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Ehe zwischen zwei Frauen und weibliche Vaterschaft in Afrika

Die Ehe zwischen zwei Frauen erfüllt in Afrika – zum Beispiel bei den Bangwas - dieselben prosaischen Funktionen wie die Ehe zwischen Mann und Frau: sie soll wohlhabende, adlige Frauen in die Lage versetzen, als „Vater“ ihr eigenes Geschlecht zu begründen, anstatt als Mutter.

Von  ihrem verstorbenen Vater, dem alten Häuptling, hatte Mafwa zwei Ehefrauen geerbt. - Mafwa war das Gegenteil der durchschnittlichen Bangwa-Frau. Durch ihr Auftreten und ihre eleganten Kleider unterschied sie sich – ebenso wie andere Prinzessinnen – von den anderen Frauen, die meist schlicht bis schäbig gekleidet waren.

In Bangwa und bei anderen Völkern in Afrikas können ranghohe Frauen andere Frauen heiraten. Von diesen eigenen Ehefrauen dürfen sie Kinder gebären lassen, von genehmigten aber nicht anerkannten Liebhabern, wobei die ranghohe Frau deren „Vater“ wird und ihren Namen, Stand  und Besitz auf die Kinder überträgt.

Die ranghöchste Frau in Bangwa, Mafwa, wurde stets mit „Vater“ angeredet, wenn eine ihrer Klientinnen sie um einen Gefallen bat.

Quelle

Robert Brain: Freunde und Liebende. Zwischenmenschliche Beziehungen im Kulturvergleich (1976, S.70-96)