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157 - Geschichte des religiösen Liberalismus – von Walter Nigg

 

Für den religiösen Liberalismus

Über Männer, die für einen religiösen Liberalismus eintraten, wie Hutten, Kues, Paracelsus, Michelangelo, sagt Nigg, dass diese Menschen "keineswegs im Irdischen versanken, sondern sehr bewusst der Ewigkeit entgegen wanderten" (20).

Shakespeare

Die Humanisten empfanden Begeisterung "für jene freien und starken Männer der Antike, die sich nicht als arme Sünder gefühlt hatten, sondern bestrebt waren, ihre Persönlichkeit auszubilden und den Mut gefunden hatten, zu sich ja zu sagen" (21). "Wie von selbst entzündete sich an diesen (antiken)Vorbildern ein eigener Individualismus, der den Menschen auf eine heldenhafte, beinahe göttergleiche Stufe emporhob und der noch heute das anziehende Geheimnis von Shakespears Bühnengestalten bildet" (21).

Der homo universale

Für die Humanisten war nicht mehr der weltflüchtige Heilige das zu erstrebende Ideal, sondern der homo universale, der eine Welt für sich bildet und für alle Seiten des Lebens offen ist" (21).

Die gute Schöpfung Gottes

Mit dem „Adel des Menschen“ habe die Renaissance entdeckt und zugleich das antike Verhältnis zur Natur, das sich nicht in einer blossen Gleichnisbetrachtung erschöpfte (21). Die Antike "erlebte die Natur wieder als die gute Schöpfung Gottes, die um ihrer selbst geliebt werden darf" (22). Der Humanismus sei inne geworden, dass das „bis dahin verachtete Heidentum die wertvollsten Grundlagen geschaffen hatte, auf denen die abendländische Kultur ruhte" (22).

Reichste humanitäre Richtung

Erasmus von Rotterdam vertrat die an religiös-liberalen Momenten reichste humanitäre Richtung". Seine Persönlichkeit war von einer "hamletartigen Kompliziertheit", die von einem "tiefen Drang nach geistiger Unabhängigkeit erfüllt" war (24). Erasmus war "der geborene Individualist", der  von  sich sagen konnte: "Ich liebe die Freiheit, ich will und kann niemals einer Partei dienen" (24). Nach Erasmus besteht die Bedeutung von Jesus in seiner "Vorbildlichkeit" und nicht in seiner metaphysischen Verherrlichung (26). Nach Erasmus könne man auch im Heidentum "viel Gutes und Brauchbares für ein richtiges Leben finden". Man solle es nicht allein deshalb verachten, weil es heidnischen Ursprungs sei. Erasmus habe nur immer wieder betont, dass "alles auf Christus bezogen" werden müsse (27).

Kein Dogmatik-Gezänk

Erasmus kümmerte sich nicht um das Dogmatik-Gezänk, sondern betonte stets den Kampf gegen Laster und Begierden. Seinem vorwiegend ethisch aufgefassten Evangeliumsverständnis dürfe nicht die Tiefe abgesprochen werden, nicht zu einem flachen Moralismus gestempelt werden. Er habe durchaus Verständnis gehabt für die mystische und paradoxe Seite des Christentums. Auch er habe von Gnade gesprochen und sei von Ewigkeitsbestimmung erfüllt gewesen. Er habe besonders die lästerliche Verbindung von Krieg und Christentum aufs Korn genommen (26-27).

Verhängnisvoller Bruch

Bis zum verhängnisvollen Bruch mit Erasmus von Rotterdam habe der junge Luther den "grossen Lebensschwung" des Humanismus stürmisch begrüsst (33). Luther habe die katholische "Sakramentsmagie" aufgelöst und die "Werkfrömmigkeit" bekämpft, weil der Christ sich nicht durch Wallfahrten und Fasten den Himmel verdienen könne, sondern nur durch ein inneres gläubiges Ergreifen von Gottes Barmherzigkeit. Daraus sei für Luther eine neue Ethik geflossen, die nicht mehr wie die mittelalterliche die Welt floh, sondern sich in ihr zu bewähren suchte. Die schlichte Pflichterfüllung im alltäglichen Beruf war nach Luther der "wahrhaftigere Gottesdienst (33).

Freiheitspathos

In Worms sei Luther offenkundig ein Rebell gewesen, und „seine Verbrennung der Bannbulle und des kanonischen Rechts war eine unmissverständliche Empörung gegen die Autorität der Kirche" (33). Luther war "mächtig vom Freiheitspathos" ergriffen. Er schrieb "Von der Freiheit eines Christenmenschen sowie "An den christlichen Adel deutscher Nation (33). - In Luther sieht Nigg ein "moderner Mensch", namentlich in der "Unmittelbarkeit seines Erlebens" (33).

Selbstwerdung

Die Reformation habe „in der Weiterführung der Bestrebungen der deutschen Mystik dem Individuum eigentlich die Türe zur Kirche geöffnet." Die "Selbstwerdung der menschlichen Persönlichkeit“ geht auf die Reformation zurück (38).

Gemeindeprinzip und Gotteskindschaft

Die Lehre "vom allgemeinen Priestertum" (39). In der Schrift "An den christlichen Adel" sieht Nigg die Keime des Gemeindeprinzips (39). "Das Prinzip des Laientums war von der Reformation entdeckt worden (39), der "seiner Gotteskindschaft gewiss gewordene Mensch" (40). Luther habe die "Schätzung der Arbeit als Gottesdienst" vertreten" (39).

Gewissensfreiheit

Gewissensfreiheit (39).

Spiritualismus

Der Spiritualismus verkündete "ein unmittelbares Verhältnis zu Gott" (51).

Hans Denk

Nach Hans Denk und Valentin Weigel ist nach Christi Worten "das Paradies oder der Himmel oder das Reich Gottes oder der Vater oder Christus nicht ausserhalb uns zu suchen noch zu finden sei (), sondern in uns werden wir selig" (51. Auch nach Jakob Böhme sei "das Wort des Lebens" immer "in dir" (51).

Cäsar Franck

Franck: "die unsichtbare Geistkirche" (55).

Franck

Franck: der "inwendige Gottestempel" (55).

Christus

Im Grunde bedeutete Christus für Franck lediglich ein Symbol. (55).

Castellio

Castellio glaubte nicht wie Tertullian, "weil es absurd ist", sondern "weil die Vernunft sich sowohl von der religiösen als auch von der logischen Richtigkeit der Lehre Jesu vollständig überzeugen" könne (59).

Castellio

Castellios Glaube ruhte nicht auf äusserer Autorität, sondern auf "innerer Evidenz" (59). Nigg vermerkt, man dürfe diese Anschauung nicht als einen "Rationalismus vulgaris" verstehen, sondern als ein "Bekenntnis zu jenem Logos, der den Menschen von innen her erleuchtet" (59). Nach Nigg war Castellio der Herausgeber von Thomas von Kempis "Nachfolge Christi" (59).

Saatgut

"Ausbreitung des Saatgutes" (61).

Fox

Fox: Das innere Licht "ist kein natürliches Licht", sondern ein "göttliches und geistiges". Damit war nach Nigg "nicht gemeint, dass alles durch den persönlichen Geschmack bedingt sei" (63). "Englische Revolutionskirchen" (63).

Oliver Cromwell

Das Wort Freiheit war für die Independentisten eine religiöse Angelegenheit. Jeder Zwang widerstreitet Jesu Botschaft von der Liebe und verletzt die Menschenrechte. Oliver Cromwell verkündete im Parlament die Toleranz als unverrückbare Staatsmaxime, dass "alle Frommen, welcher Art ihre Religion sei, volle Gewissensfreiheit haben sollen (64).

John Milton

John Milton: In "göttlichen Dingen" dürfe man sich nie auf das Urteil anderer verlassen (65). Statt "Rechtgläubigkeit" forderte "diese zarte, gebildete Dichternatur" das "unermüdliche Suchen nach Wahrheit" und erklärte, "ohne diese Freiheit gibt es keine Religion" (65). Nigg vermerkt: Der autonome Mensch hatte sich selber gefunden und sprach sich das Recht der freien Selbstbestimmung in allen Dingen zu (65).

Quäker

Mit dem Gedanken der religiösen Gleichberechtigung der beiden Geschlechter wurde bei den Quäkern Ernst gemacht, und aus diesem Kreis gingen die Menschen hervor, die als erste den Kampf gegen den Sklavenhandel aufgenommen haben. Auch der moderne Pazifismus wurde vorweggenommen, indem die Unsittlichkeit aller Gewaltanwendung erkannt und der Krieg als Sünde diffamiert wurde (65).

Cromwell

"In Gestalten wie Cromwell, Milton, Williams kann man das Werden des modernen Menschen beinahe mit den Händen greifen. () Beinahe alle liberalen Ideen sind in der englischen Revolution in nuce vorgebildet. () Der religiöse Liberalismus ist älter als der politische Liberalismus". Nigg weist auf die Darstellung von Georg Jellinek, der "die Unhaltbarkeit, die Entstehung der Menschenrechte von Rousseau abzuleiten" zeige. Vielmehr seien die Menschenrechte "unter dem Einfluss des Spiritualismus der englischen Revolution entstandenen nordamerikanischen Staatsverfassungen zurückzuführen" (66).

Baur  F.Ch.

Ferdinand Christian Baur: "Ohne Spekulation ist jede Forschung ein blosses Verweilen auf der Oberfläche und Aussenseite der Sache" (149). Je wichtiger und umfassender ein Gegenstand sei, komme es darauf an, "die ewigen Gedanken des ewigen Geistes" in sich nachzudenken, und "nicht bloss, was der Einzelne gedacht und getan" hat (149). Es komme Baur das Verdienst zu, als erster das Christentum in seinem historischen Prozess begriffen zu haben (149). Indem Baur zunächst die "Texte so reden liess, wie sie lauteten", gelang Baur "die Aufdeckung der natürlichen Entstehung des Christentums, die ein ganz neues Geschichtsbild des Urchristentums zur Folge hatte" (150). Die ersten Jünger bildeten nicht eine harmonische Gemeinde. Schon die ersten Gemeinden seien "durch verschiedene Richtungen zerklüftet" gewesen (150).

Wahrhaftigkeit

"Wahrhaftigkeit" ist "eine der Grundsäulen des Lebens" (152).

Fichte

Fichte: "Das Metaphysische allein macht selig, das Historische macht nur verständig" (152).

Baur F.Ch

F.Ch. Baur: "Positive Kritik" als "echter Wahrheitsdienst". Baur gründete die historisch-kritische Tübinger Schule (153).

Strauss D.F.

D. Friedrich Strauss veröffentlichte mit 27J. (1835) "Das Leben Jesu" (159). Er habe die "Befragung der Texte" mit "inquisitorischer Strenge" durchgeführt und sei zum Ergebnis gekommen, "dass sich die evangelischen Erzählungen wegen ihres wunderhaften Charakters, der ihnen das Merkmal der Ungeschichtlichkeit aufprägte, ganz unmöglich in der beschriebenen Weise konnten zugetragen haben." (160). Vielmehr seien die neutestamentlichen Berichte durchwegs als "mythische Zeugnisse" zu betrachten (160). Darunter habe Strauss nicht etwas Schwindelhaftes verstanden, sondern "geschichtliche Einkleidungen urchristlicher Ideen, gebildet in der absichtslos dichtenden Sage" (160). Auch nach Nigg stellen alle evangelischen Erzählungen "nicht Geschichte im konkreten Sinne des Wortes" dar, sondern "einen grossen Mythos" (160).

Baur F.Ch

Die "Idee des Christentums" ist nach Baur auf die "ganze Gattung" zu beziehen, nicht auf ein einzelnes Individuum. Ideen liessen sich nie in ihrer ganzen Fülle auf ein einzelnes "Exemplar" ausschütten. Was die Evangelien von der einen Person Jesu Christi sagen, gelte vielmehr von der ganzen Menschheit (160). "Die Menschheit ist die Vereinigung der beiden Naturen, der menschgewordene Gott, der zur Endlichkeit entäusserte, unendliche, und der sich seiner Unendlichkeit erinnernde endliche Geist (160).

Hegelianismus

"Hegelianismus, dem die Idee alles und die Person nichts bedeutete" (164).

 

Zum Nihilismus in der "Glaubenslehre" von Strauss. Es sei vermisst worden, dass Strauss nie den Versuch machte, anstelle des zerstörten ein neues Jesusbild zu setzen (164).

Nihilismus

Mit "geistiger Sauberkeit" meint Nigg die "intellektuelle Redlichkeit" (166).

Baur F.Ch

Nach Baur verdankt das Christentum seine Entstehung "dem genialen Selbstbewusstsein des Urevangelisten (Markus), der das Markusevangelium geschrieben hat. Rom und Alexandrien haben das Christentum hervorgebracht, nicht Palästina. "Das Gemüt des neuen Gebildes kam vom Westen, das Knochengerüst lieferte das Judentum" (S. 170).

Baur F.Ch

Ob ein Jesus oder Paulus gelebt haben, war für Baur "gänzlich irrelevant". Wenn man das Christentum aus den historischen Kräften und den gesellschaftlichen Zuständen erklären will, so kommt viel grössere Wichtigkeit der Gedankenwelt eines Philo und eines Seneca zu. Nicht weniger haben die römischen Kaiser an der Formation des neuen Glaubens mitgearbeitet" (170-171).

Baur F.Ch

Nach Baur war es "in dieser grandiosen Art" wie Strauss "noch niemandem aufgegangen, dass das Urchristentum nicht als das einfache Resultat der Predigt Jesu zu begreifen ist, sondern dass es das Erleben der Weltseele in den ersten Generationen unserer Zeitrechnung widerspiegelt". Seit Paulus habe niemand die Mystik des überpersönlichen Seins Christi in dieser gewaltigen Art erfasst (171).

Baur F.Ch

In seiner Polemik gegen die Theologie gemahne Baur direkt an Franz Overbeck, nur mit dem Unterschied, dass der Freund Nietzsches eine viel grössere Selbstbeherrschung an den Tag legte, als sie begreiflicherweise dem entlassenen Privatdozenten eigen war (172).

Feuerbachs Atheismus

Atheismus: Ludwig Feuerbachs Atheismus "erstrebte keine sinnlose Zerstörung, sondern war von dem therapeutischen Ziel einer Humanisierung der Lebensauffassung erfüllt" (173). Nur dies erkläre die grosse Anziehungskraft, die er auf so viele Menschen ausübte, bzw. auf Gottfried Keller und "die edle Malwida von Meysenbug" (174)."Schliesslich wurde der Atheismus durch die Vermittlung von Marx für die sozialistische Arbeiterbewegung von unübersehbarer Wirkung (174).

Edgar Bauer Radikalismus

"Der Radikalismus mit seiner Entwicklung zum Atheismus hat den religiösen Liberalismus schwer kompromittiert. () Der Radikalismus hat schliesslich, wie Edgar Bauer auch gestand, eine ,Vernichtungsschlacht' gegenüber Theologie und Religion angestrebt, welche Bemühung aber in diametralem Gegensatz zum Ziel des religiösen Liberalismus stand, der jenem gegenüber nur ein deutliches Nein sprechen konnte". Das Wesen des religiösen Liberalismus besteht nach Nigg gerade darin, "dem Verlangen, bis zum äussersten Extrem zu gehen, als einer ihn allezeit umlauernden Versuchung, nicht nachzugeben, sondern auf jenem schmalen Gratweg zwischen einer krämerhaften Vermittlungstheologie und einem auflösenden Nihilismus hindurchzusteuern (175).

Straussens Mythosbegriff

Nach Nigg braucht es "nur Straussens Mythosbegriff mit einem positiven Vorzeichen versehen zu werden, um das neutestamentliche Geschehen in einem ganz neuen Lichte erstehen zu lassen, das viel wahrer und interessanter ist als der blosse historische Tatbestand" (176).

Leberecht Uhlich

Leberecht Uhlich (1799-1872): Jedem "solle das Recht freier Forschung und Entwicklung zugestanden werden" (178).

Wislicenus

Gustav Adolf Wislicenus reduzierte schon als Theologiestuden "zum Schrecken seiner Kommilitonen seinen Glaubensbestand schon bis auf die ,Tugend'" Nach Nigg fasste er "die Religion wesentlich als Sittlichkeit auf, aber nicht in schaler und flacher Weise, sondern entsprechend seinem energischen Willen freiheitlich und entflammend" (179).

Wislicenus

Nach Wislicenus dürfen uns die Schriften des Neuen Testamentes "kein Glaubensgesetz sein, sondern nur Zeugnisse vom Glauben der ersten Christengemeinden" (180). Nach Nigg stellte er dem "Schriftprinzip das Geistprinzip" gegenüber, in Analogie zu den urchristlichen Gemeinden, die ganz auf die "frohe Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes durch den Geist gegründet waren" (180). Der Geist sei es, auf den es ankomme. Natürlich nicht auf den eigenen Geist, sondern auf jenen "Geist der Wahrhaftigkeit und der Liebe" den Wislicenus allem Glauben überordnete. Es sei "der in der Menschheit frei wehende, heilige Geist, der nach Nigg keineswegs identisch ist mit dem Bibelbuchstaben und doch göttlichen Ursprungs ist. "Der Geist ist für den Christen nicht eine Fessel, sondern ein Antrieb zu weiterem Wissen und Erkennen. Sein Wesen besteht in dem beständigen Protest gegen alle Verknöcherung, und er bildet den wahren Lebensgrund der protestantischen Kirche" (180-181).

Julius Rupp

Julius Rupp trat nach Nigg, als noch niemand daran dachte, "für die Einbeziehung der Laien in die Synodalarbeit" ein und glaubte "an die allmähliche Entbehrlichkeit eines besonderen Predigerstandes" (184).

religiöser Liberalismus

Der Einbruch des religiösen Liberalismus in den Katholizismus (187/88). "Deutschkatholizismus (192). "Durch das mangelnde mystische Element ging ihnen jede religiöse Tiefe verloren. Darum vermochten die freireligiösen Gemeinden auch so wenig dem aufkommenden Freidenkertum zu widerstehen (200).

religiöser Liberalismus

"Der religiöse Liberalismus hat durch sein unfreiwilliges Ausscheiden aus der Kirche mehr verloren als gewonnen. Er ist ohnehin in Gefahr, der Kirche zu geringen und dem Individuum zu grossen Wert beizumessen. Es erwies sich () als unmöglich, eine neue Religionsgemeinschaft nur so aus dem Boden zu stampfen. Dazu bedarf es ganz anderer metaphysischer Mächte, die aus der Tiefe mit elementarer Dynamik aufbrechen müssen. () Die Meinung des religiösen Liberalismus, mit dem Austritt aus den dunklen Kirchenräumen sei man in die Freiheit hinausgetreten, hat sich als schwerer Irrtum erwiesen. Es war nicht die goldene Freiheit, sondern grösstenteils ein Vakuum, in welchem jeder zur Entzündung dienende Widerstand fehlte. Der religiöse Liberalismus muss die Spannung, in welche er durch sein Verhältnis zur Kirche gerät, aushalten, oder er bringt sich durch die Neutralisierung des Gegensatzes um seine innerste Lebenskraft. Seine Aufgabe liegt innerhalb der Kirche, weil er ohne deren beharrende, konservative Gegenkräfte der Selbstauflösung anheimfällt (202).

Rothe

Rothe hat das Christentum als eine "weltgeschichtliche Angelegenheit" aufgefasst (208).

Oetinger

Oetinger: Das Ende der Wege Gottes ist die Leiblichkeit (208).

Jakob Burckhardt

In der Schweiz wurde der religiöse Liberalismus von einigen "grossen Individualisten" bekämpft. Jakob Burckhardt tat dies nicht öffentlich, umso schärfer aber bekämpfte er in Briefen den liberalen Protestantismus. Burckhardt hatte vier Semester Theologie studiert und war früh zur Überzeugung gekommen, dass in der Welt nichts der menschlichen Faulheit zuträglicher sei als die Orthodoxie. Er vertauschte das Theologiestudium mit der Geschichtswissenschaft. Fortan hielt er alle kirchlichen Dogmen für blosse Mythen und brach für immer mit der Kirche, mit der er buchstäblich nichts mehr anzufangen wusste". Nigg bezweifelt, dass Burckhardt den religiösen Liberalismus überhaupt verstanden hat, der seinem Unmut gelegentlich bei der Wahl eines Reformpfarrers Luft machte (312/13).

Gottfried Keller

Gottfried Keller hat sich mit dem religiösen Liberalismus auseinandergesetzt. Nach Nigg ist Gottfried Keller neben Thomas Man "der eigentliche Dichter der liberalen Epoche und ist auch von echten religiösen Liberalismus nicht so weit entfernt, wie es sein durch den Mund des Kukundus verkündetes religiöses Bekenntnis dartut". Nigg zitiert: "Wenn sich das Ewige und Unendliche immer so still hält und verbirgt, warum sollten wir uns nicht auch einmal eine Zeitlang ganz vergnügt stillhalten können? Ich bin des aufdringlichen Wesens und der Plattheiten aller dieser Unberufenen müde, die auch nichts wissen und mich doch immer behirten wollen" (313).

Hartmann

"Hartmann vermisste beim religiösen Liberalismus eine richtige Metaphysik" (316).

Franz Overbeck

Franz Overbeck barg nach Karl Jaspers "eine Nietzsche vergleichbare radikale Wahrhaftigkeit, ein unbefangenes Zusehen, ein Zur-Geltung-kommen-lassen aller Möglichkeiten in sich" (317).

Franz Overbeck

Die Seele des Christentums ist nach Overbeck die Weltverneinung, und sein Grundcharakter ist unzweifelhaft asketisch" (319).

Husitische Tradition

Husitische Tradition in der Tschechoslowakei (343).

Philo

Nach Philo ist "Gott ist die Vernunftkraft der Welt" (345).

Religiöse Wahrheiten

"religiösen Wahrheiten einen zeitgemässen Ausdruck " geben (354).

Cohen

Nach Cohen ist das Judentum "die Religion der Vernunft". Er machte den Versuch, das Alte Testament als Philosophie zu begreifen (360).

Weitling

Für Weitling war Jesus ein Prophet der Freiheit. Die Bibel ist von Anfang bis zum Ende geschrieben, um die Reichen in Ordnung zu halten .... weiter ausführen (380).

Soziale Fragen

"soziale Fragen sind göttliche Fragen" (388).

Franz von Baader

Der "geniale, romantische Philosoph Franz von Baader" machte bereits im Jahre 1835 auf die "soziale Frage" aufmerksam (377).

Hermann Kutter

Hermann Kutter, einer der genialsten Theologen der Schweiz, dessen geistige Lebendigkeit einem glühenden Vulkan vergleichbar war. Sein Hauptwerk: Das Unmittelbare (386).

Leonhard Ragaz

Leonhard Ragaz ist ein Ethiker von puritanischer Strenge und tödlichem Ernst, dem jedes befreiende Lachen abgeht. Er wurde zum eigentlichen Führer des religiösen Sozialismus in der Schweiz. Zeitschrift: Neue Wege (386, 389).

Friedrich Zündel

Friedrich Zündel (390), Max Weber (392).

Friedrich Naumann

Friedrich Naumann (1860-1919): "Entweder wir sind Wölfe oder wir sind Lämmer ..." - Wir sollen einsehen, dass das Evangelium nur einen Teil des Lebens ausmacht (393).

Rudolf Steiner

Rudolf Steiner (398).

Neuorthodoxie

Für Neuorthodoxie war Humanismus ein Schimpfwort (399).

Ewigkeitsbegriff

Niggs Ewigkeitsbegriff: die feste Überzeugung in sich lebendig erhalten, dass der religiöse Liberalismus eine geistige Haltung ewiger Prägung darstellt, die nicht untergehen kann (402).

Quelle

Walter Nigg: Geschichte des religiösen Liberalismus, Niehans 1937