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Tiere – Symbolkategorie Tiere

15.01.1959

Fische

Ich habe das Gefühl, ich sei als Beute für einen Walfisch vorgesehen. Darum schwimme ich versteckt unter Wasser zum anderen Ufer des Flusses, 16

15.01.1959

Fische

Der Walfisch ist, obgleich er im Wasser lebt, eigentlich kein Fisch, sondern ein Säugetier. Der Wal ist kein «Raubtier» wie der Haifisch. Dass der Wal für Menschen ungefährlich ist, zeigt auch eine biblische Geschichte. Darin wird Jonas zwar von einem Wal verschluckt, nach drei Tagen aber wieder ausgespuckt. Die Träumerin traut dieser Geschichte offensichtlich nicht. Sie flieht vor dem Wal, der für eine vermeintlich harmlose Person steht. Sie tut dies aber nicht in offenem Widerspruch, sondern «klammheimlich». Dies könnte bedeuten, dass sie den Weg der «inneren Emigration» gewählt hat, anstatt den offenen Widerstand gegen ein «Verschlucktwerden» zu proben. - Die Sequenz könnte im Hinblick auf die vor einigen Monaten begonnene Jungsche Psychotherapie als ein Warnsignal verstanden werden. Immerhin verlangt diese Therapieform, dass sich die Patientin oder der Patient von den Jungschen Lehren (freiwillig) vereinnahmen lässt, was im Grunde auf ein «Verschlucktwerden» durch ein «grosses Tier» hinaus läuft. Anderseits könnte die Warnung besagen, die Träumerin solle sich nicht allzu rasch in die seelischen Tiefenschichten hinein ziehen lassen, ansonsten es leicht passieren könnte, dass sie vom «Wal», verstanden als Symbol für den Aufenthalt im tiefen Meer des Unbewussten, festgehalten und nicht mehr losgelassen wird. - Eine andere Sicht habe ich bei Barbara Walker gefunden. Vom Wal verschlungen zu werden weise in der Mythologie auf einen Einweihungsritus hin, der zur Wiedergeburt führe (ID-Buch 801, 525). - Ich selber bin bezüglich der vorliegenden Traumsequenz vorsichtig gegenüber dieser Interpretation. Als Beute vorgesehen zu sein, ist nicht dasselbe, wie drei Tage «im Schoss des Wales» zu leben. Für Einweihungsrituale, die zu einer wirklichen geistig/seelischen Wiedergeburt führen sollen, muss der richtige Zeitpunkt abgewartet werden.

23.06.1959

Fische

Ein riesiger Fisch wird von einem Mann getötet, weil er den schönsten Baumstamm habe wegschleppen wollen, 38

23.06.1959

Fische

Der «riesige Fisch» erinnert an die Metapher vom «grossen Fisch» im Unterschied zum «kleinen Fisch». In der Mythologie steht das Fischsymbol, wie bereits oben erwähnt, für die weibliche Yoni, während der Baumstamm das männliche Sexualorgan symbolisiert. So gesehen könnte das Töten für das Ausschalten weiblicher Sexualansprüche stehen, die aus patriarchaler Sicht «zu gross» ausfallen. Dies auch aus der Sicht des Mannes, der den «Fisch» tötet bzw. den weiblichen Anspruch auf Sexualität eliminiert.

04.01.1960

Fische

Zwei Menschen schwimmen im Dorfbach. Dadurch werden Fische und Ungeheuer nach oben gespült sowie schlammig trübes Wasser, ohne dass es die Schwimmenden merken, 113

04.01.1960

Fische

Dass in einem Dorfbach nicht nur harmlose Fische schwimmen, sondern auch gefährliche Ungeheuer, ist nicht ohne weiteres zu erwarten. Wenn wir die Symbolobjekte «Fisch, Ungeheuer, Wasser» mit dem Symbolgehalt «Dorf» in Verbindung bringen, könnte die Aussage lauten, das Vorkommen von «Ungeheuern» beschränke sich nicht auf die grossen Weltmeere, sie könnten auch in vermeintlich harmlosen «Gewässern» vorkommen (Dorf, Bach). Die «Ungeheuer» als Aspekte von «normalen» Menschen, würden im Sinne von Agnes Hellers «Theorie der Gefühle» für «partikulare» Gefühle und Ansprüche stehen. Partikular verhalten sich Menschen dann, wenn sie sich ausschliesslich an ihren eigenen Interessen orientieren. Früher oder später werden sie jedoch mit den Interessen anderer Menschen kollidieren. Die vorliegende Sequenz beschreibt eine solche Kollision. Auf der Subjektebene verstanden, steht sowohl das Auftauchen von Fischen als auch das Schwimmen für einen vitalen und gesunden Lebensbereich (körperliche Anstrengung und sexuelle Wünsche). Die «Ungeheuer» dagegen könnten die Träumerin darauf hinweisen, dass es in unserer patriarchal geprägten Welt für Frauen unstatthaft (ungeheuerlich) ist, Eigeninteressen anzumelden. Das schlammige Wasser könnte auf der Subjektebene besagen, dass es der Träumerin schwer fällt, diesen deprimierenden Sachverhalt klar und realistisch wahrzunehmen. Eine klare Wahrnehmung wäre vermutlich allzu schmerzlich. - Eine andere Deutung könnte lauten, dass durch das Schwimmen unbewusste Inhalte der Träumerin aufgewirbelt werden (Fische, Ungeheuer, Schlamm), ohne dass sie dies überhaupt bemerkt hat.

26.11.1963

Fische

Ich lege den Aal, der fast ausgetrocknet und von seinem eigenen Schwanz durchbohrt neben dem Dorfbrunnen liegt, ins Brunnenwasser und suche einen Arzt, 1025

26.11.1963

Fische

Der Aal ist ein Fisch mit der Eigenart, für das Laichgeschäft zur Geburtsstätte zurück zu kehren und mittels gewaltiger Sprünge die hohen Fluss-Klippen zu überwinden. - Aus tiefenpsychologischer Sicht steht der Aal für männliche Sexualität. In der Mythologie symbolisiert der Aal, der sich in einem Brunnen aufhält, die sexuelle Vereinigung von Frau und Mann. Eine solche Vereinigung findet in der vorliegenden Sequenz allerdings nicht statt, denn der Aal liegt neben dem Brunnen, zudem ist er verletzt und «fast ausgetrocknet». So gesehen könnte die Sequenz auf eine Beziehungsstörung hinweisen. Dies ist aber nicht die einzige Deutungsmöglichkeit, weil die Symbole «Quelle» und «Wasser» in der Mythologie eine umfassendere Bedeutung haben. Ich denke an die verbreitete Geschichte vom «Wasser des Lebens», das die Grundlage allen Lebens überhaupt darstellt. Das Wasser bildet die Grundlage für das Leben der Pflanzenwelt, lange bevor das «Leben» geschlechtlich weitergegeben wurde. So gesehen steht der Brunnen für das «Wasser des Lebens» im umfassenderen und vorgeschlechtlichen Sinn. Im intrapsychischen Raum könnte die Sequenz besagen, die Träumerin laufe Gefahr, von ihren Tiefenschichten (Brunnen) abgeschnitten zu werden. Es wäre aber auch möglich, dass der Aal, hier verstanden als ein (der Träumerin nahe stehender) Mann, auf der Suche nach dem «Wasser des Lebens» Gefahr läuft, zu scheitern. Eigenartigerweise wurde der Aal durch sein eigenes Organ verletzt (vom eigenen Schwanz durchbohrt).

10.07.1966

Fische

Ich will den aggressiven Fisch, den mein Freund G. in meinen Teich hineingetan hat, von einem Berufsfischer herausfischen lassen, damit ich und andere Leute im Teich baden können, 417

10.07.1966

Fische

Die Bezeichnung «aggressiver Fisch» meint etwas anderes als «Raubfisch». Dieser aggressive Fisch hält sich im Klein- und Nahbereich auf (Teich), was bedeutet, dass es sich nicht um einen «Raubfisch» der grossen Meerestiefe handelt. - Die Sequenz könnte auf eine gefahrvolle Situation im heterosexuellen Beziehungsbereich hinweisen. Die Träumerin hat das Gefühl, sie selber wäre nicht imstande, mit diesem «Fisch» fertig zu werden, weshalb sie ein professionelles Vorgehen ins Auge fasst (Berufsfischer). - Auf der anderen Seite könnte der aggressive Fisch im Teich besagen, es seien in der Psyche der Träumerin «Introjekte» vorhanden, die sie nicht frei gewählt habe, die ihr im Gegenteil aufoktriiert worden seien (der Begriff «Introjekt» entstammt der Objektbeziehungstheorie). Diese Introjekte beträfen Inhalte, die von der Träumerin nicht bejaht, sondern abgelehnt würden, obgleich sie durch einen befreundeten Mann vermittelt worden seien. Möglicherweise geht es um Inhalte, die von der Träumerin als frauenfeindlich empfunden werden. So gesehen wäre ihr Gefühl verständlich, dass derlei Inhalte nur mit professionellen Mitteln loszuwerden seien. Andernfalls würde ihr selbst Gefahr drohen. Schön ist, dass die Träumerin Eigentümerin des Teichs ist, das heisst, dass sie über Eigenbereiche und Autonomie verfügt, und dass sie Zugang zu ihren seelischen Tiefenschichten hat.

29.11.1966

Fische

Ich habe im Bach Forellen gefangen mit blossen Händen und gebe sie in den Kessel eines Berufsfischers. Ein zusammengefalteter Fisch entwickelt sich beim Herausziehen zu beträchtlicher Grösse, 434

29.11.1966

Fische

Die Bachforelle ist ein Lachsfisch und gehört zu den «Edelfischen». Sie ist Bewohnerin von rasch fliessenden Gewässern. - In dieser Sequenz geht es um das Fangen von Fischen, wie in der Sequenz 417/3589. Hier handelt es sich jedoch um Edelfische und ums Fischen im Naturbach und nicht im Nahbereich eines Teiches. Wesentlich scheint mir der Hinweis, dass die Forellen «von Hand» gefischt werden. Dies besagt zweierlei: Die Fische sind nicht aggressiv, aber das Fischen verlangt eine besondere Geschicklichkeit. Zweitens: Die Frau stellt das Resultat ihrer Geschicklichkeit und Arbeit einem Mann zur Verfügung. Das Verhalten der Träumerin löst in der Feministin allerdings ein gewisses Unbehagen aus, denn es erinnert allzu sehr an das, was Männer von Frauen erwarten. Es wäre nachzuforschen, warum sie dies tut. - Besonders interessant ist für mich das Grösserwerden einer kleinen Forelle, das während des Herausziehens geschieht. Die Aussage könnte sein, dass es durchaus angebracht sein kann, für eine Sache aus leidenschaftlichem Interesse zu arbeiten zugunsten von Selbstwerdung und Entwicklung, obgleich kein unmittelbarer «Lohn» daraus resultiert (das Produkt der Arbeit geht an einen Berufsmann). - Zum Thema «zusammengefalteter Fisch» kommt mir das «winzige Fischlein» namens Remora in den Sinn, von dem ein Traktat des XVII. Jahrhunderts sagt, dass es den «Geist der Welt» darstellt, das im «kostbaren himmlischen Lebenswasser unseres Meeres» verborgen und mittels eines «magnes sapientum» heraufzuziehen ist. C.G.Jung deutet dieses winzige Fischlein als «Magnet» bzw. als eine Form von «Theorie», weil sich das Fischlein mittels einer solchen Theorie rasch und einfach heraufziehen lasse. So gesehen würde das Fangen der Forellen mit «blossen Händen» bedeuten, dass die Träumerin ohne die patriarchalen Theorien auskommt, um mit dem «Geist der Welt», mit dem Geistigen der Welt in Berührung zu kommen. Dass sie ihre «Fische» in den «Kessel des Berufsfischer» gibt, kann auch als Folge eines selbstverständlichen männlichen Anspruchs erfolgt sein, die Frau habe ihre Kreativität dem Manne zur Verfügung zu stellen und damit auf das Erarbeiten eines eigenen Weltbildes oder eines eigenen Werkes zu verzichten.

01.08.1969

Fische

Am Horizont nehme ich ein Meer von Fischen wahr, die hin und her schwimmen, 562

01.08.1969

Fische

Die Symbole «Fisch» und «Meer» gehören nach mythologischer Vorstellung im ureigentlichen Sinn zusammen, denn das Meer sei die Mutter des Fisches, die Fische seien vom Meer geboren worden (ID-Buch 1300, 260). Diese Sequenz bringt Fisch und Meer in einem noch grösseren Raum zusammen, nämlich im kosmischen Raum, der weit grösser und tiefgründiger ist als alle Weltmeere zusammen. Die Symbole «Fisch» und «Meer» könnten auch für Inhalte stehen, die im Begriff «Weltseele» enthalten sind. Zur «Weltseele» berichtet das Brockhaus Lexikon: «Weltseele, die sich selbst bewegende, alles durchdringende und ordnende weibliche Lebenskraft, die noch über der Vernunft steht.» - Das Bild vom Meer im kosmischen Raum könnte besagen, es sei ein vertiefteres Denken und Fühlen vonnöten, das Himmelsraum und Erdenraum, Oben und Unten umfasse, und zwar in dem Sinne, dass sich diese beiden Sphären durchdringen können und keineswegs Gegensätze sein oder in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen müssen. - So gesehen könnte die Sequenz auf jene «Tiefen» des vermeintlich «Niedrigen» des Alltags hinweisen, das für die traditionelle Philosophie und auch für die Jungsche Psychologie lediglich «Banales» oder Triviales beinhaltet, während die meisten Frauen, und also auch die Träumerin, erfahren, dass die Bewältigung des Alltags eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt, für die sie eine adäquate Anerkennung verlangen.

 

HündinHund

Fazit zu HündinHund

 

HündinHund

Wenn wir Hündin und Hund als Symbole für das Verhältnis zwischen Frauen und Männern verstehen, fällt für das Fazit folgendes auf: Im Verhältnis der Geschlechter geht es auf und ab. Hat sich männliche Missgestalt mal verzogen, weil Frau sich nicht mehr alles bieten lässt (42), tritt sie in männlicher Anspruchshaltung wieder auf als Forderung nach häuslicher und umfassender Versorgung (49). Zunehmend stehen Aktivitäten im Dienste der Gestaltwerdung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund, die zugleich im Dienste eines besseren Verhältnisses zwischen den Geschlechtern steht (50, 51, 52). Aber in den Hintergrund drängen lässt sich Frau nicht mehr (53).

15.07.1959

HündinHund

Ein Schäferhund fällt mich immer wieder an. Ihn abzuwehren kostet mich sehr viel Kraft, 48

15.07.1959

HündinHund

Der «Schäferhund» war zur Zeit des Traumes (1959) meistens ein aggressiv als Schutz- und Polizeihund abgerichteter Wachhund deutscher Herkunft. Der eigentliche «Schäfer» im Sinn von Schützen und Behüten von Schafherden ist in der Schweiz z.B. der Appenzellerhund, der zugleich Hofhund ist und selten aggressiv abgerichtet ist. Einen schwarzen belgischen Schäferhund habe ich als einen überaus friedfertigen und trotzdem starken Hund kennen gelernt. - Der Schäferhund dagegen erinnert in seiner Eigenschaft als Bewacher unangenehm an die christliche Metapher von «Schäfer und Schaf», die im Grunde besagt, dass Menschen wie (dumme) Schafe bewacht und überwacht werden müssten, wobei diese Überwachung mittels permanenter Predigt und Ermahnung stattfand. Auch andere Institutionen lassen ihre Lehren durch eine Art «Schäferhunde» predigen und überwachen, in der Erwartung, dass sie von Patientinnen und Patienten angenommen werden. - Eine dieser Lehren betrifft die Jungsche Auffassung, dass wir in unseren Träumen nur uns selbst begegnen würden, dass wir «Regisseur, Darsteller, Kulissen und Drehbuchautor» in einem seien, und dass wir im «Tier» nur mit eigenen animalisch aggressiven Seiten konfrontiert seien. - Im Unterschied dazu bin ich geneigt, die vorliegende Sequenz auf der Objektebene zu interpretieren. Es könnte nämlich sein, dass die Träumerin, die in Ausbildung und Psychotherapie permanent mit solchen (falschen) Lehren konfrontiert wird, zu einer ebenso permanenten Abwehr genötigt wird, um ihre eigene Denk- und Urteilskraft zu erhalten. Das heisst, dass ich den Schäferhund in dieser Sequenz auf der Objektebene als Ausdruck von äusseren Angriffen verstehe, die an die Träumerin herankommen.

23.07.1959

HündinHund

Kämpfende Schäferhunde versuchen meinen Bruder N. zwischen sich zu erdrücken. Er hatte versucht, die Hunde zu trennen, 57

23.07.1959

HündinHund

Zwei Schäferhunde besagen, dass zwei Wach- oder Polizeihunde den Anspruch erheben, menschliche «Schafe» zu überwachen (siehe Sequenz 48). Einen Kampf zwischen diesen «Wachhunden» verstehe ich als einen Kampf zwischen Vertretern verschiedener Weltanschauungen, die sich bekämpfen, seien diese unvereinbar oder aber, weil es mehr um Macht und Einfluss geht als um die Suche nach echten Erkenntnissen. - Die Sequenz teilt der Träumerin mit, dass es gefährlich werden kann, sich in solche Kämpfe einzumischen. Es ist gefährlich, die «Hunde» trennen zu wollen, auch wenn es den Versuch darstellt, ausgleichend zu wirken.

01.08.1959

HündinHund

Ein Mann hetzt seinen Hund gegen Frauen, die in der Kirche putzen. Aber der Hund reagiert nicht auf seinen Befehl, 66

01.08.1959

HündinHund

Hier erscheint ein gewöhnlicher Haushund. Als ein solcher Hund wäre er eigentlich ziemlich unaggressiv. Der gewöhnliche Hund reagiert nicht auf Befehle, die Aggression gegen andere Menschen einfordern. Obgleich hier ein solcher gewöhnlicher Hund von seinem Besitzer gewissermassen als Kampfhund eingesetzt wird, reagiert er nicht auf dessen Befehl. Dass sich die Aggression des Hundebesitzers gegen Frauen richtet, die in der Kirche «putzen» (das Putzen verstanden als Einmischung oder Kritik an kirchlichen Vorgaben), wiederholt das Verhalten der Schäferhunde in Sequenz 57. In dieser hatten kämpfende Schäferhunde versucht, die Person zu eliminieren, die sich in ihren Kampf um Macht und Einfluss einzumischen wagte. - Die Botschaft der vorliegenden Sequenz empfinde ich als eine hoffnungsvolle: Nicht alle «Tiere» alias Männer lassen sich von machtsüchtigen Interessen oder frauenfeindlichen Parolen einspannen.

19.08.1959

HündinHund

Ein Autoraser hat einen Hund überfahren und mit ihm vier weitere Tiere. Über die Empörung der Leute lacht er nur, 72

19.08.1959

HündinHund

Ein Hund, der von einem Mann überfahren wird, könnte einerseits die Erfahrung ausdrücken, dass es zwei Sorten von Männern gibt: Aggressive Männer und Männer, die wie Frauen oder Kinder Opfer werden können. Auch Männer werden verfolgt, wenn sie ihren machtgierigen Geschlechtsgenossen den Gehorsam aufkündigen.

17.08.1960

HündinHund

Zu Füssen eines verstorbenen Mannes liegt ein Hund. Später folgt der Hund dem Sarg des Mannes, 13

17.08.1960

HündinHund

Der Hund, der zu Füssen eines Toten liegt, symbolisiert Anhänglichkeit und Treue. Einerseits steht das Bild für menschliche Eigenschaften, denen ein grosser Wert zukommt, anderseits löst es auch Unbehagen aus. Will das Bild auf die Gefahr einer «hündischen» Anhänglichkeit oder Abhängigkeit aufmerksam machen? Soll dieser «Hund» als Symbol für eine männliche oder weibliche Person aufgefasst werden? «Anhänglichkeit und Treue» zu einem anderen Menschen können zu weit gehen. Einem Mann, dessen Psyche gewissermassen «tot» ist, Treue zu halten, könnte für die Psyche einer Frau tödlich sein. Auf der anderen Seite braucht es Zeit, eine zwischenmenschliche Beziehung, die tief gegangen ist, loszulassen. Ein Ablösungsprozess benötigt Zeit und erfordert etwas, was heutzutage als «Trauerarbeit» bezeichnet wird. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass es grundsätzlich nicht ausgeschlossen ist, dass Menschen, deren Psyche vermeintlich ganz abgestorben ist, nach einer gewissen Zeit wieder «lebendig» wird. Dies bedarf allerdings oft einer Anstrengung, manchmal einfach eine Zeit des Durchstehens einer seelischen «Dürre» oder einer tiefen «Nacht» der Erholung. Dies gilt auch, wenn diese Sequenz auf der Subjektebene betrachtet wird.

10.03.1965

HündinHund

Ein grosser schwarzer Schäferhund nimmt meine Hand zwischen seine Zähne. Ich streichle ihn aus Angst, er würde mich sonst beissen, 342

10.03.1965

HündinHund

Der Schäferhund und die Betonung seiner Zähne stehen beide für eine aggressive Männlichkeit. Das Streicheln von einer Frauenhand steht für eine Handlung, die auf der Objektebene und aus männlicher Sicht von Frauen erwartet werden kann. Weibliche «Streicheleinheiten» werden von der Gesellschaft ganz allgemein verlangt, um männlicher Aggression entgegen zu wirken. - Auf der Subjektebene könnte das Streicheln des Schäferhundes besagen, dass die Träumerin eigene aggressive Impulse oder Gefühle zu besänftigen sucht, um sie nicht gegen andere Menschen richten zu müssen.

09.06.1966

HündinHund

Eine Hündin hat mein vier Monate altes Hundekind sozusagen adoptiert. Die Hündin lehrt das Hundekind mit menschlich anmutendem Geschick, 406

09.06.1966

HündinHund

Erstmals erscheint hier ein Hund, der explizit als ein weiblicher vorgestellt wird. Mit dieser Hündin tritt auch erstmals ein unaggressives und sogar mütterliches Verhalten auf: sie adoptiert ein Hundekind. Dies könnte die Weisung beinhalten, das «Produkt» einer anderen Frau ebenso wert zu schätzen und zu pflegen wie eigene Produktionen. Die geglückte Beziehung und Belehrung zwischen Hündin und adoptiertem Hundekind könnte, auf den Arbeitsbereich bezogen, darauf aufmerksam machen, dass eine solche möglich ist, wenn die kindlichen Impulse und Kräfte zum Ausgangspunkt derselben gemacht werden. - Auf die Objektebene bezogen scheint die Sequenz die Träumerin zu belehren über Voraussetzungen für eine Erfolg versprechende Behandlungsart von Kindern: Das «menschlich anmutende Geschick» scheint mir darin zu bestehen, dass es sowohl den Denkbereich als auch den Fühlbereich berührt und anspricht.

24.09.1966

HündinHund

Ein Hund trägt übergehängt ein eigenartig schönes Fell. Man nennt ihn daher Königshund, 422

24.09.1966

HündinHund

Hier ist die Rede von einem Königshund. Gemeint ist aber nicht ein Hund, der einem König gehört oder dass der Hund selber König wäre. Er wird nur als Königshund bezeichnet, weil er umgehängt ein «eigenartig schönes Fell» trägt. Leider fehlt ein Hinweis auf das Geschlecht dieses Hundes, was für das Verständnis des «eigenartig schönen Fells» sehr wichtig wäre. - Zunächst sei daran erinnert, dass der Hund in der Mythologie unabhängig vom Geschlecht als ein «Seelentier» aufgefasst wird, das die Fähigkeit hat, Geister zu sehen, die dem menschlichen Auge unsichtbar sind, dass er die Tore der Jenseitswelt bewacht und hilft, die Toten in Empfang zu nehmen und zur Mutter zurück zu bringen. - Im Unterschied dazu unterscheidet sich die Bedeutung des umgehängten Fells, je nachdem, ob es einem weiblichen oder männlichen Hund umgehängt ist. Das «Fell» spielt die Rolle eines Kleidungsstücks, das wie alle Kleider, ein Symbol für Identität darstellt. Und weil das vorliegende Fell nicht einfach ein «schönes», sondern auch ein «eigenartiges» «Fell» ist, neige ich dazu, an eine weibliche Identität zu denken. Das «Eigenartige» könnte sich auf das «Eigene» und Spezielle einer weiblichen Identität beziehen, das auf anderen Werten aufgebaut ist, als die abwertenden patriarchalen Zuschreibungen. - Die Sequenz könnte besagen, die Träumerin sei auf der Suche nach einer weiblichen Identität, die nicht nur ihre persönliche betreffe, sondern eine Identität, die auf gesellschaftlicher Ebene zu erarbeiten wäre.

08.10.1966

HündinHund

Ich halte einen missgestalteten, verwöhnten und bissigen Hund, der einer Frau gehört, lange unter Wasser, um ihn zu ertränken. Anstatt zu verenden, normalisiert er sich, 427

08.10.1966

HündinHund

Ein «missgestalteter Hund» besagt, dass Tiere nicht in jedem Fall für eine unversehrte menschliche Psyche oder Seele stehen. Auffallend ist die rigorose Behandlung, die die Träumerin dem bissigen Tier angedeihen lässt, und dass der Tötungsversuch zu etwas ganz anderem führt: Der missgestaltete Hund normalisiert sich. - Auf der Objektebene erinnert die Szene an das Verhalten vieler Frauen, die ihre Männer verwöhnen und damit zu deren «Missgestalt» und «Bissigkeit» beitragen. Christa Thürmer-Rohr kritisierte verwöhnende Frauen, sie seien «Mittäterinnen» an den bösen Taten ihrer Männer. - So gesehen könnte die Sequenz die Träumerin warnen, einen Mann zu sehr zu «verwöhnen» und ihr ausserdem zu empfehlen, eine aktuelle Beziehung aufzulösen. Zudem teilt die Sequenz mit, dass ein rigoroses Vorgehen angebracht sei und dass ein solches sogar zu ungeahnten Ergebnissen führen könnte. Eine «Rosskur» sei manchmal nötig und nicht Nachsicht, damit sich ein Mann normalisiere, anstatt dass er weiterhin am Anspruch festhält, wie ein kleines Kind gehätschelt und verwöhnt zu werden. - Auf der Subjektebene könnte der missgestaltete Hund auf missgestaltete Aspekte in der Träumerin selber hinweisen, denen sie zu Recht mit rigorosen Mitteln zu Leibe rückt oder rücken soll.

08.09.1967

HündinHund

Meine Boxerhündin weint herzzerbrechend, 478

08.09.1967

HündinHund

Eine weinende Hündin, die erst noch «herzzerbrechend» weint, hat etwas Erschütterndes, und es ist ein weibliches Tier, dem dies geschieht. Auf der Subjektebene steht das herzzerbrechende Weinen für eine Art von Weinen, das den tiefsten Tiefenschichten entspringt und zudem die Eigenschaft hat, den lange Zeit unterdrückten Gefühlen einen Ausweg zu verschaffen. Ein solches Weinen kann als eine grosse Erleichterung empfunden werden, auch wenn das Problem oder die Probleme, die damit zusammenhängen, dadurch nicht gelöst werden. Die Sequenz sagt nichts über die Hintergründe dieses Weinens aus, aber sie besagt, dass es sich nicht um harmlose Gegebenheiten handelt. Aber das «Ersticken» an den Problemen oder Enttäuschungen ist durch das Weinen vorerst abgewendet.

04.10.1967

HündinHund

Ich sage warnend zu einem Mann, meine Boxerhündin sei ein edles Tier. Er hatte seinen Kessel mit Heisswasser wie unabsichtlich über sie ausgiessen wollen, 486

04.10.1967

HündinHund

Die Bezeichnung einer Hündin als ein «edles Tier» redet in einem doppelten Sinn von einem edlen Tier. Unter «edel» lese ich im Lexikon «wertvoll, kostbar, erlesen, exquisit, ausgesucht, von bester Qualität», und im übertragenen Sinn als «nobel, hochherzig, gut, grossmütig, selbstlos, von hoher Gesinnung, altruistisch, selbstlos» (ID-Buch 1357, 151). Bei dieser «edlen» Boxerhündin geht es explizit um das Verhältnis zu einem Mann. Heisses Wasser über ein weibliches Tier entleeren zu wollen, spricht von einem extrem aggressiven Verhalten dem Weiblichen oder einer konkreten Frau gegenüber. - Das «Edle» der Hündin bezieht sich meiner Auffassung nach, wie schon in Sequenz 422, auf eine weibliche Identität, die von der Träumerin als eine qualitativ hochrangige, und keineswegs als eine unter dem Mann oder dem Männlichen stehende, eingestuft wird. Die Warnung an den Mann verstehe ich als ein Zeichen, dass die Träumerin beginnt, diese weibliche Identität mit verbalen Mitteln zu verteidigen, und vielleicht sogar beabsichtigt, zu rigoroseren Mitteln zu greifen.

18.11.1967

HündinHund

In einem Tuch trage ich junge zappelnde Hunde nach Hause. Als ein Hündchen herausfällt, lasse ich es am Boden liegen oder töte es und vielleicht noch andere herausfallende Jungtiere, 498

18.11.1967

HündinHund

Zappelnde Junghunde, die wenige Wochen alt sind, stehen für Impulse, die noch ganz unmittelbar in Erscheinung treten und kaum steuerbar sind. Bei Junghunden drehen sich diese Impulse um ganz elementare Dinge (Essen, Trinken, Bewegung), und die Hunde sind noch ganz auf mütterliche Versorgung angewiesen. - Als «Kinder» stehen die Junghunde auf der Subjektebene einerseits für ganz elementare Bedürfnisse und Impulse, anderseits für soeben geborene «Produkte» und Produktionen der Frau. Ferner stellen sie eine Form von Lebendigkeit dar, die von der Träumerin als bedrängend erlebt wird. Dies schliesse ich aus dem Umstand, dass sie sich nicht die Mühe nimmt, die aus dem Tuch herausgefallenen Hunde wieder aufzunehmen, sondern sie zu töten. - Die Sequenz scheint zu sagen, dass die Träumerin zur Zeit überfordert ist, oder sich selber überfordert mit Aufgaben, die sie nicht zu bewältigen vermag. Oft fehlt uns einfach Zeit und Kraft, um allen Seelenkindern die nötige Aufmerksamkeit und Pflege für ihr Gedeihen zukommen zu lassen.

26.04.1968

HündinHund

Mein Vater befiehlt, meine Boxerhündin zu töten. Ich versuche den Befehl auszuführen, vermag dies aber nicht. Nun will er mich selber töten, 522

26.04.1968

HündinHund

Aufgrund der Verbindung von weiblicher Hündin und männlichem Tötungsbefehl deute ich die Sequenz auf der Objektebene. Die «eigene Hündin», verstanden als das «Eigene» der Träumerin, töten zu müssen, bedeutet, dass sie ihren Anspruch auf Selbstwerdung und Individuation aufgeben muss. Auch die tiefenpsychologische Psychotherapie forderte von der Frau diese Selbstaufgabe, diesen Mord am eigenen Denken und Fühlen. Erschreckend ist, dass die Träumerin zunächst versucht, dieser Forderung nachzukommen, und gut ist, dass ihr dieser Versuch misslingt.

01.11.1968

HündinHund

In der Dunkelheit greift ein Bauernhund meine Boxerhündin an. Sie lässt sich aber nicht verjagen. Sie kämpft und der Bauernhund zieht sich schliesslich in den Hof zurück, 542

01.11.1968

HündinHund

Der aggressive Bauernhund scheint sein vermeintlich eigenes Revier (Feld) gegen die weibliche Mitbenützung dieses Raumes zu verteidigen. Die Hündin, verstanden als eine Frau, könnte auf der Objektebene besagen, dass sie sich nicht mehr von jeder Aggression einschüchtern lässt, sondern zu kämpfen fähig und willens ist. Die Sequenz berichtet im Grunde von einem diesbezüglichen Erfolg (der Bauernhund zieht sich in den Bauernhof zurück). Dass es sich beim Aggressor nicht um irgend einen Hund handelt, sondern explizit um einen Bauernhund, weist auf seine Wächterfunktion hin. Er bewacht einen «Hof», einen Besitz, der zu dieser Zeit (1968) vermutlich einen männlichen Besitz darstellt.

21.10.1973

HündinHund

Meine Boxerhündin legt sich zufrieden in ihren Hundekorb, nachdem ich das platzraubende Essgeschirr herausgenommen habe, das andere Leute hineingetan haben, 650

21.10.1973

HündinHund

Die Boxerhündin wird hier im Verhältnis zu ihrer häuslichen Umgebung dargestellt (Hundekorb). Das weibliche Tier gehört der Träumerin und als solches symbolisiert es jene Teile ihrer eigenen Seele, die sie mit der Tierseele verbinden. Die Traumszene stellt dar, dass der Ort, der für die Hündin bzw. für die Träumerin Erholung und Behaglichkeit bereithält, nicht mehr zugänglich ist. Was der Hundekorb für den Hund bedeutet, bedeutet für die Frau das Bett, wobei das Bett sowohl erholsamer Schlaf als auch erholsame Sexualität symbolisieren kann. Das «Essgeschirr» im «Hundekorb» verstellt den Platz, der für die Hündin vorgesehen ist, wobei das Essgeschirr, das mit Essen und Nahrung nur am Rande zu tun hat, auf eine Pseudonahrung bzw. unbefriedigende «Nahrung» in einem Beziehungsverhältnis hinweist. Die Träumerin hat gemerkt, warum das «Tier» ihren «Korb» nicht benützt, weil nämlich andere Leute ihn mit ihren eigenen Sachen oder Vorstellungen vollgestopft haben (Essgeschirr). Die Lysis ist positiv, die Träumerin sorgt dafür, dass die «Hündin» zu ihrer Erholung kommt.

06.04.1977

HündinHund

Mein Bruder K. droht, sein Hund würde mich beissen, wenn ich nicht für seinen Lebensunterhalt sorge, 694

06.04.1977

HündinHund

Die angedrohte «Bissigkeit» dieses Hundes ist Ausdruck von Aggression des Hundebesitzers. Diese Aggression scheint keine unmittelbare und natürliche zu sein, sondern eine künstlich gemachte, weil der Besitzer mit dessen Bissfähigkeit droht. Der Begriff «Lebensunterhalt» bezeichnet zu dieser Zeit (1977) im Ehegesetz den finanziellen Beitrag des Mannes zu Ehe und Familie. - Was bedeutet aber «Lebensunterhalt» in einer Beziehung, die keine Ehe ist und zudem ein «Unterhalt» dieser Art weder nötig ist, weil beide eigenes Einkommen und eigene Wohnung haben? Auf diesem Hintergrund kann «Lebensunterhalt» nur in dem bestehen, was Jung für die Aufgaben der Frau hält, auf die der Mann seine «Anima» projiziert hat. Die Drohung, der «Hund» des Mannes würde die Frau beissen, wenn sie diesen Aufgaben nicht nachkommt, besagt, dass er sie nicht mehr lieben werde und ferner, dass er ihre aktive Anteilnahme an seinem Leben notfalls zu erzwingen gedenke. Die Träumerin ist also gewarnt!

12.07.1980

HündinHund

Meine Boxerhündin buddelt in lehmiger Erde. Jemand sagt, ich solle den Lehm nicht abwaschen, weil er Wertvolles enthalte. So sammle ich den Lehm in ein Gefäss, 780

12.07.1980

HündinHund

Das Buddeln einer Hündin hat mit weiblicher Aktivität zu tun. In der Erde zu «buddeln» bedeutet, in der Erde zu «graben», zu «schürfen», ohne speziell auf «Wertvolles» aus zu sein. Die Hündin «schafft» und «werkt» in spielerisch lustvoller Weise aus Neugier, was wohl alles in der «Erde» wohl zu finden sei. Die buddelnde Hündin steht trotzdem für die Berührung mit Wertvollem, aber mit einem Wertvollen, das in der heutigen Welt bisher wenig bis nichts galt. - Den «Lehm», der in dieser Sequenz als eine Art «Nebenprodukt» der buddelnden Hündin dargestellt ist, wird von der Träumerin erst als ein wertvoller Urstoff erkannt, als sie von «jemandem» (andere Frauen?) darauf aufmerksam gemacht wird. In der Folge scheint sie aber bereit und fähig, dieses Wertvolle zu «sammeln» und in ein «Gefäss» zu bringen. - Diese Tätigkeit könnte auf den Beginn einer bewussten und frauenbewegten Tätigkeit hinweisen.

01.11.1990

HündinHund

Ich habe das kleine Hündchen eines introvertierten höheren Bundesbeamten gerettet. Aus Dankbarkeit schenkt mir der ziemlich ältere Mann «verwertbare Papiere», 929

01.11.1990

HündinHund

Ein «kleines Hündchen» ist ein äusserst harmloses Tier, wenn es sich nicht gerade um einen «Angstbeisser» handelt. Kleine Hündchen werden in der Regel mit älteren Frauen assoziiert. Hier jedoch wird ein solches von einem älteren Mann gehalten, das für seine seelische Struktur stehen dürfte. Zu dieser Zeit gab es zwar zahlreiche Literatur, die öffentlich machte, was sich hinter grosstuerisch männlichen Fassaden verbirgt, aber der introvertierte Beamte gehört nicht zu diesem Männertypus. Obwohl er keinen unsympathischen Hintergrund aufweist, profitiert er trotzdem von den Strukturen, die uns Frauen schaden. Zu dieser Zeit (1990) wurde die «Rettung der Welt» von Frauen erwartet (Fridjof Capra), was manche Frauen freute, aber andere zutiefst verärgerte. Nachdem Männer irreversible Zerstörungen angerichtet hätten, kämen sie wie die Kinder zur Mutter gelaufen in der Erwartung, dass diese alles wieder heil machen könnte und heil machen müsste. Das kleine Hündchen als Symbol kann für Verschiedenes stehen. Wenn ein Macho einer Frau sein «kleines Hündchen» (das Kind oder Kindische im Mann) vorzeigt, ist Vorsicht am Platz. Er will wie ein Kind gehätschelt und verwöhnt werden, anstatt wie ein erwachsener Mensch Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Wenn aber ein Mann, wie der «höhere Beamte», sich selber versorgt (nach einem arbeitsreichen Tag), könnte das kleine Hündchen bedeuten, dass es ihm gelungen sei, seine «kindliche Seele» zu bewahren, verstanden als kindliches Staunen, kindliche Arglosigkeit und Offenheit. Zudem revanchiert sich der Beamte für die «Rettung» seines Hündchens mit «Wertpapieren», er beschenkt die Frau mit etwas Wertvollem.

04.03.2002

HündinHund

Ein mumifizierter Hund befindet sich gleichzeitig in einem Museum und im Wald. Er trägt eine verrostete Eisenkette um den Hals. Weil er Anzeichen von Leben zeigt, stelle ich Wasser vor ihn hin, obgleich ich scheel angesehen werde, 994

04.03.2002

HündinHund

Unter einem mumifizierten Hund stellen wir uns vor, es handle sich um ein Ausstellungsobjekt in einem Museum und keinesfalls um ein Wesen, das wieder lebendig werden könnte. Der Hund mit rostiger Eisenkette um den Hals assoziiert einen armen Kettenhund, der an seinem Schicksal endgültig gestorben ist. - Mythologisch gesehen können sowohl verstorbene Menschen als auch Tiere wieder lebendig werden, auch Mumien. Frauen (und Männer), die früher im übertragenen Sinn an Ketten gehalten waren, können eine Wiedergeburt, eine seelische Erneuerung, eine neue Belebung erfahren. Als eine solche Wiedergeburt empfinde ich die Wiederbelebung von frühzeitlichen Vorstellungen über die Stellung des Weiblichen und der Frau in der Welt. Das Museum stellt jenen öffentlichen Raum dar, in dem auch weiblich geprägte Lebensformen frühzeitlicher Epochen zur Darstellung kommen könnten. Mumifizierung und rostige Eisenkette könnten auf der Subjektebene auf traumatische Erfahrungen der Träumerin hinweisen, die bislang fest verschlossen, abgeschlossen und abgefertigt schienen, wobei die «Lebenszeichen» des Hundes als eine neue und neuartige Öffnung verstanden werden könnten, die zu einer Wiedergewinnung von Lebendigkeit und Lebensfreude führen. Unter einer neuartigen Öffnung verstehe ich eine Art der Beschäftigung mit Vergangenem (Mumie) und früher Erlebtem, die über das einfache Erinnern hinausgeht, indem diese Erinnerung in einen grösseren, auch gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang gestellt wird. - Nach Barbara Walker stammt das Wort «Mumie» von mumiya, Konservierungsteer, der zum Bestreichen der Leichen benutzt wurde. Vielleicht bedeute es auch, dass sie der Göttin der Wiedergeburt geweiht waren, die die Wotjaken noch heute Mumi oder Muzem-Mumi, Erdmutter, nennen (ID-Buch 1300, 747).

03.04.2003

HündinHund

Ein Pfarrer sagt zu meiner Boxerhündin, sie gehöre ins Gehege vor der Kirche. Aber die Hündin lässt sich nicht ins Gehege hinein jagen, 1006

03.04.2003

HündinHund

Diese Hündin lässt sich von einem «Pfarrer» nicht einsperren. Das heisst, die Träumerin lässt sich in ihrer geistig/seelischen Freiheit nicht (mehr) einengen und beschneiden. Auch nicht durch einen Mann (Pfarrer), der zufolge seiner Einbindung in eine männerdominierte Struktur (Kirche) zu wissen glaubt und durchzusetzen versucht, was sich für weibliche Menschen (weiblicher Hund) vermeintlich ziemt. - Das könnte bedeuten, dass sich die Autonomie der Träumerin bis in die tiefsten Seelentiefen (früher als Instinktschichten bezeichnet) erweitert und sich dort festgemacht hat.

21.08.1959

KatzeWildkatze

Ein weisses Kätzchen kommt von einer abgrundtiefen Schlucht herauf. Es zittert am ganzen Leib, 75

21.08.1959

KatzeWildkatze

Kleine Kätzchen werden von uns als entzückende und verspielte Tiere wahrgenommen, sie scheinen zum Spielen wie gemacht. Junge Kätzchen sind nicht nur verspielt und vertrauensvoll, sondern auch wie angstfrei. Somit ist es nahe liegend, dass sie leicht in heikle Situationen geraten, die sie zum «Zittern» bringen. In Verbindung mit «Schlucht», die ja auch eine Art «Abgrund» darstellt, könnte es sein, dass sich das Jungtier in aller Naivität, Unerfahrenheit oder Unschuld (Farbe Weiss) auf ein «Spiel» eingelassen hat, das ihm nicht gut bekommt. Dieses Spiel könnte auf eine von Leidenschaft geprägte und aufwühlende Beziehung hinweisen. Von Leidenschaft geprägt ist eine Beziehung dann, wenn das sexuelle Begehren in engster Verbindung mit den Tiefenschichten steht, also mit der ganzen Persönlichkeit zu tun hat. Dies wiederum bedeutet, dass die Tiefenschichten der Psyche aufgebrochen und somit gänzlich offen und auch ungeschützt sind. Eine solche Offenheit wäre jedoch gefährlich einem Partner gegenüber, dem es nicht um eine umfassende Begegnung zweier Persönlichkeiten geht, sondern um die Erfüllung seiner Bedürfnisse und Triebe. Das zitternde Kätzchen, verstanden als Symbol für eine dem Leben und Lebendigen zugewandte und offene jugendliche Frau, scheint durch eine Erfahrung erschüttert worden, aber heil davongekommen zu sein, obwohl sie am ganzen Leib «zittert». Ihr ist «kein Knochen gebrochen» (Ingeborg Bachmann). Mit Zittern befreit sich das Nervensystem vom Schock. - Die Sequenz kann auch als Aufforderung gewertet werden, neuen Erfahrungen trotz allem nicht aus dem Weg zu gehen, sondern genau hinzusehen, was jeweils passiert, sei es bei sich selber oder bei anderen Frauen ganz allgemein.

13.09.1959

KatzeWildkatze

Ich habe ein Knurren oder Fauchen gehört, wie von einer Wildkatze, 1015

13.09.1959

KatzeWildkatze

Eine fauchende Wildkatze ist zum Fürchten und es ist zu fragen, was sie in diese gefährliche äusserste Erregung versetzt haben könnte. Zwischen dem «zitternden Kätzchen» in Sequenz Nr. 75 und der fauchenden Wildkatze liegen lediglich einige Wochen. Könnte sich das zitternde Kätzchen in so kurzer Zeit zu einer gefährlichen Wildkatze entwickelt haben? Müssen wir annehmen, dass das, was das «weisse Kätzchen» in der «abgründigen Schlucht» erlebt hat, derart gravierend war, dass es genötigt war, das spielfreudige «Kätzchen» in sich hinter sich zu lassen und ihrer eigenständigen und unabhängigen «Wildkatze» Raum zu geben. Als gravierend würde ich beurteilen, wenn eine Frau bei ihrem Freund oder Geliebten eine Weltanschauung oder Trieborientierung entdeckt, die für sie nicht liebenswert, sondern ablehnungswürdig ist, und zugleich spürt, dass sich ihre leidenschaftlichen Gefühle deswegen nicht unmittelbar in den Hintergrund schieben lassen. Zu spüren, dass leidenschaftliche Gefühle ihre eigene Realität haben und somit zu den Persönlichkeitsbedürfnissen quer stehen, könnte Anlass genug sein, um wie beim Kätzchen ein mächtiges Zittern auszulösen. Das Auftreten einer Wildkatze verstehe ich als Ausdruck von intensiven aggressiven Affekten (Fauchen), die im Laufe einer inneren Auseinandersetzung mit einer inakzeptablen Situation entstanden sind und nun eine klare gefühlsmässige Ablehnung ermöglichen. Erst mit einer solchen Veränderung der Gefühlslage wird eine wirkliche Abgrenzung möglich. Die fauchende Katze sagt zu einer unakzeptierbaren Beziehung gewissermassen: «Tritt mir nicht zu nahe, sonst kratze oder beisse ich.» Das Bedürfnis nach Abgrenzung und Selbstschutz ist gewachsen bis zur entflammten Aggression. Die Wildkatze, verstanden als Symbol für eine intensive sexuelle Energie könnte anderseits besagen, dass sich diese Energien trotzdem nicht beliebig in den Hintergrund schieben, unterdrücken oder verdrängen lassen. Intensive sexuelle Energien benötigen einen grösseren Raum, als Frauen zu dieser Zeit (1959) zugestanden wurde. Die begehrende «Raubkatze» könnte durchaus später wieder in den Vordergrund treten wollen und sich unter Umständen nehmen wollen, was sie will. Die Träumerin ist gewarnt! Sie wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die «Wildkatze» in sich zu besänftigen oder zu befried(ig)en.

02.08.1960

KatzeWildkatze

Ein junges Kätzchen wird von unsichtbarer Hand von Wand zu Wand geschleudert. Ich höre es entsetzlich schreien, 134

02.08.1960

KatzeWildkatze

Nach der «fauchenden Wildkatze» ein Jahr zuvor (Sequenz 1015) erscheint hier erneut ein «junges Kätzchen». Dieses unterscheidet sich vom Kätzchen von Sequenz 75 durch die fehlende weisse Farbe. Dies könnte besagen, dass das Jungtier nicht mehr als unerfahren oder naiv angesehen werden kann, was immer dies beinhalten mag. Dass es «entsetzlich schreit» weist darauf hin, dass es inmitten einer schmerzhaften Erfahrung steckt. Zudem erfahren wir, was es so schreien lässt. Es wird «von Wand zu Wand geschleudert». Was immer dies inhaltlich bedeuten mag, das «Bild» ist dramatisch genug, um mit Sicherheit sagen zu können, dass es um «Sein oder Nichtsein» geht. Da die brutale Behandlung aber nicht von einer Person ausgeht, sondern von «unsichtbarer Hand», ist hier vermutlich von Auswirkungen die Rede, die sich aus unsichtbaren, nicht erkennbaren Sachverhalten ergeben. Und da sich diese im Hintergrund abspielen, ist es schwierig, sie richtig einzuschätzen oder gegen sie anzugehen (Objektebene). Dabei ist auch zu beachten, dass sich die Sequenz im Jahre 1960 abspielt. Wenn wir das Wort «geschleudert» durch das Wort «Herumgeworfenwerden» ersetzen, könnte ich es in folgender Weise verstehen: Wir werden «herumgeworfen», wenn an uns eine Weltsicht herangetragen wird, die unser Selbstverständnis als Frau ins Negative verkehrt und uns eine Lebensform aufdrängt, die unser «Eigenes» zu zerstören droht.

05.08.1962

KatzeWildkatze

Jemand lässt einen Tiger oder Panther in mein Wohnhaus ein. Aus Angst koche ich für das Tier eine Mahlzeit wie für einen Menschen. Es hatte Essen verlangt, 203

05.08.1962

KatzeWildkatze

Wildkatzen wie Tiger und Panther sind grosse «Raubkatzen» und für Menschen gefährliche Tiere. Als solche gehören sie in eine grossräumige Landschaft und Wildnis. Was könnten die Gründe sein, ein so gefährliches Tiere in eine menschliche Behausung einzulassen, die für Autonomie und Persönlichkeitsinteressen steht? Subjektstufig gesehen decken sich Vitalinteressen (Katze) nicht ohne weiteres mit Selbstwerdung und Individuation. Den Vitalbedürfnissen muss ein eigener Bereich zugewiesen werden. Die Jungsche Forderung, den «Schatten» zu integrieren (der für ihn in erster Linie aus dem Sexualtrieb besteht), darf subjektstufig nicht dazu führen, die unterschiedlichen Bereiche und Bedürfnisse zu einem Einheitsbrei zu vermischen. Die geistig/seelische Vitalität ist nicht notwendig identisch mit der körperlichen Vitalität. Auch wenn beide vorhanden sind, müssen sie nicht identisch sein. - Auf der Objektebene wäre nach der äusseren Situation zu fragen. Ob die Träumerin einen vitalen potentiellen Sexualpartner in ihr «Haus» und Seelenhaus eingelassen hat, obgleich sie sich vor seiner räuberischen Seite ängstigt? Die Forderung des Raubtieres nach einer «Mahlzeit wie für einen Menschen» könnte auf eine Diskrepanz in der Persönlichkeit des potentiellen Partners hinweisen. Einerseits wäre etwas Raubtierhaftes in ihm, das sich in der erpresserischen Forderung nach Nahrung zeigt, anderseits erwartete er trotzdem eine kultivierte Form der Beziehung seitens der Frau (menschliche Mahlzeit). Das Entgegenkommen der Träumerin wird mit Angst vor dem Raubtier erklärt, wobei zu fragen wäre, warum sie denn nicht versucht, das Tier alias den Partner loszuwerden. Ob sie etwa das «Kochen» menschlicher Mahlzeiten für den Partner für den Preis hält, der für eine von Vitalität getragenen Beziehung zu zahlen sei?

20.01.1965

KatzeWildkatze

Meine Schwester M. wird von einer Wildkatze angegriffen. Ich schlage die Katze an eine Steinmauer bis alles Fleisch von ihr abfällt, 328

20.01.1965

KatzeWildkatze

Mit der Wildkatze, die aus psychoanalytischer Sicht für weibliche Sexualität und Vitalbedürfnisse steht, geht die Träumerin in dieser Sequenz erschreckend rabiat um, um abzuwehren, dass ihre Schwester angegriffen wird. Es wäre aber falsch, eine solche Abwehr als Angst vor Sexualität im allgemeinen zu interpretieren. Die Sequenz beginnt mit dem Angriff der «Wildkatze», was als eine Reaktion auf eine Situation gesehen werden könnte, in der die legitimen Vital- und Sexualbedürfnisse einer Frau keinen Raum bekommen, und dass sich diese aggressiv gewordenen Kräfte gegen die Träumerin zu kehren drohen. Auf der Objektebene verstanden fehlt es in der äusseren Welt an gesellschaftlich akzeptierten Möglichkeiten für Frauen, ihren vitalen Bedürfnissen in einer Weise Rechnung zu tragen, die sie weder in ihrer beruflichen noch privaten Existenz gefährdet. Die Frage ist, ob der Träumerin wirklich nur die Möglichkeit bleibt, ihre «Katze» umzubringen bzw. derart gegen deren «Fleisch» zu wüten, bis alle Triebwünsche von ihr abfallen? Unverheiratete Frauen beispielsweise verloren zu dieser Zeit rasch ihren «guten Ruf», wenn sie sich gestatteten, mit Männern zu «schlafen», ohne sogleich an eine nähere Bindung oder gar Ehe zu denken.

10.03.1965

KatzeWildkatze

Ein Tiger ist hinter einem Schäferhund her, während der Hund bei mir Schutz sucht, 342

10.03.1965

KatzeWildkatze

Tiger und Schäferhund stehen hier für die Macht des Stärkeren gegen einen Schwächeren. In dieser Sequenz ist der «Schwächere» ein Tier mit der Fähigkeit, eine Tierherde oder ein Haus zu «hüten». Der Schäferhund erinnert an den biblischen «Hirten», der als ein «guter Hirte» seine Herde hütet und heilt. Als ein solcher «Hirte» könnte er für einen Mann stehen, der einen Beruf mit Schutz- und Heilungscharakter ausübt. Dass ein solcher «Hirte» seinerseits Schutz und Trost bei einer Frau sucht, wäre nicht ungewöhnlich. Sowohl Gesellschaft wie psychologische Lehren formulieren dies als Recht des Mannes und Pflicht der Frau. Vielleicht ist es diese Erkenntnis, die diese Sequenz der Träumerin mitteilen will und zur Frage auffordert, ob sie in einer Beziehung diese Rolle spielen will.

08.12.1966

KatzeWildkatze

Ein Löwe lässt von meinem halbjährigen weiblichen Hundekind ab, weil es mit Demutsgebärde reagiert hat, 436

08.12.1966

KatzeWildkatze

Dieser Löwe, der auf die «Demutsgebärden» eines Jungtieres reagiert, könnte ein patriarchales bzw. hierarchisches Beziehungsverhältnis bezeichnen. In einem solchen Verhältnis ist die Frau genötigt, sich «klein» zu machen, damit sich der Mann gross fühlen und ihn davon abhalten kann, aggressiv gegen sie zu sein. Frauen wurden zu dieser Zeit (1966) angehalten, zu ihrem Mann «hinauf» zu schauen, ihn zu bewundern und seine Launen zu ertragen, anstatt ihn durch Emanzipationswünsche und ihren vermeintlichen «Animus» zu «reizen». Das Gelingen einer Beziehung hing davon ab, ob der männliche Anspruch auf Hierarchie akzeptiert wurde. Nebenbei: Eine «Löwin», das heisst eine starke Frau, wendet sich ihren Kindern liebevoll zu, ohne Demutsgebärden von ihnen zu verlangen.

17.10.1967

KatzeWildkatze

Ein vermeintlich zahmer Löwe ist plötzlich ein wilder Löwe. Er sei vernachlässigt worden, daher werfe ich ihm etwas Fleisch hin, 491

17.10.1967

KatzeWildkatze

Der Löwe steht, wie bereits gesagt, für vitale Naturkräfte und vitale Bedürfnisse, seien sie seelischer oder körperlicher Art. Subjektstufig verstanden könnte diese Sequenz besagen, es sei gefährlich, unsere natürlichen Vitalbedürfnisse zu vernachlässigen, ob es sich um Bedürfnisse von allgemeiner Art (Bewegung, Kontakt, Heimat) oder sexuelle Bedürfnisse handelt. Die Träumerin hatte vielleicht gemeint, diese Bedürfnisse «in den Griff» bekommen zu haben, gezähmt zu haben (zahmer Löwe), nachdem sie in der Sequenz 328 eine Wildkatze an eine Steinmauer geschleudert hatte, bis alles Fleisch von ihr abfiel. In dieser radikalen Art lassen sich Naturkräfte nicht aus der Welt schaffen (zum Glück!). Hier löst sie das Problem, indem sie den «fleischlichen» Bedürfnissen etwas nachgibt (sie wirft dem wild gewordenen Tier etwas Fleisch zu).

31.10.1973

KatzeWildkatze

Eine struppige Berg-Katze verteidigt ihre zwei Jungen in extrem aggressiver Weise. Zwei Katzen tötet sie, vermutlich Kater, 652

31.10.1973

KatzeWildkatze

In dieser Sequenz erscheinen Katzen in dreifacher Form: als Mutterkatze, Jungkatzen und Kater, wobei eigentlich die «Wildheit» der Mutterkatze im Mittelpunkt steht. Nicht die «Wildheit» der sexuellen Aspekte der Katze steht hier zur Debatte, sondern die sprichwörtliche «Wildheit» eines Muttertiers, das mit dem Einsatz ihres Lebens ihre «Jungen» verteidigt. Womit die Frage nach dem Symbolgehalt dieser Jungkatzen gestellt ist. Als Katzenkinder sind sie «Produkte» der erwachsenen Katze, die übrigens explizit als «Bergkatze» vorgestellt wird. Dies heisst, dass sie ihre «Produkte» abseits vom Getümmel von Stadt und «Welt» hervorgebracht hat. Die Struppigkeit der Katze könnte zudem darauf hinweisen, dass sie sich auf einem von Unwetter und Kargheit geprägten Ort aufhält oder sich nicht pflegen kann. - Im übertragenen Sinn könnte die Sequenz als Ausdruck der damaligen Situation (1973) verstanden werden, in der den Frauen in einer Jungschen Psychotherapie eine «schöpferische» Tätigkeit nur innerhalb der Animarolle zugestanden wurde. Wie diese Rolle zu verstehen sei, war den Schülern des C.G.Jung. Jung-Instituts von seinem Begründer vorgelebt worden. Viele hoch intelligente und intellektuell geschulte Frauen haben für Jungs «Werke» gearbeitet, recherchiert und Theoriearbeit geleistet. Von Jolanda Jacobi wird gesagt, dass sie die eigentliche Theoretikerin von Jungs, auf empirischem Wege gewonnenen, Auffassungen und Schlussfolgerungen gewesen sei.

13.09.1984

KatzeWildkatze

Im Kreml sind Wildkatzen und Hunde hinter den Sitzen der Politiker postiert. Die Tiere sollen allfällige Angriffe der Politiker abwehren, 843

13.09.1984

KatzeWildkatze

Die Vorstellung von «Wildkatzen» und Hunden hinter Ratsmitgliedern eines hoch politischen Gremiums bringt mich spontan zum Lachen. Auf der anderen Seite deutet die bekannte Metapher «wie Katz und Hund» darauf hin, worum es in der hohen Politik geht, nämlich um die Kollision von Positionen und Interessen, die nicht selten extrem und daher aggressionsanfällig sind. - Die Sequenz könnte besagen, dass sich die Träumerin, wenn sie sich mit politischen Vorgängen und Problemen auseinandersetzt, darüber klar sein sollte, dass sie sich keineswegs auf einem harmlosen Gebiet bewegt. Sie könnte in einem stärkeren Mass in den Streit der Parteien verwickelt werden, als ihr lieb ist oder als sie verkraften könnte. Subjektstufig verstanden könnte die Sequenz besagen, dass sie sich in politischen Gremien mittels der Kraft ihrer «Wildkatze» auf ihren eigenen Standpunkt besinnen und auf ihm beharren soll, anderseits solle sie sich aber auch von dem mehr vermittlungsfähigen «Hund» leiten lassen. Davon abgesehen könnte die Sequenz auch auf eine Beziehungsproblematik hinweisen, die auf unterschiedlichen Lebens- und Beziehungsauffassungen gründet. In beiden Fällen scheint mir der Einsatz von Wildkatze und Hund einen Ratschlag aus den Tiefenschichten zu enthalten, wie die Frau in einer heiklen Auseinandersetzung bei sich und beim «Eigenen» bleiben und trotzdem dosiert auf die Situation und Meinungen von Dritten eingehen könnte. - Zum Schluss möchte ich noch auf die ungewohnte Perspektive hinweisen: Im Traumbild werden Menschen (Politiker) von Tieren überwacht, während in Tradition und Psychologie die Vorstellung herrscht, in jedem Menschen befinde sich ein bösartiges und widerspenstiges Tier, das durch die Vernunft «des Menschen» überwacht und in Schranken gehalten werden müsse. Diese Sequenz stellt sozusagen eine andere These auf: Die «Tiere», verstanden als die natürlichen Instinkt- und Vitalkräfte, seien keineswegs als an sich bösartige Kräfte zu verstehen, vielmehr seien diese Kräfte imstande, auf eine aus den Fugen geratene politische Welt und Gefühlswelt einzuwirken.

06.01.1988

KatzeWildkatze

Eine Katze hat mit ihren Krallen meinen Polsterstuhl durchbohrt, auf dem ich sitze. Ich ertränke sie samt Polsterstuhl, 915

06.01.1988

KatzeWildkatze

Diese «Katze» weist sich durch ihr Verhalten als eine «Wildkatze» aus. Als solche symbolisiert sie das Gegenteil vom dem, was der «Polsterstuhl» darstellt. Die Lebensform der Wildkatze ist eine völlig andere als die des «Polsterstuhls». Die Sequenz könnte einen Vorwurf an die Träumerin enthalten, sie sei dabei, sich zu sehr mit bürgerlichen Idealen von Wohlbehagen zu identifizieren und dadurch den eigenen Weg und Auftrag zu vergessen. Ich halte es zwar für durchaus legitim, dass feministisch orientierte Frauen für sich und alle Frauen ein «Leben in Fülle» anstreben. Aber die Traumsequenz redet von einer «Wildkatze», die wütend ins Leben der Träumerin eingreift, weil es ihr vermutlich zu behaglich erscheint. - Anderseits ist zu fragen, ob die «Wildkatze» als eine «wilde» Frau auf der Objektebene zu verstehen sei, vor der sie sich in Acht nehmen soll, insbesondere weil diese ihren Angriff klammheimlich vornimmt. Die Träumerin wäre dann aufgefordert, die «Täterin» (Wildkatze) und deren Motive zu eruieren. Die Sequenz könnte von der Erfahrung in dieser Zeit reden (1988), dass nicht alle Frauen lieb und gut und mit anderen Frauen solidarisch sind, und dass sich auch unter Feministinnen heimliche Machtkämpfe abspielen können. Dass die Träumerin schliesslich sowohl den «Polsterstuhl» als auch die «Wildkatze» ertränkt, könnte besagen, dass sie beiden Extremen eine gründliche Absage erteilt oder erteilen soll.

05.10.1963

Pferde

Ein junges Pferd rennt neben meinem Velo her und freut sich, wenn es mit mir Schritt halten oder mich sogar überholen kann, 243

05.10.1963

Pferde

Ein freudig rennendes junges Pferd symbolisiert jugendliche Lebensfreude und Lebenskraft. Das Pferd, das in dieser Sequenz «Schritt halten» will mit der Träumerin und lustvoll Schritt halten kann, könnte besagen, dass sich Tier und Frau, Gefühlswelt und Denkwelt, Vitalität und Persönlichkeitsbedürfnisse begegnen und sich zu einer doppelten Vitalität und Lebensfreude zu steigern vermögen. Das heisst, beide Welten, Denkwelt und Gefühlswelt machen Freude und ebenso die Welt des Tuns und Handelns. Alle drei Welten zusammen steigern geistige und sexuell/libidinöse Vitalität und müssen nicht als «absolute Gegensätze» verstanden werden. - Ich verstehe diese Sequenz als Resultat eines Verhaltens, bei dem die Träumerin die «Treue zu sich selbst» und zu ihrem Lebensweg in den Vordergrund rückt (anstatt die Treue zu einem Mann).

11.08.1965

Pferde

Eine Frau und ihre fünf Kinder galoppieren auf Pferden übers Feld. Sie fliehen vor Männern auf Pferden, die sie mit ihren Spiessen verfolgen und aufspiessen, 349

11.08.1965

Pferde

In den galoppierenden Pferden sehen wir ihre Eigenschaften von Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Wir sehen sie zugleich in ihrer Sanftheit, denn sie verhelfen menschlichen Wesen zur Flucht vor Verfolgung und Vernichtung. Wir sehen aber auch, wie ein sanfter Charakter missbraucht werden kann. Gesunde Lebenskräfte an sich bieten noch keine Gewähr, dass sie für ethische Ziele eingesetzt werden. Wie die Pferde werden Frauen vom Patriarchat veranlasst, ihre Kräfte unbesehen den Zielen und Zwecken männlicher Menschen zur Verfügung zu stellen (Chronik 6). - Wenn wir die «Kinder» als kreative «Produkte» der Frau verstehen, könnte die Sequenz besagen, dass ihre Produktionen mehrere Sachen oder Inhalte umfassen (5 Kinder). So gesehen könnte verständlich werden, was die «Verfolgung» ihrer Kinder bedeutet. Trotz der fünffachen «Pferdestärken» (5 Kinder mit Pferden), schildert das Traumbild eine erschreckende Situation, denn weder die Frau noch ihre «Produkte» scheinen grosse Chancen des Überlebens zu haben. - Das «Aufspiessen» der «Kinder» steht für die Zerstörung des «Eigenen» der Frau, ihres eigenständigen Denkens und Fühlens und Schaffens. Die brutale Verfolgung der Kinder geht nicht von einem einzelnen Manne aus, sondern von einer Männergruppe, die als solche anonym bleibt. Auch die traditionelle Psychotherapie sorgt letztlich dafür, dass die Frau auf ihre Rolle zurückgestutzt wird. Die Sequenz schildert, dass die Träumerin sich in einer äusserst dramatischen Situation befindet.

30.03.1967

Pferde

Mein Bruder B. versucht mit Gewalt ein Pferd in seinen Transporter zu bringen, aber es schlägt aus. Mir selber gelingt es mit sanften Methoden. Später gehört der Transporter mir, 456

30.03.1967

Pferde

Dieses Pferd verhält sich entgegen seines sprichwörtlich «sanftmütigen» Charakters widerspenstig. Es lässt sich nicht mit Gewalt in ein «Auto» hinein pferchen. Das «Auto» könnte für die Vorstellungen eines der Träumerin nahe stehenden Mannes (Bruder) stehen, wie mit der «Natur» eines «Tieres» umzugehen sei (zu dieser Zeit, 1967 galten Frauen in der Psychologie als «Natur», im Unterschied zum Manne als «Geist»). Der Mann scheint zu glauben, dass die Qualitäten oder der Anspruch auf Selbstbestimmung eines «Tieres» (der Frau?) nicht wahrgenommen zu werden brauchen oder deren Bedürfnisse missachtet werden dürften. Das Pferd, dessen Eigenschaften «Stärke, Energie und Bewegung» verkörpern, lässt sich nicht in diese engen Vorstellungen einfügen, obgleich sich dieser Mann für «brüderlich» ausgibt. Dass sich das Pferd von der Träumerin ins Auto führen lässt, hat nicht nur mit «sanfter» Methode zu tun (sanfte Methoden können Brutales verbergen), sondern mit einem anderen Umgang mit der «Natur» des Pferdes. In der frühzeitlichen Symbolik gehört das Pferd zu den «Seelentieren» und symbolisiert auch die «Seelenreise». Im patriarchalen System gilt das Pferd als ein Symbol männlicher Kraft. Der Zugang zu den «Pferdekräften» einer anderen Person lässt sich, sei sie als männliche oder weibliche Kraft definiert, nicht erzwingen. Dagegen folgt das Pferd dem sanften Zuspruch, was bedeutet, dass die Psyche auf ein tieferes Verständnis für die «Natur» dieser körperlich/seelischen Kräfte reagiert. - Die Lysis dieser Sequenz ist prospektiv: Der «Pferdetransporter» (Symbol für Autonomie), in welches das Pferd mittels Zuspruch der Träumerin gebracht werden konnte, gehört nun ihr. Das heisst, dass sie eine schwierige Situation gemeistert und dadurch an Autonomie und Kraft gewonnen hat oder dass ihr von den Tiefenschichten ein Weg gewiesen wird, wie sie eine solche schwierige Situation meistern könnte.

12.10.1968

Pferde

Ein Pferd, das auf denselben Namen hört wie meine Boxerhündin, wird von der Hündin am Aussteigen aus einem Fluss gehindert, 538

12.10.1968

Pferde

Diese Sequenz redet von Konkurrenz zwischen Hund und Pferd, wobei das Konkurrenzgefühl von der Hündin ausgeht. Sie scheint eifersüchtig zu sein auf das Pferd. Dies führt zu zwei Fragen: Was unterscheidet das Pferd von einem Hund, einer Hündin? Was bedeutet es, dass die Sequenz zwei konkurrierende Tiere ins Spiel bringt, die subjektstufig verstanden, beide Aspekte der Träumerin darstellen (die Tiere hören auf denselben Namen)? - Zwischen Hund und Pferd, obwohl beides Haustiere, bestehen entscheidende Unterschiede. Hunde können in menschlichen Behausungen gehalten werden, während Pferde klar zu den Tieren im Stall gehören, einerseits ihrer Grösse wegen, anderseits weil sie ihre Pferdeäpfel fallen lassen, wo immer es sei. Von einem Pferd können wir uns tragen lassen, während wir einem Boxerhund höchstens kleinere Lasten aufbürden können. Bezüglich Nahrung und Pflege sind Pferde ziemlich anspruchslos. Über die Art des Hundes weiss ich als Hundehalterin bestens Bescheid (ein Weibchen, später ein Männchen). Beide Tiere kamen als 10-12-wöchige Babys ins Haus (ich rede hier nicht von Hofhunden, sondern von Hunden als Mitglied einer menschlichen Gemeinschaft). Auffallend war das Bedürfnis der Hunde nach Kontakt, Wahrgenommenwerden und Spiel. Das Nähebedürfnis entwickelte sich beim Älterwerden immer stärker, sodass der Schlafplatz der Hunde von der Küche schliesslich ins Schlafzimmer wechselte (vors Bett). Mir schien, dass Hunde intelligenter seien als Pferde (Hunde sollen bis zu hundert Worte verstehen), und insbesondere scheinen sie eine Art Einfühlung in uns Menschen zu besitzen, die uns Hunde sympathisch und verstehbar machen. Angesichts dieser Vorzüge ist zu fragen, weshalb die Boxerhündin eifersüchtig auf das Pferd wäre? Vermutlich sind es die «Pferdestärken» und die Erfahrung des Getragenwerdens durch diese Stärken (Vitalkräfte). Die Hündin könnte befürchten, dass das Pferd vermehrte Aufmerksamkeit und Liebe auf sich zieht. - Im übertragenen Sinn geht es auf der Subjektebene um eine Konkurrenz zwischen verschieden gelagerten Eigenschaften, Fähigkeiten und Bedürfnissen. Vitalkräfte und Gefühlskräfte können sich unter Umständen konkurrenzieren. Es scheint mir, dass die eifersüchtige Hündin, die für Einfühlung, Kontaktfähigkeit und Bindung steht, anzeigt, dass bei der Träumerin eine gewisse Gefahr besteht, diese Fähigkeiten im Zuge von Kraftgewinnung und Handlungsfähigkeit in den Hintergrund zu drängen. Dennoch halte ich die Lysis in dieser Sequenz für prospektiv im Sinne einer gewissen Korrektur an einem allzu einfühlenden Verhalten. Manchmal ist es nötig, den eigenen Vitalkräften den Vorzug zu geben, um im Gleichgewicht zu bleiben zu können.

07.02.1969

Pferde

Auf der Strasse galoppieren Männer wie Pferde um die Wette. Die Pferde sitzen jedoch auf den Schultern der Männer, anstatt umgekehrt, 557

07.02.1969

Pferde

Das Bild der Männer, die wie Pferde galoppieren und die Pferde auf ihren Schultern tragen, redet von einer verkehrten Welt. Die Szene wirkte im ersten Moment derart absurd auf mich, dass ich auf eine Interpretation am liebsten verzichtet hätte. Dann aber kam es mir vor, als werde hier vorgeführt, was in der Männerwelt eigentlich abläuft. Zum Beispiel herrscht in der Wirtschaftswelt ein hektisches «Galoppieren» inbezug auf immer schnellere und umfangreichere Herstellung von Waren und ein gegenseitiges Antreiben in diesem Verhalten, das damals (1969) noch nicht kritisiert wurde, sondern als eine wirtschaftliche Notwendigkeit galt. Aber was bedeutet es, dass die Männer die Pferde auf ihren Rücken tragen, anstatt die Pferde die Männer? Es könnte sein, dass die Sequenz der Träumerin mitzuteilen versucht, was bei Männern, die dem Tempodiktat der Wirtschaftsideologen erliegen, eigentlich abläuft. Diese Männer haben den Zugang zu den eigenen «Pferdestärken» verloren. Statt dessen lassen sie sich von wirtschaftlichen «Notwendigkeiten» vor den Karren spannen und antreiben. Es ist, als wüssten diese Männer nicht mehr, wie sich ein Mensch in seiner Vitalkraft (Körper und Psyche) heimisch und «getragen» fühlen kann, und dass sie nunmehr dazu verdammt sind, die kraftlos gewordenen Jammergestalten von «Pferden» (die sie selber geworden sind) mit sich bis zum Zusammenbruch zu schleppen (Burnout). Meine Annahme, dass die Sequenz auf der Objektebene ein männliches Problem betrifft hat damit zu tun, dass es irgendwie unvorstellbar ist, diese Szene innerhalb der Psyche von Frauen überhaupt, zu denken.

01.08.1969

Pferde

Ich sehe edle Reitpferde und Fische am Himmel, die sich bewegen. Ich halte dies für Hirngespinste, bis jemand sagt: «Schaut die Pferde am Himmel», 562

01.08.1969

Pferde

Dass Pferde sich im Luftraum (Himmel) aufhalten könnten, ist auf der Objektebene ausgeschlossen, es fehlen die Flügel. Es ist daher verständlich, dass eine realistisch eingestellte Person die gesehenen Pferde für Luftgespinste hält. Der Lebensbereich der Pferde ist die Erde, die in der patriarchalen Symbolik im Gegensatz zum «Himmel» steht. Nun aber behauptet die Sequenz, Pferde könnten sich sehr wohl im «Himmel» aufhalten, also am Ort von geistig/seelischen und begrifflichen Inhalten und Höhenflügen. Da Himmel und Erde im patriarchalen Begriffssystem den vermeintlichen Gegensatz von Geist und Trieb darstellen, könnte die Sequenz die Botschaft, den Wunsch, die Hoffnung oder das «Hirngespinst» enthalten, Geist und Trieb könnten eines Tage wieder zu ihrer ursprünglichen Einheit zurückfinden. Das Traumbild stellt ferner eine Verbindung zwischen Pferd und Fisch her, also zu einem Tier, das in der Antike ein weibliches Genitalsymbol war und als solches zur sexuellen Triebwelt gehört. Im Tierkreis gehört dieser (sexualstarke) Fisch interessanterweise zu den Lebewesen, die im Sternbild der Fische ein selbstverständliches Daseinsrecht im Himmel haben. Das heisst, dass das triebhafte, vermeintlich nur zur Erde gehörende Sexuelle, als ebenso zum geistig/seelischen Himmelsraum gehörend verstanden und akzeptiert wird. In der Verbindung von Pferd und Fisch könnte demnach ebenfalls der Wunsch enthalten sein, Himmel und Erde, Geist und Trieb würden begrifflich und praktisch nicht mehr als unvereinbare Gegensätze auseinandergespalten werden. - Auf der Subjektebene deute ich die Sequenz zudem als Ausdruck der Erfahrung, dass «Pferdestärken» bzw. vitale Kraft auch «oben», im Bereich des Denkens vorhanden sein können. In der Yogapraxis wird diese Erfahrung durch die Vorstellung ausgedrückt, dass die Kundalini-Schlange, die im «unteren» Bereich des Körpers «schläft», mittels Yogapraktiken in den oberen Bereich (Kopf) aufsteigen könne und aufsteigen solle.

23.03.1982

Pferde

Ein vormaliger Dressurreiter springt mit einem Pferd über eine breite Strasse, weil er sich zu wenig beachtet glaubt. Er lässt das Tier, das sich schwer verletzt, auf dem Asphalt liegen, 801

23.03.1982

Pferde

Im patriarchalen Symbolsystem wird das Reiten auf einem Pferd als eine Metapher für den Geschlechtsakt verstanden (eine Frau «reiten»). Aus dieser Sicht könnte der «Dressurreiter» auf eine Situation hinweisen, in der männlicherseits der Geschlechtsakt als eine Art Dressurakt aufgefasst wird bzw. als eine Möglichkeit, die Frau in den Griff zu bekommen, sie zu beherrschen oder zu erziehen. - Das Verhalten des Mannes, der unverantwortlich an einem «Pferd» handelt, könnte auch darauf hinweisen, dass Männer, die eine permanente Aufmerksamkeit und Bewunderung ihrer Person gewohnt sind, dies nicht selten von Frauen mit gefährlichen Manövern und Imponiergehabe erzwingen. - Es könnte sein, dass ein konkreter Mann eine solche Überidealisierung seiner Person erwartet und allenfalls aggressiv reagieren könnte, wenn die Frau diesem Wunsch nicht entgegenkommt. Sicher ist, dass der Traumsequenz eine erhebliche Warnqualität zukommt.

12.01.1987

Pferde

Eine befreundete Frau hat ein sehr schönes Pferd gekauft, aber sie lässt weder mich noch andere Leute an die Pferdeboxe heran. Ich habe das Gefühl, das Pferd sei in Wirklichkeit mein Hund (Billy), 885

12.01.1987

Pferde

Hier ist von einer Identität zwischen Pferd und Hund die Rede, also von zwei Tieren, die sich im Grunde ziemlich stark voneinander unterscheiden (Sequenz 538/4419). Nun stellt sich die Frage, warum die Tiefenschichten der Träumerin noch betonter auf einer Identität von Pferd und Hund beharren. - In der erwähnten Sequenz ging es um eine Art Konkurrenz zwischen Pferd und Hund. Die Hündin liess das Pferd nicht aus dem Fluss aussteigen, als ob sie meinte, das Pferd könnte Aufmerksamkeit und Liebe auf sich ziehen und sie konkurrenzieren. In der vorliegenden Sequenz ist die Situation jedoch wie umgekehrt: das Pferd und seine Pferdebox stehen im Vordergrund, und zudem hat die Träumerin das Gefühl, das Pferd sei in Wirklichkeit ihr Hund. Die Identität von Pferd und Hund ist somit klar hergestellt. Verwirrend dabei ist, dass durch die Identität von Pferd und Hund so etwas wie eine doppelte Zurückweisung der Träumerin stattfindet. Die Pferdebesitzerin lässt die Träumerin nicht ans Pferd heran, und weil das Pferd «in Wirklichkeit» der Hund der Träumerin darstellt, wird sie auch von ihrem «Hund» zurückgewiesen. - Zur Erinnerung: Dank besonderer Sinnesschärfe können Hunde Dinge sehen und hören, die menschlichen Augen und Ohren nicht zugänglich sind (mythologisch bewachen Hunde «die Tore der Jenseitswelt»), während Pferde «Stärke, Energie und Bewegung» symbolisieren. Pferd und Hund stehen also für Fähigkeiten, die aus patriarchaler Sicht absolute Gegensätze sind: Aktivität/Passivität, Aktion/Kontemplation, Extraversion/Introversion. Das Verhalten der Boxerhündin in (538/4419) hatte ich als Befürchtung interpretiert, eine verstärkte Hinwendung zur Extraversion (Pferd) könnte das Kontemplative (Hündin) verdrängen. Die vorliegende Sequenz (21 Jahre später) könnte dasselbe Problem nochmals aufgreifen und zudem auf den Irrtum der Träumerin hinweisen, Pferd und Hund für identische Tiere und also für denselben Symbolgehalt zu halten. Das Verhalten der Pferdehalterin zeigt, dass sie klar anderer Meinung ist (sie lässt die Träumerin nicht ans Pferd heran, obgleich diese meint, es sei in Wirklichkeit ihr Hund). - Die Botschaft dieser Sequenz könnte sein, die Träumerin solle über die Verweigerung der Pferdebesitzerin nachdenken. - Meine Erfahrung zu dieser Zeit war, dass eine «Einheit» (Identität) von «Pferd» und «Hund» - im Sinne einer Gleichzeitigkeit von Introversion und Extraversion - nicht möglich ist. Zwar sollen sowohl Introversion als auch Extraversion in einem Leben Platz bekommen, aber beide benötigen eigene Zeitabschnitte, damit beide Lebensformen (mit ihren Vorzügen und Nachteilen) lebendig werden können.

12.07.1962

RattenMäuse

Eine grosse Ratte rennt und piepst kläglich vor Hunger. Bald würde sie beissen, wenn sie nichts zu Essen bekommt, 199

12.07.1962

RattenMäuse

Eine hungrige Ratte verwandelt sich in eine Wildkatze, 200

12.07.1962

RattenMäuse

Dass eine grosse Ratte kläglich piepst vor Hunger, kann man sich angesichts ihrer Lebenstüchtigkeit und Anpassungsfähigkeit fast nicht vorstellen. Warum wartet sie auf Nahrung von Menschenhand, anstatt sich zu nehmen was sie benötigt - und sei es im «Abfall»? Warum benützt das «überaus intelligente Tier», das sogar über eine «bewusste Intelligenz und berechnende Gefährlichkeit» verfügen soll ihre Fähigkeiten nicht? Genügt ihr der «Abfall», verstanden als geistig seelische Nahrung, nicht? Frauen müssen tatsächlich «hungern», weil man(n) ihnen «Steine anstatt Brot» gibt, wie es eine Theologin ausdrückt. Aber noch scheint die Träumerin sich nicht abfinden zu wollen, dass ihr die «Abfälle» männlicher Geistestätigkeit genügen sollten, die Frauen nach patriarchaler Vorstellung zustehen. Noch will sie leben und nicht nur überleben. Dass die Ratte zu «beissen» droht, wenn sie nicht bald wirkliche «Nahrung» bekommt, könnte bedeuten, dass aggressive Potentiale wachsen, die ihr helfen könnten, streitbarer um genügende und kräftige geistige Nahrung zu kämpfen.

12.07.1962

RattenMäuse

Ob die Verwandlung einer hungrigen Ratte in eine «Wildkatze» eine wünschbare Entwicklung ist? Wenn die Ratte nicht anders zu ihrer lebensnotwendigen Nahrung kommen kann, müsste sie quasi in «Notwehr» zur «Wildkatze» werden? In der Sequenz 199 habe ich den Hunger der Ratte für ein Symbol für den Hunger nach geistiger Nahrung gedeutet, während die Katze zusätzlich für den Hunger im Sexualbereich steht. So gesehen könnte die Sequenz besagen, in welcher Richtung sich die künftigen «Raubzüge» der beiden Tiere entwickeln könnten. Der aufgestaute «Hunger» scheint derart gewaltig zu sein, dass die tiefsten Lebens- und Aggressionskräfte auf den Plan gerufen wurden.

11.08.1979

RattenMäuse

In meiner Wohnung entdecke ich einen Verschlag, in dem sich Ratten eingenistet haben, 753

11.08.1979

RattenMäuse

Hier haben sich die Ratten sehr nahe an eine menschliche Behausung herangewagt. Sie sind zwar noch in einem «Verschlag» wie gefangen, also noch ungefährlich. Aber schon bald könnten sie sich einen unterirdischen Weg zu den «Vorräten» der Träumerin verschafft haben. Die Suche nach Nahrung, die in Traum 199 noch in der Aussenwelt erfolgen sollte, könnte sich hier, auf der Subjektebene verstanden, in eine gefährliche Selbstausbeutung verkehren. - Anders herum könnte gefragt werden, ob die Träumerin dabei sei, sich stärker auf ihre eigenen Ressourcen und Fähigkeiten zu besinnen, wobei auch eine solche Haltung in Richtung Selbstausbeutung gehen könnte. Schliesslich ist auch noch an die Möglichkeit zu denken, dass eine Ausbeutung durch Dritte droht (Objektebene), zum Beispiel durch eine Liebesbeziehung, die es als solche erschwert, den Ausbeutungscharakter zu erkennen.

26.11.1979

RattenMäuse

Eine Art Troll ruft: So ein herziges Mäuschen möchten wir auch unter uns haben, 761

26.11.1979

RattenMäuse

Die Bezeichnung «herziges Mäuschen» - ausgesprochen von einem archaisch männlichen Wesen (Troll) - bedeutet den Wunsch nach einer unbedarften Mädchenfrau. Das Wort «herzig» tut so, als ob es sich um eine Anerkennung weiblicher Attraktivität und Jugendlichkeit handeln würde, während der Diminutiv «Mäuschen» eine perfide Geringschätzung der Frau anzeigt. Ich fasse die Sequenz als eine Information über eine heterosexuelle Beziehung auf der Objektebene auf, die eine Warnung an die Träumerin beinhaltet. Alternde Männer erheben den Anspruch, bei einer jüngeren Frau «tanken» zu können, anstatt bei sich selber die notwendigen Entwicklungen und geistigen Verjüngungen voranzutreiben, die sie für ihre Partnerin erneut attraktiv machen könnten.

30.11.1980

RattenMäuse

Im Abort schwimmt ein Tier, vielleicht eine Ratte, später ist die Ratte ein junger, schwarzweisser Hund, 786

30.11.1980

RattenMäuse

Eine Ratte im Abort ist angesichts des üblichen Aufenthaltes dieser Tiere in Abwässern und Abfallbergen nichts Ungewöhnliches. Hier jedoch gelangt eine Ratte über den Abwasserkanal (WC) in den menschlichen Lebensraum. Die Metamorphose geht also in umgekehrter Richtung als in 200 und 323, denn die gefährliche Ratte verwandelt sich ein ungefährliches Tier (junger Hund). Die Frage ist, ob es wünschenswert sei, dass eine zähe Lebenskraft, wie sie durch die Ratte symbolisiert war, quasi verloren geht. Auf der anderen Seite könnte es sein, dass der «junge Hund», verstanden als wertvolles Familienmitglied und Begleittier (das als erwachsenes Tier durchaus auch kraftvoll und ausdauernd sein kann), das Wildtier «Ratte» ablöst, weil deren «Wildheit» nicht mehr benötigt wird bzw. durch andere Arten von Wehrhaftigkeit ersetzt werden konnte (die Träumerin ist 48 Jahre alt). - Zur Erinnerung: Beide Symboltiere (Ratte und Hund) gehören zu den sogenannten «Seelentieren», deren mythische Aufgabe es war, die Seelen zur Welt des Jenseits oder auch zum Land der Toten zu begleiten. Zudem ist der Hund nicht nur ein domestiziertes Tier, sondern dasjenige Tier, mit dem wohl der tiefste seelische Rapport möglich ist. Menschen und Hunde leben unproblematisch und freundschaftlich zusammen. Man könnte auch sagen, die «Ratte» habe einen Aufstieg vom Abwasserkanal ins «Obere» einer menschlichen Wohnung geschafft. Es habe eine Annäherung von menschenfernen, wenn auch wild kraftvollen und tiefenschichtnahen, zu menschennäheren und kontaktnäheren Elementen stattgefunden.

19.01.2003

RattenMäuse

Eine Ratte signalisiert Durst, nachdem sie sich gesättigt hat, wie ich es von meinen Hunden kenne. Ich stelle ein Glas Wasser vor sie hin, das sie gierig leckt, 1001

19.01.2003

RattenMäuse

Diese Ratte hungert nicht mehr wie die Ratten in der Sequenz 199, sondern scheint genährt worden zu sein oder sich selber mit Nahrung versorgt zu haben, sie signalisiert nur noch Durst. Diese Ratte besagt zweierlei: Von einem «gesättigten» Tier ist nicht mehr zu befürchten, sie könnte ihre Versorgung gänzlich von der Träumerin erwarten. Die frühere Befürchtung, es könnte zu Ausbeutung oder Selbstausbeutung kommen, ist also nicht eingetreten. Und für den «Durst» dieser «Ratte» steht nunmehr genügend Wasser zur Verfügung (Hahnenwasser). Das heisst, dass die Stillung dieses Durstes nicht zu Selbstausbeutung führt, sondern aufgrund von genügender Versorgung durch die Aussenwelt gewährleistet ist. - Ich verstehe dieses «Hahnenwasser» als ein Symbol für die inzwischen zahlreich gewordenen literarischen und grundlegenden Werke von Frauen (siehe Bücherliste der Träumerin).

03.01.1959

Schlangen

Die Schlangen eines Gemäldes werden lebendig und verfolgen mich. Ich fliehe und besorge mir ein Mittel gegen Schlangengift, 13

03.01.1959

Schlangen

Die Flucht vor Schlangen wird in der herkömmlichen Tiefenpsychologie als Sexualangst oder als verdrängte Sexualwünsche interpretiert. Aus feministischer Sicht könnte die Sequenz auf eine Ablehnung von unerfreulichen oder entwürdigenden Auffassungen über das Geschlechterverhältnis im sexuellen Verkehr hindeuten. Unerfreulich, weil zu dieser Zeit (1959) die «Bilder» für den Beischlaf als eine Form von Krieg gegen die Frau und als Unterwerfung der Frau beschrieben wurde. Unerfreulich, weil die Frau, sexuell und als Persönlichkeit, zum Dienst am Mann verpflichtet schien. Die Träumerin erfuhr, Frauen seien wie die «Erde», sie seien «Baustoff», sie seien Dienerinnen, nicht Schöpferinnen. Sie hätten keinen eigenen Willen. Ohne Vorbehalt stellten sie sich jedem schaffenden Geiste zur Verfügung (Chronik 6). Auch in katholischen Kreisen wurde die Frau letztlich als sexuelles Objekt gesehen, nachdem das Sexuelle vom Nimbus der «Sünde» befreit worden war. Dies konnte die Träumerin einem Traktat für katholische Jung-Männer entnehmen (Pater Anton Lötscher, Theologe), das als fortschrittlich galt. Die jungen Männer sollten das weibliche Geschlecht nicht mehr als sündige Eva begreifen, sondern als «Geschenk Gottes» (für den Mann). - Demnach könnte die Flucht vor Schlangen besagen, die Träumerin wolle sich und ihren Körper keinesfalls als «Geschenk» für den Mann verstehen. Keinesfalls wolle sie ihr eigenes Begehren auf selbstlose «Hingabe» an sexuelle Männerwünsche einschränken lassen. Eine weitere Deutungsmöglichkeit betrifft die gesellschaftliche Doppelmoral: Frauen, die ihr sexuelles Begehren selbstbestimmt in die Tat umzusetzen versuchten, ohne sogleich an Heirat und Ehe zu denken, mussten damit rechnen, sozial geächtet und ins Abseits gestellt zu werden. Männer waren gewohnt, sich mit ihren «Eroberungen» zu brüsten, während Frauen ihren guten Ruf und damit ihre berufliche und private Existenz gefährdeten, auch wenn sie nur zaghaft versuchten, ihren sexuellen Wünschen nachzugeben. Frauen konnten also gute Gründe haben, sich dem eigenem sexuellen Begehren zu widersetzen bzw. auf männliche Annäherungen mit Flucht zu reagieren.

20.09.1959

Schlangen

In meinem Schlafzimmer liegt eine grössere schlafende Schlange. Ich bewege mich vorsichtig, um sie nicht zu wecken, aber sie erwacht trotzdem, 80

20.09.1959

Schlangen

Nach psychoanalytischer Auffassung hat die Vorsicht gegenüber erwachenden Schlangen mit abgewehrten oder verdrängten sexuellen Wünschen zu tun. Ich teile diese Auffassung nur bedingt, weil Vorsicht keineswegs eine generelle Sexualabwehr bedeuten muss, sondern sehr wohl am Platz sein kann. Zum Beispiel, wenn das Begehren auf einen Mann fällt, mit dem eine Verwirklichung nicht möglich oder nicht ratsam erscheint, sei dies aus inneren oder äusseren Gründen (bspw. wenn der Mann verheiratet ist, weit weg wohnt oder sonst unpassend erscheint). - Das Erwachen einer «grösseren» Schlange könnte anderseits als Erwachen von geistig seelischen Bedürfnissen aufgefasst werden, da die Schlange auch für kreative Inhalte im Denkbereich steht (Weisheitsschlange). Oft machen es aber die Lebensumstände unmöglich, dem Bedürfnis nach Wissen und vertiefteren Lebenseinsichten den notwendigen Raum zu geben. Es gibt Situationen im Leben, die unseren Totaleinsatz erfordern (Doppelbelastung, Mehrfachbelastung, Übergangszeiten etc.) und daher Kreatives nicht zulassen. Eine gewisse Vorsicht gegenüber dem «Erwachen» unserer Tiefenschichten kann nötig sein, um unsere äussere Existenz oder die der uns Anvertrauten nicht zu gefährden. - Der Kontext berichtet, dass die Träumerin Mutter eines 2 1/2-jährigen Kindes und zugleich erwerbstätig ist, und also existentiell gefordert ist.

06.01.1960

Schlangen

Aus dem Schlangenhäuschen in der Küche einer Bekannten schnellt wiederholt eine Schlange heraus. Mit der Schlange beim Hauseingang, die sich wie ein Wachthund verhält, fühle ich mich vertrauter, 115

06.01.1960

Schlangen

Diese Schlangen befinden sich im Haus einer Bekannten, nicht im Schlafzimmer der Träumerin, wie ein Jahr zuvor (Nr. 80). Hier wird vorgeführt, dass man auch Schlangen den Status von Haustieren geben und ihnen sogar Platz in der Küche einräumen kann. An Flucht denkt die Träumerin hier nicht, vermutlich im Vertrauen auf die Schlangenhalterin, welche die Tiere unter Kontrolle hat. - Die Sequenz zeigt zwei Schlangen: die eine hat ihren Platz in der Küche, die andere beim Hauseingang, wie ein Wachthund. In der Küche wird gekocht, das heisst, es geschieht eine «Umwandlung» von Nahrungsmitteln in zuträgliche menschliche Mahlzeiten. Nach Lucie Stapenhorst ist das Kochen, «die Verwandlung der Nahrungsmittel» sozusagen «der Ritus, der die Lebenswende symbolisch einleitet» (Stapenhorst Lucie, ID-Buch 1321, 88). Die Küche wird symbolisch als ein Ort von Veränderung und Erneuerung gesehen. Und da die Schlange wegen ihrer Fähigkeit, sich durch Häutung zu neuem Leben zu verwandeln, symbolisch ebenfalls für Verwandlung und Erneuerung steht, ist die Schlange in der Küche durchaus am richtigen Platz. - Die Schlange im Hauseingang dagegen weist auf das mythologisch bezeugte Wächteramt der Schlange hin. Der Lebensbaum oder der «Baum des Wissens» wurde in etlichen Mythologien von einer Schlange bewacht. - So gesehen könnte die Sequenz einerseits besagen, dass psychische Veränderungen und neue Einsichten in Gang sind, die den Vitalbereich betreffen. Die Aussage der Träumerin, sie fühle sich mit der Wächterschlange «vertrauter», könnte besagen, dass ihr die Beschäftigung mit Dingen der Aussenwelt zur Zeit eher näher liegen als die Beschäftigung mit Innenraum und Introversion. Das Wächteramt beinhaltet das «Wachsamsein» auf das, was draussen in der Welt geschieht sowie eine Beurteilung, was diese Geschehnisse für die Menschen im allgemeinen und für die Psyche der Träumerin im besonderen bedeutet. Die Sequenz könnte den Wunsch und die Hoffnung ausdrücken, dass es möglich wäre, den verschiedenen Aspekten des Lebens genügend Raum geben zu können: sexuellen Wünschen, den Bedürfnissen nach Erkenntnis und sozialen Kontakten (zu denen auch das Wächteramt gehört). - Das «Herausschnellen» der Schlange aus ihrem Häuschen könnte auch sexuell konnotiert sein.

03.02.1962

Schlangen

Während eines Passionsspiels kommen Schlangen aus dem geöffneten Bauch des Schah's von Persien heraus. Er trägt ein Priesterkleid und leidet furchtbar, 172

03.02.1962

Schlangen

In dieser Sequenz geht es um den Zusammenhang von Schlange und Leiden. Eine alte Metapher sagt, Leidenschaft sei eine Eigenschaft, die «Leiden schafft». In dieser Sequenz nun geht es um kleinere und mehrere Schlangen. Diese halten sich merkwürdigerweise im offenen Bauch eines Mannes auf, der daran «furchtbar» leide. Da sich die Szene im Rahmen eines «Passionsspiels» abspielt, wäre ein «gespieltes» Leiden zu erwarten, aber dies ist nicht der Fall. Die Szene redet von einem realen Leiden in Zusammenhang mit einem religiösen Inhalt. Passionsspiele drehen sich um das «Leiden Christi» (in sogenannter «Nachfolge Christi») bezüglich des Ertragens von schrecklichem Leiden. - Das Bild von den Schlangen in einem «geöffneten Bauch» hat etwas Unheimliches, Lebensfeindliches oder gar Zerstörerisches. Das drastische Bild könnte den Sinn haben, die Träumerin auf das Zerstörerische aufmerksam zu machen, die mit der christlichen «Nachfolge» einhergehen kann. Auf der anderen Seite stellte mein Psychotherapeut, ein Jungianer, den «Individuationsweg» als ein «schauerliches Leiden» dar, als «eine grauenhafte Verpflichtung» auch, der aber zugleich Möglichkeit und Versprechen sei, ein sinnvolles Leben führen zu können. - Das Priesterkleid verstehe ich als Symbol für eine priesterliche Person. Eine priesterliche Person, sei diese eine Frau oder ein Mann, hat mit dem Bedürfnis nach Heilung und Heilwerdung zu tun: Andere heilen und sich selber heilen. Zu dieser Zeit (1962) war es ganz undenkbar, dass eine Frau im kirchlichen Rahmen eine priesterliche Heiltätigkeit anstreben könnte. Vor Jahren hatte die Träumerin gewünscht, Theologie zu studieren.

30.05.1962

Schlangen

Befreundete Leute halten Riesenschlangen wie Haustiere, ich ängstige mich und bitte, die Türen verschlossen zu halten, während ich im Haus bin, 189

30.05.1962

Schlangen

In dieser Sequenz geht es um eine Riesenschlange, die sich durch ihre Grösse und reale Gefährlichkeit von «gewöhnlichen» kleinen Schlangen unterscheidet (ausser Giftschlangen). Ein Mensch kann durch eine Riesenschlange erdrückt oder verschlungen werden. So gesehen wäre es durchaus ein Zeichen von Instinktsicherheit, sich zu ängstigen und eine gewisse Vorsicht walten zu lassen (Instinktsicherheit ist hier zu verstehen als funktionierende Orientierungsgefühle). Man könnte sich fragen, ob die «befreundeten Leute» naiv sind im Umgang mit einem derart grossen Urtier oder ob sie wirklich wissen, was sie tun. Das ungleiche Grössenverhältnis zwischen Mensch und Riesenschlange macht es undenkbar, an eine einfache sexuelle Symbolik zu denken. Ich gehe eher davon aus, dass Riesenschlangen die grossen Lebensmysterien (Leben und Tod) symbolisieren. Die biblische Paradiesschlange belehrte Eva nicht über heterosexuelle Lust (die kannte sie vermutlich schon lange), sondern über die Möglichkeit, vom «Baum der Erkenntnis zu essen». Die Schlange riet also, quasi göttliches Wissen zu erwerben und zudem zu erkennen, dass auch dies mit höchster Lust verbunden sein kann. Tatsächlich kann sich bei Frauen die eigene geistige Tätigkeit auch körperlich auswirken und sexuelles Begehren einschliessen. Das Bild könnte vermitteln, dass Streben nach Wissen zu einer Steigerung des Lebensgefühls insgesamt führen könne, und sei keineswegs, wie Freud meinte, der sexuellen Lust abträglich. Ich verstehe daher die Riesenschlange als ein Symbol für jene seelischen Tiefenschichten, in denen «Geist und Trieb» nicht getrennt sind, und somit für ein besonders intensives Leben und Erleben auch im Verhältnis zwischen den Geschlechtern stehen.

01.01.1966

Schlangen

Neben einem Gebüsch liegt eine Riesenschlange, eine andere nähert sich mir mit aufgerichtetem Kopf. Zuvor hatte sie den Vater eines kleinen Mädchens gebissen, 378

01.01.1966

Schlangen

Im realen Leben ist vor einer zubeissenden Schlange Vorsicht angebracht, besonders wenn sie unmittelbar zuvor jemanden gebissen hat. Aus psychoanalytischer Sicht wird die Schlange, die sich mit aufgerichtetem Kopf der Träumerin nähert, als sexuelle Annäherung gedeutet. Im Unterschied dazu könnte der «aufgerichtete Kopf» aber auch ein Hinweis auf den Denkbereich enthalten. Ob die Träumerin vielleicht Furcht empfindet vor gewissen Erkenntnissen oder Konsequenzen für ihr Leben, die ihr durch das weisheitliche Symboltier (Riesenschlange) eröffnet werden könnten? Im Wortlaut «nähert sich» fehlt der zudringliche, aggressive, schmerzerzeugende Aspekt, der im «beissen» enthalten ist. So gesehen könnte die «Bissigkeit» der Schlange besagen, dass die weisheitlichen Anteile der Tiefenschichten sich nicht mehr unterdrücken oder verdrängen lassen (vergleiche Sequenz Nr. 274/4555). - Anderseits wäre es aber auch möglich, dass jemand versucht, seine Vorstellungen oder Weltanschauungen der Träumerin aufzudrängen und sie zu bedrängen. So könnte ein Mann von ihr verlangen, sie habe ihm gegenüber «weiblich» lieb und hilfreich zu sein und ihre Liebesfähigkeit oder ihre Geistes- und Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.

19.12.1966

Schlangen

Ich halte das Gerippe einer Schlange in der Hand, die aus der Erde gekommen war und habe das Gefühl, deren Fleisch gegessen zu haben. Zuvor war noch eine Blindschleiche aus der Erde gekommen, 445

19.12.1966

Schlangen

Gerippe und Fleisch einer Schlange zu unterscheiden, bedeutet, eine Form gebende «tote» und eine «lebendige», spürbare, geniessbare Seite zu unterscheiden. Wenn wir von der sexualsymbolischen psa Deutung absehen (Schlange bedeute erigierter Penis, das Essen der Schlange den Geschlechtsakt oder -Wunsch), kommen wir auf einen anderen Gedanken. Als Mann gedeutet könnte das «Gerippe» für dessen psychische Struktur und tiefere Substanz stehen. Oft erfahren Frauen, dass sie, wenn sie in einer Beziehung eine zeitlang den «Weg des Fleisches» gegangen sind, plötzlich die tiefere Lebenseinstellung des Betreffenden zu Gesicht bekommen. Dies kann schmerzlich oder gar ein Schock sein, wenn es sich herausstellt, dass der Mann ganz anders beschaffen ist, als er sich dargestellt hat oder als sie ihn gesehen hat. Aber in beiden Fällen könnte die Frau sich sagen, sie habe zwar eine schmerzliche Erfahrung gemacht, aber im Sinn des Zugewinns an Selbsterkenntnis und an Menschenkenntnis, eine wertvolle Erfahrung.

10.09.1967

Schlangen

In einer Wiese stehen viele kleine Schlangen, wie wenn es Blumen wären, 481

10.09.1967

Schlangen

Eine Schlange, die «steht», wird aus psa Sicht als ein erigierter Penis gedeutet. Das Bild von einer Wiese, in der Penisse wie Blumen stehen, könnte als Gegenentwurf patriarchaler Definition des Geschlechtsaktes gesehen werden. Das Symbol «Blume», das hier in der Mehrzahl aufscheint, strebt erstens weg von der patriarchalen Vorgabe, Frauen seien oder müssten monogam sein und Männer seien polygam oder sollten dies sein. Das Symbol «Blumen» könnte auch den weiblichen Wunsch beinhalten, Männer würden den Sexualakt nicht als «Eroberung und Krieg» interpretieren, sondern als Fähigkeit begreifen, die Frau zu «erfreuen» (wie es irgendwo in der Bibel heisst). - Marie Luise von Franz verweist auf die «Märchenweisheit": Wer im Märchen «Die weisse Schlange» ein Stücklein von der Schlange isst, könne die Sprache der Tiere verstehen. - Für Walter Nigg hat Weisheit und Wissen mit einem unmittelbaren Bezug zu «Gott» zu tun. Von der Heiligen Hedwig sagt Nigg, sie sei ein «Geistmensch» aufgrund ihres unmittelbaren Verhältnisses zu Gott, das sei allezeit das Grösste, was sich in einem Menschen ereignen könne (ID-Buch 1162, 87-89). Und er ergänzt: Das «Unmittelbare sei entscheidend». Hedwig habe «den Heiligen Geist» besessen, woraus sich ihre geistige Unabhängigkeit erklären lasse. Hedwig hatte allerdings eine benediktinische Bildung genossen, von der sie sich vermutlich befreien musste. Hedwig, die einem Adelsgeschlecht entstammte, hatte die Möglichkeit, ihr eigenes Denken und Fühlen zu entwickeln. Sie konnte von ihren eigenen Erfahrungen ausgehen und ihrem eigenen Urteil mehr trauen als den Auffassungen in ihren Adelskreisen oder den Meinungen kirchenhöriger Priester.

04.01.1968

Schlangen

Am Rand eines Bildes befindet sich ein Tier, das aus einer Schlange und einer Riesenechse mit zwei Köpfen besteht. Ich soll das Bild erklären. Das Tier wird lebendig, 513

04.01.1968

Schlangen

Mit «zwei Köpfen» im selben Körper zu leben, lässt denken, die Köpfe würden sich unweigerlich bekämpfen. Es lässt sich aber gerade so gut denken, dass zwei Köpfe und vier Augen mehr wahrnehmen können als nur ein Kopf und zwei Augen. Die kosmische Schlange und die Schildkröte galten als die zwei legendären Tierwesen, die die Grundlagen der Welt bilden. Das heisst, dass Schlange und Riesenschildkröte schon in der Mythologie als zusammengehörende Tiere gesehen wurden. Schlange und Riesenechse stehen für zwei unterschiedliche, aber im Grunde sich ergänzende Kräfte und Sichtweisen. - Später wird die Philosophin Annegret Stopczyk über zwei Arten von Weltzugängen und Aneignung von Wissen ein Buch schreiben und eine weisheitlichere Denkweise vom blossen Vernunftdenken unterscheiden. Die weisheitlichere Denkweise werde bildlich vermittelt, in mythische Geschichten gekleidet oder in beispielhafte Gleichnisse. Sie redet von einem «bikameralen» Denken, das sich absichtlich zwischen Sophia und Logos bewege, zwischen Weisheit und Vernunft, zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte, zwischen Gefühlen und Verstand. Zwischen Weisheit und Vernunft zu denken bedeute, die Freiheit zu haben, verschiedene Sichtweisen einnehmen zu können, je nach den Erfordernissen der aktuellen Situation. Es handle sich um ein lösungsorientiertes, auf die Komplexität der Lebenssituation bezogenes Denken, also letztlich um ein pragmatisches und trotzdem utopisches Denken. Frauen seien es gewohnt, die Probleme des Alltagslebens ständig in neuen Kombinationen so zu lösen, dass andere Menschen, mit denen sie in Beziehung leben, dabei zu ihrem Recht kommen. - Dieser Beschreibung kann ich nur begeistert zustimmen. Die beiden Denkarten müssen keine Gegensätze bilden, beide können in ihrem Bereich wertvolle Einsichten vermitteln, ohne dass es zu «Spaltungen» oder anderen Störungen kommen muss. Differente Sichtweisen sollen ihren eigenen Raum haben, anstatt gegeneinander ausgespielt zu werden. Nicht alles kann oder muss zu einer «Einheit» harmonisiert oder in «Einklang» gebracht werden.

20.01.1968

Schlangen

Eine schwarze Schlange beschützt eine kleine junge Schlange vor einer hässlichen grünen Schlange. Ich soll ihr dabei helfen, und sie verfolgt mich mit ihrem Hilfeflehen, 517

20.01.1968

Schlangen

Diese Schlangen unterscheiden sich einerseits durch ihre Farben (schwarz und grün), anderseits durch ihr Alter (alt und jung). Eine schwarze Schlange erinnert an die Metapher «etwas durch die schwarze Brille sehen», also eine pessimistische oder depressive Haltung oder Sichtweise. Eine grüne Schlange erinnert an die Metapher: «noch grün hinter den Ohren sein», was bedeutet, noch unerfahren, unreif oder gar eingebildet zu sein.

13.08.1968

Schlangen

Ich zerschneide eine Schlange, und während ich dies tue, entwickeln sich daraus Kaninchen. Die Schlange sagt, sie könne schon etwas dagegen tun, 530

13.08.1968

Schlangen

Das Zerschneiden einer Schlange könnte besagen, vielleicht sogar kritisieren, die Träumerin sei dabei, auf ihre «weisheitlichere» Weltsicht (Schlangenweisheit) zu verzichten zugunsten von Kenntnissen, die dem Detaildenken und Detailwissen entsprechen. Es könnte aber auch sein, dass dieser Verzicht nicht aus freiwilligen Stücken geschieht, sondern aufgrund eines umweltlichen Zwangs (Umwelt verstanden als Familie, Freund, Berufswelt u.a.). So gesehen wäre der «Verzicht» eher als ein «Opfer» zu bezeichnen, das der Träumerin abverlangt wird. Die Aussage der Schlange, sie könne schon etwas tun gegen diese Entwicklung, verstehe ich als Ankündigung von Widerstand, die den tiefsten Tiefenschichten der Träumerin entsteigen.

26.11.1973

Schlangen

Beim Geschirrspülen entdecke ich eine Klapperschlange in einem mit Wasser gefüllten Krug, 656

26.11.1973

Schlangen

Die «Schlange im Krug» symbolisiert eine erotisch/sexuelle Verbindung. Da die Klapperschlange zu den Giftschlangen gehört und zudem ein «hoch wirksames Gift» erzeugt, ist zu fragen, ob die Träumerin das Gefühl hat, der Mann ihrer Liebe halte ebenfalls ein solches Gift bereit für sie. Zudem fragt sich, von welcher Art dieses «Gift» sein könnte. Auffallend ist, dass die Giftschlange beim «Geschirrspülen» entdeckt wird, also bei einer Tätigkeit, die in der Regel von Frauen geleistet wird. Es könnte sein, dass die Sequenz auf ein Geschlechterverhältnis hinweist, in welchem die Träumerin die traditionelle Rolle spielt, was nicht unbedingt heissen muss, dass sie den Haushalt für einen Ehemann oder Freund macht. Im Jungschen Theoriesystem kommt das «Geschirrspülen» im übertragenen Sinn der «Anima» zu, indem die Aufgabe der Anima darin besteht, ihre Leben auf die Interessen jenes Mannes auszurichten, auf die er seine Anima projiziert hat. Diese Projektion wird von Jung als «Liebe» bezeichnet, die in der Folge von der Frau verlangt, dass sie bereit sei zu Opfer für ihn und seine Sache. Jung erwartet von der Anima nicht nur, dass sie für ihn geistig attraktiv ist, sondern auch im erotischen Bereich.

21.12.1958

WeitereTiere

Eine junge Frau trägt eine weisse Hermelinkappe, nachdem sie aus der Familie ausgestossen wurde, 12

21.12.1958

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Hermelin heisst das Wiesel im Winter, wenn sich sein Pelz weiss färbt. Der Hermelinpelz galt früher als christliches Symbol der «Reinheit». Es war auch ein Statussymbol für die Aristokratie, weil er so teuer war, dass nur die Reichsten ihn tragen konnten (ID-Buch 801, 496). Die Hermelinkappe steht vermutlich für zwei Inhalte: Für den Anspruch auf sexuelle Unversehrtheit sowie auf eine geistig-seelisch verstandenen «Aristokratie». Diese Interpretation wird unterstützt durch den Ort, wo der «Hermelin» getragen wird: Auf dem Kopf. Der Kopfpol steht für den Geistbereich, für die Persönlichkeit, das Subjekt. Dies könnte bedeuten, dass die Träumerin die Vorstellung zurückweist, Sexualität an sich würde eine Frau «unrein» machen oder ihre Persönlichkeit degradieren. Die ausgestossene Frau trägt die Hermelinkappe als Zeichen eines neuen Ehrbegriffs. Dieser Ehrbegriff versteht Frauen als «Würdenträgerinnen» im Sinne einer selbstbestimmten «Persönlichkeit», die anderen Regeln folgt als den üblichen patriarchalen.

19.08.1959

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Ein Eichhörnchen wurde von einem Auto überfahren, nebst vier anderen Tieren, 72

19.08.1959

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Eichhörnchen sind lebhafte und beliebte kleine Säugetiere, die mit unglaublicher Geschwindigkeit Bäume erklettern und mit Leichtigkeit und Eleganz von Baum zu Baum, von Ast zu Ast springen. Eichhörnchen sind sehr scheu und halten sich gern versteckt. Wir bekommen sie selten zu Gesicht. Sie legen Wintervorräte an und machen einen Winterschlaf. Eichhörnchen symbolisieren demnach Introversion, Lebendigkeit, Zurückgezogenheit sowie die Fähigkeit, Vorsorge zu treffen für Zeiten, in denen «Kälte» und «Nahrungsmangel» vorherrschen. Aber wie kommt es dazu, dass ein so behändes Tierchen überhaupt überfahren wird? Die Metapher vom «Überfahrenwerden» ist ein verbreitetes Bild für eine Situation, in der unsere Bedürfnisse übergangen werden. Die Sequenz besagt, dass das Übergangenwerden auch einer Person passieren kann, die an sich mit dem Leben zurecht kommen könnte (Reaktionsgeschwindigkeit, Sorgsamkeit, Vorsorge). - Die Sequenz signalisiert eine fünffache Gefahr: Nebst dem Eichhörnchen wurden vier Tiere überfahren.

20.09.1959

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Der Rumpf eines Drachens liegt am Boden, nachdem eine junge Frau einer Schlange den Kopf abgeschlagen hat, 80

20.09.1959

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In meinem Zimmer liegt reglos eine Schildkröte. Plötzlich sind noch weitere Schildkröten da, 80

20.09.1959

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Die Tiefenpsychologie interpretiert Drachen als Ausdruck einer bösen Mutter, die von der Tochter oder vom Sohn getötet werden müsse, ansonsten keine Beziehung zum anderen Geschlecht zustande käme. Drachen sind mythologische Tiere, die in Mythen und Märchen fast immer als geflügelte und als zu fürchtende Wesen dargestellt werden. Hat die junge Frau, die den Drachen, der zunächst in Schlangengestalt erschien, getötet hat, also richtig gehandelt? Oder könnte die Handlung aufgrund der taoistischen Symbolik auch ganz anders verstanden werden? - In der taoistischen Symbolik Chinas wird der Drache als «Geist des Weges» verehrt, der ewige Veränderung mit sich bringt. Der europäische Drache war oftmals gleichbedeutend mit dem Uroboros oder der Erdschlange. Später wurden die Drachen der Tradition nach zu Wächtern über unterirdische Schätze (Barbara Walker, BN 801, 324-325). - So gesehen berichtet die vorliegende Sequenz über ein trauriges Ereignis, nämlich über eine stattfindende oder zu befürchtende Beteiligung einer Frau an der Eliminierung der frühzeitlichen Weltsicht und des Grossen Weiblichen. Auf der Subjektebene könnte die Sequenz als Vorwurf an die Träumerin verstanden werden, sie sei dabei, die patriarchale Weltsicht zu übernehmen, die das Weibliche und die Frau um ihre verbrieften «Schätze» und um ihren «Kopf» bringe, sowie die angeborenen geistigen Kräfte und Fähigkeiten der Frau totschlage (sie schlägt der Weisheitsschlange den Kopf ab).

20.09.1959

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An der Schildkröte fällt ihr schwer gepanzerter Oberteil und der verletzliche untere Fleischteil auf. An diesem Tier ist nichts Angriffiges oder Aggressives zu entdecken. Sein Überleben scheint einzig und allein vom Schutzpanzer gegen Angriffe abzuhängen. Die Schildkröte gehört zu den Urtieren, die als archaisch bezeichnet werden, weil ein Rapport nicht möglich scheint. Dass solche Urtiere in einem Schlafzimmer, also im Intimraum auftreten und erst noch zu mehreren, hat vermutlich mit dem Hervortreten von bisher tief verborgenen Inhalten zu tun. Das Symbol möchte vermutlich auf die Abwehrstrategie aufmerksam machen und die Träumerin mit der Frage konfrontieren, ob diese in der aktuellen Situation noch angemessen sei. - Da die Schildkröte nach der Mythologie und alter Völker das Lebewesen ist, auf dem die Erde, die Schöpfung ruht, ja, die Schöpfung selbst darstellt, könnte ihr Auftreten auch bedeuten, dass die Träumerin das Gefühl hat, in ihrer konkreten Situation sei nur noch Verlass auf das innere «Lebewesen», auf dem die Erde, die Schöpfung ruht, und dass sie ohne den Zugang zu diesen Tiefenschichten verloren wäre.

11.05.1961

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Ganze Tierherden fliehen vor einer schwarzen Wolke, in der ich Überfalltruppen vermute. Später erfolgt ein Kampf zwischen den Leittieren, 151

11.05.1961

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Unter einer Tierherde versteht man Tiere, die einem «Herdentrieb» folgen, also «die manchen Tieren eigene Tendenz, in einer Herde zusammenzuleben und sich entsprechend zu verhalten, z.B. Einhalten einer Rangordnung» (Brockhaus 2004, BN 1448). Ein Leittier stellt demnach das ranghöchste Tier einer Herde dar. Das Wort «Leittier» im menschlichen Bereich bezeichnet einen Mann, der das Sagen hat und auch Macht, inklusive Definitionsmacht. Da nun mehrere solche menschliche «Leittiere» samt ihrer «Herden» die Flucht ergreifen vor einer «schwarzen Wolke», heisst dies, dass eine grössere und bedrohliche Macht im Anzug ist, derzufolge es geraten scheint, schnellstens das Feld zu räumen. Was könnte nun diese gefährliche schwarze Wolke beinhalten, oder was könnte sie verbergen? Vielleicht eine besonders machtgreifende Überzeugung oder Definition, die angesichts der Bemerkung im Kontext, der einige Monate zuvor entstand, eine psychologische Definitionsmacht darstellen könnte. Die Wolke könnte für einen psychologischen Inhalt oder Begriff stehen, der in seiner verwirrend dunklen und verwirrenden Vieldeutigkeit wie eine «schwarze Wolke» erscheint. Ich denke an den Begriff «Schatten», der sich durch seine Zuordnung zum «Dunklen» oder gar «Schwarzen» (und des Bösen) durchaus in Beziehung zur schwarzen Wolke setzen lässt. Bezüglich des Kampfes der «Leittiere» ist zu bedenken, dass die Träumerin zu dieser Zeit (1961) Psychologie studierte am Institut für angewandte Psychologie (IAP), wo sie ideologische «Kämpfe» sehr wohl wahrnehmen konnte. Es herrschte ein Kampf zwischen Vertretern psychologischer und psychotherapeutischer Schulrichtungen, die allesamt den Anspruch erhoben, dass ihre Theorie die Richtige sei und der Führungsanspruch zu Recht bestehe. Als «Leittiere» waren insbesondere Freud, Jung und Szondi präsent, die sich erst noch als welthistorisch zentrale Figuren verstanden. Szondi meinte bspw. zum «Schatten» des biblischen Moses, Moses wäre nicht der Bringer der zehn Gebote geworden, wenn er in seiner Jugend nicht getötet hätte. Auch Jung stellt einen stringenten Zusammenhang zwischen Schatten und Schuld her, bei Männern, die vermeintlich «zu grossen Dingen» erwählt seien. Ohne Schuld gebe es leider keine seelische Reifung und keine Erweiterung des geistigen Horizontes, behauptete Jung. Meister Eckhart habe gesagt: «Darum hat denn auch Gott das Sündenelend am öftesten gerade über die Menschen verhängt, die er zu grossen Dingen hat ersehen wollen» (ID-Buch 684, 115-117). - Die Sequenz könnte auf derlei schwer verdauliche Kost hinweisen, die der Träumerin zu dieser Zeit (und auch später noch) zu schaffen machte.

15.12.1961

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Eine weibliche Giraffe, die vor einen Apfel- und Gemüsewagen gespannt ist, singt mit tiefer Männerstimme ein Lied, 162

15.12.1961

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Giraffen fallen durch ihren überlangen Hals auf. Dank diesem Hals tragen sie ihren Kopf hoch über ihrem Körper und die Augen erlangen eine grosse Weitsicht. Das Singen jedoch ist völlig untypisch für Giraffen, anders als bei gewissen Vogelarten, die tatsächlich «singen» können (Nachtigall, Amseln). Anderseits entstammt der Gesang dem Kopf (wenn auch nicht nur), ebenso wie die Weitsicht der Augen, die einerseits auf Erkenntnisfähigkeit, aber enger auch für eine «verkopfte» Tätigkeit der Intellektualität stehen können. Im Unterschied dazu steht das Singen für Musisches und Sinnliches, das in der Psychologie dem «unteren» Körperpol zugeordnet wird und vermeintlich einen Gegensatz bildet zum (oberen) Pol des Kopfes. Die Traumsequenz dagegen erinnert daran, dass Denken und Erkennen keineswegs einen Gegensatz bilden zur «Musik» der Sinnesorgane und auch keinen Gegensatz zur «Notwendigkeit» der Alltagsarbeit. Die weibliche Giraffe ist nämlich «eingespannt» in ein Gefährt, das Lebensmittel transportiert. Diese Lebensmittel sind auffallenderweise unverfälschte Naturprodukte (Früchte und Gemüse), die als solche für die vermeintlich geistlose und «weibliche» Natur stehen. Früchte und Gemüse gehören zu jener «Musik» der Natur, die alle Sinne ansprechen, auch die «höheren Sinne» (Augen, Erkennen). Die Naturerzeugnisse lassen Herz und Sinne höher schlagen (Farbe, Form, Geruch, Geschmack, Sättigung). Da die Sequenz das Jahr l961 betrifft, deute ich sie als Ausdruck der Tiefenschichten, die sich gegen die sich damals sehr rigid gebärdende Tiefenpsychologie richtet, weil diese «Natur und Geist», weiblich und männlich voneinander trennt. Die vorliegende Sequenz stellt hingegen dar, dass «weiblich und männlich», das Sinnliche und Geistige sehr wohl vereinbar sind, indem beide Bereiche durch ein weibliches Tier dargestellt sind: Es steht dem Wagen mit den «reifen Früchten» vor und erhebt zugleich seine «Stimme», die hier sowohl das «Subjekt» als auch den musischen «Gesang» umfasst. Dass diese weibliche Stimme zugleich eine «tiefe Männerstimme» umfasst, dürfte ganz allgemein auf die Doppelgeschlechtlichkeit der weiblichen (und auch der männlichen) Psyche hinweisen.

04.01.1962

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Ich schleudere den Hahn, der mich und meine Wanderkollegin in die Beine picken will, auf die Steinstrasse. Der Hahn bleibt blutend liegen, 167

04.01.1962

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Der Hahn ist ein männliches Tier, das in der Psa als Symbol für Sexualität gilt, kann aber ebenso gut als Ausdruck von männlicher Aggression gesehen werden. Vermutlich stört sich das männliche Tier an den zwei weiblichen Wesen, die sich miteinander auf «Wanderschaft» machen, anstatt mit einer männlichen Person. Vermutlich ist der «Hahn» bzw. der Mann eifersüchtig auf die Frauen, die sich aufeinander einlassen und sich gemeinschaftlich auf den Weg machen können.

25.02.1962

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Ich sage zu meinem Bruder N. er solle die verfolgte und darum krank gewordene arme Amsel töten, 171

25.02.1962

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Die Amsel, von unscheinbarem Aussehen, ist ein «Lufttier», wie alle anderen Vogelarten und symbolisiert den geistigen, spirituellen und intellektuellen Bereich. Die Sequenz erwähnt den Grund, weshalb die Amsel krank geworden ist: Sie wird von anderen Vögeln verfolgt, aber wir erfahren leider nicht, warum. Wenn wir die Amsel als ein weibliches Tier verstehen, könnte die Verfolgung das meinen, was weiblichen Menschen in patriarchalen Verhältnissen ständig passiert: Sie werden dominiert und mittels Rollenvorschriften «unten» gehalten, was durchaus mit dem Begriff «Verfolgung» gekennzeichnet werden könnte. Dass diese Vorschriften und Theorien tatsächlich krank machen, hat auch die Ärztin und Leiterin einer Psychiatrischen Klinikabteilung in einem Buch beschrieben (Ingrid Olbricht). Was Frauen krank macht, BN 73). - Aber warum eine «Amsel» töten? Ist das wirklich die einzige Möglichkeit, sie vor Verfolgung zu schützen und von Krankheit zu «befreien»? Auf der Subjektebene ist zu fragen, ob sich die Ängste der Träumerin manchmal derart steigern, dass sie eine Lösung oder Erlösung nur noch in einem symbolischen oder realen Suizid sehen kann?

02.11.1963

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Die Hühner meines Kinderheims haben viele Eier gelegt, aber nicht wo sie sollten. Ich finde Eier an den unmöglichsten Orten, 251

02.11.1963

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Hühner sind geflügelte weibliche Wesen, werden aber in «Hühnerhöfen» gefangen gehalten und ihrer Produkte beraubt (Eier). Haushühner sind wenig geachtete und vermeintlich dumme Tiere, und sie haben vergessen, dass sie fliegen könnten, wenn sie ihre Flügel gebrauchen dürften. Die Metapher «dummes Huhn» ist ständig präsent, während der männliche Hahn stolz auf den Kirchenspitzen reformierter Kirchen prangt. - Zum Symbol «Eier»: In der Mythologie brütet die Göttin bei der Entstehung der Welt «das goldene Ei» der Sonne aus. Das kosmische Ei steht auch für den Logos und ist ein Ausdruck für das Primum Mobile , jene Instanz, wo Gottheiten durch menschliche Symbole erschaffen werden (ID-Buch 801, 24). - Symbolisch verstanden geht es in dieser Sequenz um die geistige Kreativität einer weiblichen Person, die an unüblichen oder unerwünschten Orten ausgeübt wird. Immerhin ist es ihr gelungen, die Früchte ihrer Kreativität zu erkennen und ihrer habhaft zu werden. Trotzdem dürfte das Traumbild eine leise Warnung oder Aufforderung an die Träumerin enthalten: Sie solle genau hinschauen, wofür sie ihre kreativen Kräfte einsetzen und sich verausgaben will.

23.09.1964

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Ein Gorillaweibchen versucht die Türe zur Hütte zu öffnen, in die ich mich aus Angst geflüchtet habe, 287

23.09.1964

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Gorillas gehören zur Gattung der Menschenaffen. Ein Gorillaweibchen unterscheidet sich von einer Menschenfrau durch ihre ansehnliche Körpergrösse und enorme Muskelkraft. Dass ein solches Tier in den Lebensbereich der Träumerin einzutreten versucht, bedeutet, dass eine urtümlich weibliche Kraft in ihr Leben treten möchte. Diesem Tier die Türe zu verschliessen, bedeutet demnach, sich den ungestümen eigenen Urkräften (noch) nicht gewachsen zu fühlen, nicht zu wissen, wie derartige Kräfte integriert werden könnten oder wo solche urtümlichen Kräfte gefragt wären und fruchtbar gemacht werden könnten.

24.12.1964

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Eine Schildkröte sitzt mit einem Vogel in einem Käfig und wird vom Vogel, der unter ihr sitzt, in ihre Weichteile gepickt, 313

24.12.1964

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Schildkröte und Vogel: Die Schildkröte wirkt zufolge ihrer ganz und gar unaggressiven Kopf-Form als ein friedfertiges und sanftes Tier, und ihr Körper wirkt ohne den schweren Panzer, den sie auf ihrem Rücken trägt, überaus verletzlich. Die Schildkröte, die nach der Mythologie und alter Völker als das Lebewesen gilt, auf dem die Erde, die Schöpfung ruht, ja, die Schöpfung darstellt, und das im alten China als ein stabilisierendes Wesen galt (Walker: BN 801, 518-519), wird hier in ihrer extremen Verletzlichkeit gezeigt. Die Verletzung ihrer Weichteile ist nur möglich, weil die Schildkröte erstens in einen Käfig eingesperrt ist und zweitens in einer Position, die es einem anderen Tier ermöglicht, diese verletzlichen Teile überhaupt zu erreichen. Das Bild von Schildkröte und Vogel, die zusammen in einen «Käfig» eingesperrt sind, erinnert an die despektierliche Rede über «Beziehungskisten». Auffallend ist, dass der Vogel, dem aus patriarchaler Sicht der «obere» Bereich, das Denken und die Führungspositionen zusteht, sich im unteren Teil des «Käfigs» befindet, die Schildkröte dagegen im oberen Bereich, obgleich sie aus patriarchaler Sicht «unten» zu sein hätte. Sicher ist, dass die Sequenz auf eine prekäre Situation aufmerksam macht.

20.02.1965

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Das Krokodil, vor dem ich und andere fliehen, sagt, es wolle sich ja nur zum Reiten zur Verfügung stellen. Ein jüngeres Mädchen wagt den Ritt, 339

20.02.1965

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Das Krokodil ist eines der gefährlichsten Tiere für uns Menschen, weil es blitzartig zuschnappt, während es wie schläfrig dazuliegen scheint. Ein Rapport mit Krokodilen ist nicht möglich. Umso auffallender ist die Behauptung unseres Krokodils, es wolle sich nur zum Reiten zur Verfügung stellen. Können wir dies glauben? Symbolisch verstanden geht es um enorme aggressive Kräfte, denen gegenüber es angebracht ist, misstrauisch zu reagieren. Auf der anderen Seite könnte die Sequenz darauf aufmerksam machen, es sei grundsätzlich möglich, potentiell gefährliche Kräfte in produktiver Weise zu nutzen. Auf einem solchen «Krokodil» zu reiten besagt, sich seiner Kräfte besinnen und sie gezielt anwenden zu können. Allerdings hängt die Richtung der Aggressionskraft von unserer ethischen Entscheidung ab. Nach Agnes Heller hängt es von unserer Gefühlswahl ab, ob wir unsere Fähigkeit zur blitzartigen Reaktion, beispielsweise gegenüber verbalen Angriffen, einsetzen wollen im Sinn von nötigen Berichtigungen oder mit der Absicht einer Verletzung. Die anfängliche Flucht vor dem Krokodil verstehe ich als eine verständliche und an sich richtige Aggressionsangst, wobei diese Angst aber bei heutigen Frauen ein ungesundes Mass angenommen hat. Dieser Angst tritt diese Sequenz entgegen, indem ein weibliches Kind den Schritt zum Ritt auf dem Krokodil wagt. Die Sequenz sagt aber nichts darüber aus, wie die Sache ausgeht.

23.11.1965

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Vor dem Wildschwein, das auf unser Haus zukommt, ängstige ich mich. Daher verschliesse ich sorgfältig die Türe, 366

23.11.1965

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Das Wildschwein, die Wildsau, symbolisiert nach Jutta Voss im «entwickelten Matriarchat» die starke, aggressive, autonome und sexuell vitale Frau. (ID-Buch 80, 125). So gesehen bedeutet die Angst vor dem Wildschwein und das Verschliessen des Hauses, dass die Träumerin ihre «kraftvolle Wildheit» und «lustvolle animalische Sexualität» draussen lassen will oder muss. Es wäre falsch, aus dieser Sequenz eine grundsätzliche Ablehnung von sexueller Kraft und «Wildheit» abzuleiten. Eine Frau durfte zu dieser Zeit (1965) ihr starkes sexuelles Begehren nicht zeigen, weil sie mit gesellschaftlichen Sanktionen rechnen musste, welche ihre berufliche und persönliche Existenz gefährdet hätte. So gesehen hätte die Träumerin allen Grund, sich ihrem eigenen «Begehren» entgegen zu stellen. Die Fähigkeit zu einem klaren «Nein» gegenüber einem Begehren, das möglicherweise das Leben als Persönlichkeit und Sozialwesen gefährden könnte, wäre im Grunde als eine positive Fähigkeit zu werten (der Preis für eine lustvolle Sexualität kann manchmal zu hoch sein).

26.03.1966

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Ich füttere Vögel und lasse sie ins Haus. Da verwandeln sie sich in gefrässige Mäuse, 399

26.03.1966

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Das Thema «Vögel füttern» erinnert mich an die Aussage der Jungianerin Marie-Louise von Franz. Sie schreibt: wer sich in den Märchen den Dank und die Hilfe der Tiere erwerbe, siege immer. Dies sei die einzige Regel ohne Ausnahme, die sie habe finden können. Aber diese heilvolle Funktion sei an eine Bedingung geknüpft: Der «Held» müsse dem Tier gegenüber loyal sein (ID-Buch 482, 108-109). Für die vorliegende Sequenz scheint diese Märchenregel nicht zu gelten. Die Träumerin füttert Tiere, ist also «hilfreich». Aber die Tiere sind «gefrässig» und sie wollen daher mehr als die Träumerin zu geben in der Lage oder bereit ist. Es geschieht, was alltagssprachlich heisst: «Ich gebe einen Finger und du nimmst die ganze Hand». Eine weitere Metapher bezeichnet gewisse Männer als «leichte Vögel». Gemeint sind solche, die sich um die Wirkung ihrer Handlungen im erotischen Bereich nicht kümmern. Die Sequenz führt drastisch vor, was passiert, wenn eine Frau sich mit einem solchen «Vogel» einlässt und ihn auch noch «füttert». - Die Sequenz könnte die Warnung an die Träumerin beinhalten, sie sei dabei, dem patriarchalen Frauenbild und somit einer Totalvereinnahmung ihrer Person zu erliegen.

13.12.1966

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Ich muss Wasser lassen. Es kommt ein toter schwarzer Vogel heraus, 441

13.12.1966

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Ein toter Vogel ist eine traurige Vorstellung. Insbesondere, da alle Vögel nach der Jungianerin Marie-Louise von Franz mit «Intuition und Ahnungen, plötzlichen Eingebungen und Erkenntnissen, die von nirgendwo kommen und wieder verschwinden» zu tun haben. Der aus dem weiblichen Körper austretende tote Vogel könnte demnach einen traurigen Vorgang von Absterben inbezug auf Eingebungen und Erkenntnisse ausdrücken, und es wäre zu fragen, wer oder was diese wertvollen Lebensäusserungen abtötet oder abgetötet hat. Dies ist aber nicht die einzige Möglichkeit einer Interpretation.

04.01.1968

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Ein zweiköpfiges Tier, das auf einem Bild zu sehen war, wird lebendig. Das zusammengewachsene Tier besteht aus einer Schlange und einer Rieseneidechse, 513

04.01.1968

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Dieses zweiköpfige Tier, bestehend aus Schlange und Riesenechse, könnte auf einen Integrationsvorgang hinweisen, in dem beide Lebewesen in ihrer geistigen Eigenart gesehen und respektiert werden (zwei Köpfe). Zwei Köpfe und vier Augen können mehr wahrnehmen, als nur ein Kopf und zwei Augen. - Zur Erinnerung: Die kosmische Schlange und die Schildkröte galten als die zwei legendären Tierwesen, die die Grundlagen der Welt bilden. Die Riesenschildkröte galt als das stabilisierende Tierwesen, auf dem die Erde und die Schöpfung ruht, während die Schlange für Erleuchtung und Weisheit sowie für Veränderung und Wandlung steht. - Für das Verständnis dieser Symbolik habe ich bei der politischen Philosophin Agnes Heller eine Begrifflichkeit gefunden, welche verständlich macht, was diese Sequenz und der Mythos von Schlange und Schildkröte besagen könnte. - In ihrem Menschenbild geht Agnes Heller von zwei Grundbedürfnissen aus: Vom Bedürfnis nach Erhaltung und Erweiterung. Das Bedürfnis nach Erhaltung entspricht im Grunde dem, was die Schildkröte symbolisiert: Stabilität und Tragfähigkeit. Das Bedürfnis nach Erweiterung entspricht dem, was die Schlange symbolisiert: Veränderung und Erneuerung. Zur Stabilität gehört das Bedürfnis, «Boden unter den Füssen» zu haben, verankert zu sein, Körper und Seele lebendig und gesund erhalten zu können und sozial «getragen» zu sein. Zur Erweiterung und Veränderung gehört die Aneignung von «Welt» im Sinne von Informationserwerb und Erfahrungen mittels Handeln in der Welt. So gesehen könnte die Verschmelzung von Schlange und Schildkröte für ein menschliches Grundbedürfnis stehen, das sich zu Wort meldet. Interessant ist für mich, dass diese Verschmelzung nicht zu einem schalen Einheitsbrei verkommt. Denn dafür könnten die «zwei Köpfe» sorgen, die fähig und imstande sein sollten, an den je eigenen Bereichen der Bedürfnisse festzuhalten. Die nahe Verbindung dieser Urtiere halte ich für eine wünschenswerte Verbindung und sie scheint sogar eine glückliche zu sein. - Die Sequenz dürfte auf eine positive Entwicklung hinweisen, die in Richtung Differenzierung des Denkens und Fühlens geht.

13.08.1968

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Kaninchen entwickeln sich aus einer Schlange, während ich diese zerschneide. Die Schlange sagt, sie könne schon etwas dagegen tun, 530

13.08.1968

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Ein kleines harmloses Kaninchen aus einer Schlange, dem Symbol von Lebenskraft und Weisheit, entstehen zu sehen, vermittelt irgendwie ein unbehagliches Gefühl. Das Kaninchen symbolisiert zwar auch Fruchtbarkeit, steht aber in unserer Gesellschaft für Angst und Feigheit, denn es laufe immer weg und stelle sich nie dem Feind (Angsthase, Hasenfuss). Im Unterschied dazu symbolisiert das Kaninchen nach indianischer Weisheit die Gabe des Zuhörens sowie die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu erspüren, bevor sie tatsächlich da sind. Die indianische «Medizin» rät, in den Schutz und die Ruhe des eigenen «Baues» zurückzukehren, um das «angeschlagene Nervenkostüm» nach einem grossen Schrecken oder einer ernsten Krise wiederherzustellen. - So gesehen könnte die Sequenz besagen, dass es manchmal gut sein kann, nicht auf die eigene Lebenskraft zu bauen, sondern sich zurückzuziehen, um die Gabe des «Zuhörens» zu üben und zu schärfen. Die von der Schlange symbolisierte Lebenskraft ist trotz des Zerschneidens weder tot noch verschwunden, denn sie redet und behauptet souverän, etwas dagegen tun zu können. Sie handelt also aus einer «Situation der Stärke», denn sie lässt eine Beschneidung ihres vitalen Lebensanspruchs zu, obgleich sie diesem Geschehen ein Ende setzen könnte. Im Unterschied zu dieser Deutung ist die Psa geneigt, die Sequenz als eine Ablehnung der Sexualität zu interpretieren, während es im Leben manchmal nötig und hilfreich sein kann, vitale Ansprüche eine Zeit lang in den Hintergrund schieben zu können. Zu bedenken ist, dass die Sequenz im Jahre 1968 spielt, zur Zeit der sexuellen «Revolution» und der «Blumenkinder». Damals wurde der Geschlechtsverkehr zum «gesündesten und wichtigsten Sport der Menschheit» banalisiert oder in seiner Bedeutung auch mit «einem Glas Wasser» verglichen. Ferner wurde gesagt, der Zweck der Ehe sei, «gemeinsames sexuelles Vergnügen zu finden» und in zweiter Linie, «eine Familie zu gründen». Schliesslich sollten Eltern ihren Kindern sagen, sie sollten «möglichst oft masturbieren», weil dies ganz natürlich und unschädlich sei (ID-Buch 231, Seiten 23, 71, 89).

12.10.1968

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Die Stute, die in einem Fluss schwimmt und auf denselben Namen hört wie meine Hündin, wird von der Hündin am Ausstieg aus dem Wasser gehindert, 538

12.10.1968

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Die Stute ist ein weibliches Pferd und gehört als solches zu den pflanzenfressenden und ebenso zu den friedfertigen Tieren. Die Stute strotzt, wie alle Pferde, vor Lebendigkeit und Vitalität und ist zudem ein sehr elegantes Tiere. Die Stute vermag auf ihrem Rücken Menschen zu tragen und sie wird auch zu Pferderennen eingesetzt. Mit einer Stute ist ein gewisser Rapport möglich, wenn auch nicht in gleicher Weise wie mit einem Hund. Es scheint mir, die Sequenz rede von einer Konkurrenzsituation zwischen zwei weiblichen Tieren und zudem davon, dass weibliche Wesen nicht über einen Leisten zu schlagen, sondern als unterschiedliche Charaktere wahrzunehmen sind. Stute und Hündin könnten für verschiedene Seiten der Träumerin stehen, und es erscheint schwierig, beiden gerecht zu werden. Die Hündin, verstanden als kommunikative Fähigkeiten und Bedürfnisse, die Stute, verstanden als vitale Aspekte und Bedürfnisse, sind nicht immer unter einen Hut zu bringen. Mal leidet die eine Seite, mal die andere und es ist fraglich, ob es in einem Arbeitsleben, das Berufstätigkeit und gleichzeitige Betreuungsarbeit als Mutter eines Kindes umfasst, überhaupt möglich sei, allen Seiten gerecht zu werden.

01.09.1974

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Mein 13-jähriger Sohn greift in die Erdhöhle einer Bärin mit ihren Jungen. Er wird von der Bärin in die Höhle gezogen, später zieht er die Bärin heraus, 1031

01.09.1974

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Die Bärin ist ein starkes und Pflanzen fressendes Tier, das vorwiegend in Höhlen lebt. Die Bärin in dieser Sequenz ist ein Muttertier mit ihren «Jungen». Der «Sohn», hier verstanden als Ausdruck des geistigen Schaffens einer Mutterfrau, stellt eine Verbindung her zu urtümlichen und archaischen Mutteraspekten der Träumerin (Bärin). - Die Sequenz besagt, es sei Vorsicht geboten im Umgang mit dem urtümlichen Muttertier, der Bärin, in der Psyche der Träumerin. Fast wäre der «Knabe», der für kreatives Schaffen steht, in archaische Tiefenschichten hinein geraten, aus denen herauszukommen ziemlich schwierig ist.

09.04.1977

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Ein winziges Insekt hat sich in meinen Ringfinger eingebohrt und auch noch in einen weiteren Finger, 695

09.04.1977

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Insekten werden in der Regel als lästige und belästigende und zum Teil auch gefährliche Tiere (Übertragung von Krankheiten) wahrgenommen (Fliegen, Steckmücken, Ameisen). Sigmund Freud deutete Insekten als «Kinder», weil sie wie die Kinder lästig seien. - Diese Deutung dürfte sein eigenes Verhältnis zu Kindern ausdrücken, während wir alle noch ganz andere Arten von Belästigungen kennen, zum Beispiel durch schwierige oder selbstsüchtige andere Menschen. Auffallend ist der Stich des Insekts in den «Ringfinger», an dem in der Regel der Ehering steckt. So gesehen könnte das Insekt für eine «Bindung» oder eine bindende Situation stehen, die von der Träumerin als lästig oder belästigend empfunden wird.

31.12.1987

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Neben dem Waschhaus lebt ein mächtiger Bison in einem grossen Gehege, das in den Urwald übergeht, 914

31.12.1987

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Der Bison (auch als Büffel bekannt) ist die Urform des Stieres. Der Bison ist ein kraftstrotzendes, Pflanzen fressendes und wie alle pflanzenfressenden Tiere zudem friedfertig. Der Bison ist nach indianischer Auffassung ein Symbol der Fülle, wobei diese «Fülle» durch rechtes Verhalten entstanden sei. Der Bison lehre uns, gut geerdet zu sein. Auf der anderen Seite wird darauf hingewiesen, dass der Büffel eine wichtige Versorgungsquelle für die Menschen sei: Sie liefern Fleisch fürs Essen, Haut für Kleidung, Fasern fürs Nähen, Klebstoff, Medizin, Fell für Decken und Schutz für Tipis sowie für die Abdeckung der Schwitzhütten. Ihre Hörner werden für zeremonielle Anlässe verwendet (ID-Buch 1343, 26-27). - Das heisst, obwohl «kraftstrotzend» ist der Büffel letztlich ein Beutetier, und die Wertschätzung, die ihm entgegen gebracht wird, erfolgt aufgrund dieser Eigenschaft. - In der vorliegenden Sequenz scheint der Bison nicht als Beutetier vorgesehen zu sein, denn er kann, angeschlossen an den Urwald, seiner Eigenart gemäss leben. Auf der anderen Seite lebt der Bison in einer Form von Menschennähe, die ihm Schutz vor Beutejägern gewährt. - Die Sequenz enthält zwei wichtige Botschaften für die Träumerin. Erstens, das «Tier» in der Frau kann noch so kraftvoll und in ihrer urtümlichen Vitalkraft ruhen, es gehört zu den Beutetieren und die Beutejäger sind hinter ihm her. Es sei eine Illusion zu glauben, eine Frau müsse nur ihre eigene Stärke fördern, um in Sicherheit zu sein. Keine noch so starke Frau kann sich innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft vor Ausbeutung sicher fühlen, solange sie psychologisch als «Nährboden für den Mann» und gesellschaftlich als umfassende Versorgerin des Mannes dienen soll. Diese Einsicht bedeutet zu wissen, dass es nicht ohne Kampf gegen die «Jäger» abgehen wird. Zu diesem Kampf gehört das «Waschen» im Waschhaus, das heisst Kritik an alten Weltsichten und die Schaffung neuer Sichtweisen. Es heisst ferner Aufbau von weiblicher Kraft durch die Verbindung mit dem «Urwald» seelischer Tiefenschichten und Körperkraft, um die Frauenkraft allgemein und gesellschaftlich zu stärken und handlungsfähig zu machen. Die Träumerin wird aufgefordert, ungeachtet ihrer Jahre (55) ihre Kräfte und Fähigkeiten sowie das kämpferische Handeln mit Frauen aufrecht zu erhalten.

02.09.1988

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Ein Frosch schreit mit menschlicher Stimme und in höchster Not aus einem See, 919

02.09.1988

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Den sprechenden Frosch kennen wir alle aus dem Märchen «Der Froschkönig». Mythologisch gehört der Frosch zu den «Seelentieren». Der Brockhaus berichtet simpel, dass in Mitteleuropa folgende Frösche leben: der Wasserfrosch, Seefrosch, Grasfrosch, Moorfrosch und der Springfrosch. Die kleineren Froscharten fressen Insekten, Schnecken und Würmer. - Lucie Stapenhorst weist auf den Frosch im Märchen Dornröschen hin, der wegen seines Aufenthaltes im Feuchten (im Wasser) ein dem Weiblichen zugeordnetes Tier sei. Dornröschen hole sich demnach ihre Kraft aus dem ihr eigenen Bereich. Der Frosch habe den entscheidenden Satz gesprochen, sie werde «eine Tochter zur Welt bringen» und diese Botschaft erinnere an jene des Engels Gabriels an Maria: Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Und die Königin gebar ein Mädchen. Da die Königin Repräsentantin des weiblichen Teils der Allgemeinheit sei, hiesse dies, es sei an der Zeit, dass alle Frauen sich auf das ihnen Eigene besinnen, um den Mangel der Zeit zu beheben und das rettende Neue zu gebären (Stapenhorst, BN 1321, 50). - Nach Barbara Walker haben Frösche etwas mit Hebammentätigkeit zu tun. Frösche waren der ägyptischen Götterhebamme, der göttlichen Greisin Heket, der Vorläuferin der griechischen Hekate, heilig. Die Hebamme ist eine Geburtshelferin, sie steht Frauen bei ihren «Geburten» zur Seite (Frau hilft Frau). Könnte die Aussage der vorliegenden Sequenz, ein Frosch sei in höchster Not und schreie mit menschlicher Stimme, im Sinne von Stapenhorst ebenfalls den Aufruf bedeuten, es sei an der Zeit, dass alle Frauen sich auf das ihnen Eigene besinnen, um rettendes Neues zu gebären? - Die Arbeitstagung für Feministische Psychotherapie, die die Träumerin zu dieser Zeit mit anderen Frauen organisierte, könnte auch eine Art «Hilfeschrei» bedeuten, forderten doch die Frauen eine frauengerechte Psychotherapie.

11.10.2003

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Ein weiblicher Jung-Elefant liegt neben meinem Arbeitszimmer am Boden und später im Garten wie mein Hund. Das Tier will herein kommen, aber ich sage, es solle draussen bleiben, da legt es sich wieder hin. In seiner Massigkeit stellt es eine Gefahr für mich dar, 1058

11.10.2003

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Elefanten sind starke, intelligente und sensible Tiere. Ihre Lernfähigkeit, Erinnerungsfähigkeit, Kombinationsgabe und soziale Kompetenz sollen nur von wenigen Säugetieren übertroffen sein. Aber was hat ein Elefant, dieses massige Jungtier, in einer menschlichen Behausung zu suchen? Die Unangemessenheit empfindet ja auch die Träumerin, sie befiehlt dem Jungtier sehr richtig, draussen zu bleiben. Die «Massigkeit» des Elefanten stellt eine grosse «Masse» dar, wobei die Sequenz sagt, dass diese Masse mit dem Arbeitszimmer und also mit der Arbeit der Träumerin zu tun hat. Zudem wird gesagt, diese grosse Masse stelle eine Gefahr für sie dar, allerdings könne die Träumerin sich diese genügend vom Leib weg halten (der Elefant bleibt auf Befehl draussen). Es besteht demnach keine unmittelbare Gefahr, aber dennoch dürfte die Sequenz als eine Warnung an die Träumerin verstanden werden.