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164 - Friedrich Nietzsche  in Prophetische Denker von Walter Nigg
 

Unaussprechliches gelitten: Zu Friedrich Nietzsche schreibt Nigg (S. 515): „Das „unbeschreibliche, seelisch-geistige Leiden“ müsse den echten religiösen Menschen mit Nietzsche zuinnerst verbinden, weil er durch ähnlich Höllen durchgeschritten sei. Der Unterschied sei, dass der echt religiöse Mensch, nicht, wie der Verfasser des ‘Zarathustra’, an Gott verblutete, sondern ihm unverdienterweise eine beseligende Bejahung geschenkt worden sei.

Leidverbundenheit: Gerade wer an Gott Unaussprechliches gelitten habe und von den Pfeilen Gottes wider alles Erwarten genesen durfte, werde über Nietzsches Verneinung Gottes nicht pharisäerhaft den Stab brechen, vielmehr sich zu einem derartigen Ungläubigen seltsam hingezogen fühlen und aus einer gemeinsamen Leidverbundenheit flüstern: ‘Gott hat vermutlich auch jene lieb, die mit ihm kämpfen; so hat er beispielsweise Nietzsche lieb’ (zitiert aus Berdiajews ‘Die Philosophie des freien Geistes’, 1930) - Mit den Aussagen über Nietzsche sagt Nigg auch etwas über sich aus. Er ging gewisslich durch ähnliche Höllen hindurch wie dieser, ging darin aber nicht unter, sondern ihm wurde eine „beseligende Bejahung geschenkt und er durfte „von den Pfeilen Gottes wider Erwarten genesen“. Nigg fühlte sich zweifellos Nietzsches unruhigem Geist verwandt.

Eine Existenzmitteilung: In „Glanz der Legende“ (S.120) schreibt Nigg: „In einer der schwersten Stunden ihres Lebens stützte sich Katharina auf die himmlische Sophia, von der im Buch ‘ Die Weisheit des Salomos’ gar köstliche Ausführungen zu lesen sind.“ Ferner habe Katharina Plato ins Feld geführt und „zitierte der Sibylle geheimnisvollen Spruch: ‘Selig der Gott, der am Holz hängt.“ (S.121) - Nach Kierkegaard (in: Religiöse Denker) ist das Christentum keine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung (S.60). Kierkegaards Parole sei: „Mit Bewusstsein in die eigene Existenz eindringen“ (61). Welche Existenz meint Kierkegaard? - „Die leidenschaftliche Existenz (61).

Quelle

Walter Nigg: Friedrich Nietzsche  in Prophetische Denker, 1957