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169 - Leo Schestow – russischer Dichter - in Walter Nigg - Was bleiben soll

  

Übervernunft

Mit Leo Schestow sieht Nigg im Christentum nicht Unvernunft sondern Übervernunft. Es bestehe eine überrationale Seinswirklichkeit, die derart mächtig sei, dass man sich ihr schwerlich entziehen könne, wenn man einmal in ihre Nähe gekommen sei. Die Übervernunft besitze eine unbegreifliche Seligkeit für den, der in täglicher Verbundenheit mit ihr lebt. Vor allem bedürfe es eines besonderen Organs, um es überhaupt wahrzunehmen. Dieses Organ sei die „wundersame Einfalt des Herzens“ (Wallfahrt zur Dichtung, 1966).

Sekundäre Naivität

Für Peter Wust bedeute Glaube: „Glaube an den Logos des Daseins“. Menschliche Weisheit sei sekundäre Naivität (Was bleiben soll, 191-192). Wust schrieb ein Buch zur „Auferstehung der Metaphysik“.

Haltung des religiösen Menschen

Albert Schweitzer habe bei Jesus ein „schmerzliches und entsagungsvolles Ringen um Wahrheit“, gesehen und zwar in einer Art, wie die Welt es noch nie gesehen hatte und nie wieder sehen werde. Ehrfurcht vor dem Leben sei die Haltung des religiösen Menschen. Für Nigg genügt Ehrfurcht vor dem Leben allerdings nicht. Auch Schweitzer sei genötigt worden, Bakterien und kleine Schlangen zu töten. Ferner atme auch die Pflanzenwelt und doch leben wir Menschen von ihnen (Was bleiben soll, 63).

Quelle

Walter Nigg: Leo Schestow  in: Was bleiben soll, vierte Auflage 1978