gar ein Baby mitnimmt, wirkt inadäquat. - Verständlich wird die Sequenz, wenn wir das «Baby» des «Bruders» als Produktion und «Sache» eines Mannes verstehen, dem die Frau innerhalb einer unfreundlichen bis lebensfeindlichen Situation Pflege angedeihen lassen soll. Der Mann entbindet sich der Aufgabe, sich seines im frühen Stadium des Werdens befindlichen «Werkes» pfleglich anzunehmen. Die Sequenz macht auf diese verkehrte Situation aufmerksam und der Ärger der Träumerin ist verständlich.

10.11.1969

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Von einer Frau aus den USA habe ich Bücher und Kunsthefte erhalten. Die Frau habe früher in meiner Nähe gewohnt und sei ausgewandert, 568

10.11.1969

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Die «USA» bezeichnet einen Ort, der zu dieser Zeit die «moderne Welt» mit grossartigen Möglichkeiten bedeutete. In Amerika, so hiess es, könnte auch ein Tellerwäscher zum Präsidenten der Vereinigten Staaten aufsteigen. - Diese Sequenz berichtet von einer Frau, die die «Auswanderung» ins «gelobte Land» der modernen Welt gewagt hatte. Auf der Subjektebene verstanden, hat lediglich ein Teil der Träumerin diese Auswanderung mitgemacht. Dieser ausgewanderte Teil hat nun das Bedürfnis, den zurückgebliebenen Teil mit Sachen und Erkenntnissen aus der dortigen Welt zu beschenken. Auf der Objektebene verstanden fällt auf, dass eine Frau eine andere Frau beschenkt und dies erst noch mit geistigen Gütern und Produkten. - Die Sequenz enthält einen progressiven Hinweis auf freundschaftliche Möglichkeiten zwischen Frauen, die auch den Austausch von geistigen Inhalten und Erkenntnissen beinhaltet (Bücher und Kunsthefte).

04.12.1970

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Ich reise nach Moskau und treffe auf eine Baslerin. Die Frau soll dort nach der Revolution eine Art Doppelexistenz führen, 579

04.12.1970

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Die Stadt «Moskau» steht im Zusammenhang mit «Revolution» für einen politischen Umsturz, der mit gewalttätigen und blutigen Mitteln geführt wurde. Auf diesem Hintergrund gesehen könnte die Rede von der «Doppelexistenz» eine geglückte Reaktion auf ein umstürzendes reales Ereignis bezeichnen, das ansonsten zu einer psychischen «Spaltung» geführt hätte. Unter «Doppelexistenz» verstehe ich die Fähigkeit, die «Erinnerung» an «vorher» irgendwo aufzubewahren, während gleichzeitig ein «normales» Leben in Alltag und Beruf gelebt wird im Hinblick auf die Möglichkeit einer späteren Verarbeitung (Erkenntnisgewinnung) und Heilung (emotional) von traumatischen Erlebnissen.

20.12.1970

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Ich reise in den Orient und versinke geistig/seelisch in dieser orientalischen Welt, 585

20.12.1970

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Der «Orient» bezeichnet nicht einen konkreten Ort oder ein konkretes Land, sondern steht verallgemeinernd für orientalische Länder (1448). Der Orient steht, wie in 315 gesagt, für anders geartete religiöse Vorstellungen, die im Westen vorwiegend aus Praktiken und Lehren des Yoga oder der Zenmeditation bekannt sind. Aber auch andere religiöse Vorstellungen könnten gemeint sein, von denen die Träumerin das Gefühl hat, dass sie in dieser, vielleicht fremdartigen, geistig/seelischen Welt zu «versinken» drohe. - Die Sequenz könnte mit Fragen der eigenen Identität zu tun haben und mit dem Gefühl, dass ihre Beschäftigung mit weit abliegenden und andersartigen Auffassungen ihr Eigenes zuzudecken und zum Verschwinden zu bringen drohe.

29.01.1971

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Ich halte mich in einem kleinen Dorf in China auf. Mein Freund Carl B. meint, ich könne nun mit eigenen Augen sehen, dass hier keine richtigen Bahngeleise vorhanden seien, 594

29.01.1971

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Das Riesenreich «China», das eigentlich zum «Orient» gehört, wird hier mit fehlenden «richtigen Bahngeleisen» in Verbindung gebracht. Der Orient steht, wie schon in der Sequenz 585 gesagt, für anders geartete, vielgestaltete bis fremdartige Vorstellungen und Weltbilder, auch im geistig/religiösen Bereich. Die Metapher, «chinesisch anmuten», meint das Unverständnis, das uns überkommt, wenn uns etwas sehr fremd oder befremdlich vorkommt, sei dies bezüglich der Denkwelt oder der Gepflogenheiten anderer Menschen. Der Hinweis, dass in dem «chinesischen» Dorf «richtige» Bahngeleise fehlten, könnte auf die Befremdlichkeit der dortigen Weltbilder gemünzt sein. - Dieser und anderen Sequenzen ist zu entnehmen, dass die Träumerin sich nicht nur mit dem Denken und Fühlen ihres Nahbereichs und der Länder in Europa befasst, sondern auch mit weit entfernten Ländern, und dass ihr manches etwas unverständlich und also «chinesisch» erscheint.

29.04.1973

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Meine Mutter fliegt nach London wegen eines Künstlers, der in politischer Gefahr sei. Ihre vier Kinder wollen mitgehen, darunter ich selber (ich bin im Traum 14-jährig), 634

29.04.1973

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Die englische Hauptstadt London ist eine Stadt grosser Gegensätze. Neben königlichen Palästen und Reichtum gibt es unerträglich ärmliche Quartiere und Gegenden. In der vorliegenden Sequenz wird jedoch das gefährdete Leben eines «Künstlers» ins Blickfeld gerückt. Dass dessen Gefährdung politischer Natur ist, heisst, dass er Ansichten oder eine Lebensphilosophie vertritt, die der öffentlichen Meinung widerspricht und von der sich die Staatsraison bedroht fühlt. Der Künstler als Typus steht für das Individuelle, Subjektive oder gar Subversive, das immer in Verdacht steht, eine Gefahr für das vermeintlich «Objektive», von der Allgemeinheit als gültig Anerkannte, zu sein. - Aus London hatte einmal eine Freundin telefoniert, das Buch von Florida Scott-Maxwell (Frauen und manchmal Männer) sei zum richtigen Zeitpunkt gekommen, da sie auf der Suche nach der Rolle der Frau sei. So gesehen würde die «politische Gefahr» in der Suche nach der eigenen Rolle bestehen, wobei die Sequenz zu berichten weiss, dass nunmehr eine «Mutter» vorhanden ist, die der Tochter aktiv stützend und unterstützend zur Seite steht.

20.07.1975

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Ich mache mit einer zweiten Person einen Ausflug auf eine kürzlich entdeckte Insel, wo die Natur unverdorben und die Bäche kristallklar sind, 680

20.07.1975

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Die unverdorbene «Insel» steht hier für einen, von den Schäden der Zivilisation noch unberührten Ort. Zu bedenken ist, dass es im Jahre 1975 noch schien, dass es in unserer Welt tatsächlich noch unbeschadete Orte geben könnte, was heute (2004) angezweifelt wird. Auf der psychischen Ebene sind sich die Theoretikerinnen uneinig, ob es eine unbeschädigte Psyche überhaupt noch gibt. Ich selber stehe sozusagen zwischen den beiden Positionen, da ich sowohl seelisch erfreulich gesunde und kritische Frauen (und einige Männer) kenne, als auch solche, die an erheblichen Störungen leiden. - Vermutlich sehnt sich die Träumerin, wie viele andere Menschen, nach einer solchen unversehrten «Insel», die vielleicht auch eine Beziehung betreffen könnte.

22.12.1980

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Ein vermeintlich kurzer Ausflug hat mich zugleich in einen anderen Kontinent geführt: Australien oder auf eine afrikanische Insel. Hier leisten von Europa ausgewanderte Frauen und Männer Aufbauarbeit, 788

22.12.1980

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Australien ist zwar ein Kontinent, aber zugleich auch eine Insel. In der Sequenz 680 war ebenfalls von einer Insel die Rede, von einer kleinen unverdorbenen Insel. Fünf Jahre später ist von der Insel Australien die Rede, die wie jene weit abseits von unserer eigenen Welt liegt. Aber sie steht keineswegs für eine heile Welt der unberührten Natur, sondern für eine Welt, die (1980) von denselben Zivilisationsschäden bedroht ist, die wir heute (2004) zur Genüge kennen. - Nun aber wird auf dieser grossen Insel «Aufbauarbeit» geleistet, was auf der Subjektebene verstanden auf eine progressive Entwicklung hinweist. Auf der Objektebene könnte es sich um einen versöhnlichen Aspekt zwischen Frauen und Männern handeln, zum Beispiel durch eine gelingende Zusammenarbeit.

14.06.1964

WohnRäume

Ich kündige einem Mann das Zimmer in meinem Haus und gebe es der weinenden Frau, die zuvor von ihm verhöhnt worden war, 277

14.06.1964

WohnRäume

Das «Zimmer» steht hier für den psychischen Resonanzraum, den die Träumerin einem Mann zugestanden und nun aufgekündigt hat. Die Sequenz erklärt den Grund der Kündigung: Der Mann hat die Welt der Gefühle verhöhnt, die Frauen aufgrund ihrer frauenspezifischen Sozialisation entwickelt haben. Das Verhalten der Träumerin weist darauf hin, dass sie sich klar auf die Seite dieser weiblichen Gefühlswelt stellt. Sie wendet sich der weinenden Frau zu und gibt ihr einen sicheren Platz in ihrem «Haus», in ihrem Seelenraum. Das heisst, dass sie jene Gefühle und jenes Verhalten, das die Tiefenpsychologie als «weiblich» definiert, einer Person des eigenen Geschlechts zukommen lässt, anstatt der gängigen «Bestimmung» zu folgen, nach der das Weibliche dem Manne zu helfen oder zu dienen habe.

29.11.1965

WohnRäume

In meinem Wohnraum ist die Decke teilweise eingestürzt. Später ist der Raum wieder unversehrt, 368

29.11.1965

WohnRäume

Die eingestürzte und sogleich wiederhergestellte «Decke» im Wohnraum steht für die Fähigkeit, eine destruktive Denkweise unmittelbar als eine solche zu erkennen und Massnahmen zu ergreifen, das heisst, ihr eine andere, konstruktivere Sicht entgegenzustellen.

27.06.1966

WohnRäume

Ich miete eine grössere und hellere Wohnung, 412

27.06.1966

WohnRäume

Eine grössere und hellere Wohnung zu mieten heisst, Bilder und Auffassungen über das Funktionieren der Welt zu wählen, die erhellender, lebensfreundlicher und weitsichtiger sind als bisher. Die «hellere» Wohnung dürfte auch auf eine Erweiterung der allzu beengenden Geschlechter-Rollen hindeuten. Das Traumbild könnte auch als Rat an die Träumerin verstanden werden, sich von der Rollen-Beengung frei zu machen, sich einen grösseren Freiraum zu nehmen - innerlich und äusserlich.

15.11.1966

WohnRäume

Ich habe eine Wohnung am See gemietet und sie wohnlich eingerichtet, 433

15.11.1966

WohnRäume

Eine «Wohnung am See» zu mieten, symbolisiert zweierlei: Indem der See (wie das Meer) die «Grosse Mutter» darstellt, hat sich die Träumerin in die Nähe dieser allumfassenden «Mutter» begeben, die in ihren «Tiefenschichten» alles bereit hält, was sie zum Leben braucht (Reichtum sowie das Erkennen von natürlichen Grenzen). Die «wohnliche» Einrichtung verweist auf die Fähigkeit, das «Eigene» und Individuelle abzugrenzen gegen einen allzu grossen und vereinnahmenden Einfluss der «Grossen Mutter». Sich mit der Grossen Mutter total zu identifizieren und sich somit quasi an ihre Stelle zu setzen, wie dies manche Frauen zu tun scheinen, wäre jedoch höchst gefährlich bezüglich Individuation und Selbstwerdung.

08.01.1967

WohnRäume

Ich habe das Gefühl, im Hintergrund finde ein Kampf um Zimmer statt, während ein Mann vorgibt, mir ein Zimmer zeigen zu wollen, das er für mich reserviert habe, 452

08.01.1967

WohnRäume

Hier steht das «Zimmer» für das, was Virginia Woolf mit dem Begriff «ein Zimmer für sich allein» bezeichnet hat. Dabei geht es um die Vorgabe eines Mannes, er wolle der Frau ein eigenes «Zimmer», einen Eigenraum, eine eigene Identität und Selbstbestimmung zugestehen, während in Wirklichkeit, wenn auch versteckt und hintergründig, der Kampf gegen die weibliche Selbstbestimmung weitergeht. - Die Sequenz scheint der Träumerin zu sagen, sie solle diesbezüglich im Verhältnis zu einem Mann vorsichtiger und weniger naiv sein. Sie solle besser auf ihr «Eigenes» aufpassen, und sich nicht durch schöne Versprechen oder Reden einlullen oder vereinnahmen lassen.

17.12.1970

WohnRäume

Ich merke, dass meine Wohnung mehr Zimmer hat, als ich gemeint habe, 583

17.12.1970

WohnRäume

Diese «Zimmer» könnten eine ungeahnte Erweiterung des Lebensraumes in der Psyche der Träumerin darstellen. Manche Inhalte und Aspekte, die früher zu dem noch unerschlossenen «Anderen» der eigenen Seele gehörten, scheinen nun zugänglich zu werden. Diese Erschliessung hat wie von selber stattgefunden, denn die Träumerin ist erstaunt, dass ihre «Wohnung» viel mehr Zimmer hat, als sie meinte. Das Staunen ist verständlich, weil eine seelische Veränderung wie von selbst vor sich gehen kann, vorausgesetzt, dass wir mit unseren Tiefenschichten verbunden bleiben und zudem in Koexistenz verbleiben mit den äusseren Einschränkungen und Herausforderungen, die damit verbunden sind.

14.08.1971

WohnRäume

Ich habe eine grössere Wohnung gemietet in der Nähe von Zürich, 606

14.08.1971

WohnRäume

Eine «Wohnung in der Nähe von Zürich» steht für eine Annäherung ans Leben in einer grösseren Stadt. Es bedeutet, ein grösseres Verständnis für Menschen zu entwickeln, die in anderen Zusammenhängen und Vorstellungen leben, als Menschen in ländlichen Gegenden. Das Symbol «Stadtmensch» scheint mir für eine Vielfalt von unterschiedlichsten Menschen zu stehen, die zu verstehen nicht nur eine grosse Toleranz voraussetzt, sondern auch zu einer erheblichen Erweiterung der Kenntnisse führt über die Bedeutung der Auswirkungen von «Umfeld» und «Prägungen», auf die Entwicklung von Menschen. Die Grossstadt Zürich als Symbol könnte auch auf eine zunehmende Extraversion hindeuten.

25.09.1976

WohnRäume

Der direkte Zugang zu meiner Wohnung ist versperrt. Daher suche ich ihn auf Umwegen, 691

25.09.1976

WohnRäume

Den «Zugang zur eigenen Wohnung» verloren zu haben, könnte eine schwerwiegende und gefährliche Entwicklung ankündigen, deren Inhalt nicht näher bezeichnet wird. Der Träumerin wird dieser Sachverhalt vor Augen geführt. Damit bekommt sie die Möglichkeit, sich darauf einzustellen, dass ein «Zugang» nur noch über «Umwege» zu erreichen sein wird. Zum Beispiel kann nach einer langen Phase von Extraversion der Bezug zur eigenen Innenwelt verloren gehen, was aber nicht heisst, dass der extraversive Gang in die äussere Welt negativ zu bewerten wäre. Im Gegenteil! Ich halte beide Lebensformen, die aktive und die kontemplative Form, für unumgänglich für die Entwicklung einer breitgefächerten Persönlichkeit. Aber in unserer Zeit ist es kaum möglich, beiden Formen gleichzeitig Raum zu geben. Der Wechsel der Lebensformen bietet die Möglichkeit, sich besonders intensiv mit der einen oder anderen Form auseinander zu setzen, sich in beiden Bereichen zu betätigen, beide Lebensformen sozusagen von «innen» her zu verstehen. Ich selber habe dadurch gelernt, die verschiedenen Lebensweisen anderer Menschen zu verstehen, wie auch deren teils vehemente Verteidigung ihrer Lebensform.

05.03.1979

WohnRäume

Ich denke, meine frühere grosse schöne Wohnung müsse irgendwo noch existieren. Ich will sie suchen und wieder finden, 743

05.03.1979

WohnRäume

Die «frühere, grosse, schöne Wohnung», an die sich die Träumerin erinnert, dürfte die Zeit betreffen, da sie noch «sich selber» gehörte. Ich bezeichne diese Zeit als die Zeit der «Vormutterschaft», in der unsere Psyche noch nicht permanent besetzt war von Bedürfnissen eines oder mehrerer Kinder. Wenn unsere Kinder ihre eigenen Wege gehen, wenn sie real aus der gemeinsamen «Wohnung» ausziehen, hinterlassen sie zunächst eine psychische «Leere» in der Mutter. In dieser Situation auf eine vormütterliche Existenz, auf das «Eigene», auf eine «eigene Welt» zurückgreifen zu können, ist sehr schön, weil dieser Rückgriff nicht automatisch gegeben ist, sondern ganz bewusst «gesucht» und erarbeitet werden muss.

03.03.1980

WohnRäume

In meiner Wohnung beraten sich einige Leute über Selbstverwaltung, 768

03.03.1980

WohnRäume

Seit der Sequenz 743, in der eine frühere schöne Wohnung wieder gefunden werden wollte, ist ziemlich genau ein Jahr vergangen. Dass in dieser Wohnung nunmehr über «Selbstverwaltung» verhandelt werden kann, ist ein Hinweis, dass die vormals gesuchte Wohnung nun gefunden ist, und zeigt, dass die Träumerin in Verbindung mit Menschen steht, die sich auch für erworbene Autonomie und Identität einsetzen (Wohnung, Selbstverwaltung).

15.07.1980

WohnRäume

Ich habe in einem geistigen Zentrum, bzw. bei Wohnungen von Bekannten einen Therapieraum eingerichtet, 781

15.07.1980

WohnRäume

Die Einrichtung einer «Wohnung» in einem «geistigen Zentrum» steht für die Verbindung des «Eigenen», der Welt des Individuellen, zu einem überindividuellen, das heisst zu einem grösseren geistigen Zusammenhang.

29.09.1982

WohnRäume

Ich gehöre zu einer Wohngemeinschaft, in der die nötige Distanz zum Privaten gewährleistet ist, 816

29.09.1982

WohnRäume

Zwei Jahre nach 781, ist erneut von einer Symbiose von privater «Wohnung» und «geistigem Zentrum» die Rede. Die «Wohngemeinschaft» in Verbindung mit «geistigem Zentrum» und «Distanz» steht für eine Form des Zusammenlebens, die das Bedürfnis nach Gemeinschaft im geistig-seelischen Raum respektiert und ebenso dem Bedürfnis nach Privatsphäre entgegen kommt.

18.09.1983

WohnRäume

Meine Wohnung ist in das grössere Haus meines Familienclans eingebaut, daneben verfüge ich über ein grosses Wohnzimmer, in dem ich Besuche empfange, auch Familien, 831

18.09.1983

WohnRäume

Ein Jahr nach 816 nimmt diese Sequenz das Thema von «Wohnung» und Einbettung in einen grösseren Zusammenhang wieder auf, wobei dieses «Grössere» nicht mehr durch ein «geistiges Zentrum» dargestellt wird, sondern durch ein «grösseres Haus» bzw. durch einen «Familienclan». Der Begriff «geistiges Zentrum», der sozusagen männer- und vaterorientiert ist, wird hier abgelöst durch den Begriff «Familienclan», den ich, entsprechend der matrizentrierten Frühzeit, für eine mutterorientierte Bezeichnung halte. Es hat demnach eine Umorientierung der Vorstellungen und der Sprache stattgefunden (Carola Meier-Seethaler redet z.B. von «Allverbundenheit», anstelle der sogenannten «Gottverbundenheit»). Ferner gibt es hier nebst einer eigenen Wohnung noch ein «Wohnzimmer», in welchem die Träumerin «Besuche» inklusive ganze Familien empfängt. Dieses Besuchszimmer scheint mir für einen erweiterten Beziehungskreis zu stehen, der sowohl familiäre als auch gesellschaftliche Beziehungen umfasst.

12.09.1984

WohnRäume

Um in mein Zimmer zu gelangen, muss ich vom Badezimmer aus den Weg über den Hinterhof nehmen, der zu einer grösseren Stadt gehört, 842

12.09.1984

WohnRäume

Das Symbol «Zimmer» bezeichnet einen der intimsten Orte einer Wohnung: Das Schlafzimmer, das für die Intimität der Sexualität steht, die im Schlafzimmer stattfindet. Der «Hinterhof» symbolisiert ebenfalls eine Form von Intimität, wenn auch eher von ambivalenter Art, da sich dort Dinge abspielen, die sich nicht sehen lassen wollen. Aufgrund dieser beiden Bedeutungen könnte die Sequenz darauf hinweisen, dass eine zuvor erotische Beziehung Gefahr läuft, in eine seichte sexuelle Beziehung abzugleiten. - Diese Gefahr soll die Träumerin zur Kenntnis nehmen.

12.12.1985

WohnRäume

In meinem «Salon» deklamieren und diskutieren viele Leute. Die Situation gestaltet sich immer mehr zu einem Fest, und der Raum ist schliesslich mein Therapieraum, 861

12.12.1985

WohnRäume

Das Symbol «Besuchszimmer» von 831 scheint hier (1985) durch das Symbol «Salon» abgelöst zu werden. Die Szene in dieser Sequenz, in der «deklamiert und diskutiert» wird, erinnert an den «Salon» von Rahel Varnhagen und anderer gebildeter Frauen. Diese Salon-Welt war die einzige Form von «Welt», in die Frauen sich als denkende Persönlichkeit einbringen und wo sie mit anderen Frauen und Männern in ein geistiges Gespräch eintreten konnten. In der vorliegenden Sequenz gestaltet sich die Zusammenkunft der Menschen im «Salon» immer mehr zu einem «Fest», also zu einem Ort, in dem sich der geistige Austausch in «Freude» verwandelt. So verstanden wird es einsichtig, dass sich unser «Salon» schliesslich in einen «Therapieraum» verwandelt, in einen Ort von «Heilwerdung» und «Heilung».

24.11.1987

WohnRäume

Ich lebe in einer Wohnung mit vielen Zimmern, weiss aber selber nicht, wie viele es sind, 912

24.11.1987

WohnRäume

Während der «Salon» von 861 ein Ort der Extraversion bzw. der Zuwendung zur «Welt» und zu anderen Menschen symbolisiert, stehen die «Zimmer» für Introversion und eine Wendung nach «Innen». Das neuerliche Auftauchen von «vielen Zimmern» in der eigenen Wohnung interpretiere ich als Ausdruck einer Erweiterung der Persönlichkeit und ihrer Sicht über die Welt und über Menschen.