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Symbolkategorie SachenDinge

23.01.1961

Auto

Ich stosse die kranke Frau, die sich an mich festklammert, aus meinem Auto und beschleunige rasant. Aber sie folgt mir im Rollstuhl wie ein Magnet, 144

23.01.1961

Auto

Das Auto - ein Symbol des Selbst - in Verbindung mit dem Hinauswurf einer kranken Frau aus dem Fahrzeug, interpretiere ich auf der Subjekteben für die Entscheidung der Träumerin, sich ausschliesslich mit den gesunden Anteilen ihrer Persönlichkeit zu identifizieren, das Kranke also aus ihrem Leben auszuschalten. Die Sequenz zeigt aber auch, dass diese Verdrängung nicht gelingt, denn die kranken Anteile lassen sich nicht abschieben, sie verfolgen das «Auto» der Träumerin wie ein «Magnet». Ihr wird nichts anderes übrig bleiben, als sich der armen Kranken, die sich in ihrer eigenen Psyche befindet, zuzuwenden, obwohl sie sich im Moment vehement dagegen auflehnt.

30.11.1962

Auto

Mein Bruder K. fährt mit dem Auto über den Strassenrand. Er blutet leicht, ich blute stark und speie Blut, 226

30.11.1962

Auto

Die Fahrt über den Strassenrand hinaus redet von der Nichteinhaltung einer geltenden Richtschnur, von der Übertretung einer öffentlichen Regel. Hier endet die «Fahrt» mit einer gefährlichen Verletzung für die Frau, nicht aber für den Mann, der das «Auto» fährt und «führt». Die Sequenz könnte ausdrücken, dass es für die Frau sehr viel gefährlicher ist, eine geltende Regel zu überschreiten - indem sie zum Beispiel im Verhältnis zu einem Mann in Widerspruch zu den geschlechtsspezifischen Regeln und Vorschriften gerät - als für ihn (sie speit Blut, hat innere Verletzungen). - Auf der Objektebene könnte die Sequenz der Träumerin raten, sie solle sich nicht auf die Fahrkünste eines ihr nahe stehenden Mannes (Bruder) verlassen, sie solle die «Führung» ihres Lebens nicht ihrem Freund überlassen, sondern selber in die Hand nehmen. Das starke Bluten und die innerlich blutenden Verletzungen enthalten eine deutliche Warnung an die Träumerin.

02.09.1965

Auto

Zuerst fahre ich in meinem Auto, dann auf einem Velo. Später bin ich ohne Fahrzeug und gehe zu Fuss weiter, auch als der Weg ganz aufhört, 354

02.09.1965

Auto

Der Wechsel vom Auto zum Fahrrad steht für den Wechsel einer gestützten Autonomie zu einer weniger gestützten Selbständigkeit. Das Auto wird durch äussere Mittel (Benzin) in Fahrt gebracht, während das Fahrrad nur mittels Beinen und Füssen in Bewegung kommt. Das «zu Fuss gehen» findet schliesslich ganz ohne Hilfsmittel statt, hat aber den Vorteil, ein Fortkommen selbst an Orten zu ermöglichen, wo kein Weg mehr hinführt. - Hier ist demnach von einer Form der Autonomie die Rede, die sich aufs eigene Denken, Fühlen und Handeln verlassen muss, weil keine äusseren Stützen und Hilfen zur Verfügung stehen.

19.04.1966

Auto

Bei meinem Auto funktionieren die Bremsen nicht. Ich benütze Schneehaufen und andere Hindernisse, um das Fahrzeug zu bremsen, 400

19.04.1966

Auto

«Bremsen» symbolisieren die Fähigkeit, den eigenen Wünschen, insbesondere auch libidinösen Wünschen, Grenzen zu setzen. Diese Sequenz weist darauf hin, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, dies zu tun. Anstatt die Wünsche schon im eigenen Inneren zu unterdrücken oder sogar Gewalt gegen sie anzuwenden, werden hier ganz bewusst äussere Widerstände dazu benützt, die vom Individuum gewollten Grenzen zu setzen. Ein solcher Umgang mit unerfüllbaren oder unangebrachten Wünschen halte ich für eine kluge Strategie, die der gewaltsamen Unterdrückung oder Verdrängung der Gefühle vorzuziehen ist. - Die Sequenz macht die Träumerin auf Strategien aufmerksam, die sie anwenden könnte, um mit unerfüllbaren, vielleicht libidinösen Wünschen zu Rande zu kommen.

31.08.1967

Auto

Jemand hat aus meinem Auto Benzin gestohlen. Das macht mir Angst. Ich gehe in eine Garage, um zu tanken, 477

31.08.1967

Auto

Beim Auto läuft ohne Benzin gar nichts. Als Symbol stellt «Benzin» die eigentliche Antriebskraft dar, die «Libido» sowohl im Freudschen als auch im Jungschen Sinn. Dass uns Antriebskräfte «verloren» gehen können ist eine bekannte Erscheinung. Was aber ist der Unterschied von verlorenen Kräften zu «gestohlenen» Kräften? Die jüngere Frauenforschung könnte darüber Auskunft geben: Sie stellt fest, dass das geltende patriarchale Geschlechterverhältnis ein Verhältnis sei, in dem die Frau ausgebeutet werde. - Die Sequenz behauptet, aus dem «Auto» der Träumerin sei von «jemandem» Benzin gestohlen worden, dies allerdings, ohne diesen Jemand näher zu bezeichnen. Da es sich bei diesem, da sprachlich männlich konnotiert, vermutlich um eine männliche Person handelt, besagt die Sequenz, die Träumerin befürchte, ihre Kräfte und Fähigkeiten würden von einem Manne beansprucht und ausgebeutet (sie hat Angst). Diesen Sachverhalt soll sie zur Kenntnis nehmen und allenfalls etwas dagegen tun. Sie soll neue Kräfte «tanken» und zwar an einem Ort, der Frauen und Männern gleichermassen zugänglich ist (Garage, Tankstelle): An der öffentlichen Tankstelle ist das Verhältnis von Geben und Nehmen weniger asymmetrisch geregelt (Bezahlung, Geld) als im patriarchalen Geschlechterverhältnis. - Die Träumerin scheint einen Ort oder Orte zu kennen, wo sie Kräfte tanken kann. Dass sie dies in der vorliegenden Sequenz bereits tut, halte ich für ein prospektives Zeichen.

16.10.1967

Auto

Ins Rad meines Auto ist ein Fremdkörper geraten. Nun droht die Luft aus dem Rad auszutreten, 489

16.10.1967

Auto

Wenige Monate nach 477 ist hier die Rede von einer Beschädigung des «Autos», während in jener Sequenz Benzin gestohlen wurde. Die vorliegende Sequenz gibt allerdings keinen Hinweis auf die Ursache der Beschädigung. Ein Fremdkörper sei in ein Rad geraten, was zunächst harmlos klingt. Aber dann wird gesagt, dem Rad drohe die «Luft» auszugehen, was weniger harmlos wäre. Die Metapher, dass jemandem «die Luft» ausgeht, bedeutet, jemand könne nicht mehr atmen und werde innert kurzer Zeit sterben, wenn nicht sofort dagegen etwas unternommen werde. Die rechtzeitige Entdeckung gibt jedoch Gelegenheit, den Schaden zu beheben. - Die Sequenz gibt keine Hinweise, ob der Schaden die Subjektebene oder Objektebene betrifft. Aber so oder so ist die Träumerin alarmiert, es besteht Handlungsbedarf.

05.12.1967

Auto

Die Inhaberin einer winzigen Garage hilft mir mit ihrer Autopumpe aus. So komme ich noch rechtzeitig zur Schule, 507

05.12.1967

Auto

Die «winzige Autogarage» und deren Inhaberin stehen für die Pflege von «Autos» bzw. Personen, die eher im Unscheinbaren stehen. Auf der Subjektebene würde diese helfende Inhaberin für einen helfenden Aspekt der Träumerin stehen, die sie dem Wiederaufbau und Heilung ihrer eigenen Kräfte (Autopumpe) und Entwicklung ihrer geistigen Aspekte zuwendet (Schulbesuch).

16.01.1968

Auto

Mein Auto ist von einer Schneemasse ganz zugedeckt. Ich kippe das Auto, demontiere einige Teile und setze es auf der Strasse wieder zusammen. Frau Lieberherr hilft, 515

16.01.1968

Auto

Das «Auto» der Träumerin ist von «Schneemassen» zugedeckt. Das heisst, sie ist durch «Kälte» und andere massive Widerwärtigkeiten zur Unbeweglichkeit und Handlungsunfähigkeit oder zu Depression verurteilt. Allerdings erfolgt nach der Schilderung der ausweglos erscheinenden Situation etwas Unerwartetes: Die Träumerin kippt das ganze «Auto» und demontiert Teile davon, um es an einer günstigeren Stelle wieder zusammenzusetzen (Strasse). Das Bild vom «Demontieren» und neu Zusammensetzen dürfte auf ein aktives Nachdenken und Analysieren der Situation hinweisen, was schliesslich zu auch zu einem neuen und unerwarteten Handeln führt. - Die radikale Befreiung von «Schneemassen» könnte die Befreiung aus einer Situation oder von einer Person bedeuten, von der zu viel «Kälte» ausgeht. Die Sequenz zeigt der Träumerin, wie sie mit einer für sie unerträglichen Situation fertig werden könnte. - Das Wort «Lieberherr» könnte ferner auf der Objektebene auf eine helfende Person männlichen Geschlechts hinweisen, während das vorgestellte «Frau» Lieberherr auf der Subjektebene auf helfende Aspekte in der Psyche der Träumerin selber hindeuten könnte.

10.08.1958

BehälterGefäss

Ich forme meine Hände zu einer Schale, um meine Seele, die wie flüssig ist, vor dem Zerfliessen zu schützen, 1

10.08.1958

BehälterGefäss

Eine Flüssigkeit mit blossen Händen festhalten und vor dem Zerfliessen schützen zu wollen, ist ein hilfloses und hoffnungsloses Unterfangen. Die Inhalte einer lebendigen «Seele», eines lebendigen Denkens und Fühlens bedürften eines anderen, festeren und geeigneteren Gefässes. Ein solches «Gefäss» könnte im Sinne von Karl Jaspers in einer Freundschaft oder Beziehung entstehen, durch eine gegenseitige freundschaftliche oder liebende Wahrnehmung und Teilhabe am Denken und Fühlen. Oder aber, wenn eine solche Freundschaft nicht in Sicht ist, durch den Versuch, die Inhalte, die die Träumerin beschäftigen und interessieren, selber in irgend einer Form zum Ausdruck zu bringen. - Die Sequenz berichtet, die Träumerin sei von «Selbstverlust» bzw. Selbstentfremdung bedroht, sie sei aber aktiv bemüht, eine solche abzuwenden, obgleich die Mittel, die sie bisher wählte, sich als untauglich erwiesen (sie formt ihre eigenen Hände zu einem Gefäss).

31.05.1959

BehälterGefäss

Aus einer kaputten Weinflasche schenkt mir mein jüngster Bruder ein Glas Wein ein. Es sind Glassplitter darin, 29

31.05.1959

BehälterGefäss

Weinflasche und Wein sind ein Symbol für das Erotische, wie es von Gustav Mahler im «Lied der Erde» besungen wird: Ein Glas Wein zur rechten Zeit sei mehr wert als alle Güter der Erde. Aus einer kaputten Weinflasche kann jedoch auch Verletzendes und Schädliches kommen. Der «Behälter», die Art und Weise der Aufbewahrung und Auffassung über Liebe und Erotik, ist nicht gleichgültig fürs Gelingen einer erotischen Beziehung. Zum Beispiel ist die verbreitete Reduzierung der erotischen Liebe auf «Wein, Weib und Gesang» für Frauen verletzend und schädigend für ihr erotisches Erleben. - In der vorliegenden Sequenz liegt noch keine Verletzung vor, sie weist aber deutlich auf die unmittelbare Möglichkeit einer solchen hin (Glassplitter). - Die Sequenz scheint der Träumerin vor Augen zu führen, was passieren wird, wenn sie vom angebotenen «Wein» kostet. Auf der Objektebene verstanden, scheint die Träumerin nur die Wahl zu haben, auf eine erotische Beziehung (jüngster Bruder) mitsamt möglichen Verletzungen einzugehen oder sich ganz zu verschliessen. - Wie wird sie wohl wählen?

14.09.1959

BehälterGefäss

Jemand sagt, ich solle meinen Rucksack beim Rasten am Bergbach nicht abstellen, es werde hier gestohlen, 79

14.09.1959

BehälterGefäss

Der Rucksack enthält die Sachen, die wir auf eine Bergwanderung mitnehmen. Er symbolisiert die Dinge, die wir für unsere «Lebenswanderung» benötigen. Diesen Rucksack zu verlieren, käme einer Katastrophe gleich, da er das umfassende «Eigene» enthält: Die eigenen Erfahrungen und Werte sowie den eigenen Kompass. So gesehen wäre es verständlich, dass er keinem Moment «abgestellt» oder vorübergehend vergessen werden darf. Nicht einmal am Bergbach, also im Bereich der vermeintlich heilen Natur des «Fliessenden» und der Naturquellen kann der «Rucksack» unbeschadet stehen gelassen werden. Das heisst, dass unsere wesentlichen Erfahrungen und Werte auch im Bereich von Menschen «gestohlen» werden könnten, die auf Spontaneität, Natürlichkeit und ein unbeschwertes Leben schwören. - Unabhängig davon, vor welchen «Räubern» diese Sequenz warnen will, tut die Träumerin gut daran, besser auf ihr «Eigenes», ihre eigenen Sachen zu achten.

13.05.1961

BehälterGefäss

Ein «Pater» reisst sich um ein kleines Schächtelchen, das Macht über einen anderen Menschen zu enthalten scheint. Aber es gelingt ihm nicht, 152

13.05.1961

BehälterGefäss

Das kleine Schächtelchen enthält etwas Wertvolles, das sich eine Person männlichen Geschlechts aneignen möchte, wobei die Sequenz genau sagt, was es ist: Das Schächtelchen enthält Macht über einen anderen Menschen. Das Wort «Pater» bezeichnet einen Kirchen-Mann, der aus paternalistisch religiöser Überzeugung Definitionsmacht über andere Menschen ausübt und anstrebt. Das Schächtelchen, das symbolisch weiblich konnotiert ist und einen wertvollen Inhalt aufweist, könnte demnach für eine selbstbestimmte weibliche Person stehen, wobei diese Selbstbestimmung angetastet und gefährdet erscheint. Das Wort «Pater» (Vater) lässt auch in einem allgemeineren Sinn an eine Vaterfigur denken, von der die Träumerin befürchtet, er könnte an Macht über sie interessiert sein. Aber die Sequenz vermittelt tröstend, dies müsse nicht unbedingt sein: Es gelingt dem «Vater» in dieser Sequenz nicht, das Schächtelchen an sich zu bringen. - Trotzdem scheint die Sequenz eine Warnung an die Träumerin zu enthalten. Sie soll die Entwicklungen im Verhältnis zu einer Vaterfigur aufmerksam beobachten.

28.06.1962

BehälterGefäss

Ein kleines gläsernes Kästchen scheint einer Frau das Leben gerettet zu haben. Sie war auf unruhiger See aus ihrem Boot gefallen und vermutlich fast ertrunken, 198

28.06.1962

BehälterGefäss

Zu dem kleinen Kästchen kommt mir der sogenannte Tabernakel in den Sinn, der in katholischen Kirchen auf den Altären steht und den «Christus» bzw. das «Christuskind» beherbergt, das durch die Kommunion in die Seele der Gläubigen eintritt und das Lebensrettende darstellt. Als ebenso lebensrettend wird das Kästchen in dieser Sequenz dargestellt, dessen Symbolik das Innerste und Wesentlichste der menschlichen Seele bedeuten dürfte. - Die Sequenz scheint von einem emotionalen Absturz zu reden, in dem die Träumerin fast ertrunken wäre. Und sie wird belehrt, wie es gelingen kann, sich vor dem Ertrinken in einem solchen Abgrund zu retten: Sie soll sich auf das «Innerste und Wesentliche» ihres Lebens besinnen.

02.12.1965

BehälterGefäss

Leere Büchsen, Flaschen und hässliche alte Schränke sind in Mutters Estrich aufbewahrt. Ich werde vieles wegschaffen müssen, um Platz für Eigenes zu bekommen, 369

02.12.1965

BehälterGefäss

Alte und leere Gebinde stehen für Wertloses, Uneigentliches das weggeworfen werden darf. Im Zusammenhang mit dem Wort «Mutter» dürfte es sich um Wertvorstellungen handeln, die die Träumerin inzwischen als jene Teile aus mütterlicher Erbschaft erkannt hat, die mit den wesentlichen Inhalten dieses Erbes nichts zu tun haben und also ruhig fortgeschafft werden dürfen. - Die Sequenz scheint die Träumerin darauf aufmerksam zu machen, dass die Trennung des Wesentlichen vom Unwesentlichen, das aus mütterlicher Erbschaft und Herkunft entstammt, nicht so einfach ist und mit Arbeit verbunden ist.

18.07.1966

BehälterGefäss

Ich schleudere einen schweren Wasserkessel zornig in den Strassengraben, weil mein Freund G. nicht tragen helfen will, 1027

18.07.1966

BehälterGefäss

Das Wort «Wasserkessel» ist eine Zusammensetzung aus «Wasser» und «Kessel», und beiden kommt in der Symbolik eine grosse Bedeutung zu. Während das Wasser ganz allgemein das «Lebenswasser» symbolisiert, das auch noch im Taufwasser des Christentums aufscheint, stellt der mythische Kessel den «Schoss der Grossen Göttin» dar und war das wichtigste weibliche Symbol der vorchristlichen Zeit. - So gesehen könnte der Hinweis auf die «Schwere» des Behälters und seines Inhalts auf eine schwierige und als schwer empfundene Situation hindeuten. Die Sequenz sagt zudem, warum die Situation so schwer und schwierig ist. In der Beziehung zu einem Mann werde die Träumerin für das Gelingen dieser Beziehung ganz allein verantwortlich gemacht. - Die Sequenz redet von einer radikalen Reaktion der Träumerin auf eine für sie unhaltbare Situation, denn sie schleudert den «schweren Kessel» in den Wassergraben. Ob dieses «Bild» als ein Rat aus den Tiefenschichten zu verstehen sei im Sinne eines Wunsches oder als Vorwurf für ein bereits erfolgtes radikales Handeln, kann aus der Sequenz allein nicht erschlossen werden.

10.09.1967

BehälterGefäss

Meine Freundin Hanni B. hat liebevoll einen Rucksack gepackt für meine Schiffsreise, 480

10.09.1967

BehälterGefäss

Der Rucksack steht hier für einen Behälter für lebensnotwendige Dinge. Dass diese lebensnotwendigen Sachen von einer Frau für eine andere Frau beschafft und vermittelt werden, ist ein schönes Bild für Frauenfreundschaft und für die Sorge von Frau zu Frau. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz zu einem sorgfältigen Umgang mit lebenswichtigen eigenen Bedürfnissen aufrufen.

20.04.1971

BehälterGefäss

In der «Schublade» einer Kommode liegt zusammengekauert ein ziemlich grosser Jüngling. Ich will ihm heraushelfen, aber die Psychiaterin sagt, ich solle mich nicht in ihre Sachen einmischen, 600

20.04.1971

BehälterGefäss

Diese «Schublade» wird zweckentfremdet, indem sie, anstatt darin etwas sorgfältig aufzubewahren, zu einem Kerker gemacht wird. Der in die «Schublade» hineingepferchte Jüngling könnte für jene Aspekte einer Frau stehen, die zu dieser Zeit (1971) noch ganz allgemein als ihre vermeintlich «männlichen» Anteile galten, die aber unterdrückt werden mussten, trotz anders lautenden Aufforderungen durch Psychologie und Tiefenpsychologie (Psychiaterin). - Auf der Subjektebene könnte die Einkerkerung des Jünglings in eine kleine «Schublade» die aktiven und denkerischen Fähigkeiten der Träumerin verkörpern. Die Sequenz stellt fest, dass die Träumerin daran gehindert wird, diese Fähigkeiten zu befreien und zu entwickeln. Noch scheint sie nicht in der Lage zu sein, sich über jene Theorien hinwegzusetzen oder aktiv gegen sie anzutreten, die den Frauen das intellektuelle Denken nicht zugestehen oder sogar verbieten.

24.02.1977

BehälterGefäss

In einem riesigen Kochtopf liegt ein Mann, dessen Gehirn gekocht werden soll, 1043

24.02.1977

BehälterGefäss

Der Kochtopf ist ein Gefäss der Wandlung. Hier geht es um die Wandlung von Inhalten des «Kopfes», des Gehirns eines Mannes, bzw. um die Veränderung männlichen Denkens.

11.06.1986

BehälterGefäss

Mein Bruder K. versucht, die Mutter ins unterste Fach eines Wandschrankes zu zwängen, 1051

11.06.1986

BehälterGefäss

Hier dient der Wandschrank einem Verbrechen, nämlich der Einkerkerung der «Mutter», die ich hier als «Grosse Mutter» interpretiere. Die Sequenz macht die Träumerin darauf aufmerksam, dass eine männliche Person dabei sei, ein solches Verbrechen zu begehen. - Die Sequenz scheint zu sagen, es seien Vorkehrungen in Gang (auf der Objektebene), die den Interessen und Fähigkeiten weiblicher Menschen und somit auch der Träumerin durch Einengung und Unterdrückung zuwiderlaufen. Ferner wird gesagt, dass dies auch im nahen Beziehungsbereich geschehe, wobei «Bruder» auch als das nähere Umfeld verstanden werden kann.

17.01.1959

Fahrzeuge

Meine frühere Schulkollegin Paula B. ist nun erwachsen und sitzt im Rollstuhl. Sie war als 12-jährige gestorben, 17

17.01.1959

Fahrzeuge

Der Rollstuhl weist auf eine Behinderung hin. Beine und Füsse sind versehrt, der Kopf und andere Gliedmassen scheinen in Ordnung. Es liegt kein Geburtsgebrechen vor. Erst im 12. Altersjahr ist etwas passiert, wie die Sequenz betont. Der Tod im Alter von 12 Jahren weist auf ein traumatisches Ereignis hin. Der «Rollstuhl» besagt, dass der nunmehr erwachsenen Frau nur eine begrenzte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben möglich ist. - Auf die Subjektebene bezogen, vermittelt die Sequenz, die Bewegungsfreiheit der Träumerin sei wegen einem hier nicht näher umschriebenen Trauma beschnitten worden.

08.02.1959

Fahrzeuge

Die Kabine einer Seilbahn wird in rasender Fahrt nach allen Seiten geschleudert. Der Erbauer will zeigen, was seine Bahn leisten kann. In der Kabine befinden sich Priester, darunter ich selber, 22

08.02.1959

Fahrzeuge

Die Seilbahn ist ein Fahrzeug, das die Menschen von unten nach oben trägt, vom Tal zum Berg. Diese Bestimmung wird hier jedoch zweckentfremdet, indem der Erbauer, anstatt die Leistungsfähigkeit der Bahn als solche vorzuführen, seine Schleudershow mit vollbesetzter Kundschaft startet, ohne sich darum zu kümmern, dass den Menschen in der Bahn erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügen könnte. - Es könnte sein, dass die Träumerin das Gefühl hat, sie und andere heiltätige (oder heiltätig eingestellte) Menschen (Priester) würden von etwas oder jemand benützt, um sich selber als besonders vorzüglicher Leistungserbringer darzustellen. Auf der Subjektebene könnte es sein, dass die Träumerin glaubt, sie selber müsste eine besonders vorzüglicher Leistungserbringerin sein, wobei die Tiefenschichten im Traumbild zeigen, wohin dies letztlich führen könnte.

15.07.1959

Fahrzeuge

Weil der Autobus grosse Umwege macht, will ich ins Tram einsteigen. Aber das Tram fährt nicht an meinen Ort, 49

15.07.1959

Fahrzeuge

Autobus und Bahn sind gleicherweise öffentliche Verkehrsmittel. Die Sequenz besagt, beide seien für die Bedürfnisse der Träumerin ungeeignet, beide brächten sie nicht an ihr Ziel. Die Träumerin wird auf ihre eigenen Beine und Füsse, Kraft und Ausdauer verwiesen. Bezüglich Vorwärtskommen könne sie nicht mit Förderung von aussen rechnen.

13.01.1960

Fahrzeuge

Das Kursschiff ist bereits abgefahren, als ich mit einem 6-jährigen Knaben schwimmend an der Station ankomme. Ein kleineres Boot nimmt uns auf, 119

13.01.1960

Fahrzeuge

Das Kursschiff ist ein öffentliches Verkehrsmittel: Es gibt Platz für viele Leute, einen festen Fahrplan, einen fixen Kurs, man kann sich darauf verlassen, dass es zur angegebenen Zeit fährt, und es bietet, weil es grösser ist, auch mehr Sicherheit in einem stürmischen See. Im Unterschied zum Kursschiff ist das Ruderboot klein, die Fahrten erfolgen wie zufällig, es bedeutet «Glück», wenn eines da ist und uns mitfahren lassen will. - Die Sequenz redet von der Erfahrung, dass tüchtige Anstrengungen keineswegs notwendigerweise dazu führen, öffentliche Mittel oder Unterstützung zu bekommen, um ein Ziel zu erreichen, das hier vermutlich ein geistig-seelisches Ziel beinhalten dürfte. Die Träumerin scheint zudem belehrt zu werden, sie solle froh und dankbar sein für den Zufall, dass ein kleineres, langsameres, ungesichertes und vermutlich ein halb privates «Fahrzeug» zur Stelle gewesen sei, um sie und den kleinen Jungen aufzunehmen.

27.08.1960

Fahrzeuge

Grosse und kleine Schiffe werden vom Sturm hin und her geworfen und versinken bis zur Hälfte im Wasser. Von den grossen Schiffen wird erwartet, dass sie selber wieder hochkommen, 136

27.08.1960

Fahrzeuge

Das Herumgeworfen-Werden von «Schiffen» ist das Thema dieser Traumsequenz. Die Schiffe stehen für die Verschiedenheit von Menschen sowie davon, dass Menschen unterschiedlich behandelt werden. Kleine Schiffe werden mittels «Anbindung» abgesichert, während grosse Schiffe sich selber «helfen» sollen. - Auf der Objektebene könnte die Traumsequenz der Träumerin mitteilen, sie könne, wenn sie auf ihrem Status als eine selbständige und autonome Frau bestehe, auf keine äussere Unterstützung bauen, obgleich die Schäden, die ihr aus äusseren Umständen entstehen (Sturmschäden, Traumata) äussere Hilfen rechtfertigen würden. Die Sequenz redet von einer Erkenntnis, die für die Träumerin nicht so leicht zu verdauen sein wird.

31.12.1965

Fahrzeuge

Ich springe vom Dach eines fahrenden Lastwagens. Zuerst fliege ich verkrampft, später lockerer, 376

31.12.1965

Fahrzeuge

Lastwagen tragen Lasten. Von einem fahrenden Lastwagen abzuspringen, ist gefährlich. Auf der Subjektebene bezeichnen die «Lasten» die Belastungen der Träumerin, wobei das Abspringen vom Lastwagen bedeuten könnte, dass sie diese Lasten loswerden und frei sein möchte. So verständlich es sein mag, dass die Träumerin ihre schwergewichtigen «Lasten» (Lastwagen = Schwergewicht) loswerden möchte, so gefährlich ist ihr Vorgehen (sie springt vom fahrenden Wagen ab). - Die Sequenz könnte der Träumerin raten wollen, sie solle nicht überstürzt vorgehen, sondern sich Zeit nehmen und bei der Loslösung von dem Schweren sorgfältig vorgehen.

24.04.1967

Fahrzeuge

In Zürich fährt eine Seilbahn auf der falschen Seite und das Tram fährt in verkehrter Richtung. Ich steige aus, 458

24.04.1967

Fahrzeuge

Das Charakteristikum der Seilbahn ist, dass sie an einem Seil hängt, während das Tram zwischen zwei Geleisen fährt. Weder Seil noch Geleise lassen eine Abweichung in der Fahrtrichtung zu, und beide Fahrzeuge bewegen sich in «falscher» Richtung. Bezogen auf die laufende Psychotherapie wäre zu untersuchen, inwiefern sie bezüglich ihrer theoretischen Grundlagen falsch «programmiert» sei. In der falschen Fahrt-Richtung zu fahren, bedeutet, dass ein Zusammenstoss vorprogrammiert wäre, weshalb die Träumerin gut daran tut, aus beiden öffentlichen «Fahrzeugen» auszusteigen. - Die Sequenz scheint mitzuteilen, dass sich weder persönliche Wünsche noch übergeordnete Ziele der Träumerin mit den öffentlich angebotenen Hilfsmitteln - das heisst mit den zu dieser Zeit (1967) in Gesellschaft und Psychologie angebotenen Leitbildern - vereinbaren liessen. Diese Mitteilung wird verstärkt durch ein doppeltes Bild: Die «Fahrzeuge» fahren entweder auf der falschen Seite oder in die verkehrte Richtung. Die Sequenz scheint angesichts dieser vertrackten Situation der Träumerin zum «Ausstieg» zu raten, gewissermassen zum Konsumverzicht. Sie soll sich auf die eigenen Fortbewegungsmittel besinnen, die eigenen Beine und Kräfte und Fähigkeiten benützen, um ihren eigenen individuellen Lebensweg gehen zu können.

23.08.1974

Fahrzeuge

In einer Raumkapsel fliege ich mit meiner Schwester M. in unbekannter Richtung und wir landen in einer Bildergalerie in Zürich, 667

23.08.1974

Fahrzeuge

Die Raumkapsel ist ein Flugkörper, der für den Flug in den Kosmos gedacht ist, sei dies zwecks Erforschung anderer Planeten oder aus Lust an der Spitzentechnik. - Das Wort «Kosmos» bedeutet «Weltall und Weltordnung», das daraus abgeleitete Wort «Kosmopolit» bedeutet «Weltbürger» und das Wort «kosmisch» meint «das Weltall betreffend». Die Fahrt in der Raumkapsel könnte demnach ein Unternehmen bezeichnen, das einem Forschungsinteresse entstammt, zwecks Einsicht in grössere Weltzusammenhänge. Die Fahrt führt ja denn auch wie folgerichtig in eine «Bildergalerie», also zu einem Ort, an dem sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Welt, über die Menschen und den Kosmos aufeinander treffen. - So gesehen könnte die Sequenz auf eine grössere Öffnung der Träumerin in Richtung «Welt» hindeuten, sei diese Welt als eine überindividuelle Innenwelt aufzufassen oder als ein grösseres Interesse an allgemeinen Problemen oder Phänomenen in der äusseren Welt. Diese Interpretation bestätigt sich, indem sich die «Bildergalerie» in Zürich befindet, also in einer Stadt, die sich als eine «Weltstadt» versteht. Auf der Subjektebene ergibt sich - dadurch, dass die Träumerin von ihrer Schwester M. begleitet wird - eine Verdoppelung, das heisst eine Verstärkung der inneren Beteiligung am Vorgang der Öffnung in Richtung «Welt».

03.03.1980

Fahrzeuge

Ein Lift führt von der Stadt direkt in meine Wohnung im Hochhaus. Dann fährt der Lift weiter über Land wie eine Bahn, 770

03.03.1980

Fahrzeuge

Der «Lift» ist ein Fahrzeug, das insbesondere für Hochhäuser unabdingbar ist, weil sonst die oberen Stockwerke nur mit grossem Kraft- und Zeitaufwand erreicht werden können. - Das Bild von «Hochhaus und Lift» könnte die Träumerin darauf hinweisen, dass es nichts nützt, grossen Gedankengebäuden nachzuhängen oder grosse (feministische) Ideen zu entwerfen, ohne zugleich einen Zugang zu diesen zu haben (Lift), das heisst Möglichkeiten für deren Verwirklichung zu eruieren, zu formulieren und zu schaffen.

12.06.1982

Fahrzeuge

Mein Bruder K. will meinen Lastwagen auf den Abbruch fahren. Aber ich lasse ihn nicht, 804

12.06.1982

Fahrzeuge

Auf der Subjektebene symbolisiert der Lastwagen, da er der Träumerin gehört, das «Eigene» der Frau, zu dem auch die «Lasten» der Seele, ihrer Persönlichkeit, gehören. Von einem Mann wird das «Eigene» der Frau, ihre eigene psychische Wirklichkeit, jedoch als derart wertlos erachtet, dass er es eigenhändig in die Abfallgrube bringen will. - Das Traumbild rät der Träumerin, sich dem Vorhaben zu widersetzen, denn sie lässt die Fahrt auf den Abbruch nicht zu. Auf der Objektebene könnte die Sequenz auf ein Beziehungsverhältnis hinweisen (Bruder), in dem der Mann die Art des Verhältnisses bestimmt, das heisst, dass er Definitionsmacht ausübt über Wertvolles und Wertloses in der Frau, sei dies im Allgemeinen oder im Besonderen bezüglich der Träumerin. Über diese Situation soll die Träumerin nachdenken, um geeignete Vorkehrungen treffen zu können.

22.06.1984

Fahrzeuge

Die Raumkapsel, die sich mit mir in rasendem Tempo im All zu verlieren droht, steht plötzlich still. Sie balanciert einen Moment und steht als winziger Tochterplanet der Erde gegenüber, 840

22.06.1984

Fahrzeuge

Eine «Raumkapsel», die sich im All zu verlieren droht, könnte auf eine radikale Abgrenzung und Lossagung von der Welt des Alltäglichen hinweisen oder auf einen radikalen Beziehungsabbruch, aufgrund dessen die Träumerin nun in Isolation zu geraten droht. Auf der anderen Seite könnte ein radikaler Abbruch nötig sein und die Möglichkeit ausdrücken, zugunsten von Autonomie und der Treue zum eigenen «Weg» eine Zeit der Isolation durchzuhalten. Dass die Sequenz in diesem Sinne verstanden werden könnte, zeigt die Reaktion der «Raumkapsel»: Sie steht plötzlich still, und steht der «Welt» gegenüber. Auf der Subjektebene heisst dies nichts anderes, als dass die Träumerin an Autonomie gewonnen hat im Sinne einer «Beziehung als Gegenübersein» und nicht länger in der Abhängigkeit bleibt.

13.12.1986

Fahrzeuge

Beim neuen Sessellift reisst der Strick, auf dem eine junge Frau Platz genommen hat, und sie schreit. Ich kann den Sessel festhalten, bevor er an einen Baum schleudert, 884

13.12.1986

Fahrzeuge

Beim Sessellift ist jeder Sessel einzeln ans grosse Leitseil angehängt, wenn mal ein «Strick» reisst, wird das Hauptseil nicht beschädigt. - Das Bild vom gerissenen Strick und dem unbeschädigten Hauptseil könnte bedeuten, dass sich die Träumerin in einer Situation befindet, in der zwar nicht «alle Stricke» reissen, aber der gerissene «Strick» der Frau diese mächtig «ins Schleudern» bringt. Die Sequenz enthält zudem die tröstliche Botschaft, dass es der Träumerin gelingt, eine Frau oder andere Frauen (Mehrzahl) und vermutlich auch sich selber wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

08.04.1992

Fahrzeuge

Ein Boot versinkt samt Mann im Wasser, ich tauche und kann Mann und Boot an Land ziehen, 936

08.04.1992

Fahrzeuge

Ein «Boot», das samt Mann im Wasser versinkt, bedeutet eine Aussage, die den Vorgang des Versinkens verdoppelt. Eigentlich ist ein Boot ja dazu da, dass es die Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Stattdessen versinkt hier ein Boot samt Mann, ohne dass dieser irgend welche Bemühungen unternimmt, das Boot und damit sich selbst vor dem Ertrinken zu retten. Im übertragenen Sinne könnte das Ertrinken auf eine massive Depression hindeuten. Was auffällt: Die Rettung wird von einer Frau unternommen und zudem erfolgreich ausgeführt. - Auf der Objektebene könnte dies bedeuten, die Träumerin habe einem Mann aus einer tiefen Depression heraus geholfen. Auf der Subjektebene könnte die Sequenz besagen, die Träumerin habe, indem sie ihre eigenen Fähigkeiten entwickelt habe, die früher als «männlich» galten, und diese nun als ihre eigenen, zu ihrer «Weiblichkeit» gehörenden Fähigkeiten erkenne und verstehe, sich selber aus einer tiefen Depression heraus gerettet, in der sie unterzugehen und zu ertrinken drohte.

23.11.1958

Geld

Ein reicher Mann macht sich auf den Weg, um seine Geldkassette im Geldschrank eines Nebengebäudes zu versorgen, 7

23.11.1958

Geld

Die Sequenz redet von Geld und Vermögen im geistigen und denkerischen Bereich, das aus patriarchaler Sicht dem männlichen Geschlecht zusteht und vermeintlich allein von Männern geschaffen worden ist. Dieser Anspruch wird im Bild der «Geldkassette» dargestellt, die ein Mann sorgfältig hütet und als sein Eigentum verschliesst. - Dieser Sachverhalt wird der Träumerin vor Augen geführt. Tatsächlich wurde zu dieser Zeit (1958) den Frauen diese Sicht vermittelt, auch in einer Jungschen Psychotherapie und also auch der Träumerin.

26.11.1958

Geld

Ich habe das Gefühl, in eine dubiose Sekte geraten zu sein. Mit einem hohen Lösegeld kann ich mich freikaufen, schimpfe aber auf die traurigen Machenschaften, 8

26.11.1958

Geld

Hier steht einem äusseren Vermögen (Geld, Lösegeld) ein zu verteidigendes geistiges Vermögen gegenüber. Das geistige Vermögen drückt sich in dem Sätzchen «ich habe das Gefühl» aus, das im Grunde besagt, die Träumerin habe das sichere Feeling, dass an diesem Ort (Sekte) ihr Eigenes in Gefahr sei. Identität und Autonomie sind zweifellos gefährdet, wenn jemand von einer «Sekte» vereinnahmt wird. Das Wort «Sekte» verstehe ich hier als eine Struktur, die sich auf «Glaubenssätze» und Theorien stützt, die in sich unstimmig und widersprüchlich sind. - Die Sequenz besagt, die Träumerin sei nicht bereit, ihr eigenes Denken und Fühlen aufzugeben, vielmehr sei sie bereit, äussere Möglichkeiten oder Erfolge zugunsten ihres eigenständigen Denkens und Fühlens zu opfern.

11.09.1959

Geld

Ich habe das Gefühl, ein Mann wolle meinen Geldbeutel stehlen. Ich sehe ihn nämlich in meinem Koffer wühlen, 78

11.09.1959

Geld

Geld symbolisiert, wie bereits oben gesagt, Denkvermögen und andere seelische Vermögen und Fähigkeiten, die in dieser Sequenz im «Koffer», das heisst in der Persönlichkeit der Träumerin enthalten sind. Diese «Vermögen» laufen Gefahr, vereinnahmt, also «gestohlen» zu werden.

05.01.1962

Geld

Geldbeutel und Fahrausweis sind mir von einem früheren Freund entwendet worden, 168

05.01.1962

Geld

Nebst Geldbeutel wird hier auch noch der Fahrausweis gestohlen. Damit geht auch noch das Recht, ein «Auto» zu fahren bzw. autonom zu sein, verloren. Die Untersuchung, ob der «frühere Freund» die Subjektebene oder Objektebene betrifft, ist in dieser Sequenz besonders brisant. Sind es innere Instanzen oder Werte der Träumerin, die den Autonomiebedürfnissen und der Entfaltung gewisser Fähigkeiten im Wege stehen? Oder ist es eine äussere Situation oder ein konkreter Mann, die oder der als eine Behinderung erfahren wird?

26.01.1962

Geld

Ein Vagabund verlangt meinen Geldbeutel. Er droht mit einem Revolver, aber ich werfe ihm Hindernisse in den Weg, 170

26.01.1962

Geld

Hier wird der Geldbeutel nicht mehr gestohlen, sondern erpresst: Geld oder Leben! Auch diese Sequenz bringt die Enteignung von Geld und Geldbeutel mit einer Person männlichen Geschlechts zusammen, hier allerdings kein ehemaliger Freund sondern eine unbekannte Person. Erpressung bedeutet indirekte Gewalt, die hier mit verbalen Mitteln erfolgt, allerdings mit dem Machtmittel eines Revolvers, der klar macht, dass es auch zu körperlichen Attacken kommen könnte. Das Wort «Vagabund» bezeichnet nach dem DUDEN (Herkunftswörterbuch) den «Herumtreiber», der «von Land zu Land» geht. Auf ein Beziehungsverhältnis übertragen, könnte dies besagen, es handle sich um einen Mann, der von Frau zu Frau gehe und sich nehme, was er brauche. Auf der Subjektebene ist jedoch zu fragen, ob die Tiefenschichten der Träumerin auf «Treue» zu einem einzelnen Mann bestehen und ihr diesbezüglich Vorhaltungen machen (Vagabund). Auf der Objektebene wäre zu klären, wer oder was von der Träumerin verlangt, dass sie ihr «Vermögen», ihre Denkfähigkeit oder Kreativität aushändigt und zur Verfügung stellt. Die Notwendigkeit einer Klärung gilt auch, wenn die Träumerin, wie die Sequenz berichtet, sich den erpresserischen Forderungen zu entziehen oder zu widersetzen versteht. - Die Sequenz berichtet von einer Verstärkung der Fähigkeit zu Abgrenzung und des Beharrens auf dem «Eigenen».

07.04.1962

Geld

Ein Gastwirt entnimmt meinem Geldbeutel nach eigenem Ermessen das Geld für den Verzehr. Er hält mich für eine reiche und verwöhnte Frau, 179

07.04.1962

Geld

Hier erfolgen weitere Differenzierungen: Der Frau wird nicht mehr das ganze Geld gestohlen. Ferner wird eine Erklärung für das männliche Verhalten gegeben: Die Frau sei reich und verwöhnt. Der Mann wird zudem als Gastwirt vorgestellt, der für eine erbrachte Leistung berechtigterweise Geld nehmen kann. Auffallend ist hier nicht nur, dass sich ein Ungleichgewicht wieder zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts abspielt, sondern dass sich bezüglich des Güterbesitzes das Verhältnis der Geschlechter in Umkehrung der Weltstatistik darstellt: Die Frau ist nicht mit Armut geschlagen, im Gegenteil. Ihr Reichtum wird sogar als Grund angeführt, warum der Mann so sorglos glaubt, sich an ihren «Gütern» bereichern zu dürfen, von denen übrigens nicht gesagt wird, ob es sich um ererbte oder erworbene Güter handelt. - Auf der Subjektebene verstanden handelt es sich bei den weiblichen Gütern um Aspekte, die von der analytischen Psychologie als weibliche «Kreativität innerhalb des Geistes» verstanden werden (ID-Buch 1300, 39).

26.05.1965

Geld

Zwei Männer fordern Geld von mir. Sie halten mich für eine reiche Frau, 344

26.05.1965

Geld

Hier verdoppeln sich die Personen, die «Geld» im Sinne von Gütern und Kräften geistig/seelischer Art einfordern. Ihr Verhalten wird weniger aggressiv darstellt als bei den Leuten in 168, 170 und 179. Hier wird weder erpresst noch mit Tod gedroht, aber mit dem Wort «fordern» ist dennoch ein klarer und starker Appell verbunden, der es nicht ratsam sein lässt, zu widersprechen. Auch diesmal betrifft das Verhalten Angehörige des männlichen Geschlechts, die ihre Forderung mit dem Reichtum der Frau rechtfertigen, von der man selbstverständlich Anteile erwarten dürfe. - Auf der Subjektebene wäre zu eruieren, ob die Träumerin von sich selber fordere oder sich überfordere mit Ansprüchen, die ihre geistig/seelischen Vermögen und Kräfte betreffen. Auf der Objektebene wäre zu fragen, wer oder was selbstverständlich von der Träumerin erwartet oder fordert, dass sie ihre Vermögen und Kräfte zur Verfügung stellt.

29.01.1966

Geld

Mein Geld reicht fürs Essen nicht mehr, weil ich eine höhere Schule besuche, 386

29.01.1966

Geld

Hier setzt die Träumerin erstmals ihr «Vermögen» für eigene Ziele ein: für den Erwerb geistiger Inhalte (Schule). Für wesentliche körperliche Bedürfnisse (Essen) reicht ihr «Vermögen» nicht mehr. Es ist schwierig, ein geistig orientiertes und zugleich körperlich libidinös befriedigendes Dasein zu führen.

28.06.1966

Geld

Einer archaischen Frau lasse ich aus Angst vor ihrer Rache etwas Geld zurück, nachdem ich ihr gekündigt habe, 413

28.06.1966

Geld

Nicht nur Geld, auch das Archaische hat mit Schätzen und «Vermögen» zu tun. Die Kräfte, die im Bereich der archaischen Tiefenschichten beheimatet sind, dürfen nicht vergessen werden, weil sie sich sonst «rächen». Die Träumerin tut also gut daran, diese Kräfte zu besänftigen. Vermutlich müsste sie diese Kräfte noch mehr beachten und in ihr Leben einbeziehen, anstatt sie mit etwas «Geld» abzuspeisen. - Es könnte sein, dass die Sequenz die Träumerin auf die Gefahr der Abspaltung der urtümlich archaischen Bereiche aufmerksam macht.

04.11.1966

Geld

Ich stelle fest, dass ich viel mehr Geld habe als ich meinte, 429

04.11.1966

Geld

Das «Vermögen» der Träumerin ist grösser als angenommen, die Entscheidung für geistige Ziele muss demnach nicht unbedingt so sehr auf Kosten körperlicher Bedürfnisse gehen wie im Traum 386.

10.09.1967

Geld

Mein Geldbeutel ist im Feuer verbrannt, 480

10.09.1967

Geld

Für andere Güter und «Vermögen» kann «Feuer» im Sinne von libidinös bzw. sexueller Aktivität unter Umständen zur absoluten Gefahr werden. Innerhalb eines starken libidinösen Feuers können geistige Interessen und Fähigkeiten ganz untergehen und «verbrennen».

28.08.1982

Geld

Von meinem Bankkonto sei mehrmals Geld abgehoben worden. Dies haben mir Polizisten mitgeteilt, 813

28.08.1982

Geld

Geld auf einem Bankkonto weist auf mehr Vermögen hin als Geld im Geldbeutel. Dieses grössere Vermögen steht für einen Zuwachs an Autonomie, Macht oder Einflussnahme. Aber Sicherheit vor Diebstahl ist auch im öffentlichen Raum nicht gewährleistet.

23.02.1983

Geld

Auf einem grossen Bahnhof trage ich einen Aktenkoffer und Geld bei mir. Ein Mann in weissem Mantel will mir Handschellen anlegen, 827

23.02.1983

Geld

Aktenkoffer und Geld im Zusammenhang mit dem Aufenthalt auf einem grossen Bahnhof deutet auf eine Erweiterung von «Vermögen» und von Möglichkeiten in der Welt des Öffentlichen hin.

08.06.1984

Geld

Ich habe nicht genügend Geld bei mir, um mit der Bahn zurück zu fahren. So werde ich den Rückflug über die Alpen aus eigener Kraft schaffen müssen, 839

08.06.1984

Geld

Nicht genügend Geld bei sich zu haben ist nicht das gleiche, wie kein zu Geld haben. Die «Vermögen» und die Kräfte stehen momentan nicht alle zur Verfügung. Dieser Umstand macht es schwierig, eine grössere Aufgabe zu übernehmen.

22.02.1997

Geld

Mit dem vom Konto abgehobenen Geld und dem Zahltag, der grösser ist als erwartet, trage ich nun ziemlich viel Geld bei mir. Männer mustern mich in unangenehmer Weise und verlangen dann, dass ich meine Tasche öffne, 980

22.02.1997

Geld

Die Traumserie zum Thema Geld entwickelt sich weiter positiv. Es ist nun einiges «Vermögen» vorhanden, teilweise selbst erworbenes Geld (Zahltag) und teilweise zusätzlich erhaltenes Geld. Die Zunahme von Autonomie und Einflussmöglichkeiten haben nicht nur mit der eigenen Entwicklung zu tun, sondern auch mit der Bereitschaft anderer Menschen, Macht zu teilen und abzugeben. - Nebst den erfreulichen Elementen scheint auch diese Sequenz auf eine Gefahr aufmerksam zu machen, indem von der Träumerin die die Öffnung ihrer Geldtasche verlangt wird. Obgleich die Sequenz nicht sagt, ob es lediglich um Einblick in die Vermögensverhältnisse geht oder um Diebstahl, scheint die Träumerin eher die zweite Variante anzunehmen. Und es sind erneut Personen des männlichen Geschlechts, die verlangen, sie solle die Tasche öffnen. Schliesslich lässt die Traumsequenz aber offen, was dann geschieht.

19.10.2002

Geld

Zwecks Wechsel ihres ausländischen Geldes erkundigt sich eine Klosterfrau nach einer Wechselstube, 999

19.10.2002

Geld

Ausländisches Geld in Zusammenhang mit «Klosterfrau» könnte auf Werte hinweisen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, bzw. in unserer Gesellschaft wenig Wertschätzung geniessen: Ich denke an religiöse oder spirituelle Werte. Diese Werte bedürfen, damit sie von anderen verstanden und wertgeschätzt werden, einer «Übersetzung» (Wechselstube). - Die Träumerin wird aufgefordert, sich über neue «Sprachen» und Zusammenhänge zu informieren, um verständlich machen zu können, was sie meint, wenn sie von religiösen und spirituellen Werten redet.

05.09.1958

Kleider

Ein junger Mann in abgenutzter Kleidung ist ausgehungert und wird verfolgt. Er wirft mir vor, ich hätte ihn verraten, 2

05.09.1958

Kleider

Abgenutzte «Kleider» stehen für eine unbrauchbare Identität. Sie vermögen weder Körper noch Seele wirklich zu schützen und zu wärmen, sie stiften keine brauchbare Identität. Abgenutzte Kleidung könnte eine «abgenutzte» Lebensanschauung, ein untaugliches Leitbild bezeichnen, das nicht imstande ist, Seele und Leib zu nähren und zu sättigen oder ein akzeptables Leben zu gestalten. Der «Verrat» könnte darauf hinweisen, dass die Träumerin sich zu dieser Zeit (1958) dem Rollendiktat unterworfen hat, wenn auch unfreiwillig.

21.12.1958

Kleider

Eine Frau trägt einen kostbaren Mantel und eine weisse Hermelinkappe, nachdem sie aus der Familie ausgestossen worden war, 12

21.12.1958

Kleider

Die weisse Hermelinkappe, die aus einem sehr kostbaren Pelz besteht, symbolisiert eine neue und «kostbare» Identität um den Preis des Ausgestossen-Werdens.

07.02.1959

Kleider

Ich lockere meine Kleider und tanze wie in Trance einen ekstatischen Tanz, 21

07.02.1959

Kleider

Die engen Kleider können als enge Lebensauffassung verstanden werden, die von der Träumerin richtigerweise «gelockert» werden, damit die vitalen Bedürfnisse (wieder) mitleben können. Die Träumerin beginnt ihrem Leben (wieder) eine eigene und aktive Richtung zu geben. Im vorherigen Traum (2) war ihre Lebensauffassung als «abgenutzt» und also unbrauchbar bezeichnet worden. - Auf der Objektebene könnte das Lockern der Kleider besagen, dass die Träumerin sich von äusseren einengenden Vorschriften frei macht, sich auf Eigenkräfte und Bedürfnisse besinnt und ihnen zum Ausdruck verhilft.

18.07.1959

Kleider

Anstatt ein wetterfestes Kleid will mir meine Mutter ein altes, selbstgenähtes, graues Kleid geben. Ich sage, ich wolle eigene Kleider haben, 53

18.07.1959

Kleider

«Wetterfeste Kleider» symbolisieren eine Identität, die auch schwierigen Situationen standzuhalten vermag. Das «selbst genähte» Kleid verweist auf eigene Erfahrungen, selbst Erarbeitetes und somit auf eine erstarkte Identität: Diese «Mutter» wirkt nicht fremdbestimmt. Die graue Farbe des Kleides, das sie der Tochter anbietet, zeigt jedoch auf eine entscheidende Schwäche ihres Lebensentwurfs: Eine «graue», farblose weibliche Identität ist für die Träumerin unattraktiv. - Die leibliche Mutter der Träumerin bezog ihre Identität zum grossen Teil aus der christlich dienenden Mutterschaft sowie aus der «Nachfolge Christi» (Buch von Thomas von Kempis). Mit der christlich verstandenen Dienstbarkeit und des klaglosen Ertragens von Ungemach, glaubten solche Mütter, ihren Töchtern die einzig taugliche Identität für schwierige Situationen und Anfechtungen mitzugeben.

11.10.1959

Kleider

Von einer Indonesierin habe ich ein Kleid aus exklusiver Seide mit speziellem Design geschenkt bekommen. Sie sagt, ich müsste es noch fertig nähen, 89

11.10.1959

Kleider

Das «exklusive Seidenkleid» steht für eine spezielle und attraktive weibliche Identität. Diese Identität kann jedoch, da sie aus einem anderen, dem östlichen Kulturkreis (Indonesien) entstammt, nicht einfach übernommen werden. Etwas «Eigenes» muss hinzukommen (fertig nähen).

06.11.1959

Kleider

Ein Priester näht die Sterne an sein Messgewand, die zugleich Kerzen sind, die Heidi S. vom Boden der Kirche aufgehoben hat. Ich soll die kleinen Kerzen bringen, damit der Priester in vollem Lichte erstrahlt, 99

06.11.1959

Kleider

Das «Messgewand» bezeichnet das liturgische Oberkleid des katholischen Priesters bei der Messfeier. Es wird dem männlichen Priester übergestülpt, um eine quasi Identität mit dem (vergotteten) Jesus herzustellen. Dieses mit Sternen besetzte Kleid stellt also eine lichtvolle geistig/religiöse Identität dar. Diese Identität ist jedoch dem männlichen Priester vorbehalten, kommt aber aufgrund von (religiös verstandener) Arbeit einer Frau zustande. - Die Sequenz teilt der Träumerin mit, was im Verhältnis zwischen Frauen und Männern geschieht, zwischen ihr und einem «priesterlichen» Mann. Sie verhilft ihm zu einer Identität, die ihm Wert verleiht, die seine (priesterliche) Arbeit ins Licht rückt und seiner Person Ansehen verleiht. Die Sequenz gibt zur Frage Anlass, warum die Frau das von ihr aufgefundene und kosmisch verankerte Wertvolle (Sterne) einem Mann zur Verfügung stellt, also eine zudienende Rolle spielt. Ob sie sich überhaupt bewusst ist, wem ihre Arbeit zugute kommt. Genau diese Fragen soll sich die Träumerin stellen.

06.01.1960

Kleider

Ich ziehe altmodische Kleider an, um nicht als Vorzeigeobjekt tanzen zu müssen. In diesen Kleidern beginne ich wild zu tanzen, 114

06.01.1960

Kleider

Hier stehen die «altmodischen Kleider» nicht für eine überholte Identität, denn sie werden strategisch benützt, um eine neue Form von Fremdbestimmung abzuwehren. Als Vorzeigeobjekt «tanzen» zu müssen bedeutet, sich in «Kleidern» präsentieren zu müssen, die Männern gefallen, heisst also, die Weiblichkeitsrolle spielen zu müssen. Dieser Zumutung setzt die Träumerin «altmodische Kleider» entgegen, das heisst, dass sie sich ganz bewusst unattraktiv und also «unweiblich» darstellt. Interessant ist, dass sie trotzdem «tanzt» und sich sogar vom «wilden» Tanz (der Vitalität) nicht abhalten lässt.

23.02.1960

Kleider

Meine Kleider sind in der Friedhofshalle abhanden gekommen. Ich gehe sie suchen, 128

23.02.1960

Kleider

Abhanden gekommene Kleider verweisen auf abhanden gekommene Vorbilder für eine selbstbestimmte weibliche Identität: Solche Identität stiftende «Kleider» müssen von der Träumerin erneut gesucht und geschaffen werden.

11.09.1960

Kleider

Ich bringe das Hemd eines überdimensioniert grossen und ärmlich gekleideten Mannes in Ordnung. Die Gesichtszüge des Mannes sind die eines Kindes, 138

11.09.1960

Kleider

Der ärmlich gekleidete und überdimensioniert grosse Mann mit den Gesichtszügen eines Kindes weist auf die äussere Situation im Patriarchat: Hinter vielen gross erscheinenden Männern sind die Zeichen von Unreife und Hilflosigkeit erkennbar. Von Frauen erwarten diese Männer mütterliche Betreuung und Geborgenheit und dies sowohl im privaten als auch öffentlichen Bereich. Carola Meier-Seethaler bezeichnet diese von Männern geforderte mütterliche Frau als eine «Muttersklavin». - Die Träumerin scheint es mit einem solchen Mann zu tun zu haben.

15.09.1960

Kleider

Eine Frau trägt ein goldbesticktes Kleid. Zuvor trug sie ein schwarzes, 139

15.09.1960

Kleider

Das «goldbestickte Kleid», das ein zuvor schwarzes Kleid ersetzt, steht für eine neue Sichtweise bezüglich Identität. Und zwar für eine Sichtweise, die für die Träumerin selber attraktiv ist (goldbestickt), anstatt wie vormals trist und deprimierend (schwarz).

29.09.1960

Kleider

Ein junger Mann soll als Rekrut eingekleidet werden. Er will aber nicht und zittert am ganzen Körper, 141

29.09.1960

Kleider

Als Soldat eingekleidet zu werden bedeutet, das patriarchale Männergeschäft lernen zu müssen, das heisst, schiessen lernen und möglicherweise töten zu müssen. Dass der junge Mann angesichts einer so gearteten männlichen Identität zittert, bedeutet, dass er diese Identität zwar aus tiefstem Herzen ablehnt, aber auch, dass er keine Möglichkeit sieht, das «Kleid» abzulehnen, das ihn zum Soldaten macht. Zu dieser Zeit (1960) war die Auffassung verbreitet, die Rekrutenschule sei der Ort, wo aus schwächlichen Muttersöhnen «richtige Männer» gemacht würden. Entsprechend wurden Dienstverweigerer verachtet. - Von den sieben Brüdern der Träumerin haben fünf Brüder nach der Rekrutenschule noch die Offiziers-Schule besucht. - Verstanden als Teil der Träumerin, lehnt sie es ab, einem solchen Männerbild zuzustimmen, aber auch sie scheint keine Möglichkeit zu sehen, sich wirkungsvoll gegen Ansprüche abzugrenzen, die von Frauen quasi soldatische Aktivitäten fordern, die allerdings auf das «Töten» von Aspekten ihrer eigenen Identität hinzielen. - Das Soldatenkleid, der Soldat, muss nicht in jedem Fall eine aggressive Männlichkeit bezeichnen, es kann auch für eine aufopfernde christliche Haltung stehen. Auch Frauen verstanden sich als Kämpferinnen für eine bessere Welt, die sie durch das Christentum zu erreichen meinten (die Heilsarmee besteht heute noch aus friedfertigen Soldaten). Die soldatenähnliche «Aufopferung» wurde für Frauen in der Mutterschaft gesehen und für viele identitätsbildend. Ohne diesen «Glauben", so sagte die Mutter der Träumerin, hätte sie dies (die Aufopferung) nicht aushalten können. Die Mutter hatte auf alles verzichten müssen, was ihr lieb war: Das Geigenspiel im dörflichen Damenquartett, das von Theaterverein jährlich organisierte Theaterspiel, das Singen im Kirchenchor. Das Symbol «Soldatenkleid», die Soldaten-Uniform hat also nicht in jedem Fall dieselbe Bedeutung.

21.08.1961

Kleider

Im zweiten Estrich liegt ein dunkelblaues, einfach geschnittenes Abendkleid. Es wirkt vornehm mit dem kleinen Nerz am Hals. Auch andere Frauenkleider sind vorhanden, 160

21.08.1961

Kleider

Das Abendkleid und weitere Frauenkleider symbolisieren die Entdeckung von mehreren und unterschiedlichen weiblichen Identitäten: Das Abendkleid steht für das «Festliche» und Erotische in einem Frauenleben und für Lebensfreude ganz allgemein. Die Frauenkleider könnten «gewöhnliche» weibliche Identitäten darstelle, die aber trotzdem unterschiedliche Arten von weiblicher Individualität ausdrücken können. Ich denke an Identitäten wie Bäuerin, Wirtin, Geschäftsfrau, Familienfrau etc., 160

03.01.1962

Kleider

Meine Kleider sind am Waldrand abhanden gekommen. Ich gehe mit einem Badetuch bekleidet nach Hause, 166

03.01.1962

Kleider

Die «Kleider» kommen der Träumerin am Waldrand abhanden, also in Naturnähe. Nur gerade ein «Badetuch» bleibt ihr als «Kleid» für ihre ungeschützte Identität, sodass sie sich nackt und bloss fühlt. - Die Träumerin scheint erneut und intensiver zu spüren, dass ihr tragfähige weibliche Vorbilder und Leitbilder fehlen.

03.02.1962

Kleider

Weil ich im Passionsspiel wie die Männer ein mit Sternen besetztes Kleid trage, werde ich für einen Mann gehalten und von der Polizei gesucht, 173

03.02.1962

Kleider

Ein «Kleid», das mit Sternen besetzt ist, symbolisiert eine Identität mit einem hohen und kosmisch verankertem Stellenwert (Stern). Das Sternenkleid steht für ein Rollenbild, das mit religiösem und gesellschaftlichem Ansehen verbunden ist, das aber Männern vorbehalten ist. Dass eine Frau ein solches Kleid tragen könnte, war für die Träumerin damals (1962) undenkbar und bedeutete sozusagen ein Sakrileg. Entsprechend berichtet die vorliegende Sequenz, einer solchen Frau werde die Polizei auf den Hals gehetzt. Die Träumerin wird darauf aufmerksam gemacht, was passiert, wenn sie für weibliche Menschen, für sich selber, eine Identität in Anspruch nimmt, die von der Tiefenpsychologie für Frauen nicht vorgesehen ist.

26.10.1962

Kleider

Mein Hauskleid gefällt einer Studentin der Psychologie (Frau Fürst). Ich habe das Kleid selber genäht und sage, es sei von Hand gemacht, 217

26.10.1962

Kleider

Das Hauskleid steht für eine weibliche Identität, die sich im privaten Bereich bewegt, im besten Fall aber auch für einen Bereich der Entspannung, wo frau sich selber sein darf. Im öffentlichen Bereich würde ein Hauskleid jedoch deplatziert und peinlich wirken. Das «handgemachte» Hauskleid zeichnet sich hier dadurch aus, dass es bezüglich Qualität und Form auf die Trägerin zugeschnitten ist und weist somit auf eine eigene «Identität», die auch eine vorläufige sein kann. In unseren, an perfekte Konfektionskleider gewohnte Augen, werden von Hand verfertigte Kleider in der Regel als uninteressant und reizlos empfunden. Auch im übertragenen Sinn geniesst «Eigenes» im Sinn von Gedanken, die von weiblicher Seite geformt sind, wenig Wertschätzung, obgleich in den psychologischen Lehranstalten die Rede von «Individuation», Selbstfindung und einer eigenen Identität in aller Munde ist. - Dass das «Hauskleid» einer Psychologie-Studentin gefällt, könnte die Träumerin darauf hinweisen, dass die persönliche und weibliche Welt durchaus eine beachtenswerte und schätzenswerte Welt sei, und dass sie dieser vermehrte Aufmerksamkeit schenken solle.

29.10.1963

Kleider

Ich weiss nicht, wie ich mich kleiden soll für das Treffen mit einem Mann, 248

29.10.1963

Kleider

Die Träumerin weiss nicht, mit welcher Identität (Kleid) sie einem Mann, den sie vermutlich für sich gewinnen möchte, gegenüber treten soll, ob währschaft oder festlich oder ganz anders. Sie scheint mehrere Möglichkeiten zu haben.

05.12.1963

Kleider

Mein Bruder E. schenkt mir ein silbrig glänzendes Abendkleid, mein Bruder K. eine Schallplatte. Er preist die Musik und legt die Platte auf. Aber ich vernehme ein schreckliches Getöse und Schreie von verunglückten Menschen, 260

05.12.1963

Kleider

Ein silbrig glänzendes «Abendkleid» als «Geschenk» symbolisiert erotische Festlichkeit im Sinne eines «Versprechens», wobei das «Geschenk» des anderen Bruders, das Gegenteil mitteilt, nämlich schlimmes Unglück und Leid. - Die Träumerin wird auf diese Unstimmigkeit aufmerksam gemacht. Es hat etwas Perfides, das Ausmass an Unglück und Leid, das durch die schrecklichen Schreie zum Ausdruck gebracht wird, als eine «gute Musik» anzupreisen.

24.05.1964

Kleider

In sportlicher Kleidung laufe ich zum Bahnhof. Das Hochzeitskleid, das ich zuerst auf den Armen getragen habe, ziehe ich darüber, damit es nicht zerknittert, 275

24.05.1964

Kleider

Während «sportliche Kleider» eine währschafte, wetterbeständige Identität symbolisieren, steht das Hochzeitskleid für eine Identität, die das Festlich-Erotische darstellt. Über sportlicher Kleidung ein Hochzeitskleid zu tragen, ist eine absurde Vorstellung. Auf der Wanderung wird die Träumerin das Hochzeitskleid ruinieren, und das Kleid wird sie in der sportlichen Betätigung behindern. Vom Identitätsaspekt her handelt es sich um den Versuch, zwei ganz unterschiedliche Identitäten gleichzeitig zu leben, oder das Währschafte zu verstecken. Vielleicht wäre es realistischer, die beiden Bedürfnisse im zeitlichen Nacheinander abzudecken: mal sportlich, mal festlich.

08.09.1964

Kleider

Ein Pflanzen- und Blumenforscher hat Blumenkleider hergestellt, um drei entführte Mädchen sowie mich selber zu retten, 283

08.09.1964

Kleider

Blumenkleider symbolisieren das, was in Psychologie und Patriarchat als «weiblich» gilt: das naturhaft Erotische, aber auch das Nette, Liebe, Angepasste. Dieses Frauenbild wird im Traum benützt, um mehrere entführte Mädchen zu retten. Auf der Subjektebene handelt es sich um eine strategische Anpassung an die Weiblichkeitsrolle, um das «Eigentliche» und Wesentliche der weiblichen Persönlichkeit in Sicherheit zu bringen. Thema ist die «innere Emigration», das heisst eine gewisse Anpassung an die Rolle aufgrund einer äusseren oder inneren Notwendigkeit. Es gibt Umstände, die es nicht vernünftig erscheinen lassen, sich in aller Offenheit aufzulehnen. Besser sei es, am Wesentlichen festzuhalten und das Entscheidende im Geheimen zu tun. Auf der Objektebene fällt eine sympathische und helfende männliche Figur auf, die unpersönlich als ein Pflanzen- und Blumenforscher vorgestellt wird. Obgleich «Forscher» erweist er sich als ein praktischer und tatkräftiger und zudem frauenfreundlicher Mann. Dieser «Forscher» entspricht einem Männerbild und möglicherweise einem konkreten Mann, bei dem das Denkerisch/Geistige, das lebenszugewandte Praktische und eine symmetrische Geschlechterbeziehung eine Einheit bilden.

01.02.1966

Kleider

Wie aus einem Kleid bin ich aus meinem Körper ausgestiegen. Ich muss sofort wieder einsteigen, weil mein Körper abzusterben droht, 389

01.02.1966

Kleider

Den eigenen Körper wie ein Kleid abstreifen zu können, verweist auf die Möglichkeit, in eine andere Existenz einzutreten, wobei die Sequenz auch auf die Gefahr hinweist, die daraus entstehen könnte.

25.03.1966

Kleider

Ich sitze in einem zu engen Kleid in der Kirche. Besonders um die Brust herum ist das Kleid zu eng, 398

25.03.1966

Kleider

Das zu enge Kleid wird hier einerseits in Zusammenhang mit der (katholischen) Kirche gebracht und anderseits mit der weiblichen Brust. Die Sequenz befasst sich demnach mit der Symbolik der Brüste der Frau, wie sie von der Kirche gedeutet wird. Zudem sagt sie klar, dass diese Auffassung zu «eng» sei bzw. die Identität der Frau einenge. - Die vorliegende Sequenz macht die Träumerin auf diesen bestürzenden und traurigen Sachverhalt aufmerksam. Die Enge um den Brustbereich betrifft das spezifisch weibliche Organ (Busen), aber mit dieser Einengung finden sich die Tiefenschichten der Träumerin zu Recht nicht ab.

20.08.1968

Kleider

Ich habe einen sehr einfach geschnittenen Qualitätsmantel gekauft. Der Mantel ist trotzdem sehr schön und schick: Ein «Modell», 531

20.08.1968

Kleider

Der «Qualitätsmantel» bezeichnet ein Kleidungsstück von hoher Stoff-Qualität, und als «Modell» ist es wie auf die Träumerin zugeschnitten. Es ist also gewissermassen von einer Doppelqualität die Rede. Die Träumerin scheint bei ihrer Suche nach einem Stück Identität fündig geworden zu sein, wobei die Sequenz sagt, dass es sich um eine Identität von zweifacher Art handelt: Der Qualitäts-Stoff bezeichnet Währschaftes und Wärmendes. Das «Modell» steht für eine qualitativ hochwertige Verarbeitung und Form. Und dieses wunderbarer Kleidungsstück hat die Träumerin, so sagt die Sequenz, nicht selber hergestellt, sondern draussen in der Welt, in einem Atelier gefunden und erstanden. Es darf mit Sicherheit angenommen werden, dass dieses Stück ihrer Identität von Frauenhand geschaffen worden ist. Die tröstliche Botschaft heisst, frau muss nicht alles selber schaffen und es lohnt sich, sich umzusehen, was andere Frauen schaffen und geschaffen haben.

25.01.1970

Kleider

Ich gehe, in alte Lumpen gekleidet, auf die Strasse, um meinem Leben ein Ende zu setzen, 573

25.01.1970

Kleider

Sich «alte Lumpen» als Bekleidung vorzustellen, macht traurig, auch wenn die Sequenz nicht sagt, die Frau besitze keine richtigen Kleider. Sie macht sich gewissermassen unattraktiv. Dass sie ihrem Leben ein Ende setzen will, dürfte heissen, dass ihr wesentliche Dinge, die ihre Identität betreffen, versagt bleiben, so dass ihr das Leben, so wie es sich ihr darbietet, nicht lebenswert erscheint. Die «lumpige» Identität, die einer Frau von aussen diktiert wird, vermag die Träumerin nicht mehr abzuwehren, sie scheint den Kampf aufzugeben, depressiv geworden zu sein. Dass sie jedoch mit ihrer Depression auf die Strasse geht, könnte besagen, dass sie auf Hilfe von aussen hofft.

17.12.1970

Kleider

Ich bin Hausherrin, laufe aber in sehr einfachen Kleidern herum, was befremdend zu wirken scheint. Daher erkläre ich, ich hätte heute meinen "Lottertag", 584

17.12.1970

Kleider

Einfache Kleider unterscheiden sich erheblich von «Lumpen". Für den Alltag bevorzugen wir «einfache» Kleider, das heisst Kleider, in denen wir uns frei bewegen und auch gröbere Arbeiten ausführen können, fern vom Anspruch auf eine berufliche «Persona". Das einfache Kleid drückt auch einen früher formulierten Anspruch der Träumerin aus, «gewöhnlich» sein zu dürfen, das heisst, nicht immer überhöhte Leistungsansprüche an sich stellen zu müssen. Mindestens möchte die Träumerin ohne Einbusse an Achtung für ihre Person, einige «Lottertage» beanspruchen können.

22.03.1978

Kleider

Drei männliche Richter tragen kostbare Gewänder und ebenso kostbare Kopfbedeckungen. Einer der drei Männer ist «oberster» Richter, der einen der Richter zur Rechenschaft ziehen soll, 715

22.03.1978

Kleider

Kostbare Gewänder in Zusammenhang mit richterlichen Befugnissen symbolisieren eine prestigeträchtige männliche Identität. Die Männer sind «Richter, das heisst, sie üben Definitionsmacht aus. Der «oberste Richter» bezeichnet eine hohe Instanz überpersönlicher Art , die nach öffentlich anerkannten Gesichtspunkten entscheidet, auch über selbstherrliche männliche Richter entscheidet. Aber auch die überpersönliche Instanz ist männlich besetzt. Noch ist es kaum vorstellbar, dass Frauen diese höchste Instanz verkörpern, angetan mit kostbaren Gewändern und Kopfbedeckungen.

12.06.1982

Kleider

Das goldbestickte königlich wirkende Kleid einer Schwägerin besteht im Rückenteil aus grober Naturseide indianischer Herkunft. Ich denke, es sei das "gute Stück" aus ihrer Erbschaft, 804

12.06.1982

Kleider

Erstmals in dieser Traumserie wird hier auf die «Rückseite» eines Kleides hingewiesen. In der Regel sehen Rückseiten anders aus als die Vorderseiten, was auch hier der Fall ist. Bezüglich der Symbolik von Kleidern, die mit Identität zu tun hat, zeichnet die Vorderseite ein grossartiges Frauenbild: Das Kleid ist mit Gold bestickt und wirkt königlich, während die Rückseite sich durch eine währschafte Qualität von natürlicher und etwas gröberer Art auszeichnet. Obgleich auch eine Naturseide von gröberer Art noch immer ein wertvolles und sogar edles Material darstellt, unterscheidet sich seine Symbolik trotzdem erheblich von Materialien, die in unserer patriarchalen Gesellschaft als «königlich» gelten. Die «Naturseide» könnte auf matrizentrierte Vorstellungen einer weiblichen Identität hinweisen, in der das Frausein auf «natürliche» Weise einen hohen Stellenwert gehabt hat. Diese neue bzw. uralte weibliche Identität überwindet das triste Bild des Patriarchats und der Psychoanalyse, die in Frauen «verfehlte» oder «kastrierte» Männer vermuten. - Die Sequenz scheint der Träumerin diese Sachverhalte vor Augen zu führen.

24.09.1984

Kleider

Ich trage orientalisch anmutende Kleider. Meine Schwester S. meint anerkennend, ich würde mich immer lustiger kleiden, 844

24.09.1984

Kleider

Orientalisch anmutende Kleider stehen für geistige Inhalte oder Weltdeutungen, die dem vielgestaltigen und farbigen Osten nahe stehen. Es könnte sein, dass sich Weltdeutungen oder Auffassungen über Identität und Beziehungen verändern und erweitern, bunter und lebendiger werden. Das könnte bedeuten, dass der Aspekt des Freudvollen und Lustvollen im Zusammenhang mit Identität in den Blick kommt oder von der Träumerin in Anspruch genommen wird.

24.11.1987

Kleider

Ich suche Kleider für das Baby, das mir nackt zur Pflege übergeben wurde, 912

24.11.1987

Kleider

Babykleider dienen der Bekleidung von Neugeborenen. Im übertragenen Sinn geht es hier um die Suche nach einer Bezeichnung und Einordnung einer Sache oder Arbeit, deren Ausrichtung noch nicht klar ist. Die Sequenz sagt, der Träumerin sei ein Baby übergeben worden, das für eine Arbeit oder Sache steht - mit dem Auftrag, für diese zu sorgen (pflegen). - Die Sequenz redet somit von einem Auftrag, den die Träumerin erhalten hat, ob nun dieser Auftrag von aussen gestellt oder ihren Tiefenschichten entsprungen ist. Das nackte Neugeborene (Baby) benötigt in erster Linie wärmende und schützende Bekleidung und Zuwendung. Im übertragenen Sinn soll die Träumerin sich also mit neuen Leitbildern für Frauen und Männer befassen.

30.03.1996

Kleider

Eine junge Frau trägt an ihrer Hochzeit ein weisses Kleid und wird kritisiert, weil sie kürzlich ein Kind geboren hat, 971

30.03.1996

Kleider

Ein weisses Hochzeitskleid bedeutet nach traditioneller und religiöser Auffassung, dass die Braut eine sexuell noch «unberührt» und somit eine «reine» Frau ist. Andernfalls durfte sie weder ein weisses Kleid noch einen weissen Schleier tragen. Daher ist es für die Frau, die erst kürzlich ein Kind geboren hat, ein Wagnis, in Weiss zur Hochzeit zu gehen. Das Hochzeitskleid symbolisiert aber auch eine «hohe Zeit», einen Höhepunkt und Wendepunkt in einem Frauenleben. In bezug auf weibliche Identität besagt dies, dass es um eine neue und «hohe» Auffassung bezüglich dieser weiblichen Identität geht. - Die Sequenz berichtet von einer jungen Frau, die getan hat, was letztlich der Sinn von Heirat und Ehe darstellt: Sie hat ein Kind geboren. In bäuerlichen Traditionen war es oft üblich, dass die Braut ihre Fruchtbarkeit schon vor der Ehe «beweisen» musste, weil dies für den Bestand von Heim und Hof lebenswichtig war. Ohne Nachkommen wäre ein Bauernhof dem Untergang geweiht gewesen. So gesehen besagt diese Sequenz, dass die junge Frau ihre Fruchtbarkeit bewiesen hat, ihr aber genau dies zum Vorwurf gemacht wird: Sie habe gewisse traditionelle Gepflogenheiten umgangen und legitime Anerkennung (Hochzeitskleid) stehe ihr daher nicht zu. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz besagen, die Träumerin habe betreffend der Auffassungen über Weiblichkeit und Mutterschaft ein Tabu gebrochen. Es werden ihr die Folgen vor Augen geführt und sie soll bedenken, ob sie damit leben kann.

21.12.1958

SchlüsselSchloss

Ich gebe der Frau, die sich nackt und frierend auf der Autostrasse aufhält, den Schlüssel zu einem Hotelzimmer und besorge ihr ein warmes Bad, 11

21.12.1958

SchlüsselSchloss

«Zimmerschlüssel» symbolisieren einen selbstbestimmten Zugang zum Eigenen, zur eigenen Identität, unabhängig von Zuschreibungen und «Bestimmungen». Ein Zimmerschlüssel erinnert an Virginia Woolfs Forderung eines Zimmers «für sich allein». - Der Schlüssel in dieser Sequenz könnte den «Schlüssel zu einem neuen Leben, der eine Türe zu einem neuen Dasein aufschliesst» darstellen (wie Walter Nigg an einer Stelle sagt), obgleich der Schlüssel in der vorliegenden Sequenz lediglich eine vorübergehende Bleibe erschliesst (Hotelzimmer). Das «neue Leben» könnte darin bestehen, zu dem zu finden, was Nigg über die «Heilige Hedwig» gesagt hat: Sie sei «ein Geistmensch» gewesen. - Die Sequenz beschreibt die Träumerin als eine hilfreiche Samariterin gegenüber einer weiblichen Person, die sich in grosser Not befindet. Auf der Subjektebene verstanden, betreffen beide Figuren die Träumerin selber, die sowohl in grosser Not befindlich als auch in ihrem hilfreichen Verhalten dieser Not gegenüber beschrieben wird. Sie wendet sich nicht an äussere Instanzen, aus welchen Gründen auch immer.

01.08.1959

SchlüsselSchloss

Ein alter Schlüssel fällt aus meinem Sack oder aus meinen Händen. Ich werfe ihn fort, 64

01.08.1959

SchlüsselSchloss

Einen «alten Schlüssel» fortzuwerfen kann sinnvoll sein, wenn mit dem «Schlüssel» nichts mehr zu erschliessen ist. Möglicherweise ist das Interesse an einigen bisher bewahrten Dingen erloschen, oder es geht ums Thema «Loslassen». Immer wieder ist es notwendig, etwas hinter sich zu lassen, um sich in Richtung «Zukunft» und Entwicklung bewegen zu können. Auf der anderen Seite könnte der fortgeworfene Schlüssel auf eine Verdrängung hinweisen. Aber was könnte der Inhalt dieser Verdrängung sein?

24.10.1959

SchlüsselSchloss

Ich möchte mein Badezimmer abschliessen. Aber es ist kein Schlüssel vorhanden, 94

24.10.1959

SchlüsselSchloss

Der Badezimmerschlüssel symbolisiert hier ein Abgrenzungsbedürfnis im Intimbereich, wobei nicht gesagt wird, gegen wen oder was sich dieses Bedürfnis richtet. Das Badezimmer steht für einen Ort, an dem wir uns «säubern» und «erneuern». Als ein Ort der Erneuerung könnte das «Badezimmer» auch den psychotherapeutischen Behandlungsort symbolisieren. Dabei könnte die Träumerin das berechtigte Gespür haben, es gäbe seelische Bereiche, die von der Psychotherapie nicht angetastet werden dürften, da sie nur ihr allein gehörten. Aber noch scheint es nicht möglich, dieses Bedürfnis zu formulieren, zu legitimieren oder durchzusetzen.

19.11.1959

SchlüsselSchloss

Eine Schranktüre am Jung-Institut lässt sich nicht mehr schliessen. Dossier fallen heraus und geraten durcheinander, 104

19.11.1959

SchlüsselSchloss

Das nicht mehr Schliessenkönnen dieser Schranktüre symbolisiert das Faktum, dass Erfahrungen und Erkenntnisse nicht rückgängig gemacht werden können. Die «Dossiers» im Jung-Institut könnten auf die Art dieser Erkenntnisse hinweisen. Das Durcheinanderfallen der «Dossiers» besagt, dass die Lehrinhalte nicht durchwegs durchdacht und akzeptabel seien, sondern als problematisch wahrgenommen werden.

03.10.1961

SchlüsselSchloss

Ich schliesse die Küchentür mit einem Schlüssel wegen einem Hahn, der mich ins Bein zu picken versucht, 161

03.10.1961

SchlüsselSchloss

Der «Schlüssel» hat hier eine Ausschluss- und Schutzfunktion. Der «Hahn», als Symbol für männliche Sexualansprüche, wird ausgeschlossen oder zurückgewiesen. Ein solcher Ausschluss wird in der Tiefenpsychologie in der Regel als Sexualangst und Sexualabwehr gedeutet und kritisiert, wobei kaum nach den Umständen geforscht wird, die einen solchen Ausschluss als richtig und notwendig verständlich machen könnten. Diese Sequenz enthält ein Kriterium, um die Frage der Notwendigkeit des Ausschlusses zu beantworten. Der Hahn drängt sich in einen Ort ein, in den er nicht gehört: in die Küche. Die «Küche» ist ein schöpferischer Ort. Ganz allgemein wird die Küche als ein Ort psychischer Veränderung und Erneuerung gesehen, als Ort der Verwandlung im Zeichen der Selbstwerdung und Entwicklung zu einer autonomen und selbstbestimmten Person. Die Träumerin tut gut daran, sich gegenüber dem männlichen Anspruch auf ungehinderten Zugang zu dieser «Küche» zu verschliessen.

16.01.1962

SchlüsselSchloss

In einem schlossartigen Haus bin ich leitende Angestellte, 169

16.01.1962

SchlüsselSchloss

Das «schlossartige» Haus symbolisiert eine höher gestellte Person, während die Angestellte eine tiefer gestellte Person im Dienstleistungsbereich bezeichnet, auch wenn sie mit dem Begriff «leitend» aufgewertet wird. Ein zwischenmenschliches Verhältnis mittels dieser Bilder bezeichnet eine Beziehung der Ungleichheit. Die Sequenz könnte zudem auf eine spezielle Art dieses Beziehungsverhältnisses hinweisen, indem die Hierarchisierung auf eine zweifache Art geschieht: Einerseits ist die weibliche Person in «leitender» Stellung, steht in der Hierarchie also oben, anderseits steht sie als Dienstpersonal in der Hierarchie unten. Diese Anordnung erinnert ganz stark an die Jungsche Theorie von «Animus und Anima», in der die Anima mal als eine geistvolle und inspirierende «Muse» erscheint, mal als «Dienstmagd am Männlichen», wie Jung diese Beziehung wörtlich hierarchisiert. - Diesen Sachverhalt soll die Träumerin wahrnehmen und erkennen.

20.02.1962

SchlüsselSchloss

Die Pistole eines Psychologen verwandelt sich in einen Schlüssel. Aber der Schlüssel passt nicht zu meiner Truhe mit dem Wertvollem, das der Mann darin vermutet, 174

20.02.1962

SchlüsselSchloss

Wie kann sich eine Pistole in einen «Schlüssel» verwandeln? Meint hier jemand, eine Psyche liesse sich mit Gewalt «öffnen», indem ihr eine Pistole auf die Brust gesetzt wird? Dass ein solcher «Schlüssel» nicht «passt», bedeutet, dass ein gewaltsames Eindringen in ihre Psyche bei der Träumerin nicht ankommt und dass sie an ihrem Recht auf «Selbstbewahrung» und «Selbstbestimmung» festhält. Auffallend ist, dass es ein «Psychologe» ist, der meint, dass «Gewalt» ein geeigneter Schlüssel zur Psyche einer Frau sein könnte.

28.02.1962

SchlüsselSchloss

Ich beschliesse, mein Zimmer mit Schloss und Riegel zu versehen und den Schlüssel immer bei mir zu tragen, 177

28.02.1962

SchlüsselSchloss

Hier werden drei Elemente des Verschliessens genannt: Schlüssel, Schloss und Riegel. Diese Verdreifachung könnte eine Verstärkung des Bedürfnisses nach Abgrenzung bedeuten, die Recht auf Selbstbestimmung und Autonomie schützen soll. Die Sequenz redet von Massnahmen für eine klare Setzung der Grenzen. Die Träumerin versieht ihre Eigenwelt (Zimmer) mit Schloss, Schlüssel und einem Riegel, was heisst, sie beansprucht Selbstbestimmung und «Definitionsmacht» bezüglich ihres eigenen Lebens.

17.01.1963

SchlüsselSchloss

Ich habe die Zündschlüssel in meinem Auto stecken gelassen. Er wird von einem einsam lebenden Mann gestohlen, 232

17.01.1963

SchlüsselSchloss

Jemanden die «Zündschlüssel» zu stehlen, bedeutet, eine Person ihrer Energien und Lebensfreude zu berauben. Zu einer solchen Beraubung kann es kommen, wenn eine schwer depressive Person sich an uns klammert und von uns erwartet, dass wir unser Leben total auf sie einstellen, weil sie meint, dadurch von ihren Leiden erlöst zu werden. In Wirklichkeit ist es eher so, dass wir Gefahr laufen, selber krank zu werden. Die Sequenz scheint auf eine solche Gefahr hinzuweisen. Während die Träumerin in 177 ihrem Bedürfnis nach Grenzen nachkam, ist sie bezüglich der Erhaltung ihrer Kräfte und Energien allzu unbesorgt. - Die Sequenz enthält die Aufforderung, sorgfältiger mit den eigenen Kräften umzugehen.

10.03.1965

SchlüsselSchloss

Es heisst, wer sich hinter einer verschlossenen Türe befinde, sei vor einem bösen aggressiven Mann sicher, vor dem die Menschen fliehen, 343

10.03.1965

SchlüsselSchloss

Zwei Jahre nach 232 redet diese Sequenz wieder vom Bedürfnis nach einer «verschlossenen» Türe, also vom Bedürfnis nach Abgrenzung. Dies, nachdem dort allzu leichtfertig der «Zündschlüssel» zum «Auto» stecken gelassen worden war. Hier wird klar deklariert, wogegen die Abgrenzung gerichtet ist: gegen ein aggressives männliches Verhalten. Die Sequenz enthält die deutliche Aufforderung an die Träumerin, sich abzugrenzen und zwar in einer Art und Weise, dass die Grenze nicht überschritten werden kann (Schloss und Schlüssel). In einer Therapie wäre mit der Klientin zu eruieren, für wen oder was der «böse Mann» steht.

08.01.1967

SchlüsselSchloss

Mein Bruder K. übergibt mir feierlich einen Schlüsselbund mit drei Schlüsseln. Aber ich traue der grosszügigen Geste nicht, 452

08.01.1967

SchlüsselSchloss

Zu «Schlüsselbund» assoziiere ich spontan die «Schlüsselgewalt» der Frau in einem bürgerlichen Haushalt. Im übertragenen Sinn bedeutet die Übergabe eines Schlüsselbundes die freiwillige Öffnung der Psyche für eine andere Person, den freien Zugang zur eigenen Seele. Die Sequenz teilt jedoch zugleich mit, die Träumerin misstraue dieser Schlüsselübergabe. Diese Ambivalenz der Gefühle soll sie zur Kenntnis nehmen.

31.07.1977

SchlüsselSchloss

Zwei Eisenplatten an Vaters Grab bilden Schloss und Schlüssel zu einem Gebilde und zu Dingen, die ich in einer Vision gesehen habe, 703

31.07.1977

SchlüsselSchloss

Hier geht es um die «Schlüssel» zu einem «Gebilde», das die Träumerin in einer «Vision» gesehen hat, aber noch nicht weiss, was die Schlüssel wirklich eröffnen könnten. Immerhin ist der Sequenz zu entnehmen, dass die «Vision» mit «Vaters Grab» zu tun hat. Über diesen Sachverhalt soll die Träumerin meditieren und nachdenken. Sie könnte aber auch einfach zuwarten, bis die Psyche sich in weiteren Träumen deutlicher äussert.

29.09.1982

SchlüsselSchloss

Mein Arbeitsraum ist gegen die Strasse offen und gleichzeitig geschlossen, 816

29.09.1982

SchlüsselSchloss

Die Rede von einem gleichzeitig geschlossenen und offenen Arbeitsraum könnte auf eine erworbene Fähigkeit hinweisen, sich sowohl abgrenzen als auch seelisch öffnen zu können, je nach Situation und Notwendigkeit.

26.02.1994

SchlüsselSchloss

Eine Gastprofessorin aus den USA verlangt vom Abwart der Universität eigene Schlüssel zu Universitätsräumen. Zu meinem Erstaunen erhält sie diese Schlüssel, 946

26.02.1994

SchlüsselSchloss

Der Anspruch auf «eigene Schlüssel» zu Universitätsräumen klingt zunächst vermessen. Ich verstehe die Schlüsselforderung als Anspruch aufs «Selberdenken» und «Selberfühlen» und darauf, das Leben selber zu gestalten. - Die Träumerin wird mit feministischen Ansprüchen auf Universitätsebene konfrontiert und scheint wahrzunehmen, dass bei feministischen Akademikerinnen unter Umständen neue Dinge und Verhältnisse möglich sind (siehe Annegret Stopczyk: Nein danke, ich denke selber. Philosophieren aus weiblicher Sicht, BN 711).

08.10.1963

Schuhe

Ich ziehe Schuhe und Rock aus und springe ins Wasser, um meinen ertrunkenen Bruder K. zu retten, 244

08.10.1963

Schuhe

Schuhe und Rock sind Gegenstände, die den menschlichen Körper schützen sollen. Wenn wir uns aber im Wasser befinden, werden Schuhe und Rock zu einer Gefahr. Wassergetränkte Schuhe und Kleider machen uns unbeweglich und schwer, so dass es ganz richtig ist, dass sich die Träumerin beider Dinge entledigt. Die Symbolik dieser Handlung könnte bedeuten, dass wir, wenn wir in unsere Tiefenschichten eintauchen, auf einige Schutzhüllen verzichten müssen, um die nötige Flexibilität zu bewahren. Dies gilt insbesondere auch, wenn wir meinen, eine andere Person «retten» zu müssen (vielleicht vor einer tiefen Depression), oder einen Inhalt, der in unsere seelischen Tiefenschichten versunken ist. Leicht könnte es passieren, dass wir selber im «Wasser» der Tiefenschichten versinken und ertrinken. - Die Sequenz berichtet von einer «Rettung» aus einer solchen Gefahr, sei diese Gefahr auf der Subjektebene oder Objektebene zu verstehen.

21.12.1958

Spiegel

Eine junge Frau presst einen zerbrochenen Spiegel an ihr Gesicht, als ob der Spiegel ihr liebstes Besitztum wäre, 11

21.12.1958

Spiegel

Der Spiegel steht für Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis und ebenso für die Wahrnehmung durch andere Menschen. Beide Formen der «Spiegelung» sind notwendig für unser Existenz- und Wirklichkeitsgefühl. Die «Spiegelung» hat auch mit Identitätsfindung und Identität zu tun. Sich im «Spiegel» zu betrachten besagt auf der Subjektebene, sich selber wahrnehmen, spüren, erkennen und reflektieren zu können. Daher ist auch der zerbrochene Spiegel noch wertvoll, den die junge Frau wie ihr liebstes Besitztum an ihr Gesicht presst. Dies gilt besonders, wenn eine freundschaftliche Spiegelung ihrer Eigenwelt, der Gesamtheit ihres Denkens und Fühlens, ausbleibt. Denn ohne Spiegelung würde sie jedes Wirklichkeitsgefühl und jede Lebenskraft verlieren. - Die Sequenz berichtet über die Gefahr von Selbstentfremdung, aber ebenso von einem spontanen Heilungsversuch, indem die Träumerin festhält an ihrem eigenen «Spiegel», obgleich der «zerbrochene» Spiegel von Einschränkung der Möglichkeiten im Bereich des Erkennens und Spürens von Wirklichkeit sprechen könnte.

03.10.1961

Spiegel

Die Freundin meines Bruders K. steht vor dem Spiegel und beschäftigt sich wohlgefällig mit ihrem Aussehen. Ich selber gehe in die Küche, 161.

03.10.1961

Spiegel

Die Sequenz scheint der Träumerin sagen zu wollen, sie solle von einer selbstgefälligen Spiegelung nichts erwarten. Dass sie in der Folge in die Küche geht, könnte auf zwei Arten ausgelegt werden: Dass sie sich in die alte Rolle von «Küche, Kinder und Kirche» drängen lässt, oder aber, dass sie die «Küche» anders interpretiert als üblich, indem sie die Küche metaphorisch als Ort der «Wandlung» und Erneuerung versteht.

01.11.1977

Spiegel

Durch den Spiegel neben meinem Bett kann ich die Bewegungen meiner Hände wahrnehmen, und zugleich weit entfernte Geschehnisse oder unbekannte Teile meiner Seele, 708

01.11.1977

Spiegel

Die Bedeutung dieses Spiegels neben dem Bett kommt sehr nahe an die Vorstellung der ÄgypterInnen heran, die ihre Spiegel als Seelenträger verstanden haben. Spiegel und Spiegelung werden in dieser Sequenz nicht als eine unfruchtbare narzisstische Selbstbespiegelung aufgefasst, sondern als ein Instrument des Wahrnehmens und Erkennens, die weit entfernte äussere Vorgänge betreffen und ebenso Vorgänge in den Tiefenschichten, die weit abseits des bisher Erkennbaren zu sein schienen. Bedeutsam scheint mir, dass diese «Spiegelungen» aus «Bewegungen der Hände» der Träumerin resultieren, also aus «Handarbeit» oder einem allgemein tätigen Handeln. - Diese Sequenz könnte als ein Versprechen aufgefasst werden, dass durch «Bewegung der Hände», also durch ein aufmerksames Wahrnehmen und Beobachten der äusseren und inneren Wirklichkeit schliesslich möglich sei, an einem vertiefteren Verständnis und Wissen teilzuhaben und entsprechend handlungsfähig zu werden.

06.05.1959

WeitereDinge

Als der Mond aufgeht, löst sich meine Verwirrung, und auch meine Mutter erwacht, 27

06.05.1959

WeitereDinge

Der Mond, die Mondin, verweisen in der Mythologie auf erkenntnismässig erhellende Aspekte. In Zentralasien wurde ihr runder himmlischer Körper als Spiegel beschrieben, der alles in der Welt reflektiert . - Die Sequenz verweist auf die Bedeutung der Reflexion. Die Träumerin soll sich ihrer Fähigkeit, zu denken und zu reflektieren erinnern und sich ihrer bedienen (801, 470), um aus einer Situation von «Verwirrung» und Gefühlsverwirrung heraus zu kommen.

12.10.1960

WeitereDinge

Ich meine, ein Schriftstück könnte aufdecken, dass ein Ehepaar mich auf dem Markt zum Verkauf anbieten will und dass die beiden Mädchenhändler seien. Aber ich müsste eine Beziehung zu diesem Schriftstück finden, 142

12.10.1960

WeitereDinge

Ein «Schriftstück» bezeichnet nicht irgend etwas Geschriebenes, sondern ein relevantes Dokument, ein juristisches Beweisstück, mit dem zu «beweisen» wäre, dass eine gravierende Sache in Gang ist, obgleich sie unsichtbar ist. Die Sequenz behauptet, die Träumerin werde zum «Verkauf» angeboten, was zunächst unglaubhaft bis lächerlich anmutet. Aber «verkauft» zu sein bedeutet, dass eine Person sich einer Sache hilflos ausgeliefert und im Stich gelassen fühlt (Brockhaus 2004). - Aber was bedeutet die Erklärung, die Träumerin müsste eine «Beziehung» zu dem Schriftstück finden, das als «Beweis» gelten könnte? Einen solchen «Beweis» würde später das Buch einer Feministin erbringen, aber im Jahre 1960 wollte noch niemand sehen, dass Frauen «Das verkaufte Geschlecht» sind, wie der Titel des Buches behauptet (ID-Buch 1132). - Die Sequenz weist auf jeden Fall auf eine Gefahr hin und rät der Träumerin, genau hinzusehen, was in Gang sei oder was ihr passieren könnte.

04.11.1963

WeitereDinge

In meinem Heimatort betrachte ich den Sternenhimmel. Meine Schwester M. versucht mich daran zu hindern, 252

04.11.1963

WeitereDinge

Der «Sternenhimmel» ist ein Phänomen der Nacht. «Sterne» erhellen das «Dunkel» der seelischen «Nacht», während ein «Sternenhimmel» zu den grossen Ereignissen des Lebens gehört, die uns in einem besonders dunklen seelischen Tiefstand erreichen können im Sinne von Rilkes Erfahrung, dass in grosser Gefahr auch «das Rettende» wächst.

10.12.1966

WeitereDinge

Ich wickle Mutters handgehäkelte Decke um ein Baby, um es in der Kühle des Abends und beim Bergabstieg warm zu halten, 437

10.12.1966

WeitereDinge

Die «handgehäkelte Decke» symbolisiert selber erarbeitete Inhalte, die zudem die Fähigkeit haben, uns oder andere zu wärmen. Sie versorgt ein «Neugeborene», das wachsen und werden und in die Welt hineinkommen will, mit wärmender Anteilnahme und Interesse. Erfreulich ist, dass dies der Produktion oder dem Produkt (Baby) einer anderen Frau zukommt.

12.05.1967

WeitereDinge

Ich stelle eine Leiter an, damit andere Leute das viele Obst auch sehen können, das ich von oben gesehen habe. Aber die Leiter gibt nach und ich falle zu Boden, 463

12.05.1967

WeitereDinge

Die Leiter symbolisiert hier eine neue Perspektive, mittels der auch andere Leute die köstlichen Dinge sehen können wie sie die Träumerin sieht (Früchte). Die mangelnde Stabilität der «Leiter» verhindert diese übergeordnete Sicht, das heisst, die Vermittlung der neuen Perspektive schlägt fehl.

05.01.1973

WeitereDinge

Während ich am Schreibtisch sitze, erinnert mich ein Mann an seinen Heiratsantrag, aber ich fühle mich gestört. Er jedoch meint, er habe die an ihn gestellte Aufgabe ausgeführt, 622

05.01.1973

WeitereDinge

Die Arbeit am Schreibtisch symbolisiert die Arbeit am «Eigenen», an den eigenen Interessen und den selbst gewählten Aufgaben. Ausgerechnet bei einer solchen intensiven Arbeit unterbrochen zu werden, macht verständlich, dass sich die Träumerin gestört fühlt. Noch verständlicher wird ihr Ärger im Hinblick auf die Ursache der Unterbrechung: Sie wird an einen Heiratsantrag erinnert, für den sie offenbar keine Begeisterung aufbringen kann. Dass sich der Antragsteller von seinem Vorhaben nicht abbringen lässt unter Berufung, er habe ausgeführt, was sie als Voraussetzung für eine Ehe gefordert habe, könnte auf allzu unterschiedliche Auffassungen über Heirat und Ehe hinweisen: Auf der einen Seite die Auffassung, einzelne Handlungen vermöchten ein tieferes Einverständnis zu erzeugen, auf der anderen Seite die Erfahrung, dass die Tiefenschichten nicht zu erreichen sind, wenn das Gespür für die wichtigsten Dinge der PartnerIn fehlt. - Auf die Objektebene bezogen, berichtet die vorliegende Sequenz, dass bei einem Manne, der die Träumerin für sich gewinnen will, das Gespür für ihre wichtigsten Dinge fehlt (er stört sie beim Schreiben, anstatt auf eine Situation zu warten, die für einen erneuten Antrag geeigneter wäre). Auf der Subjektebene könnte die Sequenz von der Schwierigkeit der Träumerin reden, eigenständige Schreibarbeit und Heirat unter einen Hut zu bringen.

30.10.1963

WeitereFahrzeuge

Auf einer Rutschbahn gelange ich in rasender Fahrt zum anderen Ufer. Ich muss aufpassen, dass ich nicht herausfalle oder aus der Bahn gerate und ins Wasser falle, 250

30.10.1963

WeitereFahrzeuge

Die Rutschbahn ist kein Selbstbeweger, sie funktioniert nur im steilen Gelände und an Abhängen. Die Fahrt geht von oben nach unten und ist nicht umkehrbar und bewegt sich innerhalb einer festgelegten Bahnung, ist also nicht dem Zufall anheimgestellt. Dennoch ist eine rasende Fahrt in einer Rutschbahn nicht ganz ungefährlich. Nur mit voller Körperbeherrschung und Konzentration lässt sich ein solches Unternehmen ohne Schaden bestehen. - Rutschbahn und rasende Fahrt symbolisieren eine sich «rasend schnell» entwickelnde Situation und Veränderung im Leben. Dabei wird nicht deutlich, ob die Fahrt eine freiwillig gewählte oder notwendige ist. Tatsächlich gibt es im Leben immer wieder Situationen, die eine rasche Entscheidung und ein rasches Handeln erfordern.

01.11.1967

WeitereFahrzeuge

In einem Einbaum rudere ich flussaufwärts, 496

01.11.1967

WeitereFahrzeuge

Der Einbaum ist ein aus einem einzigen Baumstamm gefertigtes Boot, das heute noch in afrikanischen und anderen urtümlichen Kulturen verwendet wird. Es ist von Hand gemacht und muss zudem mit der Kraft der eigenen Arme und Hände betrieben werden (rudern). Das Boot bietet einer einzigen Person Platz. - Der Einbaum könnte demnach auf eine urtümliche Form von Autonomie hinweisen, die auf Geschicklichkeit und Kraft einer einzigen Person baut (Bootsbau und Rudern). - Die Träumerin scheint sich ganz und gar auf eigene Geschicklichkeit und Kraft zu verlassen, oder genötigt zu sein, dies zu tun.

01.08.1974

WeitereFahrzeuge

In einem kleinen Boot rudere ich mit Familie über einen Bergsee im Hochgebirge und fühle mich allen Naturgewalten ausgeliefert, 665

01.08.1974

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Ein kleines Ruderboot hat den Vorteil, dass es von allen einigermassen kräftigen Frauen und Männern in Bewegung gesetzt werden kann. Die Sequenz verweist jedoch auf die Nachteile des kleinen Bootes: Es bietet keinen Schutz gegen Naturgewalten, die ja in den Bergen besonders heftig wirken können. - Die «Naturgewalten» können sowohl die psychophysische Realität, die «Natur» des eigenen Inneren bedeuten als auch die «Natur» von anderen Menschen darstellen, denen sich ungeschützt auszusetzen bekanntlich nicht ganz ungefährlich ist. Dies dennoch zu tun, kann als ein Zeichen von Mut und Kraft verstanden werden. Diese Qualitäten sollen durch den Aufenthalt im Naturraum gestärkt werden, sofern nicht andere Zeichen auf Naivität, reine Abenteuerlust oder Vermessenheit hinweisen. - Das kleine Boot steht für das «Eigene», das Subjekt der Träumerin. Dieses «Eigene» den Naturgewalten auszusetzen, könnte bedeuten, dass die Träumerin ein starkes Bedürfnis nach Naturverbundenheit und «Echtheit» hat, während die Sequenz zudem auf den Preis aufmerksam macht, der allenfalls für die Verwirklichung von «Naturverbundenheit und Echtheit» bezahlt werden muss.

09.02.1976

WeitereFahrzeuge

Ein Mann steuert seinen «Einbaum» bei wenig Wasser und sehr geschickt über gefährliche Stellen eines steilen Bergbaches hinunter. Der Einbaum besteht aus Stein, 685

09.02.1976

WeitereFahrzeuge

Das Wort «Einbaum» bezeichnet üblicherweise ein Boot, das aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht und sich als sehr tragfähig auch in «wilden» Gewässern und Bergbächen erweist. Ganz unvorstellbar ist dagegen, dass ein Boot aus Stein bestehen könnte, da es zufolge seines Schwergewichts im Wasser unweigerlich untergehen würde. Die Sequenz beschreibt jedoch, warum dies im konkreten Fall nicht geschieht. Es besteht eine Situation, in der nicht so sehr die Tiefe eines Gewässers eine Rolle spielt. Vielmehr macht ein Zuwenig an Wasser eine ungewöhnliche Fahrt möglich. Der Bergbach führt nicht nur zu wenig Wasser, er ist auch sehr steil und führt über felsiges Gestein, an dem ein Holzboot unweigerlich zerschellen müsste. Ein Boot aus Stein dagegen macht das scheinbar Unmögliche möglich: Es rutscht über nasses Gestein und Felsen hinunter, wie wenn dies kein Problem wäre. - Die Sequenz könnte darauf hinweisen, dass es Situationen geben kann, in denen es «hart auf hart» geht. Dass aber manchmal, wenn wir in schwierigen oder ausweglos scheinenden Situationen trotzdem «mit der Natur» gehen, anstatt «gegen die Natur» handeln, selbst Dinge möglich sind, die wir für unmöglich gehalten haben. Allerdings ist zu bedenken, dass die Sache mit dem Steinboot hier nur funktioniert, weil die Fahrt nach unten verläuft.

18.10.1978

WeitereFahrzeuge

Mit drei Frauen sitze ich im Anhänger einer öffentlichen Bahn ohne Dach, ohne Sitzplätze und ohne Handgriffe. So können wir uns nirgends festhalten, 728

18.10.1978

WeitereFahrzeuge

Die Bahn ist ein öffentliches Fahrzeug. Die Bahn in dieser Sequenz ist schlecht ausgerüstet. Die reisenden Frauen müssen gewissermassen mit einem Viehwagen vorlieb nehmen: ihre einfachsten Bedürfnisse nach Sicherheit, und Unversehrtheit und gesundheitlichen Rücksichten werden im öffentlichen Verkehr übergangen. - Auf der Subjektebene soll sich die Träumerin fragen, ob sie das Gefühl hat, ihre einfachsten Bedürfnisse bezüglich ihrer Ansprüche an den öffentlichen Raum würden übergangen, und ob auch sie selber zu wenig auf ihre Bedürfnisse und Gesundheit achtet.

 

Werkzeuge

Fazit zu Werkzeuge

 

Werkzeuge

Fazit von Kathrin K.: Es fällt auf, dass «Werkzeuge» fast immer Waffen sind oder als Waffen eingesetzt werden. Ferner fällt auf, dass Waffen am häufigsten in den Händen von Männern sind und gegen Frauen verwendet werden - Sicher werden mit diesen Träumen Ängste ausgedrückt, die die patriarchalen Strukturen aus der Sicht der Frau spiegeln. - Die Aggressionen sind gerichtet gegen Frauen, gegen schwache Männer, gegen Kinder. - Die Waffenträger sind die (vermeintlich) «richtigen» Männer.

30.07.1959

Werkzeuge

Ich und eine andere Frau werden mit einem Revolver bedroht, von einem Mann, 60

30.07.1959

Werkzeuge

Revolver, Pistolen und Gewehre und andere längliche Gegenstände stehen in der Psychoanalyse für das männliche Geschlechtsorgan. Im Unterschied dazu interpretiert die Philosophin Luisa Muraro den Revolver und ähnliche «Geschosse» als «Denkgeschosse», die sie in «Begriffen und Definitionen» übers «Weibliche» bzw. über denkende Frauen ausmacht, die diskriminierend und verletzend seien. - Die «Bedrohung» geht demnach von patriarchalen Begriffen und Definitionen aus, die zu dieser Zeit (1959) auch die Tiefenpsychologie prägten. Durch diese Begriffe und Definitionen, die bis heute nicht revidiert wurden, werden Frauen in ihrer Persönlichkeit verletzt und sich selbst entfremdet.

11.09.1959

Werkzeuge

Ein älterer Mann richtet den Revolver gegen mich. Er war als Fotoapparat getarnt, 78

11.09.1959

Werkzeuge

Der Fotoapparat steht im Grunde für dasselbe wie der Spiegel, nämlich für «Spiegelung» bzw. Wahrnehmung von Menschen und ihrer Lebenswelt. Bezogen auf Psychotherapie besagt die Sequenz, der «Fotoapparat» sei nur Tarnung, es sei keine Bereitschaft zur Wahrnehmung der Träumerin vorhanden. Vielmehr stecke hinter der Vorgabe von Interesse an der Person eine aggressive oder vereinnahmende Absicht (Revolver, Pistole).

11.09.1962

Werkzeuge

Mit einem Küchenmesser sticht ein steinzeitlicher Mann in die Brust eines kleinen Mädchens, das ich im Traum selber bin. Aber der Mann trifft sich selber, 208

11.09.1962

Werkzeuge

Das «Küchenmesser» verweist auf die Küche als Ort des verletzenden Geschehens. Die «Küche» symbolisiert ganz allgemein den Ort von Veränderung und Erneuerung und somit auch die psychotherapeutische Praxis. Auf die Psychotherapie-Küche bezogen würde dies besagen, dass in ihr, anstelle von Erneuerung, etwas Schlimmes passiert. Der weiblichen Person wird eine erhebliche Verletzung im Persönlichkeitsbereich zugefügt. Die Verletzung betrifft vermutlich das Selbstbewusstsein, das durch die sexistische Deutungspraxis permanent verletzt wird, die der analytischen Psychotherapie-Theorie immanent ist.

18.11.1963

Werkzeuge

Der Brillenmacher gibt mir ein Gerät und sagt, ich solle meine Brillengläser selber anpassen, 255

18.11.1963

Werkzeuge

Ein zur Verfügung gestelltes «Brillen-Anpassgerät» steht für die Gewährung von «Selberdenken» und Autonomie. Die eigene «Brille» aufsetzen zu dürfen, bedeutet, die eigene «Sichtweise» entwickeln zu dürfen, die eigenen Erfahrungen in den Prozess der Selbstwerdung einbringen zu dürfen, eine eigene Perspektive zu entwickeln. Dass dieses wundersame Gerät von einem «Brillenmacher» zur Verfügung gestellt wird, mit der Aufforderung, sich die «Brillengläser» selber anzupassen, könnte auf der Objektebene auf einen konkreten Mann hinweisen. Auf der Subjektebene könnte der «Brillenmacher» auf eine innere Gestalt der Träumerin selber hinweisen, von der sie zum Selberdenken, zum Formulieren ihrer Weltsicht aufgefordert wird.

20.11.1963

Werkzeuge

Ein Maschinenteilchen ist beim Wasser-Kraftwerk ins Wasser gefallen. Ich mache mich auf die Suche nach dem Teilchen, 257

20.11.1963

Werkzeuge

Die «Maschinenteile» eines «Kraftwerks» stehen für Aspekte des menschlichen Energie-Systems, wobei die Metapher «ins Wasser gefallen» besagt, dass diese Kräfte oder Energien zur Zeit nicht zur Verfügung stehen. Aber die Träumerin nimmt dies nicht einfach hin, denn sie scheint Mittel und Wege zu suchen, um Kräfte und Energien zurück zu gewinnen.

28.12.1963

Werkzeuge

Ein fliegendes Messer soll mich wie «zufällig» töten, nachdem ich einem Mann eine scheinbar harmlose Handlung verweigert habe, die mich selber geschädigt hätte, 263

28.12.1963

Werkzeuge

Dieses «Messer» steht für einen Erpressungsversuch, wobei die Sequenz keine Hinweise gibt, wer oder was hinter diesem Versuch steckt.

25.12.1964

Werkzeuge

Man beschuldigt mich, einen Schirm gestohlen zu haben, 314

25.12.1964

Werkzeuge

Schirm: Für die Psychoanalyse steht der Schirm, wie alle länglichen Gegenstände, für das männliche Geschlechtsorgan, hat also sexuellen Charakter. In diesem Zusammenhang steht hier der Vorwurf an die Träumerin, sie habe einen Mann widerrechtlich sexuell «genommen». Die Frage ist hier, von wem oder was dieser Vorwurf stammt, ob von einer Über-Ich-Instanz, dem angelernten Moralischen oder von einem konkreten Mann, der der Träumerin vorgeben will, was sie in Sachen Liebe tun dürfe und zu lassen habe.

30.10.1965

Werkzeuge

Der tüchtige Sohn einer begüterten Familie wirft seinem weniger tüchtigen Bruder ein Messer zu: Er soll seinem Leben ein Ende setzen, 361

30.10.1965

Werkzeuge

Dieses «Messer» verweist auf zwei konträre Vorstellungen über das richtige Funktionieren der Welt sowie über die «Nützlichkeit» von Tätigkeiten und Menschen. Dabei möchten Instanzen eines materiellen Tüchtigkeitsdenkens das weniger Tüchtige aus der Welt schaffen. Auf der Subjektebene wären sowohl der tüchtige als auch der untüchtige Sohn als «männliche» Komponenten der Träumerin selber zu verstehen. Auf der Objektebene könnte die Aufforderung zum Suizid besagen, dass äussere Instanzen die Träumerin auffordern, auf das eigene innere «Männliche» zu verzichten, ihre selbstbestimmte Eigenwelt und das Selberdenken zu eliminieren. Die Sequenz redet von einer äusseren Situation oder einer Beziehung, die sich für die psychische Existenz der Träumerin tödlich auswirken könnte.

19.09.1966

Werkzeuge

Einem Schlächter entreisse ich das Beil, mit dem er einen Knaben hinrichten will, der bei seiner Grossmutter aufgewachsen ist, 421

19.09.1966

Werkzeuge

Das «Beil», die Axt, ist eigentlich ein Werkzeug für Holzbearbeitung, wird hier jedoch als Schlachtbeil benützt. Wie schon in 361 richtet sich die Aggression gegen ein männliches Wesen und der Aggressor ist hier wie dort ein Mann. Es wird auch der Grund für die beabsichtigte «Hinrichtung» angegeben: Der Knabe sei bei seiner «Grossmutter» aufgewachsen, was bedeutet, dass ihm die patriarchale Sozialisierung und «Zurichtung» fehlt. Schön ist in dieser Sequenz, dass die Träumerin sich mutig und aktiv einmischt ins Geschehen, indem sie dem angeheuerten Schlächter das «Werkzeug» entreisst, das ihn befähigt, ein sich entwickelndes, frauenfreundliches «Männliches» umzubringen.

25.09.1966

Werkzeuge

Eine Frau will aus dem Fenster springen. Sie war an Ketten gehalten und misshandelt worden, 423

25.09.1966

Werkzeuge

Jemanden an «Ketten» zu halten steht für Formen der Einengung und Zwang, die an Gefängnis und Krieg erinnern, wobei die Quälerei diese Assoziation noch verstärkt. Die Sequenz sagt nichts darüber aus, wer oder was sich hinter der Kettenhaltung verbirgt, dies herauszufinden, ist nun die Sache der Träumerin. Ihr Vorhaben, aus dem Fenster zu springen bedeutet, dass sie ein ihr unerträgliches Schicksal unter allen Umständen verändern will, und sei es um den Preis des Lebens. Der Sprung aus dem Fenster könnte nämlich leicht tödlich verlaufen. Aber was könnte sie anderes tun in einer ausweglos scheinenden Situation?

08.01.1967

Werkzeuge

Dem Gauner, der mich töten will, nehme ich den Hammer ab und nehme mir vor, ihn und seinen Komplizen damit zu töten, 452

08.01.1967

Werkzeuge

Der «Hammer» ist an sich ein sehr nützliches Werkzeug, auch für den Hausgebrauch, soll hier jedoch zu Tötungszwecken eingesetzt werden. Die Metapher, dass ein Haus «unter den Hammer» kommt, bedeutet eine Zwangsversteigerung, die totale Inbesitznahme eines Hauses im Rahmen einer «Gant» unter unfreiwilligen oder notvollen Umständen. Das Entreissen des «Hammers» steht für die Absicht der Träumerin, die Inbesitznahme eines «Hauses» zu verunmöglichen und schliesslich das eingesetzte «Werkzeug» gegen den Aggressor zu richten. - Die Sequenz redet von der Gefahr, als Individuum total in «Besitz» genommen bzw. ausgelöscht zu werden. Die Träumerin wird aufgefordert, die Strategie der «Umkehrung» anzuwenden, wie sie bspw. in gewissen östlichen Kampfsportarten angewendet wird.

25.02.1967

Werkzeuge

Ich hole Werkzeuge und Kleider aus dem brennenden Ritterhaus, 455

25.02.1967

Werkzeuge

«Werkzeuge» und Kleider werden aus einem brennenden Haus von der Träumerin gerettet. Aber warum ausgerechnet Werkzeuge und Kleider? Weil die eigenen Kleider die eigene Identität symbolisieren, während den «Werkzeugen» die wichtige Aufgabe zukommt, eine solche eigene Identität zu schaffen, aufzubauen und zu begründen. Kleider symbolisieren das «Eigene», also alles, was zur eigenen Persönlichkeit gehört. Werkzeuge dagegen beinhalten alles, was zum Arbeiten und Schaffen und Erschaffen einer eigenen Identität gehört.

05.09.1968

Werkzeuge

Mit einem Messer schneidet sich eine junge Frau Teile ihres Mundes und einer Backe weg. Ich denke entsetzt, warum sie sich für den Bauern schlachtet, 533.

05.09.1968

Werkzeuge

Der Gebrauch des «Messers» ist hier ein grauslicher. Noch entsetzlicher ist, dass es um eine Selbstverstümmelung geht. Indem diese Verstümmelung den Mund betrifft, das Werkzeug des Sprechens und der Sprache, deute ich diese als eine extreme Form der «Selbstzensur», die hier im Verhältnis zu einem Mann (Bauer) geschieht. Das heisst, dass sich die Frau «den Mund» verbietet, dass sie nicht sagt, was sie im Innersten denkt, vielleicht um den Mann nicht zu verletzen. Hätte sie nichts zu sagen, müsste sie sich nicht den «Mund» verbieten.

09.08.1971

Werkzeuge

Ein Speer wird durch einen Türspalt gestossen. Eine schwangere Frau will mich töten, 603

09.08.1971

Werkzeuge

Der «Speer» steht in der patriarchalen Symbolik für das männliche Geschlechtsorgan und also für «Männlichkeit» und männlichen «Geist». Dass hier ein solcher Speer von einer Frau geführt wird, die erst noch schwanger ist, ist nicht unmittelbar zu verstehen. Meine Kollegin Kathrin K. meint dazu, eine schwangere Frau bedeute Kraft, Potenz und - wie schon mehrmals erwähnt - Kreativität. Dass sich Frauen durchaus patriarchal verhalten könnten, sei eine Erfahrung, die wir alle machten. Ihr scheine, es gehe hier um innere Konflikte, um die Auseinandersetzung mit den «patriarchalen» Instrumenten.

26.12.1971

Werkzeuge

Mit einem Gewehr zwingt ein junger Bursche zahlreiche Leute zum Stehenbleiben, 612

26.12.1971

Werkzeuge

Mit «Gewehr» zum «Stehen bleiben» gezwungen zu werden deute ich hier so: Die Leute inklusive die Träumerin werden an ihrem Fortkommen gehindert bzw. an ihrer Weiterentwicklung im geistig/seelischen Bereich.

19.05.1977

Werkzeuge

Eine zirka 17-jährige Klientin telefoniert: Sie habe oft das Gefühl, von einem «Blocher» überfahren zu werden, 699

19.05.1977

Werkzeuge

Der «Blocher» ist ein Haushaltgerät zum Glänzen des Bodens, und symbolisiert hier als solcher eine von Hausfrauen erwartete Tätigkeit, die weiss Gott dazu führen kann, dass die Frau als Subjekt «überfahren», das heisst ausgelöscht, wird. Hier wäre zu eruieren, auf wen oder was dieser Warntraum hinweist.

24.12.1977

Werkzeuge

Kleine Splittergeschosse verletzen mich und andere Leute auf der Strasse. Die Geschosse sind wie kleine Kugelschreiber, 711

24.12.1977

Werkzeuge

Der «Kugelschreiber» ist eigentlich ein Werkzeug des Schreibens, wird hier aber als ein «Geschoss» eingesetzt. Zum Begriff «Geschoss» assoziiere ich eine Aussage der Philosophin Luisa Muraro, die von «Denkgeschossen» redet, die sie in patriarchalen «Begriffen und Definitionen» ausmacht, mit denen wir Frauen «bombardiert» werden. Zu diesen gehören auch die «kleinen Kugelschreiber». Mittels des geschriebenen Wortes (Definitionen) wurden Frauen auf eine selbstentfremdete «Weiblichkeit» festgeschrieben. Die Traumsequenz sagt, dass dies in unserer heutigen Zeit weitergeht. Auf der Objektstufe wäre demnach zu eruieren, von wem oder was die Träumerin in ihrer Persönlichkeit oder weiblichen Identität attackiert und verletzt wird.

15.07.1980

Werkzeuge

"Besen, Besen, sei's gewesen. ", zitiert ein 8-10-jähriges Mädchen mit glänzenden Augen aus Goethes "Faust", 781

15.07.1980

Werkzeuge

Zu «Besen» assoziiere ich die den Frauen auferlegte häusliche Aufräume- und Putzarbeit, aber auch den «Hexenbesen», mit dem sich Frauen in die Lüfte gehoben haben sollen, um dem Hausfrauendasein kurzfristig zu entkommen (ID-Buch 801,172).

28.08.1982

Werkzeuge

Von alten Frauen und Männern werden Maschinenteile geschleppt, 809

28.08.1982

Werkzeuge

«Maschinenteile» sind Werkzeuge, mit denen auf individueller Basis nichts hergestellt werden kann. Sie stellen letztlich uneigentliche Werkzeuge dar, also Ballast, und erst recht für alte Menschen, die ja aus dem maschinellen Produktionsprozess ausgeschieden sind. Um «Eigentliches» zu schaffen, bedürfte es anderer «Werkzeuge» als jene, die diese alten Frauen und Männer herumschleppen. Die Forderung nach neuem «Werkzeug» würde hier bedeuten: Neue Sichtweisen, neue Perspektiven wären für beide Geschlechter nötig.

01.08.1959

Wertsachen

Ein Bauer erzählt von einer Frau, die von einer grossen Erbschaft lebe, die sie aber durch Beten verdienen müsse, 65

01.08.1959

Wertsachen

Die grosse Erbschaft betrifft hier zweifellos eine geistig/seelische, denn eine andere lässt sich nicht mit geistigen Mitteln verdienen (beten). Im Zusammenhang mit dem Wort «beten besagt die Sequenz, es komme der Frau kein legitimes Recht an dieser Erbschaft zu. Sie muss vielmehr um ihren Anteil bitten oder betteln, weil ihr offensichtlich kein anderes Erbe zur Verfügung steht (sie lebt davon). Ob es sich bei dieser Erbschaft um eine im tieferen Sinne wirklich erstrebenswerte handelt, lässt die Traumsequenz offen. Aber da zu dieser Zeit (1959) fast ausschliesslich patriarchale Erbschaften zur Verfügung standen, ist anzunehmen, dass die Sequenz von einer solchen berichtet. Das hiess: Wenn frau bereit ist, sich den Satzungen des Patriarchats und privat einem Manne unterzuordnen und lebenslang dienstbar zu sein, wird sie die Mittel zum Leben bekommen. - Auf der Subjektebene könnte die Sequenz die Träumerin zur Frage veranlassen, ob sie ihr Leben wirklich auf diese Betteltour gründen will, oder ob ihr nicht noch andere Mittel zur Verfügung stünden, um ein eigenständiges Leben führen zu können, wie zum Beispiel die Entfaltung eigener Fähigkeiten und Begabungen. Die Sequenz könnte zudem raten, sich des «Erbes» zu erinnern, das uns durch unsere Mütter und Grossmütter vermittelt wurde und sie nach dem darin enthaltenen Wertvollen zu befragen. Jedenfalls scheint die Sequenz zu vermitteln, dass «Erbschaften» so oder so nicht gratis zu haben sind, sondern mit Anstrengung verbunden sind.

27.04.1961

Wertsachen

Männer suchen im Abfallkübel meines Autos nach Schätzen und finden ein «Wunder», 150

27.04.1961

Wertsachen

Die Suche nach «Wertsachen» im Abfallkübel steht für das, was die analytische Psychologie als «Schattenbearbeitung» bezeichnet. Der «Schatten» beinhaltet Verdrängtes, Abgelehntes und «Böses», wobei die offizielle «Theoretikerin» des Jung-Instituts - Jolanda Jacobi - diesen Schattenbegriff um eine wesentliche Dimension erweiterte. Nach Jacobi beinhaltet der Schatten ganz allgemein das «Nichtgelebte», und das heisse, auch «Helles» und Positives, das mitleben möchte, und nicht nur «Dunkles» oder «Böses» (ID-Buch 1216, 168). Das im «Abfallkübel» gefundene «Wunder» könnte demnach «Wertvolles» bezeichnen, das zuvor nicht erkannt wurde, nun aber gesehen werden kann. Dass es Personen männlichen Geschlechts sind, die nach «Schätzen» suchen und zudem an einem Ort, wo üblicherweise keine Schätze zu erwarten sind, könnte als ein Positivum gewertet werden. Auf der anderen Seite könnte dies auch auf jene fragwürdige «wissenschaftliche» psychotherapeutische Haltung hinweisen, die wie gebannt auf die Offenlegung einer weiblichen Psyche starrt (nach Freud der «unbekannte Kontinent»), um schliesslich mit dem «Fund» zu prahlen.

20.11.1963

Wertsachen

Ich ziehe Silberschmuck in Form eines Herzens und andere Sachen aus dem Wasser, als ich nach Maschinenteilchen suchte, die hineingefallen waren, 257

20.11.1963

Wertsachen

Silberschmuck gehört zu den weniger wertvollen Sachen. Dieser Mangel erscheint durch die Form des Schmuckes ausgeglichen, dessen «Herzform» für Werte des Fühlens und Gefühls spricht. Die Maschinenteile dagegen könnten im Sinne von Agnes Heller eine partikulare Lebenseinstellung bezeichnen, wobei nach Annegret Stopczyk die Suche nach den partikular verstreuten Teilen die Suche nach einer weisheitlicheren Weltsicht und Lebensweise darstellen könnte. Das Resultat wäre schliesslich nicht eine leblose «Maschine», sondern eine warm pulsierende mehrdimensionale menschliche Persönlichkeit.

13.12.1965

Wertsachen

Eine Kiste enthält etwas Wertvolles, das hoch explosiv sein soll. Mein Bruder K. will sich die Kiste widerrechtlich aneignen, 370

13.12.1965

Wertsachen

Hier ist in unbestimmter Weise von etwas «Wertvollem» die Rede. Dieses könnte, da es sich im Weiblichkeitssymbol «Kiste» befindet und zudem «hoch explosiv» ist, das weibliche Geschlecht darstellen. Das Bild erinnert an die Klitoris, die tatsächlich hoch dynamisch ist und sich in der «Kiste» der Vulva befindet. Das «Wertvolle» könnte demnach die «eigenleiblich selbstbestimmte» Dynamik der Sexualität bezeichnen. So gesehen könnte das Bild als Ausdruck einer vitalen weiblichen Sexualität aufgefasst werden, die zudem, weil die ganz Vulva einbezogen ist, auf eine die ganze Persönlichkeit umfassende Sexualität schliessen liesse. Der Mann allerdings, der sich dieser «Kiste» und der dazu gehörenden Persönlichkeit gegenüber sieht, scheint zu glauben, sie liesse sich problemlos aneignen und vereinnahmen. - Durch diese Traumsequenz könnte die Träumerin belehrt werden, dass eine derartige Auffassung «widerrechtlich» sei, das heisst ein Unrecht gegenüber der Frau. Durch diese Belehrung erhält die Träumerin die Möglichkeit, sich zu fragen, ob sie auf eine derartige Annäherung eingehen will.

21.12.1965

Wertsachen

Durch den Erwerb von wertvollen Kunstgegenständen bin ich in die Sphäre gefährlicher Mächte geraten. Ich war mir ihres hohen Wertes nicht bewusst, 373

21.12.1965

Wertsachen

Die Kunstgegenstände dieser Sequenz gehören vermutlich zu der unscheinbaren Sorte der Kunstwelt, da deren voller Wert nicht unmittelbar ersichtlich ist. Es handelt sich vermutlich um Bilder und Gestaltungen aus seelischen Tiefenschichten, die mit einem authentischen und somit schwierigen Leben zu tun haben. Um welche Sorte von «Kunst» es sich hier handeln könnte, geht aus dem Kunstverständnis von Albert Camus hervor. Für Camus muss Kunst mit der «Wirklichkeit» und «Authentizität» eines Lebens zu tun haben, die «eine Auflehnung gegen das Flüchtige und Unvollendete der Welt» beinhaltet und der Wirklichkeit eine veränderte Gestalt geben wolle. Gleichzeitig sei der Künstler gezwungen, diese Wirklichkeit beizubehalten, weil sie «die Quelle seines Empfindens» darstelle. - Die Kunstgegenstände in dieser Sequenz, verstanden als kulturelle Errungenschaften auf der Subjektebene, könnten ausdrücken, dass die Träumerin durch ihr Leben in einer Art geformt und gestaltet worden sei, die sie für andere als «wertvoll» erscheinen lassen. Dies könnte allerdings auch auf eine zweischneidige Sache hinaus laufen, insofern als erworbene «Qualitäten» auch eine Möglichkeit darstellen, vereinnahmt zu werden.

11.02.1966

Wertsachen

Ich beisse auf ein Goldband, um meine Wut auf meinen verträumten Sohn nicht an ihm auszulassen, 390

11.02.1966

Wertsachen

Das «Goldband» weist auf zwei Formen von «Wertsachen». Als Schmuckstück hat es erotischen Symbolwert als Ausdruck von «Liebe», was immer das heissen mag. Im Wort «Goldband» ist ferner ein ambivalenter Sinn verborgen. Das Wort «Band» kann eine gute und vertrauensvolle Verbindung und Beziehung darstellen, anderseits könnte ein «Band» auf eine besitzergreifende Beziehung hinweisen. Aus Wut in ein solches Goldband hinein zu beissen, wäre aufgrund der erwähnten Ambivalenz seiner Bedeutung verständlich, sofern es sich um das Geschenk eines Mannes handelt. Aber die Wut richtet sich auf den Sohn und noch spezieller auf seine Verträumtheit. So gesehen könnte das «Goldband» auf der Objektebene auf eine Mutter-Sohn-Beziehung hinweisen, die als überfordernd empfunden wird wegen der idealtypischen mütterlichen Rolle. Auf der Subjektebene könnte eine Überforderung empfunden werden, die aus dem Individuationsprozess und den Forderungen des «Selbst» resultiert. So gesehen würde der «verträumte Sohn» für das Bedürfnis der Träumerin stehen, Zeit und Musse zu haben für die inneren Prozesse, die aber vehement abgewehrt werden müssen, um dem Alltag im beruflichen und privaten Bereich gerecht werden zu können.

16.10.1967

Wertsachen

Ich merke, dass ich Eigentümerin eines Hauses und eines Geschäftes mit Angestellten bin. So hatte ich mir fälschlicherweise Sorgen gemacht über die Reparaturkosten meines Autos, 489

16.10.1967

Wertsachen

Die Bezeichnung «Eigentümerin» bezeichnet das «Eigene», das Inbesitz-genommen-haben des eigenen Denkens und Fühlens und also auch das Erworben-haben von Autonomie. Die Unterteilung dieses «Erworbenen» in «Haus» und «Geschäft» könnte bedeuten, dass sowohl im Bereich der Innenwelt (Haus) als auch im Bereich der Aussenwelt (Geschäft) ein Zuwachs an Autonomie erfolgt ist, obgleich die Träumerin dies bis anhin nicht gespürt zu haben scheint. - Die Sequenz weist auf diesen neuen und erfreulichen Sachverhalt hin.

12.12.1970

Wertsachen

Ein Mann will mir etwas wegnehmen, was für mich ganz wichtig ist. Worin das Kleinod besteht, ist aber nicht klar, 580

12.12.1970

Wertsachen

Der Begriff «Kleinod» wird im Knaurs «Wörterbuch der Synonyme» nebst «Kostbarkeit, Wertgegenstand, Schatz, Schmuck, Prachtstück, Heiligtum» beschrieben. Das Wort «Heiligtum» scheint mir am besten geeignet zu verstehen, was mit dem Kleinod gemeint sein könnte. Auf der Subjektebene verstanden symbolisiert das «Heiligtum» das «Selbst», das «Eigene» und Wesentliche in uns, das im antiken Verständnis auch als «Daimon» bezeichnet und als etwas Göttliches verstanden wurde. - Die Sequenz könnte auf die Gefahr von Identitäts- und Selbstverlust im Zusammenhang mit der Beziehung zu einem Mann hinweisen.