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01 - Frauen verlassen die Couch. Psychotherapeutin zwischen Männer-Theorien, Frauen-Bewegung und Erfahrung

Elisabeth Camenzind

 

Die Frage nach einer frauengerechten Psychotherapie steht bei zahlreichen Veröffentlichungen von Psychologinnen im Vordergrund. Eine explizit «feministische Psychotherapie» gibt es aber erst seit dem gleichnamigen Buch der amerikanischen Psychotherapeutinnen Luise Eichenbaum und Susie Orbach. Besteht eine zunehmend spannende und kreative feministische Theologie in den USA und in Europa schon seit mehreren Jahren, so ist feministische Psychotherapie erst im Entstehen begriffen, obgleich viele Therapeutinnen seit Jahren auf der Suche sind. Ich selbst zähle mich zu diesen. Betroffenheit über die Situation der Frau im allgemeinen, herausgewachsen aus der eigenen Biographie, führte immer intensiver zur Beschäftigung mit Frauen, der Frauenbewegung und dem Feminismus. Dann kam die erste Arbeitstagung für feministische Psychotherapie im Mai 1988 in Ittingen. Obgleich eine solche Tagung lediglich ein tastender Beginn für eine neue Disziplin sein konnte, eröffnete sie ein großartiges Gefühl: Psychotherapeutinnen aus allen Schulen sind aus dem «stillen Kämmerlein» der eigenen Praxis herausgetreten, um öffentlich über Defizite der etablierten psychologischen Schulen und Lehren zu sprechen, sowie über Möglichkeiten einer neuen feministischen Psychotherapie. Die Öffentlichmachung der weiblichen Situation ist ein zentrales, sogar historisches Ereignis. Was nun geschieht, ist dies: Die bisherige Identifikation mit dem gesellschaftlich mächtigen Geschlecht wird von den Frauen aufgebrochen zugunsten der Identifikation mit dem eigenen, psychologisch und gesellschaftlich entwerteten Geschlecht.

 

1. Narzisstische Kränkung und Identität

Im Sinne der Entwicklungspsychologie Melanie Kleins handelt es sich bei der Entwertung um einen komplizierten Vorgang: In der Frühkindheit identifiziert sich das Mädchen mit der als allmächtig phantasierten «phantastischen Mutter». Sobald das Kind die Entdeckung macht, daß die Mutter in Wirklichkeit dem «entwerteten» Geschlecht angehört, indem sie kein gesellschaftliches Ansehen genießt und über keine reale Macht verfügt, wird sie zugunsten der Identifikation mit dem gesellschaftlich mächtigen (männlichen) Geschlecht aufgegeben. Es kommt zum Verrat an der Mutter, ja zum «Muttermord» (Olivier). Es ist ohne weiteres verständlich, daß dieser «Muttermord» für das kleine Mädchen eine tiefgreifende, narzisstische Kränkung bedeutet. Zugleich wird der verheerende weibliche Identitätsverlust eingeleitet. Nicht umsonst ist ein Heer von Frauen auf der Suche nach der eigenen Identität. Um diese wiederzugewinnen, muss die Identifikation mit dem Mächtigen aufgegeben und der Weg zurück zur «Mutter» angetreten werden. Zunächst ein schmerzlicher Weg, denn über Jahrhunderte hinweg war er gleichbedeutend mit Leiden, Trauer und Selbstentwertung. Die Begegnung mit Frauen ist in diesem Kontext kein freudvolles Ereignis, sondern lediglich die Bestätigung und Spiegelung der eigenen Entwertung. Darum konnten kaum wirkliche Frauenfreundschaften entstehen. Eher waren, wenn überhaupt, Klammer- und Leidkontakte zwischen Frauen die Regel. «Lust» wurde den Frauen hingegen vom Mann versprochen, wenn auch selten wirklich vermittelt. Das Jahrhundertleiden der entwerteten Frau hat Sigmund Freud als «natürlichen Masochismus» des weiblichen Geschlechts missverstanden und abgetan. Heute erkennen Feministinnen andere Zusammenhänge. «Matriarchale» Frauen entdecken hinter der «entwerteten» Mutter eine andere, ursprüngliche, nämlich die sich in der Frau manifestierende «Große Mutter» und «Göttin» mit den höchsten Qualitäten von Geist, Kraft und Würde des weiblichen Geschlechts (Heide Göttner-Abendroth, Christa Mulack). Begegnungen mit Frauen bedeuten seither auch eine Begegnung mit Wert und Macht sowie eine erste Möglichkeit, sich zu entwickeln und aus dem Masochismus herauszukommen.

Was bedeutet diese Situation für uns Psychotherapeutinnen? Auf der einen Seite bestehen die matriarchalen Theorien, welche die kosmische Höherwertigkeit der Frau betonen (Mulack, Göttner-Abendroth). Auf der anderen Seite erkennen wir die bedrückenden patriarchalen, Jahrtausende alten frauenfeindlichen Fakten und Theorien, von Frauen zusammengetragen, zum Beispiel von Marie-Luise Janssen-Jurreit, Mary Daly, Betty Friedan, Annegret Stopczyk, Andrea Dworkin und vielen anderen. So lebt die Frau hin- und hergeworfen zwischen gesellschaftlicher Entwertung und matriarchaler Überbewertung. Ein strapaziöses Wechselbad! Nicht wenige Frauen werden krank von Trauer oder gelähmt von Hass und Wut über den patriarchalen Steinschlag, sofern Wut und Hass nicht in eine anstachelnde Funktion umgesetzt und in Werken und Taten abgeführt werden können. Für Psychotherapeutinnen kommt noch die ganze Frustration mit den psychologischen Konzepten hinzu, die patriarchale Vorurteile über die Frau zementieren, statt sie aufzubrechen und zu überwinden. Es geht jetzt darum, die in den einzelnen Konzepten verborgenen frauenfeindlichen Inhalte überhaupt einmal aufzudecken und sichtbar zu machen, wie es Renate Schlesier, Ursula Baumgardt, Gerda Weiler, Christiane Olivier, Carol Gilligan, Catharina Halkes, Christa Mulack und viele andere begonnen haben.

 

2. Psychotherapeutinnen «zwischen den Stühlen»

 Als Psychotherapeutinnen geraten wir «zwischen alle Stühle», sofern wir uns mit der weiblichen Situation einlassen. Zwischen die Stühle geraten wir im Verhältnis zu den Männern und zu den Frauen und Frauengruppen. Im Verhältnis zu den Frauen geraten wir in Schwierigkeiten mit der Uneinheitlichkeit der Positionen und Biographien von Frauen und Frauengruppen. Denken wir an die Unterschiede der «weiblichen», angepassten, erkrankten, erschöpften, trauernden, verschreckten, wütenden, aggressiven oder/und tatendurstigen, aktiven, schöpferischen Frauen und Kämpferinnen, seien sie in Gruppen vereinigt oder vereinzelt. Sie tragen ihre je eigenen, nicht selten gegensätzlichen Erwartungen an Psychotherapeutinnen heran; sie erwarten Bestätigung und Unterstützung. Auf der anderen Seite stehen die Erwartungen der Männer, der Chefs und «Väter», welche überall in der Gesellschaft das Sagen haben, auch in den (psychologischen) Schulen und öffentlichen Anstalten. Sie erwarten von den Psychotherapeutinnen, die ihre «Schülerinnen» sind, nach der Gewährung von Studium und beruflicher Zulassung viel mehr absolute Solidarität mit dem «Vater» und seiner Lehrmeinung, als er von seinen männlichen Schülern erwarten kann. Sobald Schülerinnen die Gefolgschaft nur in Teilbereichen in Frage stellen und sich so als «ungehorsame Töchter» erweisen, werden sie rasch als «Nestbeschmutzerinnen» verurteilt und ausgestoßen. Nicht so die «Söhne».

Angesichts dieser Situation «zwischen den Stühlen» stellt sich die Frage, ob und wie sich Psychotherapeutinnen der Situation stellen können. Müssen sie sich für eine der Seiten entscheiden? Gibt es andere Möglichkeiten? Im Verhältnis zu den «Vätern» bedürfen Psychotherapeutinnen der Solidarität und der aktiven Unterstützung durch Berufskolleginnen, um standzuhalten und sich durchzusetzen. Im Verhältnis zu den unterschiedlichen Frauen gilt es, sich zunächst mit ihnen grundsätzlich zu solidarisieren, allerdings unter Beibehaltung des wichtigen beruflichen Instruments: der Reflexion. Solidarität ist also geboten mit allen patriarchal verletzten Frauen und ihrer weiblichen «Hiobsklage». Solidarität auch mit jenen, die sich als Klagende, Klagemauer und Heilende zugleich verstehen. Solidarität schließlich mit den zornigen und radikal kritischen Frauen, obgleich vielen Psychotherapeutinnen diese am schwersten fällt. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass Radikalismus und Fanatismus einseitig sind, eine zweite, dass viele unter uns an der sogenannten «Aggressionshemmung» leiden, so dass sie sich schwer tun mit dem Zorn anderer Frauen. Zu leicht könnte die eigene, sorgsam gehütete, gestaute Wut und Aggression zum Ausbruch kommen. Aggression muss daher bei sich selbst und anderen Frauen ernst genommen werden. Männer weisen Aggression bei Frauen in der Regel als «unweiblich» zurück oder belächeln sie, um sich mit ihr nicht auseinandersetzen zu müssen.

Es harren eine Vielzahl von Themen und Fragestellungen der Bearbeitung durch die feministische Psychologie. Zweifellos müssen sämtliche Theorien und Konzepte auf frauenfeindliche Inhalte abgeklopft und überprüft werden: Weiblichkeitsbegriff, Frauen- und Männerbild, Mutter/Vater-Rolle, Geschlechterbeziehung, weibliche Entwicklungspsychologie, Autonomiebegriff und Aggression, Therapieziele und vieles mehr. Zudem muss die weibliche «Hiobsklage», die sich in vielen Selbstdarstellungen, in Kritik oder Krankheit ausdrückt, sorgfältig wahrgenommen werden. Weiter geht es um die Klärung von Begriffen, die in der Frauenbewegung eine große Rolle spielen. Was ist feministisch? Was ist ganzheitlich? Der Diskurs zwischen Frauen hat erst begonnen, und es zeigt sich, dass ihre Auffassungen beträchtlich divergieren.

 

3. Die weibliche «Hiobsklage»

Die Liste der angestauten weiblichen Hiobsklage ist lang: Klage über die permanente Schuldzuweisung an die Mutter, die Forderung Winnicotts, die Mutter müsse sich vom Kind «ausrauben lassen». Klage über das Diktat zum «Hausfrauendasein». Klage betreffend Freuds Behauptungen über weibliche Minderwertigkeit in bezug auf Gewissensbildung, Denkfähigkeit, Schöpferkraft und sexuelle Potenzen. Klage über C. G. Jungs Inkonsequenz, um nicht zu sagen Verrat, in bezug auf ursprünglich frauenfreundliche Konzepte wie «Individuation» mit ihren schöpferischen Perspektiven.

Die weibliche «Hiobsklage» betrifft Gegenwart und Vergangenheit. «Wenn Frauen zu sehr lieben», heißt ein Buchtitel. «Keine Lust zu leiden» ein anderer. «Was hat man Dir Du armes Kind getan?» ein dritter. Andere Frauen ziehen bereits Konsequenzen angesichts der zahllosen Klagepunkte: Den «Exodus» empfiehlt Thürmer-Rohr, auf die Reise einer aktiven Kritik und Aufarbeitung der «Mutterliebe» macht sich Elisabeth Badinter. Eine kritische Kulturtheorie entwickelt Carola Meier-Seethaler. Glänzende kritische Analysen zu Psychologie und Theologie sind bei Gerda Weiler und Christa Mulack zu entdecken. Frauen, die durch die Klage hindurchgegangen sind und ihre Identität gefunden haben. Für Liebhaberinnen exakter Analysen und kühner Ausblicke sind solche Bücher ein Hochgenuss, selbst dann, wenn nicht alle Positionen übernommen werden können. Die kritische Klage begann schon früher, zum Beispiel mit der Psychoanalytikerin Karen Horney. Sie wies Freuds Theorie vom Penisneid in seiner Verallgemeinerung schon um 1920 als falsch zurück; sie wurde offiziell nicht zur Kenntnis genommen. Klage erhebt die Frau auch als Studentin. Vergeblich hält sie Ausschau nach feministischer Kritik und Literatur. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als alle (falschen) Theorien zunächst zu «schlucken», wenn auch zähneknirschend, um die nötigen Zeugnisse und Zulassungsbescheinigungen zu erwerben. Hinterher ist sie genötigt, auf eigene Faust die mühsame Suche nach frauengerechten Therapieansätzen aufzunehmen. Gewiss eine wichtige Notwehrstrategie, die dennoch frauenfeindliche Theorien nicht aus der Welt schafft. Der Kollege wird weiterhin seiner Patientin «Animusbesessenheit» unterstellen, wenn sie Lust auf ein Studium oder Angst vor Schwangerschaft und Geburt signalisiert. Der Freudianer wird weiterhin Penisneid unterstellen, wenn die Frau Aktivität und Selbständigkeit entwickelt, oder auch Masochismus, wenn es ihr nicht gelingt, aus einer Leidenssituation herauszukommen. Weiterhin kann «Sexualtherapie» unangefochten und ausbeuterisch mit Frauen veranstaltet werden. Weiterhin können alle Mütter für die Probleme ihrer Kinder verantwortlich gemacht werden. Eine Änderung wird sich erst ergeben, wenn feministische Kritik in die offizielle Lehre Eingang findet. Nur einer breit abgestützten und konstruktiven Kritik wird es gelingen, tief eingesessene falsche Theorien über Wesen, Bedürfnisse und Therapie der Frau nachhaltig zu korrigieren. Diese Kritik kann nur von Frauen geleistet werden. Sie wird um harte Kontroversen mit Männern und Frauen nicht herumkommen und die zahlreichen scharfsinnigen Theoretikerinnen auf eine harte Probe stellen.

 

4. Frauenbewegung und «Weiblichkeit»

In der Frauenbewegung mit ihren vielen Strömungen ist eine Begriffsverwirrung in bezug auf das sogenannte «Weibliche» unübersehbar. Pfarreien, Institute für Erwachsenenbildung und für Ökologie, Psychologinnen und Psychologen organisieren Kurse über die Frau und ihre «Weiblichkeit». Bei näherem Hinsehen reden sie jedoch nicht vom gleichen, und so reden sie aneinander vorbei. Einigkeit herrscht heute vielerorts in der Auffassung, daß das Weibliche gut und rettend sei. Uneinigkeit herrscht dagegen in der Frage, ob es sich um angeborene oder erworbene «weibliche» Eigenschaften handle. Nach Margarethe Mitscherlich und andern ist «die Zukunft weiblich». Nach Mitscherlich besteht das wertvolle Weibliche aus «Einfühlung, Interesse für Hilfsbedürftige (und) Mütterlichkeit». Nach Carol Gilligan sind es Einfühlung, Verständnis, Wärme, Zärtlichkeit, Verantwortungsgefühl, Kooperation, Fürsorglichkeit, Ganzheitlichkeit. Kurz: Das gute «weibliche Herz» ist wieder entdeckt worden zur Freude der einen, zum Ärger der anderen, Frauen und Männer. Für Professor Knussmann, Biologe, ist das gute Weibliche zugleich das von «Natur» aus Gegebene: «Das Wesen der Frau entspricht dem Altruismus.» Über «das Weib» bestimmt das «freundliche» Östrogen (Lehrbuch für Biologie, Hamburg 1982). Für Elisabeth Badinter, Signe Hammer, Ursula Scheu, Alice Schwarzer, Nancy Chodorow, Anja Meulenbelt, Christiane Olivier, Simone de Beauvoir und andere ist die gute «Weiblichkeit» aber keineswegs das von Natur aus Gegebene, sondern Produkt eines Sozialisierungsprozesses, dem Frauen von Kindheit an unterworfen werden. Nach Chodorow kann und soll das «Muttern» auch von Männern gelernt und ausgeübt werden.

Ingrid Olbricht bringt einen anderen, aber keineswegs unproblematischen Ansatz in die Weiblichkeitsdiskussion hinein. Zwar ist sie auch überzeugt von der guten weiblichen Natur. Diese besteht aber nicht aus dem Kooperativ- und Liebsein, sondern die «weibliche Natur» umfaßt «Gut und Böse», «Konstruktives und Destruktives». Frau, Weiblichkeit und Natur sind bei Olbricht ein und dasselbe. Das Weibliche ist bei der Frau und scheint bei ihr zu bleiben. Die Frau ist «Ursprung für Körper und Seele» und «Quelle des Neuschaffens». Sie ist «der gebärende Mensch», ist «Quelle ursprünglichen Nährens, ursprünglichen Zerstörens und ursprünglichen Wissens». Sie ist gleichzeitig Ursprung der «verderblichen List». Das Weibliche umfaßt bei Olbricht also etwas völlig anderes als bei Gilligan, Mulack, Mitscherlich oder bei C. G. Jung. Das Weibliche ist nicht das sanftmütige Herz, sondern eine harte Nuß, an der es einiges zu knacken geben wird. Faktisch gehen die Definitionen über das Weibliche häufig diametral auseinander. Die Unterschiede werden jedoch kaum theoretisiert, oft nicht einmal zur Kenntnis genommen. Das muß nachgeholt werden.

In der Frauenbewegung ist es, nur von wenigen bemerkt, infolge des Weiblichkeitsbegriffs zu einer Spaltung gekommen. Bekanntlich haben die Frauen des Frühfeminismus in erster Linie um ihren «Kopf» gekämpft. Sie kämpften um Zugang zu Studium und Berufsarbeit. Die Anhängerinnen des Frühfeminismus werfen der neueren Frauenbewegung vor, sie sei auf die alte Weiblichkeits- und Mütterlichkeitsideologie zurückgefallen, ganz im Sinne des alten Konzepts der Patriarchen. Schließlich waren es die Männer, die zu Beginn des Industriezeitalters alle Frauen auf Mütterlichkeit und Altruismus festnagelten, jedoch Autonomie, Individualität und demokratische Freiheit lediglich für Männer einforderten. J. J. Rousseau, der zu Unrecht noch heute gefeierte Philosoph, half wacker mit, die Frauen einzukerkern mit seiner Forderung: «Die Erziehung der Frau sollte sich immer auf den Mann beziehen. Zu gefallen, für uns nützlich zu sein, uns zu lieben und unser Leben leicht und angenehm zu machen: das sind die Pflichten der Frauen zu allen Zeiten, und das sollten sie in ihrer Kindheit gelehrt werden.» Marie Luise Janssen-Jurreit, eine der hervorragendsten Denkerinnen der Frauenbewegung, Autorin von «Sexismus», scheint der neueren Frauenbewegung wegen ihrer mangelnden Reflexion über die Bedeutung der ideologischen Auferstehung der «guten Weiblichkeit? enttäuscht den Rücken gekehrt zu haben. Seit Jahren hat sie sich nicht mehr zu Wort gemeldet. Ein ungeheurer Verlust für alle denkenden Frauen!

Nach Janssen-Jurreit darf Feminismus nicht mit der «guten Weiblichkeit» verwechselt werden. Trotzdem werden die Begriffe oft wie Synonyme behandelt, obgleich sie sich in manchen Bereichen in ihrer Unvereinbarkeit zueinander wie Feuer und Wasser verhalten. Die Idee, feministische Frauen hätten speziell das «Weibliche» im Sinne von C G. Jung zu verwirklichen, wird von Anhängerinnen des Frühfeminismus abgelehnt (Thürmer-Rohr u.a.). Kritische Fragen müssen bezüglich neuer Therapieformen für Frauen gestellt werden, auch wenn sie sich als «ganzheitlich» verstehen: Was bedeutet es, daß «körperorientierte» Frauen sich nunmehr «auf ihre Gefühle verlassen», «in den Bauch hineinhorchen», den «einseitigen Verstand hinter sich lassen» und keinesfalls «intellektuell»sein sollen? Einer Frau zu sagen, sie sei «männlich», ist nicht selten als Schimpfwort gemeint. Für Frühfeministinnen jedoch sind aktive, mutige, selbständige, intellektuelle und selbstbestimmte Frauen keineswegs «männliche» Frauen. Eine Frau ist und bleibt eine Frau, unabhängig davon, was sie denkt, tut und liebt. Anhängerinnen des Frühfeminismus anerkennen bei Frauen und Männern die Verschiedenheit der Körper, welche die geschlechtliche Anziehungskraft begründet. Psychische Eigenschaften wie Herzlichkeit, Wärme, Liebe, Haß sowie Denken und Handeln sind ihrer Auffassung nach allgemein menschliche Fähigkeiten wie Sehen und Hören, die keiner weiteren Zuordnung zu einem Geschlecht bedürfen.

Nach der politischen Philosophin Agnes Heller werden Gefühle weitgehend durch die Tätigkeit, die Arbeit bestimmt, Die Arbeit mit kleinen Kindern entwickelt andere Gefühle als die Arbeit im Büro, Spital und Pferdestall oder in der Redaktion, der Backstube, der Fabrikhalle, auf dem Schlachthof oder beim Kriegshandwerk. Hellers «Theorie der Gefühle» bringt eine Fülle von neuen Erkenntnissen, die von feministischen Theoretikerinnen aufgenommen werden sollten.

 

5. Hausfrauenarbeit und «Weiblichkeit»

Die Problematik des Hausfrauendaseins wird von vielen Frauen thematisiert. Christa Mulack wirft der patriarchalen Ehe vor, sie verweigere der Frau die Selbstfindung, weil von der Frau «Selbstlosigkeit» gefordert wird. Volker E. Pilgrim macht das «Hausfrauendasein» verantwortlich für die Entstehung von Ungeheuern wie Napoleon, Stalin, Hitler und Mussolini. C. G. Jungs Konzept von der Individuation hat die Chance verpaßt, theoretische Grundlage zur Überwindung der Ideologie zu werden, die dem Hausfrauendasein zugrunde liegt. Verlangt doch Jungs Konzept die Entwicklung der in allen Menschen angeborenen andersgeschlechtlichen «Anteile», Anlagen und Begabungen, also «männliche» Anteile bei der Frau: Intellekt, Geistigkeit, schöpferische Tätigkeit; beim Mann Entfaltung seiner «weiblichen» Anteile: Eros, Einfühlung, Sorgeverhalten. In der Praxis hat es sich leider anders eingespielt. Männer halten dafür, sie hätten ihre «Weiblichkeit» (Anima, Eros) entwickelt, wenn sie den Beruf eines Psychotherapeuten ausüben. Bei Frauen jedoch wird «Weiblichkeit» übersetzt als Liebe und Sorge auf der Ebene von häuslicher Versorgung. Die Jungianerinnen Baumgardt und Riedel dagegen sehen bei Frauen «Weiblichkeit» in allen Beziehung stiftenden, qualifizierten Tätigkeiten und Berufen verwirklicht, unter anderem bei der Ärztin, Lehrerin, Musikerin, Psychotherapeutin, Hochschuldozentin, Professorin oder Institutsleiterin. Jungianer jedoch verlangen von Frauen die häusliche und emotionale Versorgung des männlichen Geschlechts. Kaum ein Mann kommt auf den naheliegenden Gedanken, der Mann müßte seine «Weiblichkeit» umsetzen in Tätigkeiten wie kochen, putzen und waschen für Frau und Kind, um der Frau die Entfaltung ihrer «männlichen» Anteile und eine qualifizierte berufliche Tätigkeit zu ermöglichen.

Zur Illustration des Gesagten das Bekenntnis eines Jungianers (H. Barz in «Männersache». Zürich 1984, S. 8), daß er «recht gern von den Vorteilen, die die Männer aus der Rollenverteilung beziehen, Gebrauch» mache. «Zum Beispiel, indem ich hier in Ruhe sitze und schreibe, während meine Frau im Garten Äpfel pflückt.» Genauer: Man(n) sitzt ungestört in seinem Arbeitszimmer und schreibt, während seine Frau Geschirr spült, Socken wäscht, Hemden bügelt, die Wohnung sauber hält und den Garten pflegt. Denn das sind die täglichen Arbeiten und Pflichten einer Hausfrau. Christiane Olivier sagt, der Ehemann müße aufhören, das Kind zu spielen, damit seine Frau aufhören könne, die «Mutter» sein zu müssen. Ihr Mann, ihr Gefährte «müßte auch Essen kochen, Nächte durchwachen, Krankenpfleger seiner Kinder sein». Der Mann müße «auf seine Seelenruhe verzichten, damit die Frau die Ihre entdecken könne.» Christa Mulack geht noch weiter: «Wichtiger als die Treue zum Mann ist für die Frau die Treue zur Individuation, das heißt zum eigenen Schicksal und der notwendigen eigenen Entwicklung.» Mulack hat noch einen weiteren Vorwurf an C. G. Jung. Er habe die weibliche Psyche unter dem Blickwinkel des «Nutzens für den Mann» gesehen, ohne gleichzeitig die Umkehrung im Auge zu haben. Der Jungschen Theorie nach soll die Frau als «Anima» und «Muse» für den Mann da sein. Faktisch heißt das eine schöpferische Mitarbeit an seinen Werken unter Verzicht auf Autorenschaft. Feministinnen haben Beispiele ausgegraben: Die Physikerin Mileva Maric wirkte an den wichtigsten Forschungsergebnissen von Albert Einstein mit; ihr Name wurde nie erwähnt. Von Toni Wolff, der Mitarbeiterin und Freundin C. G. Jungs, sollen ganze Abschnitte des Buches «Psychologische Typen» stammen, die er selbstverständlich seinem eigenen Werk subsumierte. Aus feministischer Sicht handelt es sich um geistigen Raub mit schwerwiegenden psychischen Folgen für die betroffenen Frauen.

 

6. Feministische Kulturtheorie und Patriarchat

Während Männer die in der neueren Frauenbewegung wieder erstandene «Weiblichkeit» freudig begrüßen, sofern sie auf das weibliche Geschlecht beschränkt bleibt, sind sie besorgt um den Verbleib der «guten alten Männlichkeit». Vor einigen Jahren wurden an der Universität Hamburg alte Männlichkeits- und Kriegerideale heraufbeschworen und dazu entsprechende theoretische Begründungen geliefert: «Das Testosteron beherrscht den Mann, ihm ist er hörig. Es überschwemmt den Mann mit Adrenalin, das heißt mit Aggression, zwingt ihn zum Zähnefletschen. Die Lust am Töten (ist) eine männliche Lust ... Immer wenn es darum geht, zu töten, zu foltern, Gewalt anzuwenden, ist es Männersache. Der Beruf des Schlächters ist ein typisch männlicher Beruf.» (Lehrbuch für Biologie, Professor Knussmann, Hamburg). Damit ist die Aggression, sogar ihre widerwärtigste Form, einmal mehr a priori sanktioniert, entschuldigt, sogar vorgeschrieben für das männliche Geschlecht. Knussmanns Argumentation ist klar ein Versuch, alte Ideologien von aggressiver «Männlichkeit» in wissenschaftlicher Verkleidung erneut gesellschaftsfähig zu machen. Noch lange ist also die Spaltung von Leben und Gebären = Frau, Töten und Krieg = Mann, nicht überwunden, die sich auch in einem verbreiteten Lehrbuch für Gynäkologie niederschlug: «Kriegstüchtig sei der Mann und gebärtüchtig sei das Weib» (Esther Fischer­Homberger, S. 100). Solchen Auffassungen gilt es energisch entgegenzutreten. Meines Wissens und glücklicherweise ist keine einzige der feministischen Gruppierungen bereit, die verheerende Zuordnung an die Geschlechter (gebären oder töten) künftig noch zu akzeptieren. Für mich ist es ein höchst befremdliches Gefühl, daß oben erwähnter Hochschulprofessor öffentlich und unwidersprochen alle Männer als lustvoll Tötende bezeichnen und dafür auch noch einen Lehrstuhl in Anspruch nehmen kann. Anders mein eigener Sohn, meine zahlreichen Brüder und viele andere Männer, die sich entschieden wehren gegen Knussmanns infame Unterstellung. Trotz allem wird feministische Forschung die Frage zu untersuchen haben, was sich hinter der Aggressionsverherrlichung dieser Männer versteckt oder hinter dem anderen Männertypus, dem «Softie», der glaubt, es genüge uns Frauen, wenn er «weinen» lernt. Kaum eine Frau wird den Softie als Alternative für den «Macho» befürworten, selbst wenn sie mit Irina Deters köstlichem Song einig geht: «Neue Männer braucht das Land.» Einen neuen, beziehungsfähigeren, warmherzigeren, trotzdem vitalstarken Typus Mann und Vater erhoffen sich einige Psychologinnen durch die Einführung der Triade statt Symbiose schon in der Frühkindheit (Eltern-Kind-Beziehung), zum Beispiel Olivier und Meulenbelt. Vieles spricht dafür, daß es eine Schreckensvorstellung für Männer ist, «weiblich» sein zu müssen. Sigmund Freud: «Die fundamentale Sache, gegen die Männer ankämpfen, das ist die Identifikation mit dem Weiblichen.» (zitiert nach Baker-Miller). Jane Baker-Miller warnt zu Recht davor, kooperative Eigenschaften «weiblich» zu nennen, denn dadurch würden sie für Männer «noch fürchterlicher» gemacht, indem sie mit «Unmännlichkeit» assoziiert werden. In diesem Sinne muß auch davor gewarnt werden, das «Prinzip des Lebens» für Frauen zu vereinnahmen, denn damit wird der Mann wieder aus einem sinnvollen Lebenszusammenhang gelöst und den Klauen destruktiver Männer und ihren Theorien ausgeliefert. Ich persönlich erwarte von einer feministischen Kulturtheorie eine umfassende Schau, die beiden Geschlechtern einen konstruktiven Platz zuweist. Sobald die Frau, kosmisch gesehen, dem «Prinzip des Lebens» zugeordnet wird, verbleibt dem Manne nur noch der Gegenpol, das tötende Prinzip, das dem Mann generell eine «Lust am Töten» unterstellt.

Beim Versuch einer kosmischen Zuordnung der Geschlechter ist das Faktum der biologischen Vaterschaft zu berücksichtigen. Biologisch gesehen steht der Mann keineswegs auf der Seite des Todes. Bekanntlich tragen beide Geschlechter je eine Hälfte zur Entstehung eines Kindes bei. Beide Geschlechter verfügen über aktive, zeugende Kraft in der Produktion von Ei und Sperma, und beide setzen sich in Bewegung. Durch das weibliche Ei und das männliche Sperma haben beide Teilhabe am Werden des «Keims», des Embryos. Allerdings leistet die Frau in der Folge ein Zusätzliches, indem sie das gemeinsam gezeugte Kind in ihrem Leibe austrägt, ferner die anstrengende Geburt übernimmt und sowie die Ernährung des Neugeborenen sicherstellt (Brustnähren). Beim Mann bleibt also ein Beitrags-Manko in dieser Phase bestehen, die beim geborenen Kind ausgeglichen werden könnte. Feministische Kulturtheorie wird sich mit den Fragen befassen müssen, wie das biologische Faktum des symmetrischen Zusammenwirkens der Geschlechter bei der Schaffung eines «neuen Menschen» für eine ganzheitliche, beide einschließende Kulturtheorie einbezogen und durch welche Maßnahmen das männliche Manko gesellschaftlich und privat ausgeglichen und geregelt werden könnte. Eine solche Kulturtheorie müßte auch den Anhängerinnen des Frühfeminismus gerecht werden, die, wie schon erwähnt, vehement darauf bestehen, kooperative, fürsorgliche Gefühle nicht als weiblich zu vereinnahmen, sondern als allgemein menschliche Fähigkeiten zu beschreiben, zu denen Männer wie Frauen gerufen sind. Dem Manne muß die Fähigkeit zum konkreten Sorgeverhalten, die Teilhabe am Leben und an der Familienarbeit, theoretisch und gesellschaftlich zurückgegeben werden.

Zur Darstellung einer feministischen Kulturtheorie wäre auch eine neue Sprache notwendig, um sinnfällig zu machen, daß die Geschlechter über weitaus mehr Verbindendes als Trennendes verfügen. Das Verbindende wird bei der Überbetonung des Unterschieds allzu leicht übersehen. Die Fakten: Beide Geschlechter werden geboren und müssen sterben. Beide haben einen Blutkreislauf, eine Verdauung, harte Knochen und weiches Fleisch. Beide müssen essen, trinken, atmen und schlafen. Beide haben Augen, Ohren, Mund, Hände, Füße und einen Kopf zum Denken. Und schließlich die Abweichung, kaum mehr als ein Prozent: «Der kleine Unterschied», welcher die Anziehungskraft der Geschlechter ausmacht. Er ist klein und muß klein bleiben. Wird der Unterschied künstlich vergrößert, ist die Folge Verständnislosigkeit, die zu Entfremdung, Angst, Panik, Haß und zum Geschlechterkrieg führen kann.

 

7. Diese Ausführungen können nur bruchstückhaft und eher zufällig sein

Sie verstehen sich als Hinweis auf die prekäre gesellschaftliche und therapeutische Situation des weiblichen Geschlechts und darauf, wie es einer «Praxisfrau» der Psychotherapie zumute ist, wenn sie dem Jahrhundertleiden der Frau ins Auge blickt, die mühsame Suche nach weiblicher Identität und Individuation auf sich nimmt im Bewußtsein, daß es zur gesellschaftlichen Verankerung der vielen bedarf. Frauen im Fach Psychologie/Psychotherapie haben ihren Beitrag zu leisten, wie schon erwähnt. Sämtliche psychologischen Theorien und Methoden müssen auf frauenfeindliche Elemente geprüft werden: Frauenbild, die Mutter-Kind-Symbiose, der Autonomiebegriff, die Auswirkungen der Rollenzuweisung etc. Auch die Begriffe Weiblichkeit, Feminismus, Ganzheitlichkeit und andere müssen intensiv theoretisiert werden. Eine solche Kulturtheorie wird an die Stelle der «neurotischen» patriarchalen Kulturauffassung (Gerda Weiler) hoffentlich eine lebensvollere setzen. Eine solche Theorie muß beiden Geschlechtern, kosmisch und gesellschaftlich, einen vitalen und konstruktiven Platz zuordnen. Psychotherapeutinnen werden die Erkenntnisse über feministische Psychotherapie in ihre Arbeit integrieren und zu einem späteren Zeitpunkt explizit «feministische Psychotherapie» anbieten, die von patriarchalen Vorurteilen frei und frauenfreundlich ist. Schließlich ist zu prüfen, ob Therapeuten, die sich von der (Ehe-)Gefährtin häuslich versorgen lassen, selbst wenn sie vermeintlich «ganzheitliche» Therapiemethoden anbieten, für Frauen geeignet sind. Es ist klar geworden: Frauenforschung muß an Universitäten und Instituten viel mehr gefördert und mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Wünschenswert ist auch die regelmäßige Wiederholung der Fachtagung für feministische Psychotherapie und die Publikation ihrer Ergebnisse, damit sich der Diskurs auf hohem Niveau weiterentwickeln kann.

Aus: Elisabeth Camenzind · Ulfa von den Steinen (Hrsg.): Frauen verlassen die Couch. Feministische Psychotherapie. Kreuz-Verlag, 1989, ISBN 3-268-00085-1

 

Literatur

Chodorow, Nancy: Das Erbe der Mütter, 1985
Eichenbaum, Luise. Orbach Susie: Feministische Psychotherapie, 1982
Friedan, Betty. Der Weiblichkeitswahn oder die Selbstbestimmung der Frau, 1966
Gilligan, Carol: Die andere Stimme. Lebenskonflikte und Moral der Frau, 1982
Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros, 1980
Greer, Germaine: Das unterdrückte Talent, 1980
Halkes, Catharina: Suchen, was verloren ging, 1985
Hammer, Signe: Töchter und Mütter, 1985
Heller, Agnes: Theorie der Gefühle, 1981
Horney, Karen: Die Psychologie der Frau, 1967
Janssen-Jurreit, Marie-Louise: Sexismus. Über die Abtreibung der Frauenfrage, 1976
Klein, Melanie: Das Seelenleben des Kindes, 1962
Meier-Seethaler, Carola: Ursprünge und Befreiungen. Eine dissidente Kulturtheorie, 1988
Meulenbelt, Anja: Wie Schalen einer Zwiebel, 1984
Mitscherlich, Margarete: Die Zukunft ist weiblich, 1987
Mulack, Christa: Die Weiblichkeit Gottes, 1983
Olbricht, Ingrid: Verborgene Quellen der Weiblichkeit. Die Brust, das enteignete Organ, 1985
Olivier, Christiane: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, 1987
Pusch, Luise F.: Das Deutsche als Männersprache, 1984
Trömel-Plötz, Senta: Frauensprache - Sprache der Veränderung, 1982
Weiler, Gerda: Der enteignete Mythos. Eine notwendige Revision der Archetypenlehre C.G.Jungs und Erich Neumanns, 1985
Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis: Mamalogie, 1988