traum-symbolika.com

122 – Evangelikale Christen - Ein Netz wird gespannt – Christentum als politisches Programm  -  Verrat am Christentum - Elisabeth Camenzind

 

Vorspann: Seit Erstellung des unten vorliegenden Textes vom Dezember 1985 sind 30 Jahre vergangen. Seither haben die Umtriebe und Vorhersagen der US-Evangelisten zwar Einbussen erlitten, aber die feudalistischen Herrschaftsabsichten und raffinierten Vorgehensweisen sind unverändert. Es ist daher durchaus angebracht, sie in Erinnerung zu rufen und ferner sorgfältig darauf zu achten, was sich in freikirchlichen Kreisen in unserem eigenen Umfeld tut, speziell bei der Freien evangelischen Gemeinde  (FeG). In St. Gallen war es nämlich die Freie evangelische Gemeinde (FeG), die sich  als Zugpferd für die aus den USA importierte Aktion Neues Leben engagierte und hervortat, während vorgegeben wurde, es handle sich um eine spontane Basis- und Laienbewegung. – Vor zwei Jahren (2013) war nun in einem Buch zu lesen, was zum Beispiel in Brasilien inzwischen  passiert ist: In Brasilien hätten „die Menschen scharenweise zu den Freikirchen gewechselt“, wobei der Autor - Andreas Englisch - richtig zum Schluss kommt, der Grund für den Erfolg der Freikirchen sei „schlicht und einfach die bessere Show“ (Andreas Englisch: Papst Franziskus: Zeichen der Hoffnung, S. 58 und S.240). – Dieser verhängnisvollen Entwicklung stellen wir nochmals warnend die Beobachtungen vom Dezember 1985  entgegen: Hinter den US-Evangelisten verbergen sich feudale Herrschaftsabsichten, Unterdrückung und Missbrauch des einfachen Volkes sowie handfeste Wirtschaftsinteressen der reichen Eliten.

 

1

Vorwort und Einleitung (1985)

2

Beunruhigt durch Vorgänge in St. Gallens Freikirchen und Sekten, von denen wir via Zeitungsberichten und überall aufgehängten Großplakaten in Dörfern und Städten erfahren haben und erst recht via gratis zugestellten pseudochristlichen Zeitschriften und Büchern, haben wir im Juni dieses Jahres (1985) folgendes Schreiben an einen kleineren interessierten Kreis sowie an einige Pfarrämter geschickt. Die Bücher und Zeitschriften berichten von Theorien und Aktivitäten, die in Richtung Neue Weltwirtschaftsordnung gehen und auch eine Neue Weltreligion zum Ziel haben. Der Brief lautet wie folgt: „Es ist Ihnen vielleicht bekannt, dass in der nächsten Zeit der Kanton St. Gallen und später die ganze Schweiz evangelisiert werden soll. Dies ist jedenfalls das erklärte Ziel der „Aktion Neues Leben". Die Bewegung "Neues Leben" kommt aus Amerika und wird vorwiegend von christlichen Freikirchen getragen. Systematisch will die Aktion Kanton um Kanton in Angriff nehmen. Im Kanton Thurgau hat die Aktion 80% der Haushaltungen "durchforstet", wie die Organisatoren berichten. Es wird zwar gesagt, es handle sich um eine Basis- und Laienbewegung; das Vorgehen erinnert jedoch eher an Management einer gut geführten Firma mit multinationalem Charakter. Die Zahlen reden ihre eigene Sprache. Dem "Tagesanzeiger" vom Freitag, 4. Juni 1982 entnehmen wir: "... unterstützt von einer intensiven Plakat- und Inseraten-Werbung haben 10'000 speziell vorbereitete Helferinnen und Helfer () zwischen Ostern und Pfingsten in den Kantonen Zürich, Schaffhausen und der Region Baden" Abend für Abend Kontakt mit ihren Mitbürgern gesucht, ihnen das Taschenbuch mit Glaubenserlebnissen zugesandt oder persönlich überreicht. Insgesamt wurden in dieser Zeit gratis über 120'000 deutschsprachige und 18'000 fremdsprachige Taschenbücher abgegeben und 1’300 Bibelgesprächskreise gegründet (Dok. 1-8). - Von einer harmlosen Laienbewegung kann also keine Rede sein. Nun ist der Kanton St. Gallen an der Reihe. Telefonische Anfragen an die Evangelischen und Katholischen Pfarreien laufen auf Hochtouren. Die Pfarreien erhalten lediglich eine magere Informationsschrift, die weder über Ausbildung und Ausbildungsstätten der 10’000 Helfer/innen, noch über theologische Hintergründe der Aktion Auskunft gibt. Die Organisatoren geben vor, es gehe ihnen um eine überkonfessionelle Verkündigung der christlichen Botschaft und um Belebung des religiösen Lebens. Auskünfte, die wir von einigen Pfarrstellen erbaten, waren keineswegs dazu angetan, unsere Bedenken über die unseres Erachtens pseudoreligiösen Vorgänge zu zerstreuen. Im Gegenteil. Ein kath. Pfarrer meinte, es dünke ihn, wie wenn ein Netz über die ganze Schweiz gespannt würde. Ein reformierter Pfarrer sagte, die Aktion Neues Leben habe es sehr eilig, man werde davon richtiggehend überrollt.

3

Nicht weniger beunruhigend erschien uns die naive Begeisterung mancher Pfarrherren aus Landeskirchen, die sich in der Presse über die Aktion Neues Leben ausließen, und ebenso die sog. Frauenfrühstückstreffen mit 800 Teilnehmerinnen im Thurgauerhof Weinfelden, deren Geist höchst merkwürdig anmutet. Im Januar 1985 waren in St.Gallen Plakate in Weltformat aufgehängt mit dem Text: "Nach der Völkerschlacht kommt der Christus-Staat". Die Frage, wer da einen Christus-Staat errichten und zuvor eine Völkerschlacht veranstalten will, und ob da Zusammenhänge bestehen mit den Aufrüstungsbemühungen der fundamentalistischen Reagan-Anhänger in USA, war damit gegeben. Im Juni 1985 hielt in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) St.Gallen ein Evangelisationsprediger vom "NEUES LEBEN" Werk, BRD) sehr bedrückende Predigten. Er redete von bevorstehenden Kriegen, die nötig seien und dem darauf folgenden Kommen Christi. Gerade so, wie es die Reagan-Anhänger in USA tun. Der Büchertisch der Freikirche war mit sehr viel fundamentalistischer Literatur bestückt, die uns klarmachten , dass die "Aktion Neues Leben" nicht ein isoliertes Ereignis darstellt, sondern in Verbindung mit einer Weltevangelisation der Fundamentalisten und ihren Vorstellungen von einer neuen pseudochristlichen Weltwirtschaftsordnung gesehen werden muss.

4

Beunruhigt durch diese Fakten, verfassten wir zunächst ein Papier von 14 Seiten, in welchem wir die uns bekannten Sachverhalte, Begebenheiten und Theorien zusammenfassten, um mit Interessierten ins Gespräch zu kommen und allenfalls eine umfassendere Faktensammlung einzuleiten. Wir hofften zudem, dass sich fachkundige Leute mit dem Material dann gründlicher auseinandersetzen und ein Papier erarbeiten, das einem grösseren Kreis zugänglich gemacht werden könnte. In der Zwischenzeit ist einiges Material zusammengekommen, aber die weitere Verarbeitung ist an uns hängen geblieben. Wir machen uns daher nochmals an die Arbeit trotz Berufstätigkeit und anderen Engagements, denn inzwischen wissen wir Einiges mehr. Und darüber wollen wir nicht schweigen. Es wird uns nicht möglich sein die Vorgänge, Zusammenhänge und Netzwerke genügend fachgerecht zu bearbeiten. Die angefügten Dokumente werden allerdings auch für sich selber sprechen (Dok. 1-102).

5

Im Folgenden werden wir mit einem Erlebnisbericht über eine Evangelisation in der Freien Evangelischen Gemeinde St.Gallen beginnen, dann über Autoren und Theorien berichten, welche sich mit einer neuen Weltwirtschaftsordnung und der Errichtung eines weltweiten Christus-Staates befassen, sowie mit einer Theorie einer sogenannt christlichen Sozialordnung. Wir lassen die eingangs erwähnten Kapitel unseres ersten Berichts, der an einige Pfarreien und Bekannten gegangen war, unverändert stehen. Auch die von uns im Juni 1985 formulierten Schlussfolgerungen fügen wir unverändert an. Wir hatten darin behauptet, die Aktion Neues Leben Schweiz sei von den gleichen fundamentalistischen Kreisen getragen, wie die aggressive Weltevangelisation in den USA, welche das wesentliche Wählerpotential von Präsident Reagan darstellen.

6

Die weiteren Kapitel sollen nun unsere damalige Behauptung verifizieren. Die vielen zusammengetragenen Dokumente belegen deutlich die Zusammenhänge, auch wenn die vielen kleinen Basisgemeinden mancher Freikirchen davon keine Ahnung haben mögen, geschweige denn deren Mitglieder, die sich meistens als autonome und freie Mitglieder verstehen.

7

Heute wissen wir, dass Campus für Christus, von der die Aktion Neues Leben Schweiz organisiert wird, identisch ist mit der Bewegung "Campus Grusade for Christ International", die von Bill Bright (Do 192-202) gegründet wurde und präsidiert wird, der die Christianisierung der Welt im grossen Stile betreibt. Sukzessive ist immer mehr Material dazugekommen, wie es im vorliegenden Papier zum Ausdruck kommt. Bei der Weltevangelisation geht es um Herrschaft der "Christen" über die Welt, ganz im Sinne jenes Kreuzzuges im Mittelalter, dessen alleinseligmachender Anspruch wir überwunden glaubten. Es geht aber noch um mehr, nämlich um einen politischen Herrschaftsanspruch, diesmal ausgehend von freikirchlicher Seite. Die fundamentalistischen Evangelikalen möchten die Kirchen erneut als Ordnungsmacht etablieren. Alle Fundamentalisten stehen zusammen und spannen weltweit ein Netz. In der Schweiz läuft es über die "Aktion Neues Leben", die sich verharmlosend als innerkirchliche Belebung und als eine überkonfessionelle Ökumene darstellt, die wirklichen Absichten und Hintergründe aber raffiniert zu verbergen versteht.

8

Erlebnisbericht über Predigt von Evangelisator Willi Buchwald in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) St. Gallen (9./11.Mai 1985), vom Evangelischen Werk "Neues Leben" in Altenkirchen BRD

9

Willi Buchwald sprach vom "Plan Gottes: Seuchen, Kriege, das muss alles kommen… dann kommt Christus, nicht als einfacher junger Mann, sondern als Sieger, der die Weltherrschaft antritt... wir leben in der biblischen Endzeit, alle Zeichen weisen darauf hin... es kann täglich eintreffen... es gibt viele Leute, die sind zwar rechtschaffen, aber das genügt nicht ... sie sind sogar religiös, aber das genügt nicht..." Er verlangt, sich persönlich Christus zu unterstellen, er spricht von "Gemeinde" und "Bindung". Erst später im Zusammenhang mit einem Buch merkten wir, was der Evangelisator mit "Gemeinde" und "Bindung" aussagen will. Am zweiten Abend schimpft Buchwald über Zauberei, wobei für ihn Meditation, Parapsychologie, Religionen des Ostens, Spiritistische Sitzungen, zum Okkultismus und somit zur Zauberei gehören. Selbst Anthroposophie, Freimauerei, Heilmittel von Hahnemann zählt er zum Okkultismus, ebenso Yoga, Autogenes Training, und Zen-Meditation.

10

Willi Buchwald ist eine der wesentlichen und tragenden Stützen, der sogenannten Evangelikalen, welche die weltweite anvisierte Evangelisation vorantreiben. Unseres Erachtens steckt hinter dieser Evangelisation ein politisches Programm und zwar im Hinblick einer zu schaffenden "neuen Weltwirtschaftsordnung". - Es gibt mehrere Sekten­führer, welche dafür ein Programm ausgearbeitet haben, drei davon möchten wir vorstellen.

11

1. Weltweite Kirche Gottes - von Herbert Armstrong – Dok. 178-183

12

2. Heimholungswerk Jesus-Christ, der Christus-Staat  - von Willi Buchwald - Dok. 184-190  (Der Name Heimholungswerk Jesu Christi wurde 1984 geändert in Universelles Leben (wikipedia 06.02.2015)

13

3. Neue "christliche Sozialordnung" v. Sir Frederik Catherwood - Buch: Licht und Salz, Bundesverlag Witten2

14

Weltweite Kirche Gottes - von Herbert Armstrong (Zeitschrift "Klar & Wahr" vom Ambassador-College)

15

Ziel der Bewegung nach von Herbert Armstrong: Rettung der Umwelt (Luft, Wasser, Wälder), Rettung der Moral, Bekämpfung von Verbrechen und Dekadenz. Mittel zum Ziel ist: Ein begrenzter Atomschlag, "die letzte Schlacht" genannt, um eine neue Weltordnung zu etablieren. Die neue Weltordnung sieht vor: eine Weltregierung mit Feudalsystem, resp. einer Theokratie (nach dem Vorbild Islam und Judentum). Einführung einer einzigen Weltreligion ( die zusammengesetzt ist aus Judentum Islam und Christentum ). Abschaffung der Parlamente ( weil sie nutzlose Bürokratie erzeugen). Die neue Weltordnung sieht vor: - Abschaffung der Wahlen weil nur Mitglieder der "Gottfamilien" regieren dürfen). Die Weltregierung wird einen höchsten Herrscher einsetzen. Eine intensive Zusammenarbeit wird stattfinden. Die Weltregierung wird eine Landwirtschaftsreform einführen (weniger Maschinen, mehr Handarbeit, was als Beschäftigungsprogramm einerseits und als Schonung von Umwelt und Ressourcen gedacht ist.)

16

- Es wird eine "Umerziehung" der Menschen stattfinden mittels eines speziellen Programms.

17

- Es gibt Vergünstigungen im finanziellen Bereich für jene, welche die neue Regierung unterstützen.

18

- Wiedereinführung der Todesstrafe für div. Vergehen und insbesondere für jene, die sich der neuen Regierung widersetzen.

19

- Schaffung einer neuen Rechts- und Gerichtspraxis (nach dem rigoroseren Recht des Islams)

20

- Schaffung eines "perfekt durchorganisierten" Staats- und Wirt­schaftssystems (blühende Wirtschaft im "Christus-Staat")

21

- Einführung des Zehnten, auf dessen Ertrag nur die Mitglieder der Regierung, nämlich die "Gottfamilien" Anspruch haben, (die auch allein das Recht haben, königlich oder fürstlich zu residieren (in Ableitung von König David etc.)

22

- Einführung von "christlichen" Erziehungsprinzipien für das Volk: Erziehung zum Dienen, Teilen, Ehrlichkeit, Gehorsam, Pünktlichkeit, Disziplin, Fleiss, Sparsamkeit und der Feindesliebe ( denn die Gottfamilien werden nicht fehlerlos sein)

23

Es wird geraten, bereits jetzt schon den Zehnten zu bezahlen, um dannzumal in den Genuss von Vergünstigungen zu kommen. Versprochen sind gute Verzinsung und "zusätzliche Prosperität".

24

Statistik: nach 0. Eggenberger: Zeitschrift "Klar und Wahr": sie erscheint in einer Auflage von 10 Millionen in sechs Sprachen, Mitglieder in BRD 100000, in der Schweiz 100 in drei Gemeinden, die USA-Mitglieder werden nicht genannt.

25

Der geplante Atomkrieg und Umsturz wird als "Kommen Christi" ausgegeben.

26

Heimholungswerk Jesu Christi - Der Christus-Staat – Karl Köbler Würzburg (Dok. 184-190)

27

Ziel: "Aufbau der wahren Weltreligion" und des "Weltreiches Jesu Christi", genannt: Der Christus-Staat. Aber: Erst "nach der Völkerschlacht kommt der Christus-Staat", (siehe Grossplakat in St.Gallen) Die Völkerschlacht wird vom "Antichrist" veranstaltet. Es wird viele Tote geben. Es werden Menschen gesucht, welche miteinander Anstalten treffen, die Völkerschlacht zu überstehen und zwar durch Abhärtung, verzichtreiches Leben, durch Schaffung von " Versorgungsquellen", z.B. Bauernhöfe, Werkstätten, Nahrungsmittelfabriken, etc. - Man kann Anteilscheine zeichnen für den Aufbau von Fabriken, z.B. einer "Nahrungsmittel GmbH", zu 3% Zins. Man kann sich auch für rund 20 Mitarbeiterzweige anmelden, der Lohn sei zwar gering, aber das Nötigste sei vorhanden; die Überschüsse werden für die Schaffung weiterer Werke verwendet, sie "gehören allen". Aber wer Eigentum einbringt, der bleibt Eigentümer (Buch von Karl Köbler (Würzburg): Aufbau der wahren Weltreligion Jesu Christi).

28

Die neue Weltregierung wird aus "36 Geschwistern" bestehen, die dannzumal nur " die 36't genannt werden.

29

Der sogenannte Christus-Staat wird eine Theokratie sein. "Die 36" führen das "göttliche Gesetz" ein" welches direkt von Christus über ein weibliches Medium zu den "36 Geschwistern" in langen Reden übermittelt wird.

30

Die 36 und weitere Männer und Frauen stehen an Meiner Seite und sind in meinem Willen unterwiesen. Sie tragen die Verantwortung, damit Mein Wille geschehe... sie übermitteln auch Meine Wünsche und Botschaften für den Christus-Staat, das Weltreich Jesu Christi. Christus sagte eines Tages: "Handwerksbetriebe möchte ich..."

31

Es wird weder Kirchengebäude noch Rituale geben, keine Konfessionen, keine Mitgliedschaft, keine Beiträge, keine Glaubenssätze, so wird behauptet... dafür gibt es "die ewigen Gesetze Gottes" welche viel rigoroser geglaubt und befolgt werden müssen als Glaubenssätze, denn was sich als "Gottesgesetz" ausgibt, ist viel absoluter.

32

Statt "Mitgliedschaft " kann man "stiller Teilhaber" werden, und es gibt Verträge, Arbeitsverträge: "Ich möchte ein Arbeiter im Weinberg des Herrn werden und Christus beim Aufbau der wahren Weltreligion und seines Weltreiches mithelfen", steht da auf Formularen, wo Tätigkeiten angekreuzt werden können. Gesucht sind "selbstlose Tatmenschen", die sich opfern für ihre Mitbrüder und Mitschwestern.

33

„Keiner kommt zum Vater, denn durch Mich". - "Gott ist aus der Kirche ausgetreten!“ … " Die Arbeit in den Christus-Betrieben ist nicht für Flüchtende aus dieser Welt und nicht für Tagediebe".

34

"Nach der vom Herrn angesagten Völkerschlacht wird ER erscheinen und regieren. Bereits jetzt bereitet der Herr diese Zeit vor“.

35

Aber er wird regieren durch die 36 Geschwister, denen ER seinen Willen kundtut durch das Medium. Das weibliche Medium, durch das Christus angeblich zu den 36 spricht, darf für ihre eigene Person keine Ansprüche machen, das wird explizit erwähnt. "Es gibt keine Vorgesetzten, es gibt keine Höhergestellten im Christus-Staat", wird behauptet, was nicht zutrifft. Denn die "36" machen den Anspruch geltend im Namen Christi, absolutistisch und totalitär zu regieren.

36

Das Heimholungswerk Jesus Christi wird zu den "charismatischen" Bewegungen gezählt, da das Werk die "Geistheiler" in den Vordergrund stellt.

37

Es ist ganz klar, dass wesentlich " Tatmenschen" gesucht werden, der Rest ist unseres Erachtens Menschenfängerei. Vermutlich werden manche Menschen in den "Gebetsrunden" hypnotisch behandelt, und zwar durch gruppendynamische Phänomene. Auf diese Weise sind unseres Erachtens auch die vielen "charismatischen" Christuserscheinungen zu erklären.

38

 

 

 

Vorgehen und Stil des Heimholungswerkes haben viel Ähnlichkeit mit den Bestrebungen von "Klar und Wahr“ (von Herbert Armstrong) Es mutet wie eine Unterabteilung dieses Unternehmens an, das unwesentliche Unterschiede bewusst toleriert. Die Drahtzieher wollen offenbar mit dieser Abteilung eine ganz bestimmte Menschengruppe erreichen, nämlich Menschen mit asketischen Zügen, welche die entsagungsreiche " Völkerschlacht" zu überstehen fähig wären, als die künftigen, dienstbaren Untertanen.

39

"In diesem Weltreich Jesu Christi wird nur Einer regieren.... Ich der Christus... Die Meinen werden Meine Stimme hören und nach den Gesetzen leben ... Ich rufe nur die Menschen, die Mir selbstlos dienen wollen ... Wer Mich annimmt, der sollte Mir auch die Mög­lichkeit einräumen, Mich in ihm entfalten zu können.... Die Meinen werden nicht mehr gefoltert und getötet werden… (und was geschieht mit den anderen?)

40

"Die Dimensionen des Künftigen sind so gewaltig, dass sie die Vorstellungskraft der meisten Menschen sprengen."

41

Es wird vom Werk die Ignatische Regel in Anspruch genommen: Bete und Arbeite. Das ist zynisch Angesichts der extravertierten politischen Dimension des Heimholungswerkes, welches im Stil der Mun-Bewegung agiert. Das Heimholungswerk erweist sich als ebenso verlogen wie "Klar und Wahr", während von einer "Inneren Religion" die Rede ist, in Wirklichkeit aber an einem totalitären Weltstaat gebaut wird, mit Namen: "Der Christus-Staat"

42

Sir Frederik Catherwood: Neue Weltwirtschaftsordnung und Christliche Sozialordnung (Buch: Licht und Salz: Wege zu einer Christlichen Sozialordnung, ABC-Team, Bundesverlag Witten)

43

Sir Catherwood war Fachmann für Wirtschaftsfragen. Er war Chefberater für Industriefragen, Leiter des Nationalen Rates für wirtschaftliche Entwicklung, Vorsitzender des Britischen Managementinstitutes und Vorsitzender der Britischen Industrie- und Handelskammer für Überseefragen.

44

Den Führungsfunktionen in Wirtschaft und im Bund von Freikirchen entsprechend entwickelt Sir Catherwood ein Programm, das Kirchen ebenso umfasst, wie Wirtschaft und Staat. Catherwood bewegt sich im Rahmen von Herbert Armstrong und dessen "Weltweite Kirche Gottes", jedoch mit Unterschieden, welche auch bei Industriebossen und Kirchengewaltigen einer Demokratie ankommen könnten. Sein Programm verlangt nämlich keine Veränderung der Staatsform, Es sei sowohl in Autokratien, wie in Demokratien durchführbar.

45

Es geht um die Schaffung einer sog. "christlichen Sozialordnung". Ziel der neuen Sozialordnung: Einführung der neuen Weltwirtschaftsordnung und ... Intensiveres Zusammenwirken von Kirche und Staat in Richtung Theokratie.

46

Aufbau und Glaubenssätze der "christlichen Sozialordnung"

47

Die Kirchen werden wieder Ordnungsmacht. Das heisst:

48

- Alle Leute müssen zwingend einer "Gemeinde" zugehören, sich einem "Ältesten" unterstellen. Für jeden Christen gilt die ausdrückliche Pflicht, einer bestimmten Gemeinde anzugehören.

49

- Es wird der Zehnte eingeführt. "Die Gemeinde hat Anspruch auf unser Geld.“

50

- Die "Gemeinde" wird von einem männlichen Pastor geleitet, welcher dafür verantwortlich ist, dass "Ordnung" herrscht. Er hat "die Pflicht zu ermahnen, zurechtzuweisen und wenn alles andere nichts nützt, auszuschliessen. Es geht um die "Gemeinde­zucht", die "eine gewisse gesellschaftliche Disziplin ausserhalb der Gesetze einbringt", damit nicht jeder Streit vor Gericht gebracht werden muss.

51

- Die Versorgung der Alten und Kranken gehört wieder in den Bereich der Kirche, der Kirchgemeinden, d.h. in den Bereich der "erweiterten Familie", also der Frauen.

52

Die Pastoren sollen "doppelten Lohn und doppelte Ehre" erhalten, um den Beruf attraktiv zu machen.

53

Kirchenbesuch wird Verpflichtung: "Die Gemeinde hat Anrecht auf Anwesenheit ihrer Mitglieder".

54

- Das Christentum soll Weltreligion werden, denn es ist "für den Christen natürlich und richtig, als Salz der Erde und Licht der Welt tätig zu sein".

55

- Die Kirchen müssen Liebe und Gewaltlosigkeit predigen.

56

- Der Staat darf das Schwert tragen: Die Todesstrafe soll wieder eingeführt werden.

57

Die Glaubenssätze

58

- "Der Christ" glaubt als erstes, dass der Schöpfer einer, eine einzige Person ist.

59

- Der Mensch ist sündig seit dem Fall, er bedarf der Erlösung und im Weltlichen der "physischen" Einschränkungen.

60

Der Staat, die "Gemeinde", die Ehe, sind göttliche Einrichtungen.

61

- Gott ist ein Gott der Ordnung jedes Ding hat seinen Platz in der Schöpfungsordnung (kein Darwinismus); die Frau ist anders, inbezug auf Aufgabenzuteilung und Kleidung. Die Ehe ist unauflöslich, nicht der Kinder wegen, sondern um der Sicherheitsgefühle willen. Keine Scheidung möglich.

62

- Sexualität ist "eheliche Pflicht".

63

- Schwangerschaftsabbruch ist verboten.

64

Inbezug auf Arbeit und Verhaltensweisen gibt es ebenfalls so etwas wie "Glaubenssätze":

65

- Der Christ hat eine "starke, aktivistische, optimistische Lebenseinstellung".

66

- Für Männer am Arbeitsplatz fordert der Autor mehr kreative Arbeit, damit sie gern arbeiten.

67

- Für Frauen sei der Arbeitsplatz nicht so wichtig, wie eine Untersuchung gezeigt habe. Wichtiger als die Gestaltung des Arbeitsplatzes sei bei Frauen die "persönliche Einstellung", das Gefühl "ernst genommen" zu werden. Frauen ertrügen Routinearbeit besser als Männer, ihre Kreativität erfülle sich mit den Kindern; Berufsarbeit sei Nebensache.

68

Wie soll die neue "christliche Sozialordnung" eingeführt werden?

69

- Durch die "Erweckungsbewegungen", da diese sich als fähig erwiesen haben, viele Menschen anzusprechen und zwar Menschen, die mit anderen Mitteln nicht erreicht werden können. Der Autor erwähnt den phänomenalen Erfolg von C. H. Spurgeon und dessen "Tabernakel". Die Ausstrahlung dieser Evangelisatoren nennt er "geistliche Kraft". - Diese Evangelisatoren sollen herangezogen werden um den für die neue "christliche Sozialordnung" nötigen "Gemeindeaufbau" zu bewerkstelligen, also Menschen gewinnen und sie in die "Gemeinden" integrieren.

70

- Es soll auch Geld bereitgestellt werden, um die Menschen materiell zu unterstützen, die fürs "Evangelium" gewonnen werden sollen.

71

- In der Folge gibt es gewissermassen gekaufte Christen, auch wenn dies nicht gesagt wird. Sicher aber gibt es "Job" für Christus", wie dies in Amerika selbstverständlich ausgesprochen wird.

72

Schlussbemerkung zu Sir Frederik Catherwoods Programm

73

Obgleich in seinem Buch viele schöne Worte fallen von Christlichkeit, von der Notwendigkeit des Teilens mit den Armen etc. so zeigt das Herausschälen der Fakten ein weniger schönes Gesicht. Es zeigt sich, dass sich die Fundamentalisten aus allen Lagern der christlichen Kirchen zusammengetan haben, um Macht und Einfluss in der Welt neu geltend zu machen. Es handelt sich dabei weniger um christliches Gedankengut, als um die altjüdische Gesetzlichkeit, die gerade eben durch Jesus von Nazareth (den Christus) besonders deutlich in der Bergpredigt und in seinem konkreten Verhalten überwunden worden ist. Diese Tatsache wird verbrämt durch den Grundsatz, "die ganze Bibel" müsse Grundlage der neuen Sozialordnung sein. Während die kath. Kirche z.B. sich immer auf die Tradition gestützt hatte, nicht nur auf das Bibelwort. Aber das gilt bei den Fundamentalisten und dazu gehören m.E. alle Evangelisatoren der sog. Evangelikalen, mit ihren zahlreichen Bibelschulen) als unchristlich. Es fällt auch auf, dass die neue propagierte Christlichkeit ganz auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten ist. Die neue christliche Ethik soll die Wirtschaft erneut zum Blühen bringen. Verspricht sich doch der Autor vom Christlichen, dass "fast jedes Wirtschaftssystem mit christlichen Massstäben leistungsfähig gemacht" werden könnte: "Der Aufschwung der deutschen Industrie war ein Weltwunder. Er beruht zum Teil darauf, dass Reste der christlichen Ethik sich auf die Disziplin des deutschen Volkes auswirkte" (S. 104) Und weiter: "...die christliche Ethik führt dazu .... dass der Christ mehr verdient, mehr spart, mehr investiert" (96).

74

Mit solchen Argumenten wird den Wirtschaftsmanagern das "Christliche" schmackhaft gemacht. Die Freikirchen und ihre machthungrigen Führungsleute Versprechen den Industriebossen, schon dafür besorgt zu sein, dass die Disziplin ihrer Gemeindemitglieder "funktioniert" wenn sie ihrerseits dazu beitragen, die neue "christliche Gemeindeordnung" einzuführen.

75

Erwähnenswert ist, dass sich Sir Catherwood dahin qualifiziert indem er sich als "Praktiker" bezeichnet, der "Gespür für die Struktur der Macht" besitze. Er wendet sich ausdrücklich an die anderen Praktiker denen er das gleiche Gespür zutraut, nämlich an "Industriemanager, Staatsbeamte, Diakone, Lehrer, Väter und Ehemänner". Erwähnenswert ist auch, dass das Buch beim Verlag der Freien Evangelischen Gemeinde herausgekommen ist, im Bundesverlag Witten.

76

Die "Aktion Neues Leben" Schweiz

77

"Bis den Kirchen klar wurde, was vor sich ging, war es zu spät. Das Netz war zugezogen und sie waren gefangen.“ Die Aktion NEUES LEBEN scheint getreulich in die Tat umzusetzen, was Sir Catherwood in seinem Buch empfohlen hat. Freikirchen und Sekten haben die Führung übernommen inbezug auf die Zukunft der reformierten und katholischen Grosskirchen. Die evangelikalen Freikirchen bestimmen, was christlich ist. Dies zeigt sich nicht nur im Buch von Catherwood, sondern daran, dass überall die gleiche Sprache und die gleiche Argumentation zu lesen und zu hören sind. Plötzlich gibt es nur noch "Christen": Es wird also eine Einheit demonstriert, die nicht gegeben ist, die aber wenigstens dem Scheine nach von den Drahtziehern gewünscht und hergestellt wird. Christen nehmen "wenn sie beisammen sind, die Unterschiede kaum wahr“, wird gesagt „der gemeinsame Gottesdienst in vierzig verschiedenen Sprachen... das ist es, was deutlich hervortritt".

78

In der Orientierungsschrift für Pfarreien, welche von NEUES LEBEN herausgegeben worden ist, ist von Ökumene die Rede. Die Schlussfolgerung der letzten kath. Volksmission sei gewesen, die nächste Volksmission müsse ökumenisch gemeinsam von allen Kirchen durchgeführt werden, schreibt Martin Gächter. Begeistert schreibt er, wie in Basel 35 christliche Gemeinden aller Konfessionen mitgemacht hätten: nebst Reformierten und Katholiken, Methodisten, Heilsarmee, Freie evangelische Gemeinden. St. Chrischona, Baptisten, Mennoniten, Pfingstmission, Urchristen und andere, (die nicht mehr genannt werden). Nicht gesagt wird, welche Bibelschulen die"1000 Mitarbeiter" ausgebildet haben, es sind sicher die Bibelschulen der Freikirchen und Sekten, welche eine hektische Tätigkeit entwickeln, wie aus manchen Akten hervorgeht.

79

Es ist ganz deutlich, dass die Evangelisatoren etwas anderes meinen, wenn sie von "Gemeinde" und Gemeinde-Aufbau reden, als die Landeskirchen. Es geht unseres Erachtens bei der Aktion NEUES LEBEN um eine Unterwanderung der Landeskirchen und um eine Unterwanderung der Ökumene.

80

Es dürfte von Interesse sein, den Chefideologen der Freien Evangelischen Gemeinde Sir Frederic Catherwood  noch weiter zu Wort kommen zu lassen: Er erwähnt nämlich ohne ersichtlichen Grund öfters Hitlers Methoden: "Hitler war ausserordentlich darauf bedacht, nach aussen eine Front ... (von) Einheit zu präsentieren ... Er war sich durchaus bewusst, dass ihm das nicht gelingen würde, wenn er die Opposition der Kirche hervorriefe" (S.82). „Hitler ... behandelte ... die Kirchen anfangs be­hutsam, wobei er sie gleichzeitig ... steuerte, als er die schwierigen Kreise abspaltete und ihre Handlungsfreiheit einengte ... die ... konservative Einstellung der Kirche führte dazu, dass sie den Anspruch des Nazismus, die einzige Alternative zum Kommunismus zu sein, ohne zu fragen anerkannte ... In ihrem Misstrauen gegenüber linken Bestrebungen hatten sie ... keine Vorsorge gegen den Angriff der radikalen Rechten getroffen die für autoritäre Grundsätze eintraten Und sich als eifrige Anhänger des Christentums ausgaben. (82-84).

81

"Die organisierte Stärke der Kirchen ist eine grosse Versuchung. Sie hat weltlich gesinnte Männer angezogen, die sie für ihre eigenen Zwecke benutzt haben ... die Kirchen waren ... tief verwurzelt ... sie waren organisiert. Sie konnten sich verständlich machen. Sie erstreckten sich über das ganze Land- und sie spra­chen immer noch das Gewissen der Menschen an ... (es gibt die Kanzeln ... von denen ... landauf und ab gepredigt werden kann" (63/80).

82

Die Kirchen sind aber noch aus einem anderen Grunde für eine Regierung wichtig. Denn "alle Regierungen sind von Zustimmung abhängig". Ohne die Kirchen eine neue Weltwirtschaftsordnung einzuführen geht nicht.

83

Ohne Kirchen geht es nicht; ohne Establishment geht es auch nicht. "Kluge Regierungen versuchen, das Establishment in irgendeiner Form zu organisieren ... Das Establishment ist nicht nur eine ein­flussreiche Gruppe, es hat eine positive, unterstützende Aufgabe", wie die Kirchen. Zum Establishment zählt Catherwood: "Beamte, Gewerkschaften, führende Leute aus Industrie und freien Berufen, Universitäten, Fernsehen, Rundfunk- und Zeitungsjournalisten, sowie Schriftsteller und bekannte Persönlichkeiten der örtlichen Verbände und Vereinigungen". - Die Aktion NEUES LEBEN hat sich auch diese Ratschläge gemerkt: sind doch die Evangelisatoren bestrebt, führende Leute aus Wirtschaftskreisen und Politik zu gewinnen. - Ein Pfarrer wurde stutzig, als er vernahm, dass Männer, die er als hartgesottene Kapitalisten kennt, die Aktion Neues Leben unterstützen. Die Aktion NEUES LEBEN bietet für Führungskräfte der Wirtschaft separate Veranstaltungen an. Dort wird ihnen vermutlich die Idee von der neuen Weltwirtschaftsordnung unterbreitet und die neue "christliche Sozialordnung", die ihnen Vorteile zu bringen verspricht. Einige dieser Vorteile seien:

84

- Entlastung der Industrie und der mittleren bis kleinen Betriebe von der drückenden Last der Sozialabgaben für AHV und IV, da diese von den Kirchen übernommen werden.

85

- Die Kirche sorgt für Zuverlässigkeit der Angestellten.

86

- Die Leute werden wieder mehr investieren, weil sie mehr sparen.

87

- Alle Männer dürfen wieder darauf zählen, eine Hausfrau zu haben, die ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigt und die Kinder allein versorgt.

88

- Alle Männer dürfen wieder Haupt der Familie sein, und daheim das unumschränkte Sagen haben.

89

- Die Wirtschaft wird wieder blühen, nachdem sie von den Soziallasten befreit ist.

90

-Es wird viele neue Arbeitsplätze geben für Pastoren, attraktive Jobs für Christus.

91

- Die Industrie wird viele neue Aufträge bekommen, weil Umweltschutz durch neue Technologien bewerkstelligt werden soll.

92

Alle Industriebosse erfahren, wie "praktisch" das Christentum ist, und wie viel aus ihm herausgeholt werden kann. Die Bosse sehen ein, dass es sich lohnt, in diese Aktion etwas zu investieren, haben sie doch langfristig einiges zu gewinnen. Dies jedenfalls ergibt sich aus den Darlegungen des "christlichen" Autors Sir Catherwood.

93

Sir Catherwood hat für manche Gruppen Vorteile anzubieten, Zückerchen auszuteilen: Der Staat soll eine starke, gut bezahlte Polizei bekommen (weil sonst die Reichen Privatarmeen aufbauen).

94

Der industriellen und wirtschaftlichen Führung soll nicht nur gute Bezahlung, sondern vermehrt Verantwortung über­tragen werden. Die Frauen erhalten das Versprechen, man werde dafür sorgen, dass ihre "Würde" wiederhergestellt werde, dass sich der Mann vermehrt in der Familie engagiere, der Mann müsse sich für die Familie "aufopfern" (nur sind das leider leere Versprechen, denn die geplanten Gesetze sehen anderes vor).

95

Dem Umweltschutz soll Nachachtung verschafft werden (aber die Auslegung, was Ökologie ist, ist sehr eigenwillig).

96

Vorläufige Zusammenfassung und ein paar Hinweise

97

Mit unseren Darlegungen versuchten wir darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Aktion NEUES LEBEN um etwas anderes handelt, als was sie sich ausgibt:

- Die Aktion NEUES LEBEN ist keine Laienbewegung, sondern dahinter steckt ein riesiges Management von Freikirchen und Sekten.

98

- Sie ist keineswegs neutral, sondern dahinter stecken feste politische Absichten und Programme mit weitreichenden Folgen.

99

- Es ist keineswegs eine Bewegung im Sinne der Ökumene, sondern sie geht in Richtung Gleichschaltung der Kirchen, bedeutet Unterwanderung der Grosskirchen und der Ökumene.

100

- NEUES LEBEN benützt die Grosskirchen, um an breite Bevölkerungsschichten heranzukommen, die sonst nicht erreichbar sind, weil die traditionellen Grosskirchen nach wie vor einen gewissen Vertrauenskredit besitzen.

101

- NEUES LEBEN hat nicht nur eine Affinität zu den sich aggressiv gebärdenden Weltevangelisations-Werken und zu den Fundamentalisten, sondern sie selbst wird von diesen Kreisen wesentlich getragen.

102

- Die Drahtzieher im Hintergrund haben Grosses im Sinn, und zwar weltweit, denn Kirche und Staat sollen gemeinsam wieder Machtträger werden; das Christliche ist Vorwand, dient als Grundlage im Sinne von Rechtfertigung des Vorgehens aggressiver "Christen".

103

Es ist nicht zu übersehen, dass Sir Catherwood von Herbert Armstrong gelernt hat. Sein Stil, seine Sprache ähneln jenem in frappanter Weise. Auch die Art und Weise, wie Hinweise eingestreut, Übergänge gestaltet und wie ein Wechsel von Klarheit und Undurch­sichtigkeit gehandhabt wird. Selbst dieses taktische Vorgehen weiss Catherwood "christlich" zu belegen. "Christus lehrte in Gleichnissen... Seine Gegner waren enttäuscht und drängten ihn immer wieder, sich genauer auszudrücken. Sie versuchten, ihn mit seinen eigenen Worten zu fangen. Aber es gelang ihnen nicht. Darum sollten auch die Christen klug sein". Die christliche Klugheit empfiehlt Catherwood auch den Evangelisatoren. Sie sollen keine Verwünschungen über die Welt donnern, sondern ihre Botschaft mit Liebe verkündigen. Sie sollen echten Kummer empfinden über die Menschen, die blind für die Wahrheit sind, und sich auf die eigene Klugheit verlassen. Insbesondere sollen sie den Leuten sagen, dass sie bei all ihrem "Charme und Idealismus noch so anfällig für das Böse seien ... und dass sie letztlich keine Hoffnung haben" inbezug auf das Heil. Alle diese Ratschläge bekommen eine zynische Note, wenn wir den Hintergrund und die Absichten dieser Bewegung im Auge haben. Die vielen Hinweise inbezug auf das, was Hitler seinerzeit mit den Kirchen anstellte erscheinen wie Botschaften, was sich alles machen lässt mit der Organisation der Kirchen. Was Sir Catherwood nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass Hitler zuerst all die kirchlichen Verbände förderte (Jugendverbände, Frauenverbände, die Wandervögel etc.), um sie dann in einer Dachorganisation zu­sammenzufassen. Die Leiter, die nicht spurten, wurden einfach durch andere ersetzt. Was jetzt mit den Kirchen zu geschehen droht, könnte in die gleiche Richtung weisen. Überall werden "Gemeinden" aufgebaut. In den Freikirchen, in den Sekten wie in den Grosskirchen. Die Organisation wird in allen Kirchen dieselbe. Wie leicht könnte es dannzumal sein, sie in einer Dachorganisation zusammenzufassen und ihnen feste Regeln aufzuzwingen. Schon einmal hatten die Grosskirchen nicht gemerkt, was vor sich geht, und als sie es merkten, war es zu spät. „Das Netz war zugezogen und sie waren gefangen“, wie Sir Catherwood sehr sinnig erwähnt.

104

Zum Schluss sei noch ein Phänomen erwähnt, das auch bei Catherwood vorkommt: die Privatarmee. Eine Privatarmee besteht nämlich in Amerika bereits, ein Zweig davon wird in Europa aufgebaut. Es werden Rekruten aus ganz Europa gesucht. Diese Armee gibt sich verharmlosend als Hobby-Armee aus, obgleich noch in diesem Monat auf dem Nato-Übungsgelände eine realistisch gestaltete Schlacht geübt wird. Diese Vereinigung studiert die Kriegstaktiken der Sezessionskriege und übt sie realistisch durch. Die Rekruten müssen auf die Verfassung ihres Landes schwören. Frage: Ist es eine neue Söldnerarmee, vorläufig als Hobbyarmee getarnt? Das Armeehauptquartier befindet sich in der Schweiz, und zwar im Zürcherischen Sternenberg. ()

105

In Sternenberg treffen sich aber nicht nur die führenden Kräfte der Privatarmee, sondern auch führende Kräfte der Weltevangelisation, die "Konferenz für Europäische Evangelikale Theologen". Frage: Ist das Zufall oder bestehen hier Zusammenhänge? Sir Catherwood hält Revolution für besser als einen Staats-Streich, weil sie das Establishment erhalte.

106

Dr. Eduard Ostermanns Theorie zur Weltwirtschaftsordnung

107

In den vorangehenden Kapiteln haben wir drei Autoren mit ihren Theorien über Weltwirtschaftsordnung und Weltreligion vorgestellt. In der Zwischenzeit sind wir auf einen vierten gestossen: Dr. Eduard Ostermann. Seine Bücher: Zukunft ohne Hoffnung?  Und Ich setze auf das Leben 4. Ostermann besetzt Führungspositionen sowohl in der Gross-Industrie als auch bei Welt-Evangelisationsunternehmen. Ostermann ist: Direktor des VOEST-ALPINE-Konzerns der Schwerindustrie (sprich Rüstungsindustrie) mit rund 80'000 Mitarbeitern. Koordinator der internationalen Schwerindustrie (sprich Rüstungsindustrie), und zwar innerhalb seiner Tätigkeit beim Industry-Council for Developement (ICD), dem Beratungsdienst der UN-Spitze. Direktor der Evangelisations-Zeitschrift "Entscheidung", die deutsche Ausgabe der "grössten christlichen Zeitschrift der Welt". Sie wird vom Hänssler Verlag vertrieben. Organisator für die Evangelisationseinsätze Billy Grahams zumindest im deutschsprachigen Bereich (Billy Graham Evangelistic Association, Decision). Dozent an den Bibelschulen: Janz-Team Lörrach/BRD sowie an Klostermühle Obernhof/Lahn, der Fakelträger /BRD, Referent bei der Aktion Neues Leben Schweiz (Frauenfrühstückstreffen). Ostermann ist vor allem Praktiker mit Machtbefugnissen und wirksamen Kontakten, obgleich er auch Bücher geschrieben hat. Er ist ein Mann, welcher Ideen aufnimmt und sie wirksam in die Praxis umzusetzen weiss. In diesem Sinne kann er als Schlüsselfigur bezeichnet werden in Sachen neue Weltwirtschaftsordnung und Weltreligion, resp. Weltevangelisation. Wir werden im Folgenden Ostermanns Zukunftsperspektiven, Aktivitäten, Kontakte, sowie seine Ausgangslage darzustellen suchen.

108

Um Ostermanns Position deutlicher hervorzuheben wollen wir kurz rekapitulieren:

- Im Falle Herbert Armstrongs sahen wir einen Mann, der als ehemaliger Reklamefachmann, fundamentalistische Bibelauffassungen benützt, um einen feudalistischen Weltstaat zu propagieren, der perfekt durchorganisiert sein würde, mit Königen und Untertanen. Mittels einer Landwirtschaftsreform, Abschaffung der Sozialeinrichtungen, Wiederherstellung altjüdischer Gesetzlichkeit in Verbindung mit Elementen aus dem Islam, verspricht er, Umweltverschmutzung, Wirtschaftskrisen und Sittenverfall Herr zu werden. Armstrong arbeitet auf den Ebenen: Kirchengründung, College-Gründungen, Verbreitung einer weltweiten Zeitschrift, Fernsehsendungen und persönlichen Kontakten mit Regierungen und Ministern aus aller Welt, mit Gemeindegründungen (laut Sektenkenner Oswald Eggenberger in der Schweiz - nur drei,) und Geldgeschäften.

109

- Das Heimholungswerk Jesu Christi sieht sein Ziel wie Herbert Armstrong in der Gründung eines Welt-Staates, Christus-Staat genannt. Die künftigen Herrscher werden jetzt schon auf ihre Aemter vorbereitet, wie bei Armstrong. Ueber ein Medium sind sie angeblich in Kontakt mit Christus, der seine Weisungen für die Welt bis ins Detail in langen Vorträgen formuliert. Das Heimholungswerk mutet wie eine Unterabteilung von Herbert Armstrong an. Es agiert mit Gemeindegründungen, obgleich sie diese nicht so nennt: Aufbau von Fabriken, Betrieben, Kliniken Schulen, Vertrieb von Vortragskassetten, Büchern und Ausgabe von Anteilscheinen. Das Heimholungswerk sammelt „die stark verzichtfähigen, arbeitsamen Menschen, die mit wenig zufrieden sind“. Das Werk zählt sich zu den "charismatischen" Werken, obgleich die Interessen sehr handfest und diesseitig sind. Sie treten öffentlich kaum in Erscheinung.

110

Sir Frederik Catherwood ist sowohl Theoretiker inbezug auf die neue Weitwirtschaftsordnung als auch der Sozialordnung, und ebenso als massgeblicher Beratungs- und Machtfaktor in politischen, wirtschaftlichen und Managementkreisen, sowie in freikirchlichen Kreisen in England mit internationalen Kontakten. Für Catherwood ist klar, dass die Welt christianisiert werden muss, das Christentum Weltreligion werden muss und zwar in der Ausprägung, die von H. Armstrong inspiriert erscheint. Von einer Verschmelzung mit dem Islam scheint er nicht begeistert, ein rigoroses Strafrecht lässt sich ja auch aus biblischen Texten ableiten. Seine Vorstellungen sind der Realität angepasster, flexibler. Die Theokratie-Theorie wird bei ihm ersetzt durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat:  er sieht eine klare Aufgabenteilung und Ergänzung der Institutionen. Als Praktiker hat er klare Vorstellungen, wie die neue, sogenannte christliche Sozialordnung und die neue Weltwirtschaftsordnung eingeführt werden könnten.

111

Sir Catherwood teilt freikirchlichen Evangelisatoren Aufgaben zu inbezug auf Weltevangelisation und Gemeindeaufbau. Die Wirkung seiner Theorien kann nur indirekt erfahren werden. Es ist von einiger Bedeutung, dass die Freie Evangelische Gemeinde, eine sog. Allianzkirche, das Buch von Catherwood ins Deutsche übersetzt hat und im eigenen Verlag herausbringt. Dass die Ideen von Catherwood aufgenommen und verbreitet werden, zeigt zumindest der Evangelisator Willi Buch­wald bei der FEG, die mit dem Evangelisationswerk Neues Leben Altenkirchen eng zusammenarbeitet. Fundamentalistische Verlage der sog. Evangelikalen haben sich der Buchverbreitung angenommen. Seit einigen Monaten wird es in der Liste des Schwengeler-Verlages allerdings nicht mehr geführt. Da die Aktion Neues Leben wesentlich von den Allianzkirchen getragen wird, dürfte das Gedankengut auch in diese Aktion einfliessen.12

112

Mit Dr. Eduard Ostermann sind wir nun auf einen Mann gestossen, bei dem Theorie und Praxis nahtlos ineinander fliessen. Ostermann ist eine Schlüsselfigur inbezug auf Theorie und Praxis der neuen Weltwirtschaftsordnung, "christlicher" Sozialordnung und Weltevangelisation.

113

Die Zukunftsperspektiven von Eduard Ostermann

114

Ausgangspunkt für Theorie und Praxis von Eduard Ostermann ist der Bericht des "Club of Rome". Verunsichert und geängstigt durch die bedrückenden Aussagen dieses Berichts, machte sich Ostermann, zusammen mit vielen anderen, Gedanken über die Zukunft. Er überlegt, was zu tun sei "angesichts der brutalen Aussagen über den Tod vieler Menschen, der Zusammenbruch der Industriegesellschaft, die zukünftige Arbeitslosigkeit der westlichen Welt und über die künftige Politik der Erdölstaaten'; und er kommt zum Schluss: "Beginnen wir zu sparen, so führt dies zu Produktionseinschränkungen und grosser Arbeitslosigkeit ... was für die westliche Welt einen politischen Zusammenbruch zur Folge hätte. Verschwenden wir weiter, so vergeuden wir wertvolle Rohstoffe.

115

Angesichts dieser Bedrohung mausert sich Ostermann innerhalb von wenigen Monaten zum "Christen" fundamentalistischer Prägung. Allerdings deutet er die Bibelaussagen sehr eigenwillig, er stellt sich gegen die Evolutionslehre, nimmt Besitz von der Sündhaftigkeitslehre der Fundamentalisten bzw. von Luthers Rechtfertigungslehre, für die der Glaube einzige Bedingung für das "Heil" ist. Ostermann entdeckt mit anderen Managern zusammen, wie "praktisch" die Bibel ist, und wie gut sie sich für seine Problemlösungen eignet.

116

Was will denn Ostermann mit der Bibel anfangen oder beweisen? Er will beweisen, dass die Problemlösungsvorschläge des“ Club of Rom“ und der "Zukunftsforscher" nichts taugen. Er will nicht, dass wir "sparen", weil das die Produktion einschränkt. Der Industriemanager will weiter produzieren. - Er will nicht, dass der „Nord-Süd-Dialog“ zustande kommt. Er behauptet, dass sonst die Drittweltländer den gleich hohen Lebensstandard anstreben wie wir ihn haben. Er will nichts davon hören, der Mensch könne oder müsse sich ändern, oder die Gesellschaft. Er will nichts davon wissen, dass die Eigenschaften, die bisher als erfolgsträchtig galten, also Konkurrenzdenken, Ehrgeiz, Egoismus und Genuss-Sucht- abgewertet werden und einem kooperativen Denken Platz machen sollen. Wenn die Menschen weltweit kooperativ werden müssten, dann hätte die Rüstungsindustrie ja keine Aufträge mehr, das macht offenbar nicht nur dem höchsten Boss der Rüstungsindustrie Angst. Aber mit der Bibel, so denkt sich Ostermann- lässt sich die Sache regeln.

117

Darum stellt Ostermann folgende Behauptungen auf: Die "Zukunftsforscher", welche verlangen, der Mensch müsse sich ändern, hätten Unrecht. "Der Mensch ändert sich nicht; er bleibt seiner Natur treu. Niemand kann über seinen eigenen Schatten springen, „er bleibt egoistisch, neidisch, habgierig, ehrgeizig und vergnügungssüchtig".(Do)

118

- Es sei nicht etwa so, dass sich der Mensch nicht ändern möchte, er könne sich nicht ändern wegen dem Sündenfall. "Alle Verfasser der sogenannten 'Zukunftsliteratur in apokalyptischer Vision' sehen die einzige Lösung dieser Probleme in einer Aenderung, in einer Umgestaltung des Menschen ... Alle Zukunftsforscher vergessen, oder wollen nicht anerkennen, dass der Mensch ein von Gott geschaffenes Wesen ist, das aber durch den Sündenfall von seinem Schöpfer getrennt wurde. Daher ist es dem unerlösten Menschen einfach unmöglich, auf Erden erlöste Verhältnisse zu schaffen. Nicht nur der Mensch sei sündig, auch die Natur leide an den Folgen des gefallenen Menschen. "Wir müssen uns im Klaren sein, dass unsere Welt zwar eine wunderbare, aber doch eine gefallene von Gott getrennte Schöpfung ist. Unsere Welt ist gar nicht heil, sondern böse, rücksichtslos und egoistisch... in ihr herrscht der Kampf aller gegen alle. Jedes Tier lebt von der Zerstörung anderen Lebens“. Dieses Gesetz des Kampfes aller gegen alle gelte schon für die Einzeller (Dok.155)

119

- "Umweltverschmutzung lässt sich gar nicht verhindern. Ueberall, wo wir Energie erzeugen oder Energie einsetzen, stören wir den Ablauf des natürlichen Geschehens..."

120

Weil die Natur eine "gefallene" ist, müssen wir uns "schützen gegen Kälte, gegen Hitze, gegen Krankheiten.. Wir erweitern unseren Aktionsradius unter Verwendung von Flugzeugen, Eisenbahnen, Kraftwagen. Wir werden informiert durch Rundfunk, Fernsehen und Telefon. Wir sichern unsere Ernährung durch das Ausmerzen von Ungeziefer, Unkraut und schädlichen Pilzen"..."Unsere Welt erscheint nur 'heil' -und 'schön', wenn wir sie unter Einsatz von Energie menschenfreundlich gestalten, denn das, was wir heute als Lebensstandard bezeichnen, ist in Wirklichkeit nichts anderes, als ein 'Ueberlisten' der Natur.

121

"Wir können unsere Wohnungen heizen und spüren den Winter nicht. Wir brauchen nicht zu hungern und geniessen unseren Urlaub. Aber das alles gilt nur, solange wir die Natur überlisten können und uns eine 'heile' Welt vorgaukeln, die es aber in Wirklichkeit gar nicht gibt".

122

Die Industrienationen brauchen demnach keine Schuldgefühle zu haben wegen der Umweltverschmutzung, der Sündenfall ist daran schuld. Wir brauchen keine Gewissensbisse zu haben, denn ohne "Ueberlistung" der Natur, die nur unter Verwendung von Energie möglich ist, können wir Menschen nicht leben. Aber Gott verzeiht uns die Sünde. "Wir können weder den Sündenfall noch seine Folgen beseitigen. Das sei auch nicht erforderlich, das habe Jesus Christus für uns alle, sowohl für die vergangenen als auch für die künftigen Generationen- am Kreuz von Golgatha getan. Gott sei „gerecht und macht den gerecht, der an Jesus glaubt“. Das müsse doch „weitergesagt werden, hinein in eine Welt. die sich um Gewissheit und um Rechtfertigung müht".

123

Nicht die Umweltverschmutzung ist für Ostermann das Hauptproblem, sondern der mögliche Zusammenbruch der Industriegesellschaft, den er und Seinesgleichen mit allen Mitteln verhindern wollen. Er wehrt sich darum gegen den "Nord-Süd-Dialog". Er kritisiert: "Ueber den sogenannten Nord-Süd-Dialog streben sie eine neue Wirtschaftsordnung an. Sie fordern die Uebertragung von technischem Wissen. Sie möchten, dass wir unsere Märkte für ihre Produkte öffnen.“ Sie seien nach wie vor der Meinung, dass ein höherer Lebensstandard bessere Menschen hervorbringen könne. „Sie wollen einen weltweiten Ausgleich, das heisst, Arbeit und Nahrung für die ganze Welt". Ostermann ist gegen diese Ziele der "Zukunftsforscher", er behauptet, die Leute der dritten Welt wollen dann wie wir, mit Hilfe von Energie, die Natur 'überlisten", also unseren Lebensstandard einführen. Ostermann plädiert für eine weltweite Arbeitsteilung: dem Westen die Industrie wie bisher, den Entwicklungsländern ganz bestimmte Güter: Genussmittel und Lebensmittel wie bisher. Er behauptet es gebe Böden, die sich nur für bestimmte Pflanzungen eignen. Weltweit gesehen gebe es „keinen Weg zurück, das sollten wir ganz klar sehen!"

124

Das ist die Quintessenz von Eduard Ostermanns Ausführungen. Nebenbei bemerkt, ist das auch die Auffassung der "Evangelikalen", die so eifrig die Weltevangelisation betreiben. Es ist auch die Auffassung der Organisatoren der "EXPLO 1985", also von "Campus für Christus? Die Aktion Neues Leben ist ja auch von Campus für Christus organisiert. Im Explo-Prospekt heisst es: "Viele Menschen schreien nach einer grundlegenden Veränderung. Aber ist es noch realistisch, an einen 'Weg zurück' zu glauben?" - Die von Krisen geschüttelte Welt liege sicher in Gottes Hand.

125

Alle Fundamentalisten behaupten, nur Gott könne die Welt noch retten. Das Christentum sei die einzige Alternative, und nur wer Christus annehme, werde überleben. In leicht abgemilderter Form formuliert auch Ostermann diese Auffassung. Die Sicherheit in der Welt liege bei Gott, so dass "jeder, der diese Tatsache im Glauben annimmt, mit Ihm, dem lebendigen Gott, überleben wird", so schreibt er in einem für einfache Leute geschriebenen Traktat.

126

In einem 1975 geschriebenen Buch spricht Ostermann, der Boss der Rüstungsindustrie, eine andere Sprache. Da ist von Rohstoffkriegen die Rede. Fachleute seien der Ansicht, dass die OPEC-Staaten bis zum Jahre 1985 dank ihrem Oelreichtum Investitionen im Ausland tätigen, und mit ihrem Oel Macht ausüben. "Wenn das stimmt, was die Fachleute sagen, dann hätten die Oelstaaten sicherlich nahezu alle Industrien der westlichen Welt übernommen und könnten nach Belieben Schicksal spielen". – „Aber soweit werde es nicht kommen".

127

"Die Industriestaaten… haben die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren; sie verfügen noch immer über die politische Macht. Bevor sie ihre Industrien opfern, diese zugrunde gehen lassen, werden sie die politischen Verhältnisse ändern". Er meint kaltblütig: „Rohstoffkriege hat es schon immer gegeben und sie werden auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein. Die Aeusserungen des amerikanischen Präsidenten und seines Aussenministers in dieser Richtung seien „durchaus ernst zu nehmen". Ostermann überlegt sich, ob sich eine Blitzbesetzung der Oelfelder lohnen könnte. Die vielen Revolutionen in den Oelstaaten gefährden nämlich die Oellieferungen und damit die Energieversorgung der westlichen Welt. "Ob sich da nicht eine Blitzbesetzung der Oelfelder lohnen würde? (Dok. 144). - "Wir kennen die Zukunft nicht, sie ist völlig unberechenbar. Es gibt nur eine bekannte Grösse, das ist die Tatsache, dass es keine friedliche Lösung gibt". "Alles Gerede über eine neue Konsumethik, einen neuen Lebensstil und Verständnis für den Nächsten ist doch Illusion! Freiwillig geht die Masse der Menschheit diesen Weg nicht. Nicht heute und auch nicht morgen".

128

"Die von Krisen geschüttelte Welt" will Ostermann keineswegs in die Hand Gottes legen, wie er an anderen Stellen behauptet. Ostermann, der Weltevangelisator hat mit Seinesgleichen ganz handfeste Ziele. Ist von einem Boss der Rüstungsindustrie anders zu erwarten? Ostermann beschimpft die UNO als "gottlos" und materialistisch: "Für die UN-Konferenz gibt es keinen Gott; in keinem Dokument wird Gott je erwähnt." "Beim Durchlesen dieser Papiere wird uns bewusst, dass es weder christliche noch islamische oder Hindu-Regierungen gibt. Die Deklarationen der UNO werden von allen Regierungen unterschrieben und sind Dokumente eines nackten Materialismus". Auch Teilhard de Chardin wird der Gottlosigkeit angeklagt. Vom "Club of Rom" behauptet Ostermann, er lasse eine neue Religion erarbeiten, eine "neue weltumfassende Religion". Mit diesen Behauptungen gelingt es Ostermann wohl, weite christliche Kreise für sein Vorhaben zu gewinnen, indem er und seine Gefolgsleute sich zu Rettern des Christentums aufplustern.

129

Die Kontakte und Einflussbereiche von Eduard Ostermann

129.1

Die Kontakte und Einflussbereiche von Ostermann gehen aus seinem Traktat: "Ich setze auf das Leben" hervor (Telos 1980). Es sind führende Persönlichkeiten aus Industrie, Politik, Weltbank, Evangelisationswerken und Verlagen. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass Kontakte bei einem so mächtigen Mann mehr bedeuten, als im üblichen Sprachgebrauch: Kontakte bedeuten hier wesentliche Einflussmöglichkeiten. Diese Kontakte stellt er als "nicht zufällig" dar, sondern als "Gottes Wille" und sogar als "Wunder". Dies allerdings erst ab 1980, denn im Buch 1975 verrät seine Sprache noch deutlich den Mann aus der Rüstungsindustrie, für den Religion Mittel zum Zweck ist. Im Traktat 1980 erfahren wir, wenn auch in verschlungener Darstellung- wie er auf das „Praktische“ in Bibelaussagen und des Fundamentalismus aufmerksam geworden ist. – Die Kontakte von Ostermann sind die Folgenden:

130

1. Gemeinschaft Entschiedener Christen

131

Ostermann war von dieser Gemeinschaft 1967 als Fachreferent eingeladen worden. Der EC-Vorstand beschäftigte sich mit Zukunftsangst der Menschen, die mit dem Bericht des "Club of Rom" aufgekommen sei. Der Vorsitzende Werner Stoy habe damals die Auffassung vertreten: "Wir leben uns zutode, wenn wir uns nicht ändern". Es wurde über Umweltverschmutzung und Unsicherheit gesprochen.

132

2. Dr. Gerhard Bergmann

133

Bergmann ist Evangelist der Zeltmission. Ostermann hatte ihn und Wilfried Reuter für eine Evangelisation in seine „Gemeinde“, also Kirchgemeinde eingeladen. Von diesen Evangelisten empfing er erste Impulse inbezug auf ein neues Verständnis von Bibel und Christentum: Jesus habe alle Macht im Himmel und auf Erden.

134

3. Dr. Wilfried Reuter

135

Reuter ist (Direktor der Bibelschule Bergstrasse Seeheim BRD, Ostermann hatte ihn für eine Evangelisation in seiner Kirchgemeinde eingeladen, zusammen mit Evangelist der Zeltmission Dr. Gerhard Bergmann.

136

Reuter ist auch ständiger Mitarbeiter einer neuen Zeitschrift "Factum" die sich "wissenschaftlich fundiert" nennt, die im fundamentalisti­schen Schwengeler-Verlag Schweiz herauskommt.

137

4. Einladung durch die Weltbank

138

"Ich war zu dieser Zeit (1969) im Industrie Cooperative Programme (Icp) der FAO der United Nations tätig, einem Programm, das sich in erster Linie mit den Problemen der Entwicklungsländer befasste. Das ICP erhielt damals eine Einladung der Weltbank, an einem Gespräch mit Präsident Mc NAMARA über Industriealisierungsfragen der Entwicklungsländer teilzunehmen".

139

Ostermann deutete diese Einladung als "Gebetserhörung", nachdem er auf Anraten der Evangelisten "zum ersten Mal in meinem Leben" bewusst gebetet hatte. Dass er das Hotelzimmer bekam, in dem Billy Graham der Grossevangelist einmal übernachtet hatte, fasste er später als "Wille Gottes" auf. So kam er auf Billy Graham.

140

5. Industry Cooperative Programm (ICP)

141

Die IGP ist ein Programm der FAO der Vereinten Nationen (United Nations), wobei Ostermann die Interessen der internationalen Schwerindustrie (sprich Rüstungsindustrie) vertritt. Offenbar ging es beim Treffen mit der Weltbank um die Frage, ob Teile der Schwerindustrie in die Entwicklungsländer verlegt werden könnten.

142

6. Dr. V.H. Umbricht der Ciba-Geigy Basel

143

Dr. Umricht war Leiter der ICP-Delegation, an der Ostermann teilgenommen hatte. Ob Dr. Umbricht und Ostermann schon anlässlich dieser Konferenz über Möglichkeiten betr. Christentum gesprochen haben wird nicht ganz deutlich. Sicher ist, dass Umbricht die Zeitschrift "Decicion" der Billy Graham Evangelistic Association kannte und las, und dass Ostermann in dieser Zeitschrift ein "Zeugnis" seines Glaubens an Christus gab. Dr. Umbricht von der Ciba-Geigy schrieb ihm: "Ich bin einfach gestärkt durch Deinen Glauben".

144

"Zu dieser Zeit konnte ich immer wieder feststellen, dass es viel mehr gläubige Christen gibt als wir normalerweise annehmen".

145

7. Dr. Wurzer, Oesterreich, 1969

146

Wurzer war damals Handelsdelegierter in Indonesien. "Ich erzählte ihm von meinen Erfahrungen als bewusster Christ". Früher sei er "Evolutionist gewesen, nun fasse er die Bibel auf als "Gottes Botschaft an uns"; z.B. Adam und Eva. Sie waren 'einfache und primitive Menschen, beim Früchtesammeln wurde auch eine Frucht mitgenommen, die nicht für den menschlichen Genuss bestimmt war. Sicherlich ein Fehler, aber ein sehr menschlicher Fehler- Und wie reagierte Gott? Er verfluchte alle Lebewesen und setzte den Tod als Strafe ein. Eine grausamere Strafe hätte es gar nicht geben können“.

147

Der führende Manager der weltweiten Rüstungsindustrie hatte damit die biblische Rechtfertigung für Krieg und Tod gefunden. Die Bibel als "Fundament" gegen die "Humanisten" und ihre Evolutionstheorie. Noch mehr: Gott straft mit dem Tod auch bei geringen Fehlern.

148

Diese Auffassung ist bereits in die "Aktion Neues Leben" hineingeflossen, sagte die Referentin eines Frauenfrühstückstreffenentsprechend, es gebe nicht leichte und schwere Sünden, es gebe nur Sünden.

149

8. Carl Kniffin, Amerika, Baptist, 1969

150

Kniffin unterrichtete damals an einer amerikanischen Schule in Tokio. Zu einem baptistischen Gottesdienst waren 15 Männer aus verschiedenen Ländern zusammengekommen. Vermutlich waren sie zu einer Konfe­renz zusammengekommen. Es waren alles Männer, die "zu Jesus gefunden" hatten. Sie erzählten sich gegenseitig, wie es dazu gekommen war. Es waren auch Männer aus Kabul, Indonesien und Vietnam dabei und Ostermann musste zum ersten Mal öffentlich bekennen, dass Jesus die Basis seines Lebens sei, also "Zeugnis" geben.

151

Diese Begebenheit brachte ihm ein "Ahaerlebnis". Er nannte es seine "Nachhilfestunde", die ihm Gott gegeben habe. "Ja wirklich, das war meine Stunde", doppelt er nach.  Was hat er wohl bei Kniffin gelernt? Kniffin sagte ihm, es komme nur auf unseren Glauben an, ausschliesslich auf unseren Glauben. Ostermann hatte zweifellos das Praktische an der Rechtfertigungslehre entdeckt, die von Rolf Scheffbuch später in einem Buch herausgearbeitet und im Hänssler Verlag veröffentlicht wurde... - Möglicherweise ist dem Ostermann auch die Bedeutung des Zeugnisgebens aufgegangen, was es bewirken kann, wenn Menschen immer wieder dazu gezwungen werden, vor dem Prediger ihr "Zeugnis für Christus" neu zu leisten.

152

9. Charles W.Colson, USA, 1977

153

Charles Colson war während über vier Jahren Berater und Vertrauter von Richard Nixon gewesen, offenbar bis zur Watergate-Affäre, denn Colson hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: Watergate, wie es noch keiner sah: Es wird vom Schwengeler-Verlag vertrieben.

154

Ostermann erzählt, wie Colson "zu Christus gekommen" sei: Tom PHILLIPS erzählte, wie er seine "Entscheidung für Christus getroffen" habe. "Fasziniert hörte Charles Colson ihm zu." Er sei einer „der trickreichsten und schlagfertigsten Juristen der Ostküste" gewesen, dem man einfach jeden Streitfall übertragen konnte.

155

Es ist auffallend, dass bei Ostermann nie von Bekehrung die Rede ist, sondern die Leute kommen zu Christus, oder entscheiden sich für Christus.

156

Bedeutsam ist, wie der Schwengeler-Verlag Colsons Buch vorstellt: "Der 'Henker des Weissen Hauses' - Hauptfigur im Watergate-Skandal- schildert in seinem Buch mit schonungsloser Ehrlichkeit seine ehemalige Politik und verwegenen Taten. Nach dem Motto friss oder stirb' focht er zwanzig Jahre einen weltbewegenden Kampf aus, der in einer Sackgasse endete. Doch er fand Gott, der ihm auch in den schweren Gefängnisjahren beistand". Heute betätigt sich Colson als "Gefängnisseelsorger". - An dieser Stelle steht die Vermutung im Raum, der trickreiche Colson, habe zusammen mit Ostermann und anderen, nochmals einen verwegenen Plan ausgeheckt. Was hatte ihn wohl an den Worten von Phillips derart fasziniert? Ob er wohl noch mehr trickreiche Männer aus den Gefängnissen rekrutiert für die Einführung von Ostermanns Version einer neuen Weltwirtschaftsordnung und seiner Doppelstrategie?

157

10. Tom Phillips, Boston, Neuengland (Datum fehlt) ist Präsident der Raytheon Company, den grössten Arbeitgebers Neuenglands. Er war mit Colson befreundet, ist "Christ".

158

11. Bradford Morse: Morse sei heute (1979) oberster Chef des UNDP (United 'Nations Development Programme), er ist ein alter Freund von Charles Colson.- Ostermann erzählt, er habe ihn innerhalb seiner Tätigkeit beim Industry Council for Development (ICD), dem Beratungsdienst der UN-Spitze kennen gelernt, bei dem Ostermann "die Funktion eines Koordinators der Schwerindustrie inne hat. Sie sprachen über Charles Colson und seine Tätigkeit beim PRISON-FELLOWSHIP, sowie darüber, wie sie zu Christus gekommen waren. 1977 war Morse noch Stellvertreter von Kurt Waldheim gewesen, der damals Generalsekretär der Vereinten Nationen war.

159

12. Alan MAIER, Grossbritannien ist Mitarbeiter der Firma Imperial Chemical Industries Ltd, Grossbritannien. Maier ist auch mit Bradford Morse bekannt, beide bekennen sich zu Christus. Sie waren im Zentral Park von Ney York eines Buches wegen ins Gespräch gekommen, das Buch wird aber nicht genannt. Dafür erzählt Ostermann die Geschichte von Petrus, der seine Netze zuerst vergeblich auswarf, dann aber auf die Aufforderung Jesus an einer anderen Stelle volle Netze herauszog. Und dies geschah ihm, obgleich er ein sündiger Mensch war. Ja, es geschah noch mehr: "Jesus blickte voller Liebe auf Petrus und sagte: 'Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschen fangen'. - "Menschen fangen“, das ist es also, was Ostermann und all die Industriebosse, die sukzessiv "zu Christus " kamen sich aus der Bibel unter anderem herausgefischt haben. Menschen fangen! Dieses Bibelwort bekommt seine eigene zynische Note angesichts des Hintergrundes von Ostermann, der unter allen Umständen die Industrien der westlichen Länder retten will und allenfalls eine Blitzbesetzung der Oelfelder ins Auge fasst. Für den die eine einzige "bekannte Grösse" existiert, nämlich "die Tatsache, dass es keine friedliche Lösung gibt".

160

13. Der Würtembergische Brüderbund 1977: Im Jahre 1977 lernte Ostermann Charles Colson an einem Treffen im Würtembergischen Brüderbund kennen. Die "Brüder, das sind sog. evangelikale Christen. Anwesend waren auch Bradford Morse, Alan Maier und Friedrich Hänssler vom Hänssler-Verlag. Es ist nicht der einzige Ort, wo Ostermann sich mit Evangelikalen trifft und über das neue Christsein spricht, das gewissermassen als Neufundamentalismus bezeichnet werden könnte.

161

14. Friedrich Hänssler, vom Hänssler Verlag, BRD. 1979 hatte bei Friedrich Hänssler, zusammen mit Charles Colson und Ostermann ein intensives Gespräch stattgefunden. Es wird nicht gesagt, wer noch dabei war. Sicher ist, dass in den letzten Jahren aus dem Hänssler-Verlang eine Flut von neuen Büchern erschienen sind, die alle im Stile von Ostermann sprechen: Wilder Smith, Rolf Scheffbuch, G. Bergmann, Ch. Colson, und viele andere, die auch in der Telos Buchreihe vom Schwengeler-Verlag vertrieben werden. (siehe auch die Aussagen von Dorothea Sölle)

162

15. Ludwig-Hofacker-Vereinigung: Diese Vereinigung veranstaltet jährlich "Glaubenskonferenzen", die "besonders suchende, abseits stehende Menschen ansprechen. Ostermann wird als Referent eingeladen. 1979 fanden z.B. gleichzeitig solche Konferenzen statt in Bad Liebenzell, Bernhausen, Heilbronn, Ravensburg, Reutlingen und Schwäbisch Gmünd. Alle Veranstaltungen hatten das gleiche Thema: Zum lebendigen Gott bekehren. - Die Ludwig-Hofackervereinigung organisiert die Massenveranstaltung: Gemeindetag unter dem Wort Schweiz sowie die Frauenfrühstückstreffen.

163

16. Bibelschule Klostermühle, Obernhof BRD (Kurzbibelschule)

164

Die Bibelschule wird von den Fakelträgern geleitet. Die Fakelträger führen Bibelschulen auch in der Schweiz und Oesterreich; sie wurden von einem Major gegründet, von Major W.Jan Thomas. Ostermann ist in der Bibelschule Klostermühle als Dozent engagiert.

165

17. Bibelschule Janz-Team Lörrach, BRD

166

Das Janz-Team führt auch in der Schweiz eine Bibelschule (Kurzbibelschule). Ostermann ist an der Kurzbibelschule Janz-Team in Lörrach Dozent. Das Janz-Team führt Bibelschulen in 15 Ländern.

167

18. Campus für Christus ist eine weltweite Missionsgesellschaft unter Studenten. Campus für Christus Schweiz organisiert die "Aktion Neues Leben" Schweiz. Leiter von Campus für Christus ist der Nationalökonom Hanspeter Nüesch, der auch die "Aktion Neues Leben" organisiert.

168

Campus betreibt zudem Beratung und Mission unter Sportlern, eine Abteilung verbindet "Beruf und Mission im Ausland" und sie organisiert schlussendlich einen riesigen "christlichen" Klamauk auf dem MUBA-Gelände, der sich "Explo 85" nennt. - An der „Explo“, die eine Woche dauern wird- werden über fünf Satelliten 92 christliche Konferenzorte miteinander verbunden, die in allen fünf Erdteilen stattfinden. Es handelt sich also um eine Evangelisations-Organisation unvorstellbaren Ausmasses. - Campus für Christus wird im Büchlein von Ostermann nicht nur erwähnt und gelobt, er wird von Campus auch eingeladen, an einem Frauenfrühstückstreffen über sein Thema zu sprechen: "Zukunft ohne Hoffnung".

169

In Zusammenhang mit Campus für Christus erwähnt Ostermann, er werde häufig gefragt, wie ein Manager überhaupt Christ sein könne. Für ihn ist das kein Problem: "Ich sehe hier kein Problem, denn als gläubiger Christ … gibt man zu, dass man ein Sünder ist und bleibt, solange man lebt… Der Christ geht mit seinen Sünden zu Jesus, oft viele Male am Tag, sie werden alle, wenn wir sie zu Ihm tragen, vergeben, und zwar so vergeben, als ob wir sie nie begangen hätten". - So einfach ist das für den Boss der Rüstungsindustrie.

170

Für andere, gewöhnliche Leute sieht er es allerdings etwas anders: Die gewöhnlichen Leute müssen "Frucht" bringen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Sie müssen "Liebe ausstrahlen, auch wo sie nicht geliebt werden“, etc. Diese Botschaft wird an den Frauenfrühstückstreffen, also an die Frauen delegiert. Eine Kassette -aufgenommen während der "Aktion neues Leben" Thurgau kann dies belegen. Es kann kein Zweifel bestehen, dass Ostermann am Konzept der Aktion Neues Leben wesentlich beteiligt ist. Das gleiche Konzept wird übrigens auch in England und Oesterreich verwendet. In England arbeiten Luis Palau, welcher von den Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation eingeladen worden ist, (die wesentlich die Aktion Neues Leben mit Campus für Christus trägt) brüderlich mit Billy Graham zusammen, welcher von Ostermann organisiert und betreut wird.

171

19. Deutscher Christlicher Technikerbund: Ostermann hat angeregt, dass in Unternehmen, Betrieben und  Organisationen „Gebetskreise“ gegründet werden, die für Manager, Vorgesetzte und andere beten. Sie sollen beim Beten ausdrücklich beim Namen genannt werden, denn jeder, der Gebetserhörungen erlebt habe, kenne die Kraft, ja die Macht der Gebete. Nun gibt der Deutsche Christliche Technikerbund für Gebetskreise in Betrieben eine Broschüre heraus.

172

"Die Macht der Gebete", und was damit gemeint ist bei Machtmenschen aus Industriekreisen, zeigt eine andere Tatsache. Bereits gibt es im Wirtschaftsmanagement sog. Management-Trainer, welche die nachweislich vorhandenen telepathischen Fähigkeiten von Menschen in ihr Aktionsprogramm aufnehmen: "Gedanken als feinstoffliche Schwingungen in der Tele-Kommunikation; Erfolg als Naturgesetz", so lautet der Text für ein solches Seminar. Auch Autosuggestion und Fremdsuggestion haben im Management Eingang gefunden, sodass die Vermutung nicht zu weit hergeholt ist, dass das "Gebet" in dieser Richtung missbraucht werden könnte, rät doch Ostermann, die Ange­stellten für die Vorgesetzten beten zu lassen.

173

An dieser Stelle muss die Tatsache erwähnt werden, dass in Lateinamerika in manchen Grossunternehmen bereits eine Art Zwangs-Evangelisation durchgeführt wurden. Der bereits erwähnte Willi Buchwald ein evangelikaler Evangelisator von NEUES LEBEN Altenkirchen wurde zu einer Evangelisation in einer Firma in Sao Paulos Elendsviertel verpflichtet. Dass die Arbeiter nicht freiwillig dabei waren, zeigt die Tatsache, dass sie während der Arbeitszeit, also bezahlt stattfanden.

174

20. Deutsche Zeltmission, Siegen

175

21. Geistliches Rüstzentrum Krelingen BRD

176

23. Liebenzeller-Mission, Bad Liebenzell BRD

177

24. Mutterhaus der Diakonissen, Gunzenhausen BRD

178

Ferner weist Ostermann auf die Autoren und Schriften hin, "die mich persönlich beeindruckt haben", deren Gedankengut er also teilt. Es sind unter anderen: Dr. Gerhard Bergmann, Billy Graham, Major W. Jan vom Janz-Team, Bill Bright, (Die letzte Revolution, sein Buch). Zudem vertritt er das fundamentalistische Gedankengut von Wilder Smith, von dem eine Reihe Bücher erschienen sind. Diese eindrückliche Liste von Ostermanns Kontakten und Einfluss-Sphären zeigt unseres Erachtens, dass den Theorien und Vorstellungen die er vertritt, besondere Beachtung geschenkt werden muss. Zweifellos kommt dem obersten Chef der Rüstungsindustrie eine Schlüssel­Stellung in Sachen Weltevangelisation zu. Interessant sind nicht nur die von Ostermann erwähnten Kontakte. Ebenso interessant ist, dass eine Reihe Namen, die für Ostermann von Bedeutung sind, auch für "Campus für Christus" an vorderster Stelle stehen. Im Prospekt für die "EXPLO 85", welche von Campus für Christus organisiert wird, finden wir die Namen Billy Graham, Bill Bright, also die Gross-Evangelisatoren, sowie den Theoretiker der Neufundamentalisten, Wilder Smith, an vorderster Stelle. - Zweifellos ist Wilder Smith einer der Chefideologen inbezug auf die Theorie des Fundamentalismus, der die Evolutionslehre bekämpft. Das beigefügte Organigramm (von Urs Schütter, Schweiz, zusammengestellt) soll die Uebersicht über Eduar Ostermanns Kontakte erleichtern.

179

Die Evangelisations-Unternehmen in der Schweiz und BRD

180

Die vielen Evangelisationsunternehmen sind nicht nur in der Schweiz aktiv, sondern in der ganzen Welt. Deutschlands Fundamentalisten und Neufundamentalisten schicken ihre Evangelisatoren in alle Welt, 1'500 sind es an der Zahl, die viel kleinere Schweiz finanziert ebenso viele.

181

Wer das Buch von 0swald Eggenberger: Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen studiert, dem fällt auf, dass einerseits innerhalb der letzten 10 Jahre neue Organisationen entstanden sind, und dass anderseits viele der bestehenden kleinen Freikirchen und Sondergruppen sich zu gemeinsamen Aktivitäten zusammengeschlossen haben. Es macht auch den Eindruck, dass mancherorts viele Gelder fliessen, es wird gebaut, erweitert und investiert. Alle leben von „Spenden", aber wer die Spender sind, ist nicht zu erfahren. Es dürfte interessant sein, welche Organisationen, Freikirchendgut Evangelisten im Ausland unterhalten, und was für Zusammenschlüsse stattgefunden haben.

182

1. Jugend mit einer Mission, Lausanne, gegründet 1969, Erweiterung 1972 im Schloss Hurlach BRD, ein Zentrum mit 5-monatiger Jüngerschule und 8-monatiger Evangelisationsschule. Dort sind heute 70 vollzeitliche Mitarbeiter tätig "in verbindlicher Lebensgemeinschaft. Heute ist das Werk weltweit bereits in über 100 Ländern tätig. Die oberste Leitung liegt in den Händen eines Mannes aus dem englischen Adel: Lord Cunningham (laut 0swald Eggenberger figuriert Cunningham im Schloss Hurlachals Lord, in seiner Autobiografie aber lediglich als Loren Cunningham). Zeitschrift: "Gebetsbrief "und "Rundbrief" Jugend mit einer Mission steht in Verbindung mit verschiedenen evangelistischen Werken und charismatischen Zentren.

183

"Jugend mit einer Mission" Schweiz sympathisiert mit dem faschistischen Evangelist Rios Montt. (D'D

184

2. Glaubenszentrum Wolfenbüttel, gegründet 1974

185

Es handelt sich um ein überkonfessionelles Ausbildungs- und Konferenzzentrum für Jüngerschaft, Bibelkunde und Evangeli­sation mit einer Bibelschule. Leitung Bob Humburg. Zeitschrift: „Rundbrief“.

186

3. "Christus Zentrum Ruhrgebiet", gegründet 1981

187

Es handelt sich um ein interkonfessionelles Zentrum für Kommunikation, Evangelisation und Gemeindeaufbau. Das Zentrum stellt sich zur Aufgabe "bestehenden freikirchlichen und landeskirchlichen Gemeinden missionarische Hilfe" zu leisten. Zusammenarbeit besteht mit der evangelischen und katholischen 11Gemeindeerneuerung11, zur europäischen und deutschen "Evangelischen Allianz" und zu den "Charismatikern". (Pastor Hajo Klösel.

188

4. "Stimme der Erneuerung", gegründet 1974: Leiter Georg Jesze möchte überkonfessionell mithelfen, die er in alle Gruppen und Kirchen hineinzubringen.

189

Zeitschrift: "Der Rundbrief", Stimme der Erneuerung International

190

5. Internationale Missionsgemeinschaft" (IMG), gegründet 1967

191

Sie ist von Edwin Farner und Ernst Käser gegründet worden. Sie "bietet fundamentalistischen, wie der Pfingstbewegung zugehörenden Missionaren ohne eigene Heimatgemeinde einen Rückhalt und eine Umschlagstelle für deren Mitteilungen an ihren Freundeskreis. Ca. 10 Missionare) Zeitschrift: IMG-Nachrichten Zürich.

192

6."Stimme des Glaubens" seit 1968. Vorsitzender Ernst Käser, Zürich. Enge Verbindung besteht mit den „Gemeinschaften Entschiedener Christen", vor allem in den Kantonen Bern, Basel, sowie im Elsass (Gemeinde "Die offene Tür"), Radiosendungen "Stimme des Glaubens" über Radio Luxemburg, Zeitschrift: Stimme des Glaubens in 50‘000 Expl.

193

7. "Schweizerische Missionsgemeinden seit zirka 1975

194

Die  "Schweizerische Missionsgemeinden“, seit ca. 1975 unter der Leitung von A.G. Xandry, Zürich. Xandry zählt sie sich zu den Charismatikern. Sein Ziel ist eine moralische Erneuerung der Schweiz. Kontakte bestehen zu landeskirchlichen Kreisen. Er gründete die Aktion: „Beter für die Schweiz". Er ist Vorstandsmitglied der "Vereinigung besorgter Eltern". Xandry ist eine zwielichtige Figur. Er schrieb z.B. der Leitung des neonazistischen Magazin "Mut": "Gottes Segen für Ihre Arbeit". Er wurde, im Zusammenhang mit seinen Polemiken gegen den Urdorfer Sexualkundeunterricht in der Schule; wegen übler Nachrede vom Zürcher Obergericht zu einer Geldbusse verurteilt. Xandry Zürich gibt die Zeitschrift "Vision 1911 heraus. (Informationen über Xandry in „Die unheimlichen Patrioten).

195

8. "Newlife", Bibelschule Walzenhausen, gegründet 1973

196

Newlife zeichnet sich durch eine eher extravertierte Frömmigkeit aus, und ist "von einem starken Verkündigung- und Weltverbesserungswillen geprägt", mit "offensivem, kämpferischen Einsatz". Es gibt Kurzbibelkurse von drei, acht und zwölf Monaten, sowie eine dreijährige Ausbildung. Zum Praktikum gehören evan­gelistische Einsätze. Ziel ist Evangelisation, Gemeindeaufbau und Weltevangelisation. Sie macht auch Teestuben-Evangelisation. Newlife ist betont fundamentalistisch, die ganze Bibel ist un­fehlbar. Der Mensch ist völlig verderbt und verloren ohne Jesus. Newlife arbeitet mit Chrischona, Freie Missionsgemeinden, "Freie Evangelische Gemeinden" zusammen und mit vereinzelten landeskirchlichen Gemeinden.

Newlife gab für evangelische Werbeprogramme wöchentlich bis zu Fr. 15'000 an „Radio 24“ aus.

197

9. Die Weltweite Evangelische Allianz (WEF), gegründet 1951

198

Die Evangelische Allianz war ursprünglich ein loser Bund zwischen Einzelpersonen aus 52 Volkskirchen und Freikirchen der westlichen Welt. Die Evangelische Allianz gab Anstose zur Gründung des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM), des Jugendbundes ' für Entschiedenes Christentum und zum Christlichen Studenten-Weltbund in Europa und Amerika. Im Jahre 1968 erfolgte der Anschluss der meisten europäischen Verbände an die 1951 gegründete World Evangelical Fellowship (WEF), zu Deutsch: Weltweite Evangelische Allianz.

199

Zeitschriften: idea (Informationsdienst der Evangelischen Allianz), Allianzbrief und Rundbrief BRD

200

Präsident Schweiz, Pfr.Jeen Zimmermann, Schaffhausen (VBG)

201

Wer mehr über die Dutzenden Evangelisations-Werke erfahren möchte, dem sei Pfr. Oswald Eggenbergers Buch empfohlen "Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen".

202

10. Die Vereinigten Bibelgruppen (VBG) – gegründet 1949. Vogelsangstr. 18a, 8033.  Zürich Vereinigte Bibelgruppen in Schule, Universität, Beruf.

203

"Wir meinen, ... dass Glaube und Wissenschaft sich ... entscheidend ergänzen können. Zum Vorteil unserer Gesellschaft ... in enger Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden... arbeiten engagierte Christen als Mittelschüler, Studenten oder Berufstätige mit ... Rund 15 Mitarbeiter sind voll- oder teilzeit­lich in den drei Arbeitsbereichen Schule, Universität und Beruf tätig.

204

Das Jahresbudget „wird hauptsächlich durch Gaben von Freunden gedeckt."

205

Publikationsorgan: "Bausteine", zu beziehen beim VGB-Büro Zürich

206

Statistik: seit 1980 sind gegen 100 Gruppen an fast allen deutsch­schweizerischen Mittel- und Hochschulen. Eine neue Generation von voll- und teilzeitlichen Mitarbeitern baut die Arbeit aus.

207

Die Bibelgruppen werden von Schülern geführt. Jede BG hat daher ihr eigenes Gepräge. Stets aber ist ein Kern von aktiven Christen erforderlich, der sich verbindlich dafür einsetzt, dass die „Gute Nachricht von Jesus Christus“ hörbar wird. „Es gibt nur ein Evangelium, ... Aber es gibt verschiedene Arten der Mitteilung. Jesus selber sprach mit dem gebildeten Nikodemus anders als mit der einfachen Frau am Jakobsbrunnen ... Dazu gebe es atemberaubende Ueberlegungen: Hätte die Weltgeschichte nicht da und dort einen anderen Verlauf genommen, wenn...“ - Auch die Berufstätigenarbeit sei „kein Gemeindeersatz. Wir erachten die 'Mitarbeit in einer Landes- oder Freikirche als notwendig ... wollen wir uns vermehrt in die Meinungsbildung unserer Gesellschaft einschalten.

Bis jetzt haben sich folgende Berufskreise formiert:

208

1. Ingenieure ETH/HTL (Tagungen: Entwicklung und Einsatz von moderner Technologie...

209

2. Agronomie-Ingenieure

210

3. Volksschullehrer/innen und Kindergärtnerinnen (Ueber 1000)

211

4. Mittelschullehre (Fachspezifische Arbeitsgruppen sind geplant)

212

Ein Kreis für Gewerbeschullehrer ist im Entstehen begriffen

213

5. Psychologen, Psychiater Therapeuten

214

6. Arbeitsgemeinschaft evangelischer Aerzte der Schweiz

215

Die Arbeit unter Akademikern hat eine eigene Struktur. Die Verantwortlichen laden punktuell zu regionalen oder deutschschweizerischen Tagungen und Kursen ein. Nach der Ausbildung gilt es, sich als Christ ... zu bewähren. An Arbeitsnachmittagen, Tagungen, Wochenenden, in Ferien- oder Kurswochen werden diese Ziele angestrebt.

216

EXPLO 1985 - Konferenz für missionarisches Christsein (Dok. 21-32)

217

Vom 27. Dez. 1985 bis 1.Januar 1986 findet in der MUBA­-Halle Basel eine Mammutveranstaltung der Evangelisationsunternehmen statt. Die Gesamtorganisation obliegt "Campus für Christus" Schweiz, Hanspeter Nüesch (der auch die "Aktion neues Leben" Schweiz organisiert).

218

Die Explo 85 ist eine weltweite Schulungskonferenz, die zur gleichen Zeit an 92 anderen Orten in Afrika, Asien, Amerika, Australien und Europa stattfindet. Die einzelnen Konferenz-Orte sind mittels Satellitenübertragung miteinander verbunden".

219

Die Konferenz ist "für jeden Christen, für Schüler, Lehrlinge und Studenten, für Berufstätige, für Hausfrauen, für Geschäftsleute, für Gemeindeverantwortliche.

220

Wer organisiert und unterstützt die EXPLO?

221

Folgende Persönlichkeiten unterstützen Explo 85 und stehen Campus für Christus beratend zur Seite".

222

- Methodistische Kirche, Bischof Dr. Franz Schäfer, Basel

223

- Chrischonagemeinde, Edgar Schmid, Direktor der St. Chrischona

224

- Bibelschule Walzenhausen, Newlife, Heinz Strupler, Leiter Newlife

225

- Christlicher Verein junger Männer CVJM, Bundessekretär MartinVogler

226

- Blaukreuzverein, Heiner Studer, Grossrat, Zentralsekretär Blaukreuz

227

- Diakonieverband Ländli, Aegeri, Karl Albietz, Vorsteher und Präsident von "Christustag 8411.

228

- Vereinigung Christlicher Geschäftsleute, Dr. Adolf Guggenbühl, Präsident

229

- Evangelische Allianz, Markus Voegelin, Basel, Präsident

230

- Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation, Präsident Werner Wagen. Die Arbeitsgemeinschaft umfasst: - Freie Missionsgemeinde - Best Hope Nieschberg, (siehe Parkhotel Gunten mit EDU-Groserat Scherrer, Leiter der ARMA)

231

- Schweizerische Pfingstmission, Jakob Zopfi, Vorsteher

232

TEMA-Mission 76/80/83/87/, Eric Gay, Generalsekretär Dr. Hans Oester, Nationalrat EVP

233

Otto Zwygart, Nationalrat EVP (Hofer-Club/Präs. Helfen statt Töten

234

Prof. Dr. Werner Kägi Zürich,(er vertritt die "Christozentrik der Nationalen Front")

235

Prof. Dr. Heinrich Schmid, Prof. für Dogmatik Bern

236

Werner Sidler, Leiter "Gemeindewachstum Schweiz, Divisionär Emanuel Stettler, Schweiz. Armeeseelsorge

237

Traugott Wahlen, Alt Bundesrat SVP

238

Hans Bürgi, Leiter von „Mut zur Gemeinde" (Robert Rahm ist auch dabei)

239

Dr. Alfred Bölle, Leiter des Aeltestenrates der kath. charismatischen Gemeindeerneuerung

240

Pfr. Hans Ph. Geyl, Präsident des landeskirchlichen Gebetsbundes

241

Dr. Hans Peter Jaeger, Vorstandsmitglied der SES

242

Pfr. Fritz Johner, Zentralsekretär des-Schweiz. Prot. Volksbundes

243

Johanna Nüesch, ehem. Grossratspräsidentin des Kantons St.Gallen

244

Pfr. Jean-Pierre Jornod, Vorstandspräsident der Schweiz. Ev.Kirchen

245

Alfred Kunz, Synodalrat, Präs. der evang. Gesellschaft des Kt. Bern

246

Dekan Pfr. Ewald Walter, Präs. der ev. Gesellschaft des Kt. Zürich

247

Pfr. Robert Müller, Präs. der evang. kirchl. Vereinigung Schweiz

248

Was will EXPLO 1985?

249

Aus einem der beiden Werbeprospekte entnehmen wir folgende Zitate: Es werden sich über eine halbe Million Christen versammeln, um sich gemeinsam für die Aufgabe der Evangelisation und Jüngerschaft zurüsten zu lassen. Internationale Gemeinschaft wird dadurch möglich".

250

"Damit die Welt anders wird. Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern" ...  Nur ein missionarischer Lebensstil... weil wir Christen wissen, dass Gott durch gewöhnliche Menschen Unmögliches möglich macht, wenn sie ihm zur Verfügung stehen." - "Die Seminare, Gruppentreffen und Plenarveranstaltungen werden zum grossen Teil von erfahrenen christlichen Persönlichkeiten aus der Schweiz gestaltet werden. Wir sind überzeugt, dass EXPLO 85 den grossen Aufwand wert ist". Es werden zudem bekannte Evangelisten zu hören sein, z.B. Dr. Billy Kim, Billy Graham, Bill Bright und andere. Wir brauchen "eine neue Glaubenssicht", was Gott durch uns Christen tun kann. Ueber 30 Wahlseminare ermöglichen es Hausfrauen, Geschäftsleuten, Jugendlichen und Gemeindeverantwortlichen Entscheidendes für ein missionarisches Christsein in Familie, Gemeinde und Welt zu lernen"".

251

Wie ist es mit den Kosten?

252

Dank einer "privaten Stiftung", deren Herkunft weiter nicht erör­tert wird, sei es möglich, die Teilnehmer mit diesen Kosten nicht zu belasten. Wie bereits erwähnt, hat Campus für Christus zwei verschiedene Prospekte für die EXPLO 85 herausgegeben. Der sog. Hauptprospekt liegt in einigen Buchhandlungen auf und scheint sich an andere Kreise zu richten. Den weniger umfangreichen Prospekt entdeckten wir in der Zeitschrift „Neues Leben“ (Zeitschrift der evangelikalen Pietisten). Dabei fällt auf, dass sich die Prospekte nicht nur durch unterschiedlichen Umfang, sondern teilweise auch durch unterschiedliche Inhalte auszeichnen. Zum Beispiel kommt der verwirrend formulierte Satz, wonach es „kein Weg zurück“ gibt, (in welchem Ostermanns Theorie aufklingt) im Hauptprospekt nicht vor.

253

Zur Erinnerung: Ostermann schrieb: "Viele Menschen schreien nach einer Revolution, nach einer grund­legenden Veränderung. Aber ist es noch realistisch, an einen "Weg zurück“ zu glauben? (siehe unsere Ausführungen über Ostermann).

254

Im Hauptprospekt für die Schweiz ist zu erfahren, was der Name EXPLO aussagen will: „Wir erwarten ... eine explo-sionsartige Zunahme der missionar­ischen Gemeindearbeit. Zudem ist zu erfahren, welche Gruppen und Personen in der Schweiz für die Weltevangelisation wichtige Posi­tionen einnehmen: Einer der Gebrüder Rahm (Robert Rahm) darf als Redner der ersten Abendveranstaltung auftreten. Sein Bruder Emil Rahm ist ein vehementer Gegner der Ökumene, (beachte über die Gebrüder Rahm im Buch "Die unheimlichen Patrioten" von Jürg Frischknecht, Ueli  Haldimann u.a., 1984)

255

Emil Rahm hatte in seiner "Memopress" das Pamphlet: "Der Weltkirchenrat und sein Blutgeldl" des berüchtigten Neo-Nazi Jürg Meister unters Volk gebracht. Jürg Meister agierte an Podiumsgesprächen gegen den Weltkirchenrat, assistiert vom Nazi-Ehepaar Peisl und "vom famosen" Pfarrer Gerd Zikeli, welcher wegen Naziumtrieben vor einiger Zeit als Pfarrer in St. Gallen abgesetzt worden war. Die Gebrüder Rahm sind Mitglied und Geldgeber der Chrischona-Kirche. In diesem Zusammenhang erinnern wir daran, dass Jürg Meister, dessen Schrift von Emil Rahm unters Volk gebracht wurde in den Nachkriegsjahren bei reichen Schweizern Geld für eine Art Söldnertruppe gesucht hatte. Eigenartig mutet an, dass in der Nähe der Chrischona Bibelschule Sternenberg (Gebr. Rahm), in diesem Jahr das Armee-Hauptquartier einer Art Privatarmee (Conföderation) aufgeschlagen wurde. Die Conföderation studiert historische Militärtaktiken und stellt authentische Schlachten aus den Sezessionskriegen dar. Im Juni 1985 hatte diese Conföderation die Erlaubnis erhalten, auf dem Nato-Truppenübungsplatz eine solche realistische Schlacht abzuhalten (St. Galler Tagblatt 18.04.1985).

256

Emil Rahm vertreibt auch das sog. Politische Lexikon C.O.D.E. (Conföderation Organisch Denkender Europäer)."Inhaltlich formu­liert es wohl die gigantischste Weltverschwörungs-Ideologie. Sein Hauptzweck ist jedoch nicht ganz klar: Handelt es sich um den Versuch, eine neue politische Rechtsorganisation aufzubauen? (siehe „Die unheimlichen Patrioten" von Jürg Frischknecht, Ueli Haldimann  u.a. (Limmat-Verlag, 1984).

257

Den zweiten Abend an der Explo dürfen die Evangelisten "Jugend mit einer Mission" gestalten. Wir haben diese Gruppe als An­hänger und Bewunderer des faschistischen Evangelisators Rios Montts bereits erwähnt.

258

Der dritte Abend wird vom "Redner", Dr. Hanspeter Nüesch, Leiter von „Campus für Christus" geprägt. Wir erinnern: Hanspeter Nüesch ist auch der Organisator von der "Aktion Neues Leben" Schweiz.

259

Wir wollen nun zusätzlich ein paar der Referenten, Gruppen­leiter der Explo erwähnen, die zeigen, welche Leute das ideologische Sagen haben.

260

Prof. Dr. A. E. Wilder-Smith: Wilder-Smith ist einer der markantesten Vertreter einer neuen Lehre, die als Neufundamentalismus gegenüber den bisherigen Fundamentalismus abgegrenzt werden müsste. Der Neufundamentalismus richtet sich in erster Linie gegen die Evolutionslehre.

261

Dr. Samuel Pfeifer (noch in Ausbildung als Psychiater in Wil). Pfeifer ist Mitarbeiter bei "Factum" im Schwengeler Verlag, und Referent bei den Frauenfrühstücks-Treffen.

262

Heinz Strupler, Leiter der Bibelschule Walzenhausen, Newlife. Er ist Leser von Ostermanns Heft: ENTSCHEIDUNG

263

Otto Zwyart, Nationalrat - im Zentralvorstand vom "Hofer-Club". (siehe in „Die unheimlichen Patrioten" Vreni und Dieter Theobald, Leiter der Chrischona Bibelschule Sternenberg (siehe unter Gebrüder Rahm, Hallau)

264

Divisionär Emanuel Stettler spricht über: Als Christ im Militär

265

Brigadier Rolf Sigerist redet ebenfalls  über: Als Christ im Militär

266

Dr. Adolf Guggenbühl, Präsident der Int. Vereinigung christl. Geschäftsleute spricht über: "Die Bedeutung christlicher Führungskräfte".

267

Fancine Michel und Beat Weber von: „Vereinigte Bibelgruppen“, sprechen über "Mission unter speziellen Zielgruppen".

268

Zu den Vereinigten Bibelgruppen

269

Leiter der Vereinigten Bibelgruppen Zürich ist Walter Gasser, der seinerzeit bei der Gründung der rechtslastigen PRO VERITATE dabei war. Bei PRO VERITATE ist auch der Opus-Dei-Priester Ruedi Freitag.

270

Hans Bürgi, Leiter 'Mut zur Gemeinde" spricht über missionarischer Gemeindeaufbau. Mitglieder: Robert Rahm, Dr. H. Basler, Verkaufsingenieur der BBC Baden, Angeregt wurde die Aktion "Mut zur Gemeinde" vom Lausanner Komitee für Weltevangelisation. - Marquardt, Methodist; USA-Lutheraner Pfr. Carl Johansson)

271

Die Veranstalter der Christus-Festwochen in Zürich 1985

272

Der argentinische Evangelisator Luis Palau: Bekanntlich wurde für die Christusfestwochen Zürich 1985 der argentinische Evangelisator Luis Palau ins Zürcher Hallenstadion eingeladen. Palau ist neben Billy Graham der bekannteste Evangelist mit 112 Grossveranstaltungen.

273

Verantwortlich zeichnete sich die "Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation" (AGFE) Rämismühle. In der AGFE sind 21 Gemeinden verschiedener Freikirchen zusammengeschlossen. Ferner haben für die Christus-Festwochen die Schweizerische Pfingstmission, die Gemeinde für Urchristentum (siehe Parkhotel Gunten, Werner Scherrer EDU-Grossrat und Leiter der ARMA, welche die Ökumene bekämpft) ihre guten Dienste zugesagt, sowie über 70 Pfarrgemeinden der reformierten Landeskirchen. Das Budget betrug  800‘000 Franken, Cheforganisator war Ulrich Knobel, der die Sache als "neue Reformation seit Zwingli“ ansieht.

274

Zur Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation gehören

-die Evangelische Missionsgemeinde, gegründet von Seifenfabrikant C. Sträuli. Das Werk unterstützt etliche Missionare verschiedener Gesellschaften (siehe Buch von Rosmarie Gerber: Du musst nur Deinen Kopf abgeben, Unionsverlag 1984)

275

- Gemeinschaft evangelisch Taufgesinnter (andere Namen: Neutäufer Nazarener, Fröhlichianer)

276

- Chrischona-Gemeinde

277

- Freie Missionsgemeinde (andere Namen: Evang. Brüdergemeinschaft, Vereinigung freier Missionsgemeinden; es handelt sich um eine Abspaltung der ev. Brüdergemeinschaft, die nun unter Peter Zürcher, Evangelist Lieli/Oberwil. mit div. Missionswerken zusammenarbeitet)

278

- Bibelschule Newlife Walzenhausen. Der Leiter der Bibelschule Heinz Strupler ist "begeisterter" Leser der  "ENTSCHEIDUNG" von Eduard Ostermann

279

- Freie Evangelische Gemeinde

280

- Action Biblique

281

- Ländli-Diakonieverband, Karl Albietz

282

- MEOS Svizzera (Ausländermission)

283

Aus welchen Freikirchen sich der 400-köpfige Singchor zusammensetzte, war nirgends zu erfahren.

284

Pfarrer Ernst Meili, Präsident des ev. ref. Kirchenrates des Kantons Zürich, der die Gäste im Hallenstadion begrüsste, sagte in einem Interview, Lui Palau stehe der Landeskirche am nächsten: Er sei "kooperativ". Das ist eine eigenartige Aussage, wenn man Loui Palaus Christus-Verständnis bedenkt. Sieht er doch Christus als eine Art Feudalherr, die Gläubigen dessen Untertanen, die in einem Dienstbotenverhältnie zu Jesus stehen. Christus ist für ihn "absoluter Herrscher, König, Dienstherr, Meister". Der Diener tut, was Er sagt, "liest dem König die Wünsche von den Augen ab und beeilt sich, sie zu erfüllen". Er ist "Soldat", der dem "Kommando seinen Vor­gesetzten folgt". Die Veranstalter der Christusfestwochen halten einen solchen Evangelisator für das Schweizervolk geeignet.

285

Dr. Eduard Ostermann ist Direktor des VOEST-ALPINE-Konzerns, einer österreichischen Unternehmensgruppe der Schwerindustrie mit rund 80‘000 Mitarbeitern. Er schreibt: In einer Welt voller Probleme und Gefahren hat der Christ die Aufgabe, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein. Er hat die Pflicht, seine in Jesus Christus gegründete Zukunftshoffnung auszustrahlen, nach dem Motto: Wenn wir auch wüßten, daß morgen die Welt untergeht, so pflanzen wir doch heute noch Apfelbäume, so machen wir heute noch Geschäfte und erledigen unsere Verpflichtungen“. ­– Der Kommentar des Berichterstatters ist: „Wenn das ein Mann der Wirtschaft sagt, dessen tägliches Brot Bilanzen, Fakten, Expertisen und Gutachten über Investitionen für die Zukunft sind, ist es schon bemerkenswert. Finden Sie nicht auch?“

286

Versteckspiel in den Informationsheften der Evangelisations-Unternehmen

287

1. Die Informationshefte, welche für die Aktion „Neues Leben" an die Pfarreien abgegeben werden, sind nicht als Produkte von "Campus für Christus" kenntlich gemacht. Im Schreiben an die St. Gallischen Landeskirchen, wird zwar das örtliche Aktionskomitee der „Aktion Neues Leben" vorgestellt, nämlich die Amtsträger der Landeskirchen, während die Aemter der Freikirchenmitglieder verschwiegen werden. Zum Beispiel Peter Woodtli: Pfarrer der Pfingstgemeinde, Paul Burch Heilsarmee-Offizier, Rainer Ebeling Prediger der Baptistengemeinde, Hansulrich Huber Prediger der Freien Christengemeinde, Prof. Heinrich Schmid evangelischer Pfarrer, Ciacumin Saluz von der  umstrittenen Ostmission.

288

Eduard Wäfler, Koordinator der Aktion in St. Gallen figuriert im Telefonbuch ohne Berufsangabe. Er war vorher Koordinator im Kanton Zürich, zog dann in den Kt. Graubünden nach Domat Ems.

289

2. Auch an der Jugendaktionswoche in St. Gallen ist Geheimhaltung geübt worden. Der Organisator der Jugendaktionswoche in St. Gallen ist Hanspeter Schmutz (Dok. 113-120).  Im Telefonbuch figuriert Schmutz als Studentenbe­rater. Als Präsident der Vereinigten Bibelgruppen, oder als Evangelist der Hochschule St. Gallen gibt er sich nicht zu erkennen. Hanspeter Schmutz hatte Leute von der rechtslastigen Jüngerschaftsschule Biel nach St. Gallen geholt: „Jugend mit einer Mission", die den faschistischen Evangelisten und Expräsidenten Rios Montt bewundern. (Dok. 165-172). Die Vereinigten Bibelgruppen sind ein Zweig von "Campus für Christus". Es ist die gleiche Organisation, die die Aktion Neues Leben Schweiz und die EXPLO 85 organisiert.

290

Die VBG (Vereinigte Bibelgruppen) ist ein Evangelisationswerk, welches sich "verbindlich dafür einsetzt“, dass "die gute Nachricht von Jesus Christus ... hörbar wird" an Universi­täten, Schulen und bei Berufsleuten. Es werden Bibelgruppen gegründet, Tagungen und Kurse durchgeführt.

291

3. Auch die "Frauenfrühstückstreffen" geben sich nicht klar als Teil der "Aktion Neues Leben" zu erkennen. Sie täuschen vor, aus Spontaninitiativen einiger örtlicher Frauen herausgewachsen zu sein. Erst durch komplizierte Recherchen gelang es uns, einige Referenten nach bestimmten Evangelisationswerken zuzuordnen. Heute wissen wir, dass die Frauenfrühstückstreffen von "Campus für Christus" organisiert und koordiniert sind.

292

Referentinnen und Referenten der Frauenfrühstückstreffen sind unter anderen:

Ruth Frey: Sie ist vom Evangelisationswerk "Neues Leben" Altenkirchen, sie referiert auch im Chrischonawerk Sternenberg/ZH.

293

Dr. Samuel Pfeifer: er ist noch in Ausbildung als Psychiater (früher Littenheid, jetzt Wil): er ist fester Mitarbeiter im fundamentalistischen Schwengeler­-Verlag und Verantwortlicher für die Referenten bei den Frauenfrühstückstreffen.

294

Dr. Eduard Ostermann: Hoher Boss in der Rüstungsindustrie, und Referent an mehreren fundamentalistischen Bibelschulen (siehe Grafik von Urs Schütter im Anhang). Ostermanns Bücher werden vom Schwengeler-Verlag Berneck vertrieben.

295

Vreni Theobald, Referentin an der Bibelschule Sunnebad im Sternenberg und Ehefrau des Leiters dieses Chrischonawerkes.

296

Barbara Jakob ist Hauptinitiantin und Leiterin der Frauenfrühstückstreffen, aber ihre Identität ist unklar.

297

Religionshetzerische Töne bei der Jugendaktionswoche St. Gallen

298

An der Jugendaktionswoche vom 11.-16. Juni 1985 lag auf dem Büchertisch für die Jugendlichen u.a. das Traktat: "ALARM–OKKULTISMUS“. Darin war zu lesen: Die freisinnige Theologie habe mit ihrer Bibelkritik die Inspiration des Wortes Gottes geleugnet und damit die Autorität der Heiligen Schrift vielen Menschen fragwürdig gemacht. - „Zu den unzähligen Strömungen menschlicher Verführungen gehören unter anderem „die Römische Papstkirche, die „Christliche Wissenschaft“, die Anthroposophie, die Theosophie, die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas, Pfingstbewegung (besonders das Zungenreden).Dazu der Hinweis auf ein im gleichen Verlag erschienenen Heft: Aberglaube ist nicht Glaube. Eine Untersuchung des wahren Charakters des Katholizismus von John Nelson Darby12

299

Plakat: HOFFNIG STECKT aa…JUWO (Jugendaktionswoche) in der Olmahalle 1, St. Gallen

300

Auch Evangelisator Willi Buchmann sprach über Okkultismus, und nannte namentlich eine Reihe der oben angeführten Heilmethoden als okkulte, gefährliche Praktiken, die vom Teufel seien.

301

Auch der Psychiater Dr.med. Samuel Pfeifer, von der Klinik Littenheid hält Vorträge über dieses Thema (Z.B. im Rahmen von "Glauben und Denken", ebenso am 5.11.1983 im Kurhaus Walzenhausen). Samuel Pfeifer schrieb ein Buch: Gesundheit um jeden Preis?

302

Dazu ist im Programm zu lesen: "Haben wir Christen eine Alternative? ... Sogenannte paramedizinische Praktiken gewinnen an Boden: Akupunktur, Fussreflexzonenmassage, Homöopathie, Irisdiagnose, Phytotherapie, anthroposophische Medizin: Kann sie wirklich helfen? Gibt es eine neutrale Anwendung dieser Heilmethoden?

303

Samuel Pfeiffer ist ständiger Mitarbeiter beim fundamentalistischen Schwengeler-Verlag und Referent bei der Aktion Neues Leben Schweiz und bei den Frauenfrühstückstreffen. Pfeifer ist zudem der Mann (laut mündlicher Auskunft) welcher die Referenten für die Frauenfrüh­stückstreffen einlädt, also auch Dr. Eduard Ostermann von der Rüstungsindustrie.

304

Hinter der Verunglimpfung aller Naturheilmethoden scheint uns wesentlich das Interesse der Chemie-Industrie an Chemotherapie zu stecken. Ostermann sagt: „Es gibt kein Weg zurück". Dies gilt offenbar auch für die medizinische Industrie. Erinnern wir uns, dass Ostermann einmal die Industrien erwähnt, an denen ihm besonders liegt: Es sind Fabriken die Düngemittel, Schädlingsbe­kämpfungsmittel und Medikamente herstellen. Dazu kommen noch die Rüstungsindustrie sowie die Kernenergie.

305

Zum Aberglauben werden gezählt: Zeichendeuterei (Amulette, Hufeisen, Marienkäferchen etc), Astrologie, Pendeln, Magische Heilmethoden (das abergläubische Verwenden von Brot und Wein des Abendmahls).

306

- Spiritismus

307

- Irrlehren und Sekten (Offenbarungen… unter dem Deckmantel christlicher Lehren, Krankenheilungen)

308

Zum Okkultismus werden gezählt

309

- Meditative Praktiken (im katholischen Raum Exerzitien)

- Joga (Joga ist eine Religion der Selbsterlösung)

- Transzentale Meditation (gefährliches unkontrolliertes Oeffnen des Unterbewusstseins)

- Autogenes Training (sprich Selbsthypnose)

- Gruppendynamik

- Die Biorythmen

- Okkulte Heilpraktiken (Dr. A.H.D. Arzt und Psychotherapeut)

-Akupressur

-Homöopathie

-Augendiagnostik

-Die Psychoanalyse

-Heilung durch Telepathie

-Die Suggestion

-Die Hypnose

-Heilmagnetopathie

324

Die Folgen dieser Heilmethoden - Zauberkünste genannt - seien schrecklich

325

„Wer mit seiner Not nicht Zuflucht nimmt bei dem lebendigen Gott und seinem Wort, sondern bei solchen Mitteln und Irrlehren Hilfe sucht“, der gehe mit dem Teufel ein Vertrauensverhältnis ein. „Ob er es weiss und will, oder nicht - die Verbindung sei geknüpft! - „Man weiss aber nicht, dass Satan sich diese Hilfe teuer bezahlen lässt.“ - „Die Folgen dieser Gräuelsünden“ seien so zahlreich,  man könne „sie gar nicht alle aufzählen! Es treten auf: Zermürbende Ruhelosigkeit - Angstzustände - Alpdrücken - Zwangsvorstellungen - schreckliche Gedanken - dauernde Schwermut bis zum Selbstmord - unheimliche Krämpfe - starke Sinnlich­keit bis zur widernatürlichen Unzucht - Jähzorn bis zur Tobsucht und zum Verbrechen - Lichtersehen - Stimmen hören - schreckliches Fluchen und Gotteslästerung - Widerwillen und Abscheu vor Gottes Wort und Gebet - Nicht-glauben-können - religiöser Wahnsinn, Besessenheit durch Dämonen. - Zuletzt ein grauenvolles Ende voll entsetzlicher Todesfurcht und Hoffnungslosigkeit. Ein Heer von Kranken leidet unter diesen Folgen des Aberglaubens, und alle Heilmittel der Ärzte versagen. Es sind auch keine organische Krankheiten, sondern Folgen der Zaubereisünden an dämonisierten Menschen.

326

-Die Organisatoren haben die Jugendaktionswoche als Beitrag zum Jahr der Jugend beim St.Gallischen Stadtrat vorgestellt um einen Defizitbeitrag zu erhalten (mündl. Auskunft Sch.), der dann auch gewährt wurde. Der Stadtrat konnte nicht wissen, dass es sich um eine evangelistische (evangelikale) Veranstaltung handelt. Der Stadtrat zeigte sich sehr erstaunt, als wir ihm die Broschüre "Alarm-Okkultismus" vorzeigten.

327

Bei der Jugendaktionswoche (JUWO) St.Gallen, handelte es sich um einen inoffiziellen Auftakt zur "Aktion Neues Leben", die im Frühling 1985 auf Kantonsebene St.Gallen angelaufen ist. Die Jugendaktionswoche St. Gallen wurde von folgenden drei evangelikalen Bibelgruppen organisiert:

328

Die Jugendaktionswoche St. Gallen wurde von folgenden Bibelgruppen organisiert

- Vereinigte Bibelgruppen (VGB) St.Gallen

329

- "Jugend mit einer Mission" Biel (Freunde v.Rios Montt)

330

- "Newlife" Walzenhausen, Bibelschule

331

Die Gesamtleitung oblag Hanspeter Schmutz, Sekundarlehrer, Leiter der Vereinigten Bibelgruppen (HSG/HWV/PHS/Kanti/Talhof).

332

Diese drei Bibelunternehmen sammelten 200 Jugendliche aus den Freikirchen (den sogenannten Allianzkirchen) um sich, die auf andere Jugendliche einwirken sollen und sie zu ihren Bibelgruppen und Anlässe einladen sollen. Die Arbeitsgruppe nannte sich: „Arbeits­gemeinschaft MOSAIK".

333

Die Arbeitsgruppe MOSAIK setzte sich zusammen aus

- Jugend mit einer Mission

- Bibelschule Walzenhausen "Newlife“

- Freie Evangelische Gemeinde

- Stadtmission

- Heilsarmee

- Methodisten

- Baptisten

- Pfingstmission

- Freie Christengemeinde

- CVJM- Jugendgruppe

- Vereinigte Bibelgruppen (VBG)

- Peace-Club, Linsebühl (Pfr.Robert Müller)

- Wohngmeinschaft "zum Wäg" Basel (Tim Winkler)

- Arbeitsgmeinschaft für ein christliches Radio (Hansueli Gujer)

- Beste Hope, Drogenstation Waldstatt (Daniel Stäger)

- Salzchörnli-Werkstatt-Laden (Marlis Hediger)

350

Es wirkten weiter mit: Walter Gut, Leiter der fundamentalistischen Buchhandlung Vadian St.Gallen, Vizepräsident der EVP. Markus Stübi, Präsident der EVP; auch Hanspeter Schmutz ist bei der EVP. (Dok. 113-120)

351

Hanspeter Schmutz schreibt in der Zeitschrift: Contrapunkt, in welcher auch C.P. Thiede vom fundamentalistischen Schwengeler-Verlag schreibt.

352

Wir befinden uns in der Endphase der Weltevangelisation

353

„Wir befinden uns in der Endphase der Weltevangelisation“ behauptete und predigte einer der Zürcher Evangelisatoren. Was auf dem Platze Zürich läuft, darüber berichtet ein Buch:

354

"Du musst nur Deinen Kopf abgeben" - Buch von Rosmarie Gerber und A.K.Vogel

355

Die Autoren berichten, wie auf dem Platze von Zürich Dutzende von Evangelisationsunternehmen auf das Volk losgelassen sind und wie sie in aggressiver Weise die Leute zu ihrem eigenen Glauben nötigen. Sie operieren mit Angstmache, die Menschen sollen, müssen sich entscheiden.

356

"Das Verderben wird ganz plötzlich hereinbrechen, so wie es Christus. vorausgesagt hat ... Entscheide dich heute, bald ist es zu spät ...", dies sei der Grundtenor.

357

Auf den Plätzen Zürichs evangelisieren: die Bibelschule Newlife Walzenhausen, das Missionswerke Mitternachtsruf, die 'Jahu Biel‘, 'Jugend mit einer Mission'. - Und allenthalben werde zum fundamentalistischen Grossangriff gerüstet: Mit Massenveranstaltungen wie den "Christus-Festwochen" im Hallenstadion (1983 und 1985)arbeiten fundamentalistische Freikirchen und andere, einmütig zusammen. Allen Evangelisationsvereinigungen gemeinsam sei das fundamentalistische Bibelverständnis. „Ihrer Auffassung nach ist die Bibel wortwörtlich unter dem Diktat des Geistes geschrieben worden (Verbal­inspiration)“. Sie kämpfen gegen die 'liberale' Theologie, und ent­nehmen der Bibel "klare Ziele und Werte, konkrete Weisungen für das tägliche Leben, auch wenn die Bibel noch so widersprüchlich sein mag: Man nimmt sich eben heraus, was man braucht.

358

Manche sympathisieren offen mit dem ehemaligen faschistischen Diktator Efrain Rios Montt, der sich zugleich als Evangelist be­tätigt. Der Leiter der "Jahu" in Biel bekennt: "Das Gedankengut von Rios Montt freut mich". Auch die Jüngerschaftsschule Biel von "Jugend mit einer Mission" sympathisiert mit Rios Montt. Auf einer sogenannten "Gebetskassette" war zu hören, Gott habe Guatemala  während anderthalb Jahren einen gläubigen Regierungspräsidenten gegeben, der die Nation so richtig zu Christus hat zurückführen dürfen". "Wir wollen für den neuen Präsidenten beten, dass er die Linie von Rios Montt weiterführt."

359

Auf das Konto von Rios Montt gehen Tausende von Morden an politischen Gegnern. Sogar Kinder wurden mit Steinen und Stöcken erschlagen. Doch werden diese Fakten von den Absolventen der Jüngerschaftsschule als "kommunistische Desinformation“ abgetan.

360

Andrea-Giorgio Xandry, Evangelist der Schweizerischen Missions­gemeinde sagt, in Sachen Moral sind wir "so strickte wie Mao". Bei Fragen wie dem neuen Eherecht, Schwangerschaftsunterbrechung oder dem Sex-Unterricht in der Schule, da unternehmen wir schon etwas". Die Exponenten der Evangelisationsunternehmen betonen zwar immer wieder, mit Politik hätten sie nichts zu schaffen. Allerdings wird verschwiegen, dass die rechtsgewickelten Evangelisationsunter­nehmen seit einiger Zeit über eine eigene politische Partei verfügen, die Eidgenössische Demokratische Union (EDU) ... Die EDU ist ein Sammelbecken dissidenter Republikaner und ehemaliger Anhänger der „Nationalen Aktion“.

361

Die Jüngerschaftsschule Biel ist auch in St.Gallen aktiv geworden. Mit der "Vereinigte Bibelgruppen" und Newlife Walzenhausen organi­sierten sie mit Jugendlichen der Evangelischen Allianz eine Jugend­aktionswoche. In St.Gallen sind die Fundamentalisten in eine andere politische Partei eingedrungen, in die Evangelische Volkspartei (EVP). Der Präsident der Vereinigten Bibelgruppen hat für die EVP kandidiert. Der Vizepräsident der EVP ist Leiter einer fundamentalistischen Buchhandlung in St.Gallen (Vadian).

362

Für die Verbreitung der fundamentalistischen Weltanschauung werden die modernsten Kommunikationsmittel eingesetzt. Der finanzielle Aufwand ist beträchtlich. Zwar besitzen hier die Evangelikalen noch nicht ganze Fernsehketten wie in den USA, aber ihre Aktivitäten gehen durchaus in diese Richtung, wie die Berichte aus der "Antenne" und aus der Zeit­schrift "Neues Leben“ zeigen.

363

Sicher wäre es ungerecht, alle Evangelikalen, wie sie sich selber nennen nur an Sympathien für faschistische Militärdiktatoren oder die fremdenfeindliche Nationale Aktion zu messen. Doch diese Aspekte werden gerne vergessen, wenn sich reformierte Pfarrherren über die eifrigen jungen Missionare freuen, die ihnen „endlich wieder Volk in die Kirchen hineinbringen"... "Das Lob fällt umso leichter, als einige Evangelisationsunternehmen sich auch konkret um Probleme Jugendlicher kümmern. Kurt Kammermann, Aeltestenrat von Newlife erwartet allerdings, dass Leute, denen man hilft, den dort verkündeten Glauben übernehmen. Allerorten herrschen ausserdem dezidierte Vorstellungen von Disziplin, Hierarchie und Unterwerfung und auch die Aufgabe der Geschlechter sind klar definiert. "Ohne die Frau und ihre Treue und ihren Einsatz", sagt Christian Meier von der Alban-Arbeit in Basel, "könnte man wohl die Alban-Arbeit naja fast vergessen. Meier, der im Alban-Leitungsteam sitzt findet es richtig, dass die Frau Haushalt und Kinder betreut. Die Erziehung übernehme er allerdings selber".

364

In der Evangelisation steckt ein beträchtliches wirtschaftliches Potential und so machen diese Gemeinschaften auch Grossumsätze, ohne dass sie deswegen eigene Firmen bräuchten. Sie gelten als "gemein­nützig“ und sind steuerfrei. Schweizer Evangelikale werden in die ganze Welt ausgesandt. Und sie arbeiten mit weltweit operierenden Unternehmen zusammen, etwa der Operation Mobilisation (OM). Diese unterhalten zwei Hochseeschiffe, sie haben schon alle Erdteile mehrmals angelaufen, nicht immer zur Freude der lokalen Kirchen. Besonders abgesehen haben es die OM-Leute mit ihrer "Mobilmachung" für Christus auf die Moslems (die Frage ist, ob die Moslem im Sinne Herbert Armstrongs für eine Zusammenarbeit mit Christen gewonnen werden!?)

365

Newlife ist indirekt aus der Operation Mobilisation hervorgegangen. Der Leiter der Bibelschule Newlife Walzenhausen hatte sich zuerst der Heilsarmee, dann der Chrischona und zuletzt der OM zugesellt. Der Aeltestenrat von Newlive, Kurt Kammermann erklärt seine Position zur Landeskirche deutlich: "Ich vertrete eine fundamentalistische Theologie und könnte mit einem Anhänger der liberalen Lehre nicht zusammenarbeiten“. Kurt Kammermann „verneinte entschieden irgendeine Aussicht auf eine konstruktive Mitwirkung in der Landeskirche". Während die evangelisch-reformierte Landeskirche der Newlife viel Sympathie entgegenbringt, ist dies umgekehrt nicht der Fall. Das Verhältnis von Newlife zur Landeskirche ist erheblich gestört. Kurt Kammermann will sich mit anderen Ueberzeugungen auch nicht auseinandersetzen, das "würde zu viel Kraft kosten“

366

Was die beiden Autoren (Christian Meier und Kurt Kammermann) über die evangelistische Szene Schweiz zu berichten haben, ist sehr aufschlussreich, sie berichten auch über die Szene in Amerika. Die fundamentalistische Szene in USA ist weit aggressiver, jedoch ist zu befürchten, dass Aehnliches in der Schweiz passieren könnte, wenn wir nicht auf der Hut sind. Aus einem Artikel von Siegfried Heim in "Die Grünen" München Nr.9/85 ist zu entnehmen: "Die Fundamentalisten, deren bekanntester Vertreter der Fernsehprediger Gerry Falwell ist, sind religiöse Fanatiker, die ihre Ideologie aus einer wortwörtlichen Bibelauslegung beziehen, wobei sie sich vor allem auf das Kampf- und kriegsbetonte Alte Testament und die endzeitliche Johannes-Offenbarung im Neuen Testament beziehen ... Die eher auf ... Solidarität angelegten Teile des Neuen Testaments werden ... grösstenteils ignoriert". Die Show-Predigten verzeichnen regional oft höhere Einschaltquoten als die drei grossen kommerziellen Anstalten. Diese Fundamentalisten stellen das sicherste Wählerpotential von Ronald Reagan dar. Sie unterstützen vorbehaltlos Reagans Aufrüstung, um den Endkampf (Armagedon) mit dem "Reich des Bösen“- (Reagan über die Sowjetunion) siegreich zu bestehen.

367

Die Fundamentalisten fordern die Abschaffung sozialer Einrichtungen zugunsten der Rüstung. Evangelisten sammeln in Südamerika neue "Gläubige". Dies geschieht im offenen Kampf gegen die katholische Kirche, der unterstellt wird, mit ihrer sozial-emanzipatorischen Theologie der Befreiung auf Seiten des Sowjet-Marxismus zu stehen. So wechseln vor allem die Angehörigen der südamerikanischen Oberschicht gern vom Katholizismus zu dem neuen Glauben, der verspricht unter Berufung auf den Römerbrief des Apostels Paulus (gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist) für eine Zementierung der ungerechten, für die Herrschenden aber profitablen wirtschaftlichen Verhältnisse zu sorgen. Kein Wunder, dass die Missionare aus den USA bei den meisten Diktatoren willkommener sind als die katholischen Basiskirchen-Priester". Die "christlichen" US-Fundamentalisten haben sich mit israelischen Rechtsextremisten und Terroristen verbunden. Es geht um die "Wieder­errichtung des Davidschen Tempels". In denUSA wird für diese Extremisten Geld gesammelt; damit werden leerstehende Wohnungen im Palästinenser­viertel aufgekauft, um Rabbinerschulen für künftige Tempeldiener zu betreiben. Wie sich die Religionsfanatiker die Aufrichtung des Tempels David und die "erneute Ankunft Christi" vorstellen, zeigt ein von ihnen produzierter Monumentalfilm, bei dem eine taktische Atombombe eingesetzt wird (begrenzter Atomkrieg in Palästina).

368

Bildung einer Super-Weltregierung mit Sitz in Jerusalem – nach Herbert Armstrong

369

„Wissenschaftler und Staats­männer sagen, daß die einzige Hoffnung für den Weltfrieden die Bildung einer Super-Weltregierung“ sei. Doch im gleichen Atemzug gestehen sie, daß die Errichtung einer solchen Regierung menschlich unmöglich sein würde. „Gibt es dann irgendeine Hoffnung für das Überleben des Menschen?

370

Unsere neue Broschüre "Wie Welt­frieden kommen wird" bringt außeror­dentlich gute Nachricht und zeigt die Lösung der Probleme der Menschen, die bald kommen wird“ (aus KLAR UND WAHR).

371

Wie WELTFRIEDEN kommen wird

372

Eine kritische Stimme - Dorothea Sölle, Theologin

373

Dorothea Sölle schreibt, dass die ehemals "Stillen im Lande" - sie meint Pietisten, Freikirchen und Gemeinschaften, mit dem Beginn der politischen Wende der 70er Jahre" zunehmend einem extrovertierten bis aggressiven Pietismus neuer Art huldigen. Sölle kritisiert bei den Evangelikalen einen "Aufbruch nach rechts, welcher sich auch je länger je mehr innerhalb der Landeskirchen breit mache und Einfluss gewinne, und diese "zur Stütze der Obrigkeit schlechthin zu machen trachte".

374

Dorothea Sölle nennt die rechtsgerichteten Programme der Evangelikalen Pietisten namentlich: "Die TELOS- und BC-Team-Gruppe", die "anstatt verinnerlichender Andachtsbüchlein mehr und mehr politische Kampfschriften" in Millionenauflagen herausbringen. Dazu kommen die eigenen Rundfunkanstalten und Massenveranstaltungen, z.B. der "Gemeindetag unter dem Wort". -  Sölles Kritik richtet sich also gegen die gleichen fundamentalistischen Freikirchen, Verlage, Autoren, die wir anvisieren.

375

Ein Buch des ABC-Teams ist "Licht und Salz" von Sir Frederik Catherwood (zugleich Freie Evangelische Gemeinde Bundesverlag Witten), die Bücher von Dr.Eduard Ostermann, Wilder Smith, Gottfried Meskemper, Bill Bright: „Die letzte Revolution“ sowie:  "Frauen im theologischen Aufstand", Dr. med. Samuel Pfeifer, Charles W.Colson, und sogar ein Buch von USA-Präsident Ronald Reagan, sind in der TELOS-Reihe, oder und im Schwengeler-Verlag (Berneck) erschienen.

376

Für Dorothea Sölle ist die politische Dimension dieser fundamentalistischen Pietisten und Freikirchen eine klare, deutlich sichtbare und gefährliche Sache, ein politischer Aufbruch nach rechts, der die Kirchen zu "Stütze der Obrigkeit schlechthin zu machen trachtet". Dorothea Sölle beurteilt die Situation also nicht anders als wir. In der Schweiz werden Autoren dieser aggressiven Kampfschriften von Campus für Christus als Referenten an die Explo 85 eingeladen: Wilder Smith, Eduard Ostermann, Bill Bright, Samuel Pfeiffer. Die Kritik geht nicht nur von Dorothea Sölle aus an die Adresse der aggressiv gewordenen Evangelikalen, die Theologin Sölle erhält auch Kritik von jener Seite. Kritisiert wird Sölle auch von Emil Rahm, Hallau. Rahm verfasst selber keine Kampfschriften, er bringt diese Kampfschriften jedoch unters Volk. Er selber tut sich als eifriger Leserbriefschreiber hervor.

377

In einem Leserbrief vom Juni 1985 (Tages-Anzeiger ZH) behauptet Emil Rahm, Sölle huldige einer Gott-ist-tot-Theologie, sie übe ihre Tätigkeit als Dozentin an einem "Christ-Kommunisten"-Seminar aus. Das "Union Theologic-Seminar" bilde nämlich "Christ-Kommunisten" aus, das Seminar werde zudem von Rockefeller unterstützt. Diese Vorwürfe entnimmt Emil Rahm einem Buch von Gary Allen "Die Rockefeller-­Papiere - Schritte zur neuen Weltordnung".

378

Eine andere "Kampfschrift" von evangelikalen, pietistischen Kreisen richtet sich klar gegen die Ökumene und den Weltkirchenrat. Ein Professor Peter Beyerhaus warnt, dass alle ökumenischen Programme der Vorbereitung einer Einheitskirche dienen, die "totalitären Charakter" tragen würde. Dies könne man beobachten in dem Meinungs­monopol, das in dem Pressewesen der Ökumene und der evangelischen Kirche in den letzten zwei Jahrzehnten aufgebaut worden sei, und das aus „unseren Kirchensteuermitteln mit Millionenbeträgen unterhalten“ werde. Wenn sich dies fortsetze,  werde es „für biblisch heilsgeschichtlich denkende Nachwuchskräfte in unseren verfassten Kirche keine Mitarbeitsmöglichkeiten mehr geben“, so Beyerhaus. Von der kath. Kirche sagt er weiter: ihre Grundlagen setzten sich aus biblischem Evangelium, einheimischen religiösen Traditionen und neuzeitlichen Ideologie zusammen. Es tönt ganz nach Aufwärmung von Jürg Meisters Pamphlet gegen den Weltkirchenrat, welches von Emil Rahm verbreitet worden war – es wurde 1985 geschrieben! - Peter Beyerhaus ist nicht etwa ein Aussenseiter der Evangelisations­ Unternehmen, sondern er wird sehr ehrenvoll behandelt. Er gehört zu den Autoren, die vom Hänssler-Verlag unter dem Titel: "Wissenschaft und Glaube im Dialog" vorgestellt werden Beyerhaus ist Professor und Doktor der Theologie, Präsident des "Theologischen Konventes Bekennender Gemeinschaften“. Dorothea Sölle klagt ja auch über die Flut neuer "Bekenntnisbewegungen“, die eine wirklich "Bekennende Kirche" in die Isolation treibe.

379

Bekenntnis-Schulen und Bekennende Gemeinschaften

380

Peter Beyerhaus ist klar ein Autor, welcher gegen die Ökumenische Bewegung eingestellt ist. Er ist zudem Präsident jener Gemeinschaften, welche sich neuerdings als "Bekennende Gemeinschaften" verstehen. Zur Zeit des Nationalsozialismus hatte die Bezeichnung "Bekennende Kirche" eine ganz spezielle Bedeutung. Unter diesem Titel hatten sich eine Reihe christlicher Bekenntnisse zusammengefunden, welche gegen die von den Nationalsozialisten beeinflusste, geknechtete, kontrollierte Landeskirche zur Wehr setzten. Mit der "Barmer-Erklärung“ stellten sie fest, dass die Landeskirche nicht mehr das christliche Gedankengut vertrete. (Es durften nur noch die von Hitler genehmigten Pfarrer predigen über die Vorgänge in Nazideutschland musste geschwiegen werden).

381

Die Vermutung, dass die rechtslastigen "Bekenntnisschulen" neuerdings versuchen, sich gegenüber der reformierten und katholischen Landes­kirchen als die "echten Christen" durchzusetzen, ist nicht von der Hand zu weisen. Eifrig wird die Barmer-Erklärung studiert, wie ein Artikel in "Neues Leben" zeigt, und wie das Vorgehen im Einzelnen vonstattengegangen war, wird ebenfalls gründlich abgehandelt.

382

Nun kommen also diese evangelikalen, pietistischen Kreise – zusammen mit „Campus für Christus" und der Aktion Neues Leben" in die Landes­kirchen hinein - auf leisen Sohlen und ganz heimlich, indem sie sagen, sie möchten lediglich zur Belebung der Kirchen beitragen und an der Lehre nichts verändern. Kann das angesichts aller gegen­teiligen Fakten wirklich noch jemand glauben?

383

Bill Bright und sein Aktionsplan

384

Angesichts der Tatsache, dass Eduard Ostermann von diesem Mann (gemeint Bill Bright) "beeindruckt" ist und dass er im "Explo-85"-Prospekt ausdrücklich Erwähnung findet - zusammen mit Billy Graham und noch einem Dritten, vermuteten wir hinter ihm eine wichtige Position und Organisation. Sein Buch: Die letzte Revolution, bestätigt diese Vermutung. (TELOS und Hänssler 1974 ). - Bill Bright ist Leiter der amerikanischen Ausgabe von "Campus für Christus" mit Namen "Campus Crusade for Christ Internationale“.   Ein paar Auszüge aus dem Buch dürften genügen, um sich darüber klar zu werden, welche Ausmasse die Weltevangelisation bereits um 1973 angenommen hat. Das Kapitel, aus dem wir zitieren, ist überschrieben mit: Unser Aktionsplan.

385

Aktionsplan von Bill Bright: "In den Vereinigten Staaten gibt es 3000 Universitäten, an denen mehr als sieben Millionen junge Leute studieren. Ein riesiges Potential für alle, die die Geschichte beeinflussen wollen! ... Das Ziel von Campus Crusade... ist es, junge Christen speziell zu schulen, damit sie an ihrer Universität Verantwortung und Leitung übernehmen können. Wir möchten evangelistische Aktionsgruppen zusammenbringen. Durch persönliche und Gruppengespräche, Radio, Film, Fernsehen und Briefe ... An Hunderten von Universitäten laufen solche Programme bereits" (dies gilt für die Zeit bis 1973).

386

Erklärt wird ferner: "In den 50 Bundesstaaten der USA mit ihren 224 Gross-Stadtgebieten sowie in deutschsprechenden Ländern werden dringend Mitarbeiter benötigt. Es sollen wirklich fähige Leute sein, die sich mit ganzer Kraft einsetzen wollen. Für die Bezirke brauchen wir ins­gesamt 177'000 Freiwillige, damit überall geschulte Leiter sind, die andere aktivieren und anleiten können. Auf diese Weise sollen viele Länder systematisch von Haus zu Haus... erreicht werden.“ - "Unsere gesamte Strategie hat das Ziel, di Sein Buch: Die letzte Revolution, bestätigt diese Vermutung. (TELOS und Hänssler 1974 ). - Bill Bright ist Leiter der amerikanischen e Ortsgemeinden... zu unterstützen. Auch für die übrigen 210 Nationen und Protektorate der Welt gilt dieser Aktionsplan".

387

Für 210 Nationen und Protektorate der Welt gilt dieser Aktionsplan: Jedes geeignete Programm wird genützt, um Menschen für Christus zu gewinnen: Einzelgespräche oder grossangelegte evangelistische Veranstaltungen, Heimbibelstudien, Aktionsgruppen, Filme, Rund­funk, Fernsehen, Briefe (hier Gebetsbriefe genannt), zwangloses Treffen zu einer Tasse Kaffee ... Gemeindeunterweisung und Heimbibel­kreise ... Wer es bald lernt, seinen Glauben anderen mitzuteilen... wenn ihm dieses Weitersagen nach und nach zum Lebensstil wird" (bei der Explo 85 heisst dies: "Missionarischer Lebensstil". - "Wir sind überzeugt, dass der allgemeine Missionsauftrag Jesu noch in dieser Generation erfüllt werden kann".  - "In diesem Jahr beten wir um 600 neue Mitarbeiter".  - "Wer immer Sie sind, wo immer Sie leben, wenn Sie es wollen, kann Gott Sie gebrauchen. Er wird Ihre Zeit, Ihre Gaben und Ihren Besitz zur Verbesserung der Welt nützen". Warum Evangelisation? Weil der Kommunismus im Vormarsch ist. Eine Studie habe gezeigt, dass 1970 zwei Drittel der Welt vom Kommunismus regiert werde, 1973 habe er die Weltherrschaft angetreten. "Tatsache ist, dass wir heute Kommunisten in jeder Gesellschaftsschicht antreffen. Studentische Demonstrationen und Aufruhr, die Schlagzeilen liefern ... Drei Prozent der chinesischen Studenten warfen das Ruder in China herum". - Warum hatten sie so viel Erfolg?

388

Warum hatten die Chinesen so viel Erfolg? - Bright zitiert den Brief eines "jungen Kommunisten an seine Braut". Im Brief spricht er von seinem Motiv: "Kampf für den Weltkommunismus ... Wir haben ein klares Lebensziel, eine Sache, für die zu kämpfen sich lohnt. Das unbedeutende Ich wird dieser vielverheissenden Menschheitsbewegung völlig untergeordnet. Unser Leben scheint oft hart, die Unterordnung fällt vielen nicht leicht. Doch ist das Wissen unser reicher Lohn, dass jeder einzelne in bescheidenem Mass an einer Sache mitwirkt, die der Menschheit besseres Leben bringen wird. Einzig dem Kommunismus habe ich mich mit Leib und Seele verschrieben. Er ist mein Leben, mein Beruf, meine Religion und mein Hobby, meine Geliebte, mein Atem, mein tägliches Brot ... Ich war für meine Ideale auch schon im Gefängnis; wenn sein muss, liesse ich mich dafür auch umbringen".

389

Was schliesst Bill Bright aus dieser Opferfähigkeit für eine bessere Welt? Diese Opferfähigkeit eines jungen Menschen, der Religion ablehnt widerspricht ja dem, was die Fundamentalisten und Ostermann behaupten, wonach "der natürliche Mensch" nicht anders als sündigen kann. Bill Bright baut seine Argumentation auf der Angst vor dem Kommunismus auf, Darum ruft er eindringlich: "Begreifen Sie, hier liegt der tiefste Grund für den Erfolg der Kommunisten! Und lassen Sie sich nicht täuschen, das Ziel ist die Weltherrschaft!"

390

"Wenn man das phänomenale Anwachsen des Kommunismus unserer deka­denten westlichen Kultur gegenüberstellt, die dem Untergang zuzu­treiben scheint, muss man einfach begreifen, dass wir nicht mehr länger Kirche spielen dürfen".

391

Jüngerschaft sei ein Vorrecht: „Jüngerschaft ist ein Vorrecht: Uebergeben Sie ihm (Jesus) Ihre Zeit, Ihren Besitz, Ihre Gaben, damit er durch Sie wirken kann und Sie ein nützliches Glied in seinem Plan für die Welt werden!"

392

Das werde „Opfer bedeuten. Für einige kann es zum Tod, zum Märtyrertod führen. Aber - gibt es etwas Wichtigeres, wofür man sein Leben ver­lieren könnte? Nennen Sie mir doch einen grösseren Führer, dem zu folgen sich lohnte!'

393

"Wir bitten Gott um 5 Millionen aktive Christen, die sich ihm ganz zur Verfügung stellen wollen. Wir erwarten, dass sie sich in sämtlichen Teilen der Vereinigten Staaten einsetzen werden, um die 200 Millionen Amerikaner mit Jesus zu konfrontieren und dann auch die übrige Welt. Unsere Mitarbeiter und Schulungszentren stehen zu Ihrer Verfügung, um Sie, Glieder Ihrer Gemeinde oder andere Gruppen, anzuleiten ".

394

An dieser Stelle folgt die Adresse von Campus Crusade in der BRD, mit dem Angebot, dass bei einer Ausbildung für "Sie persönlich" ein "Aktionsplan" erarbeitet würde, und zudem noch ein Aktionsplan für Ihre Gemeinde, Stadt, Ihren Staat, Ihr Volk und die Welt". "Sie können an der Verbesserung der Welt mitwirken, wenn Sie sich Jesus verschreiben und selbst zu einem Revolutionär werden".

395

 

396

Eine revolutionäre Vision

397

"Unser Aktionsprogramm ist nicht einfach von Menschen erfunden worden. Gott hat uns den Auftrag gegeben".

398

Im beratenden Ausschuss sitzt u.a. Dr. Billy Graham. - Weil Campus Crusade "interkonfessioneller Natur ist, kann er weite Kreise der nichtkirchlichen Studenten und Laienwelt ansprechen; Leute, die normalerweise wenig Interesse am Kontakt mit rein konfessionellen Gruppen zeigen würden".

399

Warum Missionierung unter Studenten? "Die heutige Studentenschaft ist die Führungsschicht von morgen und das auf allen Gebieten. Auch während der Studienzeit gewinnen Studenten immer mehr an Einfluss. An den Universitäten sammeln sich Menschen von überallher, aus fernen Gebieten des In- und Auslands."

400

"Unsere Mitarbeiter sind an strategisch wichtigen Universitäten in USA und in Ländern der übrigen Welt eingesehen. Sie reden Jahr für Jahr mit Zehntausenden, Studenten und Professo­ren, machen Interviews oder besuchen Wohnheime. Tausende von denen, die Christus annehmen, werden durch ein sorgfältig aufge­bautes Nacharbeitsprogramm zu wirklichen Jüngern. Viele führende Leute aus Regierung, Sport und Kommunikation sind darunter." - "Ueberall in den Vereinigten Staaten trainieren junge Leute jahrelang, um sportliches Können zu vervollkommnen. Campus Crusade gibt ihnen Möglichkeiten, ihr Können zur Veränderung der Welt einzu­setzen".

401

"Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Konzepten und Anwendungs­bereichen ... Laufend werden auch Möglichkeiten elektronischer Kommu­nikationsmethoden untersucht. Schöpferische Leute mit entsprechen­der Ausbildung haben bei uns ein weites Betätigungsfeld".

402

"Jungen Erwachsenen ... die in einer Uebergangszeit freie Zeit haben, bietet dieses Programm ausgezeichnete Möglichkeiten. Es dreht sich um praktische Mitarbeit in unseren Internationalen Zentrum... Wer sich zu solcher Mitarbeit entschliesst, sollte lernbereit sein und den Wunsch haben, von Gott benützt zu werden. Er erhält Unterkunft und Verpflegung, dazu ein geringes Taschengeld und sollte sich mindestens drei Monate verpflichten können".

403

Missionarische Arbeit an Oberschulen: Zwei Formen haben sich bisher herauskristallisiert. "Organisieren von Jugendevangelisationen in der jeweiligen Stadt; junge Christen werden dafür geschult und angeleitet .... Dies geschieht zusammen mit der Ortsgemeinde und der Stadtverwaltung und zielt darauf, eine ständige Einrichtung zu werden. Mitarbeiter und Schüler reden mit ihren Schulfreunden über Jesus ..."

404

In der Bundesrepublik Deutschland "studieren viele junge Menschen aus fast allen Ländern der Welt", während es früher selbst "Missions­feld" war. Bill Bright spricht' ja von den USA aus. Es ist also so zu verstehen, dass die BRD von USA aus missioniert worden ist, wie es der "Aktionsplan" vorgesehen hat. In den letzten zehn Jahren jedoch sind Bibelschulen in Deutschland entstanden, an denen junge Leute aus vielen Ländern zu "Jüngern" gemacht werden. "Die meisten werden nach der Rückkehr führende Posten in ihrer Heimat bekleiden".

405

Laieninstitute: Ein "wesentlicher Faktor" von Campus Crusade ist die "weltweite Laienschulungsarbeit". Von diesen geschulten Laien werden dann die "Pfarrer und Gemeindeglieder" angeleitet, selbst aktiv Teil eine geistlichen Revolution zu werden Die Betonung liegt auf der Gemeinde als solcher". -  „Die Gemeinde ist wichtig“.

406

"Camous Crusade vor Christ unterstreicht immer wieder die Wichtigkeit der Gemeinde. Wir verlangen von jedem unserer Mit­arbeiter, dass er aktiv in einer Ortsgemeinde engagiert ist.'

407

Mission durch Musik: "Unsere Gesangsgruppen haben ein spannendes Einsatzgebiet in ganz USA und Europa ... Mitwirkende dieser Gruppen beteiligen sich ausser­dem im missionarischen Einsatz an den Universitäten und führen viele persönliche Gespräche.

408

Vorläufige Zusammenfassung der wesentlichen Punkte

409

- Es besteht also klar ein Aktionsplan für Weltevangelisation. Das heisst für die Christianisierung der ganzen Welt im Sinne eines  evangelikalen Christus-Staates.

410

- Bei Bill Bright geht es vorwiegend um einen Kampf gegen den weltweiten Kommunismus.

411

- Christen sollen Revolutionäre werden, aber nicht für die Befreiungstheologie, sondern im Sinne der rechtslastigen evangelikalen Christen.

412

- Das Wort Revolutionär wird in doppelsinniger Weise verwendet: Einerseits ist die Rede von einer Revolution der Liebe, anderseits liegt beim Vergleich mit dem jungen Kommunisten der Aufruf drin, es zu machen wie diese: "Begreifen Sie, hier liegt der tiefste Grund für den Erfolg der Kommunisten". - Die Auffassung, es handle sich um einen Aufruf zur Revolution im herkömmlichen Sinne, wird gestützt durch die Tatsache, dass eigenartige Leute für Christus gewonnen werden, oder sich "zu Christus bekennen": Ehemalige Terroristen aus Gefängnissen, Leiter eines Schlägertrupps, ein General mit blutverschmierten Händen... (Im Studienheft für Mitarbeiter zum Internationalen Kongress für Weltevangelisation figuriert plötzlich ein William R. Bright als Gründer und Präsident von Campus Crusade for Christ, vermutlich Bruder von Bill Bright (laut Internet ist er im Jahr 2003 (82-jährig) gestorben. - Christ International gibt einen Überblick  über die Methoden von Campus Crusade in vielen Ländern.

413

Des Meisters Plan der Evangelisation - Robert E. Colemann

414

Des Meisters Plan der Evangelisation ist ein Buchtitel von Robert E. Colemann, Professor für Evangelisation am Asbury Theological Seminary. - Dieses Buch ist erwähnenswert, weil es zu den von Campus für Christus empfohlenen Büchern für die "Aktion Neues Leben" in der Schweiz gehört. Sein Inhalt ist besonders bezeichnend, weil Jesus zu einem Taktiker und Organisationstalent umgedeutet wird. Besonders ist auch die Sprache zu beachten, es ist die Sprache der Macher, die glauben, alles in den Griff bekommen zu können. Das ganze Buch redet nur von Techniken, die aus dem Verhalten und Sprechen von Jesu abgeleitet werden.

415

1. Das Problem der evangelistischen Methoden

416

"Was ist mein Ziel?" und "Wie erreiche ich es am besten?", wie kommt es zu einer durchschlagenden Wirkung?" "Der Strategie Jesu sei kaum jemals genug Aufmerksamkeit geschenkt" worden.

417

"Der Meister enthüllte Gottes Strategie der Welteroberung. Es gab keinen Zufall in seinem Leben, keine verschwendete Energie, kein unnützes Wort... So wie in dem Gefechtsplan eines Generals wurde auch der Sieg des Sohnes Gottes vorausgeplant" (S.15).

418

2. Seine Methode waren Menschen

419

"Es begann damit, dass Jesus einige Männer in seine Nachfolge rief. Seine Absicht war nicht durch ein Programm die Massen zu erreichen, sondern durch Menschen, denen die Massen folgen würden" (17). Wie zu erwarten "nahm die religiöse Welt jener Tage wenig oder keine Notiz davon, dass Jesus diese Männer um sich sammelte".

420

Es waren Männer, die "zunächst nicht als unentbehrliche Arbeits­kräfte beeindruckten". Jesus holte nicht Männer, die eine führende Stellung in der Synagoge einnahmen. "Die meisten waren einfache Arbeiter". "Kurz gesagt, diese vom Herrn auserwählten Männer gaben ein durchschnittliches Bild der Gesellschaft ihrer Tage". Man mag sich fragen, "wie er sie gebrauchen konnte. Sie waren impulsiv, unbeherrscht, Stimmungen unterworfen, und sie besassen alle Voreingenommenheit ihrer Umwelt". Aber sie hatten eine Eigenschaft, es waren "Menschen, die zum Lernen bereit waren", sie waren biegsam in des Meisters Hand, sie wollten brauchbar werden, sich umformen lassen von des Meisters Hand... Diese Männer hielten Ausschau nach jemand, der sie auf den Weg des Heils führte. Solche Menschen, biegsam in der Hand des Meisters, konnten in ein neues Menschenbild geformt werden. Jesus kann jeden brauchbar machen, der brauchbar werden möchte". (Lot) "Jesus sah in diesen einfachen Männern das Potential für die Führerschaft in seinem Reich" (18-19).

421

3. Jesus konzentrierte sich auf einige: Dass Jesus sich auf einige wenig konzentrierte, darin "liegt das Geheimnis seiner Strategie". - "Er konzentrierte sich auf jene, die er zu gebrauchen beabsichtigte.  Es ist klar, dass Jesus beabsichtigte, diesen Männern eine besondere Stellung und eine besondere Verantwortung in der Arbeit seines Reiches zu geben". - "Auch unter den Zwölf gab es wieder eine gewisse Abstufung" (19/20). "Bevor der Welt jemals bleibend geholfen werden konnte, mussten Männer ausgerüstet werden, die die Volksmenge auf dem Weg Gottes voran führen konnten. Jesus war Realist" (24). "Das bedeutet, dass zusammen mit dem örtlichen Gemeindeleiter eine geisterfüllte Führerschaft ... aufgebaut wird. Einige wenige Menschen, so ausgerüstet, werden zur gegebenen Zeit die Welt für Gott wachrütteln. Sieg wird niemals von den Massen herbeigeführt. Manche wehren sich vielleicht gegen dieses Prinzip, weil es sich praktisch so auswirkt, dass eine ausgewählte Gruppe in der Gemeinde bevorzugt wird. Aber wie dem auch sei: Jesus ist so vorgegangen und wir müssen denselben Weg einschlagen wenn wir standfeste geist­liche Führungskräfte heranbilden wollen" (23). "Dieses Prinzip der Auswahl und Konzentration ist in das Universum tief eingeprägt und wird Folgen haben, ganz gleich, durch wen es zur Ausführung gelangt.

422

An dieser Stelle erwähnt Colemann die Kommunisten, die innerhalb von 75 Jahren die halbe Welt unterjochte. Sie hätten sich die Methode Jesu zueigen gemacht und so sei aus einer Handvoll Fanatiker ein weltweiter Clan geworden. Jesus habe seinerzeit "demonstriert", "dass die Volksmenge leicht gewonnen werden kann, wenn ihr nur starke Führer gegeben werden. - "Es ist Zeit, dass die Gemeinde dieser Situation realistisch gegen­über tritt und dass die Tage der "Spielerei" zu Ende gehen"(26). "Aus diesem Grunde müssen wir uns ... zu denen wenden, denen die Masse folgt" (siehe auch Konzept Sir Catherwood). - "Natürlich müssen wir uns besonders um solche bemühen, die schon in verantwortlichen Führungspositionen stehen. Vieles ist erreicht, wenn sie gewonnen und geschult werden. Wenn wir aber nicht oben anfangen können, dann lasst uns beginnen, wo wir sind, und einige der "Geringeren" trainieren, damit diese dann aufsteigen" (27).

423

"Wir müssen sehen, wie Jesus seine Leute zur Weiterführung seines Werkes schulte" (27).

424

4. Die Methode Jesus, Leute heranzuziehen, war ganz einfach

425

Jesus holte sich die Männer, die er führen wollte. "Diese einfache Methode wurde von Anfang an erkennbar in der Einladung an jene Männer, die Jesus führen wollte". Er sagte: "Kommt und sehet". - "Folge mir nach“. - "Ich will euch zu Menschenfischern machen". Dies war das Wesentliche an seinem Trainingsprogramm - seine Jünger sollten ganz einfach ihm folgen" (30. - "Jesus hatte keine formelle Schule, kein Seminar, kein besonderes Studienfach, keine regelmässige Gemeindeschulung, für die er seine Jünger anmeldete. Keine dieser hochorganisierten Ausbildungsstätten, die wir heute für notwendig halten, finden wir in seinem Plan... Alles was Jesus tat, um diese Männer in seinem Sinn zu unterrichten, war, sie näher zu sich selbst zu ziehen. Er war seine eigene Schule, und sein eigener Lehrplan" (30). - Es ist von Vorteil, dass wir hier einen Moment innehalten, und uns vor Augen führen, dass Robert Colemann das Sprechen und die Handlungen von Jesus zuhanden der heutigen Evangelisationsunternehmen in Anspruch nimmt. Die Manager der evangelikalen Evangelisation halten sich in einem noch nie dagewesenen Sinn für "Stellvertreter Christi", in der Meinung, dass dessen Jünger absolut seine Stelle vertraten"(69/70).

426

Dem Jesus von Nazareth wird unterstellt, er habe eine Strategie für Welteroberung entwickelt, die von den Evangelisatoren nun durchgeführt werden. Gemeint ist: Nichts dürfe dem Zufall überlassen bleiben, keine Energie verschwendet, kein unnützes Wort gesagt, sondern es soll ein Gefechtsplan für den Sieg (gegen den Kommunismus) erstellt werden. Es gehe um Welteroberung, um Christianisierung der Welt. Dazu sollen durchschnittliche Leute, Männer herangezogen werden und zwar solche, die gewillt sind, sich von ihren Führern umformen und gebrauchbar machen zu lassen. Sie sollen biegsam sein in den Händen ihrer Evangelisationsmeister. Ferner müsste eine ausgewählte Gruppe heranbildet werden, eine bevorzugte Gruppe, die zu Führungskräften heranzubilden seien. Ferner seien jene Männer heranzuholen, welchen die Masse bereits jetzt schon folge (gemeint sind die erfolgreichen Evangelisten. Jesus habe seinerzeit demonstriert, dass die Volksmenge leicht zu gewinnen sei, wenn man ihr starke Führer gebe. Ganz besonders seien jene heranzuziehen und in den Plan einzuweihen, die schon in verantwortlichen Führungspositionen stehen. Wenn diese erreicht würden sei schon viel gewonnen. Anderseits sollen dort, „wo wir nicht oben anfangen können diese Männer nehmen, die vorhanden sind. Wir können sie trainieren und sie dann aufsteigen lassen, wenn sie sich bewähren. Wir holen uns die Männer, die sich formen lassen wollen, die sich gern einer Führung anvertrauen, es gibt so viele junge Männer, die einen Führer, einen Guru, einen Meister suchen. Packen wir die Situation“: das ist die Aussage. - Es sei nicht nötig, diese Männer einer gründlichen Schulung in Seminarien zu unterziehen. „Wir müssen sie nur nahe an uns heran­ziehen, sie überall mitnehmen, damit sie an unserem Beispiel des Evangelisierens sehen können, was wir von ihnen erwarten. Gebt ihnen zuerst einfache Aufgaben. Das Organisieren von Schlafgelegenheiten und dergleichen. "So wie kleine Kinder die Aufmerksamkeit ihres Vaters suchen, waren die Jünger immer ihrem Meister zu Füssen“ (34).

427

5. Jesus und die Frauen

428

Die Frauen dürfen dienen und helfen, aber Jesus habe zwischen den Geschlechtern deutliche Grenzen gesetzt. "Gewiss lehnte er ihre gütige Hilfe nicht ab ... Trotzdem war sich Jesus der Grenze zwischen den Geschlechtern bewusst und obwohl er die Hilfe dieser Frauen willkommen hiess, konnte er keine von ihnen in die auserwählte Gruppe der Apostel einfügen."  Das sei eine Grenze, die es zu beachten gelte (35).

429

6. Es ist Gehorsam zu verlangen: Jesus erwartete von den bei ihm lebenden Männern Gehorsam und Treue. "Sie wurden seine Jünger, was bedeutet, dass sie Lernende, Schüler des Meisters waren, und was "unvermeidlich war ... mit der Zeit übernehmen treue Nachfolger unweigerlich die Wesenszüge ihres Führers". Die Evangelisationsunternehmen und ihre Bosse fordern an Christus Stelle Gehorsam und Treue von ihren Schülern und zwar in einer Nachfolge, die dahin führt, dass sie Wesenszüge ihrer Führer annehmen. Sie wollen noch mehr, sie verlangen den "Weg des Kreuzes". "Jesus nachzufolgen schien den Jüngern anfangs einfach zu sein. doch nur deshalb, weil sie die Art seiner Nachfolge noch nicht kannten ... Es war eine Uebergabe des gesamten Lebens an den Meister, in absoluter Unterwerfung unter seine Herrschaft." Dies war eine harte Lehre ... Sie zählten gerne zu seinen Nachfolgern, wenn er ihre hungrigen Mägen mit Brot und Fisch füllte, aber als Jesus begann, über die wahren geistlichen Kennzeichen seines Reiches zu sprechen und von dem dafür nötigen Opfer, wandten viele seiner Jünger sich ab.." (40-41). – Jesus "schulte Führer für sein Reich, und wenn sie brauchbare Werkzeuge im Dienst sein sollten, dann mussten sie auch den Preis dafür bezahlen". Jesus lief den Jüngern nicht nach. "Jesus hatte weder die Zeit noch­das Verlangen, sich mit denen abzugeben, die ihre eigenen Bedingungen bezüglich Jüngerschaft stellen wollten" (42). "Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete“. "Absoluter Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber war der beherrschende Grundsatz im Leben des Meisters". - Durch die Liebe wird höchster Gehorsam ausgedrückt (44-45). "Ein Vater muss seine Kinder zum Gehorsam erziehen, wenn er von ihnen erwarten will, dass sie ihm gleich werden sollen" (46). "Es ist zu beachten, dass Jesus jene Männer zu Führern seiner Gemeinde machte. Keiner kann aber jemals Führer sein, bevor er gelernt hat, der Leitung eines anderen zu folgen. So zog Jesus die Zwölf als seine zukünftigen Führungskräfte von der Pike auf heran und schulte sie in der nötigen Selbstzucht und in Respekt vor der Autorität. Es konnte keine Auflehnung ihm gegenüber geben... dass sie sich fest an den hielten, der allein die Strategie des Sieges kannte. Dies erforderte absoluten Gehorsam dem Willen des Meisters gegenüber, wenn es auch vollkommene Selbstaufgabe bedeutete“.  – „Wir müssen diese Lektion heute wieder neue lernen. Wir stehen in einem Kampf, in dem es um Leben und Tod geht ... müssen wir erkennen, dass wir zu Dienern des Herrn bestimmt sind und seinem Wort ge­horchen sollen. Unsere Aufgabe ist es nicht, zu erörtern, warum er so spricht, sondern wir haben seine Aufträge auszuführen" (47), doziert Robert E. Colemann.

430

Solche Unterwerfungstheorien im Namen des Christentums hat es zwar schon früher gegeben. Zum Beispiel beim Gründer des berüchtigten 0pus Dei im katholischen Raum (Msr. Esgriva) . Im vorliegenden Fall kommen der Anspruch nach Unterwerfung und der Anspruch, Stellvertreter Christi zu sein, von einer Seite, die früher vehement gegen diesen Anspruch der katholischen Kirche protestiert hatte. Alle Freikirchen sind aus Opposition zu diesem katholischen Anspruch entstanden, und nun ist es ausgerechnet eine Organisation der Freikirchen (die Evangelische Allianz und ihre Unterabteilung "Campus für Christus"), die sich für diesen Autor stark macht und seine Theorie verbreiten hilft.

431

Eigentlich würden diese Auszüge genügen, um den Geist klar zu machen, welcher der Evangelisation von Campus für Christus zugrunde liegt. Interessant dürfte es sein, dass eine einzige Person in diesem Buch namentlich genannt wird: Billy Graham, der als "führender Evangelist der Gegenwart" vorgestellt wird. Es sei von Bedeutung, dass er klar den Wert des Planes Jesu erkenne.

432

Interessant ist weiter, dass Campus für Christus inbezug auf die "Aktion Neues Leben" das Literaturhinweisblatt, in welchem Robert E. Colemann empfohlen wird, nicht allen Prospekten einheften liess. Im Prospekt für die reformierten Pfarreien, welche über die Aktion orientiert, fehlt das grüne Blatt (Seite 4). Offenbar dürfen die Hintergründe dieser Aktion nicht bekannt werden. Es wäre aufschlussreich zu wissen, wie viele Varianten dieser Prospekte Campus für Christus drucken lässt.

433

Colemann verbreitet unseres Erachtens eine feudalistisch geprägte bis faschistische Auffassung von Christus-Nachfolge, indem sich die Evangelisatoren an die Stelle von Christus setzen, Führer sein wollen, denen die Schüler absolute Unterwerfung und Gefolgschaft schulden und dies im Namen des Christentums. Noch ein paar Zitate: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert“ ... Bevor Jesus "sie ans Werk schickte, versicherte er ihnen, dass sie absolut seine Stelle vertraten. Ihr Werk galt genauso, als würde er es selbst tun: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat". – „Welch eine Gleichsetzung: Die Jünger sollten in jeder Weise die Stellvertreter Christi sein. So eng war diese Verbindung. Wenn jemand einem der Geringsten ein Glas kaltes Wasser im Namen eines Jüngers reichte, dann..." (69-70). Jesus befahl dem Petrus dreimal, seine Schafe zu weiden.“ - "Es war eine klare Proklamation seiner Strategie der Welteroberung“. - „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erde“. - "Noch lange, nachdem Jesus die Jünger zum ersten selbständigen Einsatz losgeschickt hatte, musste er sein Trainingsprogramm an ihnen weiter führen. Hauptpunkt der Schulung war, dass Jesus seine Jünger zu zielbewusster Arbeit anleitete ... Sein Lehrplan gab Gewähr, dass das Beste aus ihnen herausgeholt wurde ... Es ging dem Herrn ganz besonders um Führungskräfte ... Neue und kühne Wege werden, sobald sich die Situation ändert, erprobt werden müssen ... Indem Masse, wie sie Gott treu wären, würde er für alle ihre Bedürfnisse sorgen. Der Arbeiter ist seiner Speise wert ... Das ist Liebe. Sie gibt sich immer selbst auf ... Im Reich Gottes gibt es kein Platz für Drückeberger.“

434

A.E. Wilder Smith - Chefideologe der Fundamentalisten

435

Prof. Dr. Wilder Smith ist Chefideologe der Fundamentalisten (Buch: "Wer denkt, muss glauben". Nach Wilder Smith ist Gott eine "Superpersönlichkeit", die "superintelligent, allwissend, allgegenwärtig und superpersönlich ist". Es gebe zu viele Gesetze: „Die zehn Gebote Gottes genügen“.  – Unter dem Titel: „Die Sozialisten und die 10 Gebote Gottes" fragt und kritisiert Wilder Smith, ob „die heutigen Sozialisten der Welt und Bürgern buchstäblich unzählige ... Gesetzlein im Gesetzbuch aufbürden und uns damit belästigen“ müssen … nur weil sie die einfachen Zehn Gebote Gottes loswerden wollen". Ferner vergleicht Wilder-Smith auf die „Hackordnung bei den Tieren“, daraus er „Gottes Schöpfungsordnung“ ableitet und auf die hierarchische Ordnung: "Selbst weniger intelligente Tiere, wie Kühe, üben eine Hackordnung aus – eine Kuh ist Leittier und überlässt keiner anderen Kuh den vordersten Platz- und reflektiert somit über ihren Platz in der Herde". -  „Die Modernen wollen nicht glauben, sie könnten schon ... dass die Modernen eher nicht glauben wollten, als nicht glauben konnten“ ... Deshalb sei „die Welt erfüllt von gewaltsamer Rebellion von Krieg, von Totschlag und von Vernichtung. „Ihr seid rebellisch gegen euch selbst und gegen eure eigene Ratio und deshalb gegen Gott ... und gegen seine ganze Schöpfung. Ihr müsst umdenken.“

436

Das Paradies gehört Adam: In Adams Paradies ist Gottes Ziel mit uns Menschen ... Endlich ist völlige Verständigung, völlige Gemeinschaft zwischen den Menschen und Gott und Gott und Menschen praktikabel. Zwei Arten von Persönlichkeiten - Menschen und Gottmensch - haben sich jetzt völlig gefunden“. Gott habe „nur mit Adam etwas vor: "Gottes Plan für uns Menschen ... Es soll mit uns noch viel herrlicher werden als mit Adam im Paradies". Seit „der Auferstehung Christi verwaltet ein Mensch, Christus der Gottmensch die Throne Gottes. Die Verwaltung des Himmelreiches liegt in den Händen eines Menschen ... Der Mensch, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben wurde, spricht wie wir, denkt wie wir, freut sich wie wir, kennt die Mühen des Lebens und Sterbens wie wir, denn er starb wie wir".  - Adams Paradies sei „Gottes Ziel“.

437

Intelligenz und Person: "Aber ist etwas, was Intelligenz besitzt, zur gleichen Zeit und automatisch eine Person? Nein, denn ein richtig programmierter Computer kann Schach besser spielen lernen ... Wir reflektieren über uns selbst und sind deshalb Personen. Unsere Personhaftigkeit hat aber mit unserer Intelligenz wenig zu tun. Gewisse Menschen, die bestimmt Persönlichkeiten sind, brauchen nicht sehr intelligent zu sein“ (S. 39). Intelligenz verlange, „dass der Grössere vom Kleineren profitiert: "Dies bringt mit sich, dass er (Gott) nicht nur über sich selbst reflektiert, er wird auch über uns reflektieren - was wir tun, wie wir uns verhalten. Personen reflektieren über Personen. Er wird auch seine Handlungsweise ändern, je nachdem, was er bei uns sieht“. Intelligenz verlange, „dass er von unserer Handlungsweise „profitiert“ … „weil er für uns in der Zeit ein Gedächtnis“ habe (39). "Der Grössere“ mache das Kleinere. Wenn wir Personen mit Selbstreflexion sind, muss Gott demnach eine grössere Person mit grösserer Selbstreflexion sein als wir. (was er unter Reflexion versteht, zeigt Wilder Smith mit dem Bild der Kuh, die eine Hackordnung ausübt, den vordersten Platz verteidigt (sie reflektiere somit über ihren Platz in der Herde).

438

Wilder Smith gehört zu den wenigen Auserwählten, die an der Explo 85 an der MUBA reden werden. Das weist auf die Bedeutung hin, die von Campus für Christus diesem Ideologen beigemessen wird. Seine Theorien bewegen sich ganz im Rahmen des fundamentalistischen Konzertes.

439

Die Verteidigung der Hierarchie und des Patriarchats, indem er auf die "natürliche" Hackordnung der Tiere hinweist, ist auch bei anderen Autoren der Hänssler-Verlages und Schwengeler-Verlages zu finden. Zudem wird anhand von Affen, Silberfischchen u.a. die angebliche Dominanz und Vorrangstellung alles Männlichen gegenüber allem Weiblichen abgeleitet und unter dem Namen "Gottes­ Schöpfungsordnung" verkauft, obgleich diese Argumentation biologistisch und naturalistisch ist.

440

Von daher ist es nicht verwunderlich, dass Wilder Smith Eva aus dem Paradies verbannt in einer Radikalität, die wir für überwunden gehalten hatten. Gottes Ziel sei „ein Paradies, das Adam gehört: "Adams Paradies". – Dies ist der Wunsch dieses unheimlichen Autors.

441

Der Gedanke, Intelligenz verlange, dass das "Grössere", Intelli­gentere vom "Kleineren" profitieren müsse, -passt ganz ins evangelikale Machtdenken. Mich machen all diese hektisch betriebenen Versuche, die einfachen Menschen in Griff zu kriegen, für sich nutzbar zu machen unter frommen Titeln, bis in die Knochen frieren. Und ich zittere beim Gedanken, es könnte dieser macht­süchtigen männlichen Minderheit, dank Unterstützung von Banken und Industrie, gelingen, wie einst Hitler, ihre schreckliche Utopie in die Tat umzusetzen in aller Heimlichkeit.

442

Dr. Billy Graham - Evangelist der grossen Massen

443

Der von Dr. Eduard Ostermann gemanagte Grossevangelist Billy Graham gilt als der erfolgreichste in der heutigen Zeit. Dr. Luis Palau figuriert hinter Billy Graham. Zahlenangaben besitzen wir nur über Palau, diese wiederum mögen ein Begriff über die Grössen-Ordnung bei jenem geben: "Dr. Palau hat bisher in über 38 Nationen insgesamt 5,4 Mio. Menschen mit seinen Vorträgen direkt angesprochen, dazu kommen mehr als 200 Mio. Radiohörer und Fernsehzuschauer. Die Auflage seiner Bücher hat die 16 Mio. Grenze überschritten. Ueber 40 Filme mit christlichem Inhalt wurden bisher produziert.  – Palaus Radioprogramme werden täglich von ungefähr 15 Mio. Menschen in über 20 spanisch-sprachigen Ländern gehört". (aus dem Traktat der Christusfestwochen 1985 in Zürich. Luis Palau sprach über: “Was ist ein echter Christ?“.

444

Wir haben bereits erwähnt, dass Billy Graham an der Explo 85 als grosser Mann der Evangelisation über Satellitenfernsehen zu hören sein wird. Die ganz zentrale Rolle von Billy Graham wird noch deutlicher, nachdem wir auf die Lausanner Dokumentation gestossen sind. Billy Graham war am Evangelisationskongress von 1974 "Ehrenvorsitzender" der nach Bischof Ja Dain (Vorsitzender des Planungskomitees) eine Begrüssungsrede hielt. Auch das Schlusswort lag bei Billy Graham. Aus seinen Reden zu diesem Grossanlass, ist zu ersehen, was Billy Graham für wichtig erachtet. Wir behalten dessen Reihenfolge bei: Für Billy Graham war dieser Kongress "die wichtigste Zusammenkunft dieses Jahrhunderts", auch als die wichtigste "in der Geschichte der christlichen Kirche". - "Die evangelistische Front der weltweiten Gemeinde Jesu Christi“ sei „hier versammelt". - "Seit wir uns vor acht Jahren in Berlin trafen, haben in der religiösen Welt enorme Entwicklungen stattgefunden". - "Wir sind uns alle der aufsehen­erregenden Aenderungen in der römisch-katholischen Kirche bewusst". - "Dann ist da noch die phänomenale Entwicklung in der charismati­schen Bewegung". (Es ist nicht klar, ob die charismatische Bewegung des Heimholungswerkes Jesu Christi gemeint ist, oder mitgemeint ist. Heute 1985 gibt es ja verschiedene Gruppierungen, die sich charis­matisch nennen. Ein Bericht im "Wendekreis" aus Kolumbien beklagt sich über rechtslastige Charismatiker, die "Hunderttausende Hektaren Land und dicke Bankkonten" besitzen, und dass die Mitglieder der charismatischen Bewegung, meist zur herrschenden Schicht gehören.)

445

"Lateinamerikaner reagieren in beispielloser Zahl auf das Evange­lium. In vielen Teilen Lateinamerikas vermehren sich die evangelikalen Kirchen kräftig. In Nordamerika, besonders in den Vereinigten Staaten ist ein steigendes Interesse am Evangelium ... zu bemerken". (Wie sich dieses Interesse auswirkt, davon reden die Zeitungsberichte 1983 (Do.36) über die fundamentalistischen Aktivitäten. Billy Graham ist Fundamentalist)

446

Billy Graham fährt fort: Es sei "wahr, dass die alten traditionellen Denominationen mit theologisch liberaler Tendenz abnehmen“, aber es sei „festzustellen, wie die evangelikalen Denominationen, wie zum Beispiel die Southern Baptist Convention, Amerikas grösste protestantische Denomination ein ständiges Wachstum zeigen. Ein anderes interessantes Phänomen in Amerika“ sei, dass die evangelikalen Seminare und Bibelschulen überlaufen“ seien, und „die mehr liberalen Schulen einen dramatischen Rückgang verzeichnen. Zur gleichen Zeit zeigen die Bilanzen der parakirchlichen Organisationen ein Aufblühen wie nie zuvor" (S.35-36).

447

In Afrika gebe es heute mindestens 70 Mio. Christen. "Afrika südlich der Sahara könnte im wesentlichen gesehen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts christlich sein". "Während der Euro 70 (?) haben wir 37 Städte durch Kabelfernsehen angeschlossen". In der östlichen sozialistischen Welt habe sich die Anzahl der Baptisten verdoppelt. - Im nächsten Punkt kommt Billy Graham, ganz im Sinne von Ed.Ostermann auf das Problem mit dem Oel zu sprechen, nachdem der erste Teil eine Art "Triumpf-Geschrei" über die Erfolge der Evangelikalen über die "liberalen" Denominationen darstellt. -  "In zehn Jahren werden die oelproduzierenden Länder des Nahen Ostens den gesamten internationalen Finanzmarkt völlig beherrschen. Ein libanesischer Bankier schätzt, dass die Länder des Nahen Ostens 1980 ... zwei Drittel der gesamten Weltfinanzreserven besitzen". - "Es arbeiten sogar kleinere und unterentwickelte Nationen an der Atombombe" (S.38).

448

Graham geht auf das reichlich fliessende Oel, das den internationalen Finanzmarkt durcheinander zu bringen droht, nicht weiter ein, er setzt das Wissen um diese Gedankengänge voraus. Dr. Gerhard Bergmann, ein Freund von Ostermann hat dem Reichtum aus Oelvorkommen ein Traktat gewidmet (TELOS-Hänssler-Verlag). Darin legt er auseinander, dass der Islam Weltherrschaft anstrebe und dank dem neuen Reichtum aus Oel sich immer weiter verbreite. Das hindert ihn aber nicht daran, eine Rückbesinnung auf "Islamische Werte", wie Gehorsam, zu fordern. Es gehe nun darum: "Mohammed oder Christus")- Im nächsten Punkt spricht Graham von den Gefahren des "Okkultismus", dem autogenen Training und der Astrologie, die "Anläufe" für den Teufel seien. In der Sowjetunion seien ganze Dörfer von "Hexen beherrscht". - "Dies ist eine Konferenz der Evangelikalen ... Wir glauben, dass unsere Ansichten bei den anderen weltkirchlichen Treffen nicht ausreichend vertreten waren".

449

Graham fährt fort: Seit Edinburgh habe sich "die Autorität der Evangelisation" verschoben von der Heiligen Schrift auf die organisierte Kirche. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit stärker auf das Wohl der gesamten Gesellschaft als auf das Heil des einzelnen Menschen. Dies wurde bekannt als das sogenannte "soziale Evangelium". - "Es ist meine Hoffnung, und mein Gebet, dass Lausanne 1974 uns theologisch zurückbringen wird". - Nach Edinburgh hätten sich "zwei Hauptströme für moderne, missionarische Bewegungen" herausgebildet. "Die erste war die evangelikale, die zweite könnte man als die ökumenische bezeichnen". Immer mehr habe sich der Schwerpunkt von evangelistischer Tätigkeit zur sozialen und politischen Tätigkeit" verschoben. "Schliesslich wurden Richtlinien aufgestellt, die nahezu ausschliesslich für den Humanismus plädierten, die Wiederversöhnung zwischen Mensch und Mensch, anstatt die Versöhnung des Menschen mit Gott". Seit Edinburgh hätten sich noch andere Gepflogenheiten geändert. Früher seien die Delegierten noch zum grössten Teil "aus den Führern der Evangelisation und Mission ausgesucht worden." Da seien noch nicht die "Kirchenführer und Kirchen vorherrschend" gewesen. "Dieser Kongress“ versammle sich als „ein Leib, der einem Herrn gehorchend mit einer Aufgabe einer Welt gegenübersteht". Evangelisation sei „in einigen Kreisen in einer Weise neu gedeutet worden, als ob in erster Linie die Strukturen der Gesellschaft darin geändert würden und die Ausrichtung der Gesetzgebung in Gerechtigkeit und Frieden damit gemeint wäre".

450

"Bitte missverstehen Sie mich nicht. Wir Evangelikalen sollen glauben, dass es die Sorge eines jeden einzelnen Gläubigen ist, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.“ Aber dieses sei „nicht in erster Linie (Aufgabe) der Evangelisation". - Sich mit den Herzen der Menschen befassen (nicht mit Gesellschaftsstrukturen), das ist für Billy Graham die "biblische Evangelisation". Daher wünscht er, dass der Kongress eine "Erklärung zur biblischen Evangelisation abgäbe". "Die Zeit ist gekommen für die evangelikale Welt, mit einer starken, klaren Stimme eine biblische Definition der Evangelisation zu geben." - "Ich möchte die Generalversammlung des Weltkirchenrates ... auffordern ... mehr evangelikale Konzepte für Evangelisation und Mission anzunehmen". "Die Zeit zum Handeln ist gekommen ... Evangelikale gewinnen schnell Anerkennung und nehmen immer mehr zu". - "Die Ernte ist reif. Die Erntezeit selbst währt nur kurze Zeit. Sturmwolken ballen sich zusammen. Satan sammelt seine Heere für die grimmige Attacke in der Geschichte. Wir haben einen kosmischen Kampf mit beiden, den sichtbaren und der unsichtbaren Welt zu bestehen“... Der endgültige Sieg ist sicher".

451

Billy Graham gibt den Rat, "dem blutbefleckten Weg des Sohnes Gottes" zu folgen. "Er braucht gewöhnliche Leute wie uns als Werk­zeuge. Aber es ist sein Werk" (S.56-58).

452

Der König kommt: Das Schlusswort setzt Billy Graham unter den Titel: Der König kommt.

453

"Unsere Welt befindet sich in einer Führungskrise. Wir schauen nach einem Menschen aus, der die Bühne dieser Welt mit einer Formel für den Weltfrieden betreten wird. Die Menschheit warte auf einen Helden, eine Führerpersönlichkeit - und eines Tages wird er kommen. Jesus Christus wird kommen und mit ihm die Antwort auf unsere so komplexen Probleme". - "Eines Tages wird sich Jesus Christus öffentlich zeigen“ … "Der König kommt“.

454

Dr. Peter Beyerhaus und die Europäischen Bekenntnisgemeinschaften

455

Im März 1969 hat Dr. Peter Beyerhaus den "Theologischen Konvent Bekennender Gemeinschaften" gegründet, und im März 1976 wurde er erweitert zur "Europäischen Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Sinn und Ziel dieser Zusammenschlüsse ist die Bekämpfung der Ökumene mit dem Weltkirchenrat, sowie die "liberale" Theologie. Beyerhaus ist Professor für Missionswissenschaft und Ökumenische Theologie an der Universität Tübingen und Präsident des theologischen Konventes der Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Anlässlich des 3. Europäischen Bekenntnis-Konventes in Frankfurt (Februar 1979) legte Beyerhaus deutlich seine anti-ökumenische Haltung auf den Tisch. In der verabschiedeten Botschaft "an alle Christen in Europa" ist u.a. zu lesen: "Trotz eindringlichen Warnungen hat sich  der Kurs des Ökumenischen Rates der Kirchen in Richtung auf eine Weltveränderungs- und Weltvereinigungsutopie auf dem Boden religionsvermengender Spiritualität nicht geändert ... Aus diesen Gründen rufen wir unsere Kirchenleitungen und Synoden erneut dazu auf, sich vom Ökumenischen Rat der Kirchen zu trennen" (Buch von Beyerhaus: Zwischen Anarchie und Tyrannei - S.120).

456

An diesem 3.Bekenntnis-Konvent sprach Dr. Walter Künneth, Professor in Erlang en über Luthers "Zwei-Reiche-Lehre". Künneth sagte: "Es geht um die Wiedergewinnung ihres Gültigkeitsanspruchs, gleichsam um ihre theologische Rehabilitierung in der politisch-ethischen Ratlosigkeit und Irreführung unserer Zeit".

457

Ein dritter Referent, Prof.Dr. Georg Huntemann, Pastor in Bremen und Dozent an der freikirchlichen Akademie in Basel. Diese „Freie Evangelisch Theologische Akademie Basel“ setzte sich mit der "Frankfurter-Schule" auseinander und wirft ihren Vertretern "Gottes- und Vaterhass der nachchristlichen Gesellschaft" vor. Ihr Programm der "Emanzipation" sei ein "atheistischer Appell gegen biblisch offenbarten, christ­lichen Gottesglauben und die von ihm gesetzte Autorität der Gebote". Es handle sich um "die Wunschvorstellung einer archaischen, auto­ritätslosen und lustbetonten Gesellschaft, die Tabu, Scham, Ehre, Ehrfurcht und Gehorsam" verneine und „an die Stelle Gottes die Unbedingtheit des Kollektivs" setze. Huntemann sagt weiter: "Es gibt kein Ethos ohne Gebot und kein Gebot ohne Gebieter". Für die Zukunft gelte: Evangelisation als Konfrontation wider die Kulturrevolution". Von den Evangelikalen Gemeinschaften verlangt er, dass sie in seinem Sinne "christliches Zeugnis" geben und wenn sie "diesen Auftrag einer konfrontierenden Evangelisation verfehlen", dann seien sie "falsche Friedenspropheten". Er verteidigt vor allem die Autorität, er wirft der Frankfurter Schule vor, sie betreibe eine "Verflüssigung der Person“, sie propagiere „der personfreie Mensch", sie postuliere eine "Kollektivmoral", welche alles zerstöre, "was wir in unserer christlichen abendländischen Zivilisation an Werten gehabt haben". Die Frankfurter Schule sei im Grunde nihilistisch.

458

Ein vierter Referent, Dr. phil. Tage Lindbom, Stockholm beschäftigte sich mit dem Wohlfahrtsstaat. Seine Aeusserungen sind ein riesiges Pamphlet gegen Demokratie, Individualität, Autonomiestreben, Gleichberechtigung der Geschlechter. Lindbom postuliert die Ungleichheit, gerade so, wie "Die Neue Rechte“ dies tut. Er trauert den "Ständen" und Zünften nach, möchte sie wiederkommen sehen. - Lindom geht - wie die meisten der Referenten- davon aus, dass der Verlust der guten Ordnung mit der Französischen Revolution, und mit Rousseaus Ruf nach "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" begonnen habe. Er sieht darin die "egalitäre Wut“ wirken. Die egalitäre Wut richte sich nicht nur „gegen Institutionen, Menschenwerke, sie richtet sich auch gegen Gottes eigenes Werk“. Es sei „die Kriegserklärung gegen einen zentralen Grundsatz in der Natur und im menschlichen Leben: „die Autorität.“ Es sei zugleich eine Kriegserklärung gegen die polare Spannung in allem Leben, die Spannung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen. Es sei ein Krieg gegen die Grundlagen von Gottes Schöpfung (S.116) (fettgedruckt). - Damit aber trete „das Menschenreich In seine satanische Phase ein". -  "Die Finsternis verbreitet sich immer mehr. Als Wächter haben wir eine schwere Aufgabe", weil dies alles zum Totalitarismus führe.

459

Weiter zu Peter Beyerhaus: „10 Jahre Wegbereitung für eine weltweit bekennende Kirche.“ Beyerhaus gibt vor, die Bekennenden Gemeinschaften befänden sich in derselben Situation wie die "Bekennende Kirche" während des Naziherrschaft Dieter Bonhöfer , als sie sich mit der „Barmer-Erklärung" gegen die Vereinnahmung der Deutschen Kirchen zur Wehr setzte. Beyerhaus deutet die Bewegung als Kirchenkampf, womit er die Auffassung von Hermann Dietzfelbinger (Landesbischof) unterstützt, dass es sich um einen Kirchenkampf von gigantischem Ausmass handle.

460

Beyerhaus geht noch viel weiter: "Wenn nicht alles täuscht, so stehen wir heute in einem Glaubens­kampf, einem Kirchenkampf, gegenüber dem der Kirchenkampf des Dritten Reiches ein Vorhutsgefecht" gewesen sei. Er skizziert den Unterschied zum ersten Kirchenkampf: Der erste Kirchenkampf sei zeitlich begrenzt gewesen, regional begrenzt und auf einen eindeutigen Gegner fixiert (die nationalsozialistische Ideologie). Heute gehe es gegen eine Vielzahl von Gegenmächten. Er nennt: den "ökumenischen Synkretismus, den "liberal-humanistischen Säkularismus, die "Humanität ohne Gott", den "Christo-Marxismus", den er insbesondere in der "Paulus-Gesellschaft" verwirklicht sehe. - Noch stärker aber beunruhige ihn „die Ausbreitung dieses Denkens in der Ökumene“. Die Vierte Weltkirchenkonferenz von Uppsala 1968 habe ultimativ die Forderung gestellt, die Kirche müsse jetzt ein po­litisches Totalengagement für die Dritte Welt eingehen". Ein Jahr später sei in Canterbury sogar eine Solidarisierung für bewaffnete Befreiung gefordert worden. - "Die neue ökumenische Faszination hing bereits wie eine Nebeldecke über den Sinnen der Verantwortlichen". Im Gegensatz zur Ökumene sieht Beyerhaus den "triumphalen Erfolg des Internationalen Kongresses für Weltevangelisation 1974 in Lausanne", der "sicher in erster Linie der Aufbruchsbewegung in der evangelikalen Christenheit zu verdanken" sei. Der marxistische Umbruch der Ökumene habe im Jahre 1966 begonnen. Lausanne sei nur zu verstehen "vor dem Kontrast zur ökumenischen Missionsideologie, deren Evangeliums-widriger Charakter durch die Frankfurter-Erklärung aufgedeckt worden" sei. Beyerhaus spricht auch vom "Genfer Ökumenismus, dessen widerchristliches Wesen“ sich ihm  im Laufe der Auseinandersetzungen „ immer abschreckender erschlossen" habe.

461

Evangelikale Vereinnahmung von Dietrich Bonhoeffer:  Dietrich Bonhoeffer war ein lutherischer Theologe, profilierter Vertreter der Bekennenden Kirche und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. - Ab April 1933 nahm er öffentlich Stellung gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung und engagierte sich im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen und den Arierparagraphen. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner hingerichtet. - Bonhoeffer betonte die Gegenwart Jesu Christi in der weltweiten Gemeinschaft der Christen, die Bedeutung der Bergpredigt und Nachfolge Jesu und die Übereinstimmung von Glauben und Handeln, die er persönlich vorlebte, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus. In seinen Gefängnisbriefen entwickelte er einflussreiche, wenn auch fragmentarische Gedanken für eine künftige Ausrichtung der Kirche nach außen in Solidarität mit den Bedürftigen (aus Wikipedia 12.02.2015).

462

Den "Genfer Ökumenismus" verbindet Beyerhaus mit Stichworten wie: Er sei vom Christ-Marxismus bestimmt, er sei verbunden mit Gruppendynamik, mit deren Hilfe es gelinge, Menschen ideologisch zu beeinflussen. Zudem verbinde er sich mit einer "neuen Spiritualität“ die Ekstase suche in gruppendynamischen Sitzungen, Transzendentalen Meditation, Gemeinschaftserfahrung, Beatmusik im Gottesdienst. "Ein ökumenisches Christentum dieser Art" will Beyerhaus "als ein im tiefsten Sinne widerchristliches entlarven und ihm deswegen öffentlich … widerstehen". Er attackiert die "etablierten theologi­schen Ausbildungsstätten", auf denen diese nötige "Geisterunter­scheidung" nicht gelehrt würde. Beyerhaus sagt: "Ueberall fordern bekennende Christen und Missions­gesellschaften, ja ganze Kirchen den Austritt aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen oder leiten ihn ein … Nicht ohne Erfolg“. – Dies „führte dazu, dass endlich eine Reihe von Kirchen ihre Mitgliedschaft im Ökumenischen Rate suspendierten: Die Internationale Heilsarmee, die Methodistische Kirche von Südafrika, die Presbyterianische Kirche in Irland und - zu unserer besonderen Freude - auch erstmalig eine deutsche Landeskirche ... die von Schaumburg-Lippe.

463

Die Gründung der IKGB (Internationaler Kongress Bekennender Gemeinschaften) sieht Beyerhaus als "christlich verantwortbare Alternative zum ideologisch und synkretistisch pervertierten Ökumenismus" (S.30).

464

Der Kampf von Beyerhaus konkretDer Kampf von Beyerhaus und seiner Bekenntnis-Gemeinschaften richtet sich konkret gegen folgende Menschen und Organisationen: Den "neuerstehenden Anarchismus Bakunins“, die „Emanzipations­idee der Frankfurter-Schule“, die „Gruppendynamik Morenos“, den „Evolutionismus Darwins und Teilhard de Chardins und der sie alle um­greifenden Ideologie der Zukunft, der One-World-Ideologie". Schlussendlich kommt er auch noch auf die "Verschwörungstheorie" zu sprechen, die wir von Emil Rahm schon kennen (Illuminaten, Freimaurer, Bilderberg-Club etc.). Soweit die Rede von Peter Beyerhaus. Das erstaunliche ist, dass dieser Mann, der so vehement gegen die Ökumene kämpft, einen Lehrstuhl für Ökumene in Tübingen besetzt. Wir haben Peter Beyerhaus aus verschiedenen Gründen relativ detailliert vorgestellt. Nachdem Beyerhaus und der Bekenntnis-Konvent zuerst isoliert dastand, hatte er nach 10 Jahren Bestehen Schützenhilfe gefunden. Zu seiner eigenen Verwunderung bekam er sie von der Evangelischen Allianz. Von Verlagen der Evangelischen Allianz wurde ihm angeboten, seine Bücher zu drucken. Vertreter vom Verlag Rolf Brockhaus, Friedrich Hänssler und der Liebenzeller Mission nahmen am Bekenntnis-Konvent 1979 teil und hatten sechs Neuerscheinungen mitgebracht. Die idea, der Informationsdienst der Evangelischen Allianz, brachte regelmässig Nachrichten über die Bekenntnis-Gemeinschaften. Nun ist Beyerhaus voll integriert. Schon 1974 wurde er als Referent zur Lausanner Weltevangelisations-Konferenz eingeladen. - Beyerhaus wurde von Billy Graham, der die Einführungs- und Schlussrede hielt, im lobenden Sinn erwähnt.

465

Unsere Schlussbemerkungen von 1985 (leicht redigiert)

466

Ueber Herbert Armstrong sind uns bis heute keine weiteren Unterlagen zugekommen, sodass Uebereinstimmungen lediglich inbezug auf Theorien anderer Autoren feststehen. Ob Herbert Armstrong mit Campus Crusade vor Christ International zusammenarbeitet, müsste durch weitere Recherchen abgeklärt werden. Das Ambassador-College Zürich ist im Tel.-Buch nicht zu finden. Hingegen fanden wir im Impressium von "Klar & Wahr" die Namen Graham und Catherwood. Dies betrifft Sheila Graham, Redaktorin der deutschen Ausgabe vorerwähnter Zeitschrift und Carn Catherwood, der die italienische Ausgabe leitet. Familiäre Beziehungen zu Billy Graham und Frederik Catherwood können also lediglich vermutet werden. - Inbezug auf das Heimholungswerk Christi fügen wir eine Liste über Schweizerische Veranstaltungen bei. Es ist erstaunlich, dass sie des öfters in  öffentlichen Gebäuden stattfinden: z.B. in Schulhäusern, Gewerbeschulen, Universitäten, in einer "Kinderstube" und in einem Singsaal. Sie gilt als charismatische Bewegung. Zu Sir Frederik Catherwood gibt es keine neuen Aspekte. Es ist uns noch nicht gelungen, festzustellen, welchen freikirchlichen Gemeindebund er präsidiert hatte. Im übrigen bestätigen die Recherchen unsere Befürchtungen. Mit Dr.Eduard Ostermann ist eine Schlüsselfigur gefunden worden, bei der nicht nur viele Fäden zusammenlaufen, sondern von dem die Initialzündung ausgegangen und dann "des Meisters Plan", zusammen mit dem "trickreichsten Staranwalt der Ostküste" Charles Colson und anderen ausgebrütet worden ist. Ihm und führenden Industriebossen geht es um die Rettung der westlichen Industriegesellschaft. Das Christentum dient lediglich als Mittel, um eigene Ziele ideologisch zu stützen und die christlichen Gemeinschaften, Freikirchen und Landeskirchen für diese Ziele einzuspannen. Die Investitionen, die heute so grosszügig als "Spenden" gewährt werden, können dannzumal mit Leichtigkeit wieder eingebracht werden, sind doch wesentliche Steuererleichterungen zu erwarten mit der neuen "christlichen Sozialordnung". Die Fundamentalisten in USA sind nicht umsonst so sehr um Kürzung der Sozialleistungen bemüht, zugunsten der Rüstungsindustrie. Ostermann und Catherwood liegen auf der gleichen Linie, ziehen am gleichen Strick. Beide sind der Evangelischen Allianz verbunden, somit auch mit Campus für Christus, Campus Crusade for Christ International, die Arbeitsgemeinschaft (Campus für Christus) für Weltevangelisation, die vielen erwähnten Evangelikalen, pflingstlerischen, charismatischen Gemeinschaften und Organisationen sind ausführende Organe des von Ed.Ostermann initiierten, von Catherwood, Wilder Smith und vielen anderen theoretisch untermauerten Plans für die Weltevangelisation, welcher als "Gottes Plan" ausgegeben wird. Die Weltevangelisation umfasst auch die Umkrempelung der Schulen, in der die Evolutionslehre nicht mehr gelehrt werden dürfte, sondern die Lehre von "Gottes Schöpfungsordnung" Eingang finden müsste. In den USA fanden bereits Bücherverbrennungen statt. Von 8000 Büchern in Schulbibliotheken fanden 1000 Bücher keine Gnade. Die Bücherverbrennung erinnert Peinlich an Hitlers Vorgehen.

467

Unsere Vermutung, die "Aktion Neues Leben" Schweiz werde von den gleichen fundamentalistischen Freikirchen und Sekten getragen, wie in den USA, hat sich als richtig bestätigt. Es gilt jedoch zu unterscheiden zwischen den führenden Köpfen und dem Fussvolk der Bewegung. Die Gemeindemitglieder werden benützt, ihre Einwände werden übergangen, sie haben keine Ahnung, was vor sich geht. Die neuen Köpfe haben das Sagen in den Freikirchen. Wir unterscheiden nun auch zwischen dem alten Fundamentalismus, wie er von den ehemals "Stillen im Lande" noch vertreten wurde, bevor sie von den Industriemanagern und ehrgeizigen Freikirchenführer in den Griff genommen waren. Die neu entstandenen Theorien, die erst in den letzten 10-15 Jahren entstanden sind, könnten als Neufundamentalismus, oder auch als Feudal-Fundamentalismus bezeichnet werden. handelt es sich doch um eine Art neue Religion, um eine neue Art von Christentum, das sich auf feudalistische Auffassungen und Normen stützt, bei dem das Dienen von Unten nach Oben geht.

468

Zum Begriff Sekte: Die Ökumenische Bewegung war auf dem Wege, die kleinen Freikirchen geschwisterlich anzuerkennen. Nun aber die Freikirchen von neuen Führern und Theorien besetzt werden, müsste die Bezeichnung Sekte erneut auf sie Anwendung finden. Jedenfalls dort, wo die evangelikalen Führer ein Verhalten produzieren, das nach Oswald Eggenberger (im Buch: Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen) als sektenhaft bezeichnet werden. Eggenberger nennt: "Richtgeist", die "überbordende Verehrung oder Ver­herrlichung eines Führers und die Ausübung von Druck auf Mitglieder, einer Versammlung", die Androhung von der Macht des Teufels, sei es auch nur, um sie in williger Gefolgschaft festzuhalten. Denn zum christlichen Glauben gehöre wesentlich die freie Entscheidung. Also müssten Luis Palau und Willi Buchwald zu den Sektenpredigern gerechnet werden, nennt doch Palau Menschen nichtchristlichen Glaubens "Höllenfahrer", droht doch Buchwald mit dem kurz bevorstehenden Weltuntergang; er droht mit lebensbedrohendem "Ausschluss", der auch "gute Menschen" treffe. Leider hält Pfarrer Eggenberger seine eigene Auffassung, was sektenhaft ist, in seinem Buch nicht durch. So findet er für die Zeugen Jehovas zwar kritische Worte, nicht aber für die vielen evangelikalen Organisationen und Freikirchen. Er müsste "Newlife", das Werk "Neues Leben" Altenkirchen, Luis Palau, Wim Malgo mit seinem "Mitternachtsruf", Evangelischer Brüderverein Herbligen/BEf die Chrischona, die Freie Evangelische Gemeinde, die Kirchen der Evangelischen Allianz ganz allgemein. Ferner Billy Graham, hinter dem Eduard Ostermann steht, die Pfingstmission, die ihren bis anhin autonomen Gemeinden eine zentralistische, gehorsamsorientierte Zentralorganisation aufzwingen möchte, auch alle dazugehörenden Verlage müssten explizit als sektenhaft bezeichnet werden: Hänssler Verlag, Schwengeler Verlag, die TELOS-Bücherreihen, das ABC-Team und andere. Weiter die Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Berater, die Vereinigten Bibelgruppen, die "Jugend mit einer Mission", die auf eine "Entscheidung" zum Christentum drängen, unter Androhung, dass es ihnen sonst auch wirtschaftlich schlecht gehen wird, und natürlich die düsteren Bekenntnis-Gemeinschaften um Peter Beyerhaus.

469

Nochmals: Diese Beobachtung betrifft die neuen Führer und Köpfe der "ehemals Stillen im Lande", der Freikirchen, die teils in der Evangelischen Allianz und in anderen Organisationen miteinander ver­bunden sind. Mit anderen Worten: die Freikirchen werden von ihren Führungskräften missbraucht in einem zweifachen Sinne. Sie werden missbraucht, indem ihren Lehren neue Sinngehalte unter­stellt werden. Der Brüderrat von der Chrischona-Gemeinde Zürich, Werner W. hat ganz richtig erkannt, dass die neue Lehre nicht eine Vertiefung des Christlichen, sondern eine Verflachung bringt.

470

Die Freikirchen werden zudem dazu missbraucht, die von ihren neuen Führern heimlich veränderten Lehren in die Landeskirchen hineinzutragen. Ferner wird der Missionsauftrag umgedeutet, indem vom Fussvolk gefordert wird, an möglichst vielen öffentlichen Auftritten der Evangelikalen teilzunehmen und auf diese Weise das "Bekenntnis zu Christus" immer zu wiederholen. Dies sei der neue „missionarische Lebensstil“, der zu pflegen sei. Dies sind die Aufträge der neuen Führer. Das brave Fussvolk wird zudem hergeholt, um die neuen Führer beim Kirchenvolk glaubwürdig zu machen.

471

Leute mit einem "tiefen Gebetsleben“ sollen- gesucht und vor einen neuen Gebetskreis gespannt werden, so raten die Organisatoren von der "Aktion neues Leben" (Bericht Werner W.). - In einem sogenannten "Gebetsbrief" werden Basler-Organisatoren aufgefordert, dafür "zu beten" (gemeint ist aber, es sei dafür zu sorgen), dass die Gemeinden, die sich für die Aktion noch nicht entschieden haben, es sind die meisten katholischen Gemeinden, sich für die Aktion entscheiden, denn das würde "die Verantwortungswürdigkeit der Aktion enorm erhöhen". Die Organisatoren berufen sich auf das Recht, die Mittel zu benutzen, die ihr zur Verfügung stehen. Der Missionsbefehl der Bibel sage nämlich nicht, „wie wir das machen müssen" (Zit. Werner W. aus einem Zeitungsartikel).

472

Von Ökumene kann keine Rede sein: Die Begriffe Ökumenisch, überkonfessionell, interkonfessionell sind keine Synonyme. Oswald Eggenberger schreibt, "der Ökumenische Rat wird auf Grund eines andern Kirchenverständnisses" von den Evangelikalen abgelehnt. Von der Weltweiten Evangelischen Allianz sagt er, "die Einstellung zum Ökumenischen Rat sei sehr distanziert. Die "Aktion Neues Leben" hat also mit Ökumene nichts zu tun.

473

Wir haben gezeigt, dass „Campus für Christus“, welche auch für die "Aktion Neues Leben" Schweiz zuständig ist, zugleich Organisator der weltweiten Evangelisation ist. Das Buch von Bill Bright zeigt ganz klar, wie gigantisch die Weltevangelisation, die Christianisierung der Welt vorangetrieben wird, und dass andere Religionen keine Chance mehr haben in den Augen dieser Evangelisations-Ideologie. Den Evangelisations-Bossen geht es darum, dass alle Christen, und seien sie noch so verschiedener Auffassung, im Bereich Weltevangelisation zusammenspannen, die auf eine Christianisierung der Welt hinausläuft. Von Respekt anderer Kulturen und Religionen gegenüber ist keine Rede, im Gegensatz zur Auffassung der Ökumene.

474

Bei Campus für Christus haben die rechtslastigen Christen das Sagen. Bei Jugend mit einer Mission geht dies bis zur offenen Sympathiekundgebung mit dem Faschisten Rios Montt. Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass der Schwengeler-Verlag ein Buch von Präsident Reagan verbreitet sowie das Buch von Charles Colson, der infolge Verstrickung in die  Watergate-Affäre ins Gefängnis kam. Zweifellos wurde die Idee von der Weltevangelisation zur Rettung der westlichen Industriegesellschaft zusammen mit Eduard Ostermann, Billy Graham, Friedrich Hänssler (vom Hänssler-Verlag), mit der Ludwig-Hofacker-Vereinigung und einigen anderen ausgeheckt. Wir haben die Kontakte von Ostermann, die er explizit auflistet in seinem Buch, und wie er zum fraglichen kritischen Zeitpunkt nach der Veröffentlichung des Berichtes des Club of Rome, und dann erst recht nach der Oelkrise 1974 seine Kontakte immer mehr ausgeweitet und enger geknüpft hat. Man kann gut verfolgen, von welchem Zeitpunkt an die Evangelisationsunternehmen aktiv geworden und teils neue Gemeinschaften gegründet worden sind. Dass Ostermann zugleich Direktor jener Organisation ist, welche die Evangelisationen Billy Grahams organisiert, ist nicht Zufall. Dass Peter Schneider, Geschäftsführer der Evangelischen Allianz der Freikirchen zugleich erster Vorsitzender bei der Billy Graham Evangelistic Association ist, ist ebenso wenig Zufall. So sind die Akteure und Ideologen schön vereinigt. Und was für Akteure und Ideologien! Hoher Boss und Koordinator der weltweiten Rüstungsindustrie ist gleichzeitig Chef des grössten, einflussreichsten Evangelisationsunternehmens, nämlich von Billy Graham, (führender Evangelist der evangelikalen und Pfingstlichen Neufundamentalisten. Die Hierarchie funktioniert perfekt über die Evangelische Allianz, die Lausanner Weltevangelisations-Konferenz, der Explo 85, der Organisation "Campus für Christus", die "Aktion Neues Leben" Schweiz. Die Kombination von Kirchenführer und Industriemanagern hatten wir schon bei Catherwood und bei Armstrong. Es macht ganz den Anschein, als würden Billy Graham, Ostermann, Beyerhaus, Hänssler, Dr. Gerhard Bergmann, Bill Bright, Lord Cunningham, Catherwood und einige andere sich als die neuen "Apostel" Christi verstehen, ganz im Sinne von Colemanns neuer Deutung von Jüngerschaft und der Gleichsetzung der Evangelisten mit Jesu Christi, als deren Stellvertreter sie sich fühlen, die sein Werk fortsetzen. Und nicht nur das: Es scheint um eine Machtentwindung zu gehen, ein Sich an die Stelle setzen der bisherigen Führungskräfte der Kirchen, mit dem Hinweis, dass das "Charisma“ die Führerschaft rechtfertigt, bei Billy Graham also mit dem "Charisma" der Sprache, dem die Massen folgen. Die Schlussrede von Billy Graham in Lausanne 1974 ist erschreckend aufschlussreich. Sie zeigt, wie ungemein politisch die Führerschaft aufgefasst werden muss, die angestrebt wird. Graham spricht von der Führungskrise, dass die Welt auf einen Helden, eine Führerpersönlichkeit warte. Es tönt höchst eigenartig, dass sich in dieser Führungskrise Jesus als "Held und Führer" anbieten soll, und dass sich eines Tages nun „Jesus öffentlich zeigen" werde, als König. Diese Sprache erinnert peinlich an jene von Herbert Armstrong, bei dem klar herauskommt, dass ein politisches Spiel getrieben wird mit dem Christentum und den Endzeitprophezeiungen. Die Ähnlichkeiten in Sprache und Vorstellungen bezüglich Gemeindeaufbau und Funktionieren der Gesellschaft sind frappant. Armstrong  ist Fundamentalist, wie ebenso Billy Graham und die übrigen US-Evangelisten.

475

Ist das nicht der Hitler-Gruss, der vom Co-Referent des Evangelisten praktiziert wird. Diese Bilder entnahmen wir dem Studienheft zum Internationalen Kongress für Weltevangelisation: Heft: Planung, Methoden und Hilfsmittel der Evangelisation". Beim Evangelisten scheint es sich um Billy Graham zu handeln (vergleiche Bild Do.157). Billy Graham hat ein Buch geschrieben: "Engel: Gottes Geheimagenten". Ein zwiespältig anmutender Titel, der Assoziationen zu Verbrecherjagt, Kriegstaktiken, Untergrundtätigen weckt. Das Geheimnis ist hier zum "Geheimen" degradiert. Engel sind geheimnisvoll, sie müssen sich aber nicht verstecken, sie haben nicht nötig, ihre Absichten und  Existenz zu verheimlichen. Die Evangelisten sind ja sonst überaus extravertiert. Überall stossen wir auf derartige doppeldeutige Wortbildungen und Bilder.

476

Wer sich intensiver mit Umfang, Sprache, Personen der Evangelisation beschäftigen möchte, dem seien die Lausanner Dokumente empfohlen. die vom Hännsler- und Schwengeler-Verlag (Berneck) herausgekommen sind. Wir sind erst vor kurzem darauf gestossen. Die "Beiträge für Mitarbeiter" im Umfang von über zweitausend Seiten (2’248) waren für 10 Fr. erhältlich. Wir haben uns nun auch den Bücherkatalog (für Buchhändler) beschaffen können, der über alle deutschsprachigen Titel der Evangelisationsbewegung und der Neufundamentalisten orientiert.

477

Christianisierung in Amerika: Marilyn French weist in ihrem Buch "Jenseits der Macht (Rowohlt 1985) auf "Christian Crusade", eine Bewegung, die Amerika und die ganze Welt christianisieren wolle. Sie dürfte mit der von uns erwähnten Campus Crusade for Christ identisch sein. Marilyn French schreibt ferner, dass Gruppen wie "Moral Majority" über eine schlagkräftige Organisation und enorme finanzielle Mittelt verfügen. Eine Gruppe von Millionären habe 1981 begonnen eine Milliarde Dollar zu mobilisieren für die Weltevangelisation. Bereits 1981 hätten 210 Millionäre je eine Million Dollar für diesen Kreuzzug in Aussicht gestellt. Organisator sei ein Nelson Bunker Hunt. An einem Seminar über die Wege zum finanziellen Erfolg" soll Hunt das Ziel seiner Bewegung mit folgenden Worten formuliert haben: "Das wichtigste ist, dass wir in diesem Land ein spirituelles Klima schaffen, das gewährleistet, dass wir unser Geld behalten können". Marilyn French ist der Auffassung, es handle sich um eine christlich-kapitalistische Erneuerung Amerikas". (S. 702/752) Nelson Bunker Hunt habe "Christian Crusade" initiiert (Buch von Marilyn French: Jenseits von Macht. Frauen, Männer und Moral, Rowohlt 1985.

478

Ein baldiger Krieg sei in der Bibel vorausgesagt: Dr. Gerhard Bergmann, Evangelist der Zeltmission politisiert mit der Bibel wie US-Präsident Reagan. Der Islam rüste gegen das alttestamentliche Volk der Juden zum Krieg. Weil ohne Oel gar nichts gehe, müsse befürchtet werden, dass der Kampf um das Oel zu einem Zusammenprall zwischen den Supermächten führen könnte. Weil ein konventioneller Krieg viel Brennstoff verbrauche, der aus Oel gewonnen werde, über das aber die Länder des Nahen und Mittleren Ostens verfügen (nicht wir), zudem die Bibel von 200 Millionen Opfern rede, sei der Eindruck, dass "der von der Heiligen Schrift geschaute Krieg auch ein atomar geführter Krieg sein wird, ein Raketenkrieg". Zudem lege sich „der Gedanke nahe, dass CHINA mit einbezogen sein könnte". (Bergmann: Die Herausforderung des Islam Telos 1980)

479

Peter Beyerhaus geht es nicht ums Geld, wie den Millionären des Westens, sondern um die "Väter", die Hierarchie. Er stellt die Frage: "Wird Gott uns diese innere Erneuerung unserer Kirche zur Rettung unserer Väter noch einmal schenken? Wird es zu einer herzzerreissenden Bussbewegung unter uns kommen?

480

Pluralismus im Christentum nicht erwünscht. Als Fundamentalisten könnten sie auf die Idee nur wie Luther antworten: Wir können es nicht: „non possumus". Er kritisiert, dass "die führenden Persönlichkeiten der meisten Kirchen... in fast einstimmigem Chor den Pluralismus verherrlichen".

481

Die Einheit der christlichen Kirchen ist nach Henri Blocher durch die "Einheit der sichtbaren Institution" zu schaffen. "Als generelle Tatsache bleibt aber die Betonung auf der Einheit der sichtbaren Institution als dem Ziel, dem unsere Bemühungen gelten". Er meint damit die "Einheit der Ordnung", er meint zweifellos die Art und Weise des Funktionieren“ der "Gemeinde"(wie Catherwood) nach alttestamentlichem Vorbild, mit männlicher Hierarchie, Ver­sorgung der Witwen und Armen durch Barmherzigkeit (Almosen) statt AHV)

482

Henri Blocher gehört zu den Referenten von Lausanne 1974. Der nächste Evangelistische Kongress wird 1986 stattfinden. Die Organisatoren erwarten die doppelte Anzahl von Evangelisten, (Evangelikale Fundamentalisten), also 8000 Männer. Letztes Mal war auch nur eine einzige Frau dabei: sie sprach über Kinderevange­lisation. Dies ergab wenigstens ein erster Ueberblick. - Mit dieser Rekapitulation und den Hinweisen möchten wir es vorerst bewenden lassen.

483

Wie weiter? - Das vorliegende Papier ist umfangreicher geworden als beabsichtigt. Trotzdem bedauern wir, über die wichtigen Bücher, die über den Gemeindeaufbau (noch) nicht vorstellen zu können. Auch Charles W. Colsons Bücher (der aus der Watergate-Affäre hervorgegangene Evangelist müssten bearbeitet werden. Dieser fragmentarische, nochmals zu überarbeitende Bericht sowie die sog. Dokumentationsmappe, auf die er sich stützt, wird nur in einigen wenigen Exemplaren kopiert und geht vorläufig vertraulich nur an einige wenige ausgewählte, uns bekannte Personen. Es handelt sich um einen ersten Entwurf, in der Hoffnung auf spätere Ergänzung und Ueberarbeitung. Wir hoffen, dass er all denen, die wie wir beunruhigt sind über die Aktion Neues Leben und über all die Evangelisations-Unternehmen, doch erste Hilfe bietet für eine Stellungnahme. Ueber die Motivation unserer Beschäftigung mit der uns so gefährlich anmutenden Bewegung, welche die sanften, liebevollen Seiten des Evangeliums bedroht, ebenso auch den autonomen Menschen mit Verantwortungsgefühl, den introversiven, meditativen Menschen, die still schöpferisch sein und die demokratische Staatsform möchten, ist im I-Ging folgendes formuliert: "Zuweilen hat man es mit verborgenen Feinden zu tun, ungreifbaren Einflüssen, die sich in die dunklen Winkel verkriechen und von dort aus die Leute suggestiv beeinflussen. In solchen Fällen ist es nötig, diesen Dingen bis in die geheimsten Winkel nachzuspüren, um festzustellen um welche Einflüsse es sich handelt... wenn solche unkontrollierbaren Einflüsse erst ans Licht gebracht und gebrandmarkt sind, haben sie ihre Macht über die Menschen verloren

484

St. Gallen im Dezember 1985

485

Nach 30 Jahren befinden wir uns im Jahr 2015 – Was hat sich verändert?

486

Zwischen 1985 und heute (2015) sind dreissig Jahre vergangen. Die Voraussage der Evangelisten, in  zehn Jahren werde die Evangelisation verwirklicht sein, ist nicht eingetroffen. Der frühere US-Präsident Reagan, der die Aufrüstung betrieb, um „die letzte Schlacht“  zu verwirklichen, ist inzwischen geistig zerfallen und verblödet, denn er ist nicht mal mehr imstande, seine Ehefrau zu erkennen).  Die Diktatur der Sowjetunion ist auf unblutigem Weg zusammengebrochen. Vor zwei Jahren fiel die Wahl für das Papst-Amt auf einen Mann, die kaum jemand für kaum möglich hielt: Es ist Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien, der sich den Namen FRANZISKUS  gab. Mit dieser Namenwahl gibt er seine – den Evangelikalen entgegengesetzte - Auffassung von Christentum zu erkennen. Ferner zeigt er sich imstande, den machtüchtigen Kurienkardinälen Paroli zu bieten  (siehe Buch von Andreas Englisch: FRANZISKUS. ZEICHEN DER HOFFNUNG -  Spiegel-Verlag 2013 und 2014).

487

Die moralischen  Werte des frühen Christentums: Marilyn French erinnert an die moralischen  Werte des frühen Christentums. Anfänglich strebte die christliche Lehre  nach einer Revolutionierung des moralischen Klimas der römischen Welt mit ihrer Betonung von Eigentum und Macht und ihren despotischen Herrschern, die zum grossen Teil wahnsinnig waren. Die moralischen Werte des frühen Christentums entsprachen denen des Spätjudaismus: Barmherzigkeit, Mitleid, Güte, Verantwortungsgefühl den Hilflosen und Schutzlosen, insbesondere den Armen und alleinstehenden Frauen gegenüber. Jesus lehrte, dass solche Eigenschaften mehr wogen als Macht und deren Attribute Reichtum und Prestige. Natürlich zog dieser Glaube die Entrechteten an. Wie jede religiöse Bewegung, die die Unterdrückten vereint, stellte sie für die Herrschenden, die ihren Opfern wie stets zahlenmässig weit unterlegen waren, eine Bedrohung dar.

488

Die Verlagskooperation TELOS insolvent und zerbrochen: Telos wurde 1971 begründet und vereinte initial neun christliche Verlage im deutschsprachigen Raum – sieben davon aus Deutschland, im Einzelnen der Hänssler-Verlag, Blaukreuz-Verlag, Verlag und Schriftenmission der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, Verlag der Liebenzeller Mission, Verlag der St.-Johannis-Druckerei, Joh. Brendow & Sohn Verlag und Verlag der Francke-Buchhandlung sowie die beiden Schweizer Unternehmen Schwengeler Verlag und Trachsel-Verlag. Das Gütesiegel der Kooperation trugen bis 2009 zahlreiche Werke. Die einzelnen Titel sortierten sich zunächst nach ihrer äußerer Erscheinungsform bzw. ihrer Zielgruppe in zahlreiche Unterreihen wie Telos-Paperback, Telos-Taschenbuch, Telos-Hardcover, Telos-Großdruck, Telos-Kinderbuch, Telos-Jugendbuch, Telos-Dokumentation, Telos-Verteilheft und Telos-Extra, z.T. aber auch inhaltlich. - Zum Ende der 1980er Jahre stellte der Trachsel-Verlag als erster die Zusammenarbeit ein. Ende der 1990er Jahre löste sich die Kooperation weitestgehend auf.  Als das Unternehmen 2010 insolvent ging, zerbrach der Markenname Telos schließlich endgültig (aus Internet 15.02.2015).

488

Mitgliederzahlen bei grossen evangelikalen Gruppen rückläufig: Dem Interview von Caroline Fux mit Hugo Stamm (Sektenexperte) aus dem Jahr 2011 ist zu entnehmen, dass die  Mitgliederzahlen seien bei grossen Gruppen rückläufig sind. Ferner aber auch, Hugo Stamm habe „in den letzten dreissig Jahren tausend Sektenschicksale erlebt“. Da werde „so viel Leid in die Welt gebracht“, dass man nicht einfach locker oder süffisant darüber reden könne. Berichte über die Repressionen zeigten, wie radikal und fanatisch manche Gruppen seien, und die Gefahr die von Sekten ausgehen, seien nicht kleiner geworden. Aber die Leute seien bezüglich Sektenthemen sensibilisiert, und die Mitgliederzahlen seien bei grossen Gruppen rückläufig.

489

Das heisst: Obwohl die Umtriebe und Vorhersagen der US-Evangelisten Einbussen erlitten haben dürfen wir nicht vergessen, dass die feudalistischen Herrschaftsabsichten und unterdrückenden Vorgehensweisen der Evangelikalen unverändert weiterbestehen. Es ist daher mehr als angebracht, unsere Beobachtungen von 1985 zuhanden der heutigen Generation in Erinnerung zu rufen und zu raten, besonders darauf zu achten, was sich bei den freikirchlichen Kreisen in unserem eigenen Umfeld tut.

 

Bücher der Weltevangelisten

1)Herbert Armstrong: Zeitschrift "Klar & Wahr" vom Ambassador-College

2(Sir Frederik Catherwood:  Licht und Salz: Wege zu einer Christlichen Sozialordnung, ABC-Team, Bundesverlag Witten

3(Karl Köbler, Würzburg: Aufbau der wahren Weltreligion Jesu Christi

4)Dr. Ed. Ostermann: Ich setze auf das Leben. Ferner: Zukunft ohne Hoffnung?

5)Bill Bright: Die letzte Revolution, TELOS und Hänssler 1974

6)Robert E. Colemann: Des Meisters Plan der Evangelisation

7)A. E. Wilder Smith

8)Billy Graham: Engel - Gottes Geheimagenten

9)Peter Beyerhaus

10)Billy Graham: Lausanner Dokumente

11)Bill Bright: Frauen im theologischen Aufstand