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Christa Stahel

Schwester Tod

iff-Tagung vom 23. November 2013

Weibliche Bilder des Todes

Mit eindrücklichem Anschauungsmaterial, Bildern und Tonfiguren zum Thema «Schwester Tod» hat Erni Kutter am 23. November 2013 vor einer interessierten Frauenrunde die Ursprünge der Sterbe- und Todesrituale und deren Entwicklung vorgestellt.

Mit «heiligen Frauen» und einem berührenden Gedicht von Laure Wyss eröffnete Erni Kutter ihre Darstellung.

Erni Kutter ist selbst keine FährFrau, sondern eine Forscherin, die mit unglaublichem Wissen und ungebrochener Hartnäckigkeit bis in die Frühgeschichte zurück geht, um die Wurzeln alteuropäischer weiblicher Sterbe- und Totenrituale und -kultur wieder zu entdecken, die durch das Patriarchat sehr lange überdeckt wurden. Damit hilft sie, dem Sterben, dem Tod und dem Tot-Sein den Schrecken zu nehmen und ihm als Teil des Zyklus' von Leben und Tod zu verstehen.

Sagen und Märchen, jahreszeitliches Brauchtum und frühgeschichtliche Zeugnisse unseres Kulturraums erzählen davon, dass Geborenwerden und Sterben einst untrennbar zusammenge- hörten. «Der» Tod trug weiblich-mütterliche Züge und wurde als die Mitte eines langen Lebens verstanden. Ein ausgeprägter AhnInnenkult diente der Pflege einer engen Verbundenheit zwischen Lebenden und Toten. Der Volksglaube bewahrte ein tiefes Wissen über Sterbeprozesse, und die Anderswelt und verehrte zahlreiche Heilige, welche die Rolle vorchristlicher Seelengeleiterinnen und Totenmütter übernahmen. Viele Überlieferungen, gerade des deutschsprachigen Alpenraums, lassen auf einen lebendigen Wiedergeburtsglauben und auf matriarchale Traditionen schließen, in denen weibliche Gottheiten das Leben und den Tod in ihren Händen hielten und die Menschen sich eingebunden wussten in den ewigen Zyklus von Werden, Sein und Vergehen.

Die Tagung gab Gelegenheit, die europäische Kulturgeschichte des Lebens und des Sterbens aus weiblicher Sicht kennen zu lernen und altes Frauenwissen zu aktivieren. Es lud ein, den reichen Erfahrungsschatz, die Bilderwelten und die Symbolsprache früherer Zeiten neu zu beleben und unser Verständnis von Sterben und Tod zu vertiefen.

Erni Kutter, Jahrgang 1947, Dipl. Sozialpädagogin (FH), lebt in Freising bei München. Langjährige Praxis in Krisen- und Trennungsberatung, Trauerbegleitung, feministischer Frauenbildungsarbeit und rituellem Kreistanz.

Autorin der Bücher: „Schwester Tod, Weibliche Trauer- kultur, Abschiedsrituale, Gedenkbräuche, Erinnerungs- feste“ (2010) und „Der Kult der drei Jungfrauen. Eine Kraftquelle weiblicher Spiritualität neu entdeckt“(1996).

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 Christa Stahel

  Warum es den Feminismus braucht

 

Mit ihrem neuen Buch «Gerecht ist das Wort der Weisheit» will Elisabeth Schüssler Fiorenza das Begehren nach Veränderung wecken. Dieses Begehren könne auch durch die biblische Weisheitstradition genährt werden, ohne deshalb unterdrückerische Traditionen der Bibel zu verteidigen. Ihr kritisches Kriterium: Nur das Nährende in biblischen Texten, das Frauen und anderen Nichtherren dieser Welt Lebensperspektiven eröffnet, könne und solle als «Wort Gottes» anerkannt sein. – Die Autorin nimmt ferner die Auseinandersetzungen innerhalb der feministischen Theologie und Theorie auf. Sie deckt auf, wo Frauen auf individuelle und gesellschaftliche Klischees reduziert oder gesellschaftliche Machtstrukturen zu wenig kritisch analysiert werden, wo Gewalt gegen Frauen und andere «Nichtherren» legitimiert oder übersehen wird. – Genderforschung, das Erkunden der Geschlechterverhältnisse, genügen Schüssler Fiorenza nicht. Ihre Vision ist eine ganz andere Welt, eine des Reiches Gottes oder eben eine radikale Demokratie. (Auszug aus Besprechung von Regula Strobel in «Aufbruch», September 2008, Seite 44). – Elisabeth Schüssler Fiorenza hat eine feministische Erkenntnislehre begründet, die «Hermeneutik des Verdachts.»

Elisabeth Schüssler Fiorenza: Gerecht ist das Wort der Weisheit

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405 - Demokratie nicht nur Männersache

 

Im Forum des St. Galler Tagblattes erschien heute (11.05.2010) folgender Leserinbrief aus Strassbourg:

Demokratie Männersache?

Am 3./4. Mai 2010 veranstaltete der Europarat auf Initiative des Schweizer Vorsitzes eine Konferenz an der Universität St. Gallen zum Thema «Demokratie und Dezentralisierung». Vertreter der Regierungen und Parlamente der 47 Mit- gliedsländer des Europarates, Lokal- und Regionalpolitiker sowie Vertreter der Zivilgesellschaft debattierten über die Stärkung demokratischer Institutionen und die Umsetzung bürgernaher Demokratie, insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene. Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - das sind die drei Kernwerte des Europarates, zu deren Stärkung die Schweiz während ihres Vorsitzes und unter anderem mit dieser Konferenz massgeblich beigetragen hatte ... Oder?

Unter den rund 50 Rednern und Rednerinnen waren gerade einmal zwei Frauen – noch dazu erhielten sie den Platz am äussersten Ende des Podiums zugewiesen und beanspruchten deutlich weniger Redezeit. Ebenfalls untervertreten waren Redner und Rednerinnen aus den neuen Demokratien in Zentral- und Südosteuropa. Insoweit war die Konferenz zu weiten Teilen eine Selbstbeweihräucherung etablierter männlicher Demokratie – ignorierend, dass auch die bewährten Demokratien manchmal mit der Demokratie hadern. Man denke an die Geschichte des Frauen- stimmrechts in der Schweiz oder den nicht oder erst in Ansätzen vorhandenen Einbezug von Ausländern und Ausländerinnen in demokratische Prozesse auf lokaler Ebene. Eine aufreibende und selbstkritische Diskussion, wie Europa die aktuellen Hürden, die der Demokratie im Wege stehen, nehmen kann, wurde (bewusst oder unbewusst?) ausgeblendet. Die Stimmung war lauwarm.

Solche Veranstaltungen werfen Fragen auf, wie es heute um die Gleichstellung der Geschlechter in der Politik stehe - gerade auch in erfahrenen Demokratien! Dabei gilt es zwei Aspekte zu beachten: Die eine Seite ist die strukturelle Verhinderung echter Gleichstellung, das heisst in diesem Zusammenhang die gendergerechte Planung einer solchen Konferenz. Es gibt doch reichlich Gemeindepräsidentinnen und Politologinnen auf unserem Kontinent! Bitte, lasst es uns doch einfach eine Selbstverständlichkeit werden ...

Der andere Aspekt ist eine (Selbst-)Kritik an alle Frauen (ich schliesse mich ausdrücklich mit ein) und sei hiermit einmal besonders betont: Wir müssen wieder wollen! Wir müssen Verantwortung tragen wollen. Wir müssen uns unbeliebt machen wollen. Wir müssen unseren inneren Schweinehund überwinden, der gerne sagt, dass das doch alles zu anstrengend ist und wir gerne den anderen das Feld überlassen. Wenn es uns zu mühsam ist, uns verantwortungsvolle Posten zu erarbeiten, dann werden auch weiterhin westeuropäische Männer die Zukunft europäischer Demokratie unter sich ausdiskutieren. Es sei hiermit allen Frauen ein Kränzchen gewunden, die diese Verantwortung heute schon wahrnehmen!

Carla Maurer, Place du Corbeau, 67000 Strassbourg

15. Mai 2010

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VORSCHLAG FÜR GLEICHE LÖHNE VON MÄNNERN UND FRAUEN

Männerlöhne senken ist kein Tabu

Zita Küng*

Frauen tragen jeden Monat sehr viel weniger Geld nach Hause als die Männer. Diese Tatsache kann mit verschiedenen Elementen zusammenhängen.

•   Frauen und Männer sind nicht in den gleichen Wirtschaftsbranchen aktiv. Die Branchen der Männer sind potenziell besser bezahlt.

•   Frauen und Männer arbeiten nicht auf den gleichen Hierarchiestufen. Die Männer sind besser bezahlt, weil sie in höheren Positionen tätig sind.

•   Teilzeitarbeit ist in jedem Fall Teillohnarbeit: Mit der freiwilligen Reduktion der Arbeitszeit reduziert sich auch der Lohn.

In dieser Kategorie finden wir überwiegend Frauen. Diese Unterschiede meinen wir aber nicht, wenn wir über «gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit» sprechen. Wir vergleichen nicht den Lohn einer Teilzeitverkäuferin mit dem eines Vollzeitbrokers.

Die Wahrheit ist: Auch wenn Frauen und Männer eine identische oder eine gleichwertige Arbeit haben, ist der Lohn - hochgerechnet auf ein 100-Prozent-Pensum - nicht der gleiche. Es handelt sich deshalb nicht um einen Unterschied, sondern um eine Diskriminierung. In der Schweiz haben Frauen einen verfassungsmässigen Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit in allen Arbeitsverhältnissen. Das Bundesamt für Statistik stellt aber immer wieder fest, dass die Lohngleichheit noch nicht hergestellt ist. In der Schweiz herrscht - beziffert von offizieller Seite - folgendes Lohngefälle zwischen den Geschlechtern:

•   Bauwirtschaft                            7 Prozent

•   Gastgewerbe                             8 Prozent

•   Bundesverwaltung                  13 Prozent

•   Kantonale Verwaltungen         19 Prozent

•   Detailhandel und Reparatur      20 Prozent

•   Kreditgewerbe                         31 Prozent

Verfassung und Gesetze lassen für diese Diskriminierung keinen Raum. Im Gegenteil: Sie fordern von den Arbeitgebenden - unter Schadenersatz- und Lohnnachzahlungsdrohung -, dass sie die Vorgabe des gleichen Lohns für die gleiche und gleichwertige Arbeit erfüllen müssen. Das Recht ist unmissverständlich.

«Mögen täten wir schon wollen, bloss dürfen haben wir uns nicht getraut.» Das Zitat von Karl Valentin umschreibt meiner Meinung nach die zähe Entwicklung der Lohngleichheit gut.

Bisher war klar: Lohngleichheit ist zu erreichen, indem die Frauenlöhne auf das Niveau der *Männerlöhne* angehoben werden. Dies hat noch nicht geklappt. Die generelle Lohndiskriminierung beträgt vorsichtig geschätzt 20 Prozent Alle wissen, dass es praktisch aussichtslos ist, die Gesamtlohnsumme um eben diese 20 Prozent zu erweitern. Denken wir an die Lohnrunden der letzten Jahre und die aktuelle Wirtschaftskrise, so ist wohl eine namhafte Erweiterung der Lohnsumme kaum zu erwarten. Müssen deshalb die Frauen auf ihr verfassungsmässig garantiertes Recht auf Lohngleichheit verzichten?

Ich meine Nein. Das wäre überhaupt nicht zu rechtfertigen.

In der Mitte treffen

Machen wir die Rechnung einmal andersherum und nehmen den Frauenlohn als Ausgangspunkt, also 100 Prozent. Wenn Frauen 20 Prozent weniger als die Männer verdienen, so entsteht ein Verhältnis Frauenlohn zu Männerlohn von 100 Prozent zu 125 Prozent.

Die *Männerlöhne* auf 100 Prozent zu kürzen, wäre eine Möglichkeit, aber eine fatale. Die Gesamtlohnsumme, das Bruttosozialprodukt und die Kaufkraft würden um 25 Prozent geschmälert. Trotzdem: Männer haben keinen verfassungsmässigen Anspruch auf die plus 25 Prozent, diese werden verhandelbar. Sorgen wir dafür, dass die Gesamtlohnsumme stabil bleibt und beginnen wir den Geschlechterdialog über die Löhne von Frauen und Männern. Die Balance entsteht, wenn sich *Männerlöhne* reduzieren, während Frauenlöhne steigen. Wie wäre es, wenn wir uns in der Mitte treffen?

Realisierte Lohngleichheit verschafft den Frauen nicht etwa ein Stück des Kuchens, das ihnen gar nicht zusteht, sondern mehr Gerechtigkeit.

* Die Juristin Zita Küng leitete das Stadtzürcher Gleichstellungsbüro 1990-1996. Heute ist sie Inhaberin von EQuality - Agentur für Gender Mainstreaming.

aus: Tages-Anzeiger, Montag, 16. März 2009, Seite 9

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Mutti geht arbeiten – Geteilte Arbeit ist doppelte Freude

Partnerschaftlich organisierte Familien sind zufriedener als solche mit herkömmlicher Rollenverteilung. Eltern mit traditioneller Rollenverteilung – der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt – sind weniger zufrieden als Paare, die sich Kindererziehung, Haus- und Erwerbsarbeit teilen. Dies zeigt eine Studie des Departements für Psychologie der Universität Freiburg. Dazu wurden mehr als 250 Mütter und Väter zwischen sechs Monaten und vier Jahren über ihr Befinden in der Familie befragt. Das Resultat: Je stärker sich die Mütter einer traditionellen Rollenteilung verpflichtet fühlen, desto unzufriedener sind sie mit dem Alltag. Die Väter fühlen sich besonders wohl, wenn sie Teilzeit arbeiten und die Frau nicht als alleinverantwortliche für Haushalt und Kinder sehen. Für eine paritätische Arbeitsteilung gebe es aber unter anderem noch zu wenig qualifizierte Teilzeitjobs auf Kaderstufe.

(Migros-Magazin 26/2008

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