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769 – Micheline Calmy-Rey – Die Schweiz, die ich uns wünsche

 

 

Elisabeth Camenzind

 

Bei ihrem ersten diplomatischen Treffen als Bundesrätin habe sie, Calmy-Rey, gelernt, dass es möglich ist, einer Grossmacht (USA) die Position der Schweiz darzulegen, und dass man ihre Stellungnahme anhörte. Ferner  erklärt sie: „Ich wollte eine engagierte Schweiz, eine aktive Schweiz, eine Schweiz, die von der Rolle der Gastgeberin, die ihre guten Dienste anbietet, zur Rolle der Vermittlerin übergeht“.

Zunächst schildert  Calmy-Rey, sie habe zu Beginn ihrer  Amtszeit grosse Mühe gehabt, Interesse für die Positionen der Schweiz zu wecken und bei den einflussreichen Akteuren vorsprechen zu können. Es sei so weit gegangen, dass es einige diplomatische Bemühungen brauchte und konkret der Botschafter der USA in der Schweiz von unserem Interesse an einer Begegnung mit Aussenminister  Colin Powell überzeugt werden musste, als er 2003 nach Davos kam. Dabei sei dieser Wunsch aus ihrer Sicht völlig normal gewesen: Die Schweiz hatte als Gastgeberland etwas zu sagen zu einer explosiven internationalen Lage, dem Irakkrieg, der nur wenige Wochen später ausbrechen sollte. Doch ein grosser Medienwirbel entstand; im besten Fall sei das Ganze als persönliche PR-Aktion gesehen worden und im schlimmsten als Einmischung in die internen Angelegenheiten der Grossmächte, die uns den Zorn unseres amerikanischen Partners zuziehen könnte. Daher fragte Calmy-Rey sich gestresst: Was hatte ich da losgetreten?

Stattdessen bleibe ihr ein freundliches Treffen in Erinnerung. Colin Powel habe ihr zugehört und informierte sie über die Position der Vereinigten Staaten. Sie wiederum verdeutlichte ihm die Wertschätzung der Schweiz von Verhandlungslösungen für internationale Streitigkeiten und ihre Sorge um das Schicksal der Zivilbevölkerung. Colin Powell wiederum habe sie bei ihren ersten Schritten in die Diplomatie unterstützt und ihr alle Finessen des Händeschüttelns und Benehmens erklärt, wenn man sich plötzlich einer Wand aus Fotografen und Kameraleuten gegenübersehe.

An einer Stelle verweist Calmy-Rey auf die Trümpfe der Schweiz: Offenheit und Vielfalt, Neutralität und eine humanitäre und demokratische Tradition, die uns Anerkennung eintragen. „Warum sollten wir dann denken, dass wir nichts sind und nichts bewegen können?“

Quelle

Micheline Calmy-Rey: Die Schweiz, die ich uns wünsche, 20014 (Seiten 14-17)