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03 - Sollen/dürfen Frauen aggressiv sein? - Frauen und Aggression

Elisabeth Camenzind

 

Die Frage, ob Frauen aggressiv sein sollen oder dürfen, bringt einen geschlechtsspezifischen Ansatz bewußt schon in den Titel des Aufsatzes hinein. Die geschlechtsspezifische Sichtweise ist in unserer Gesellschaft von höchster Brisanz. Eine Reihe von Aussagen und Geschehnissen machen dies deutlich. Zunächst ein paar Sprichwörter: «Wer seine Frau liebt, schlägt sie.» «Je mehr du deine Frau prügelst, desto besser wird sie für dich kochen.» (russisches Sprichwort). «Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht.» (Nietzsche). Oder die Aussage eines Pressemannes aus jüngster Zeit: «Eine Gesellschaft, die das Aufschlitzen von Frauenkörpern längst als cinemaskopischen Samstagabendjux zugelassen» hat, sollte nicht auf einmal so sensibel reagieren (A. Isenschmid in Basler Zeitung vom 19. 11. 91). Ein Frauenforum hatte mit einer Unterschriftensammlung gegen die literarische Verbrämung von Kinderschändung protestiert und so Herrn Isenschmid zu dieser Äußerung veranlaßt. Es ist ihm jedoch nicht aufgefallen, daß es Männer sind, die Gewalt gegen das weibliche Geschlecht ausüben und keineswegs «die Gesellschaft», die bekanntlich zu 51% aus Frauen besteht. Daß dieser Sachverhalt einem Mann nicht auffällt, hat mit unserer patriarchalen Gesellschaft zu tun, in der männliche Aggression als richtig und förderungswürdig gilt. An diesem prekären Sachverhalt ist die traditionelle Psychologie nicht unschuldig, wie ich noch zeigen werde.

    Schon das männliche Kind wächst mit der Gewißheit heran, daß es später als Mann mit gesellschaftlicher und biblischer Akzeptanz seine Aggression ausleben darf. Dieser Sachverhalt wird mir in Therapien mit Knaben immer wieder deutlich. Ein zwölfjähriger Knabe sagte, er werde es jetzt dann wie Gott machen und alle seine Feinde zusammenschlagen. Er hatte im Religionsunterricht gehört, wie es «Gott» mit den Menschen macht, und festgestellt, daß der Religionslehrer an diesem despotischen göttlichen Verhalten keinen Anstoß nahm. Ein fünfjähriger Knabe droht gar, wenn er groß sei, werde er die ganze Welt kaputt machen und Gott töten, der so böse sei. Ein anderer Knabe will in der Therapie den Gott spielen und wie dieser die Welt in aller Willkür regieren. Zwei der erwähnten Beispiele betreffen Knaben aus dem christlichen, das andere aus jüdischem Milieu. Die Vorbilder für männliche Aggression entnehmen diese Knaben entweder der Bibel, oder sie haben lebende männliche Vorbilder, die ebenso aggressiv sind.

    Die angeführten Beispiele aus Fernsehen, Bibel und Therapie weisen auf das Ausmaß und die Selbstverständlichkeit männlicher Aggression hin. Die Aggression hat viele Gesichter und Schauplätze, wobei der erwähnte «Samstagabendjux» im Fernsehen für Männer in seiner Unverschämtheit lediglich die Spitze des Eisberges darstellt. Frauen sind nicht mehr gewillt, die eskalierende männliche Aggression hinzunehmen. Auf diesen Sachverhalt dürfte beispielsweise ein Referat der Theologin Heidrun Suter-Richter hinweisen, das mit dem Zitat der biblischen Judith beginnt: «Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft und hieb dem Manne den Kopf ab.»

 

Individualpsychologie im patriarchalen Kontext

Als Psychotherapeutin habe ich von der Ausbildung und Praxis her mit der Psychologie von Individuen zu tun, wobei mir allerdings immer mehr bewußt wird, daß der individualpsychologische Ansatz nicht ausreicht, um die unterschiedliche Ausgestaltung der Aggression in der männlichen und weiblichen Psyche zu erklären. Der Zusammenhang der individuellen Psychologie mit dem gesellschaftlichen und geschichtlichen Kontext bzw. mit den darin geltenden und wirkenden patriarchalen Normen ist sehr auffällig. Es kann nicht mehr übersehen werden, daß bei Männern eine grobe Steigerung der nach außen gerichteten Aggression vorliegt, während bei Frauen mehr die gehemmte oder die innengerichtete Aggression überwiegt. Mein Beitrag richtet die Aufmerksamkeit ganz besonders auf die in der Psychologie vernachlässigten Anteile der äußeren und verinnerlichten Aggressionsursachen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, die einzelnen Individuen von Verantwortung freizusprechen. Vielmehr geht es um die Hintergründe und Bedingungen, unter denen die unterschiedliche Gestaltung von Aggression bei den Geschlechtern entsteht und weiterwirkt. Frauen verlangen neue Konzepte, Sichtweisen und Strategien, um das innerpsychische und das äußere patriarchale Joch abzuwerfen.

 

Aggression und Patriarchat

Die Geschichte des Patriarchats ist eine Geschichte der Aggression und der Kriege. Nach Carola Meier-Seethaler ist die patriarchale Gesellschaft vor drei- bis fünftausend Jahren gewaltsam durch Mord, Raub und Vergewaltigung eingeführt worden. Das Patriarchat hat sich gewissermaßen als Antithesis zur ursprünglich matrizentrierten Kultur der Frühzeit etabliert und ist seither in seiner destruktiven Haltung verblieben. Die Frauen werden in einer besonderen Weise in der Unterdrückung festgehalten, so beispielsweise durch die Rollenvorschriften und die Aggressionstheorien. Mein Referat soll nun Orte, Rechtfertigungen, Definitionen und Verankerungen männlicher Aggression aufzeigen und psychologische und politische Frauenstrategien vorstellen. Insbesondere werde ich darlegen, daß in den psychologischen Theorien die ursprünglichen Inhalte und Zuordnungen der Begriffe Libido und Aggression verkehrt und vertauscht worden sind, wodurch männliche Aggression gegen Frauen als natürlicher Vorgang und somit als akzeptabel erscheint.

 

Die patriarchale/traditionelle Definition und Funktion von Aggression

 

Hier sollen kurz die gängigsten und beliebtesten traditionellen Theorien und Auffassungen über die Funktion männlicher Aggression in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit angeführt werden. Ich beginne mit der Definition des Psychologischen Wörterbuches, in dem Aggression als Schädigungsabsicht und sadistische Handlung definiert wird: «Aggression (lat. aggredi, angreifen), viele verschiedene Verhaltensweisen, die mit der Absicht ausgeführt werden, ein Individuum direkt oder indirekt zu schädigen. (...) Im Zusammenhang mit den sexuellen Beziehungen kann Aggression als Lust an der Grausamkeit und als Lust an der Zufügung von Schmerz auftreten (Sadismus).» Der Philosoph Nietzsche pries wie berauscht die «Tiefe der Lust in allem Zerstören, in allen Wollüsten des Sieges und der Grausamkeit». Der Politologe Michail Bakunin schwärmte: «Setzen wir all unsere Hoffnung auf den ewigen Geist der Zerstörung und Vernichtung, denn er allein ist die unerforschliche und unerschöpfliche Quelle allen Lebens. Der Zerstörungstrieb ist auch ein schöpferischer Trieb.» Der Maler Picasso bekannte: «Ganz offensichtlich muß es die Natur geben, damit wir uns an ihr vergehen können», und er teilte die Auffassung von Bakunin ganz und gar, daß der Geist der Zerstörung die Quelle allen Lebens sei. Sigmund Freud und mit ihm die traditionelle Psychologie ist der Auffassung, daß Aggression zur sexuellen Potenz beim Mann gehören. Für den Psychologen René Spitz (1965) ist Aggression «der Motor jeder Bewegung, aller Aktivitäten und letzten Endes Antrieb für das Leben selbst.» Nach dem Philosophen Elias Canetti hat das höchste Ansehen immer, was in Richtung des Tötens geht. «Was bis zum Töten gehen kann, wird gefürchtet, was nicht unmittelbar dem Töten dient, ist bloß nützlich. (...) Die Töter bleiben immer die Mächtigen.» Der Philosoph Friedrich Hegel hielt die kriegerische Aggression für eine geschichtliche Notwendigkeit, da sie alles Bestehende wegschnitt, um Platz für Neues zu machen, damit «neues Grün sprießen» könne. Nach dem Psychologen Leopold Szondi ist Sadismus ein genetisch verankertes Bedürfnis. Desmond Morris sieht Aggression als kämpferische Konkurrenz als genetisch vorprogrammierte Notwendigkeit, die er von den Vögeln ableitet: Wie der Vogel sein Nest baue, so gehorche der Mensch dem territorialen Imperativ. Aus einem natürlichen biologischen Zwang, der in seinem Wesen angelegt sei, strebe der Mensch nach Besitz und dessen Vergrößerung sowie nach größtmöglichem Prestige. Die Erringung der Achtung seiner Stammesgenossen, die er nur durch gewalttätigen Kampf erobern könne, sei ihm ein instinktiv verankertes Bedürfnis. Gewalt regiere die Welt; Gewalt habe den Menschen erzeugt und ihm seine überragende Stellung im und über dem Tierreich verschafft. Auch der Mensch, besonders er, könne nur mittels Gewalt überleben. Aus der Sicht des Biologen Knussmann ist die Lust am Töten eine typisch männliche Lust. Der Mann werde vom Testosteron beherrscht und mit Adrenalin (= Aggression) überschwemmt.

    Der Aggressionsforscher Friedrich Hacker sieht Aggression «als jene dem Menschen innewohnende Disposition und Energie, die sich ursprünglich in Aktivität und später in den verschiedensten individuellen und kollektiven, sozial gelernten und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis zur Grausamkeit ausdrückt.» Hacker nennt Aggression von ihrem Ursprunge her Energie und Aktivität, die sich aber unter bestimmten Umständen und durch Lernen in gewalttätige und grausame Formen von Selbstbehauptung verwandeln kann.

Konrad Lorenz weist jedoch Freuds Todestrieb als unnötige und biologiefeindliche Hypothese zurück, weist aber auf die angeblich arterhaltende, produktive Funktion des Aggressionstriebes hin, wobei er allerdings unter Aggression den auf Artgenossen gerichteten Kampftrieb versteht. Lorenz betrachtet die Aggression als echten Instinkt. Die Vernunft der Natur verwende beim Tier den Aggressionstrieb, ohne ihn ausarten zu lassen. Zerstörerische Aggression sei eine Fehlleistung. Lorenz meint zudem, daß es ohne Aggression keine Wärme und keine verbindenden Gefühle der Freundschaft, keine Liebe, Kameradschaft und echte Begeisterung gäbe. Der Trieb zum begeisterten, kämpferischen Einsatz bestimme weitgehend den gesellschaftlichen und politischen Aufbau der Menschheit.

    Nach Elias Canetti ist nicht ein angeborener Aggressionstrieb die Ursache von Aggression und Krieg, sondern die totale Macht der Mutter über das Kind in der frühen Kindheit. Für die Mutter besitze das Kind die Eigenschaften von Pflanze und Tier, die ihr den Genuß von Hoheitsrechten gestatten, die der Mensch sonst getrennt ausübe: über Pflanzen, indem er sie zum Wachsen veranlasse, so wie er sie haben will; über Tiere, die er gefangen halte und deren Bewegungen er kontrolliere, eine Macht, die einem Herrscher nur durch künstliche Rangerhöhung gelinge. Die Mutter spüre den stärksten Drang, diese Macht unaufhörlich auszuüben. Sie halte ein Geschöpf gefangen, wenn auch in diesem Fall zu seinem eigenen Nutzen. Daß die Mutter im allgemeinen nicht so gesehen werde, liege daran, daß in der Erinnerung nur die Abnahme ihrer Macht verbleibe, die Canetti im zweiten Lebensjahr ansetzt, Die Hoheitsrechte des Vaters seien zwar auffälliger, in Wirklichkeit aber viel unbedeutender. Diese frühe Macht der Mutter bleibe dem Kind als unauslöschlicher Stachel das ganze Leben lang in seinem Fleisch zurück. Nach der Frustrationstheorie hat das Kind die Tendenz, auf versagende Außenweltreize, einschließlich der Projektion seiner inneren Ängste und Spannungen, aggressiv zu reagieren, um die Quelle der Versagung und der Unlust auszuschalten und zu vernichten. Kindliche Aggressionskontrolle wird durch die ausdrücklichen und nicht ausgesprochenen Vorschriften und Vorstellungen seiner Umgebung, vorerst durch mimetische Nachahmung und durch Furcht vor Strafe oder Liebesentzug bewerkstelligt. Unbeschadet von den jeweils angewendeten Mitteln beinhaltet die Erziehungsbotschaft, daß der Ausdruck aggressiver Gefühle und aggressiver Handlungen nur unter ganz bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Vorwegnehmend kann gesagt werden, daß die Frustrationstheorie die Möglichkeit enthält, die Rollenvorschriften als «Umwelt» zu verstehen, die dem einen Geschlecht Aggression vorschreibt, sie aber dem anderen verbietet. Trotzdem wird in der Psychologie nach wie vor von «Fehlidentifikation» gesprochen, wenn die Klientin oder der Klient der Rollenerwartung bezüglich Aggression nicht entspricht. Die Friedensforschung (H.E. Richter) leitet die kriegerische Aggression nicht mehr von urtümlicher Aggression ab, sondern von multifaktoriellen Ursachen (Wirtschaftsinteressen, Macht, Ehrbegriffe, Propaganda, Rollenzuweisung).

    Bei der Definition von Aggression stellen wir fest, daß die Auffassungen darüber absolut chaotisch sind und in ihren Inhalten weit auseinander laufen. Die Auffassungen gehen von der Lust an Zerstörung, Tötung und Grausamkeit bis zur Behauptung, daß Aggression und der Geist der Zerstörung die Quelle allen Lebens seien und daß ohne Aggression weder Liebe, noch Wärme oder Begeisterung existieren würden. Bei den Ursachen stehen drei Behauptungen im Vordergrund: Aggression sei 1) genetisch bedingt, 2) die Folge der Macht der frühen Mutter bzw. 3) die Folge frühkindlicher Frustrationen.

 

Feministische Kritik an traditionellen Aggressionstheorien

 

Die grundsätzliche Kritik der feministischen Wissenschaft an traditionellen Theorien gilt auch für die Aggressionsforschung. Unabhängig von ihren Resultaten erfaßt diese lediglich Männerperspektiven. Wenn immer «der Mensch» gesagt wird, ist in Wirklichkeit der Mann gemeint; die Frau als Subjekt fällt aus der Forschung heraus. Dieses Verfahren verfälscht sämtliche Aussagen über menschliches Verhalten und Sein. Die traditionelle Theoriebildung geht in Bezug auf den Faktor «Geschlecht» auch merkwürdig unhistorisch vor. Noch Sigmund Freud konnte behaupten, daß beim weiblichen Geschlecht ein schwächer ausgestaltetes Gewissen (Über-Ich) vorhanden sei. Andere dagegen halten die Frau für das moralisch eher intakte und altruistische Geschlechtswesen (Fichte) oder für den «menschlicheren Menschen» (Goethe). Im Mittelalter hingegen galt «das Weib» noch als das unzähmbare wilde Naturwesen und Ur-Tier, das mit allen Mitteln gezähmt und vom Manne in den Griff genommen werden mußte. Diese Bocksprünge männlichen Denkens sind zum einen auf die unhistorische Betrachtungsweise, zum anderen auf politisches Kalkül und patriarchale Vorgaben zurückzuführen, wie ich am Beispiel des patriarchalen Ehekonzepts zeigen werde. Unter Historik verstehe ich nicht das übliche Vokabular patriarchaler Aussagen von Aristoteles bis Darwin, die lediglich der Abstützung männlicher Vorurteile über weibliche Minderwertigkeit dienen. Im Folgenden werde ich einen historischen Blick auf die Begriffe Libido und Aggression werfen und aufzeigen, daß sie in ihren ursprünglichen Inhalten und Zuordnungen verändert und verfälscht worden sind, und daß es dadurch möglich wurde, männliche Aggression gegen Frauen als natürlichen Vorgang erscheinen zu lassen und gesellschaftlich akzeptabel zu machen.

 

Veränderung und Verfälschung der Inhalte von Libido und Aggression

Beispiel Bioenergetik: Während sowohl in der Tiefenpsychologie als auch im Alltag die Aggression als Angriffsverhalten mit Schädigungsabsicht verstanden wird, wird beim bioenergetischen Aggressions-Modell Aggression als gute, vitale Energie aufgefaßt. Das Modell geht von körperlichen «aggressiven Energien» aus, wobei, wie Ruth Großmaß in ihrem Beitrag zu diesem Buch ausführt, nicht ihr Ausdruck, sondern ihre Blockierung als problematisch gilt: «Entsprechend unterstützt die therapeutische Situation die Aktivierung blockierter Aggressionen wie anderer blockierter Gefühle auch.» Ruth Großmaß erwähnt, daß in diesem Kontext Aggressivität häufig als natürliches Moment männlicher Sexualität gilt, gerade weil Aggression sehr stark natürlich-körperlich gedacht wird.

    Hier werden also alltägliche körperliche «Bewegungsimpulse», die eine natürliche Aktivität beinhalten, mit dem Wort «Aggression» bezeichnet. Das führt dazu, daß Aggression unabhängig von seinem Inhalt als natürlich, unproblematisch und gesellschaftlich akzeptabel erscheint. Anders ausgedrückt: Bei diesem Aggressionsmodell werden körperliche Bewegung und Aktivität als Synonyme für Aggression verwendet. Auf diese Weise werden sowohl die Inhalte als auch die Richtung von Aggression verschleiert. Da kann beispielsweise die sexuelle Aggression genannt werden. Das ist das Erschreckende und Gefährliche daran. Besonders bei René Spitz, bei dem Aggression absolut unproblematisch erscheint, weil er sie zur primären Lebenskraft umdeutet und somit ihres ursprünglichen (aggressiven) Inhalts entleert. Ich erinnere daran, daß Spitz die Aggression als Motor jeder Bewegung, aller Aktivitäten und letzten Endes als Antrieb für das Leben selbst definiert. Und dies im Unterschied zur menschlichen Frühzeit, bei der nicht die Aggression, sondern die Libido als erste Triebkraft für das Leben galt.

 

Libido als primäre Lebenskraft

Geschichtlich gesehen galt in der menschlichen Frühzeit wie in der Tiefenpsychologie bei Freud und Jung die Libido als primäre Lebens- und Antriebsenergie. Bei Sigmund Freud waren es noch spezifischer die Kraft und das Feuer der Sexualität, die er als intensivste Steigerung der Vitalkraft betrachtete. In der menschlichen Frühzeit galten der ekstatische Akt und der Tanz in den Fruchtbarkeitsriten, also das Feuer der Sexualität, als primäre Vital- und Schöpferkraft, die in den geistig-seelischen Bereich hineinreicht, also das geistig Schöpferische ebenso umfaßt wie auch das Heilige und Heilende. Nach Vicki Nobel symbolisiert die Göttin Shakti die weibliche feurig-schöpferische Kraft und den ewigen Tanz des Lebens selbst. Auch bei C.G. Jung umfaßt der Begriff «Libido» in seiner Typenlehre alles «Dyonysische» im physischen und psychischen Sinne. Libido wurde und wird also als primäre Lebensenergie und als primärer Lebensantrieb bis in die Höchstformen hinein gesehen und empfunden.

     Wenn nun bei René Spitz nicht mehr die Libido, sondern die Aggression diese primäre Antriebsenergie ist, so heißt das, daß die Aggression zur Libido umfunktioniert wird, indem sie mit Inhalten der Libido angefüllt an ihre Stelle getreten ist. Es hat eine Enteignung und Entthronung der Libido stattgefunden. Auch der Tierforscher Konrad Lorenz kommt zu diesem Schluß, wenn er feststellt, daß es nicht mehr die Libido ist, die zu Wärme, Liebe, Freundschaft und Begeisterung führt, sondern die Aggression. Da die Libido von alters her dem kosmisch Weiblichen zugeordnet wurde, gilt die Enteignung der Lebenskraft letztlich auch diesem und dem ganzen weiblichen Geschlecht. Die als weiblich geltende Lebensenergie, Kraft und Geistigkeit wird nun als eine männliche Kraft und Geistigkeit verstanden und vom männlichen Geschlecht vereinnahmt. Besonders deutlich wird dieser Sachverhalt auch in der Schicksalsanalyse, die sich aus der Tradition der Tiefenpsychologie versteht. Beim Begründer dieser Schulrichtung (Leopold Szondi) ist die Libido zu einem Ding ohne Kraft geworden. Libido ist für ihn die weibliche Tendenz zur Aufopferung und Ichlosigkeit, die mit Masochismus und Selbstdestruktion einhergeht. Die Aggression (Sadismus) dagegen ist seiner Meinung nach mit Aktivität und mit den sogenannten Ich-Trieben verknüpft, die als männlich definiert sind. Nun gelten Lebensenergie, Vitalkraft, Aktivität und geistige Potenz als männliche Attribute, die zudem unweigerlich mit Aggression einhergehen. Damit wird die Frau insgesamt enteignet. Die weibliche Vitalkraft, Geisteskraft und Heilkraft, die ihr in der menschlichen Frühzeit von der Göttin her zustand wird gänzlich vom männlichen Geschlecht vereinnahmt, die Frau geht in dieser tiefenpsychologischen Theorie leer aus.

      Es geschieht hier im Grunde das gleiche, was mit den weiblichen Gottheiten und den Priesterinnen der menschlichen Frühzeit geschah; sie wurden im Patriarchat allesamt durch männliche Pendants ersetzt. Der Beginn des Patriarchats läßt sich an den überlieferten Mythen leicht ablesen: Werte, die früher wichtig und gut waren, werden herabgesetzt. Die Frau und Göttin, aus der Leben und Tod kommt, die als Schöpferin und Erzeugerin von Lebenskraft galt, wird bekämpft. Der Mondkalender wird durch den der Sonne ersetzt. Sonnensymbole wie Axt und Schwert kommen auf. Das Kriegerbewußtsein entsteht. Nun brennt nicht mehr das Feuer der Libido, sondern das Feuer der Aggression. Genau diese Situation wird mit der Umdeutung der Begriffe Libido und Aggression auch in der Tiefenpsychologie hergestellt. Somit gelten die aggressiveren Männer als Besitzer der eigentlichen Lebens-, Schöpfer- und Geisteskraft. Gleichzeitig wird die als weiblich gedachte Friedfertigkeit mit Kraftlosigkeit, Spannungslosigkeit und Langeweile assoziiert. Nachdem Aggression in neueren psychologischen Theorien auch noch in eine positive Korrelation mit Intelligenz und intellektueller Neugier gebracht wird, wird jene Intelligenz und Neugier, die mit der Libido positiv korreliert, gänzlich abserviert. Bestenfalls wird in der Psychologie von Männerseite her das «Weibliche» noch mit Sanftheit, Zärtlichkeit und Beziehungsfähigkeit assoziiert, nicht aber mit jener höchsten Kraft, Intelligenz und Macht, die ursprünglich als weibliche Grössen in der Gestalt der Göttin kosmisch verankert waren.

 

Phantasierte Aggression auf Kosten der Frau

Ich werde nun darlegen, daß auch die Theorie über die phantasierte Aggression, die von Psychologen als Entlastungsfunktion für Männer beansprucht wird, zur Unterdrückung der Frauen beiträgt. Ich habe bereits erwähnt, daß im bioenergetischen Aggressionskonzept nicht der Ausdruck von Aggression als problematisch gilt, sondern deren Blockierung. Dazu gehört die Meinung, daß durch Ausleben der Aggression in der Phantasie eine Aggressionsabfuhr stattfinden könne. Diese verheerende Auffassung ist auch Bestandteil der psychotherapeutischen Lehrmeinung. Daher raten Sexualtherapeuten ihren männlichen Klienten zum Konsum von Aggressionsbildern, ungeachtet der Richtung oder des Ausmaßes von Aggression. Filme, in denen Frauen sexuell mißhandelt werden, sind große Mode, die «Geschichte der 0.» war ein Kassenschlager. Die Theorie von der Entlastungsfunktion phantasierter Aggression hat dazu geführt, daß das Aufschlitzen von Frauenkörpern längst als cinemaskopischer Samstagabendjux für Männer im Fernsehen oder im Video als akzeptabel, ja sogar als therapeutische Maßnahme für aggressive Männer verkauft und in Anspruch genommen werden kann. An uns Frauen wird die Erwartung gestellt, daß wir den Männern diese Entlastung gönnen sollten. Diese sadistischen Abendunterhaltungen für Männer sind also erst mit den unterstützenden Argumenten der psychologischen Fachwelt überhaupt möglich geworden. Ob diese Art von Männersex eine Entlastung oder Belastung für Frauen sei, diese Frage wird von Sexualtherapeuten überhaupt nicht gestellt.

    Nach feministischer Auffassung gehen die erwähnten Entlastungsprogramme für Männer auf Kosten von uns Frauen. Nach dem Genuß von Aggressionsbildern ist der Mann nicht mit zärtlichen Gefühlen für seine Partnerin erfüllt, sondern er sieht sie und alle Frauen mit dem Blick des Aggressors. Die Aggressionsbilder wirken ja auch als Vorbilder und geben als solche Verhaltensmuster für Heranwachsende und Erwachsene. Die sadistischen Muster besagen, so verhalte man(n) sich richtigerweise gegenüber Frauen, weil diese angeblich masochistisch sind und das Gequältwerden auch noch genießen. Die Frau ist real bedroht, wenn der Mann nach einem sexualsadistischen Film nach Hause kommt. Ein junger Mann entschuldigte sich vor dem Richter, er habe seine Frau sexuell mißhandelt aus Angst, sie wolle nichts mehr von ihm wissen. Meiner Meinung nach ist seine Handlung die Auswirkung der täglichen Aggressionsbilder sowie der psychologischen Theorien über die angeblich natürliche männliche Aggression und den angeblich natürlichen weiblichen Masochismus.

    Auch Frauen verhalten sich bekanntlich nach Vorbildern. Diese sind in den Medien allerdings anders gestaltet als die für Männer. Die männliche Aggression wird künstlich vergrößert, während weibliche Aggression bzw. wehrhaftes Verhalten von vorneherein nicht zugelassen bzw. nicht dargestellt wird. Die Drehbücher drängen die Darstellerinnen in masochistische Rollen. Sie bilden die Vorbilder, die nach den falschen psychologischen Theorien gestaltet sind, sie zeigen Frauen, die Aggression gegen sich selbst richten und männliche sexuelle Gewalt angeblich auch noch genießen. Roswitha Burgard kritisiert, daß heute noch in der Psychiatrie Frauen, die aggressiver und weniger beeinflußbar sind, als «nicht normal» bezeichnet werden. Auch werden Minderwertigkeitsgefühle und geringe Selbstachtung bei Frauen noch immer als Zeichen einer «Sklavenpsychologie» anstatt als Zeichen von Krankheit und als Folge von Unterdrückung gedeutet.

    Auch die «Entlastungsfunktion» des Telefonsex' ist lediglich für Männer, nicht aber für Frauen eine Entlastung. Eine Berufskollegin erwähnte ein pubertierendes Mädchen, das von daheim floh, nachdem sie ihren Vater beim Telefonsex überrascht hatte. Die frühere Verehrung des Vaters ist bei ihr in Verachtung und Haß umgeschlagen, und von der Mutter verlangte sie, daß sie sich von ihm scheiden ließe. Weil die Mutter sich nicht scheiden lassen will, weigert sich die Tochter nun, zu ihr zurückzukehren. Zudem verachtet sie nun auch die Mutter. Vermutlich hatte die Mutter gerade vom Sexualtherapeuten Klaus Heer gelesen, der in der Presse die «Entlastungsfunktion» des Telefonsex' hervorhob und sich gegen ein Verbot dieser Einrichtung aussprach. Die Tochter zeigt durch ihre Reaktion, daß ihre Orientierungsgefühle noch funktionieren, sie nimmt wahr, was abläuft bei den Männern auf Kosten des weiblichen Geschlechts. Dies im Unterschied zu ihrer Mutter.

    Nebenbei bemerkt: Nach Jutta Voss entbehrt die Aggression von Männern gegen Frauen jeder biologischen Grundlage. Der Vergleich mit dem Tierreich zeigt, daß der Kampf in der Regel unter Männchen verläuft. Es geht dabei um die Gewinnung der Gunst eines Weibchens, nie aber ist der Kampf gegen die Weibchen gerichtet.

 

Aggression - Kraft zweiter Ordnung

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob eine Welt ohne Aggression überhaupt möglich sei. Es wird der Verdacht und die Befürchtung geäussert, Feministinnen wollten den Mann seiner Kraft, Aktivität und Potenz berauben. Daher nochmals eine Begriffsklärung: Die Libido bildet die ursprüngliche Lebensenergie, den eigentlichen Lebenstrieb, nicht die Aggression. Die Libido bezeichnet die erste, ursprüngliche und also primäre Energie und Kraft, wobei auch die geistige Energie, das Interesse an Erkenntnis und schöpferischer Schaffenskraft darin enthalten ist. Zu dieser Kraft der Libido haben nicht nur Frauen, sondern auch Männer Zugang.

Die Aggression steht im Sinne der Tiefenpsychologie auf der Seite des Todestriebes, der Destruktion und der Reaktion. Diese Zuordnung deutet darauf hin, dass die Kraft der Aggression als eine reaktive und daher eine sekundäre Funktion aufgefasst werden muss. Bezüglich der Bewertung der Aggression ist zentral wichtig, zwischen dem Aggressionsgefühl und der Aggressionshandlung zu unterscheiden. Wut, Hass, Zorn, Racheimpulse sind zunächst als Gefühle zu verstehen und im Sinne von Agnes Heller als orientierende Gefühle. Sie reagieren auf bestehende Situationen, sind sekundäre Reaktionen. Sie zeigen an, daß die Primärenergie (Libido) behindert oder der Zugang zu den Ressourcen (Quellen) versperrt ist, und somit die Lebens-, Tätigkeits- und Schöpferfähigkeit der Libido unterbrochen ist. Wir sind zornig und wütend, wenn wir daran gehindert werden, so zu leben, wie wir aufgrund unserer Vitalkraft, Intelligenz und Persönlichkeit leben könnten und möchten.

Gefühle haben im Wesentlichen eine Orientierungsfunktion. Die Gefühle von Wut und Zorn können, wie gesagt, anzeigen, daß dem Fluß der Libido etwas im Wege steht oder die Libido selbst verletzt ist und die Person sich frustriert fühlt. Von daher ist es nicht verwunderlich, daß sehr viel mehr Frauen als Männer sich so wütend und zornig fühlen, denn in unserer patriarchalen Gesellschaft werden die Privilegien und Ressourcen den Männern zugeschanzt. Nach dem Auftritt der aggressiven Gefühle geschieht in einem zweiten Schritt die Wahrnehmung der Orte der Behinderung, wobei dann im dritten Schritt die Kräfte für Aktion und Handlung mobilisiert werden. Für die verantwortungsbewußte Person kommt selbstverständlich die Frage hinzu, ob die Mittel der ins Auge gefaßten wehrhaften Aktionen und Handlungen der eigenen Persönlichkeit entsprechen und auch mit überpersönlichen Wertauffassungen übereinstimmen.

    Die Aggression könnte als eine Art Reservemotor aufgefasst werden, wenn die erste Kraft (die Libido) verletzt ist oder aus irgendeinem Grunde ausfällt. Die Primärkraft der Libido kann auch durch Übersättigung ausfallen und verletzt sein. Das Körperempfinden wird unweigerlich mit Lustlosigkeit auf die Übersättigung reagieren. In der Folge wird die Lust immer weniger erreichbar, die «Schwelle» zur Lustgewinnung wird immer höher. Daher rufen die Übersättigten pausenlos nach neuen Lustquellen und nach dem Überschreiten weiterer Grenzen - auch auf Kosten anderer Menschen. Dazu kommt die Eifersucht auf Menschen mit intakter Libido und Lustfähigkeit. Die bekannte Grausamkeit männlicher Herrscher muß auch unter diesem Aspekt gesehen werden, ebenfalls der zurzeit grassierende sexuelle Sadismus, der von (privilegierten und übersättigten) Männern gegen Frauen gerichtet ist.

     Eine Welt ohne Aggression im Gefühlsbereich wird es natürlich nie geben, weder bei Frauen noch bei Männern. Im Handlungsbereich dagegen gilt es in erster Linie, bei der männlichen Aggression Einschränkungen aufzurichten. Insbesondere muß sie in der Rangfolge und im Prestige wieder ins zweite Glied gestellt werden, auch in der Psychologie. Männer werden dann wieder kraft der Libido stark und potent sein und nicht mehr kraft der Aggression, und sie werden Frauen nicht mehr zum Masochismus drängen, sondern sich über ihre Kraft und Intelligenz freuen.

 

Orte patriarchaler Aggression

 

Aggression des patriarchalen Ehekonzepts

Nach der Philosophin Luce Irigaray wird die patriarchale Ehe im Sinne von Hegel als Ort verstanden, in welchem die Frau ihre Rechte als Persönlichkeit verliert, während der Mann als Haupt der Familie neue hinzu gewinnt. Die Frau muß alles verlassen: ihren angestammten Namen, ihre Mutter, ihre Wurzeln, um Mutter von Kindern zu werden, die nicht ihren Namen tragen. Was die patriarchale Ehe für die Frau bedeutet, das wurde im Kommentar des Bayerischen Kommentars zum Ehegesetz formuliert. Die Frau wird die rechtlose Domestikin des Mannes, der sie auch noch peinigen darf. Wörtlich hält der Kommentar fest, die Frau habe dem Mann «anständige Domestikendienste» zu leisten, und: «Er wird dich peinigen und kneippen, das hat schon die Göttin Juna sich gefallen lassen müssen, umso mehr sollen die übrigen Frauen dies nicht verschmähen.» Oder die Weisung eines Königs: «Jeder Einwohner hat das Recht, seine Frau zu schlagen, vorausgesetzt, daß der Tod nicht erfolge.» (König Humbert, Frankreich). In der sexuellen Beziehung wird die Frau vom Philosophen Gottlieb Fichte zum Objekt erklärt, und er sagt, daß es ihr nicht abträglich sei, zum Objekt gemacht zu werden, da sie kein Geschlechtsbedürfnis habe, sondern nur einen altruistischen Liebestrieb. Sie selbst wünsche «Mittel für den Zweck eines anderen», des Ehemannes, zu werden. Auch als Mütter galten Frauen lediglich als Mittel zum Zweck. Als Frauen infolge von pausenlosen Geburten im Kindbett reihenweise starben, fühlte sich Martin Luther veranlaßt, die um ihre Frauen besorgten Ehemänner zu beruhigen: «Laßt sie ruhig todtragen, denn dafür sind sie da.»

    Oft höre ich den Einwand, man sollte dies alten Geschichten nicht aufwärmen, da immer mehr Ehen auf der Basis von Liebe und Gegenseitigkeit gegründet seien, womit sich alte Mängel von selbst verlören. Ich kann diese Meinung nicht teilen. Das patriarchale Ehekonzept hat sich in den Köpfen vieler Männer als Gewohnheitsrecht eingenistet, und die Gründung des Rings der Fundamentalisten in den USA beweist, dass die Reichen und Mächtigen gegen den Verlust männlicher Privilegien mit dem Einsatz riesiger finanzieller Mittel kämpfen. Die «alten Geschichten» sind also nicht am Ende.

 

Aggression der Mutterideologie

Seit den Siebzigerjahren wird die Mutter für alle psychischen Leiden verantwortlich gemacht. Kinderpsychologen berichten von zahllosen Fällen, die aus der symbiotischen Abhängigkeit von der Mutter stammen. (Bowlby, Kohut 1973, Mahler 1972, Spitz und Winnicott 1974) Auch die Aggression der Kinder ist nach diesen Theorien der Mutter anzulasten, bzw. ihrer vernachlässigenden oder verwöhnenden Erziehung. Aber in keinem Fall wird das Mutter-Kind-Arrangement in Frage gestellt, das zur symbiotischen Abhängigkeit des Kindes von der Mutter und den entsprechenden Störungen führt. Und das ist bis heute so geblieben.

     Feministische Psychologinnen dagegen kritisieren die Alleinzuständigkeit der Mutter für das Kind, und dies nicht nur wegen der kindlichen Störungen. Sie machen die Alleinzu­ständigkeit bzw. die exklusive Mutter-Kind-Beziehung verantwortlich für die aggressive und ausbeuterische Haltung des männlichen Geschlechts gegenüber Frauen. Die symbiotische Beziehung bringe die Menschen dazu, die Mutter für unerschöpfliche Natur zu halten, die über unermeßliche Schätze verfüge, die man ihr notfalls mit Gewalt entreißen könne. Die ausbeuterische Haltung sei also in der Symbiose mit der Mutter angelegt, weil zu dieser Zeit nur Frauen die Gebenden seien. Daraus folgern sie, daß beide Geschlechter an der Versorgung der Säuglinge beteiligt sein müssen, damit auch Männer als Gebende erlebt werden (Meulenbelt, Chodorow, Olivier, Orbach).

    Allerdings erweist sich nach Brunhilde Sauer-Burgard dieser theoretische Ansatz bezüglich männlicher Ausbeutung als unzureichend, da er nicht erklärt, warum Frauen diese ausbeuterische Haltung zur Natur und zu anderen Menschen nicht haben, obgleich sie nach dieser Theorie die frühe Mutter ja auch für unerschöpfliche Natur gehalten haben müssen. Sie verweist auf die unterschiedliche Sozialisierung der Geschlechter. Weibliche Kinder werden im patriarchalen System einer umfassenden Dressur zur Unterordnung und Nichtaggressivität unterworfen, während Knaben den gesellschaftlich vermittelten Vorbildern entnehmen, daß Aggressivität zur männlichen Identität gehört und zudem in der Männer- und Wirtschaftswelt honoriert wird. Elias Canetti sagt: «Das Ansehen und die Macht hat immer das, was in Richtung des Tötens geht. Die Töter (und Ausbeuter) bleiben immer die Mächtigen.» Und genau diese Sichtweise wird den Knaben permanent durch entsprechende Vorbilder vermittelt.

 

Aggression und Mutterohnmacht

Immer wird behauptet, Mütter hätten Macht, während sie im patriarchalen Ehe- und Familienkonzept in Wirklichkeit ganz ohne Macht sind und insbesondere auch keine Schutzmacht ausüben können. Der Schutz der Löwin ist mit Macht gekoppelt. Die Löwin benützt ihre Pranken und Zähne besonders intensiv in der Phase nach der Geburt. Im Unterschied dazu ist die Hausfrau-Mutter machtlos. Weder ist sie imstande, ihre weiblichen Kinder vor der zunehmenden Gewalt auf dem Schulhof, vor Vergewaltigung auf der Straße, von Belästigung am Arbeitsplatz und an höheren Schulen, oder vor beruflicher Benachteiligung oder Ausbeutung zu schützen, noch ist sie imstande, ihre männlichen Kinder davon abzuhalten, sich mit dem Aggressor Patriarchat zu identifizieren. Mütterliche Macht ist also Schall und Rauch: Fürsorgliche Liebe gerät zum billigen Versprechen, das nicht eingehalten werden kann. Die Symbiose, die «zärtlichste aller Lieben» (Olivier) wird abgelöst durch das unerbittliche Hineinstoßen in das «feindliche Leben» der Männerwirtschaft. Dies ist begleitet von einem lebenslangen Haß auf die Mutter, der auf alle Frauen übertragen wird (Olivier). Töchter und Söhne hassen ihre Mütter, die sich als machtlos erweisen. Und zu dieser Situation trägt die Psychologie bei, die nach wie vor und wider besseres Wissen behauptet, daß das Wohl der Kinder nur durch die Hausfrau-Mutter gewährleistet werden könne.

 

Aggression der Sexualsymbolik

Der Psychoanalytiker Karl Stern beschreibt den Geschlechtsakt als eine Kriegshandlung: «Das Spermatozoon hat Torpedoform, greift an, das Ei ist eine Kugel, die sich dem Eindringen bereit hält.» Janssen-Jurreit bemerkt dazu, daß diese Darstellung der Vereinigung der weiblichen und männlichen Geschlechtszellen als Angriffskrieg gegen die Frau und zur Gleichsetzung von Aggressivität und Sexualakt führen könne. - Leider ist das inzwischen geschehen. Ernst Jünger beschreibt einen von ihm erlebten Bombenregen über Paris als eine gewaltige «Befruchtung». Horst E. Richter erwähnt, daß Kriegshandlungen im Feindgebiet als «Penetration» beschrieben werden. Kampfflieger aus den USA gaben an, daß sie beim Bombenabwurf einen Orgasmus erlebt hätten, schöner als bei einer Frau.

    Auch in heutigen Psychologien (Psychoanalyse, Schicksalsanalyse) wird die Geschlechterbeziehung in der Sprache von Aggression, Sadismus, Zerstörung, Selbstzerstörung und Masochismus beschrieben, die zur Gleichsetzung von Aggressivität und Sexualakt führt. Die Situation der Frau beim normalen Beischlaf ist angeblich eine masochistische, selbstzerstörerische. - Somit steht diese Psychologie im Verdacht, im Dienste des Patriarchats zu funktionieren. Im Patriarchat werden Männer als Jäger beschrieben, Frauen als Beute. Der Geschlechtsakt wird nicht mehr als ein von der Gottheit geschenktes Fest der Lust, Ekstase, Freude und Heilung beschrieben, sondern der Frau wird die «Blume genommen», sie wird defloriert, entjungfert, anstatt in der Vereinigung «erkannt», erfreut, beschenkt, befriedigt zu werden. Die Kriegswerkzeuge Maschinengewehre, Raketen und Säbel sind die Symbole für das männliche Geschlechtsorgan geworden mit der Assoziation von Zerstörung und Tötung der Frau. Ich kann diesen aggressiven Symbolen nicht die geringste erotische Qualität abgewinnen.

    Die hier angeführten Orte patriarchaler Aggression genügen, um das Problem sichtbar zu machen, obgleich es noch unzählige andere gibt, beispielsweise Kirche, Bildungswesen, Sprache, Gesetze, Politik, Wirtschaft und sämtliche Wissenschaftsgebiete.

 

Schlußbetrachtung

 

Wir Frauen sind der Gewalt müde

Diese Aussage einer Afrikanerin setze ich als Motto über das Schlußkapitel. Die Eingangsfrage, ob Frauen aggressiv sein sollen oder dürfen, kehre ich zunächst einfach um: Sollen, dürfen Männer aggressiv sein? Und wenn ja, warum? Die männliche Aggression, wie ich sie dargestellt habe, bringt uns Frauen nichts als Leid und Ärger, sie vermiest uns das ganze Leben, das anders sein könnte. Wir Frauen werden seit Jahrtausenden permanent von Männern verfolgt, wir leben gewissermaßen täglich im Kriegszustand. Eine Frau weiß bei keinem Gang aus dem Haus, ob sie lebend und unverletzt zurückkehren wird. Fast täglich lesen wir von Vergewaltigung und Mord von Männern an Frauen.

    Aus der Männerperspektive heraus soll und muß der Mann aggressiv sein, wie auch immer die Aggressionsbegriffe ausfallen. Wie wir gesehen haben, gibt es Theorien, die männliche Aggression legitimieren und Orte, wo sie ausgeübt wird. Die sogenannten «wissenschaftlichen» Theorien sind maßgeblich an der Erzeugung männlicher Aggression beteiligt, darunter leider auch die Psychologie. Die patriarchalen Theorien haben es fertig gebracht, daß viele Männer so geworden sind, wie die Ideologie von der Geschlechterrolle es vorgibt: aggressiv, sadistisch, egoistisch, prestigesüchtig, herrschsüchtig und expansiv in ihrer Aggression und Schädigungsabsicht. Auch viele Frauen sind so geworden, wie sie von der Rolle her beschrieben werden: mütterlich aufopfernd, selbstlos, ohne eigenes Ich, ohne eigene Persönlichkeit und unfähig, die eigenen Interessen wahrzunehmen. Ich bin mit Mary Daly darin einig, daß der «Dauer-Krieg» des Patriarchats gegen die Frau «in erster Linie auf einer psychischen und geistigen Ebene geführt» wird, und daß wir «die fürchterlichen Lügen der patriarchalen Kultur und Religion exorzieren oder vertreiben» müssen.

Zu den fürchterlichen Lügen des Patriarchats gehören die Geschlechterideologie und insbesondere die Behauptung von der schöpferischen Kraft männlicher Aggression. Diese Behauptung gehört sozusagen zu den Glaubensbekenntnissen des Patriarchats. Meiner Meinung nach muß die Aggression, im Hinblick auf die Lebenskräfte, wieder ins zweite Glied gestellt werden, als eine sekundäre Kraft. Gleichzeitig muß die Libido wieder in ihre Rechte als primäre Lebens- und Schöpferkraft eingesetzt werden, und zwar als eine allgemeine Lebensenergie und Lebenskraft, an der beide Geschlechter partizipieren.

    Die angeführten Fakten und Theorien machen deutlich, daß Männer zu viel Aggression haben. Ebenso deutlich wird, daß diese Aggression mit künstlichen Mitteln verstärkt und vervielfältigt, das weibliche Pendant dagegen unter Verschluß gehalten wird. Noch richtet sich bei Frauen die Aggression, wenn sie keinen Ausgang findet, automatisch gegen sie selbst: Depression, Minderwertigkeitsgefühle, psychosomatische Krankheiten und masochistische Selbstdestruktion sind die Folgen. Es ist fast nicht zu glauben, daß Psychiater diesen Vorgang der Selbstdestruktion bei Frauen noch immer nicht als Krankheit erkennen, sondern Frauen noch immer für natürlicherweise masochistisch halten und bezeichnen können.

 

Sollen, dürfen Frauen aggressiv sein?

Leider hat das aggressionslose Liebsein den Frauen im Patriarchat nur Knechtschaft und Verachtung eingebracht. Richtigerweise sollte die Frage lauten, ob Menschen aggressiv sein sollen, und dann wäre meine Antwort ein klares Nein. Da Männer aber zufolge der Theorie aggressiv und die Frauen lieb sein sollen, besteht ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der Frauen. Frauen leben in einer permanenten Notwehrsituation, in den Büros, auf der Straße, an der Universität und sogar in den Wohnstuben. Dort wird ihnen im Fernsehen demonstriert, was man(n) mit ihnen machen darf. Dies geht bis zum Aufschlitzen ihrer Körper als Samstagabendvergnügen für Männer. Nicht einmal mit den Juden hätte man(n) so etwas machen dürfen. Heute schützen glücklicherweise das Antirassismusgesetz und ein entsprechendes (Gruppen-)Klagerecht die Juden, während noch kein Gesetz die Frauen vor der propagandistischen Verherrlichung sexuell verbrämter Gewalt und Mordtat an ihnen schützt. Die Notwehrsituation ist für Frauen im Alltag gegeben. In Notwehr darf ein Mensch sogar töten, also die äußerste Aggression in Anspruch nehmen. Die biblische Judith hat dieses Recht in Anspruch genommen. Die Philosophin Simone Weil sagte einmal ein Wort, das mich lange beschäftigte. Sie sagte, daß wir zweierlei bekämpfen müssten: die Lust zu töten und die Angst, es zu tun. Das erstere gilt zurzeit zweifellos für das männliche, das zweite für das weibliche Geschlecht. Ein Aggressionsverbot müßte entweder für beide Geschlechter gelten, also für alle Menschen, oder gar nicht. Ich plädiere nicht für eine Ausweitung der Aggression auf beide Geschlechter, ich plädiere für das Recht auf Notwehr und Wehrhaftigkeit für Frauen.

 

Aggressionslose Gesellschaft?

Männer verknüpfen eine aggressionslose Gesellschaft mit der Schreckensvorstellung, daß sie nur um den Preis von Kraftlosigkeit, Lustlosigkeit und Langeweile zu haben sei. Das ist aber nicht so. Aus den Stichworten der Fachtagung der feministischen Juristinnen (Schweiz) sind andere Vorstellungen ersichtlich. Nicht mehr toleriert wird die destruktive und mörderische Aggression, die im Patriarchat für Männer als normal vorgesehen ist. Mit intensiven Auseinandersetzungen und Reibereien rechnen die Juristinnen durchaus, auch unter Frauen: «Ohne Reibung keine Wärme», heisst es zum Beispiel. Oder: «Streit muß frau nicht scheiden.»

Frauen sehen die «Notwendigkeit, sich streiten zu können» und eine Streitkultur unter Frauen (und Männern) zu entwickeln. Für die Sozialpädagogin Angela Ossius bedeutet Streitkultur eine Form von Beziehungskultur, die einen anderen Weg der Auseinandersetzung sucht als der «Therapismus». Unter «Therapismus» versteht sie eine bedingungslose weibliche Solidarität, der sich die Frauenbewegung lange verschrieb und die an ein totes Ende führe. Ossius führte einen «Streitworkshop» durch, um zu zeigen, daß Streit auch «kraft- und lustvoll, konstruktiv und in Einklang mit sich selbst» vonstattengehen kann. Also keine Spur von Langweiligkeit! Monika Stocker sprach sich für ein «verbindliches Streiten» aus.

 

Neue Frauen braucht das Land

In meiner eigenen Vorstellung sind die neuen Frauen von der Kraft der Libido erfüllt. Sie sind erfüllt von Lebens- und Schaffensfreude. Sie sind meditativ und aktiv, sensibel und stark, kooperativ und abgrenzend, bindungsfähig und selbständig, genußfähig und verzichtfähig, im Grundverhalten wohlwollend, liebevoll schützend, aber auch fähig, «Pranken und Zähne» zu zeigen, wenn es sein muß, beispielsweise dem Aggressor Patriarchat, seinen Strukturen und Epigonen. Die Tatsache, daß solche starken und vielseitigen Frauen trotz Jahrtausenden der patriarchalen Unterdrückung und Einengung bereits existieren, ist für mich ein Beweis, wie Frauen natürlicherweise sein könnten, welche urtümliche Kraft der Libido in ihnen wohnt und wie falsch und lügenhaft die angeblich wissenschaftlichen Theorien über das «Weibliche» und die Frauen sind.

 

Neue Männer braucht das Land

Eigentlich sehe ich die neuen Männer ganz ähnlich vielseitig und stark wie die Frauen: Ich sehe die Männer libidinös kraftvoll und trotzdem sensibel, kooperativ und abgegrenzt, genußfähig und verzichtfähig, bindungsfähig und selbständig, wohlwollend und liebevoll schützend, aber auch fähig, «Pranken und Zähne» zu zeigen, beispielsweise dem Aggressor Patriarchat und seinen Epigonen. Ich sehe Männer, die nicht mehr am Rockzipfel ihrer Partnerin hängen, sich nicht mehr einseitig wie ein Kind von ihr häuslich versorgen lassen wollen. Männer also, die nicht die Frau zur Mutter machen und in der Folge Angst vor ihr bekommen und davonlaufen wollen, sondern Männer, die auch fähig sind, zu geben, damit auch die Frau sich ihrer häuslich sorgenden Hand hingeben und in ihrer emotionalen Wärme auftanken kann. Ich sehe Männer, die sich nicht zimperlich schon «kastriert» fühlen, wenn die Frau sich daran macht, eine vollmenschliche Person zu werden. Die neuen Männer, die das Land braucht, sind weder Machos noch Softies, sondern Männer, die aufhören, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten und ihre Aggression dort anbringen, wo sie ausgelöst wird, nämlich beim Patriarchat, anstatt sie umzuleiten auf die Frauen, nur weil diese leichter und gefahrloser zu erreichen sind. Tatsächlich kenne ich Männer, die heute schon von der Kraft der Libido erfüllt sind. Sie haben es nicht nötig, ihre Mütter, Schwestern, Partnerinnen, Töchter abzuwerten oder auszubeuten. Daß solche neuen Männer bereits existieren, beweist, daß sie von Natur aus nicht so aggressiv und sadistisch sind, wie es die patriarchale Ideologie vorgibt.

 

Individuation - Integration - Doppeltendenz

Von der neuen Ideologie, daß Männer «weiblich» werden und Frauen «Männliches» entwickeln müssen, halte ich nicht viel. Vielmehr geht es darum, die Rollenvorschriften abzuwerfen, damit beide Geschlechter endlich herausfinden können, wie sie wirklich sind und sein könnten. Es gilt, die individuellen Fähigkeiten und Neigungen und den ganzen Reichtum der menschlichen Begabungen und Verschiedenheiten zu entdecken, ohne sie auf die Geschlechter aufzuteilen und einzugrenzen. Die Tatsache, daß es überhaupt Rollenvorschriften gibt, beweist schon die Unnatürlichkeit dieser Rollen, denn für das, was natürlich ist, müssen keine Vorschriften gemacht werden. Es bedarf beispielsweise keiner Vorschrift, daß nur das eine Geschlecht Kinder gebiert und an der Brust nährt. Hingegen kann die nachgeburtliche Verantwortung und Pflege sehr wohl von beiden Geschlechtern übernommen werden. Und erst recht kann der erwachsene Mann seine persönliche Versorgung durchaus selbst übernehmen.

    In der Tiefenpsychologie bei Jung und Szondi wären die theoretischen Grundlagen für eine realitätsgerechte Psychologie der «neuen» Frauen und Männer durchaus vorhanden: Beide Psychologen gehen in ihrer Theorie von einer ganzheitlichen Person aus. In Jungs Konzept von der Individuation sowie von Anima und Animus ist die Intention enthalten, daß Frauen und Männer die von der Rolle her ausgesperrten Persönlichkeitsanteile in die eigene Person integrieren sollen. Diese Intention ist auch bei Szondi im Konzept der «Integration» sowie der «Doppeltendenz» enthalten. Aber beide Psychologen halten ihre ursprüngliche Intention leider nicht konsequent durch. Sie bleiben der Geschlechterideologie verhaftet, wie aus unzähligen Hinweisen hervorgeht. Bei Jung wird die an Beruf und Studium interessierte Frau als «animusbesessen» getadelt, bei Szondi werden die in leitenden und künstlerischen Berufen tätigen Frauen als «Mannweiber» abgewertet und erst noch den «Abweichungen vom Geschlechtstypus» zugeordnet. Der Tiefenpsychologie steht es also noch bevor, ihre Theorien nach Resten der patriarchalen Rollenideologie durchzuforsten und sie zu korrigieren. Es gilt, Formulierungen zu finden, die der ursprünglichen, besseren Intention ihrer Autoren zum Durchbruch verhelfen. Diese müssen unmißverständlich deutlich machen, daß die Tiefenpsychologie die Entwicklung einer ganzheitlichen und integrierten Persönlichkeit bei beiden Geschlechtern postuliert. Das bedeutet denn auch, daß starke Frauen nicht mehr als männlich (= unweiblich) und sensible Männer nicht mehr als weiblich (= unmännlich) bezeichnet werden. Es wird dann die Rede von starken und/oder sensiblen Frauen und Männern sein. Das genügt, sie als Personen und als Frauen und Männer sichtbar zu machen.

 

Eigene Strukturen für Frauenpartnerschaft

Oft wird gesagt, Frauen sollten sich nicht mehr in ihren eigenen Winkeln und Strukturen separieren, sondern mit den Männern partnerschaftlich zusammenarbeiten. Ich halte dies für einen falschen Ansatz, obgleich es zutrifft, daß auch Männer sich verändern und am Kampf gegen das Patriarchat beteiligt sein müssen. Feministische Erfahrung lehrt, daß, wann immer Frauen mit Männern zusammenarbeiten, diese Arbeit unweigerlich unter patriarchale Vorzeichen und Bedingungen gerät. Die Zusammenarbeit der Geschlechter muß daher umgekehrt laufen: Männer müssen mit Frauen zusammenarbeiten und eine «Frauenöffentlichkeit» herstellen. Das heißt, Männer müssen sich auf allen gesellschaftlichen und privaten Ebenen mit dem weiblichen Geschlecht solidarisieren und gleichzeitig auf Privilegien verzichten. Männer müssen die Orte der Macht sowie qualifizierte Arbeitsplätze mit den Frauen teilen, Männerstrukturen sind zugunsten von Frauenstrukturen zu dezimieren. Männer sollen paritätisch Familienarbeit und Selbstversorgung übernehmen. Fürsorgliches elterliches und partnerschaftliches Verhalten einüben, Einfühlung, Identifiktions- und Aufopferungsfähigkeit entwickeln. Das bedeutet auch, daß Männer einen Teil ihrer Aggression gegen ihre eigene Person richten müssen, um sich zu Altruismus und Aufopferung zu befähigen. Kurz, Männer müssen Selbsterziehung leisten, um von ihrem Egoismus und Narzißmus loszukommen und als Persönlichkeit erwachsen zu werden. Frauen haben es satt, mit «Liebe» auf männliche Aggression zu reagieren. Frauen akzeptieren es nicht länger, daß Männer im Ausagieren von Aggression gegen Frauen «stark», jedoch schwächlich und zimperlich im Einstecken sind. Männer müssen lernen, die «depressive Position» (M. Mahler) der Kindheit nachzuholen, in die jedes Kind hineinfällt, wenn es entdeckt, daß es von der Mutter abgetrennt, klein und verletzlich ist. Diese Phase muß jeder Mann durchstehen, um daran zu wachsen. Das Mannkind muß in diese Phase der Vereinzelung hineinfallen, um in der Folge die eigenen Kräfte entwickeln zu können. Der Mann muß auf den Anspruch verzichten, die symbiotische Verbundenheit von der Mutter direkt auf eine Freundin oder Ehefrau übertragen zu dürfen und sie so wieder als aufopfernde Hausfrau-Mutter zu vereinnahmen. Männer haben also einen anderen Beitrag im Kampf gegen das Patriarchat zu leisten als Frauen. Doch dieser Beitrag muß von den Männern in aller Entschiedenheit gefordert werden.

 

Kurze Zusammenfassung und Fazit

Der individualpsychologische Blick der Tiefenpsychologie reicht nicht aus, die unterschiedliche Ausgestaltung von Aggression in der weiblichen und männlichen Psyche zu erklären. Die Tiefenpsychologie, die in ihrer Metapsychologie die patriarchale Rollenzuweisung an die Geschlechter übernommen hat, hat auch die Zuweisung der nach außen gerichteten Aggression an das männliche Geschlecht übernommen, was so viel heißt, daß sie diese gutheißt und unterstützt. Die traditionellen Aggressionstheorien folgen also dem Patriarchat: sie behaupten, daß Aggression für das männliche Geschlecht normal und identitätsstiftend sei, Masochismus und Selbstdestruktion jedoch normalerweise zur Weiblichkeit gehörten. Wir haben die Rollenvorschriften als Hauptursache der eskalierenden männlichen Aggression erkannt, die sich zudem immer direkter und unverschämter gegen das weibliche Geschlecht richtet. Die Psychologie ist in den «Dauerkrieg des Patriarchats gegen die Frau» verstrickt. Die männliche Aggression gegen das weibliche Geschlecht kann sich dank der unterstützenden psychologischen Theorien in den gesellschaftlichen Konzepten, Strukturen und Gesetzen noch immer halten. Diesen Sachverhalt aufzuzeigen ist einer der tausend Schritte, die getan werden müssen, um männliche Aggression zurückzubinden. Feministische Psychotherapie hat auch Prophylaxe zu leisten, also Forderungen an psychologische Theorien, an die Gesellschaft bzw. an die Männer zu stellen, sowie Orte von Handlungsmöglichkeiten und Strategien für Frauen zu erschließen. Es soll den Männern nicht mehr so leicht gemacht werden, die Aggression auf das weibliche Geschlecht umzuleiten, die richtigerweise in den Kampf gegen den Aggressor Patriarchat eingesetzt werden müßte.

In diesem Sinne sind die im Anhang beschriebenen Frauengrundsätze und Strategien zu verstehen. Die Grundsätze berücksichtigen feministische Postulate, soweit sie mir bekannt sind. Sie sollen lediglich als vorläufig aufgefaßt werden.

 

Individuelle und gesellschaftliche Strategien

 

Die folgenden Grundsätze und Strategien für Frauen sind ein vorläufiger Versuch, feministische Postulate - soweit sie mir bekannt sind - in eine Kurzform von 13 Punkten zu fassen, ohne alle Quellen nochmals anzumerken.

 

Frauen-Grundsätze und Strategien

 

1.   Liebe deine Nächste

2.   Halte dir selbst die Treue

3.   Unterscheide Gefühle und Werte

4.   Begrenze die Liebe, binde zurück

5.   Verlagere Sorge und Liebeskraft

6.   Mische dich ein; arbeite an der Schutzmacht

7.   Nimm dir Macht und Wissen

8.   Setze Normen, sei Subjekt

9.   Verfluche männliche Aggression

10. Erkenne die patriarchalen Lügen

11. Fordere Konten-Ausgleich

12. Übe die Notwehr; prüfe die Wirkung von Aggression

13. Suche die Kraft und die Geschichte der Göttin

 

1. Liebe deine Nächste

Wir sollten unsere Liebe nicht verschwenden, sondern den Frauen schenken, da sie im Patriarchat heimatlos sind. Bisher haben die Väter, Brüder, Ehemänner und Freunde die Liebe der Frauen genommen und diese dafür auch noch verachtet. Schenken wir also Liebe, Aufmerksamkeit und Respekt unseren Müttern, Töchtern, Schwestern. Aber: Frauen sind auch nur Menschen. Wir können nicht alle guten Taten von ihnen erwarten. Unsere Heimatlosigkeit im Patriarchat läßt sich nicht durch private Liebe und Schwesterlichkeit beheben, es bedarf der eigenen Strukturen und Institutionen für Frauen sowie die Zulassung zu allen Ressourcen.

 

2. Halte dir selbst die Treue

Schon die Kirchenlehrerin Katharina von Siena warnte vor der bedingungslosen Liebe gegenüber Menschen. Die grenzenlose Liebe, die alles verzeiht, duldet, erträgt, ist schädlich, weil sie zum Egoismus erzieht. Die Theologin Christa Mulack sagt richtig, daß die Treue zu sich selbst, zur eigenen seelischen Entwicklung, zur Individuation, wichtiger sei als die Treue zum Mann. Verweigern wir also beharrlich jene «Weiblichkeit», die auf Selbstverlust und Selbstverrat aufgebaut ist. Weigern wir uns beharrlich, uns als Persönlichkeit aufzugeben und auszulöschen. Bestehen wir auf unseren Persönlichkeitsrechten und auf der Berücksichtigung unserer Lebensbedürfnisse, denn sie sind die Voraussetzung für die Echtheit der Gefühle sowie für die Entwicklung menschlicher Reife und echter Persönlichkeit. Das Streben nach seelischer Entwicklung ist, religiös ausgedrückt, auch das Streben nach dem Seelenheil.

 

3. Unterscheide Gefühle und Werte

Nicht alle Gefühle sind lieb und gut. Es gibt auch Gefühle von Hochmut, Aggression, Grausamkeit. Es gilt also, die Gefühle zu unterscheiden, zu bewerten und sich dann zu entscheiden. Gefühle haben mit der Tätigkeit zu tun. Durch die Art der Tätigkeit werden bestimmte Gefühle begünstigt und andere in den Hintergrund gedrängt. Die Versorgung eines Säuglings und die Arbeit mit Kindern begünstigen andere Gefühle als das Dozieren im Hörsaal, das Predigen auf der Kanzel, die Arbeit in Büro, im Stall, in der Gärtnerei oder im Schlachthaus. Wie soll ein Mann, der nur doziert, anderen Befehle gibt und sie ausbeutet, jene Gefühle begünstigen können, die für die emotionale und häusliche Versorgung anderer Menschen zuständig sind? Eine ganzheitliche Entwicklung des menschlichen Gefühlshaushaltes, von der so viel geredet wird, kann nur dann wirklich erfolgen, wenn beide Geschlechter an Berufs-, Familien- und Hausarbeit beteiligt sind. Die bisherige Regelung, welche die Männer von der Familienarbeit freistellt, muß paritätisch auf die Erwachsenen beider Geschlechter verteilt werden. Dann werden auch Männer berechtigt und genötigt sein, kooperative Gefühle und Werte zu begünstigen.

 

4. Begrenze die Liebe, binde zurück

Knaben müssen zurückgebunden werden, im Unterschied zur patriarchalen Forderung an die Mütter, die Knaben mehr gewähren zu lassen als die Mädchen. Das religiöse Ritual der Beschneidung für Knaben hat einen tieferen Sinn. Das männliche Geschlecht muß beschnitten werden in seinen überbordenden Ansprüchen an die Mutter und Ehefrau. Nicht der verwöhnte, sondern der in seinen Ansprüchen beschnittene Knabe hat eine Chance, sich zu einem selbständigen Mann zu entwickeln, erwachsen zu werden, anstatt am Rockzipfel der mütterlichen Versorgung hängen zu bleiben. Die Hausfrauenehe, in der Männer sich häuslich, emotional und sexuell versorgen lassen können, ist eine der Ursachen für männliche Infantilität und Verantwortungslosigkeit in der Welt. Wenn Männer sich selber versorgen müßten, hätten sie zudem weniger Zeit zur Verfügung, die Kaderstellen in Wirtschaft und Gesellschaft zu besetzen, dank denen es ihnen immer wieder gelingt, uns Frauen in der Unterdrückung festzuhalten.

 

5. Verlagere Sorge und Liebeskraft

Nicht jede Frau muß sich scheiden lassen. Wichtig ist, die Prinzipien von Menschlichkeit nicht einer verwöhnenden Häuslichkeit zu opfern. Wichtig sind ein Zimmer für uns Frauen allein, anstatt eines für jedes Kind, sowie die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und Unterdrückungssituation als Frau im Patriarchat. Wir sollten nicht mehr alle Erwartungen auf Mann oder Kind richten, sondern Anerkennung und Gemeinschaft in einer Frauengruppe oder Therapie suchen, wo auch über Ängste, Bedürfnisse und Hoffnungen gesprochen werden kann. Unsere Sorge und Liebeskraft, die bisher einseitig und übertrieben der Familie galten, sollten wir auf Orte verlagern, die dem weiblichen Geschlecht zugutekommen. Jede kleinste Veränderung und jeder Beitrag ist innerhalb der Frauen-Vernetzung von Wert.

 

6. Mische dich ein; arbeite an der Schutzmacht

Frauen haben noch keine gesellschaftliche Lobby, denn das Patriarchat sorgt nur für seine Söhne. Unsere Töchter genießen keinen Schutz, auch nicht in der Ehe. Mütterliche Schutzmacht muß sich einmischen: «Du darfst meine Tochter niemals schlagen, es wird ihrer Mutter und der Frauenlobby zu Ohren kommen, und dann werden sie dich zur Verantwortung ziehen», könnte eine Schutzanweisung sein. Suche und gestalte mit Frauen zusammen Möglichkeiten, um eine gesellschafliche Schutzmacht für unsere Töchter, Schwestern und für uns Frauen überhaupt aufzubauen (Satzungen, Strukturen, Gesetze, Recht auf die Hälfte der Arbeitsplätze, Landbesitz etc.).

7. Nimm dir Macht und Wissen

Es gibt verschiedene Formen der Macht: Die Verfügung über Ressourcen, wirtschaftliche, religiöse und strukturelle Macht. Eine ganz wichtige Form der Macht ist die sogenannte Definitionsmacht. Beispielsweise ist das erklärte Ziel des intellektuellen Denkens im Patriarchat «das Verfügbarmachen der Welt», was durch Ausgrenzung und handelndes Umgehen gelingt (Philipp Lersch). Nehmen wir uns also nicht nur das Recht auf eigene Gefühle und das Selbstbestimmungsrecht über unseren Leib, sondern auch die Macht des Wissens, um ein Stück Macht und Verfügbarkeit über die Dinge der Welt zurückzuerobern.

 

8. Setze Normen, sei Subjekt

Versorge, tröste, schütze nicht einen Mann oder schlafe mit ihm, der Pornofilme, Telefonsex oder Videosex konsumiert, sondern erzähle allen Freundinnen, warum du ihn links liegen läßt und warum du nicht zufrieden bist mit ihm. In der Sexualität wollen wir Frauen in einem anderen Sinn sexuell befreit sein, als Männer es uns vorschreiben. In erster Linie wollen wir selbstbestimmte Subjekte werden, wir wollen aus dem Objektstatus herauskommen, auch im sexuellen Bereich. Für uns Frauen ist «das Zerstückeln von Frauenkörpern als cinemaskopischer Samstagabendjux» keine sexuelle Befreiung, sondern eine absolute Bedrohung. Eine Bedrohung sind auch die Männer, die pausenlos weitere «Grenzen sprengen» wollen auf Kosten von uns Frauen. Setzen wir deutlich unsere Normen und Bedingungen, unter denen wir sinnlich sein wollen und sinnlich sein können.

 

9. Verfluche männliche Aggression

Weder sollen wir männliche Gewalt ertragen, noch sie übersehen oder entschuldigen, sondern sie verurteilen und verfluchen, real und in den Theorien, und überall, wo Werbung für männliche Aggression gemacht wird. Der Fluch einer Mutter war in der matrizentrierten Frühzeit eine der wirksamsten Strafen, da sie die soziale Isolierung der Aggressoren nach sich zog. Noch immer genießen «die Töter» das Ansehen beim männlichen Geschlecht, anstatt menschliche Wärme, Güte, Hilfsbereitschaft. Solange männliche Aggression zur Männlichkeitsideologie gehört, lassen Männer sich unsere Liebe und unsere Sorge um sie schmarotzerisch gefallen, ohne sich zu ändern. Verfluchen wir also männliche Aggression, wo immer es möglich ist.

 

10. Erkenne die patriarchalen Lügen

Die Feministische Wissenschaft hat bereits begonnen, die Unwissenschaftlichkeit vieler Theorien zu erkennen und nachzuweisen, in Geschichte, Philosophie, Theologie, Biologie, Medizin und auch in der Psychologie. Erkennen wir also alte und neue Aggressoren, die dem Patriarchat Theorien liefern, um die Unterdrückung der Frauen zu rechtfertigen - und verurteilen wir sie. Erkennen wir auch, wo wir selbst ideologischen Theorien aufsitzen, damit wir sie verlassen können, so z. B. die Mutter-, Ehe-, Sexualideologien. Eine Ideologie der 68er, die «die Gesundung der Triebstruktur der Völker als Vorbedingung für den Weltfrieden» erachtet, sieht letztlich auch nur bessere (sexuelle) Bedingungen für den Mann vor und eine Hausfrau für jeden Mann sowie den Verzicht auf eine Berufstätigkeit der Frau zugunsten der Männerkarriere.

 

11. Fordere Kontenausgleich

Dies gilt für die Privilegien, die männliche Wesen im Patriarchat auf Kosten des weiblichen Geschlechts genießen. Jeder Mann profitiert von den patriarchalen Strukturen, die uns Frauen schaden. Kinder haben Schuldgefühle gegenüber Eltern, die ihnen alles geben. Der Mann hat später Schuldgefühle wegen der Privilegien, die auf Kosten anderer gehen, ohne daß er die Möglichkeit bekäme, eine den Menschen nützliche Arbeit zu verrichten und sich als Mensch zu bewähren (Stierlin). Der Krieg müßte auch vom Standpunkt männlichen Schuldgefühls und Strafbedürfnisses aus betrachtet werden. Konten-Ausgleich muß auf der gesellschaftlichen Ebene gefordert und abgesichert werden. Meiner Auffassung nach betrifft das von Stierlin erwähnte unbewußte Schuldgefühl des Mannes die Flucht vor dem Erwachsenwerden, da er sein Leben lang wie ein Kind häuslich versorgt sein will. Im Tierreich gibt es keine Versorgung erwachsener Männchen, obgleich Männer immer wieder auf die hingebende Mutterschaft der Tiere hinweisen, um ihre Versorgung durch eine Gattin-Mutter als naturgegeben auszugeben und sicherzustellen.

 

12. Übe die Notwehr - prüfe die Wirkung von Aggression

Der Psychologe H. Stierlin spricht vom «ichstärkenden Elan durch Aggression», die «zentrales Moment der Zentrierung» sei. Die Aggression bewirke «wohltuend eine Stauungsabfuhr, eine Befreiung und damit Befriedigung.» Stierlin sagt: «Indem du aggressiv wirst, bist du jemand. Du konstellierst dich gegen den anderen. Die Aggression wird zum Zement deiner Individuation.» Meint Stierlin hier wohl männliche, oder auch weibliche Aggression? - In Notwehr riß eine Frau ihrem Mann mit ihren spitzen Nägeln die Hoden ab. Er hatte ihre Zimmertüre eingebrochen, um sie zu vergewaltigen (Presse, 1991). Die Bibel erwähnt Judith: «Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft und schlug ihm den Kopf ab.»

 

13. Suche die Kraft und die Geschichte der Göttin

Die Göttinnen, die Tempel und Priesterinnen der Frühzeit wurden beim Aufkommen des Patriarchats samt und sonders enteignet und durch männliche Götter und Priester ersetzt. Feministische Historikerinnen haben zahlreiche Spuren ihrer Existenz aufgedeckt. Viele Geschichten und Mythen erzählen von ihnen, und auch die Bibel ist voller Hinweise, wie das Patriarchat mit der Ausrottung der Göttin-Religion das gesamte geistige und religiöse Erbe dem weiblichen Geschlecht enteignet und brutal zerstört hat. Dieses geistige Erbe und die Kraft der Göttin können wir uns durch die Geschichtsfindung wieder aneignen (Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen, Zürich 1988. Gerda Weiler: Das verborgene Matriarchat im Alten Israel, München 1986).

 

Quellen

1 Nobel, Mythen, Musen und Tarot, a. a.O., S. 138

2 Janssen-Jurreit, Sexismus, a. a.O., K 511

3 Janssen-Jurreit, Sexismus, a. a.O., S. 702

4 Szondi, Triebpathologie, a.a.O., S. 374

5 Zit. n. Nobel, Mythen, a. a.O., S. 60-62

6 Szondi, Triebpathologie, a.a.O., S. 372-373

7 Arno Plack, a.a.O., S. 317, 169

 

Literatur

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