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360 – Die Philosophin Edith Stein schickte 1933 ein Schreiben nach Rom

 

 

Wenige Wochen nach der Machtergreifung Hitlers schrieb die Philosophin Edith Stein nach Rom: «Jahrelang haben die Nationalsozialisten Hass gegen die Juden gepredigt, jetzt haben sie die Macht und ernten die Früchte des Hasses, den sie gesät haben». Sie weist Pius XI. auf den Boykott jüdischer Geschäfte und die Ausschreitungen von Hitlers Horden hin und fragt nach der Verantwortung: «Sie wird nicht nur auf die zurückfallen, welche die Untaten begangen haben, sondern auf die, welche schwiegen.»

Sie appellierte eindringlich an den Oberhirten: «Nicht nur Juden, sondern auch Tausende von treuen Katholiken in Deutschland und der Welt erwarten und hoffen seit Wochen, dass die Kirche ihre Stimme erhebt. Wir fürchten um das Ansehen der Kirche, wenn sie ihr Schweigen fortsetzt.»

Edith Stein starb 1942 im KZ Auschwitz. Die Jüdin war 1922 zum Katholizismus konvertiert und 1933 dem Karmel-Orden in Köln beigetreten. Sie hatte vergeblich auf eine Universitätslaufbahn gehofft: als Frau und Jüdin war ihr eine solche versagt. Weil  der Druck der Nazis auch vor Klostermauern nicht halt machte, musste sie 1938 in den Karmel im holländischen Echt fliehen. Am 2. August 1942 holten sie Hitlers Häscher ein und verschleppten sie nach Auschwitz. Für Rom starb sie als Märtyrerin und wurde 1998 selig gesprochen.

Bericht im St.Galler Tagblatt 21.02.2003

„Seit Samstag ist das Geheimarchiv des Vatikans zugänglich. Als erstes Dokument ist nun ein eindringliches Bittschreiben der Jüdin Edith Stein an Papst Pius XI. veröffentlicht worden. – Johannes Paul II. hatte die Öffnung angeordnet in der Hoffnung, dass seine umstrittenen Vorgänger Pius XI. und vor allem Pius XII. rehabilitiert würden. Sie standen der katholischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus vor.“ -

Zur Autorin

Edith Stein, geb.1892, unbeschuhte Karmelitin,  Dr.der Philosophin. Publikation: Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins (1950)